ffiM W 1910 — M. (68 Donnerstag den 27. Moder jcheMMMilienblH. i-jgj AntechüllmKblall M MeßemrAnzelZer(Gamal-Anzeiger). Friedel halb-süß. Stoman von Fedor von Zobeltitz. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Aber damit Maren die Raritäten des Opas noch lange Mcht erschöpft. Von jeder einzigen Marke, die das Haus Frredel von seiner Begründung ab „kreiert" hatte, fanden sich hier noch Proben vor, und man konnte schon an der primitiven Art der „Verkordelung" der Pfropfen sehen, wie alt diese Flaschen waren. Es gab tm Keller übrigens nicht nur Schaumwein; der Opa hatte auch, sonst mit vielem Verständnis gesammelt. In einem besonderen Gefach aber lag noch eine Anzahl 'Rotweinflaschen, von denen einige das Etikett trugen „Pontac. K. A. Friedel. Cobleirz." Vor der Begründung der Schaumweinfabrik waren die Friedels nämlich Weinhändler in Coblenz gewesen und wurden als solche schon um 1760 geführt, waren eine Zeitlang auch Keller- lieferanteu des 'Erzbischofs von Mainz gewesen, an dessen gastlichem Tische vrel verbraucht wurde. Der Opa war also zufrieden mit dem Excelsior. Auch er hielt ihn für den besten Schaumwein, der bisher produziert worden sei, und bemängelte im Gegensatz zu den anderen Herren nur das eine: daß er W^leicht sei. Er huldigte in dieser Beziehung noch den Anschauungen der älteren Generation, die für ihr gutes Geld auch etwas verlangte, was rasch und nachhaltig zu Kopfe stieg. Lange und exnsthaft währte die Beratung über den Preis, den man ansetzen sollte. Man mußte es hier wirklich auf eine Kraftprobe ankommen lassen. Nach den Berechnungen des Kommerzienrats, denen die Einlaufspreise der Weine, die Verzinsung,, die Herstellung des Likörs, die Arbeitslöhne und so weiter zugrunde lagen, konnte man die Flasche nicht unter acht Mark'au die Grossisten abgcben. Das war für einen deutschen Schaumwein ein sehr hoher Preis. Auf den Weinkarten der Restaurants konnte der „Excelsior" nur zu dreizehn Mark und darüber geführt werden. Mit einer derartig teuren Marke hatte es bisher lediglich ein Fabrikant im Rheingau versucht: Kupka mit feiner „Blüte der Rebe" — und hatte damit gar kein Geschäft gemacht. Allerdings fehlte es der „Blüte der Rebe" bei aller ihrer Güte an der notwendigen „Süffigkeit". *— Man blieb also bei dem vom Kommerzienrat normierten Preise. Es galt abermals einen Kampf gegen tief eingewurzelte Vorurteile. Wiele waren glücklich besiegt oder waren von selbst gefallen. War es doch noch nicht gar so lange her, daß die Ansicht allgemeine Verbreitung hatte, der „echte" Champagner könne nur aus der Champagne stammen. Freilich, er war in der Champagne erfunden worden und daher,, läut auch sein Name. Dom Perignon, der Pater Kellermeister der frommen Brüder von Saint Pierre bei Hautvillers, einer stattlichen Abtei am Marneufer, soll Zuerst auf den glücklichen Gedanken gekommen sein, den Wein in Flaschen zu füllen und diese mit Korkstopfen zu schließen! Denn bis dahin ließ man den Wein direkt aus hem Fasse in Krüge oder Humpen rinnen, oder wählte man einmal eine Glasflasche, so verschloß man sie durch einen Deb aufguß, wie es noch heute in Italien üblich ist, oder allem falls auch durch einen .aus Hanf gedrehten und in Pe> getauchten Stopfen. Ms aber gegen'Ende des siebzehnten Jahrhunderts die aus Kork gefertigten, den Mnsluß bet Lust besser abhaltenden Pfropfen zunächst für die Süd-' Werne in Mode kamen, versuchte der gescheite Kellermeister von Hautvillers es auch einmal damit und war höchlichst erstaunt, als er nach einiger Zeit einen Teil der Korken abgesprungen und den Wein in wilder Bewegung fand. Seine Oberen, frommer als er, hielten das aufregende Geschehnis für Satanswerk, und nun wurden viele Gebete gelesen und durch die Keller der Abtei strömte der Dust der Weihrauchfässer. Dom Psrignon aber verfiel ins Grm- beln: der seltsame „Mousseur" regte seine Gedanken an, und als die Oberen sich davon überzeugten, daß der schäumende Wein ganz ausgezeichnet schmeckte, gaben sie ihre teuflischen Befürchtungen auf und setzten sich mit einem jungen Lebemann in Verbindung, um das neue Getränk zunächst einmal an: den Hof des allerchristlichsten Königs' zu bringen. Der Herr Marguis de Sillery, der selbst erträgnisreiche Weinberge unweit Meims besaß, interessierte sich lebhaft