Samstag den 29. Januar MUrn s 1 -. 5 flswi jtfrMK im h»& W Droesigl. Bioman von Georg Freiherrn von Ompted«. Machdruck verboten.) (ftoitk8ungJ Gräfin Patsch sah kommen, daß sie nun ein paar Abende hindurch in heraldischen Werken nach den Droesigl suchen wußte. Denn Heraldik mar das einzige, wofür sich ihr Water neben Jagd und Pferden interessierte. So meinte sie wegwerfend: — Ach, die Droesigl sind mir höchst Wurscht — Wurscht, wenn ich dir sage, daß er um dich anhält? Gräfin Patsch erklärte kühl, Herr Droesigl sei wohl verrückt. Da schrie der alle Herr: — Alle Köter sollen die Räude kriegen, wenn nicht so'n dummes Mädel lachen kann, daß sie den kriegt. B-ei dem fliegen die Millionen nur so rum wie die Pferdeäppel. Gräfin Patsch gab ihrem Gaul einen Hieb mit der Reitgerte, daß er davoujagte. Graf Kölln drückte die Schenkel heran und schrie: — Halt, halt! Aber sie ritt nur noch schneller. Nun gab der alte Herr seinem Gaul die Sporen und jagte wütend hinter ihr drein. Die Waldstraße führte durch ein Gehege. Das Tor war eingehäirgt. Seine Höhe lag an der Grenze der Möglichkeit, es zu überspringen. Gräfin Patsch verkürzte den Gang ihres Pferdes. Ihr Water aber schoß an ihr vorbei. Ja seiner Wut achtete er nicht auf das geschlossene Tor, bis er plötzlich wie einen Schatten die Stangen vor sich sah. Zum Parieren war es zu spät. Einen Bogen zur Seite reiten und damit das Pferd förmlich zum Ausbrechen erziehen, das tat ein alter Reiter nicht. Snnbeam sprang ab, fließ klappernd mit den Vorderbeinen an die oberste Stange, die prasselnd zusammenbrach, und im selben Augenblick hatten sich Roß und Reiter überschlagen. Gräfin Putschs Gaul ivar dem ihres Vaters gefolgt. Sie sah den Sturz, und als sie über dem nun ein paar Wüste niedrigeren Tore schwebte, rief sie erschrocken: — Oh! Wer die geschickte kleine Stute verprellte sich in der Lust, landete kürzer und bog, nachdem sie die Erde berührt, rechts aus, während des am Boden liegenden Sunbeams Hufe eisenblitzend durch die Luft zuckten. Inzwischen kam der gestürzte Gaul, mit einem Ruck wieder auf die Beine und blieb ruhig stehen. Gräfin Patsch griff nach dem Zügel. Da Graf Kölln sich erhob, lachte sie: 1— Sonst haben wir immer aufgemacht, Papa! Doch er sank in den Straßengraben nieder und stützte wit der rechten Hand den linken Arm. Sofort war sie aus dem Sattel und beugte sich, beide Pferde an den Trensen haltend, zum Vater nieder. Er sah käsig aus. Sie strich ihm das §o«r aus her Stirn: — Hast du dir weh getan? Er gab keine Antwort. Sie. wischte ihm mit dem Taschentuch über die Schläge, dann klopfte sie die Erde von seiner, linken Schulter. Aber or zuckte zusammen: — Nicht, nicht. Nun versuchte er zu lächeln uttb sprach iveicher Als sonst: , — Merkwürdig — ich — war ganz weg — Ich stehe —- gleich —auf —nein — nicht so — anfassen., Linkes Schlusses bein — Ein alter Reiter irrt sich nicht — ich must mal — Er ließ den Kopf sinken. Dem jungen Mädchen wurde'bange. Die Pferde hatten mit spielenden Nüstern einander beschnuppert, nun quiekml sie und fuhren zur Seite, daß Gräfin Patsch an den Trensen riß: — Steh doch, steh! Papa, ist dir besser? Der alte Herr machte nur eine matte Bewegung ! — Laß mich. . . Laß mich mal ruhig — — Soll ich jemand holen? Er stammelte: — Alles an einem Tage! Da faßte sie einen,En.schluß, schob ihm schnell ein paak Holzprügel, die herumlagen, in den Rücken und sagte: — Bleib ruhig sitzen, Papa. I.: ein paar Minuten bi« ich wieder da. Oder soll ich hier bleiben? Graf Kölln schüttelte den Kopf. Wie sie sich nun auf- richtete, sah sie lauter kleine, rote Punkte an seiner linke« Stirnseite, als habe er dorthin einen Schlag bekommen. Sie fragte: — Tut dir der Kopf weh? Doch er deutete nur auf den Arm. Dann blieb ec regungslos. Sie band ihres Vaters Pferd an einen Bauim dann suchte sie auszusitzen. Aber die Stute drehte sich ungeduldig im Kreise. Sie öffnete das geschlossene Tor, trat draußen auf einen seiner Stäbe, stieß sich ab und schwang sich in den Sattel, während beim Wspreizen des Beines das Tor wieder zuschlug. Dann jagte sie querfeldein nach Haus. Schon von weitem schrie sie: — Elßmann, Baromeit, Dölsig k Niemand hörte. Gerade in diesem Augenblick schien das Schloß wie ausgestorben. Da kam Herr Droesigl mit Graf Regnier um die Ecke. Sie rief: — Schnell einen Wagen. Ten Doktor. Papa liegt ant Tor der B-Schneuse. Er hat das Schlüsselbein gebrochen. Schnell, schnell, schnell! Des jungen Grafen mächtige «Stimme dröhnte zum Stall hinüber: , — He, Leute! Ist jemand da? An einem Fenster der Kutscherwohnungen erschien der Kopf der Dicken. Dann trat Kröner unten in die Tür, «2 Am Schlosse luntb in der Mche der Chef sichtbar, neben ihn« das blonde Küchenmädchen. Prinz Hohengart kam die Freitreppe herab, der Haushofmeister hinter ihm. An den Fenstern der Wirtschafts-, der Wohnräume zeigten sich Gesichter. Bald waren alle Schloßbewohner versammelt bis ans die Prinzessin, die noch schlief. Gräfin Agathe fragte ihre Schtvester, ivas geschehen fei. Wer die erzählte mit sich überstürzenden Worten das Unglück der Dienerschaft. So ioendete sich Herr Droesigk zu Agathe: — Gnädigste Gräfin, haben Sie keine Sorge, es scheint das Schlüsselbein zu sein. Ich habe schon einen Stallburschen zum Doktor geschickt. Sind denn die Viererzüge noch nicht tvieder da? Ehe sie antworten konnte, bogen eben die beiden Bierer- züge, die den Weg vom Bahnhof in; Schritt zurückgekommen waren, um die Ecke. Dölsig wendete sofort mit dem Jagdwagen. Herr Droesigl nannte Agathe, was sie mitgeben sollte: ein paar Decken, den weitesten Pelz und Binden. Als sie, um den Kater besorgt, mitfahren wollte, iöie sie war, verwehrte er es ihr: — Wir haben dann keinen Platz int Wagen. Aengsligen Und als sie ihm dankend die Hand gab, zog er sie an die Lippen. Sie schien es nicht zu beachten. Gräfin Patsch jagte inzwischeit im Galopp den Weg, den sie gekommen, zurück. Der Viererzug folgte im schärfsten Trabe am Kanal hin. Als sie in den Waldweg einbogen und mau von weiten! schon das jetzt offen stehende Gitter sah, trabte Gräfin Putschs Stute mit schleifender Trense leise wiehernd heran. Angesichts der nahenden vier Pferde fing sie an zu galoppieren, feuerte hinten aus und raste plötzlich, da sie auf bett Zügel getreten, in wütenden Sätzen davon. Herr Droesigl stand auf dem Jagdwagen und sah hinüber zu dein sonnenbeschienenen Fleck, wo er Vater und Tochter erblickte. Der Graf saß wie schlafend da, den Kops Sur Seite gesunken. Die rechte Hand hielt noch immer en linken Arm. Gräfin Patsch aber, auf dem nadelbedeckten Sandboden hockend, blickte ihn mit großen, erschrockenen Augen an: —' Ich weiß gar nicht ... ich weiß nicht. Herr Droesigl trat neben den Verletzten: — Herr Graf! Gras Kölln rührte sich nicht. Louis Droesigl kniete nieder, strich wie eine gute Mutter dem alten Herrn über die Schultern und suchte ihn aufzurichten. Aber der Kopf siel zurück. Das Gesicht war gelb, jäh verfallen, an der Stirn die zuerst nur leise angedeuteten Flecken zur Beule geschwollen. Herr Droesigl betastete Hände und Gesicht, Gräfin Patsch hatte sich auf die Hacken heruntergelassen. Vor Schreck, in einem Halb-begreifen, Halb-nicht-safsen-können, sank ihr Körper zusammen. Herr Droesigl sagte stockend: — Ja — ich glaube — daß — Die sonst so tapfere Reiterin aber wich in wildem Entsetzen zurück: — Um Gottes willen, was ist denn? Gnädigste Gräfin, Sie sehen ja. . . Da sprang Gräfin Patsch mit einem Satz auf, schrie laut und rannte ein Stück davon. An einem Baum blieb sie stehen und starrte auf den Leichnam, der Herrn Droesigl im Arme lag. * Jin Bankettsaal saßen Herren und Damen in Schwarz, Es ivurde mit gedämpfter Stimme gesprochen, als sei der Tote noch im Schloßt, dessen Sarg doch nun draußen im Park, im Köllnscheit Erbbegräbnis, stand. Ein niedriger, dunkler, feuchter Raum, den umzubauen der alte Graf einmal in guten Stunden beschlossen, als noch die Mädchen klein waren und seine Frau neben ihm waltete. Sie konnte es nicht mit ansehen, daß die Särge zerfielen und sogar die Gebeine herümlagen. Aber seitdem chraf Kölln den guten Geist seines Lebens in die moderige "Kammer begleitet, hatte er nie wieder die Gruft betreten. Dieser männliche Mann empfand ein Grauet: vor dem Tode, ein Grauen, das als Erbschaft auf seine Tochter Pauline übergegangen war. Agathe hatte den Vater gewaschen, gekleidet, gebettet. Gräfin Patsch war nicht in die