I 6 I « RO — Nr. 61 IIP 1 Samstag den so. April Ou »MK Mfsh MWWM KTiE.^nSÄMUlD WMiramf WSiXFUiKSS V i n Ihres Vaters Tochter. Roman von Lulu von Strauß und Torney. (Nachdruck verboten.) (Fortseöung.) München, 15. Februar 1901. Lieber Georg! ... Ihr Brief, auf den ich so brennend gewartet habe, lst schon von den Ereignissen überholt. Aber das soll lern Vorwurf sein, er konnte ja nicht eher fommeit; und nun td) ihn in den Händen halte, sehe ich, daß unsere Geoancen, sich in schweigendem Verstehen begegnet sind, rfhd daß ich instinktiv schon getan habe, was er mir rät: sich den Tatsachen beugen, nichts selbst herbeiführen, aber auch nicht answeichen. " . • Hbwen Sie Zu, Georg. Ach, Gott sei Dank, daß ich einen Menschen habe, bei dem ich alles ausschütteu kann! Im „Tal", diesem behaglichen Stück Altmünchen, liegt das Haus, nicht weit von einer kleinen, grauen Kirche; mn wunderlich schmaler, hoher Kasten mit Schnecken an den Grebelabsätzen und .einem hölzernen St. Georg über der Haustür, der einen ganz unwahrscheinlich geringelten, grausamen Drachen durch und durch spießt. Die Haustür hat noch einen Messingklopfer, ein fratzenhaftes Männchen unt ^dickem Kopf. /Ms Lotte ihn mit keckem Bumbum an die Tür fallen lreß, verwünschte ich innerlich, daß ich mitgegangen war. Aber fte hatte die bestimmte Einladung gleich vom Bauern- ball nrrtgebracht und wollte nichts von Wsage hören. Sre hat übrigens .kaurn ein Wort vom Ball erzählt, der kleine Querkopf. Wunderlich still ist sie und träumt in dre Luft, den halben Morgen. — Also, Bernhardi. Ein knurriges Altchen in schlohweißer Schürze machte uns auf. „Der Herr is net z'spreche!" Lotte ichob s,ie resolut beiseite. „Dös wär g'scheit! Wir sind herbestellt." Sie führte uns Mo halblaut bruminend air eilte Tür: >,Do ganget's nei!" Ein großer Raum, .der wohl die ganze Breite des emnahm. Die Fassade hat mau wohl nur aus Vretat stehen lassen und innen alles umgebaut. Der heilige Georg würde wohl Augen machen, wenn sein Drache ihn so weit zu Atem kommen ließe, daß er einmal in dieses hiuernschauen könnte, das er wohl schon ein paar Jahrhunderte hütet. ,, SMe Einrichtung modern, aber von dieser eckigen ehrlichen Moderne, chie mit jeder überflüssigen Zierlinie gerzt und Zweck und Konstruktion scharf betont. Wahrheit *yl”, ^"'..^Gtoffhelt. Was trotzdem die Schroffheit milderte und Warme .ein Blau, tief und doch matt wie ferne Berge. Lachen Sie nicht, Georg, daß ich das alles sah! Das. Hans, in dem er wohnt, erzählt sehr viel vom Menschen, wenn man die Sprache versteht. Ich bin gewohnt, darauf zu horchen. k Lotte lief in Heller Begeisterung von einer der großen Landschaften zur andern, die da an den Wandern hingen« Heide, Kornfeld und vor allein Berge, leuchtende Dinger, die das Auge auf sich zwangen. Ich ging ihr langsam nach, als ich auf einmal eins Stimme hörte: „Zeuz!" Und noch einmal dünn und weinen lich: „Zeuz! Mein Kissen!" Ich sah mich ,unt. Aus der halbverhängten Mr da kam es. , Ein angebauter Wintergarten, Teppiche, blühende goldgelbe Marechal Niel, hohe Palmen und Sonne, sehr viel kühle, Helle Februarsonne durch grünliche Glaswände. Mitten in der Sonne ein Kinderwagen, ent flacher Fahrstuhl. War bas möglich? Das war Professor Bernhärdis' Kind? Der derbe, vierschrötige Riese mit der Stimme voll Kraft und Gesundheit, und dieses Stückchen Armseligkeit? Georg, Sie wissen, wie lieb ich Baby habd. Wenn ich Worte höre Ivie Freude, Sonnenschein, dann sehe ich gamK unwillkürlich dies leuchtende, lachende Gesichtchen vor mir in seinem Heiligenschein Heller Härchen. Bon alledeiu war hier nichts. Ein utageres, farblos^ Gesicht unter schlichten, dunkelblonden Haarsträhnen mit dem frühreifen Ausdruck, den vieles Leiden jungen Zügen gibt. Ich weiß nicht, was mich an dem Geschöpfchen so anzog. Mich, die sonst alle Schönheit anbetet! Aber ich! fühlte plötzlich eilt heißes, fast schmerzhaftes Erbarmen. „Nein, du sollst »et! Die Zenz!" wehrte der Kleine ängstlich-eigensinnig mit dein dünnen Aermchen afy als ich fein Kissen von der Erde aushob. Ich schob es ihm trotzdem! tu den Rücken. Er war überrumpelt und sah mich einen' Augenblick still und merkwürdig forschend