für die Fabrikation und beschloß, seinen Freund, den Herzog von VendüNle, in das Geheimnis einzuweihen. Bei einem der berühmten ,petit soupers' im Palais des Herzogs öffneten sich plötzlich die Düren, und herein schwebte ein Schwarm junger Bacchantinnen, Mit Weinlaub und' sonst nicht viel mehr belleidet, und in den Händen Blumenkörbe tragend. Unter den Blumen aber lag der Champagner verborgen, uub als nun die Pfropfen knallten und der Wein in .bett Kristallen und Silberbechern schäumte und man die ersten Gläser durstig in die Kehle gestürzt hatte, da war der Jubel groß. Das war in der Tat ein „Königs'- wein", und Ludwig der Vierzehnte gab ihm denn auch die königliche Weihe. Won seinem Hofe aus aber nahm er den Lauf durch die Welt, und nach- dem lebenslustigen Marguis, der ihn eingesührt hatte, nanrrte man ihn lange Zeit hindurch „Sillery", ein Name, der heute noch viel Verwendung findet, obwohl es um sSillery gar'keine Weinberge mehr gibt. Jedenfalls konnte Hautvillers ihr Geheimnis nicht lange hüten; schon Anfang des achtzehnten Jahrhunderts entstanden zahlreiche Fabriken, unter anderen die Häuser Ruinart psre et fils und Most et Chandon, aber auch jen- seit der Champagne begann es sich zu regen. Saint-Psvay kam mit seinem würzigen Mousseux, der Bourgogne-M-ous- seux von Ponne >und Tonnerois wurde rasch beliebt, der weiße schäumende Burgunder von Epineuil und Daune- moins machte der Champagne Konkurrenz. Da wütete denn die Champagne gewaltig gegen die Bourgogne, und ein heftiger Streit brach los, den schließlich die Pariser FakulW durch einen weisen Schiedsspruch schlichtete. — 670 Mer trotz der schnellen Verbreitung der Fabrilations- «chnik währte es noch geraume Zeit, ehe man sich int Publikum darüber klar wurde, daß der sogenannte Cham- -agner ein Kunstprodukt war, das sich überall Herstellen steß, daß die Bezeichnung „Chanrpagner" also nur auf die ßrsindungsstätte zurückgreift und nichts als eine Gattungs- »ezeichnnng ist. Die Vorliebe für den „echten" hielt an, Md was aus Frankreich kam, mußte notgedrungen „echt" .ein. Man überlegte nicht, daß doch schon die viel pe- zehrten, auch von größeren Häusern der Zollersparnis halber m Luxemburg oder auf deutschem Boden hergestellten „Grenzfekte" den Beweis für die Unmöglichkeit des Monopols der Champagne lieferten. Während man in England, Amerika und den Kolonien das deutsche Produkt zu schätzen begann, zumal in seinen besseren Marken, hielt man in Deutschland immer noch daran fest, daß der Schaumwein fillig sein müsse — sonst griff man lieber nach der fran- Mischen Ware. —. Fritz arbeitete sich leicht in den Geschäftsgang ein. Ein brennendes Interesse zur Sache beseelte ihn. In der ersten Zeit hatte er seinen Tisch im Kontor des Prokuristen. Er wollte vor allem erst einmal in das Soll und Haben des Hauses eingewe'iht sein. Die Bücher^ erzählten ihm eine ganze Geschichte. Es machte ihm Spaß, den Entwicklungsgang des Geschäfts bis auf die Begründung der Schrattsteiner Fabrik zurück zu verfolgen. Der Kommerzienrat lächelte zwar etwas ironisch zu der fieberhaften Tätigkeit seines Sohnes, übergab ihm aber ohne weiteres den Schlüssel zu dem Archiv, das die Geheimbücher barg. Da tat sich denn für Fritz die kleine Kaufmannswelt vor fünfzig Jahren auf, die auch im Aeußeren der Kontobücher und in der unpraktischen Art der Rechnungsführung noch am Zopfe hing. „Goldperle", die erste Marke, war nur in achttausend Flaschen abgefüllt worden; die Flasche wurde zu zwei Gulden verkauft, also zu keinem allzu niedrigen Preise. Dann kam eine „Sillery"-Marke an.die Reihe, und nun fing das Geschäft an. Ewest in Berlin, damals der Vefour der preußischen Hauptstadt, bezog gleich tausend Flaschen; ferner war ein schlesischer Magnat ein fleißiger Abnehmer, für den besondere Etiketten gedruckt werden mußten, die den Namen her deutschen Firma nicht verrieten. Das Hauptgeschäft airrg mehr nach dem «Osten und Süden; in den großen Städten des Rhein- und Maingebiets dominierte noch ganz der französische 'Einfluß. In Frankfurt hätte man um die Welt nichts anderes äls französischen Champagner getrunken, wogegen beispielsweise in Stuttgart der „Sillery Friedel" schon hoffähig geworden war. Bon den sechziger Jahren ab ging es flott aufwärts. Bisher hatte man den Wein zur Fabrikation vielfach noch aus Frankreich bezogen; nun blieb man aber im Lande Unid beschränkte sich vorwiegend auf die Rheingautraube Und sicherte sich gute oder vielversprechende Wachstümer. Denn auch der Ehrgeiz verstärkte sich: Man wollte den 'Konkurrenzkampf mit Frankreich aufnehrnen In Deutschland selbst war er noch nicht allzu heftig; nur Grüneberg e mit, aber Grempler und Kompagnie, denen das , ,'tück gelungen war, aus den Säuerlingen der heimischen Berge einen recht süffigen Schaumwein zu fabrizieren, beherrschten mit ihrer Marke „Landkarte" hauptsächlich Schlesien und Polen. Jetzt freilich tauchten auch« an den Usern von Rhein, Rahe, Main und Mosel immer mehr Schaumweinfabriken auf, und als nach dem siebziger Kriege per neu geweckte nationale,Gedanke der inländischen Produktion im allgemeinen eine größere Berücksichtigung zuwandte, galt es, sich auch der Konkurrenz daheim zu erwehren. Aber die Firma Friedel arbeitete mit stetigem Glück. Nur ein einziges Mal mißlang eine Marke, jedenfalls infolge eines chemischen Versehens bei der Likörbereitung; man mußte die gesamte Füllung zu einem Spott- vreise an einen ungarischen Händler verschleudern, der mit ihr im Balkan Und in Konstantinopel wahrscheinlich noch! gute Geschäfte gemacht hatte. Doch das war ein Verlust, der bald .wieder eingebracht würde. Fritz ging die Jahresabschlüsse durch; sie wuchsen bis 1884 beständig Und hielten sich dann ein paar Jahre hindurch auf gleicher Höhe, um abermals zu steigen. Die Verdienste waren bedeutend. Trotzdem konnte eine unerwartete Krisis dem Geschäft gefährlich werden, denn man statte keine Reserven im Hinterhalt. Auch darüber gaben die Geheimbücher Auskunft. Fritz ersah UUs ihnen, haß der Kommerzienrat sich hcchfiger mit Körsen- speiülatiouen befaßt hatte. Sie Waren zUm großen TM fehlgeschlagen und hatten arge Verluste gebracht. Der Kommerzienrat hatte in allem, was nicht das eigene Geschäft betraf, eine unglückliche Hand. Was ihn zu diesen Spekulationen veranlaßt hatte, tvar klar: die Ausgaben stiegen enorm. Wie Lebensführung wurde immer luxuriöser; der Schloßbau kostete das Dreifache der Veranschlagung; um zwei Wintermonate in Wiesbaden verleben zu können, wurde eine Villa im Nerotal gekauft. Die Ansprüche der Frau Margot wuchsen fortwährend. Uebrigens zeigte der Kommerzienrat sich den Vorschlägen Fritzens gegenüber gefügig, wenn auch stets mit einem gewissen ironischen Lächeln auf den Lippen, das Fritz ärgerte. Es war nicht ganz leicht, den Hausstand in dem Maße einzuschränken, daß sich auch wirklich Ersparnisse erziele^ ließen. Aber Fritz machte kurzen Prozeß: die Kraftwagen wurden abgeschafft, der Pferdestall geräumt, die Villa in Wiesbaden zum Verkauf ausgeboten. Auch von den Domestiken wurden einige entlassen. ,Um das Sparsystem, mit dem Fritz vor allem einen gewissen Druck auf den Vater ausüben wollte, vor der Oeffentlichkeit minder auffallend in die Erscheinung zu setzen, wurde ein wenig Komödie gespielt. Das alles war nicht weiter schlimm. Unangenehmer waren die Auseinandersetzungen mit Frau Margot. Fritz war immer ihr Liebling gewesen, und er kannte die launische, schlecht erzogene Frau, die doch auch wieder bestechend reizend sein konnte, ganz genau. Vorläufig; hielt fie noch immer an ihrem kindischen Trotze fest, tveigerte sich, ihr Schlafzimmer zu verlassen, und ließ sich die Mahlzeiten servieren, wann es ihr paßte. Fritz schickte die Zofe zu ihr: er bitte um eine Unterredung mit der Mama. Als Antwort bedauerte sie: sie sei allzu leidend. Da machte Fritz kurzen Prozeß, ging hinauf, klopfte an ihre Tür und trat ein, ohne den Hereinruf aüzuwarten. Margot lag auf ihrer Chaiselongue, sehr elegant coif- fiert, in einen kostbaren Schlafrock gehüllt, las einen englischen Roman und hatte neben sich einen Deller mit Konfitüren, eine Flafche Parftim, ein Flakon mit Portwein und eine silberne Dose mit Riechsalz. Sie war keineswegs entrüstet über den nicht erwünschten Besuch ihres Sohnes, nickte ihm im Gegenteil freundlich zu und sagte naiv: „Das ahnte ich, lieber Junge, daß du doch kommen würdest. Nimm dir einen Stuhl und setze dich zu mir." Fritz küßte ihr die Hand. „Ich dachte, du wärst leidend, Mama," entgegnete er. „Das bin ich immer, wenn ich mit deinem Papa kollidiere. . . Ein rascher Mick aus ihren schönen Augen! glitt über ihn hin . . . „DU hast mir in der Uniform besser gefallen," sagte sie. Fritz nahm Platz. Er kam ohne weiteres zum Zweck seiner Unterredung. Er sei in das Geschäft, eingetreten, um dem Vater zur Seite zu stehen und die verfahrenen Verhältnisse mit fester Hand ordnen zu können. „Und dabei möchte ich auch deine Hilfe haben, liebe Warna," fuhr er fort. „Ich habe mir ertaubt, deine Ausgaben für das Vorjahr nachzukontrollieren. Die Konfektion hat über sechzig? tausend Mark verschlungen, die Rechnung beim Juwelier betrug rund zehntausend Mark. Das sind Summen, die das Geschäft nicht aufbringen kann. Es bleibt uns nichts übrig, als dich zu bitten, künftighin mit einem bestimmten Nadelgelde auskommen zu wollen." „Das ist lieb von euch," sägte Margot kopfnickend. „Und auf wieviel taxiert ihr mich?" „Nach meinen Erkundigungen ist selbst für eine Frau von Welt die Summe von zwölftausend Mark geirügend!, uni sich anständig zu «equipieren. Die Wirtschaftsführung hat dir ja schon seit einigen Jahren deine Hausdame oder Stütze, oder wie du Fräulein Besser nennen willst, abgenommen. Die Besser ist ein praktisches Wesen und wird sich unschwer in die veränderten Verhältnisse finden. Der große Troß ist eingeschränkt, «der Koch entlassen worden; von den Dienern haben wir nur noch Louis behalten;« Die Autogarage steht bereits leer, aber zwei Kutschpferde, sind zurückgeblieben, damit du auch künftighin nicht zu Fuß nach dem Bahnhöfe zu gehen brauchst." (Fortsetzung folgt.) Gneisenau. Zum 150. Geburtstage des Helden (27. Oktober). Von Egon Noska (Berlin). „Fortiter, fideliter, feliciter!“ lautete der Wahlspruch Gnei- sestaus. Stark war er als Held, treu als Deutscher seinem Vaterlande, glücklich als Mensch, weil er am Abend seines Lebens tauf ein erfolgreiches, von Allen anerkanntes Wirken zurück- blicken konnte. Gneisenau war wohl nicht der populärste Held der deutschen .Befreiungskriege, Blücher war weit volkstümlicher, wie Uns jeder Anekdotenschatz — der Spiegel der Volkstümlichkeit, — belehren kann, aber Gneisenau war entschieden die sympathischste Persönlichkeit, die uns aus der Schar der Kämpfer gegen Napoleon I. entgegentritt — wie etwa Moltke, mit dem er in seinem Wirken und Wesen Verwandtes hatte, in den Reihen derer, die gegen den dritten Napoleon kämpften, am meisten Sympathien sich erwarb. Er war nicht bloß als Feldherr und Heeresorganisator groß und bedeutend, er war auch ausgezerchk- net durch den wahrhaften Adel seines Charakters und die Liebenswürdigkeit seines Wesens. iAugust Wilhelm Neidhardt von Gneisenau erblickte am 27. Oktober 1760 in dem Städtchen Schilda das Licht der Welt in einer unruhvollen Zeit, denn wenige Tage später — es war S Zeit des siebenjährigen Krieges — kam es ganz in der e, bei per Stadt Torgau, zur Schlacht zwischen Preußest und Oesterreichern, und flüchtend mußte sich der Vater Gnei- senaus, Leutnant in Würzburgischen Diensten, retten. In einem Troßwagen wurde das Kuäblein mitgeführt, dessen Mutter bm seiner Geburt gestorben war. Die Jugend des Helden war dann zum Teil eine recht abenteuerliche und traurige. In der Gewalt roher Pflegeelterü fehlte es ihm, wie er später erzählte, zwar nie an einen: Stück Schwarzbrot, aber nicht immer hatte er Sohlen unter den Füßen. Erst als ihn sein Großvater in Würzburg zu sich nahnr, erging cs dem Knaben besser. Mit der Erziehung, die er dort bei den Franziskanern und Jesuiten genoß, war er freilich wenig zufrieden. Der Großvater ließ den protestantisch getauften Knaben katholisch erziehen und katholisch ist er auch geblieben. Weshalb er das großväterliche Haus verließ, ist nicht nut Bestimmtheit zu sagen. Er kam nach Erfurt, wo er durch Karrend esing en sich den kärglichen Lebensunterhalt verdienen mußte, aber doch schließlich die Universität daselbst beziehen konnte, die er freilich schon nach Jahresfrist verließ. Ob es allein der Durchbruch der soldatischen Neigung war, was ihn dazu verarm laßte, ob dabei andere Dinge ausschlaggebend waren — er hatte ein vom Großvater ererbtes Vermögen in kurzer Zeit verschwendet —, ist unbekannt. Jedenfalls war er vom rohen soldatischen Geiste jenei Zeit keineswegs so sehr befangen, daß er nicht buch höhere geistige Interessen in seine militärische Laufbahn sich hinüberrettete. Zum Beweis dafür dient die Tatsache, daß er auf den am 15. Februar 1781 erfolgten Tod Lessings ein Trauergedicht verfaßte. Immerhin verliefen die ersten Soldatenjahre Gneiscnaus recht stürmisch. Der Most, der später so herrlichen Wein gab, geberdete sich recht absurd; österreichische Dienste, in die er beim Beginn des bayerischen Erfolgekrieges getreten war, scheint er nicht freiwillig verlassen zu haben, um ins bayreuthsche Jäger- Bataillon einzutreten, und es war ganz nach" dem abenteuerlichem Sinn des Jünglings, daß er als Leutnant jenes Bataillons im Jahre 1782 nach Nordamerika geschickt wurde. Diese für preußische Kriegshelden gewiß nicht alltägliche Exkursion sollte später dem preußischen Staate zugute kommen. Gneisenau lernte in Amerika das Tiraillement, das Gefecht in zerstreuter Ordnung, und vor allem das Wesen der Volksbewaffnung kennen, Elemente, die er später in das preußische Heerwesen einführte. Nach der Heimkehr aus Amerika nahm er in Preußen Heeresdienst. In schlesischen Nestern lebte er zwanzig Jahre, zumeist der militärischen Ausbildung sich widmend und kriegswissenschaftliche Studien treibend als einer der Wenigen, die die Schwächen des preußischen Heeres erkannten und wußten, daß das preußische Heer bei einem Zusammenstoß mit dem französischen diesem nicht gewachsen sein würde. Bezeichnend für ihn war es, daß er lange vordem in einem Aufsatz mit dem wunderlichen Titel „Die Freiheit des Rückens" für die Aufhebung der Prügelstrafe im Heere plädierte und für die Erweckung des Ehrgefühls im Soldaten.» Wie recht er die Situation erkannte, bezeugen seine L.age- büchaufzeichnungen, die er noch vor dem Unglückstage von Jena machte: „Als Patriot seufze ich, man hat in Zeiten des Friedens zu viel vernachlässigt, sich» mit Kleinigkeiten abgegeben- des Publikums Schaulustigkeiten gefröhnt und den Krieg, eine sehr ernsthafte Sache, vernachlässigt." Dabei beklagte er, in seiner kleinen Garnison vergessen zu sein und nur für das Vaterland fechten, ihm aber nicht raten zu können. Dennoch kam für ihn bald die Zeit, wo sich sein Wirkest weithin bemerkbar machen konnte; zum Major ernannt, ward er an Stelle des alten Obersten von Loucadou zum Kommandanten von Kolberg ernannt, und die Verteidigung dieser Festung ist einer der wenigen Lichtpunkte jener Unglücksjahre der preußischen Geschichte. Nicht bloß in militärischer Hinsicht war hierbei sein Wirken vorbildlich, auch sein ausgezeichneter Charakter zeigte' sich hier in glänzender Weise und war für die Bürger Kolbergsj der Fels der Treue, an den: sie sich festklammerten, wem: sie ist der Not ihrer Lage zu versinken drohten. Um das gute Einvernehmen zwischen Bürgern und Soldaten zu erhalten, ließ Gneisenau, als das Geld ausging, eigene Banknoten anfertigem „Ich nahm alles auf meine Hörner, verfuhr als ein unabhängiger Fürst, manchmal etwas despotisch, kassierte feigherzige Offiziere, lebte fröhlich mit den braven, kümmerte mich nicht um die Zukunft und ließ brav donnern!" Daß dieser Held kein Mann nach dem Herzen des Königs! Friedrich Wilhelm III. war, läßt sich vorstellen. Er erkannte wohl die Bedeutung und Kraft Gncisenaus, die er .natürlich dem Staate nicht vorenthalten konnte und wollte, aber der freimütige, selbständige unt> daher auch selbstbewußte Mann stand» seinem Herzen nicht nahe, wenn mich der Monarch zu gradsinnig und rechtschaffen war, um nicht die Verdienste GneisenauA anzuerkennen. Er ernannte ihn zum Oberstleutnant, zum Ritter des Ordens pour le m6rite und berief ihn in die Koiumisswu, die mit der Reorganisation des Heerwesens betraut wurde, eine Aufgabe, an die Gneisenau wohl vor allem mit der größtest Begeisterung ging. In seinen Briefen äußert er sich darüber mit so unverhohlener, rührender Freude, daß man ersteht, ehrst war diese Aufgabe eine persönliche Herzenssache. Allein diese ersprießliche Tätigkeit für Preußens Wiedergeburt erregte Napoleons Mißtrauen; er erkannte wohl am besten! Gneisenaus Bedeutung und drang deshalb auf seine Entfernung. Gneisenau mußte 1809 den Dienst verlassen, aber auch in feiner neeumchrigen Zivilstellung als Staatsrat war er unermüdlich tätig, Preußen zum unvermeidlichen Entscheidungskampf mit Napoleon vorzubereiten. Auf diplomattscheu Reisen nach England und Schweden, Oesterreich und Rußland wirkte er für das Zustandekommen einer Liga gegen den gemeinsamen Feind. Und wie jauchzte sein Herz, als dann endlich Preußen ast Rußlands Seite in den Kampf zog. „Nie hat es einen glücklicheren Sterblichen gegeben; ich befinde mich auf dem Marsche- itm endlich gegen unsere Unterdrücker fechten zu dürfen," ichreckst er Wenn auch Blücher den Oberbefehl hatte, so war doch die Leitung seit Scharnhorsts Verwundung tatsächlich in Gneisenaus Händen. Der glückliche Ersolg verteilt sich auf beide. Die bekannte Geschichte, nach der Blücher Gneisenau als fernen Kopf bezeichnete, gibt ein durchaus wahrhaftes Bild des Anteils beider: der strategische Genius Gneisenaus zeigt die Ziele, Blüchers Wagemut verfolgt und erreicht sie. Beider gemeinsames Wirkest bricht den Zauber, den der Name Napoleorr ein Jahrzehnt lang geübt. Hier brauchen nicht die einzelnen Phasen des Befteinngs- krieges geschildert werden; wir wollen keine Geschichte dieses! Krieges, sondern ein Lebensbild Gneisenaus zeichnen. Es genügt, zu erwähiien, daß Gneisenaus Wirk«: die vollste Anerkennung Blüchers fand und den Dank des Königs, der ihn nach der Schlacht bei Leipzig zum Generalleutnant ernannte und ist den Grafenstand erhob. . Wenn aber damals alle Welt, insbesondere d:e österreichischen Machthaber glaubten, daß nun genug gewagt und gelungen und der Uebertritt aus französisches Gebiet ungerecht rind gefaUlich sei, während auch König Friedrich Wilhelm selbst rasche Beeudi- digung des Krieges wünschte, gehörte Gneisenau zu den Wenigen, die nicht das Schwert in die Scheide stecken wollten. Er. arbeitete eine Denkschrift in diesem Sinne aus, und ihm war es zu danken, daß Blücher den Rhein überschreiten durste und, gegen Paris vorgerückt wurde. Mit welchen Schwierigkeiten Guev- fenau .zu kämpfen hatte, mit dieser, wie die Folge zeigte, einzig richtigen Idee durchzudringeii, ist kaum zu sagen. Als dann Napoleon von Elba zurückgekehrt war, kämpfte Gneisenau wieder an der Seite Blüchers. Schon schien bie tier^ hängnisvolle Niederlage bei Ligny am 16. Juni 1815 den Gegnern Gneisenaus, bie vor zu kühnem Vordringen gewarnt. Recht zu geben, da zeigten die Preußen zwei Tage später bei Waterloo, daß Gneisenaus Kühnheit am Platze gewesen, er setzte sich selbst nach errungenem Siege an die Spitze der Reiterei, die den Feind verfolgen und den Sieg ausnutzen sollte. Am 7. stült hielt er wieder Einzug in Paris, und zwar als berientge, dem auf deutscher Seite der größte Anteil an dem glänzenden Wasfest- erfolge gebührte. , , . „ Doch schon ein Jahr später, 1816, nahm er seinen Mschied Und zog sich nach seinem Schloß Erdmaniisdvrf am Riesengebirge zurück. Erst war sein Abschiedsgesuch abgelehnt, bann jählings angenommen worben; ben Grund enthüllte eine spatere Aeußerung des Königs, ber offen und ehrlich bekannte: „sie smd mir früher arg verleumdet worden." Den reaftwnaren Elemei^ teu, bie halb nach dem Kriege wieder in Preußen bie Oberyany gewannen, war der Neuerer und Idealist ein Dorn int stAuge. Erst 1825 wurde dem verdienstvollen Soldaten, des preutzischest Staates die Würde eines Felbmarschalls zuteil ^a, als Siebzigjähriger sollte er noch einmal m Aktivität treten. Als 1831 ber polnische Aufstand bie Zusammenziehung einer preußischest Armee an ber Grenze nötig machte, würbe Gneisenau nut dem Oberbefehl betraut. Auch bie Cholera sollte durch tue mit strengster Grenzsperre betrauten Truppen abgehalten werden, aber dien ser Feind (zeigte sich mächtiger als die Preußest und ihr gs- 672 mal er Feldherr; gegen ihn half keine noch so glänzende Strategew- tunfl. Gneisenan starb am 24. August 1831 an dieser tückischen Krankheit, die ihn am Tage znvor erst ergriffen hatte. An der Seite des alten Waffengesährten Blücher ward" ihm in Berlin ein von Rauch geschaffenes Denkmal errichtet. Mit vorgestrecktem Arm ist er dargestellt, als wollte er den Weg stber den Rhein, den Weg nach Paris weisen. Was große Männer fürchten. Ein jeder hat im Leben Augenblicke kennen gelernt, in denen die Furcht seine Brust umkrallte, Minuten, ja vielleicht nun Sekunden, von denen man später doch sagen muß: „Ich hatte Angst". Diese Augenblicke der Furcht haben mit einer besonderen Feigheit nichts zu schaffen, ja die Furcht kann als die Grundlage des Mutes und der wahren Tapferkeit gelten, denn Mut ist nichts anderes als überwundene Furcht. Nicht umsonst fand der Marschall Ney, der seine persönliche Tapferkeit in unzähligen Augenblicken höchster Gefahr bewiesen hatte, für den Menschen, der niemals in seinem Leben Furcht empsimden haben wollte, eine verächtliche Bezeichnung: Wer niemals im Leben die plötzliche Beklemmung gekannt hat, die mit einer jäh auftauchenden Gefahr kommen mag und die von dem Mutigen daun rasch und entschlossen niedergekämpft wird, der liefert damit nm den Beweis, daß sein Bewußtsein schwersällig reagiert und die Unmittelbarkeit seiner Gefahr in ihrer Tragweite nicht sofort ab- znschätzeu vermag. Tas bestätigt auch ein Rückblick in die Geschichte, die beweist, daß selbst die größten Genies der Menschheit, ja sogar die Männer des Krieges und der Walstatt, vor den Ueberfällen der Angst nicht sicher waren. Victor Margueritte, der im Figaro der Psychologie der Angst einen fesselnder Essay widmet, weist darauf hin, daß selbst Napoleon, der große! Schlachtenlenker, in den bangen Augenblicken der Entscheidung, in den Stunden der höchsten seelischen Kraftentfaltung immer wieder unter bangen Furchtzuständen litt, die seinen Körper im Angstschweiß erschauern ließen. Ja, oft sind es kleine Nichtigkeiten, die die Heroen des Geistes uni> die Männer der Tat mit einer Augst erfüllen, die nicht selten fast abergläubische Charakter- züge annimmt. Wenn der große Cäsar den Donner rollen hörte, übermannte ihn Furcht; hairig bedeckte er seine Schultern mit einem Seehundsfell und eilte in die unterirdischen Gewölbe, um sich vor dem Donner zu verbergen. Der Anblick eines Fisches erfüllte den Erasmus immer wieder mit namenlosem Entsetzen, Und S e a l i g e r, der berühmte Philosoph und Philologe, wurde von Granen geschüttelt, wenn er den Dust eines Blumenbuketts! einatmete, ja er verlor die Besinnung und sank ohnmächtig zu Boden. P a s c a l s Leben ist eine Kette von Angstzuständen, ünd Friedrich II., der gewaltige Herrscher und kühne Regent, zitterte vor Unruhe und Besorgnis, wenn er ein neues Kleid anlegen mußte, das er noch nicht getragen. Wenn Berit a r d i n d e Saint Pierre an einem mit Wasser gefüllten Bassin vorüberkam, bebte sein Körper in Beklemmungen der Furcht Und des Entsetzens, und Newton, Pierre Bayle und der geniale Meister der Geige P a g a n i n i litten unter der gleichen Angstvorstellung. Von Mozart ist es bekannt, daß er vor dem Klang einer Trompete die Flucht ergriff, und Schopenhauer zitterte an. allen Gliedern, wenn er ein Rasiermesser vor sich sah. Carlyle, dessen Lebensinhalt die Schilderung Heldenhafter Persönlichkeiten war, wagte es nicht, einen Kramladen zu betreten, und Rossini sinkt vor Angst um, als er seinen Schatten sieht. Schumann uni> Chopin, Alfred de Musse t und Poe, sie alle haben eine bange Furcht vor dem Nebel, hinter dem eine übernatürliche Welt schlummern mag, und Dostojewski ist sein ganzes Leben laug ein Opfer der Furcht vor „irgend etwas Unerklärlichem, etwas Nichtbestehendem, das sich plötzlich vor ihm anstichten könnte wie eine wirkliche, abscheuliche, grauenhafte Tatsache". Und M a u p a s s a n t, der später in geistiger Umnachtung sein tragisches Ende finden sollte, konnte e§ nicht ertragen, eine offene Tür zu sehen. Dann übersielen ihn Gefühle des Unbehagens, die unaufhaltsam zu banger Furcht und rätselhaftem Granen ausmündeten: er fürchtete, daß jeden Augenblick ein geheimnisvoller, ungebetener Gast — der Wahnsinn — durch die offene Tür eintreten und sagen könnte: >,Hier bin ich." Vermischtes. * Wie hoch waren die Einnahmen von Joses Kainz? Von literarischer Seite wird der „Inf." geschrieben: Josef Kainz, der in den letzten Jahren seiner Bühuentätigkeit das Einkommen eines gefeierten Tenors — der in der Kunst stets das meiste Geld verdient — hatte, war natürlich nicht immer so gut gestellt. Von den ersten Jahren seiner Wirksamkeit als Schauspieler erzählt er selbst manchen humoristischen Streich, der sich aus seinem geringen Einkommen ergab. Seine erste bezahlte Stellung war die am Leipziger Stadttheater, wohin er unter der Direktion des Dr. August Förster gekommen war. Förster hatte thn bei der Uebernahme der Direktion dieses Theaters aus Wien Mitgebracht, wo er seine ersten Schritte auf den Brettern, die di« Welt bedeuten, machte, und wo er dem kundigen Theaterdirektoll ausgefallen war. Dr. Förster hatte bald die Ueberzeugnng, in dem jungen Schauspieler einen Mann vor sich zn haben, der zwar weniger durch die Kunst seines Spieles als durch den Liebreiz! seiner Persönlichkeit Erfolge erringen mußte. Diese Erfolge blieben allerdings zuerst aus. Bekannt ist ja die Anekdote von dem „Gelben Kanarienvogel", der beim ersten Auftreten sich einen] Durchfall ersten Ranges holte. Der gelbe Kanarienvogel war] Josef Kainz selber, der sich einen schönen gelben Gehrock aus Wien mitgebracht hatte und in Seidig durch ihn überall aufsiel« Als er nun das erstemal in dem französischen Lustspiel „Käme» raben" in Leipzig auftrat, spielte er einen jungen Rechtsanwalt und zog dazu einen langen schwarzen Gehrock an. Die Leipziger merkten aber, daß dieser Schauspieler derselbe sei, der auf der Straße wegen seines gelben Ueberrockes „gelber Kanarietwogel" genannt wurde, und ein Zuschauer machte den Witz: „Der „gelbe Kanarienvogel" ist in die Tinte gefallen." Der Witz beschleunigte noch das Fiasko, das Kainz schon wegen seines ungelenken Spieles in den ersten Austritten erlitten Hatte. Natürlich konnte man einem solchen Schauspieler nicht gerade ein fürstliches Honorar geben und das verbürgte monatliche Einkommen von 122 Mark erscheint als genügende Sühne. Kainz litt aber trotzdem keinen Mangel, da er von Hause aus gut gestellt war. Dieses Einkommen machte bald mit der steigenden Berühmtheit des jungen Schauspielers einem besseren Platz. Als er im Jahre 1880 an die Münchener Hofbühne kam, verfügte er schon über ein Einkommen von 20 000 Mark jährlich, das sich aus seinem Gehalt und aus Gastspielreisen zusammensetzte. Im Juni 1881 lernte er im Schloß Linderhof den König Ludwig II. kennen, der sein Gehalt bedeutend erhöhte. Schon am Anfang der neunziger Jahre hatte Kainz Einnahmen, die denen eines Ministers ziemlich gleich waren»! In den letzten Jahren erreichten seine Einkünfte die größte Höhe,! Das Gehalt, das er am Burg-Theater bezog, und »dessen Höhe erst jüngst bei Erörterung seines neuen Vertrages angegeben wurde, bildete dabei mir den kleineren Teil seiner Einnahmen. Nicht ohne Grund hat er bei seinen letzten Verträgen stets die Bedingung gestellt, daß er Mehrere Monate im Jahre für Gastspiele frei haben müsse. Genau lassen sich die Einnahmen natürlich nicht festsetzen. Auch die Honorare, die er für Gastspiele erhielt, schwankten nach der Größe der Theater, in denen er auftrat, zwischen 1000 und 4000 Mark für den Abend. Nach oberflächlicher Schätzung nimmt man in feinem Freundekreise an, daß der große Schauspieler in den letzten Jahren durchschnittlich 200 000 Mark int Jahr verdient habe. In dem letzten Jahr ist er durch feine] Krankheit an der vollen Ausübung seines Berufes behindert gewesen. Dafür waren aber die Einnahmen in den Jahren 1905 bis 1910 sehr hoch, daß sie die Summe von 200 000 Mark des öfteren noch überschritten. Wenn man dagegen halt, daß manche Tenöre, wie z. B. Karl Jörn, in Amerika für eine halbjährliche Gastspielreise 300 000 Mark erhalten, dann wird man die Einnahmen Josef Kainz' nicht für besonders hoch ansehen können« Man muß sich aber dabei vergegenwärtigen, daß die amerikanischen] Gastspielreisen eine ungeheure Ausbeutung der Person des Künstlers bedingen, die Kainz nicht besonders liebte. Die erste Bedingung für sein Wirken war ihm Ruhe und GleickMäßigkeit des Lebens« Das Hasten und Jagen von Ort zu Ort toar nicht nach seinem] Geschmack, unb er wollte lieber auf manche Einnahmen verzichten, als sich durch die Städte und Lander hetzen lassen. * „Heda, Kellner! Ich fand eben diesen Kragenknopf jM Pudding!" — „Von einem Regenschirm haben Sie wohl nichts] g es "heu? Gestern abend ist hier einer verloren gegangen." * „Wie kommt es, daß du so spät kommst?" — „Ich traf Brown!" — „Nun, das ist doch kein Grund, daß du eine ganze Stunde zu spät zum Abendessen kommen solltest." — „Ich weiß wohl, aber ich fragte ihn, wie es ihm ginge, mü> der, Schafs köpf bestand darauf, es mir zu erzählen." Bilderrätsel. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Alk, Kalk, Schalk. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Br«hl'schm Universitäts-Buch- und Stehib.rucferei, R. Lange, Gießen.