Nähe zu bringen gewesen. und der Prinzessin lässige Bornehinheit lväre aus solche letzte Sorge gar nicht gekommen. Dazu gab es Diener. Die Trauergäste tranken still und dachten dabei wohl aN ihn, den sie eben zu Grabe geleitet, deut jede volle Flasche! ein Greuel gewesen war. Man erzählte, wie fest der alte Graf im Sattel gesessen) welch fürstliche Gastfreundschaft er geübt. Die jungen Herren raunten sich zu, daß er ein unerbittlicher und doch vornehmer Spieler gewesen. Die mittleren Mters sprachen davon, welch trinkfesten Becherfreund sie an U)iu gehabt. Die Nettesten aber zwinkerten sich an und dachten an Tagg der Jugend, wo der alte Gräf ein verfluchter Kerl und Schürzenjäger gewesen. Die alte Gräfin Lindenbach sagte ehrlich, wie sie immer ivar: — Herrschaften, wenn er noch unter uns säße, würde er sagen: „Flüstert nicht und senkt nicht die Köpfe. Den Rotz sollen alle Pferde kriegen und alle Hunde die Räude. Man lebt nur einmal, und ntich traf der „große Schlag"." Da wurden die Mienen heller, ja, wären nicht die Töchter am Tische gewesen, man hätte schallend gelacht wie der alte Herr. Die blonde Prinzessin sah in dem schwarzen Kleide matt, stolz, vornehm ans. Gräfin Patsch zeigte ihre ewig heitere Miene. Das Granen, das ihr die Anwesenheit des Sarges im Hause verursacht, war von ihr gewicheri, und als des alten Grafen rechtes Kind kannte sie keine Sorgen. Aber ivenn sie an das fröhliche, rote Gesicht ihres Vaters dachte, mit dem weißen, wehenden Schnurrbart, wie er mit seiner Lieblingstochter über die Wiesen gejagt, so wußte sie, was sie verloren hatte. Gräfin Agathe unterhielt sich ruhig. Wes wunderte sich über ihre Fassung. Als man dann im großen Saal beim Wschied den Töchtern ein.Wort des Mitgefühls sagte, antwortete sie jedem mit fester Stimme. Die Räume wurden leer. Zuletzt empfahlen sich Herr von Mellin unb Graf Sczögonh. Er war allein zur Beisetzung von Berlin herübergekommen. Von draußen hörte man das Knirschen der Räder auf dem Kies und den Huf- schlag der Pjerde. (Fortsetzung folgt.) Zu Ernst Moritz Arndts 50. Todestage. (Gekoren 26. Dezember 1769, gestorben 29. Januar 1860.) Im Regen sturm und Gebraus der Nacht schreitet ein Wanderer der Tonne zu, ein rüstiger Wanderer, der weit ansgreist, die Brust dem neuen Morgen frei entgogcnschllagen läßt und den kühlenden Wind durch das volle Haar wühlen fühlt, die etint im reinen Tau sich badend. Als solch ein unermüdlich getreuer! „Vagabund" ist Ernst Moritz Arndt mit dem Klwtenstock durch die Wett und vor allen: durch sein liebes deutsches Vaterlaich gezogen. „Dem Schnee, dem Regen, dem Wind entgegen. Immer zu! Immer zu!" Am Busen der Natur mußte er Genesung atmen vom bös«: „Geist der Zeit", vom widrige,: Geschick, daS ihn Haß ernten ließ, wo er Liebe gesät. Seit er als Jüngling aus Stralsund weglief, aus Schule nud Leben, besessen vvns Sehnsucht nach Heimat und Stille, hat er auf langen Wanderungen und weiten Reisen trat meisten gelernt, erfahren, für seinen Charakter, seine Weltaitsicht gewönnet:. Schars beobachtete, lebendig! dargeste'llke Reisebilder gehörten zu seinen ersten schriftstellerischen! Arbeiten, lösten seiner großartigen Erzählungsgabe gleichsam erst die Zunge; die Wunder der Natur und des Volkstums, die Merkwürdigkeiten der sozialen Gliederung, alles, was seinem festen! Mick cm: Wege anfstieß, gab ihm Anlaß zum Denken, Durcherleben, Weiterspinneu. Sv ward er, der „Freiluft- und Freilicht-Mensch", auch zu einen: schriftstellerischen Peripathetiker, der feine A:v- regungen und Eindrücke mit sinnlich erregter Leidenschaft aus seiner thntodt sog lutb mit unruhigem Abschweifen, mit stetem! Wiederfindeu des geraden Weges auch int Stil feilte Wandernatur kund tat. Seine „Wanderungen" wurden ihm zu „Wandlungen". Da er sich mitten Hineinstellte in das heißeste Ringen seiner Epoche, sein Ohr legte an den geheimen Herzschlag der Zeit, fühlte et* ihre Pulse in sich selbst schlagen, fühlte die große gewaltige Seele der Gegenwart in sich und lieh ihr seine, starke Stimme. Sv wuchs der unaufmerksame Wanderer, der Anteil genommen an! dem Weh seines Volkes, zum Propheten auf, zum Erwecket und Beseelet der Massen, dessen Wirken durch die Gaus eilt wie eins