an. „Wo kommst du her? Wie heißt du?" „Agnes. Und du?" „Joseph Bernhardi!" Joseph! Der feierliche Bibeluame schlotterte um das schmale Persönchen wie ein allzuweiter Mantel. „Der Vater sagt Seppl. Und die Zeuz auch!" erklärte er jetzt. Ich strich über die magere Hand, die auf der Stuhllehne lag. „Hast du's aber schön hier, Seppl! Was tust du denn den ganzen Tag?" „I lieg halt!" „Immer? Hast' du denn andere Kinder, die mit dir spielen?" Er schüttelt den Kopf. 266 „Tie Buben Worten immer laufen und schreien. Und das kann i net. I will mei Rn hab'n." Wunderlich altklug klingt das in der Kinderstimme. Und dies stille, geduldige Gesichtchen! Wie das Mitleid toe'f) tut! Ich muß dieses Gesichtchen lachen sehen, ich yalt's sonst Nicht ans. Ich besinne mich. Da fällt mir das Schattenspiel mit den Mnden ein, über das Baby immer so jauchzte. Ich lasse schnell eine Ziege, einen Hasen auf der weißen Wand huschen und erzähle eine Schnurre dazu. Seppl ist erst kühl, ungläubig: „Dös is ja net wahr!" Aber aus einmal lacht er hell auf, ganz, laut, echt kindlich! „O, noch mal, das Kitzle! O dös is a Gaudi!" Er ist unverfälscht Münchener Kindl in seinem Jubel. Das bißchen Hochdeutsch ist ganz verschwunden. „Bub, Seppl, hast du's gut! Schon Freundschast geschlossen? Wie haben Sie denn das angefangen, Fraulein Weddigen? Der Junge ist sonst so ein Kräutchen Rührmichnichtan!" Der Professor stand groß und breit in der Tur, sein Gesicht strahlte förmlich. Das war dex Anfang, Georg. Und ein guter Anfang war's! Es ist wunderbar, zu sehen, wie Bernhardt, der große, derbe Mensch, mit dem Kind umgeht. Seine breiten Hände werden leicht und vorsichtig wie Frauenhünde, wenn er !ks anrührt. Er verzog weinerlich das Gesicht, als wir zur Tür gingen. .„Nicht weinen, Seppl, wir kommen wieder und holen dich.' Derne Tante Ugnes soll nur erst unser Haus anfehen, gelt? Dann Hatz du sie wieder." — „Mn zu kurzes Bein," erzählt er mir unterwegs. „Jin zweiten Jähr hat das Leiden sich entwickelt. Nun liegt er seit vier Jahren im Stuhl oder stundenlang angeschnallt auf dem Streckbett. Der Arzt sagt, es könnte sich mit ver Zeit Heven. Gute Ernährung, viel frische Luft. Schlimm, daß ich nicht den ganzen Sommer mit ihm am Land sein kann. Wer ich habe hier mein Amt, meine Schüler. Und den Zungen (mein wegschicken, unter bezahlter Pflege — uetn!" „Haben Sie nie einen Spezial st konsultiert?" Er zuckte die Schultern. „Mehr als einen. Der arme Bub hat sein halbes Leben in Doktorwart ezimmern und Kliniken verbracht. Schließlich der letzte erklärte: eine schwere innere Zerstörung, das Bein muß amputiert werden. Ich hab ihn gefragt, was geschieht, wenn ich „nein" sage? Dann bleibt er, wie er ist, ein Krüppel, fürs Leben unbrauchbar. Sie Kamel, hab ich ihn angeschrieen, ist er denn mit einem Bein etwa kein Krüppel? Und bin heraus und die Wr zugeschlagen. Das war das letzte Mal. Seitdem haben wir den Buben ganz in Ruh gelassen, jetzt ein Jahr schon. Herrgott, aber toozu davon reden!" Er brach kurz ab. Aus der breiten Stirn stand eine scharfe Gramfalte, die das ganze Gesicht veränderte. Erst nach und nach, als Lotte ihn oben in dem hellen, lustigen Atelier auf Kunsttheorien festnageln wollte, wurde M wieder lebhafter, ihr Feuereifer machte ihm sichtlich Spaß. Ich hatte nicht viel Angen mehr für das Haus, muß ich gestehen. Ich mußte an das trübselige kleine Gesicht da unten denken. Und an den Professor auch. Seppl sah uns mit sehnsüchtigen Augen entgegen und pachtete mich von da an. Zenz hatte den Tische gedeckt und brachte eine silberne Kaffeekanne. Sie mißbilligte uns etwas weniger als zu "Anfang, als sie "sah, daß Seppl mit seinen Mageren Fingerchen mein Handgelenk umklammert hielt. Ich war ganz glücklich über seine Zutraulichkeit. Es war mir Ivie als Kind, wenn ich ein scheues, halbflügges Bögelchen gefangen hatte und in der Hand hielt, daß ich die weichen Federn und das kleine klopfende Herz fühltet Die Unruhe von vorhin hatte ich vergessen. Lotte hockte auf dem Teppich und wühlte glückselig in ein paar großen Sttwienmappen des Professors, als er sich auf einmal zu mir wandte. „Nun wissen Sie so viel von mir und Habben selbst noch kaum