Donnerstag den 28. AM W °°° Nr. \\6 !i! VMstMLZL Sw™ ä. ksZ^W WchMMW SH L!/NMN^NAAM/ Kl -ft ft" ftft K s 8 % [UL fflfl Das schlafende Heer. Roman von Clara Biebig. lFortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Es mar Pan Szulc, der Inspektor. Er kam an ihren Tisch, aber als er Dudek die Hand reichen w-ollte, ballte der die seine zur Faust und legte sie schwer auf den Tisch: nein, einem, der Zu den Niemcy*) gegangen war, gab er die Hand nicht! Der junge Mann lachte und zuckte die Achseln, aber dann wurde er ernsthaft. ,Mas glaubst du wohl, altes Kamel," sagte er mit einem freundschaftlichen Puff, „nutzt die Axt mehr in der Hand oder am Nagel an der Wand? Bin ich darum deutsch, daß ich deutsches Brot esse? Glaubst du nicht, daß ich der guten Sache jetzt mehr nutzen kann als zuvor?" Er klopfte dem Schäfer gegen die Stirn: „Denke darüber nach, Väterchen! Und der Teufel soll mich holen und seine Großmutter mich freien, wenn ich Polen nicht liebe — Gott erhalte es! Hört ihr?!" Musternd ließ er seinen gestrengen Blick -über die stumpfen Gesichter streichen. „Hört ihr nicht: Gott erhalte Polen!" „Sie schlafen," klagte der Alte, „sie warten nicht. Wenn sie warten würden wie ich, dann würde der Lysa Gora sich bälder auftun. Ich allein kann sie nicht erwecken, die Drei- malhunderttausend, die da schlafen im Berg. Ich warte und horche, aber ich kann noch nicht hören, daß ihre Waffen klirren!" Kopfschüttelnd legte er die Hand hinters Ohr. „Meine Ohren sind alt. Pan Szulc, hört Ihr was?" Der Inspektor gab keine Antwort, aber er winkte dem Wirt: „Mehr Schnaps! Und psia krew- — was für Finkennäpfe sind denn das! Ordentliche Gläser her! Diese Herren sind jetzt meine Gäste!" Er schenkte ihnen selber ein und stieß dann mit allen an. Die Scheu verließ sie nach und nach. Pan Szulc, der Gestrenge, dem immer die Neunschwänzige am Sattelknopf baumelte, war doch ein guter Herr, ein freundlicher Herr! Und Späße machte der —! Sie prusteten vor Lachen. Die Weiber stießen sich in die Seiten und fielen fast von der Bank: ein schöner Herr war der, ein freigebiger Herr! „Wiwat! Wiwat!" wv.. ,, , Das Hähnchen krähte vor Vergnügen. Das -schtefmaul hatte schon vollgeladen, und manch anderer auch noch. Plötzlich schrien alle hell auf: „Die Ciotka!" Richtig, die dem Tode Nahegeglaubte trat plötzlich in den Krug. Die hatte eine gute Nase, der brauchte sie nur nachzugehen. Und munter war sie — war's möglich?! Mit Ehrfurcht sah man auf Dudek, Wußte Man doch, er hatte sie besprochen, im Namen des Vaters, des Sohnes Die Deutschen. und des heiligen Geistes. Drei Tage war's her, und nun wandelte sie schon! Filomena rückte bereitwillig und ließ die Ciotka neben sich sitzen. Man gab ihr gleich ein volles,Mas, und sie versicherte allen, die sie eifrig befragten: nichts, tue ihr mehr weh, glatt und zart sei ihre Haut wie ein junges Kalbst fellchen, mochten sie alle nur gucken kommen! Sollte sie etwa tanzen, he?! Und sie hob schon die Beine: „Podkoziolek, mußt du geben —" Ihre Partner, die zwei Musikanten, spitzten bereits die Ohren — sollte es etwa doch noch eine Musik geben? Aber der alte Dudek hob abwehrend die Hand: 's tvar nicht die Zeit für den Podkoz-iolek! Da fiel ihnen allen die Nepomucena wieder ein, und die Weiber begannen herzbrechend zu schluchzen: was tvar sie doch für eine Gute gewesen! Der Stroz aus Chwaliborczhce hob sein Glas, wehmütig mit den roten Plierangen blinzelnd : „Wiwat, daß sie lebe!" Wie manche Nacht, wenn er Wache gehalten hatte, war die gute Babunia über den Hof geschlichen. An der Stallwand hatte sie gelehnt, trenn die Atemnot sie überkam, und dann war sie weitergeschlichen, immer ganz langsam, sich mit der Hand gegen die Mauern stützend. Ja, die gnädige Pani war gut bedient gewesen, die hatte nie zu warten gebraucht! Jetzt hatte die Filomena die Ehre! Und er machte einen Diener vor dieser. Geschmeichelt lächelte Filomena. Eifersüchtig guckte die Ciotka. Der Stroz tvar einmal! ihr Liebster gewesen, es war schon lange her, aber sie hielt noch darauf. Zornig fuhr sie auf die Filomena los: wer hieß sie Blicke werfen? Schickte sich das für eine, die schort Großmutter tvar?! Die Filomena, nicht faul, schlrrg ihr eilte Maulscheller da hatte sie Bescheid! Schickte sich das für eine, die immer betrunken war, über anständigere Leute sich aufzuhalten?! He, wer war nicht anständig? Ei, sie nicht, die Ciotka! Nein, sie nicht, die Filoinena! Laut kreischten beide auf. Der Ciotka Faust griff nach der Filoinena Haube, der Filomena Nägel in der Ciotka Gesicht. Die Männer trennten sie, aber auch ihre Mgen funkelten — wenn zwei sich prügeln, Wacht beim dritten die Lust auf. Unternehmend- sahen sie sich um, die stumpfen Gesichter flammend rot; leise fingerte die Hand am Knippek*) in der Tasche, m Es war früh, gegen die Mittagsstunde gewesen, als sie die Nepomucena begruberk, jetzt fing das Dunkel schon an, sich zu recken. Bom westlichen Horizont her kam eine Röte über den Himmel gekrochen und überzog das ganze Gewölbe. Sie strahlte die weißgrauen Wolken an, daß die wie Rauch aus Flammen stiegen. Die Ebene lag int Widerschein; der Pfuhl im Dorf Mit seinen anfgehactten schwarzen *) Tasckeumesstr. 462 Wasserlöchern bekam einen schnmtzig-roten Spiegel, und am schwarzen Turn: der Kirche wischten blutige Finger. Das düstere Winterrot machte das Dorf nicht freundlicher, auch die Gedanken des Vikars nicht, der, von Ignaz Ruda geleitet, jetzt vor die Türe der niedrigen Hütte trat, deren eine Weite die Schulstube iind die Mvhnnng dies Lehrers enthielt, während auf der anderen Seite der .Häusler Je- zierski mit seinen neun lebendigen Kindern hauste. Stilbn, in seinen Tnchleistenschuhen, das Röckchen vorm Stöbern des blasenden Windes über der Brust zusammenhaltend, stammelte, halb sinnlos vor Angst: „Was nun, was nun, Herr Vikar, was mache ich nun?! Jesus, Maria! Sagt' ich's nicht, daß der Herr Baron wird mich ins Unglück bringen? Kein Mensch kümmert sich sonst um mich, aber nun, nun — da ist der daran schuld, der ganz allein!" Sein zitternder Finger wies gen Riernezyee. Blaß bis in die Lippen geworden, blickte er wie ein Mißhandeltes Tier, das sich gern rächen möchte und nur nicht lveiß, Ivie. „Ich bin ruiniert, ich Unglücklicher! Was soll ich machen?" Hilfesuchend faßte er den geistlichen Herrn nm Aerrnel. Gorka kniff die Lippen zusammen. Unter der gerunzelten Stirn bekamen seine Augen einen düsterbrütenden Ms- druck. Er war immer bleich, aber heute zeigte sein gelbliches Blaß einen Stich ins Grünliche wie bei einem, dem die Galle ins Blut getreten ist. Heute, vor wenig Stunden, war mit der Mittagspost ein Brief gekommen, ein Schreiben der Behörde an den geistlichen Vorstand der Schule von Pociecha. Weder scharfe Worte noch eine Drohung waren darin ausgesprochen, in höflich amtlichem Stil wurde nur die Verfügung des „deutsch abzuhaltenden Schulunterrichts" wiederholt. Aber den jungen Priester hatte beim Lesen die Wut gepackt; die Hände ballend war er- in der Stube auf und ab gestürmt, während Piotr Stachowiak, in seinem Lehnstuhl beim Ofen sitzend, verwundert dreinsah: nun, was war denn da weiter? „Laß sie schreiben, man tut doch, was man will!" Ah, diese Unverschämtheit, diese Ueberhebung! Neber Geweihte des Herrn einfach hinweg zu verfügen, als seien sie dumme Jungen! In Gorka wallte das Blut seiner Ahnen auf: einem elenden Dorfhuhn mag man wohl den Wurm abjagen, den es im Schnabel trägt, einem Adler nie! Sollten sich Szenen des Kulturkampfes noch einmal erneuern? Nun wohl, man würde den polnischen Unterricht der Kinder jetzt ebenso verteidigen, wie damals die Märtyrer der Kirche ihre geheiligten Rechte verteidigt hatten! Es sollte den Widersachern nicht gelingen, der verfolgten Kirche eine ihrer kräftigsten Stützen aus der Hand zu winden. Aber Ruhe, Besonnenheit ge- Wrten dazu. Zum Brevier hatte der Erregte seine Zuflucht genommen. lind wie er, die Lippen lautlos bewegend, wieder und Wieder las, was er längst auswendig wußte, wurden seine Züge glatt. Dann war er zum Lehrer gegangen. Eine mehrstündige Unterredung hatte er mit Rn da gehabt, aber sie hatte doch nicht viel gefruchtet. Mit einem verächtlichen Blick sah der Vikar jetzt auf den sich in tausend Äengsten Windenden herab. Unsanft befreite er seinen Aermel aus den sich daran klammernden Händen. „Tun Sie Ihre Schuldigkeit, Ruda! Ich habe Ihnen unlängst schon einmal gesagt, daß ich Sie nicht im Stich lassen werde. Aber zweien Herren können Sie nun einmal nicht dienen. Entweder Sie sind ein guter Christ, ein treuer Sohn Polens, oder —" er sprach nicht aus, er machte nur eine wegweisende Handbewegung. Und dann ließ er fest seinen Blick auf dem Schwankenden ruhen: „Es gibt hier nur ein Entweder — Oder!" „Ich muß ja wohl, ich muß ja wohl! Ich kann ja gar nicht anders, sie schlagen mich sonst tot hier," jammerte der Erbarmungswürdige. Der Geistliche zuckte die Achseln: „Können Sie es Eltern verdenken, daß sie das Beste ihrer Kinder wünschen? Welche Mutter möchte ihr Kind verlieren — mit der fremden Sprache kommt der fremde Glaube — und ist sie nicht dereinst! verantwortlich für seine Seele vor Gottes Thron?!" Seine Stimme hatte etwas Pathetisches bekommen. Nun änderte sich deren Klang: „Aber tun Sie, was Sie wollen und — verantworten können!" Ernst neigte er beit Kopf und ging. Er ging die einzige Dorfstraße hinab — sie führte zwischen Pfuhl und Propstei durch — aber er trat nicht ins Haus ein. Er ging weiter. Noch war es ihm nicht möglich. zwischen den engen Wänden zu sitzen, die Piotr Stachowiaks engen Horizont begrenzten; draußen in der großen Einsamkeit der winterlichen Scholle mußte er bett Blick schweifen lassen über unendliches, unbegrenztes Land. Der Himmel glühte nur noch ganz im Westen, und da hinein, in das letzte Blutrot, das sich wie eine Fackel aus dem Dunkel hob, mündete die Dorfstraße. Der Priester ging sie mit erhobenem Haupte wie ein Herrscher, festen Trittes wie ein Streitbarer, der da auszieht, das Seine zu verteidigen. Hier und da! grüßte eilt Weib, das mit dem Futter-, eimer zum Stalle schritt, demütig den Herrn Vikar: „Gelobt sei Jesus Christus!" Und er sprach, das Haupt neigend und die Hand erhebend zum friedlichen Gruß: „In Ewigkeit, Amen!" Ganz still, wie erfroren lag das Dorf in der kälter und! kälter werdenden Nachtluft. Nur aus dem Krug schallte lauter Lärm. Die Schenke war das erste Haus int Dorf und auch das letzte, je nachdem, von welcher Seite Man kam. Der Vikar mußte daran vorbei auf seinem Weg in die Felder. Er hielt an und horchte: welch ein Geschrei! War das nicht eine Weiberstimine, die da kreischte, wie in höchsten Nöten?! Er stand noch lauschend, da wurde die Krugtür plötzlich aufgestoßen; von einem kräftigen Tritt befördert, flog eine Gestalt nie ein Bündel hinaus ins Dunkel üb:r- schlug die Stufen im Bogen und lag ihm nun zu Füßen. Er bückte sich danach: war's ein Manu, eine Frauensperson?! Da rief auch schon eine Männerstimme vom. Eingang greuliche Flüche her, und innen jauchzten viele: „He, Ciolka, ade! Lebe wohl, Ciotka!" (Fortsetzung folgt.) Die Hessen in Spanien. (M8—W2). Geschichtliche Skizze von G g. Schäfer. (Schluß,) Verschiedene kleine Gefechte, die in der Zeit vom 11. August bis 19. November 1809 vorsielen, mögen unerwähnt bleiben; doch über die Schlacht von Ocana am 19. November 1809 soll eine kurze Schilderung folgen: Ocana ist die Bezirkshauptstadt der spanischen Provinz; Toledo; cs liegt in fruchtbarer Ebene an der Straße (jetzt Eisenbahn), die von Aranjuez nach Cuenca führt. Der spanische Obergeneral Areizoga hatte hier mit seiner Armee von 60 000 Mann, ans Spaniern und Engländern bestehend, Aufstellung genommen, denen die Franzosen mit den Rheinbundtruppen nur 30 000 Mann entgegenstellen konnten. Oberbefehlshaber war von letzteren der Marschall Soult. Unter ihm fochten die Marschälle Victor, Sebastiani, Mortier und die Leibgarde des Königs Joseph. Bon der Höhe, diesseits Ocana konnte die ganze spanische Armee! übersehen werden. Um IO1/? Uhr vormittags begann der Kampf, um 2Vs Uhr befanden sich die Spanier auf der Flucht. Es wurden 24 000 Gefangene gemacht und 54 Kanonen, sowie 30 Fahnen; erbeutet. „Die 3 Hess. Voltigeur-Kompagnien haben sich zur Bewunderung brav betragen," heißt cs in einem Bericht des Generals v. Schäffer an den Großhcrzog; „den Kapitän v. Schäffer, obgleich er mein Sohn ist, kann ich nicht umhin besonders zu nennen. Er hat sich während der Schlacht mit einer Ruhe und Bravour betragen, die weit über seine Jahre hinausgeht." *) Auch die Leutnants Venator, Heydte, v. Herff und v. Schäffer wurden belobt. In den französischen Armeebefehlen erschienen die ausschweifendsten Lobeserhebungen über die Leistungen der Franzosen. Die deutschen Truppen, die sich alle vortrefflich schlugen, fanden nebenbei Erwähnung. Dem General v. Schäffer lag die Ehre und der gute Name seiner Landsleute am Herzen. Er er-i stattete einen Bericht an den Großherzog, in dem nachgewiesen wurde, daß Marschall Mortier das 88. französische Linienregiment mit Lobeserhebungen über seine Leistungen überschüttete, während dieses Regiment 400 Schritte hinter der Hess. Brigade stand und weder einen Schuß getan, noch einen Blessierten auf- zuweisen hatte. — Nach der Schlacht von Ocana mußten die deutschen Truppen die Gefangenen nach Bayonne eskortieren- ciu unrühmlicher, anstrengender Dienst. General v. Schäffer meldete dies dem Großhcrzog unlcrm 25. November 1809 von Madrid aus und schloß mit den Worten: „Diese Bestimmung gibt der deutschen Division den letzten Stoß. Ich bitte um meine Abberufung." Glücklicherweise erfolgte diese erst nach Monaten. Neber die Ereignisse nach der Schlacht von Ocana, sowie über die Gefechte und Expeditionen in den Jahren 1810 und 1811 Müssen wir, des Raummangels wegen, leider hinweg gehen/ obgleich sie noch des Interessanten viel bieten. Besonders ist die Verteidigung von Toledo, die Gefangennahme von Offizieren ■*) Kapitän v. Schäffer war 20 Jahre alt. •—* 463 — Wnb deren Transport zur See sehr interessant. Premicrleutnant Scnkcnberg hat eingehend darüber berichtet. Wir wenden uns nun zu dem dritten Abschnitt unserer» kleinen Schilderung. III. Di e Verteidigung der Festung Badajoz. Badajoz ist eine uralte Stadt in Spanien; sie liegt aus bem linken Ufer der Guadiana, die dort eine südliche Richtunig nimmt und in das Atlantische Meer fließt. Schon vor Christi Geburt war die Stadt eine Festung. Von der portugiesischer Grenze ist sie etwa eine deutsche Meile entfernt. In früheren Jahrhunderten wurde oft um Badajoz gestritten und viele Belagerungen mußte es aushalten. Im Frühjahr 1811 belagert-e Marschall Soult die Festung; das spanische Entsatzheer wurde zurückgeschlagen, worauf sich Badajoz am 11. März ergab. Die Franzosen nahmen Besitz, versäumten aber, die beschädigten Teile der Mauern und Wälle sogleich anszubessern. Dies geschah erst, als bekannt wurde, daß die Spanier und Engländer beabsichtigten, den Platz wieder zu erobern. Deutlich wurde dies der Besatzung dadurch zu Gemüte geführt, das; mehrere Munitionstransporte, die für Badajoz bestimmt waren, vom Feind abgefangen wurden. Dieser Fehler Machte sich später bei der Verteidigung in empsiudlichster Weise geltend. Im Jahre 1811 machte» die Engländer zweimal den Versuch, die Festung zu überrumpeln: im März und im Juni. Jedesmal wurden sie abgewiesen. Der Platz war indessen für die Operationen der euglisch^portugiesischen Armee von so großer Wichtigkeit, das; Wellington seine ganze Kraft dazu verwandte, ihck zu erobern. Eine Kriegslist sollte zum Ziele führen. Wellington lief; im Monat März den größten Teil seines Belagerungsgeschützes mit großem Spektakel abfahren und in Lissabon ein- ,schiffen, um die Besatzung von Badajoz glauben zu machen, die .Belagerung sei aufgegeben worden. Der pfiffige Engländers schiffte das Geschütz an einem andere» Punkte des portugiesischen UferS wieder aus und ließ es heimlich nach Elvas schassen, das! in der Nähe von Badajoz liegt. General Philippo», der französische Kommandant der Festung, der die Engländer kannte, weil er sie int Jahre vorher wieder-! holt abgewiesen hatte, lies; im Februar 1812 fleißig an der! Ausbesserung der Festungswerke arbeite». Es war die höchste Zeit: Am 16. März erschien Wellington mit drei englischen. Divisionen und einer portugiesischen Brigade vor Badajoz und schloß die Festung ein. Die Besatzung bestand: «»§■ dem Hess, "Regiment „Groß- und Erbprinz" (jetzt das 118. Jns.-Reg.) mit 32 Offizieren und 910 Man», aus süiif französische» Bataillonen, einer Kompagnie Neuspanier, einer Abteilung Genie, 250 Mann Artillerie und 80 Reiter». Die ganze Besatzung war 4550 Mann stark, wogegen die Engländer und Portugiesen über eine zehnfache Ueberniacht verfügten. Wollte man auf Einzelheiten eingehen, so ließe sich ein stattliches Buch über die Verteidigung von Badajoz schreibe». Statt dessen soll nur Einiges erwähnt werden. Wellington betrieb die Belagerung der Festung mit der größten Energie; er hatte guten Grund dazu, weil er wußte, daß zwei französische Armeen unter den Marschälle» Soult und Marmont im Begriff waren, die Festung zu entsetzen. Soult kam zwei Tage zu spät. Marmont soll, wie die Franzosen selbst andeuten, feinen Marsch in böswilliger Weise verzögert haben. Drei Tage »ach Umzingelung der Festung, also am 19. März 1812, machte Gouverneur Philippo» eine» Ausfall mit 1000 Mann Infanterie, 40 Reitern und 200 Man» Genietruppen, itin die feindlichen Belagerungsarbeiten zu zerstören. Der Ausfall mißlang zum Teil. Mit einem Verlust von 220 Mann Toten und Verwundeten kamen die Ausfalltruppen zurück. Unsere Hessen waren mit 200 Mann beim Ausfall beteiligt; sie tjntten mit hervorragender Tapferkeit gestritten, ihr Verlust betrug 2 Offiziere und 97 Mann. Vom 20. März an richteten die Engländer das Feuer auf das Vorwerk „Picurina", das bald ein Trümmerhaufen wurde. In der Nacht vo»l 26. zum 27. März stürmten sie das Vorwerk. Die Besatzung bestand aus 200 Mann, darunter 49 Hesse». Hiervon waren 19 gefallen; die übrigen 30 lehnten de» Pardon ab. Hauptmann Kullmaun und Bataillonsarzt Metzger sprangen in das Wasser, das um das Vorwerk floß; die, Mannschaft folgte., Fechtend und schwimmend erreichten sie das jenseitige Ufer: von Freund und Feind bewundert. Schon am 25. März hatten die Belagerte» die Hälfte ihrer Munition verbraucht. Am 3. April hatte» die Engländer eine weitklassende Bresche auf der einen Seite geschossen. Nachts arbeiteten die Belagerten daran, die Bresche» zu schließen und die verschüttete» Gräben aufzuräumen: eine sehr schwere und gefahrvolle Arbeit, weil sie unter dem Feuer der schweren englischen .Belagerungsbatterien verrichtet werden mußten. Die französischen Genie-Offiziere erklärten: nur auf die Leute des Hessischen Regiments könne man sich bei dieser Arbeit verlassen. Drei Nächte lang verrichteten unsere Hessen diese Arbeiten; sie verloren in der Nacht vom 1. zum 2. April 21 Mann, meistens Tote. Aehnlich waren die Verluste in den folgenden Nächten. Am .6. April besichtigte Wellington die Breschen und befahl, daß in der Nacht an drei Stellen der Sturm unternojnMen werdet»! solle. Die Belagerten hatten das Menschenmögliche zur Verteidigung vorgerichtet: Pulverfässer mit Eisenstücken waren vergrabe» worden; spanische Reiter und scharfe Säbelklingen standen in den Breschen, daneben Bomben mit Zündschnüre» versehen. Die besten Scharfschütze» waren an den ausspringenden Winkeln der Bastion 7 postiert. Am 6. April 1812, abends 10 Uhr, begann der Sturm: 15 000 Engländer griffen an; die Verteidiger waren auf 3600 Mann zilsammeiigeschmolzen. „Der nun zu schildernde Kampf ist einer der großartigsten Vorgänge, von denen die Geschichte des Halbinselkriegs zn erzählen weiß: ein blutiges Bild des Krieges in feiner furchtbarsten Gestalt, ober auch ein bleibendes Denkmal für die heroische Tapferkeit der Angreifer, wie der Verteidiger." Letztere ließen die Engländer bis au die Mauerbrüche herankommen, dann spieen die Geschütze Feuer, die Bomben und Pulverfässer explodierten, die Schützen feuerten in den dichten Knäuel der Engländer hinein und haufenweise brache» sie zusammen. Trotzdem bringen die Angreifer bis auf ben Kamm der Bresche, werde» ober hier mit der blanke» Klinge in den Festungsgraben hinab-. gestürzt. Zum zweite» und zum dritte» Male erneuer» die Engländer ben Angriff; jebesmal hatten sie dasselbe Schicksal. Wellington befahl de» Rückzug. 3000 Mau», darunter 300 Offiziere, hatten die Stürme gekostet. „In dumpfer Verzweiflung, wie erstarrt von den schreckliche» Eindrücken, marschierten die von der Blutarbeit Uebriggebliebeueu nach dem Lager zurück." — Ma» muß hier ebenso sehr ben todesverachteuden Mut der Engländer, wie die heroische Tapferkeit der Verteidiger bewundern. Der Raum mangelt, uni bie weiteren Kämpfe zu schildern; jeder Fuß breit wurde ben Engländern streitig gemacht, die unaufhörlich frische Mauuschaften ins Feuer führten, bis die Kräfte der zum Tode erschöpften Verteidiger erloschen. Jeder Offizier, jeder Soldat war ein Held. „Wenige, sehr wenige von denen, bie' bie feindliche» Leichen gehäuft hatten, womit die Tiefe fast aufgefüllt war, bliebe» übrig, um sich ihrer Taten zu rühmen," sagt General Pieto» in seinen Denkwürdigkeiten über die Erstürmung von Badajoz. Als der Festungskonimandant Philippo» sah, daß nichts mehr zn retten war, machte er sich mit seinem Stabe und seinen Schätzen davon. Mit Tagesanbruch rückte die englische Strmce. in die Festung ei». Die Besatzung wurde kriegsgefangen. „Ruhig, lautlos, bie Gewehre in Pyramiden zusammengesetzt, die Armatur daran gehängt, in Reih und Glied hinter ihren Gewehren, so fanden die Engländer am Morgen des 7. April bie braven Verteidiger von Badajoz. Noch an dem nämlichen Tage traten die Tapferen de» Marsch »ach Lissabon an, um in eine überaus traurige Gefangenschaft »ach England abgeführt zu werden." Die Eroberung von Badajoz mußten die Engländer mit einem Verlust von 406 Offizieren und 4606 Soldaten bezahle». Wie in anderen Füllen, suchten die Franzosen auch hier de» Deutsche» etwas anzuhängen, besonders de» Hessen. Sic schrieben von Untreue, Feigheit und Verräterei. Diese Nichtswürdigkeiten »ahm sogar der kleine Thiers auf, der Advokat, Geschichtsschreiber und ein Hauptgegner Napoleons III. war, nach dessen Sturz er Präsident der französischen Republik wurde. Unter ben hinterlassenen Papieren des Regimentskonimandeurs Köhler in Darmstadt sand man aber ein eigenhändiges Zeugnis des Festungs-t kommanbante» Phillippon, datiert Lissabon, den 19. April 1812, worin klar und deutlich bescheinigt ist, daß sich das Regiments Hessen-Darmstadt vom Anfang der Belagerung von Badajoz an bis zum Schluß in der tapfersten Weise gehalten habe, so daß man sich nur mit Lob über das Verhalten des Reginients aus- fpreche» könne usw. — Dem Mr. Thiers wurde eine beglaubigte Abschrift des Zeugnisses in einem offenen Briefe zugesandt. Das Original befindet sich im Großh. Hess. Staatsarchiv. — Seitdem sind die französischen Verleumdungen verstummt. IV. In englischer Kriegsgefangenschaft (1812—1814). Die Feder sträubt sich Und das Herz krampft sich zusammen, wenn man schildern soll, in welch schauerlicher Weise die Engländer ihre Kriegsgefangene» und die ihnen befrennbete Stadt Badajoz behandelten: Wellington gab die Stadt auf zweimal 24 stündige Plünderung Preis. „Stolzes England schäme dich!" muß man hier ausrufen. Die meistens betrunkene» Soldaten verübte» Mord, Raub und Schändung an den Einwohner» ohne Unterschied des Alters und Geschlechts. Selbst die englischen Berichte geben zu, das; „Bojodoz" ein dunkles Blatt in der englische» Geschichte fei. Erst bann, als Wellington einige Galgen errichten ließ und mit ben strengsten Mitteln einschritt, stellte sich wieder etlnod Ordnung ein. Den gefangenen Offizieren und Mannschaften wurden Geld, Uhren und Wertsachen abgenommen und die besseren Kleider vom Leibe geriffelt. De» Leutnant Scriba warfen bie Unholde, nachdem sic ihm sogar das Hemd vom Leibe gezogen hatten, in eine» »offen Festungsgraben. Nackt, wie ihn Gott erschaffen hatte, kletterte er jenseits heraus und blieb hier lange bewußtlos liegen. Ein Soldat von der braunschweigischen Legion brachte ihn zu einem englischen Oberst, der ihm ein Paar leinene Hosen und einen alten Mantel gab. Diese Kleidungsstücke trug Scriba während der ganzen Gefaitgenschaft. Am 7. April wurden die Offiziere und Mannschaften des Hess. Regiments nachmittags in der Bastion 6 gesammelt und der Marsch »ach Lissabon angetreten. Vorher nahm man den, Leuten Wertsachen und. Geld ab, bann «— 464 —- Irieb man sie über die Bresche und ließ sie ttieberfiticen, um den Glauben zu erwecken, sie sollten erschossen werden. Einige hessische Offiziere, die krank oder verwundet waren, hatten teilte Umform, anderen fehlten die Beinkleider, noch andere besaßen nicht einmal soviel Kleidungsstücke, um ihre Blößen zu decken: es war ein jammervoller Anblick. Brüderlich half man sich aus, so gut es ging. Die Engländer begafften, verhöhnten, beschimpften die Gefangenen, die seit vielen Stunden ihren Hunger nicht mehr gestillt hatten. Ans jeder Pfütze suchten sie den brennenden Durst zu stillen; mit Kolbenstößen trieb man die Lechzenden von dein widerlichen Labsal weg. In dem Städtchen Elvas wurden die Gefangenen mit Steinen beworfen, die Offiziere wurden von der Mannschaft getrennt und auf einem anderen Wege nach Lissabon gebracht. Diese Trennung und die scheußliche Behandlung hatte den Zweck, die Hess. Soldaten zu veranlassen, englische Dienste zu nehmen. Die Mühe war vergeblich. In Abranres an der Seeküste mußten ungedeckte Kähne bestiegen werden, um zur See nach Lissabon zu komme». Zwei Kähne sanken, die meisten Insassen verschwanden in den Wellen. Sogleich nach Ankunft in Lissabon erneuerten die Engländer ihre Werbungsversnche. Einige Unteroffiziere und Soldaten nahmen an, um aus dem gräßlichen Elend heraus zu kommen. Die Ueberfahrt von Lissabon nach England war nicht minder scheußlich, wie die Gefangenschaft in Lissabon. Die Engländer bohrten absichtlich ihre Schiffe an. Dann zwangen sie die Gefangenen, das Wasser auszupumpen, damit sie Beschäftigung bekommen sollten. Vielleicht fürchteten sie auch eine Meuterei/ zu der die Gefangenen aus Verzweiflung hätten getrieben werden können. Die gereichte Nahrung bestand aus einem eigenartigen Brei. Schöpfgefäße und Teller waren nicht vorhanden, deshalb wurde der Brei den Leuten in die Czakos geschüttet. In den letzten Tagen des April landeten die Gefangenen in Plymouth; anfangs Mai folgten die Offiziere nach. Wieder machten die englischen Werber Versuche, die Gefangenen zum Uebertritt in den englischen Militärdienst zu bewegen. Bei einigen Unteroffizieren und Soldaten gelang es, sie konnten die Qualen nicht länger ertragen. Die Offiziere wiesen das Ansinnen mit Verachtung zurück. Im Mai 1813 wurden sämtliche hessische gefangenen Soldaten in das Milprison in der Nähe von Plymouth gebracht, wo sie bis zu ihrer Befreiung (im Frühjahr 1814) verblieben. (Die Offiziere befanden sich in Wales, in Schottland Und in der Grafschaft Shrewsbury.) In diesem Gefängnis wurden die Versuche.zur Anwerbung von Soldaten fortgesetzt, aber mit den nämlichen schlechten Erfolgen wie früher. Sobald der Großherzog in Erfahrung gebracht hatte, wohin die Gefangenen abgeführt worden wärest, ließ er ihnen durch diplomatische Vermittelung nach und nach viermal Unterstützungen zukommen. Zwei lange Jahre mußten unsere tapferen Hessen in England als Kriegsgcsangene schmachten. Es sind noch Briefe und Aufzeichnungen aus jener Zeit vorhanden, die die zwei Jahre als den Inbegriff aller Entbehrung, Trübsal und Leiden schildern. In unserer Jugend erzählten die Wenigen, die wieder in die Heimat zurückkmnen, Erlebnisse und Dinge, das; sich beim Anhören die Haare sträubten. Man hält es nicht für möglich, daß Menschen so etwas durchmachen konnten. Hierbei zeigt es sich, daß Menschen noch viel mehr Strapazen zu ertragen vermögen als die stärksten Tiere. Schließlich darf behauptet werden: die Feldzüge in Spanien stellten an die Truppen nicht weniger! Ansprüche an Tapferkeit, Todesverachtung und Widerstandst fähigkeit gegen die Einflüsse des Klimas, als der Feldzug im Jahre 1812 in Rußland. Den Schluß dieses Aufsatzes mag die Schilderung der Anhänglichkeit der Kriegsgefangenen in England an ihren obersten! Kriegsherrn und angestammten Fürsten bilden. Die Gefangenen beschlossen, den Namenstag ihres Landesvaters am 25. August 1813 zu feiern. Jeder sparte sich etwas am Mund' ab, um die Feier zu ermöglichen. Leutnant Caspari (Artillerist) ivar während der Gefangenschaft Offizier geworden. Er erwirkte die Erlaubnis bei dem Kommandanten zur Abhaltung der Feier. Eine hessische Fahne wurde hergerichtet und ausgepflanzt; in militärischer Weise defilierten die Leute vor der Fahne. Darauf wurde eine kurze Ansprache gehalten und ein Hoch auf den Großherzog ausgebracht. Jeder Soldat erhielt eine Extraportion Fleisch und einige Glas Bier. Sogar Musik wurde zusammen gebracht, die zum Tanz aufspielte. Am Abend wurden die Fenster des Gefängnisses — es waren nur Löcher, die sogen. Taglöcher — mit kleinen Talglichtchen illuminiert. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der Gefängniskommandänk Mit vier englischen Offizieren, einigen Zivilisten und etwa zwölf Damen den Umzug mit ansah. Als die Fahne herannahte, nahmen der Kommandant und seine Begleitung die Hüte ab und bedeckten sich erst wieder, als die Fahne einige Schritte vorüber war. Die .Mannschaft erwiderte diese Höflichkeit im Vorbeigehen durch militärische Ehrenbezeugung, die den Engländern gefiel. Am folgenden Morgen ließ der' Kommandant den Gefangenen seine volle Zufriedenheit für die gehaltene Ordnung und das' solide Betragen bei der Festlichkeit zu erkennen geben, Bon dieser Zeit an wurde die Behandlung.der Gefangenen weniger strenÄ und rücksichtsvoll^:. — — . Endlich schlug die Stunde der Befreiung. Wie Offiziere reisten im Februar 1814 in England ab und trafen nach und nach tml Monat März in Darmstadt ein. Am 30. April wurde den Mannschaften, 140 Mann, die Freiheit verkündet. 36 Unterofsizierei und Gemeine waren in der Gefangenschaft gestorben. Die kleber- lebenden wurden am 7. Mai in Plymouth eingeschifft und landeten am 27. in Harwich, von wo sie in einem anderen Schiffes nach dem Kontinent übcrgesetzt wurden und den Marsch zu Land; fortsetztcn. Der Weg führte über Rotterdam, Nymwegen, Krefeld, Köln, Koblenz, und Wiesbaden nach Darmstadt, wo sie am 14, Juli 1814 eintrafen. Von den nicht bei Bajadoz gefangenen, in Sevilla, Toledo und anderen Plätzen kommandierten oder in Spitälern krank liegenden Soldaten: Infanteristen und Artilleristen, sammelt'S Premierleutnant Keim nach und nach vier Offiziere und 216 Mann, die er nach großen Mühseligkeiten von Madrid aus durch Spanien und Frankreich nach Darmstadt brachte. Der Großherzog überreichte Keim bei der Parade eigenhändig den Verdienstorden für seine hervorragende Leistung. 14 hessische Offiziere und etwa 1330 hessische Unteroffiziere! und Soldaten deckt spanische Erde! Ehre ihren; Andenke n! Ves»mr?chtes« * Ein tapferer Diplomat. Bei den diplomatischen Personalveränderungen der letzten Wochen ist der seitherige Generalkonsul in Sofia, Herr von Below-Saleske, wie bekannt, zum deutschen Gesandten in Sofia ernannt worden. Bei dieser Gelegen- heit erinnern französische Zeitungen an eine jetzt gerade 10 Jahre zurückliegende Episode aus der Zeit der chinesischen Boxergreuel/ die den; persönlichen Mute des Herrn von Below-Saleske ein ebenso glänzendes Zeugnis ausstellt, wie seinen; Pslichtgefühl. Der junge Diplomat war in jenen kritischen Tagen Gesandtschaftssekretär in Peking. Vom Auswärtigen Amte in Berlin, wo man von der schlimnien Situation der Gesandtschaften noch nichts wußte, war die Ordre ergangen, dem französischen Gesandten Pichon, den; jetzigen Minister des Auswärtigen, zum Nationalfeiertag am 14. Juli die üblichen Glückwünsche der deutschen Regierung auszusprechen. Da wenige Tage vorher der Gesandte von Ketteler ermordet worden war, lagen die Geschäfte in den Händen des ersten Sekretärs von Below-Saleske, und dieser begab sich pünktlich am Vormittag des 14. Juli aus den; belagerten Gesandtschaftsgebäude unter den; Feuer der chinesischen Boxertruppcn in das benachbarte, gleichfalls belagerte französische Gesandtschaftshotel, um sich hier mit aller Ruhe und Selbstverständlichkeit feiner? Gratulationspflicht zu entledigen. Für diesen Tapferkeitsbewcis/ der in Frankreich damals lebhafte Bewunderung erregte, verlieh ihm die französische Regierung bald nachher das Kreuz der Ehrenlegion. * Ein Veteran der Bühne. Der älteste Schauspieleri der englischen Bühne, Fred Wright sen., ein rüstiger Greis von 84 Jahren, ist eifrig am Werke, sich zu einer Tournee vortzlr-, bereiten. Der Zauber der Welt der Bretter hält den alten Herrn noch heute gefangen, die Freude an seiner Kunst ist trotz der! Last seiner Jahre in ihm noch so rege wie in seiner Jünglingszeit/ und ungeduldig erwartet er den Tag, an dem die große Herbsttournee beginnt. „Es bereitet mir keinerlei Schwierigkeit, meinen Beruf auszuüben," so erklärte der 84 jährige Herr voller Stolz einem Besucher. „Eine Reise von zioei- oder dreihundert eng- lifchen Meilen, dieses Hin- und Herfahren zwischen den Städten ist vielleicht etwas anstrengender und ermüdender, als mir eigentlich lieb ist, aber im Grunde finde ich das Ganze sicherlich nicht! schlimmer, als meine jungen Kollegen auch." Wright sen. ist der Vater einer ganzen Schanshielerfamilie, denn seine drei Söhne, Huntly, Fred und Bertie, wie auch seine Tochter Hafdee Wright, sind Jünger der; gleichen Muse, Gleichklanz-Rätsel. Was ist das für ein absonderlich Ding: Bald ist es mächtig, bald wieder gering; Bald ift's von der Schöpfung mit Wasser gefüllt» Bald wieder von Seifenschaum nur verhüllt. In jedem Orchester verübt es Radau, Es ist auch in jeglichem Knochenbau. Und stets ist es rundlich, doch würde von; Runden Sobald ihm der Kopf fehlt, wohl nichts mehr gefunden. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummert / DONAU OBER NEY A R U Redaktion: I V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen