Samstag den 27. August ii|iikKgo ^EMD^WK «V^W ■liitrai SÄ*™ ißWiHM Das schlafende Heer. Roman von Clara Biebig. lFortsetzimg.) (Nachdruck verboten.) Im deutsche» Krug saßen in der Tat einige Ansiedler; da die Wirtsstube aber leer geblieben war, hatten sie sich an dem großen Tisch in der Mitte niedergelassen, über den die schaukelnde Hängelampe das hellste Licht warf. Aber Frelikowski, der Förster, saß bei ihnen. Da lvagteu die Dörfler keinen Streit anzufangen, sondern sie forderten nur ungestüm vom schweigsamen jungen Wirt einen „Sznaps", gossen den hinunter und trabten dann wieder auf die Straße. Heftig gestikulierend, mit Fäusteschwingeu standen sie noch ein Weilchen draußen. Friedlich lagen die Hänschen unterm schwach besternten Himmel- kein' Ansiedler zeigte sich, wohl aber trat der Förster, wie nach dem Himmel spähend, einen Augenblick unter die Krugtür. Da zogen sie ab, knurrend zwar, aber sie zogen doch: was sollte man denn hier krakeelen?! Arme Kerle waren die Ansiedler auch, die sich quälen mußten um ihr Stückchen Brot! „Betrogen sind sie, wie wir betrogen werden, Psia krew, laßt sie leben. Die Schwabby!" In der ungeheuren Nachtweite, durch die sie zogen, blinkte ab und'zu ein Sternchen auf, uud Hundegebell hörte man von ferne, Ivie Wolfsgekläff in einsamer Wüste. Das waren Zeichen der Herrenhose, von denen selber man nichts sah, die versunken lagen flach in der Flüche. Aber der Lysa Gora tauchte jetzt auf und reckte seine Stangenkiefer wie einen Galgen, dräuend, herausfordernd. Da fingen die Trunknen ein, laut zu gröhlen: „Nach Niemczyce! Laßt uns dem Hundeblut, dem Hundesohn, dem nichtsnutzigen Hakatisten das Dach überm Kopfe anstecken!" Die Schritte, die eben noch so unsicher umhergetappt hatten, richteten sich plötzlich zielbewußter. Nun wußte Man, was man wollte. Hatte nicht der Herr Vikar gerade auf den Niemozycer gezielt, als er das letzte Mal in der Sonntagspredigt von dem Wolfe gesprochen, der in Schass- Aeidern einhergeht und sich wählen lassen Möchte, um beim deutschen König das Land zu vertreten?! Ei, das wäre — der?! Da wäre man nicht vertreten, verloren wäre man da! „Schlagt ihn tot!" heulte einer. Und zehn andre griffen den Ruf auf: „Schlagt ihu tot, schlagt ihn tot!" Sie fingen an, zu laufen. He, dein drohenden Berg da auf den Kopf gespuckt! Nach Niemczyce hinuuter ging die Jagd. Ahnungslos träumte der See, und das Hans schlief auch. Das Hoftor stand offen, die Laterne zeigte den Weg. Schon waren sie im Hofe, schon vor dem Hause, als th'V Schrei des Triumphs sie ankündigte. Nun hatten sie ihn sicher, den deutschen Spion, bett Verräter, den Polenfeind! Ein Reißen an der Klingel, und dann ein donnernder Faustschlag, vom Vordersten mit aller Gewalt gegen die Tür geschmettert, weckten ein dröhnendes Echo im stellen Haus. „Pst, nicht so laut!" Häusler Jezierski, der Hausbewohner von Lehrer Ruda, er, der die neun Kinder hatte, und dessen Weib das zehnte erwartete, hielt seinem Vordermann beim zweiten Ausholen die Faust fest: „Bruder, nicht gar so gewaltig, ein Weib schläft darinnen und kleine Kinderlein!" „Daß dich der Donnerstein erschlage!" schrie der also Gestörte. Mer der zweite Schlag war nun doch wemg-i stens ein Klopfen zu neunen. „He, aufgemacht, wir wollen den Niemozycer sprechen! He, he! He, Antwort, ist der; Herr zu Haus?!" Das Fenster, oben im ersten Stockwerk, das gerade über der Tür gelegen war, klirrte leise. „Der Herr ist nicht zu Haus!" antwortete eine hell« Stimme von oben herab. „Wo ist er denn?! „Nach Berlin gefahren!" „Wir glauben es nicht! He, aufmachen soll er! Auf-, machen soll er! Auf den Hof kommen soll er! Der Feia-, Liiiq, der Schächer, das Schwein! He, he, he, ausgemacht! Möge dich der Blitz zerschmettern! Daß dich der Donnep erschlage! Mögen dich hundert helle Blitze treffen! Möge dich der schweflige Blitz anstecken! Niemezheer, komm heraus!" . Die Tür ächzte unter den Fausthieben x unter Fuß krittelt ftc. „He, Niemiec, Niemiec, du Hundeblut!" Der aus tiefem Schlummer geschreckte Inspektor hätte nicht rasch genug ans Fenster kommen tonnen; schlaftrunken taumelnd riß er es auf: was ging da vor am Hauptbau? Träumte er noch, tobte da nicht eine Bande? Betrunkene? Was wollten die?! Er schrie ihnen zu, sie hörten ihn nicht. „Niemczycer, Spion, Verräter, verfluchter Niemiec!" Ein Steinwurf muhte eine Scheibe getroffen haben, Scherben klirrten. Das waren die dicken Milchglasscheiben der Haustür! „Leute, seid ihr des Teufels?" Der Inspektor war in die Kleider gekommen, er wußte nicht wie; die steile Stiege des Seitenflügels stolperte er int Dunklen herunter, seine alten Füße wollten ihn kaum so rasch tragen. Jetzt war er am Platze: „Leute, Leute!" Er drängt« sich zwischen den Haufen, es gelang ihm, die Freitrepps zu gewinnen. Die Arme hob er beschwörend: „Leute, nm» — 530 — fallt euch ein? Ruhe! Was wollt ihr denn vom Herrn?! Mer Herr ist nicht Ku Hans!" „Glauben wir nicht! Der Riemczhcer soll kommen, hierher, zur Stelle! Niederschlagen worden wir den Herrn wie einen Hund! Wie einen Hund, den Herrn! Hierher, hierher!" Sie stampften mit den Füßen. Durchs Dunkel, das schwacher Laternenschein mühselig durchgitterte blitzten ihre Äugen wie Augen von Raubtieren, die lange hinter Eisenstäben gesessen haben. Ihr Atem dünstete Alkoholgeruch aus. Aber sie waren noch nicht völlig trunken, noch nicht in der Trunkenheit, in der der Geist schon schläft und der Körper sich willenlos schieben läßt. Hoppe sah's mit Schrecken: die hier waren gefährlich! Was tun?! Wo steckten denn die Knechte?! Ließen sich die denn nicht sehen zum Beistand? Drüben, ganz nah, schliefen doch die Fornals in den Pferdeställen?! „Formal, Fornal!" Keiner kam. Und wohnte dort bei der Schmiede nicht der deutsch« Stellmacher Kranz?! „Kranz, Kranz!" Er schrie. „Halte dein Maul, du Kaldaunenfresser!" Ein harter Schlag traf feinen Mund. Um Gottes willen, wenn die hier das Haus demolierten?! Wenn sie nur die Fenster einschlngen und die Kinder entsetzten, das' war schon des Unheils genug. Die Knaben waren allein zu Hause, die Herrschaft abwefend! Mit ansgebreiteten Armen sprang der alte Mann vor die bedrohte Tür. „Leute, Leute, macht euch nicht unglücklich!" Er rief «s flehentlich. ' Sie lachten schallend. Erregt streckte er ihnen abwehrend die Arme entgegen: „Schert euch vom Hof, dalej!" Ein derber Hieb auf seine ausgebreiteten Arme belehrte ihn, daß der Kommandoton heute gar nicht am dllche fei. „Scher du dich! Geh zum Teufel!" Wie eine Welle drängte es gegen ihn an. Mr einen Augenblick sah er sich ganz umgeben von drohenden Fäusten; er fühlte sich von der Freitreppe heruntergezerrt — er verlor den Boden unter den Füßen — jetzt, ein Lupfen, ein Schwung — weit lag er, zur Seite geschleudert, unten aus dem Pflaster. . Da stieß er einen langgezogenen Schrei aus, der das rauhe Geschwirr der tobenden, jauchzenden, schimpfenden, lachenden, fluchenden Stimmen, das laute Getrampel der vielen stampfenden, wie besessen springenden und hüpfenden Beine übertönte: „Zu Hilfe!" Er versuchte, sich aufzuraffen. Um Gottes willen, die Kinder, die Kinder! Alle Glieder schmerzten ihn, sie waren ihm wie zerbrochen; es gelang ihm, einen Ellbogen aufzustemmen, aber seine Beine versagten, er kam noch nicht auf die Mße. Einen angstvoll spähenden Blick sandte er pmher — nichts, nur die Nacht! Niemand kam! Als seien die Knechte gestorben! Verzweifelt rang er, aber halb aufgerichtet mußte er am Boden bleiben. Ueber ihn weg sprangen die Rasenden, er fühlte ihre Tritte auf feinen Händen. Alle stürmten jetzt die Freitreppe hinan. Die Tür krachte. Die Kinder, um Gottes willen, die Kinder! „Zu Hilfe, M Hilfe!" Da öffnete sich die Tür. Ein breiter Lichtschein fiel heraus auf den Hof. Sie johlten alle jubelnd auf. Das schrumplige, angstverzerrte Gesicht und die zitternde Gestalt der alten Pelasia zeigten sich; sie hielt eine Lampe, aber sie zitterte so, daß diese fast ihrer Hand entfiel. Was?! Herr des Himmels, steh uns bei, war dieses Weib denn ganz verrückt?! Aechzend rutschte der Inspektor auf allen vieren ein Stückchen näher heran. Statt die Kinder zu verstecken oder mit ihnen herauszukletteru über die Veranda und hinten herum in den Park zu flüchten, statt dessen kam diese blödsinnige Alte und — da — da —! Die Augen drangen Hoppe fast aus dem Kopf. Da stand der Junge, Doleschals Aeltester, der Hanns- jMartin, ans der Schwelle und sah ganz unerschrocken die Wände an. -Es Mar plötzlich still geworden. „Papa ist nicht zu Haus," sagte, der Knabe mit seiner sie (Fortsetzung folgt.) „Pauiezek, sage du ihnen, und sie werden gehen! Sage du ihnen, daß du geben wirft deine bunten Ostereier, undl "e werden dir danken!" hellen Stimme; Man hörte sie deutlich bis in den fernsten Winkel. Und man sah auch die Heine Gestalt gau? deutlich von überall. Vornehin, auf die oberste Treppenstufe, war er jetzt getreten, nur mit Nachthemd und Unterhöschen bekleidet; der Zugwind fuhr in die blonden Haare und wehte sie empor über der freien Knabenstirn. J..i zitternden Schein von Pelasias Lampe sah man klar das frische Gesicht. „Schlagt die Brut tot, schlagt sie tot," heulte einer auf. Wer der Ruf wurde nicht wiederholt. „Warum wollt ihr uns was tun?" sagte der Junge. „Wir haben euch ja auch nichts getan!" „Doch, jawohl, schlagt ihn tot, den Hundesohn „Nein, psia Kew, laßt den Bengel in Frieden! „Laßt uns -das Hündchen hängen aus Scheunentor! Nagelt es an durch Hände und Mße!" „Reißt ihm die Kaldaunen aus dem Bauche, dem Herrensohn!" ,,, „Was fällt euch ein? Sünde wäre das! Wollt ihr ins Fegefeuer kommen? „Sünde?! Fegefeuer?! He, ihr seid wohl toll?! Gott der Herr wird sich freuen, wenn er vom' Himmel schaut und siebt das!" „Wir leiden es nicht!" „Wer wir!" „Nein, niemals!" . Zankend schrien die StimMen untereinander. „Fürchte dich nicht, kleines Herrchen," sagte Häusler Jezierski und bemühte sich, deutsch zu sprechen. „Hab, ich Kinderlein w domu — zu Hause — dürfen sie dir mcks tun, sag' ich!" t t , Für Momente hatte es um den Kindermund gezuckt wie von nahendem Weinen. Die Wimpern hatten geblinzelt, die Augen wollten sich zupressen angesichts der brotyenbeni Gefahr. Nicht alles hatte Hanns-Martin verstanden, doch immerhin genug; er sah die wild erhitzten Gesichter und die Arme, die sich nach ihm ausstreckten, und eine Angst wollte ihn beschleichen. Aber nun, da er eine gutmütige Stimme hörte, lächelte er tapfer. Vertrauend faßte er die Hand des fremden Mannes: „Sie werden nicht leiden, daß man uns was tut, meinen Brüdern und mir, nicht wahr? Mein Vater wird Ihnen Geld dafür geben, aber ich werde Ihnen die schönen bunten Ostereier geben, die er mir mitbriugt. Und meine Brüder sollen Ihnen auch von ihren Ostereiern geben für Ihre Kinder. Bitte, sagen Sie den Leuten doch, daß die nach Hanse gehen!" Drinnen im Flur ertönte jetzt ein jämmerliches Gekreisch. Die kleineren Doleschals wollten ihrem ältesten Bruder nach; vergebens versuchten Pelasia und die jetzt auch zum Vorschein kommende, vor Furcht ganz fassungslose Gouvernante, sie zu halten. „Höre!" sagte Hanns-Martin, „wie sie weinen! Die haben Angst. Ich habe keine Angst!" Er reckte sich auf den Zehen und warf den Kopf pn den Nacken. „Brauchst auch keine Angst zu haben, Herrensohn!" Irgend jemand sagte es, und ehe der Knabe sich's versah, hatte ihn sein Freund, der ein breitschultriger und stattlicher Mann war, emporgehoben. Hanns-Martin strampelte mit den Beinen: nein, aus den Arm wie ein kleines Kind wollte er nicht! Aber es hals ihm nichts, auf die Schulter mußte er. Aus dem Ohmgebiet. Die Rechtspflege im Ohmgebiet. Die alten Katten waren wohl der mächtigste StamM der Germanen, und wo die Geschichtsforschung ihre erhellenden Strahlen dem rühmlichst genannten Volke zusenden konnte, da sand sie ein das Leben und Streben des letzteren int günstigsten Lichte widerstrahlendes Gepräge. Der Ausnahme, die das Kattcnvolk nur! mit dem Stamm der Friesen teilte: die Reinerhaltnng ihrer Sitten durch Jahrhunderte, stellen wir die Tatsache zur Seite, daß die Katteu der einzige deutsche Stamm sind, welcher kein geschriebenes Stammrecht erhalten hat. Nach altem geheiligten Brauch wurde bei ihiM noch lange Recht gesprochen nnh hei. Pen M-i 631 dichten Opfer itub heidnische Gebräuche gepflegt. Außer Seit Freien, welche alle an dem Gemeindeleben Anteil hatten, gab es noch einen Adel, die E d e l i n g e. Mehrere verwandte Familien bildeten eine Sippe, die jeden zu ihr Gehörigen schützte !und Rache oder Acht für Tötung oder Verletzung aussprach ; nur durch die vor der Gemeinde bestimmte Buße des W e h r g e l d e s tonnte die Blutrache gemildert werden. Die Unfreien oder Knechte galten als kauf- und tauschbare Sache, wurden aber doch mild« behandelt. Mehrere Höfe bildeten eine Mark, mehrere Marken einen Gau. Die sechs Gaue des von Hessen, Batten, Batta- vicrn, Mattiaken, Soubatten, Baturen, Kaminefaten und Chat- turen bewohnten alten Kattcnlandes waren folgende: Der Ober- l a h n g a u oder das Oberfürstentum Marburg, der fränkische Hessengau oder die Gegend von Gudensberg, Buchonien (Umgegend von Fulda), der Untermaingau (Umgegend von Darmstadt Und Aschaffenburg), die Wetterau und der Niederlahngap., lieber die Gaue, welche wieder in Memter, Gerichte ober Hundertschaften eingeteilt waren, waren die Gaugrafen gesetzt. Der Oberlahngau war einer der größten baltischen Gaue; denn er umfaßte vollständig die Kreise Marburg, Kirchhain und Frankenberg, ferner das ganze darmstädtische Gebiet der Ohm, den nördlichen Teil des Kreises Biedenkopf und' einen großen Teil des Siegerlandes mit Berleburg und Erndtebrück, sowie den westlichen Teil des Kreises Ziegenhain. Demnach gehörte unser O h tn- gebiet einst ganz zum Oberlahngau, der 39 Gerichte zählte, von welchen folgende im Ohmgebiet lagen: Niederohmen, B n r g g e m ü n d e n, Schönstadt, Amöneburg mit Kirchhain und Seelheim, Rauschenberg, Gemünden an der Wohra. Ziu, dem Gerichtsgott der Germanen, war der Dienstag geweiht. Die Gaugrafen, der Gaue oberste Richter und Führer im Kriege, reiften von einer Mal st ätt e, wo unter freiem Himmel das öffentliche Gericht, Ding oder Geding genannt, abgehalten wurde, zur andern. Die höchste Gewalt und Gerichtsbarkeit hatte die Volksversammlung der Freien, vor der die Jünglinge wehrhaft gemacht und über Krieg und Frieden entschieden wurde. Man Unterschied Vergehen gegen einzelne, welche — selbst Morde — durch Vermögensöuße geahndet wurden, und Verbrechen gegen die Gemeinde oder das Volk, welche von der Volksversammlung mit dem Tode bestraft wurden; Verräter knüpfte man an Bäumen auf, Im Staate derMerovingcr war an der ursprünglichenVerfassung der Germanen schon manches geändert. Erst nach der Bekehrung der Hessen zum Christentum konnte an die einheitliche Gestaltung der Reichsverfassung gedacht werden, weshalb die Hiiis- Meier Karl Martell und Pipin die Einführung des Christentums begünstigten, da die ins Land gerufenen Grafen oder Herzöge jenseits vom Rheine die Durchführung einer geordneten Verwaltung ermöglichten. Die Grafen, welche in K a r l s d e s G r o ß e n (768 bis 814) Reich die Gaue verwalteten, führten den Heerbann/ vollstreckten die Befehle des Königs, übten in seinem Namen die Gerichtsbarkeit und wurden von den Sendboten überwacht. Bis ins elfte, ja noch ins dreizehnte Jahrhundert bestand die alte karolingische Gerichtsorganisation im wesentlichen fort. Im späteren Mittelalter lag die Malstatt gewöhnlich in der Nähe der Wohnung des Gaugrafen. Nach dem Aussterben der thüringischen Landgrafen (1247) wurden Landrichter eingesetzt. Wie die Reichstage, so hatten auch die Landtage Gerichtsbefugnis. Der mächtige Äasaltklumpen der Amöneburg, wo Bonifatius die mächtigen Grafen D e t i k und D i e r v l f / die Herren des dortigen Gerichts, für sich gewann, fällt an manchen Stellen mit so schroffen Wänden in die Tiefe hinab, daß er, wie namentlich an der 20 bis 30 Meter hohen, fast senkrechten Felswand des Bilsteins, gänzlich Unpassierbar ist. Aw der Sohle dieses jähen Sturzhanges hatte: ein altes Gericht seine Pflegestätte, in dessen Bereich außer Amöneburg noch S e e l h e i m und K i r ch h a i n gehörten. Nachdem auf der Amöneburg Bonifatius erschienen war, hob sich das Ansehen des Ortes ganz bedeutend/ und schwang sich derselbe! bald zum H a u p t e des Öberlahngaues empor. Die Kirche wurde dann immer mächtiger, so daß das Gericht in die Gegend zwischen Rncheslo und Wetter verlegt wurde. Bei der schönen „Warte" neben der sehr alten Pfarrkirche auf einem Basalthügel bei Wittelsberg, dem sogenannten Kirchberg, von wo aus man eine liebliche Aussicht in den Ebsdorfer Grund und das Ohmtal hat, versammelten sich am 6. -Oktober 1466 die Abgeordneten bet,1 pberhessischen Städte, um über bie Streitigkeiten zwischen den Landgrafen Ludwig II. von Niederhessen (1458—1471) und Heinrich III. von Oberhessen (1458—1483) zu beraten. Als sich an dem Um die Besetzung des erzbischöflichen Stuhles zu Mainz Nusgebrochenen Streit auch beide Landgrafen beteiligten, so daß Hessen gegen Hessen kämpften, setzten die oberhessischen Städte obige Versammlung fest. Eine Zollstätte, die bedeutendste, hatten hie Grasen von Ziegenhain in dem nördlichen Teile des OhUi- Miietes, bei Speckswinkel. Landgraf Wilhelm II. (1493 bis 1509), der Waffengenosse Kaiser Maximilians, erwarb sich durch seine L a n d e s o r d n u n g, welche die Grundlage eines Landrechts bildete, ein großes Verdienst; in Marburg setzte er zur Besserung der Rechtspflege ein Hofgericht ein. Zum Gericht Schönstadt gehörten folgende Orte: Bracht, Schwarzenborn, Bürgeln, Betziesdorf, Bernsdorf, Redde- hausen und Cölbe. Mit Langenstein bildete Niederwald ein althessisches Gericht. „Im Rotenbühl" hieß ein solches, den; Kleinjeelheiin und SchönS,ach gehörten; el lass später an das Stift Fulda, welches mehrere Edelleute damit belehnte. Unter der Regierung Philipps des Großmütigen (1609 bis 1567) blieb der Sitz des Hofgerichtes, und von da ab dauernd, in Marburg. Von Moritz dem Gelehrten (1592—1627), welcher eine strenge Rechtspflege übte, rühmte man später, daß während seiner, 35 jährigen Regierungszeit das Meichskammergericht kein Urteil der Kanzlei zu Kassel verworfen oder aufgehoben habe. Landgraf Wilhelm VI. (1650—1663), nach seinem Wahlspruch: treu und gerecht, der Gerechte genannt, beschränkte die Berufungen an das Reichsgericht. Wie gerecht auch Landgraf Karl (1677—1730) dachte und handelte, beweist, daß er nicht, wie die meisten Fürsten feiner Zeit, die aus den Subsidieit-(Hilfs-)GelderN erzielten Ueberschüsse nicht für sich, sondern für das Land verwandte. Der Kaiser befreite Hessen von den Reichsgerichten,! so daß der Landgraf '1743 ein eigenes Oberappellations- gerichtin Kassel errichtete. Durch eine Sammlung der hessischen! Gesetze, die „Landesordnungen", erwarb sich Friedrich II. (1760 bis 1785) ein nicht geringes Verdienst. Die Anwendung der grausamen Folter,- für Preußen freilich schon von Friedrich dem Großen (1740—1786) untersagt, verbot dann auch Wilhelm IX. (1785—1803) alsbald nach seinem Regierungsantritt für Hessen./ Zum ersten Male erschienen auf dem von dem ersten Kurfürsten Wilhelm I. (1803—1821) berufene Landtag am 27, Dezember 1814 auch Abgeordnete der Bauern. Unter seinem: Nachfolger, Wilhelm II. (1821—1847), wurde Verwaltung Und, Rechtspflege getrennt, das Land in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt Und an die Spitze der Regierung ein Staats- Ministerium berufen. Die langersehnte Verfassung gab er seinem Lande am 5. JaNuar 1831. Friedrich Wilhelm I., der letzte hessische Fürst (1847—1866), erließ 1834 (als Mitregent) eine Gemeindeordnung, fühlte sich aber durch die Verfassung zu sehr gebunden, hob 1852 dieselbe auf, um sie erst 1862 dem Volke zurückzugeben Und starb 1875 in Prag, ruht jedoch in Kassel. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war das Amtsgericht der uralten Bergstabt Amöneburg vorübergehend mit Kirchhain verbunden, was für das schon so sehr heimgesuchte Städtchen die schwerwiegendsten Folgen hatte, und die Existenz seiner Bevölkerung dadurch in Frage gestellt wurde. Die dazu Berufenen machten alle nur denkbaren Anstrengungen, um dem Städtchen das Amtsgericht wieder zu erobern. Lange aber schienen ihre Bemühungen erfolglos, und oftmals wurden die Bittenden abgewiesen. So verwandte sich eine Abordnung der Amöneburger Bürgerschaft für diefe ihre Lebensfrage auch bei dem Justizminister, der sie auf die hohe Sage ihres Ortes und das mühsame Ersteigen des Berges hingewiesen haben soll. Auch der damalige Ministerpräsident von Bismarck gab ihnen, wie es heißt, die Antwort, daß er mehr zu tun hab«, als sich mit solchen Kleinigkeiten zu befassen. Nunmehr ivanbten sich die Bittsteller an den Kronprinzen! von Preußen, den nachmaligen Kaiser Friedrich III., der sie huldvoll anhörte und mit dem Hinweise, nachmittags wieder zu kommen, anfänglich wieder entließ. Ihr zweiter Gang war nicht ohne Erfolg: im Jahre 1869 hielten die Beamten des Gerichtes unter Sang und Klang ihren Einzug in die Bergstadt. Das Ohmgebiet gehört, soweit es zum Regierungsbezirk Kassel zählt, in den Bereich des Landgerichtes Marburg, welchem zwanzigj Amtsgerichte zugeteilt sind. Amtsgerichtsorte im Ohm- gebiet sind: Kirchhain, Amöneburg, Rauschenberg und Ulrichstein. Ihre Gesamtzahl für den Regierungsbezirk Kassel, dessen Oberlandesgericht in Kassel drei Landgerichte in Marburg, Kassel und Hanau unterstellt sind, beträgt 76. Vor das Amtsgericht gehören bürgerliche Rechts- ftreitigfeiten mit einem Objektwerte für Sachen bis zu 300 Mk.; ein Amtsrichter und zwei Schöffen bilden das Schöffengericht. Bei dem Landgericht, welches in Zivil- und Strafkammer zerfällt/ treten zur Aburteilung der schwersten Verbrechen Schwurgerichte, besetzt mit dem Vorsitzenden und zwei Mitgliedern als Schwurgerichtshof und zwölf Geschworenen, zusammen. Die Zivilsenate der Oberlandesgerichte entscheiden über Berufungen gegen Urteile der Landgerichte, die Strafsenate über Revisionen gegen Urteile der Landgerichte in der Berufungsinstanz und auch der ersten Instanz. Das Reichsgericht in Leipzig zerfällt in Zivil- und Strafsenate. Deutschland hat etwa 1940 Amtsaenchte, 174 Landgerichte und 28 Oberlandesgerichte. Daneben bestehen noch eine Anzahl Sondergerichte. Auch die Verwaltungsbehörden üben bie Rechtspflege: ber Kreis- und Bezirks-Ausschuß, sowie das Oberverwaltungsgericht in Berlin. Das bedeutendste Ereignis auf dem Gebiete der Rechtspflege in letzter Zeit war 1900 das Inkrafttreten des „Bürgerlichen Gesetzbuches", an dem über zwanzig Jahre gearbeitet wurde. Alte Mmesgebräuche in Oberhessen. Von den ersten christlichen Zeiten an bis weiter zum Zeitalter der Reformation befanden sich in den dörflichen Niederlassungen nicht überall Kirchen oder Kapellen. Die benachbarten ©iebelungeu schlossen sich zusammen und bildeten mit der gemeinsamen Mutterkirche im Hauptorte eine Kirchspielgemeinschaft An hohen Festtagen erschienen dann die ost mehrere Stunden entfernt wohnenden Kirchenbesucher in großer Zahl zur Messe in ber Mutterkirche. Um ihnen eine Gelegenheit zu geben, sich im Kirchborf mit Speise und Trank zu versorgen, wurden auf dem freien Platze vor der Kirche Zelte aufgerichtet, yj denen .außer.-. — 532 dem auch noch allerlei Bedarfsgegenstände festgeboten wurden. Mit der Zeit entwickelten sich daraus neben der kirchlichen Ferer besondere Verkaufs- oder Meßtage, die man dann Kirchmesse oder Kirmes nannte. (Kirmest mit „st" geschrieben, wäre darum die J Als dann später auch in den Filialorten Kirchen entstanden, wurde der Name Kirmes für beit Kirchweihtag beibehalten, und heute noch findet an manchen Orten eure kirchliche Feier' die sogenannte Kirmeskirche statt, die der weltlichen Feier vorauvgeht. Tie Kirnies ist also mit dem Volksleben von altersher eng verwachsen und hat sich namentlich in Oberhessen so eingebiirgert, dast anch andere festliche Veranstaltungen, wie Sanger-, Turn- und Kriegerfeste, dieselbe nicht verdrängen können. Hat doch der Schuljunge, als er bei der Religionsprufung nach den hohen christlichen ^Festen gefragt wurde, die Antwort gegeben: „Die Kirmes, die Festnacht und wann m'r schlachte . ' m Jin Sommer, meist aber im .Herbst, ist die KirnieMeit Benm Bürgermeister wird sie von den Bur chen geholt, d. h. dreErlaubnis dazu ausgewirkt. Am Sonntag vorher findet die, V r- steiaerung der Mädchen statt. Jeder Bursche steigert eine der Torfschönen als „Tanzmahd" und zahlt dafür den Betrag in die gemeinschaftliche Kirmeskasse, aus der namentlich die -kus- gaben für die Musik und den öffentlichen Umzug bestrstteu werden. Am Samstag vor der Kirmes versammeln stchdie Burschen beim Kirmeswirt und setzen als Kirmesbaum eine Fichte, die oben mit Bändern und einem Kranz von EieMalen geschmückt ist. Svmrtag nach Schluß des Gottesdienstes geschieht der Umzug durchs Dorf Voran die Kirmesbursmen nist Straußen am Hut und weißer Schürze, dahinter die Musikkapelle. Im weiteren Zuge schließen sich die übrigen Burschen und Mädchen au. Beim Kirmeswirt ist der Tanz- oder Schwenkboden im Hof angebracht, und wo der Raum beengt stt, nicht selten über der Miststätte. Tische und Bänke für „die Leut sind rungsum aufgestellt, während für hie Musik neben dem Tanzboden eine besondere Bühne gebaut ist. Die erwählten Kirmesburscheu haben von den auswärtigen Tänzern das Tanzgeld zu erheben und außerdem für die Tanzordming zn sorgen. Die. Kirmes dauert zwei Tage und wird gegen Morgen von den Burschen an einem Platze vor dem Dorfe begraben, em Loch werden Flaschen und Gläser geworfen. Einer halt.die^Lrickun- rede, die andern stimmen mit vorgehaltenem Taschentuch das Klageqeheul an, während die Musik einen Trauermarsch aufspielt. Diese alteii Kirmesgebräuche sind bei unserer oberhessnchen Bevölkerung tief eingewurzelt und werden auch in manchen Orten noch heute so geübt, wie vor hundert Jahren, was aber nicht aus chließt, daß an anderen Orten vou alten, Kirmesgebranchen nichts mehr zu sehen ist. Eines aber haben sie alle gemeinsam, es wird viel getanzt, gegessen und getrunken. . Nicht nur der Jugend gilt die Kirmes, auch die Alten machen noch gerne mit, wie das alte Mütterchen bewiesen hat, als ne beim Umzug der Burschen in Heller Freude mit beiden Armen die Tischplatte faßte, mit dem Rock schwänzelte und vor sich hinsprach: „Die Kirmes must ihr Recht angetan hun. Vermischte». "Die gekrönten Häupter und d i e P r e s s e. Im Giornale d'Jtalia" plaudert Franco Caburi sehr unterhalteud über die Herrscher, die sich als Journalisten betätigt oder doch wenigstens eine Vorliebe kür die Presse gesunden haben. Er erinnert dabei daran, daß schon Ludwig XIV. von Frankreich ein Vergnügen daran sand, nicht nur selbstArtikel zu schreiben, sondern sie sogar in einer Privatdruckerei selbst zu setzen. Seine Zeitung wurde natürlich in den Hoskreisen eifrig gelesen, aber nicht immer mit Vergnügen; denn der König pflegte sich sehr frei auszusprechen und manche gepfefferten Ausbrüche machten bei vielen böses Blut. In der Gegenwart ist wohl Carmen Sylva, die Königin von Rumänien, die eifrigste Mitarbeiterin an Zeitungen. Die übrigen gekrönten Häupter betätigen sich heute nur noch als Leser der Zeitungen. Vor allem ist von Kaiser Franz Joses bekannt, daß er die Presse mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt; große Hinneigung zum Journalismus bewies auch immer der Kronprinz Rudolf, der mit einer Reihe von Journalisten sreuud- schaflliche Beziehungen unterhielt. Kaiser Wilhelm hat besondere Beamte, deren Aufgabe es ist, alle wichtigen Blätter zu lesen und über alle wichtigen Dinge, die sie darin finden, kurze Berichte im Depeschenstil abzufassen. Leicht ist diese Arbeit nicht, da der Kaiser fordert, daß nie eine Sache von Bedeutung übersehen weroe und daß alles Ueberflüssige beiseite gelassen werden soll. Eifriger Zeitungsleser ist auch der F ü r st von Montenegro, von dem in diesen Tagen so viel in der Presse die Rede ist. ‘ Er liest das Amtsblatt von Cettinje, eine Anzahl französische Zeitungen nnd ein großes Wiener Blatt. Ganz im Gegensatz zu ihm macht sich König Peter von Serbien aus der Zeitungslektüre gar nichts. Das einzige Blatt, das er flüchtig durchblättert, ist eine große Genfer Zeitung, der er als Abonnent treu geblieben ist seit den Zeiten, da er dort im Exil lebte. K ö n i g K a r l v o n R u m ä n i e n wiederum zieht die ausländischen Journale den rumänischen entschieden vor, da diese in achtungsvollerem Tone von ihm zu sprechen pflegen. Der König verträgt es nicht, sich kritisiert zu sehen, und oft hat inan auf seinem Arbeitstisch rumänische Zeitungen gesunden, die der Herrscher im «Zorne zerknittert hatte. Heute sind indessen die Beziehungen zwischen dem König Karl und seinem Volke weit bessere geworden, und die Sprache der Zeitungen beweist auch eine größere Ehrerbietigkeit gegen ihn; aber trotzdem liest der König die rumänischen Blätter auch jetzt noch nicht. * D ic w eiß e Farm. Ein außergewöhnlicher Plan, der zugleich von einem feinen Gefühl für eigenartige Schönheit Kunde gibt, ist von einem reichen Engländer, dem Lord Almgton, verwirklicht worden: auf seinen weiten Besitzungen in Dorsetshirs hat cr eine Farm angelegt, in der alles, Häuser, Menschen und Tiere in der Farbe der Unschuld prangen. Lord,Alington, der Besitzer eines weitbekannten Rennstalts ist und dessen,Pferd Common zu den berühmtesten Siegern im Derbh von Epsom gezählt werden muß, hat sich diese Laune gewaltige Geldsummen kosten lassen, aber er hat dafür auch etwas ganz Entzückendes, Eigenartiges geschaffen. Von weitem schon blinkt die weiße Farm von Crichel, dem Schloßsitz, auf dem ihr glücklicher Besitzer residiert, aus' dem Hellen Grün der weiten Rasenflächen und den tieferen Tönungen anmutiger Baummassen hervor. Wie das reizendste Spielzeug, das ein Riefe seinem gigantischen Töchterlein geschenkt haben könnte, sehen die schneeweißen Häuser ans, mit den weißen Türen unb Fenstern, den weißen Dächern, den Schornsteinen aus weißem Zuck. Wenn nicht das Blau des Himmels und das warme Grün, in das dw Besitzung weich eingebettet liegt, eine harmonische Abwechslung hereinbrächte, dann würde sich dem Auge nur eine einzige Farve darbieten. Weiß sind die Fußböden der Stallungen, weiß das Gitterwerk der Käfige, weiß die Bänke, die in den Alleen zur Ruhe einladen, alles blitzt von schneeiger Sauberkeit bis zu den Blusen und den Mützen der Aufseher und Wärter. Ein Besuch bei deck weißen Insassen dieser weißen Farm, die bisher nur sehr selten Fremden zugänglich gemacht wurde, schildert ein Mitarbeiter von Je sais tont. Er. betritt das große anmutig und leicht gebaute Vogelhaus, das von lauter weißblühenden Pflanzen durchduftet ist. Nicht eine Feder ließe sich in all den Käfigen finden, die nM die Farbe der Unschuld hätte. Freilich besitzen nicht alle Tiere ein ganz fleckenloses Weiß; die australischen Kakadus haben em Gefieder, das ins Rosa und Gelbliche hineinspielt: von vollkommener Reinheit ist dagegen das Kleid der Kakadus, die von den Molucken stammen. In den benachbarten Käfigen hüpfen winzige weiße Sperlinge aus Indien umher. Den wundervollsten Anblick bietet aber die majestätische Schar der weißen Pfauen, die aus dem' Inneren von China nach der weißen Farm gebracht worden sind. Sie entfalten ihre Räder, die wie kleine, Lichtsonnen strahlen, und zeigen sich in ihrer ganzen Pracht. Sehr seltene Tiere sind auch die mexikanischen Truthähne, Albinos, die diese Eigenschaft ihrer Aufnahme in Crichel verdanken. Eine Anzahl von Käfigen ist leer; ihre Insassen sind int vergangenen Jahr durch eilte geheimnisvolle Krankheit gestorben: als Lord Aliugton sie durch neue Tiere ersetzen wollte, bemächtigte sich die Spekulation dieser weißen Vögel. Einige Kaufleute brachten das seltene weißgefiederte Geflügel, soweit es erreichbar war, in ihren Besitz, und nun sollte der Lord Riesensummen zahlen, weshalb cr lieber die Käfige leer ließ. Unter den zahllosen anderen weißen Tieren, Pferden, Hnnden, Schweinen, Kaninchen, den Eisbären, den weißen Ratten imbi Mäusen, die alle in fleckenlosester Weiße strahlen, verdienen die weißen Hirschkühe besondere Aufmerksamkeit, liebliche Tiere, und dann das weiße Maultier, das nicht nur außerordentlich selten ist, sondern wohl auch das größte Maultier, das es gibt, und das dereinst den kleinen Wagen des Sultans Abdul Hamids zog, wenn er durch die Gärten von Mldiz Kiosk fuhr, bevor es dep Sultan dem Lord schenkte, Nur ein weißer Elefant fehlt in diesem weißen Paradies; keiner von ihnen verließ den Königspalast von; Bangkok. ____________ Skat-Ausgabe. Vorhand läßt sich bis Null ouvert reizen, weshalb Mittelhand, die anfangs nur Solo spielen wollte, Grand ansagt an Sie verliert das Spiel, obgleich die übrigen Wenzel verteilt sitzen. Was für Karten besaßen die Gegner und wie war der Gang des Spieles? Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Versteckrätsels in voriger Numiner: Der Zorn ist ein schlechter Ratgeber. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.