ein Wort gesagt. Sie müssen mir doch von Ihrem Baker erzählen. Ja. der Peter Florenz! Bier, fünf Jahre älter war er als ich. Und nun schon unter der Erde. Hätte ich's zur Zeit gehört, ich wäre gekommen und hätte ihm die letzte Ehre gegeben." Er sah vor sich hin. Also kam es doch noch! Was sollte ich nur sagen? Diesmal war ich noch erlöst, der Professor wartete gar nicht auf Antwort. „Ja ja, die Jugend. Wie wir uns damals durchgeschlagen haben, einer mit dem andern und für den andern! Wir sind ja später durch die Verhältnisse auseinandergekonw men — tote das so geht. Aber tvir hatten doch viel zusammen erlebt. Das vergißt sich, weiß Gott, nicht. Ist er lange krank gelegen?" Er tat noch ein paar Fragen. Ich weiß nicht, was ich geantwortet, hastig rind verwirrt. Auf einmal nahm er meine Hand, ein Ausdruck großer, warmer Güte war in seinen Augen. „Ich Unmensch! Quäle ich das arme Kind mit meiner Fragerei! Nein, still nur! Sie erzählen mir ein andermal. Jetzt ist das alles noch zu frisch, ich weiß! Ich will auch gar nichts hören, ich bin jetzt ganz zufrieden, daß ich Peter Florenz' Tochter wenigstens in meinem Haus hab! Gelt, Seppl, du freust dich auch? Bitt sie schön, daß sie wieder/ kommt." Das war alles. Kein Wort weiter. Ich begreife den Mann nicht, Georg! Liegt ihm das alles wirklich schon so fern, ist es abgetan und vergessen, daß er so gleichgültig, unbefangen davon reden kann? Denn die Unbefangenheit ist Wahrheit, ich sehe es! Sein Gesicht ist ein offenes Buch. Kann man denn vergessen, was man so heiß erlebt und gefühlt hat? „Durch die Verhältnisse auseinandergekommen, wie das so geht." Ich vergleiche die paar Worte in Gedanken mit seinen alten Briefen. Mit dem hellen Zorn, der einem da aus jeder Zeile ins Gesicht schlägt! Vielleicht liegt es in der menschlichen Nattir, sich um Vergangenes nicht weiter zu kümmern. Die Gegenwart ist schwer genug, auch ohne daß man alle früheren Lasten noch mitschleppt! Möglicherweise ist das der einfache Schlüssel des Rätsels, Vielleicht fasse ich die Sache nur exaltiert auf. Ich habe zu viel um dieses Eine gelitten. Es könnte ja sein, daß sich mir die richtige Perspektive der Dinge verschoben hätte, daß ich näh und übergroß sehe, was doch schon fern liegt. Gesunde Augen, die nicht weiften und wachen, sehen die Dinge, wie sie sind! Es kann ja so sein. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß niemand seine Toten so verliert wie ich, ohne Hoffnung und auch ohne Erinnerung! — Am liebsten ginge ich nicht wieder zu dem Professor trotz seiner Aufforderung. Wenn der Junge nicht wäre! Die Augen! Das bettelnde Stimmchen! Da haben Sie also wieder ein Stück von meinem Leben, liebster Freund. Was werden Sie dazu sagen? Das frage ich mich zuerst und zuletzt bei allem, was mir begegnet! Und bin nicht ruhig, bis ich Ihnen gebeichtet habe! Es grüßt Sie Ihre Agnes W; (Fortsetzung folgt.) Lin Besuch auf der Erdbebenwarte Jugenheim a.d.B. Von Dr. Walter Lejeune -Gießen. Erderschütterungen zählen zu den alltäglichen Dingen; ihre! Erforschung liegt im Felde der instrumentalen Untersuchungen nicht in der Theorie; es mag manchem unwahrscheinlich klingen, daß z. B. im Jahre 1905 die Zahl von 4760 Beben verzeichnet wurde. Nach Mtontesfus de Balkare ergibt sich aus dm «Beobachtungen einer Reihe von Jahren ein jährlicher Durchschnitt von! 3830 Beben für die gan,ze Erbe, d. h. es findet durchschnittlich! alle 2 Stunden 17 Minuten ein kleines Beben, jeden zweiter» Tag ein solches mittlerer Stärke, jeden Monat eine größer« Katastrophe dieser Art statt. Wie wir aber ganz genau die Landstriche kennen, die all-« jährlich dem Hagelschlag ausgesetzt sind, während in anderer» Gegenden Verheerungen durch ihn so gut wie wie vorkommen/ so gilt dies auch für die geographische Verteilung der Erdbeben, So hat z. B. Japan die größte Regsamkeit aufzuweisen r ist 'doch dieses Land in dem Zeitraum von 416—1867 über 2000 Erdbeben mit 223 vernichtenden Katastrophen ausgesetzt gewesen! Allein die Hauptstadt Tokio wird etwa reden vierten Tag er/, schüttert. Dort trat schon 1880 eine Seismologische Gesellschaft — 267 — *) Das ist ein großer Irrtum: Der 'Gießener Anzeiger schrieb in