Flammensäule, Licht und Feuer, Leidenschaft und Erregung überall verbreitend. Ter unablässige Fußgänger Arndt, der noch als Siebziger Germaniens Gaue tote ein leichtbeschwingter Bursch durchstreifte — denn Regenschirm, Gummischuhe und ähnlicher! weichlicher Tand waren ihm ein Greuel — ist daher ein Symbol seines geistigen Wirkens und Wanderns, das so volkstümlich und kernhaft nur aus dem inuigstW Zusammenhang mit Land und 68 LeUtött etWftfcn fonitte, Pius BnA ’Mg&t heiter-natürlichen Ve- E' ' !g, wie sie dem fwhgemuten, tief schcurendeU und warm emp- iden Wanderer Geschieden ist. > Imres rastlose imb energisch-bewegte Temperament, das ihn so lange Zähre von Stätte .zu Stätte trieb, sich tummeln ließ „tote ein feuriges Rost,", strömt durch Arndts ganzes Schaffen, verleiht seinen Taten die erregte Leidenschaft des großen Momentes, seinen Morten das Selbsterlebte, originell Geseheue. Am Schreibtisch und in der ®nge des eigenen Heims mochte das heilige Feuer der VegeifiMung und dcS Zorns sich nicht in ihm entzünden; schult er sich doch später, als er seßhaft und behäbig geworden war, daß, er wichtige Zähre unten Kindern, Bäumen und Blumen verträume und verspiele! Aber mitten im Getümmel des Weltgetriebes, in der RvtwendiMt der Stunde, die sich mit ihrer Forderung ihm ansdrängte, da sprühten aus seinem Geist die Funken, die den anderen als Zeichen der Ermunterung und Hoffnung voraufleuchteten. Eine Feuerfeste war er und ein Feuergeist! Abgründe imb liefe Schluchten barg sein Gemüt. Wer so bis ins Jlmerste alle die dunklen und lichten Strömungen seiner Epoche in sich aufzunehmen wußte, der mußte durch Zwiespalte, Wirrnifse und KvusMe sich zu der stolzen Schlichtheit erst hinl-- durchkämpfen. Ter Krankheit seines Jahrhunderts, der Gesühks- Wvürmerei, die die Romantik wie eine schwüle Wolke über die Herzen breitete, ist auch er erlegen. Neben der gesunden Derbheit seines Fühlens stehen schwÄrmerifche, ekstatische Stimmungen, die ihren stärfiten Ausdruck in seinen Briesen an Johanna Motherby finden, an die ihn ein sinulichtiübersiustliches Verhältnis, ein! geistig schwelgender Rausch fesselte. Maßlos, in stammelndeii Visionen und heißet! Ausbrüchen äußert sich sv seine Liebe, gleich mäßlos sein Hatz. Eine dämonisch)« Wildheit, em düsterer Fanatismus, der an die Propheten des Alten Testaments erinnert, brichst in seinen Schlachtenliedern los, wie in seinen Schriften und Briefen. Mit einer ungeheuren Heftigkeit nimmt er zu den Er- cheimmgen der Kulttw und des Lebens Stellung; da gibt es kein lütiges Geltenlassen, kein Verstehen und kein Verzeihen; >ver nickst lir ihn ist, der ist Wider ihn. So ist seine Waffe gar bald gegen alle gekehrt und er findet sich in einer feindlichen Umtcdtj rings umstarrt von grausig kalten Ruinen einer Vergangenheit, die e r verfluchst, ringsum an gegrinst voit verächtlichen Larven) des Bösen. In langsamem innerem Werden steift er zu dieser Vernichtung aller Werte, die Gegenwart und Geschichte boten/ heran; langsam glimmt ihm aus der Zukunft die Vision eines Besseren, Höheren, eines Ewigen, Heiligen auf. Er setzt sich mit der nüchternen Verstandesbi'ldung der Aufklärung auseinander, wird im Gegensatz zu ihrem) Deismus ein.echter, getreuer Protestant, der sich Luther zum Schutzheiligen wühlt; er kehrt sich vom Weltbürgertum ab und wird zum Verehrer des Volkstums, zum Ber- fcchl.'r des nationalen Staates. Tie mystische Dunkelheit de« Romantik weiß er von sich abzuschütteln, jene Verweichlichung und Berauschung. d«S Geistes, die auch ihm gefährlich gelvvrden. Tie Vorbilder der großen deutschen Vergangenheit, die Kräfte und Schönheiten der Volksseele, die die/Romantik aufgewiesen und verherrlicht, umrden aber zugleich die wichtigsten Element« seiner eigenen Weltanschammg. Wit 30 Jahren etwa hatte sich Arndt in harter Selbsterziehimg, auf Reisen und in Studien, diese Klarheit über Leben und Sein verschafft. Tie Heimat umfing ihn wieder, die rauhe Kälte des Nordens, aber auch die Sonne imb Fruchtbarkeit seines schönen lieben Rügens, dem er die Grundlage seines sittlichen und religiösen Seins verdankte. Durch 60 Jahre hin hat er bvn nun ab Ur die Ideale gekämpft und gelitten, die er am Abschluß kiiver Jugendentwickelung. als wahr erkannt, ist er zum Propheten einer neuen Zeit, zum Vorkämpfer Ur Deutschlands Freiheit, zum Verherrlicher von Preußens' Größe ausgewachsen, zum getreuen Eckart, zum „guten Gewissen" seiner lieben Deutschen. , Mit den beiden Schriften, die der Greifswalder Privatdozent veröffentlichte, faßte er sogleich in seinem tmendurstigeil Sinn das Nächste und das Weiteste ins Auge: Indem er die „Leibeigenschaft in Rügen und Pommern" zum Thema einer geschichtlichen Darstellung machte, trat er für das Los der Bauern ein, die ihm die wichtigste Stütze eines gesunden Staatswesens schienen, imb zugleich enthüllte er in einem chaotisch wirren PhautasiL- gcmülde „Germanien imb Europa" seine Ansicht von der allgemeinen Weltlage. Es ist gleichsam die flüchtige Skizze zu dein ersten Teil des „Geistes der Zeit", in dem der leidenschaftliche Patriot, der als schwedischer Untertan doch die Schmach des geknechteten Deutschlands glühend empfand, eine furchtbare. Abrechnung hielt mit allen Begebenheiten, Ausgeburten und Zeichen der Zeit. Tiefes Werk, das in seinen späteren Teilen mit de« Entwicklung mitging, und den deutschen Verhältnissen einen ebenso scharfen wie klaren Spiegel vvrhielt, ist die großartigste Tat des Schriftstellers und des Politikers Arndt. Mit eisernem Besen toirb hier alles fortgefegt, womit die Deutschen prunken und) .prahlen mochten, ihr hohes Denken, ihr schönes Dichten, ihr tiefes Fühlen und großes Wollen. Alles Tand! Alles vcrschwmdetunb zerfällt, wie dünner Nebel vor der Sonne, vor der einzig erlösenden, der einzig heiligenden Tat. Ans der ätherisch geistigen Sphäre, in der die Heroen unseres Klassizismus weltabgewandt und m sich selbst beglückt thronten und zu der ihre Zeitgenossen verzückt und bewundernd hinausstarrten, riß Arndt sein Volk gewaltsam her- iyrter auf die harte Erde, in die rauhe Wirklichkeit. Das furchtbare Zerrbild ihres wirklichen Seins stellt er neben die rosenrote! Schönheitswelt des erträumten. Ja, der „Geist" herrscht über die Deutschen, aber es ist ein versteinerter, trockener, unfruchtbarer Verstand, daA Erbe der Aufklärung und der französischen! Revolution, und sie bedürfen der blühenden, fruchtbaren Natur, um zu gesunden und zu erstarken. Ter Inbegriff dieses „Zeib- geistes" aber, in dem sich das „vollkommene Böse" enthüllt, ist der große „Emporgekommene", Napoleon, dessen grausiges Schreck- bild mit den apvmlyptischen Zügen des Antichrists gemalt wird. Tie hohe Kulturidee, die die Klassiker geschaffen, sie kann nur mH Leben wirken, nur fruchtbar werden in dem Boden des Volks-- Iums, Von dein sie mit seiner unverbrauchten Kraft ausgenommen und zum Blühen gebracht werden muß. Diese hinreißende Predigt Arndts ist auch heute noch nicfji verklungen; um das Höchste, was er ersehnt, ringen auch wir noch: um eine allseitige Durchdringung unserer Kultur mit den Idealen der Klassik. In seiner Zeit aber gellte dieser Angstschrei um Deutschlands Schicksal, herlausgepreßt durch die entsetzlichste Not, wie ein gellendes Signal in die von sanfter Humanität und ästhetischem Genießen erfüllte! deutsche Geistesstimmung. Eine wild anklagende Wucht, eins düster dämonische Glut tobte in diesen stürmischen Ausrnf«fi in diesen bangen fiebrigen Gebeten, zftterte in dem volkstümlich markigen, biblisch pathetischen Ton des" Ganzen. Ein uns- ersckftvckener Prediger mar hier auferweckt, wie sie einst in Israels schwersten Zeiten erstanden, ein Abgesandter des Herrn', der sich als ein Werkzeug des Schicksals fühlte und Verfolgung!, Acht, Gefahr demütig-freudevoll auf sich nahm. Wenn er auch von den Franzosen nun als ihr grimmiger Feind behandelt wurde, sv brachte ihm doch auch das Buch die Bekanntschaft mit deut Freiherrn Von Stein und stellte ihn sv an die richtige Stelle neben den richtigen Mwnn in dem großen Drama der bald anbrechenden Besreiung. Ter „Geist der Zeit" zeigt Arndt auch in seinem Stil aus der Höhe. Tas Deutsch Luthers, di« innige Kraft der Bibel war sein hohes Vorbild, das er in großartiger Erneuerung wieder aufleben ließ. Wie Luther Sonnte auch er von sich sagen: ,,Wp ich wohl dichten, schreiben, beten und predigen will, mnß ich zornig fein; das erfrischt mein Geblüt, alle untüchtigen Gedanken und Anfechtungen weichen." In Sturm und Gewitter, voll derber Wut, mit Schimpfen und Zürn«:, in Schmeicheln und Kvsen fährt auch seine Prosa daher, getragen von einer mächtigen! Sprachkraft, belebt von einer sinnig klaren Ursprünglichkeit des bildlichen Ausdrucks. Stets bricht der Herzenstvn der gesprochen en Rede hindurch; wir hören ein hartes und barsches Poltern, ater meinen zugleich den versöhnenden Truck der Hand zu fpüren. Tie schroffe Heftigkeit seiner Urteile wird durch eine herzliche Liebenswürdigkeit gemildert und durch eine poetische Fülle der Anschauung verschönt. Seine eherne Prägung und seine knappe wuchtige Konzentration erhält dieser Stil bann in den zahlreichen Flugschriften, die Arndt, im Auftrage Steins und durch die Anschauungen dieses genialen Mannes, befruchtet, zur Auf- rüttung der Geister, zur Organisation einer deutschen Vokkslvehr, im Dienste der Landesbefreiung schrieb. Das Meisterwerk unter diesen weithin und stark wirkenden Schriften ist der „KaleckstsmuI für den deutsckftn Kriegs- und Wehrmaun", dessen Worte mit ihrem treuherzigen Ernst und frommen Bibeltvn die Taulende begeisterten, die für die Freiheit kämpften imb siegten. Ter Geist dieser stolzen und wundersamen Zeit lodert überhaupt nirgends so feurig als in Arndts Flugblättern, hf denen er auch später das beste Mittel zur Verbreitung seiner Ideen fand. Er nimmt in seinen Flugschriften zu allen Fragen, die Deutschland durch ein halbes Jahrhundert bewegten, mannhaft, klar, kühn und weit- fchaueud Stellung, kämpft für den Rhein „als Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze", für eine Verfassung aus dem Geiste des Volkstums, schickt inbrünstige Gebete znm Himmel für des Vaterlandes Herrlichkeit und prophezeit Deutschlands Einheit, verkündet den nahenden Schöpfer des Reiches'. Nach der Leipziger Schlacht ist er ganz Preuße geworden, der an, die Zukunftsmacht dieses Staates glaubt. Arndt erscheint in seinen Flugschriften, in denen er Luther ebenbürtig an die Seite gestellt werden kann, als der ehrwürdige Säniann vaterländischer Kultur- g'edankeu, die er in den durch die Befreiungskriege aufgelvckertenj Boden des Nativnalgeftlhls streute und deren Keime zum Teil erst heute der Ernte entgegenreif'en. Neben dem „Geist der Zeit sind diese kleinen Schriften, auch künstlerisch vollendete Leistungen, heute noch wert, gelesen zn werden und einige der besten von ihnen haben mit Recht in die neue Ausgabe der Werke Arndts Aufnahme gefimdeu, die die beiden bdtamtcn Arndt-Forscher Meisner und Geerds in beit Hesse'scheu Klassiker-Ausgaben veranstaltet haben. In seinen Fkilgschriften findet Arndt im rechten Moment das rechte, das erlösende, das eiuschtagende Wort. Er bedurfte zum! Schaffell des äußeren Anlasses, lieber seine dichterischen Fähig- keiteil dachte er selbst sehr bescheiden: „Ich. habe wohl von der Natur nicht genug von jenem flüssigen und flüchtigen phantw- stischeu und magnetischen Fluidum erhalten, was den Dichter schafft, irnd wenn mir gleich einzelne kleine lyrische Sächelchen! hier und da ganz leidlich gelungen sind, so ist das nach deut Sprichwort geschehen: eine blinde Taube findet zuweilen auch eine Erbse." Sv sind ihm denn in dem reichen', überrciÜMH Kranz seiner Gedichte Hine UnWeriM vollkommenen Gebilde! 64 gekiruMr. Mer wir fhfbett hi diesen poetischen' Bekenntnissen! die liebenswertesten Inge seines grundtüchtigen und mannhaften Sems beisammen und in einigen geiWiche» Liedern, vor allem aber in seinen patriotischen Gesängen hat er „Gelegenheirsi- acbkbte" von unvergänglicher Wirkung und Kraft geschaffen. Auch sie entstanden alle ans dem großen momentanem Erlebnis heraus krnd sind die schönsten Wüten unserer vaterländischen Dichtung f vrden. Befreit von den Spuren Kst>pstvck’scher und Schiller'- r Lyrik, die in seinen frühesten Gedchtem sich zeigten, klingens hell und voll int Don des Volkslieds, in Frage imt> Anttvort, imrnterm Zuruf und feierlicher Anrede. Twmpetengeschmetter ttnb Rossegestampf, Trommelschlag und Kanrpfgeschrei locken und mich jubeln ans den triumphierenden Rhythmen, Sicgcsgeschrei tönt darein lmd leise betet hie Trauer nm die Gefallenen mit. Jena altgermantsche Verschmelzung von Demut und stolzem Hohn, von Frömmigkeit und blutiger Rachegier, voll Kriegslust, wildem Haß und tiefem Tankgefühl für Sieg und Frieden lebt in Arndts herrlichen Hymnen und Batladen. Sv werden wir mich den Dichter Arndt nie vergessen. Fest eingeprägt in das deutsche Bolksbewnßtscin ist ja aber seine ganze rührende Gestalt, um die VerKemmng und Verfolgung in den Jahren der Restauration »roch die Verklärung des Märtyrers legten. Auftichtigste Liebe «nd Verehrung geleiteten den mehr als Neunzigjährigen zu Grabe und leben nach einem halben Jahrhundert noch mit gleicher Kraft fort im Herzen des deutschen Volkes. Tr. P. L. Vermiete». * Alt-Paris unter Wasser. Ein fesselnder historischer Rückblick, der im „Gaulois" veröffentlicht wird, zeigt an interessanten Beispielen, daß die neue Ueberschwemmungskatastrvphe irr Paris im vergangenen Jahrhundert ihre zahlreichen Vorläufer hatte, und daß die Seine keines>vegs jener friedliche Fluß tft, als den sie der Fremde kennen lernt, der an einem sonnigen Frühlingsmorgen die Quais entlang schlendert. Bor mehr als vier Jahrhunderten wurden zahllose Menschenleben ein Opfer des Flusses; am 7. Januar 1469 trat die Seine über ihre Ufer und ihre Wasser drangen vor bis zum Place Maubert und Marais. Bis zum 12. stieg die Ueberschwemmung immer mehr: die geängstigten Bürger trugen damals in feierlicher Prozession den Reliquienschrein der heiligen Genoveva zum Flußufer, um den Zorn des Elements zu beschwören. Hart bedroht war die Rotte Dame-Brücke. Ein Jahr später kam eine neue Ueberschivem- mung und diesmal wurde die Ärücke von den Wassern schwer erschüttert. Aber die Schöffen, die die Brücke untersuchen lassen, verfügeir keinerlei Wiederherstellungsarbeiten: als am 25. Oktober 1494 unter einem furchtbaren Sturme plötzlich wieder Hochwasser eintritt, wird die Brücke von den Fluten völlig zerstört und mit ihr sinken die 65 Häuser, die sie bekrönten, in die Fluten der Seine. 500 Menschen wurden dabei verschüttet und starben in den Wellen. Die Empörung im Volke, im Parlamente und am Hofe war so groß, daß man den Vorsteher der Kaus^ Mannschaft und alle Schöffen des verflossenen Jahres, den Staatsanwalt, den Amtsschreiber und zwei Steuereinnehmer auf der Stelle verhaftete. Der Vorsteher der Kaufmannschaft und die Schöffen des Jahres, in dem die nötigen Ausbesserungen verabsäumt worden waren, wurden zu hohen Geldstrafen und zur Erfüllung aller Schadenersatzansprüche aller Betroffenen verurteilt. Sie besaßen nicht genug, um das zu bezahlen, und schmachteten daher bis an ihr Lebensende im Kerker. Die Notre Dame-Brücke wurde von 1500—1512 daun wieder neu aufgeführt; dabei er- höhte man den Boden am Ufer, so daß die 13 Stufen der Notre Dame-Kirche verschwanden, alle Läden zu Kellerräumen und die erstell Etagen zum Straßengeschoß wurden. Um 1547 riß ein Hochwasier zahllose Schiffe mit sich fort und die St Michcl- Briicke stürzte ein: mit 17 Häusern, die auf ihr standen. Der höchste Wasierstand in der Geschichte von Paris wurde am 4. Juli 1615 erreicht; bei dieser Ueberschwemmung zeigte der Wassermesser am Pont-Royal 9,82 Meter. Im Januar des folgenden Jahres fror die Seine bis zu mehreren Metern tief; plötzliches Tauwetter löste dann die Eismassen, unzählige Fahrzeuge wurden zerstört und unter dem Drucke der Eisflut stürzte der Pont-Michel von neuem mit mehreren Häusern ein. Der Rest der Brücke wird ge- rmimt und fällt im Juli der Hochflut endgültig znm Opfer. Tre Börjen-Brücke wurde so erschüttert, daß viele Häuser einstürzten, wöbet große Schätze aus den Goldläden und den Wechslergesckxisten verloren gingen. Im Faubourg Saint-Marcel stürzen zwei Häuser ein und begraben 9 Menschen unter ihren Trümmern. ’ Aber immer wieder fordert die Seine neue Opfer. 1641 reißen die Fu/ten die Marienbrücke mit, 1658 komint eine neue, furchtbare Ueberschwemmung, 1697 eine dritte, und 1740 erreicht die Seine am Pont-Royal wieder 9,82 Meter. Auch mit dem 19. Jahrhundert endigt nicht die Schreckenschronik: 1802, 1807, 1836, 1876 und schließlich 1880 suchen neue Hochwasserkatastrophen die Bürger von Paris heim, K.-K. Ueber Katze «Mutterliebe berichtet Bertling- Danzig >m Kosmoshandweiser dir Naturfreunde: In der Tierwelt pflegt wohl allgemein die Liebe zwischen Mutter und Kind nicht viel länger vorzuhalten, als die Aufzucht und RahrungSgewährun- au das Junge eine ständige Verbindung nötig macht. Ist der junge Hund, die Katze oder das füllen erst selbst fähig, seiner Nahrung uachzugeheu und einige Zell von der Blutter fevit gehalten, jo scheint das Junge sie kaum noch zll keilneil, lvenigslenS nrachetl sich die Bairde des Bluts äußerlich l'anin noch beulerkbar. — Bei Tieren, tute bei Katzen, bei denen die Wurfsolge in reialtv kurzer Zett geschieht, inachk sich die Eiltiremdttug icboit tu sehr kurzer Zelt betnerkbar. Die Katzeumutter, die neue Nachkomineu- schast unter deut Herzen trägt, vernachlässigt den alten Wurf, auch wenn er gar nicht voir ihr getrennt tumbe, offensichtlich, so gern auch die etwa 3 Monate alten Katzen mit ihr spieletl möchten. — Tierpsychologisch ist es nun n vertäut, daß unter Umständen, ö. h, in einer gewissen Notlage, te Nutterliede wieder erwacht. Eut iuteveffantev Fall dieser An, oer zugleich kür die Beobachter viel Scherzhaftes bot, ereignete sich unlängst in einem EigenhäuSchen in Lang'uhr bet Danzig: Eine Katze, die sich Blutter tüt,Ile, uec» nacbtäifigte gar arg ihren spielfreudigen, kleinen Sohn, so sehr er sich auch um ihre Gunst bemühte. Gutes Tages erfreute die Katzenmutter die Welt mit fünf Jungen. Ter Katzensegen war dem Herrn des Hauses ein bißchen zu viel, imö er sprach das Todesurteil über den ganzen Wurf. In einem vetschlossenen Ei er mit Wasser hauchten die blinden Dingelchen ihr Leben aus. Natürlich stellte sich die Katzeniuutler sehr desparat über diesen Eingriff in ihre Familienrechte an. Sie ituag es nicht glauben, daß man sie so brutalisiert, und sucht nach den Jitugeii. Atif ihren Irrwegen begegnet sie ihrem alten Sprötzling. Atif diesen ftrömt jeqt ihre ganze Liebe über, ihm will sie die Nahrung barbietcn, die ihr Leib für die Jungen bereuet hat. Der junge Kater zeigt dafür zunächst wenig Verständnis, er will mit der Mutter spielen. Aber das ändert sich. Es dauert nicht lange, so liegt der junge Kaler- john am Busen der Katzentnama und schlürft mit wonnigem Behagen die süße Milch. 'ES ist possierlich anzuschauen, tute dieser schon ziemlich ansgetuaclpene Kater sich in den Zunand einer Jugendtage zurückgefunden hat. Ter Kater liegt möglichst oft att der Mutterbrust, tm übrigen spielen Mutter und Sohn auf das harmloseste miteinander. * Zusicherung. Bauer (zu seinem studterendeit SohnZt „Woaßt, Girgl, i' kann's fast nimmer machen; aber, der Blitz, wenn ei'schlogt, nachher leidt's no' a paar Semester." * Ter verzweifelte Familienvater. „Nu geht schon feit acht Jahren unsere Auguste als „Briefmarke" auf den Maskenball; wenn sie doch nu endlich 'ma( kleben bliebe!" * Raffiniert. „Du hast deinen Sohn unter Kuratel stellen lassen... hat der so viel verschwendet?" — „Tas nicht — aber ich hab jetzt dadurch wieder Kredit." Der Boijemahster.1 „Folrft 1 Trink noch ahn, kannst rattig noch bteiive,* „Nafm, Braurer, niet) muß Ham en fchrettoe. Otm's Kreisaml muß aich noch berichte, Atch bim, tuaiti Gott, schnitt bohl e Fichte. ’ De Kreisroot eas e sihr genauer, Dons Tmgk muß fo(r)t im füuroe Auer. Da muß atch d i)r etzt gleich ebiuuer, Nol — Schenk ahn ennl — Gmittgf (ßattve8 drinner, — — Sche(a>ck aich ohus Kreisamt so c Schreiwes, So hott doas sealte gleich e Bleiives, E afn etajs e klahu Berichtche nur, Aich kreste's ailemohl redur. Tons Hoti de Ambtmami eugesihrt, Eta n fei’ (eracht fiel) fundiert: Meinst em e Bletstist ruht en bloh, To streicht er nur die Punkte ob’. Des Blobe kann nonebt1 rau big so bleiwe. Des Rühre muß aich anners schreiwe:"’ Dr. S. * Bürgermeister. 8 Ausdruck für angetrunken sein. 6 Guter, gemeint ist guter Schnaps. * nachher. Logogriph. Ein arger Quäler bin ich An heißen Somiuertagen, Doch änderst du meinen Kopf, So speisest du mich mit Behagen. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Geographischen Verschieörätsels in Voriger 9tr.l Bethel Hebron Nazareth Jericho Oelberg Jerusalem Sichern Cäsaren 'Kapernaum Redaktion: K. Neurath. — Rotatiotisdruck und Verlag der Brühl'schen Unwerstiäts-Buch. und Stemdruckeret, R. Lange. Gieße«.