Donnerstag den 26. Mat ,iW Sm; MW WWW Ihres Vaters Tochter. Noman von Lnlu von Strauß, und Torney. (Nachdruck verboten.) (Fottsebung.) Mittags'. Eine ui lieben Menschen hat man schweres Unrecht getan. Hat Ihn mit hartem Urteil gesteinigt, hat die Brücke zwischen ihm und sich abgebrochen. " Natürlich, man hatte ja das Recht dazu! Man war ja selbst so gerecht, so sündenrein, so groß! Und der, dein man das alles antut, ist ein Toter! .Es ist schlimm, mit Toten im Streit sein. Die ziehen immer den kürzeren, iveil sie sich nicht wehren und uns Rede stehen können. Da muß es denn ein Lebendiger für sie tun/ Ich sehe des Professors Gesicht noch, wie er das sagt. Mer ich habe nicht auf die lebendigen Stimmen ge- hörWdie für ihn sprachen. Mir mich mußte erst die tote Stimme selbst sprechen, Uns dem Tod und der Vergangenheit heraus. • v Diese Stimme muß ich, hören, ob ich will oder nicht. Erst mit Angst und Abwehr. Dann aufhorchend, init Herzklopfen, wie auf etwas Vertrautes, Halbvergessenes. Und bei jedem Wort wird mein letztes bißchen eigene Gerechtigkeit kleiner und erbärmlicher und schmilzt mir in den Händen wie Schnee. Und zuletzt stehe ich ganz arm und stumm und ohne Ausrede, und der, den ich mir anmaßte, zu richten, ist mein Richter geworden! Das wußte ich ja vorher schon, daß i ch nicht zu richten und verdammen hatte. Aber nicht, iveil ich verzieh, sondern iveil mich meine Selbstverachtung neben die stellte, die ich verachtete und verdammte. Aber verzeihen? Was habe ich denn überhaupt zu verzeihen? — Er hat mir viel genommen, Unersetzliches. Das wußte er. Und darum hat er mir auch ivieder gegeben mit vollen Händen, seinen eigenen Reichtum über mich ausgeschüttet und mir jeden Tag und jede Stunde hell und wärm von Liebe gemacht. Ist es an mir, da Abrechnung zu halten? Selbst wenn ich den Flecken an ihm sah: ,Du hast gesündigt, aber du hast gelitten/ hätte ich sagen müssen, sich sehe nur, daß du leidest, und das tut mir tveh. Was geht Mich das andere an?' Statt dessen: ,Dn hast gesündigt. Ich kenne dich nicht Mehr.' Lieben heißt verzeihen. Das ist so schön und so einfach. Ich habe es mir schwerer gemacht. Ich bin den andern Weg gegangen, der sehr tief hinuuterführt. ,An mir selbst habe ich bitter lernen müssen: sündigen heißt leiden. Leiden heißt verstehen. Verstehen ist verzeihen. Es war nicht die Sünde selbst, die ich ihm vorwarf. Was ich ihm nicht verzeihen konnte, war sein Schweigen. Seine Lüge nannte ich es. Daß er meine arglose Liebe hinnahm und meinen Glauben wie etwas, das ihm zukam. Agnes Weddigen, hast du nicht gestern selbst vor solchen gläubigen Kinderaikgen gestanden und dich brennend geschämt und hast dpch die unverdiente Liebe hingenommen .nm des Kindes tvülen? Weißt du, was das den Toten gekostet hat? Wenn er geblieben wäre, so wäre einmal auch noch! der Dag und die Stunde für rückhaltsloses Vertrauen gekommen. Aber er hat sein Kind gekannt bis in das innerste Herz hinein. Er hat gewußt, daß ich noch nicht reif dafür war. Er selbst hätte mich noch geschont. Aber das Leben hat mich auf die Probe gestellt, und ich habe die Probe nicht bestanden. Meine Liebe zu ihnh an die er so ruhig und sicher glaubte, habe ich ihm vor die Füße geworfen. Eine Schande war es mir, daß ich seinen Namen trug. Ich wollte sein Kind nicht mehr sein. Jeden Gedanken an ihn habe ich in mir auslöschen wollen! Ich sollte außer mir sein vor Scham und Reue und Selbstqual, ich weiß es. Aber ich kann nicht. Es ist nur eine heimliche, er- wartende, bange Freude in mir, die noch nicht au sich selbst zu glauben wagt! Ich gehe an meinen Schrank, wühle darin mit hastige» Fingern und Werse alles durcheinander, bis ich meines Vaters Bild finde, das ich selbst früher in die tiefste Ecke vergraben habe. Das stelle ich vor mich auf den Tisch. Unb sehe es an und suche angstvoll in dem Gesicht und dem Hellen Blick unter der schönen, ruhigen Stirn, als ob ich etwas Verlorenes wiederfinden müßte. Und auf einmal kommt es über mich, gewaltsam wie ein Sturm. Was liegt denn daran, wie tief ich dastehe vor ihm, vor mir selbst? Was liegt daran, was ich durchgemacht! und gelitten habe? Was liegt an mir? Daß ich ihn nur wieder sehe, so hoch, wie ich ihn früher sah! Daß ich an ihn wieder glauben kann! Vater! Daß ich dich wieder habe! Ach, und dich doch nicht mehr habe! Und vor dem lieben geliebten Bild muß ich das Gesicht in beide Hände drücken und weinen, weinen, haltlos und verzweifelt und erlöst zugleich, als ob ein verschütteter? Brunnen in mir plötzlich zum Licht durchgebrochen wäre! 16. Mai, nachts. Sepps mit seiner ernsthasten Kinderklugheit schaut mich heute mittag scharf an, wie ich ihn in den Garten hole« „Hast geweint? Bist traurig? Warum denn?" Ich nehme den Buben und küsse sein blasses Gesichtchen, küsse es immer ivieder. Ich muß irgend was Lebendiges liebhaben und mir nah fühlen. In mir geht es noch Ivie großer Wellenschlag. „Nein, mein Bub, traurig bin ich nicht. Sehr, sehr froh. Nein, beides —" 318 — Ich weiß es selbst nicht, wirklich/ „Wenn die Zenz froh ist, geht sie in die Kirch und bringt ihrer Heiligen eine Kerzen. Die Heilige hat auch ein Fest, ha! ist die Zenz luftig. Sie sagt, es ist arg schön mit vielen Blumen und Lichtern itni> Musik. Hast du auch ein Fest, Aga?" „Ja, Seppl," sage ich unvorsichtig und bin scholl wieder so in Gedanken, daß ich gar nicht recht weiß, was ich sage. Und auf einmal hält der Junge meine Hand und glänzt über das ganze Gesicht. „Wirklich? Machst du's denn auch mit Lichtern ilnd Blumen? Wann denn? Gelt, ich darf doch mit und zu- fchaun? Die Zenz hat mich llie mitgenomnlen, aber hu bist gut, Aga, du tu st's, gelt?" Ich bin ganA erschrocken über das, was meine Zerstreutheit angerichtet hat. Ich sehe das trübselige Gesicht schon, wenn ich nun wieder .nein' sagen nmß. Mer ans einmal kommt mir ein Geballte. Ein wünder- licher vielleicht, aber er hält mich fest. Und ich weiß, daß er in seine ui Sinn ist! Ist deiln nicht heute ein Fest für lnich? Darf man llicht einen Tag, an dem man innerlich etwas Großes erlebt, Mich äußerlich über den Alltag hinausheben? >— So hole sch denn meine zwei alten Weibchen und erkläre ihnen. Sie sind erst unwillig; aber als Marie hört, Um was es sich handelt, wird ihr Gesicht sehr gufriedenj Und sie nimmt dell nächsten besten Besen tatendurstig in die Hände. Diese wüste Gartenstube ist ihr scholl iniiner tut Dorn tut Auge gewesen, wie sie der Zenz eil« Gegenstand heftigster Neugier war. Zenz, lind Marie finb sonst in dauerndem Kleinkrieg über die Grenzen der gegenseitigen Befugnisse, Zenz darf keinen Stuhl int Haus anders rücken, Und Marie ward förmlich hinausgefaucht, lvenn sie den Kopf Mr Unzeit in Seppls Stube steckt. Die zwei schimpfen sich dann in reinstem Thüringisch ulld/Boarifch, und keine versteht die andere. Aber hellte sind sie einig. Die Zenz schlürft mit -eiligen Pantoffeln hinter der Marie dreill, und Seppl bleibt toneilt unter den Kirschbäumen, weil ich auch helfen will. Die Fensterladen und Fenster, die ich nach des Professors unberufenem Eindringen wieder fest verschlossen hatte, lnache ich selbst auf, und zwar diesmal alle drei, so weit es geht, daß die lauwarme, starke, frische Luft in den toten Raum hereinquillt und das grünliche, lebendige Licht, das durch die Hellen, jungen Blätter kommt, .lleber Tischen, Vorhängen, Türgriffen, überall schläft die Müde, graue Staubschicht. Die muß aufgestört werden. Ich lasse den zwei Alten das Reich und hleibe selbst ton Schreibtisch, an den mir keine andere Hand- rühren darf. Und nach und nach, wie die dichten, grauen Wolken Ws den Fenstern in die Sonne stäuben, fängt der tote Raum an zu leben. Aus der Politur der Tischplatten stnd Stühle laufen spiegelnde Lichtstreifen oder spitze Lichtpunkte auf Ecken und Kanten. Das warme Grün Ker Stoffe hängt weich, liebkosend auf den Stuhllehnen. Me Bronzegrisfe und Verzierungen am Schreibtisch leuchten Mrmlich. Es ist mir wunderlich zu Sinn, aber während meine Weibchen schwatzen, fegen und putzen, komme ich nicht zum Denken. Am Spätnachmittag sind sie fertig. Und auf einmal bin ich allein. Ganz, beklommen sehe ich mich um1. Warum habe ich das nur alles getan? Was soll das? ' War es recht? Es ist ganz still, nur von draußen Hingt hie Hells, flötende Frage eines Pirols herein. Und ein warmer Windstoß drängt sich ins Fenster und fegt über den Schreibtisch, daß ein paar Papiere sich knisternd wenden, Ms blättere einer darin. Das ist wie Leben. Es ist mir, als müßte nun gleich die Tüt- gehen und einer hereinkommen, den ich kenne! Und als sähe ich ihn hier am Schreibtisch vor den weißen Blättern, wie ich ihn tausendmal gesehen habe! Und in diesem Augenblick weiß ich, was ich hier heute will: daß ich das liebe, vergessene Andenken, das ich so lange hinter geschlossenen Läden int Dunkeln versteckt hatte; wieder in das Helle, lebendige Licht stelle, das ist der Sinn dieses selbstgeschaffenen Festtags! Daß ich ihm gebe, was ich ihm in blindem, trotzigem Mißverstehen so lange nicht tzägönnt habe, und was er doch so liebte: Schmuck und Schönheit und Freude! Ich laufe in den Gärten und hole mir Blumen. Rosen gibt es noch nicht, aber große Zweige weißer, doppelter! Kirschblüten und rote und flammengelbe Tulpen. Alle Schalen und Vasen int Haus suche ich her und fülle sie. Und weil Seppl immer von Lichtern redet, hole ich wirklich die zwei großen Silberleuchter, stelle den einen mitten auf den Tisch und den andern vor Klingers „An die Schönheit" und zünde sie an. Es sieht eigentümlich aus, wie die kleinen Flammen still und gerade in das rötliche Spätlichk hineinbrennen zwischen den Blumen. Wirklich wie ein Kirchenfest. Und dann hole ich Seppl. Ich war auf einen lauten Jubelausbruch gefaßt. Statt dessen werden seine Augen nur ganz weit und verklärt, er saßt krampfhaft meine Hand und atmet tief. Nach und nach taut er auf und will wissen, was für ein Fest das ist Und ich erkläre es meinem Liebling'/ so gut ich kann. Ich weiß aber nicht, ob die katholische Kirche mit meiner Auslegung einverstanden wäre: „Wenn die Zenz ein Fest feiert, daun ist das für einen Heiligen. Die Heiligen sind aber auch einmal Menschen gewesen wie wir, als sie auf der Erde waren, nur so gut und fromm, wie wir nicht sind. Und weil wir auch so werden möchten, darum haben wir einen Tag angesetzt, wo wir so recht an sie denken. Sieh, mein Seppl, und ich denke heute auch an einen, der sehr gut war, als er aus der Erde war. Das war mein Vater. Den hab ich so lieb wie du Heinen!" Und dann setze ich mich ans Klavier, weil der Junge auch Musik zu seinem Fest.will, der kleine Sybarit. Und! ganz unversehens kommt mir die einfache, frische Melodie eines kleinen Studentenliedes unter die Finger, das Vater mich einmal gelehrt hat. Ich sehe mich noch im kürzen Kleid am Klavier lehnen und ihn mit dem behaglich heiteren Ausdruck vor den Tasten. Später, als ich meist Haar schon aufgesteckt trug und auf Bergfahrten sein Kamerad war, haben wir das Lied oft zweistimmig in den Thüringer Wald hineingesungen. Unsere Stimmen paßten so gut zusammen. Es ist, als ob! eine Erinnerung die andere nach sich zieht. Ich greife nur noch mechanisch in die Tasten unoj sehe hundert Bilder vor den Augen, immer ihn und mich. Die Abende im Garten, wenn die schrägen, roten Lichter lang über dem Gras lagen und wir den geraden Mittelweg! auf- und abgingen und sprachen. Die Stunden bei der Lampe in der Gartenstube, wo seine warmen, klugen Augen mich über das Buch weg ansahen! Immer neue Bilder! Es ist wie ein Nachhause--, kommen. Ich bin lange weit weg Und verirrt gewesen, und nun gehe ich auf einmal wieder die 'alten, lieben Wege. Es steigt mir Plötzlich heiß in die Augen, daß ich die Lichter nur noch als schwimmende Helle Punkte sehe. Es ist zuviel, was da aus mich ein stürzt, stark und froh und schmerzhaft zugleich. Ich lasse mitten im Gatz die Hande von den Tasten. Die alten, lieben Wege, ja: .Aber ich gehe sie allein! Allein! „Aga, wenn das Fest nun vorbei ist, wird die schöne Stube dann wieder zugeschlossen?" fragt Seppl schüchtern dazwischen. „Nein, mein Junge, die bleibt nun offen. Unb wir zwei wollen darin wohnen, alle Tage. " Da antwortet er mir mit einem kleinen, unartikulierten Kinderjauchzer, den ich von ihm noch nie gehört habe. „Ich will auch die Zenz, nie wieder schlagen!" verspricht er freiwillig in seiner überströmenden Freude. Also hat denn die Zenz auch etwas von üuserm Fest! (Fortsetzung folgt.) Aus Briefen tzolzamers. Von Karl Neurath. (Schluß.) Der jüngste Brief stammt aus dem Jähre 1898 vom 29. August und ist in M ü n ch e u geschrieben. Er war damals schon 6 Jahre verheiratet und doch ist sein Gefühl für seine Fräu, die ihm gerade wieder ein Kind geboren hatte, noch jung und stark. Der besorgte Gatte und Vater spricht aus- jeder Zeile und an diei geringsten Kleinigkeiten denkt er. Und über, alles gibt er Auskunft. Man — 319 und wieder. Es ist, obgleich es ja. sehr mangelhaft aus^- geführt ist, im Augenblicke mein kostbarstes Kleinod außer Dir selbst. Da kommt ihm der Gedanke, daß man die Lauterkeit seiner Liebe verdächtigt habe, und aus seinen! schmerzlichen Ergüssen heraus predigt er: Ich habe aber auch alles überlegt, für und wieder, alles was mau Dir 'Schändliches sagte. Marie, glaube mir, wenn ich einsähe, daß ich, daß Tn, mein. Liech Unrecht Wiest, daß wir uns nicht lieben dürften, ich mürbe Dir sicher sagen: „Mein Schatz, Tu schreitest den Weg zum Verderben, und ich führe Dich! Lassen wir ab von unserer *) Frau Cvnrad-Ranilo. **) Michael Georg Conrach der als Herausgeber der Gesellschaft ihn sehr gefördert hatten . Es sollten nicht nur , sie sollten auch schon sein, man . „ Auch das Moderne kommt jetzt in den Anlagen etwas heraus. Ich will Dir den Brunnen: Faun Watina, der Faun, weißer Marmor, setzt roten Rost an. Du solltest es einmal sehen. Ue'b'erhaupk muß ich fortwährend denken, wenn Dir bei mir wärst, Ich würde Dich auf alles aufmerksam machen, vieles ginge mir schöner auf, weit ich es eindringender nähme. Aber hoffentlich war ich rricht zu in letzten Mal in München, und wenn ich wieder komme, bist Du mit. Dann erzählt er, wie seine Eltern von dieser Liebe erfahren haben. Meine Eltern haben wohl gemerkt, daß etwas los sein muß, und mein Ausbleiben an den Feiertagen deuteten sie dahin. Frz. half ihnen scherzweise, und zum Schlüsse meinte .er, erst zeige ich wohl das Bild der Braut, dann die Braut selbst. Da er Dein Bild gesehen hatte, so fragte er denn: „Wilhelm, könntest Du nicht gleich einmal das Bild zeigen?" Ich sagte, ich hätte es nicht bei mir, und alles war abgemacht. Der .Gedanke, daß die Verwandten seines Mädchens Dann kaufte ich mir ein Theaterbillet. Dann gings über die Isar! Solltest die Isar sehen. Grün wie Patina, wie Wft fast, schäumend, weiß schäumend, und brausend, ramschend, brausend wie ein Sturm. Ich stand auf der Maxi- nnliansbrücke, vor dem Maximilianeum und sah hinab. Schade, daß man nicht so weit sehen kann, wie beim Rhein. Aber der Eindruck auf mich war groß. Dann ging ich in die Mrbeits- und Kraftmaschinenausstellung. — Diese Alusstel- lung ist auf einer Insel in der Isar. Großartig. Was die heutige Industrie leistet, tote man das Schwerste bewältigt, das Feinste geradezu. Knnstvollendetste, mit Maschinen fertig bringt — es ist erstaunlich und ich bekam vor dem Menschengeiste einen netten Respekt. Bon hier zum Rathaus. Na, die deutschen Rathäuser! Dies riesige ist ja gut; aber weißt Du schöpferisch, tief brüt (!) schöpferisch, neu —non. Die deutschenArchitekten verdienen wohl Geld, aber für die Kunst kommt bei ihnen nicht viel heraus. Die moderne Architektur ist für mich ein Schimpfkapitel. Es fehlt ihnen die Freiheit, die Verjüngung. Mter Mist. Wittags Kirchen! Kirchen ist für mich kein Rahmen für Kunst. Der Rahmen erdrückt alles. Man kennt das. Intime Wirkungen gehen alle zum Teufel. Und warum, nur um die Sinne zu benebeln, aufzureizeu. Abends Theater! Großartig! Frau Conrad*) hättest Du sehen sollen. Die spielt nicht, die lebt. So hab ich noch kein modernes Stück spielen sehen. O Darmstadt. Es war „Johanna" vom jungen Björnson. — Und das Schönste. Ich hatte noch nichts zu Abend gegessen. (Uebrigens das Wertrinken ekelt mir.) Ich ging in ein automatisches Cafö. Ich setze mich an ein Tischchen und guck ins Treiben imd denk an Dich und ans Theater und an Fran Conrad iund an lyoderne Dramatik und an — Gott weiß was alles. Da seh ich! Zur Seite--Map Conrad. Sie be- vbachtet mich. Ich seh wieder hin! Ja, Frau Conrad! lind jetzt neben ihr ein Kopf. Conrad!!!**) Ich aus! Hin! Vorgestellt! Sie lachen. >,Kommt der Kerl hierher und sagt nicht mal was." — „Wir hätten Sie nicht erkannt, Welten Sie für einen Schau spiele r. Und rasch M§- sieht, er lWr gewöhnt, sich über alles, was ihn bewegte, gemacht — heute abend zwischen pg? und 7 im Hofbräubons mit seiner Frau auseinanderzusetzem Der Ton, in dem I Conrad und ich - Hurrah ' Hofvrauyaus, er das tut, beweist auch, daß die von gewisse Seite unter- *■ - " ' ■ fchobeiien Behauptungen, als habe seine Gattin kein Verständnis für ihn gehabt, bloße Vermutungen sind, wenn nrcht absichtliche Böswilligkeiten. Aber auch das sieht man, daß Holzamer für alles lebhaftes Interesse hatte und daß n>tltiig zu bienen. Meine Damen, Sie luet'be» vielleicht biese Worte elwaS scharf finde», aber nn3 ihne» spricht nnr ei» gerechtes Urteil, daS ans zahlreiche» Tatsache» beruht. Sie wisse»', ivelche» unglücklichen Ausgang so viele Ehei! nuferer Freuudiiineu genommen haben, deren Gälte» nnr ans Geldraub ansgi»ge» und ihre Frauen zum Danke dafür brutal und niederträchtig behandelten. Wir (juben genug davon: Schließe» wir uns zusamme» und vereinige» ivir uns zu einer Art Trust gegen die europäische Invasion:" Diese Worte übte» auf die Versammellen einen Heien Eindruck und tatsächlich kam eine Einigung zustande, nach der sich die Dame» verpflichtete», grn»dsätzlich nnr mehr bürgerliche Eheit einzugehe». * E i n e n neue n H an s i e r e r kn i f f auf dem Lande benutzte» Händler, um ihre Waren abzusetzen. Sic lassen sich von einem Bekannten ein Telegramm senden etwa des Inhalts: „Baker gestorben, um jeden Preis verkaufen", oder aitch: „Fran ge-- storbc» usw.", ivährend auf einem der Nachbardörfer Mann und Frau. wohlgemut Zusammentreffen. Dieses Telegramm zeigen sic dann unter Heulen und Wehklagen bei der Kundschaft vor und bringen ihre Warcii angeblich weit unter, in Wirklichkeit aber immer noch 50 Prozent über dem Einkanfspreis au dest Mann oder ivohl richtiger an die Frau. * Ein höflicher Schüler. Häusl (der für den Vater Schunpftabak geholt hat, auf der Straße seinem Lehrer bcgeg-, iteiib): „Darf ich Ihnen vielleicht eine Prise anbiete», Herst Lehrer?" * W oraus sc tz u n g. .„Herr Doktor, der Maier hat mW Heut ein Rindvieh geheißen — kann ich ihn verklagen.?" . „Wenn Sie keiu's sind, gewiß." Ramenrätsel. Anionie — Friderike — Helene — Ida — Krimhilde — Martha — Pauline — Theresia. Tie vorstehenden Mädchennamen sollen derart geordnet werden, daß der erste Buchstabe des ersten Namens, der zweite des zweiten, der dritte des dritte» nsiv. wiederum eine» Mädchennamen ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösmig des Rösselsprungs in voriger Nummer: Menschen sind die.Menschenkinder Aller Zeiten, aller Zonen, Ob sie unter Birkenbüschen, Ob sie unter Palmen ivohne». Ob sie vor dem Christengotte, Ob vor Wodan sie sich bücken, Ob sie sich in Lumpen bergen, Oder sich mit Purpur schmücken. i 1 ) i '1 Redaktion: K. Neurath. - Rotalionsdruck und Verlag der Brühl'schen Nniversitäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Meße»