seiner Nr. 305 vom 29. Dezember, also am Tage nach dem Unglück: „Messina, Augusta und andere Städte sind vollständig zerstört, Hunderte, wenn nicht Tausende von Menschen getötet. — Die letzten Nachrichten aus Messina lauten erschreckend. Dis Zahl der Opfer wird auf mehrere Tausend.veranschlagt. — Der Bürgermeister von Palmi berichtet, daß in seiner Stadt 500 Personen getötet und mehrere hundert verwunoet worden sind." Diese Nachrichten gründeten sich auf Drahtnachrichten des Wagnern Mros vom 28. Dezember abends. Die Schristltg. den Spitzen fließt: sie schreiben äußerst- fein — aber deutlich -s und sind den Rußschreibern entschieden vorzuziehen. Das genannte Triebwerk mit Kegelpendel gibt auch die Zeit- markm genau bis au, die Sekunde an und wird-mit der Hauptuhr der Warte verglichen. Diese Hauptnhr wird jede Woche einmal Mit derjenigen der Sternwarte Köuigsstuhl-Heidelberg verglichen, damit der Ausschlag der Hauptuhr bis auf Vio Sekunde genau bekannt ist. So crpolgt als Aufzeichnung ein alle drei Mimnen unterbrochener gerader Strich, der gerade bleibt, so lange de« Seismograph nicht erschüttert wird. Ist dies aber der Fall, dann wird der Strich tvellig und die Höhe der Wellen hängt ab! von der Stärke oder der Nähe des Bebens. Aus den Aufzeichnungen kann die genaue Zeit des Erd-, bebens abgelesen, die Entfernung berechnet werden und es lassen! sich Schlüsse auf die Richtung ziehen, in der das Schüttergebiet liegt. Zum Aussuchen des Epizentrums des oberirdischen Mittel-, Punktes eines Bebens ist eine Landkarte bequem, in der Linien! gleicher Entfernung und Linieir gleichen Azimuts eingezeichnet und. unter Azimut versteht man einen Winkel, der in der! Wagerechten gemessen wird. Dieser sog. Horizontal-Seismograph stellt ein sehr wert- volles und brauchbares Instrument dar, verzeichnet aber nur die! horizontalen Komponenten, während auf die ver-, tikale Komponente leider verzichtet werden mußte. Da! nämlich nach den Erfahrungen anderer Stationen ein Vertikal- Seismograph äußerst empfindlich gegen Tempcraturschwankungen ist und der eben benutzte Keller nicht genügend gleichmäßig« Temperatur hat, kann an die Aufstellung eines so empfindlickMi Instruments nicht gedacht werden, so lange hierfür nicht anders Raume zur Verfügung stehen. Ein für diesen Zweck besoudersi ^s.^ssf.ch1endes Beobachtungshaus, wie andere Warten es »haben — möglichst ruhig gelegen, d. h. weit entfernt von Landstraße und! Eisenbahnlinie —, wäre daher sehr wünschenswert und es bleibt zu hosfen, daß sich Freunde der Wissenschaft und insbesondere de« Erdbeben»orschu n g vereinigen und zur Erreichung dieses Zieles! hilfreich die Hand bieten, zumal auch der Entwicklungsgang der Seismographen noch keineswegs zum Abschluß gelangt ist. Der verdiente Professor Gerland hatte Mr Deutschland ein Netz von elf Hauptwarten und 23 Nebenwarten entworfen. Viele von diesen Warten sind ins Leben getreten. ES bestehen zurzeit in Deutschland Warten in: Freiburg, Heidelberg, Stuttgart, Bieberach, Aachen, Karlsruhe, München, Jugenheim (für Darm-, ©öftingcn, Hamburg, Leipzig, Plauen, Jena, Breslaus und Potsdam. Sie alle stehen untereinander in Verbindung^ um bett Dienst einheitlich zu regeln. i Nun noch wenige Worte (unter Benutzung von: Dr. Edivin Hennig, Erdbebenkunde 1909) über die große Schnelligkeit dest Erdbebenwellen. Das Unglück von San Franzisko fand nach M E. Z. nm 2» vorm. statt. 216 wurde der Stoß in Britisch- Kolumbien und 2-$ in Europa verzeichnet bei einer Entfernung von 9700 Km. (Erdumfang 40000 Km. 1) Das Unglück von Messina ereignete sich 520 morgens M. E. Z., das Beben erreichte Malta etwa 1 Minute später und fand sich binnen 2—6 Min. auf allen nordeuropäischen Apparaten ver- zeichnet. Auch die Stärke des Bebens stst den Aufzeichnungen unmittelbar zu entnehmen. Am 28. Dezember 1908 imißten die Beobachtungsstellen sofort, daß die Heftigkeit der Erschütterung hinter der von San Franzisko nicht zurückgestanüen hatte, während die Presse noch am Abend des Tages nur von, drei Toten tn Kalabrien zu berichten wußte (!) und der volle Umfang des Unheils sich erst allmählich in den folgenden Tagen hercms- stellte. *) Am 23. Januar 