1910 M W WWMMDM KWMMM Ostern. Jubelnd mit ehernem Munde <5a::ß cS die Glocke durchs Land: Blumen, ihr Schläfer im Grunde, Christus erstand! Wollt nicht auch ihr euch erheben? Hört meinen weckenden Ruf! Folgt aus dein Grab in das Leben Wieder dem Herrn, der euch schuf! —1 Ostern, du heil'ger Erlöser! Sonne, du segnende Glut! Bis in die Wurzeln der Gräser (Sic6t sie ihr feuriges Blut. Not wird der Teppich der Heide, Blumen durchblüh'n ihn blaublaß, Und von den Kätzchen der Weide SilbcrtS im junggrünen Gras. Bunter stets jubelt des Lebens Lachender Siegeschoral. Tod, du Gcwalt'ger, vergebens Schwangst du den schartigen Stahl! Wenn über Gräber und Gitter Sonnig der Ostcrtag fliegt: Tod! ist dein Stachel auch bitter, Süß wird er immer besiegt! — Georg Busse-Pa l m a. Ihres Vaters Tochter. Rotnan von Lulu von ©traust und Torgey. (Nachdruck verboten.) Erstes Buch. Norderney, den 23. Juni. 1900. Liebster Baier! Warum Du mich eigentlich tu diese Verbannung geschickt hast, begreife ich nicht recht. Vier Wochen lang zwischen Menschen, die mich wenrg oder nichts angehen, und nachher noch diese Entdeckungsreise in die unbekannte Verwandtschaft, die wahrscheinlich den mangelnden (Seift durch ehrenfestes Spießbürgertum ersetzt. . Und gerade jetzt, wo Du mich doch notig hast! Du. schreibst ja nicht, daß Dir etwas fehlt, aber ich werkest Vor mir kannst Du mit Deinen Stimmungen nicht Verstecken spielen. Der trübe Unterton in Deinem Brief macht Mich unruhig. . . . „ ,,, Meine Stimmung geht ja immer wie eure gedampfte Begleitung neben Deiner her. Vielleicht fühle ich deshalb- die Dissonanzen hier so besonders scharf. Die Natur so unerhört groß — und die Menschen daneben! Die Menschen! . Vater, wir haben eimnal zusammen vor Bockltns „Spiel der Wellen" in München gestanden. Diese tollen, wundervollen Geschöpfe, die sich mit schreiendem Jauchzen in die steigende, stürzende Welle werfen und sie umarmen, als ob sie etwas Lebendiges wäre, stark und frei und wild wie sie selbst! r , Das ist erlebt! Das gehört hierher! Ich sehe es selbst tausendmal, wenn beim Segeln die durchsichtig grün- gläsernen Wasser'berge vor dem Boot steigen und wachsen und in einem Hexenkessel. von Schaum verbrausen. Oder wenn ich mit geschlossenen Augen auf das große, ruhelose Rauschen höre, das Tage und Nächte um die Insel geht. Wenn ich dann die Augen aufmache, trifft mich der Kontrast wie ein Schlag. Geschwätz, Toiletten, Flirt. Alles so klein, so erbärmlich! . „ , Ich bewundere Tilla Berg. Die schwimmt ttt kindlichem Vergnügen mit dem Strom, läßt ihr schönes Gesicht und ihr wirklich bildhübsches Baby bewundern und ist jeden Tag mit neuen, vornehmen Bekanntschaften mtun. Ihren Mann scheint sie nicht allzuschwer zu entbehren. Als ich neulich bedauerte, daß ich ihn nun dieses Mal auch nicht kennen lernte, zuckte sie lachend die Schultern. „Ich weist »licht, obidu viel mit ihm anfangen könntest. Du sollst dich hier doch auch erholen. Georgs Unterhabt tung ist immer so sehr gediegen, schwerstes Kaliber. Das fiele mir hier auf die Nerven." Jedenfalls wird ihr die Unterhaltung mit ihren hiesigen Leutchen die Erholung nicht stören. Es macht iHv augenscheinlich Spaß, mit der Tochter meines Vaters zu renommieren. Wo sie eine kleine Nachhilfe für nötig hält, stellt sie mich vor als die Tochter „unseres" Peter Florenz Weddigen — das „unser" unterstrichen. Wenn der geistige Standpunkt um einige Grad höher ist, wird der Rippenstoß überflüssig. Daun kommt unfehlbar die Frage: „Sind Sie vielleicht mit dem berühmten Weddigen verwandt, dem er' auf einem' .Gefühl leisen Bedauerns lertappte, daß Fräulein Sertha erst vor vierzehn Tagen und Nicht schon vor drei Monaten als neue Hausg-enofsin im trauten Bau- bergersch'en Familieriheim erschienen tvar? Es war doch gar iiicht zweifelhaft, daß sie sich nichts, aber auch rein gar nichts aus ihm machte, und daß er nicht die mindeste Aussicht gehabt hatte, ihre Gunst zu geivinuen, auch ivcnn zwischen ihm und Annm ^iichl schon ein offenkundiges' Einverständnis vorhanden gewesen tvkre, als die arme, elternlose junge Berivandte in feinem1 Gesichtskreis auftauchte. Er war überzeugt, daß sie bereits eine ändere, heimliche Liebe uni Herzen trage, und selbst ohne sein M'bes Gebundensein würde er schwerlich den Mut gehabt haben, sich bei einem so wenig entgegenkoMiMnden. Benehmen UM ihre feunft zu bewerben. Daß er jetzt iiNmersort an ihr eriiftes! Gericht und an ihre schonen, sanfte!» AUgen denken mugte, war Äfv weiter nichts, als ein« jener unbegreiflichen Torheiten, für Vie er in Ange'nbKchen von jeher eine uperkivürdige Neigung gehallt hatte. . . .... , ,, Immerhin aber wär -cS eine Unter loschen Umstanden recht ürger'lich's Fügung, daß. es gerade Fräulein .Sertha sein mußte, hie ihm auf sein Klingeln die Wvhnungstür öffnete, um ihm Unter Erröten mitzuteildn, daß Onkel, Tante, Kusine und die beiden halbwüchsigen Kusins auf einem OstervvrMittags-sPazier-