1908 verzeichneten die Warten ein gleich starkes Beben; vergeblich aber wartete man auf Bestätigung aus den bedrohten Ländern Asiens, so daß bereits Zweifel an der Richtigkeit der Entfernungsmessungen laut tonrben. Diesmal währte es fast vier Wochen, bis die Ktilturwelt von einem! schweren Beben in der persischen Provinz Luristan, dem Untergänge zahlreicher Ortschaften und einiger tausend Menschenleben! erfuhr. Die Klüfte der Erde lieferten selbst die schnellsten und ziiverlassigsten Telegramme! Sie sind aber besonders zuverlässig deshalb, weil sic ohne Rücksicht auf vernichtete Kulturwerte Bv- richt erstatten, beispielsweise ,auch dann, wenn sich das Beben! etwa in der Tiefe des Meeres abspielt. — Aus dem Gesagten ist wohl jedermann ersichtlich, welche! Bedeutung den Seismographen beizumesfen ist, die für Wissenschaft einesteils und für Handel, Industrie (Bergwerk) und Landwirtschaft andernteils gleich wertvoll sein können. Ihren weiteren Ausbau; wissenschaftlich und finanziell M unterstützen kann deshalb nur im Interesse der Mlgcmeinheit liegen. ins Leben und 6 Jahre später wurde an der Universität Tokio ein eigener Lehrstuhl für Erdbebcnkunde errichtet. Aber auch Deutschland hat — namentlich in allen gebirgigen' Gegenden — recht unruhigen Boden. Neben dem Vogtland, als Laupterschütterungsgebiet für Mitteleuropa, ist das Rheinland nut dem Mainzer Becken im Norden (Groß-Gerau) stnd dem Baseler Land im Süden in dieser Hinsicht von Bedeutung. große Beben von San Franzisko am 18. April 1906 und das Unglück Von Messina am 28. Dezember 1908 in aller Erinnerung und man kann wohl.sagen, daß sich erst seit teuer Zeit diesen Erscheinungen ein größeres, allgemeines Interesse ' zuwendet; aber noch kann dieses Interesse kaum anders als in beschränktem Maße befriedigt werden — wenigstens für den Laien — denn die Zeitungen bringen nur vereinzelt Mitteilungen, rue ihnen von Erdbebenwarten zugehen. (!) Wie ist nun ein solcher Seismograph (Erdbebenmesser) beschaffen? Auch mir war dieser Apparat bisher fremd; dankbar begrüßte ich daher die Erlaubnis des Herrn Professor Dr. Zeissig — gelegentlich meines Aufenthaltes zr> Ostern d. I. in Jugenheim a. d. B, — die dort unter feiner Leitung stehende Warte kennen zu lernen.1 Er hatte die Liebenswürdigkeit, mich sehr eingehend jnit Theorie ttnb Praxis bekannt zu »lachen und opferte mir dabei viel Zeit, denii fluchtig läßt sich die Sache nicht erledigen, wenn mau nur annähernd ein Verständnis mit nach Hause nehmen will. Obwohl sich die Kaiserliche Hauptwarte für Erdbebenforschung W Straßburg t E. bereits int Jahre d.902 mehrfach an die Hessische Regierung ioegen der Begründimg einer Erdbebeiiwarts in Darmstadt gewandt hatte, mußten der fehlenden Geldmittel wegen die Unterhandlungen ergebnislos bleiben. — Erst für das Jahr 1908/09 bewilligte die Regierung die erbetenen Mittel zur Unterhaltung und zum Betrieb einer Warte mnd dies auch nur, nachdem von privater Seite (Sanitätsrat Dr. mcd. Fre- seniiis-Frankfurt, z. Z. Jugenheim) die Mittel zur Vollendung «nd Aufstellung des von Professor Zeissig begonnenen Erdbcben- messers zur Verfügung gestellt worden waren. — Zwar besitzt oos Physikalische Institut in Darmstadt einen kleineren, zur Kontrolle dienenden Messer, jedoch wurde für den Haupt-Apparat uLxV 1* geNhei IN gewählt, um frei von Störungen: be« ftabttfß)en Verkehrs zu fein. Wollen wir uns das Prinzip des Erdbebenmessers (nach Wicchert) klar machen, so stellen wir am besten einen — allerdings sehr großen. — Meise! vor, »essen senkrecht gestellte Achse etwa iy2 Meter mnd dessen Massendurchmesser 1 Meter betrügt, und der wie ein Kreisel auf der Spitze schwebt, — freilich ohne sich zu drehen —. Er wird vor »em Umfallen bewahrt, d. h. im Gleichgewicht erhalten, durch zwei kleme Bwttledern, die durch zwei Hebel und zwei Stangen mit stehen; die. eine Stange liegt im Meridian stolittagslime), die andere senkrecht dazu, wodurch eine Zerlegung; mr Bewegungen tn zwei entsprechende Komponenten erreicht wird. Wenn nun der Kteisel durch Bewegungen relativ zu den vorhandenen festen Stützpunkten erschüttert wird, so ist es die auf- Iretende Drehung der Hebel, die in gehöriger Vergrößerung verzeichnet wird. v i F» der Hand dieses Schemas wird das weitere leicht vcr- standlich werden: Der Messer ist in einem Keller aufgestellt. ®er Keller ist 4x3% Meter groß und der Fußboden liegt iy2 Meter unter der. Erbe. Die Temparatur im Raume hält sich nahezu gleichmayig; Trockengestelle mit Chlorcalcium dienen zum Trocknen der Luft In 26 Meter Entfernung von der Warte führt eine Landstraße und tn 140 Meter Entfernung das Gleise der Nebenbahn Bickenbach—Seeheim mit etwa 36 planmäßigen taglickMN Zugen vorüber. Der Eisenbahn- und Straßenverkehr verzeichnet sich auf den Streifen in besonderer, immer wieder- kehrender Form, jedoch ohne Einfluß auf die Aufzcichumig der Erdoeben. Der Meise! — richtiger ein verkehrtes Pendel mit der Masse Oberhalb des Drehpunktes —, ist mit einem Drittel seiner Höhe versenkt ausgestellt, wodurch Hebel, Dämpfer und Zeiger sehr bequem sichtbar und zugänglich werden. Ein Schwebeboden hat sich als nötig herausgestcllt, da jeder Tritt auf den Killerboden sofort störend wirkt. Die Pendelmasse besteht aus einem Gemisch von Schwer- Sand und Zement und erreicht einschließlich der eisernen Pendelachse fast 1200 Kg. Oben ragt die Pendelachse durch eine ...»«. s....... l durch zwei Stoßstangen ” Hebel- und Zeigerwerk in Verbindung. Der allseitig Glasfenstern versehene Schutzkasten, der das ganze Pendel überdeckt, hat vorne eine Tür und oben Klappen, die den fein- mechanlschen Teil zugänglich machen. Das Triebwerk für die g Aufzeichuungspapier fortbewegt, ist an der Wand s^llers angebracht und besteht aus einem Uhrwerk mit ^Abndel, eine Breinse vernichtet die jeweils überschüssige! m'üiien E- •*a§ ^egelpendel zu gleichmäßigen Schwin.-- Auszeichnung erfolgt mit Farbschrift auf 12 cm Streifen tiott äußerst glattem Kunstdruckpapier. Jeder getrennt auf einen Streifen. Der jährliche LgWAedars für jeden Teil ist zehn Rollen zu je 3 Kg. Die Farbschreiber bilden die Enden der Schreibarme, die mit den Sbn11 ün r” *?, Verbindung stehen und sind um die Hf® drehbar. Sic sind aus, Glast Kleine zylindrische Glas- behaltci enthalten die Farbe, die durch denkbar engste Röhren zu 268 Vie Greuel der chinesischen Justiz, wie sie jetrt besonders in der Mandschurei gegen die immer zahlreicher werdenden Räuberbanden, die „Chunoh udzen"" , zur Anwendung gelangt, schildert der in Charbin lebende Dr. 8ioger Baron Budberg in den letzten Nummern des „Globus". Nach chinesischem Gesetz unterliegt jeder, der sich eines Raubes schuldig gemacht hat, sei es auch in leichtester Form, der Todesstra! e durch «Enthauptung. Wird der Räuber während des Raubes von vielen gesehen und'ersaht, so kann er auf der Stelle hrngerrchtet werden; wird er aber nicht auf frischer Tat festgenommen, so muß er auch nach der Ueberführung durch Zeugen ein Geständnis ablegen und es selbst durch Abdruck des in Tusche getauchten Zeigefingers unterzeichnen. Legt er freiwillig das Geständnis nicht ab, so kann er durch Foltern dazu gezwungen werden. Die leichteste Form der Folter sind dabei Schläge mit einem langen Lineal, das aus einer Anzahl Minner, übereinandergeschichteter Bambusplatten gebildet wird, auf die aii eine kleine Bank gebundene Hand. Das Lineal bat eine furchtbare Schwungkraft, mit großer Schnelligkeit fallen die laut klatschenden Hiebe nieder, und monoton ruft dazu der Schlagende die Schlagzahl aus, indessen nur die geraden Zahlen. Schon nach kurzer Zeit bildet sich eine große Blase, die sich durch Blutaustritt schwarz-violett färbt. Die Hiebe können zu Hunderten verabfolgt werden, auch am nächsten Tage, bis der Angeklagte em Geständnis ablegt. Nock) schwerer sind die Schläge mir den Oberschenkel, die sehr bald das! Fleisch zum Vorschein kommen lassen, ia bisweilen werden die Knochen buchstäblich freigelegt. Eine eigentliche Folter aber ist erst das Knien am Kreuzgestell. „In die Erde gerammt ist ein Pfosten. Der Delinquent wird, ur Fußfesseln geschlagen, so über ihn hinweggehoben, daß der Pfosten zwischen seine Unterschenkel zu stehen kommt, auf dem Erdboden sind dünnere Ketten zusammengerollt, auf diese kommen die Knie zu stehen. Der Zopf wird an dem Pfahl hoch aufgebunden, während im Rücken ein durch den Pfosten gesteckter Keil den Mann zur Ge- radhaltung zwingt. An einem mitdcm vertikalen Pfosten nun vereinigten Querbalken werden die horizontal nusgestreckten Arme Don um beide Daumen geschlungenen Minnen Schnüren in solcher Stellung erhalten. Um die Qualen noch zu vermehren, werden nach Bedarf zwei bis drei Ziegelsteine unter die Fußrücken gestellt, was bedingt, dIß die ganze Last des Körpers auf einer sehr kleinen Fläche beider Kniescheiben den Ketten aufliegt. Für den Europäer ist der Anblick entsetzlich!" Mancher Verbrecher kniet so auf dem Dose des Gerichts in glühender Sommerhitze oder in eisiger Wmter- kälte den Tag über, manstläßt ihn wohl auch noch in der Nacht an der Folter, um die Sache schnell zu beenden, und auf seine monotonen Klagerufe antwortet man ihm, mit dem Trost: „Gestehe ein snnd du wirst befreit, deine «Hinrichtung befreit dich von allen wei- tereil Leiden." Schließlich hört inan den Unglücklichen rufen: „Ich will reden, möge eine Person kommen!" Reicht diese Folter aber ' noch nicht aus, so ist eine härtere Form diese: „Der Verbrecher kniet ebenso auf Ketten auf feinem erhöhten Piedestal, in die Kniekehlen wird ein langes Brett gelegt, auf dessen beide Enden zwei bis vier Personen sich stellen und eine wippende Schaukel bilden. Die Qual ist unbeschreiblich, wobei Schenkelbrüche nicht selten Vorkommen." Hat der Angeklagte das Geständnis abgelegt, so sind eine Reihe von Formalitäten zu erfüllen, und es kann sehr ver- schieden lange Zeit bis zur Hinrichtung verstreichen, die der Verbrecher in elendester Lage in furchtbaren Gefängnissen znbringen ! muß. Die Hinrichtungsplätze liegen in der Mandschurei außerhalb der Städte, dort wo aller Unrat abgeladen wird und nur ein freier . Platz vorhanden ist. Da die Liste der zum Tode Verurteilten . dem Kaiser zur Bestätigung nur alljährlich im Herbst vorgelegt . wird, so finden in der Regel eine Anzahl Hinrichtungen zu gleicher Seit statt, in den großen Städten oft hunderte an einem Tage. uf großen Lastwagen werden die Delinquenten zum Richtplatz geführt. Sie sind alle in Holzfußfesseln geschlagen, und die Anne werden ihnen auf dem Rücken zusammengebunden. Auf einem großen schwarzen Papierstreifen, der auf dem Rücken befestigt tvird, stehen Name, Heimatmnd das Verbrechen verzeichnet. Mietallposaunen verkünden den Gang der Exekution; es sind erschütternde Töne, metallen hohl, wie aus der Tiefe des Erdreichs hervordringend, die leise beginnen, immer lauter werden, um daun wieder herabzusiuken; dazwischen mischt sich ein anderer, ruckweise hervorgestoßencr, der sich wie ein wildes Hohnlachen anhört. Erschallen diese Töne, so strömt das niedere Volk auf dem Richtplatz zusammen. Das Benehmen der Verurteilten ist sehr . verschieden; es ist übertrieben, wenn immer erzählt wird, daß alle Ehineseii bei der Hinrichtung völlige Gleichgültigkeit, ja Heiterkeit an den Tag legen. Mancher alte Chunchudze hat wirklich keine Angst vor dem Tode, aber junge Personen sieht man oft weinen, andere sind trunken, singen meist frivole Lieder oder schimpfen über die Beamten und Richter. Ist der Zug auf dem Richtplatz angelangt, so hat die ihn begleitende militärische Eskorte diesen in einem Moment gesäubert und umstellt und richtet das Gewehr oder den Revolver aus das Zentrum des Platzes, auf dem die Wagen Halt machen. Schnell werden die Verurteilten in die richtige Stellung gebracht, zum Teil hüpfen sie selbst an ihren Ort; sie knien in langer Reihe. Wie aus der 'Erde gewachsen steht plötzlich der Scharfrichter, der sich bis dahin versteckt gehalten, hinter denk ersten der Reiht, und sehr häufig hak er ihm! dens Kopf vom Leibe mit einem gewaltigen Schlage seines Schwertes, getrennt, ehe er ihn bemerkte. Fällt der Kopf, so ruft nicht nur; das Publikum „hau", d. h. „Gut gemacht", sondern auch mit gewisser Begeisterung die anderen Verurteilten. Widerwärtige Szenen aber ereignen sich, wenn etwa der Verurteilte im Moment des Schlages zusammenzuckt und der Scharfrichter nicht bett Nacken trifft, sondern den Kopf oder die Schulter. Der Scharfrichter, der sein Handwerk versteht, trennt fast ausnahmslos den Kopf mit einem Schlage so von den Schultern, daß dieser eiuj beträchtliches Stück in die Höhe und vorwärts geschleudert wird/ um mit dumpfem Geräusch auf die Erde zu fallen; einige Sekunden danach erhebt sich der-Rumpf ein wenig Ivie zum Sprunge und fällt nach vorn über. Der stopf macht bis zu fünf Minuten; mit dem Munde noch Atembewegungen, aber das Auge erhält sofort einen ausdruckslosen Blick, der nicht die geringste Geistestätigkeit verrät. . . . Als eine geringere Strafe gilt für deit Chinesen die Erdrosselung, die dem Europäer in der Art ihrer! Ausführung einen noch gräßlicheren Eindruck macht. Bei Ver- waudtenmord gehen in schweren Fällen, wie Eltern- und Gattenmord, langsame Zerstückelung durch Vivisektion, Pfählung auf dem Rücken eines Esels, Zertrümmerung der Gliedmaßen und ähnliche Martern der Todesstrafe voran. ver.«m??ehtes. * Lebeilsgewohnheiten einst und jetzt. Als int} Jahre 1710 der Herzog Eberhard Ludwig in Stuttgart den atm gefangenen Kasernettbau zu einem Waisenhaus schenkte, da war das erste, was nötig erachtet wurde im Bauwesen, daß zwischen} den schon stechenden Mauern des Erdgeschosses der gewaltig« Keller gegraben und gewölbt wurde, der heute für eine zehnfach so große Anstalt genügen würde. Während es für die Kinder nur zweimal, bald nur einmal in der Woche Fleisch gab, wurdls es von Anfang an als unumgänglich nötig angesehen, ihneitz dreimal wöchentlich ein Glas Wein zu geben. Und im Jahre 1729 kam gar eine Verordnung: „Es soll den Kindern niehr Wem als bisher gegeben werden, wo uichit alle Tage, doch 4—5 mal in der Woche ob dem Essen. . ., iumassen der Mein, wenn er moderate (mäßig) oder in debita qunntitnte (nach pflichtmüßigemi Ermessen) gebraucht wird, eine balsamische Kraft bei sich führe, die coucoctiouem ventriculi (die Verdauung) und die Lebensgeister stärke, an denen drei Stücken es den Kindern bis anhero ziemlich gefehlt hat." Deinzufolge wurde dann fast das ganze 18. Jahrhundert hindurch wenigstens 3—4 mal wöchentlich Wein gereicht» kranken Kindern noch mehr. Der Waisenpfarrer Riecke war der erste, der 1804 einigen Zweifel an der Zuträglichkeit des Wein« für die Kinder äußerte. Im Lause des vorigen Jahrhunderts bildet!) sich daun die Hebung, den Kindern im «Winter zweimal wöchentlich, im Sommer täglich Obstmost (Apfelwein) zu geben. .Seit neuestem ist nun, eiMprechcnd den ictzigen richtigen Anschauungen, auch die Mostdarreichung aus dem Waisenhaus vollständig verbannt. * „G eseire s". Zn den mancherlei Ausdrücken der jüdischem Jargonsprache, die ihren Eingang in die Umgangssprache des täglichen Lebens gefunden haben, gehört der Ausdruck „Geseires", der sich sogar in Parlamentsreden findet. Das Weigandsche Wörterbuch der deutschen Sprache erklärt ihn wie folgt: „unnützes Gerede, scheltendes Geschrei, Wirrwarr von Stimmen. Aus dem Judendeutsch, von Gebr. Gezera, Behauptung, (erregte) Disputation". Diese Ableitung ist jedoch unrichtig, wie eine klein« Studie von Dr. Spanier in der „Allg. Ztg. d. Judentums" darlegt. Das Wort ist vielmehr die Mehrzahl von geseiro, was eigentlich „Abgeschuittenes", im übertragenen Sinne Ver- hängins oder Unglück bedeutet. Die deutsche Volksetymologie «Has sich jedoch durch'«den Klang des Wortes «und die Vorsilbe „Ge- zu einem Bedeutungswandel bestimmen lassen und aus der Ursache, d. h. dem Unglück, die Wirkung gemacht, nämlich das darüber enh sprechende Schreien oder Magen. Statt „Geseires" wird denn auch vielfach gesagt „das Geseire", wie man von Gerede, Gezeter- Gejammer, Getue und bergt, spricht. * I m Gasthof. Gast: „Sie, Herr Wirk, das Karbo- nadl ist nicht niehr frisch!" — Wirt (erstaunt): „So — da müssen's wahrscheinlich die Speiskarten von v o r g e st e r n erwischt Ham!" Bersteck-Rätsel. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer". Rheingold — Auguste — Magenbitter — Sckstastnütze - Whist- karten — Weinkeller — Guttapercha — Frühlingslied — Theaterstück — Wertpapiere. Auflösung in nächster 'Rümmer? Auflösung des Ergäuzungsrärsels in voriger Nummerr Zeigt die trübe, dunkle Seite Dir auch oft das Leben, Jst's vom Bild doch nur der Schatten, Um das Licht zu heben. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießest.