Donnerstag den 24. Februar m •d K-1?/JS Süi ■te Droesigl. Moman von Georg Freiherrn von OmptsdL (Nachdruck verboten.) < (Fortsetzung.) An einem Vor frühlings tage, als der Köllner Par? in Hellem Sonnenschein tag und die frisch beschotterten Wege zwischen den noch kahlen Bäumen wie ein Schlangengewinde leuchteten, ward Herrn Ludwig Droesigl und Frau Agathe geborenen Gräfin Kölln ein Sohn geboren. Ms man der Wöchnerin das Kind ans Bett brachte, hatte sie nur den einen Gedanken: jetzt wird Ludwig glücklich sein. Er drückte Arzt und Hebamme die Hände und hätte beinahe die Kinderfrau umarmt. Mister White und dem getreuen Oskar erzählte er es zweimal. Dann geschah ein Wunder sondergleichen: Ludwig lief in die Küche, und während sonst alles in respektvoller Entfernung vom Schloßherrn stand, versammelten sich um ihn der Chef, die Küchen- und Hausmädchen, und Herr Droesigl erklärte glückstrahlend, ihm sei etn Sohn geboren, ein Sohn! Dann ging er zum Stall und erzählte dem ersten Kutscher, dem Futter- meister, sogar- ein paar Frauen, die selbst Kinder hatten, das große Ereignis, als ob ihm, Ludwig Droesigl, Herrn auf Kölln, etwas widerfahren, das, solange die Erde stand, sich nicht ereignet hatte. Agathe sollte Ruhe haben. Der Arzt hätte am liebsten gesehen, wäre Ludwig gar nicht im Schlafzimmer erschienen. So ließ er ein Pferde satteln und ritt durch oen Par?, in einem Tempo, daß man hätte meinen können, der alte Graf sei auferstanden und preschte wieder mit Horrido, hipp, hipp- hurra hinter den Hunoen her. Die Sonne schien beinahe heiß. Es war wirklich ein vorwitziger Frühlingstag. Auf den Wegen quoll es unter den Sonnenstrahlen hervor, wo noch vom Winter her der Boden gefroren war. Ludwig fing an zu pfeifen, summte ein Lied, bis ihm plötzlich ein Gedanke kam. Er wandte sein Pferd und ritt durch das Dorf, die große Wundermär dem Pastor mitzuteilen. Vorher erzählte er es aber einem alten Weibe, dann einem Bauer, der seinen Weg kreuzte. Sie machten erstaunte Gesichter. Es war beinahe das erste Mal, daß sie den neuen Herrn vom Schloß überhaupt sprechen hörten. Der Pastor rief sofort seine Frau, aber sie, die selbst mit vielen Kindern gesegnet war, nahm das Wunder von Sohn als selbstverständlich hin. Ludwig merkte es nicht, denn er redete heute allein. Dem Pastor teilt« er nun den Namen mit: Erich. Dann saß er auf und gab dem Jungerk, der den Gaul gehalten, nicht gerade des alten Kölln Taler, aber doch eine Mark. Er ritt auf die Station, um zu telegraphieren. Als er die Adressen schrieb, lief es ihm wohlig über den Mcken: ja, ja, solchen Leuten telegraphierte er, Ludwig Droesigl, seiner Tante Kräfin Lindenbach, geborener Prinzessin Hohengart, seinem Schwager Graf Regnier du Plessis, seinem Schwager Prinz Hohengart. Während er znrückritt zum Schlosse, sprach er in stiller Freude vor sich hin: „Errch, Erich. Erich." . Das klang nicht protzig, nicht gesucht altdeuiscy tme etwa Siegfried, nicht zu junkerlich wie Aribert oder Kuno. Und doch nicht gewöhnlich, kein Hans, kein Fritz, nein; Erich! „ Ludwigs Feierstimmung hielt noch tagelang au. Der jungen Frau ging es vorzüglich. Der Arzt sagte: — Sie können sich gratulieren zur Konstitution Ihrer Frau Gemahlin. O, was erlebt man da in den Städten bei den Damen, diesen Nervenbündeln, die kein Kind mehr zur Welt bringen können. Da sind wir auf dem Lands anders. Ob Bauernmädel oder Gräfin. Ludwig freute sich über die Worte. Nun gab es Festessen und Bier uns Wein. So freigebig hatte man den neuen Herrn noch nicht gekannt. Und wenn auch Schwarz- seher noch immer meinten, das ist nur einmal, wer weiß, ob's anhalt, so sagte doch der alte Polke, auf den sie im' Dorfe hörten: — Seht ihr's, der is 'n janz manierlicher Mann! Mit der Taufe hatte Ludwig große Pläne. Natürlich sollten die Schwäger und Schwägerinnen da sein, die Werf- fener dazu. Wer er wollte den Kreis noch erweiterst. Er dachte an Regniers und deutete sogar an, er könne doch unmöglich seines Schwagers Bruder, den Fürsten, übergehen. Dabei spielte er vor seiner Frau ein wen g Komödie, indem er tat, als mache ihm diese Verpflichtung feine große Freude. Doch Agathe verstand ivohl: — Ludwig, denke an den Rodin! Er biß sich auf die Lippen. Einen Augenblick darauf sprack) er wieder von den Einladungen, ober ohne da-. Fürstenpaar zu erwähnen. Die Taufe wurde hinausgeschoben. Hohengarts waren noch verreist, Röguier konnte wegen des Schwadronsexerzierens keinen Urlaub bekommen. Ludwig meinte, es sei nur ein Vorwand, auch Agaths fand, ihre Schwester hätte längst einmal nach Kölln kommen können. Darum wurde trotz Ludwigs leiser Gegenstimmung die Einladung nicht wiederholt. Doch als der Tag der Taufe wirklich bestimmt war, sagten sich Patsch und ihr Mann telegraphisch an. Einer fehlte: der Geheime Kommerzienrat. Er hatte geschäftliche Schwierigkeiten, die seine Abwesenheit auch nur aus viernndzwanzig Stunden, wie er schrieb, gänzlich unmöglich erscheinen ließen. Der Park stand nun schon in vollem Laubschntuck gleichsam lackierten Frühjahrgrünes. Das Wasser war in dre Umfassungsgräben eingelassen, daS Parktor fertig, zwei überlebensgroße Sandsteinfiguren der Zeit erhoben sich rechts und links von ihm. DM«, hatte Ludwig einen unnötigen Bogen des Fahrweges durch den Mrk MMstM — 122 ten und die Straße geradenwegs auf das Schloß geführt, twfrei freilich ein paar alte Baume fallen mußten. Als nun die Gäste im Viererzuge juin erstenmal in das neugestaltete Tor einbogen, lag die Allee in einer geraden Linie vor ihnen, im Hintergrund das Schloß mit seinen Renaissance-Giebeln und der weit vorgelagerten Terrasse. Men aber auf einem Balkon stand jemand in hellem Kleid, Und wie die Coach unter den Hornstößen des Kutschers kam, winkte die Gestalt ihnen zu.' Ludwig, der selbst fuhr, drehte sich um; >— Aga! Nun zogen Gräfin Patsch und Valy, sämtliche Regniers und der Prinz ihre Taschentücher und wehten. Patsch sagte leise zu ihrer Schwester: r— Er hat unfern ganzen Park ruiniert. Die Prinzessin antwortete nicht. Wenn sie in einem Biererznae saß, verstummte ihre Kritik. Und sie, die nicht ritt, iveif sie als Kind beim Reiten von ihrem Vater immer Grobheiten bekommen, hatte sich nie recht interessiert für das, was in Kölln vor sich ging. Sie wollte tanzen, sie zog Gesellschaften, die Stadt, Bäder vor. Mit einem natürlichen Instinkt für alles, was großzügig war, sah- sie wohl, daß rhr Schwager gewaltige Verbesserungen getroffen. Erstaunt gewahrte sie statt der zerfallenen Wasserkunst!, die Figuren aufgerichtet, die Beckeri neu gefaßt, und überall perlte und tropfte unb rann und rieselte es. Da ihr Schwager ihr außerdem etwas Schmeichelhaftes über ihren Hilt gesagt hatte, so war sie in bester Laune. Nun sah man seltene Blumenpracht im Schloßhof. Ein ungepflegter Rasenplatz war es gewesen, denn für Gartenantagen hatte der alte Graf schon deshalb' nichts aufge- wendet, weil er auf jeder Rasenfläche ritt. Das Stall- gebände war durch eine hohe Pflanzung beinahe verdeckt. Es schien erstaunlich, was in der kurzen Zeit gemacht worden war. Gräfin Patsch aber, gewohnt, daß man vom Schlosse ans den Stall übersehen konnte, machte ein muffiges Gesicht. Beim Aussteigen nahm ihr Mann sie beim Arm: — Was hast du denn, Patsch? — Ach, bei uns im Regiment ist es viel hübscher! — und sie dachte an die Leutnants, mit denen sie scherzte und spazieren ritt. Agathe geleitete ihre Gäste auf die Zimmer. Dort war manch zerrissener lleberzug erneuert, den die Sporen der Reiter zerfetzt hatten, wenn sie noch gestiefelt uitd gespornt sich nach der Jagd ein halbes Stündchen ausgeruht hatten. Ludwig musterte von feinem Zimmer aus mit dem Operngla.se die Straße am Kanal, der, ein blitzender Streifen, sich in der Heide verlor. Von dort her mußten die Wersfener und die Tiefenauer kommen. Endlich sah er in der Ferne eine Staubwolke. In dem Augenblick meldete auch schon Oskar mit der flüsternden Stimme, die er sich Ängewöhnt: — Euer Gnaden, ich glaube, es nahen Herrschaften. Ludlvig ivarf noch einen Blick in den Spiegel, dann ging er hinab. Nur die „gnädige Tante" wollte er am Portal erwarten, bei den Nachbarn wäre es eine Spur zu ergeben gewesen. Er küßte Gräfin Lindenbach die Fingerspitzen, half dem Grafen, der ausnahmsweise die lange Fahrt gewagt, aussteigen und schüttelte dem jungen Offizier die Hand. Dabeisagteer: — Graf und Gräfin Regnier haben uns dis Freude gemacht, die junge Gräfin mitzubringen. Aber er verzog keine Miene. Mau versammelte sich im großen Saale. Als die Tiefenauer erschienen, sagte die Prinzessin zu Frau von Liegen, dis als Nachbarin gleichfalls gebeten worden: — Es ist doch merkwürdig, wie man verbauern kann. Tiefenau war früher der eleganteste Garde du Corps, und sieh mal, Marie, heute ist er wieder nicht rasiert. Frau von Liegen, ein einfaches, brünettes Frauchen, entschuldigte ihn: Sie haben sehr tu eit Wahrscheinlich hat er sich gestern Mend schon rasiert ioegen des frühen Aufstehens. .Aber die Prinzessin reckte ihre schöne Figur: Ach, ein Herr, der auf sich hält? Nein, nein! Wie aus dem Ei gepellt stand Ludwig ein paar Schritte Wox ihnen. Frau von Liegen flüsterte; 1— Dein Schwager da, von dem könnte Tiefenau was lernen. Gräfin Patsch zuckte die Achseln: — Na, das ist auch das einzigste, was ivir an unserem Herrn Schwager haben! Fran von Liegen verteidigte Ludwig, doch Patsch fuhr es heraus: — Ach was, er ist ein Protz, ein Knallprotz ist er! Fran von Eysz, deren Reiz in dem Gegensatz ihrer schwarzen Brauen und Augen zum hellblonden Haar lag, hielt den Fächer vor, als teile sie ein Geheimnis mit: — Na, na, Protzen haben wir unter uns auch! Patsch war in Kampfstimmung: — Wer denn? Die schwarzen Augen leuchteten, und das helle Licht spielte über dem wie ein Heiligenschein den Kbps umrahmenden Haar: —■ Ach, man braucht sie nicht zu nennen. Ein paar andere Damen waren hinzugetreten. Eine sagte: — Es ist doch aber sehr hübsch hier. Er hat ja kaum! etwas geändert, nur aufgefrischt. Und das Ivar wirklich nötig. Freifrau von Mengen geborene Honig warf ein: — Der Mensch möchte am liebsten alles vergolden. Die blonde Frau von Eysz antwortete sehr entschiedeul — Gnädige Frau, dann würde ich mich doch nicht einladen lassen. — Ich bin hier bei Aga. — Sie sind hier bei dem Ehepaar, denn die gehören doch zusammen. Und ich glaube, niemand von uns denkt, daß die gute, arme Aga das Essen bezahlt. Das bezahlt Herv Droesigl. Sie hatte doch nichts. Erschrocken drehte sie sich um', denn sie dachte an die Schwestern der Hausfrau. Aber die Prinzessin unterhielt sich, und Patsch war längst umstanden von Herren, denen sie irgend eine Keckheit sagte, wobei sie sich ausschütten wollte vor Lachen. (Fortsetzung folgt.) Sitten rmd Gebräuche bei Hochzeiten. Von Lehrer W. L e h r in Rebgeshain bei Ulrichstein. (Schluß.) Am Standesamt waren die Brauttcut' nüchtern zu Eheleuten proklamiert worden. Von da zings direkt zur nahen Kirche. Während die Glocken läuteten, zogen Hannes und Marich, hinter ihnen die Eltern und der lange Zug der Gäste — die Leute zählten beinahe 100 — ins Gotteshaus. Bei ihrem Eintritt ertönte die Orgel, bis sie' am Altar an- gelangt waren. Dann trat der Geistliche aus der Sakristei und hielt eine ergreifende Traurede. Den zweiten Vers aus dem 100. Psalm: „Dienet dem Herrn mit Freuden" hatte er auf Wunsch zum Text gewählt. Haukourts Konrad war einst mit demselben und an demselben Altar getraut worden. Nachdem der Pfarrer den Bund der jungen Eheleuts gesegnet, gingen diese um den Altar, um ein Opfer darauf zu legen, ihrem Beispiel folgte der Schwarm der Gäste. Dann brachten dieselben den Neuvermählten ihre Glückwünsche dar und stellten sich in langen Reihen, die Männer hüben, die Frauen drüben, dem Schiff der Kirche entlang und bildeten so ein Spalier, durch welches das Brautpaar nach beendeter GratulationScour hindurch mußte. In: Zug ging es hierauf ins Bräuthaus. Aber noch waren sie nicht dort. Mehrmals wurden sie unterwegs gehemmt, hier von Kindern, dort von armen Leuten mit einem Seil, welches quer über die Straße gespannt war. Und überall mußte Hannes, der junge Ehemann, den Geldbeutel ziehen. Die Kinder bekamen Kleingeld, worüber sie dann herfielen und um dessen Besitz sie einen Kampf aufführten. Zu einem Knäuel geformt, lagen sie am Boden. Als der sich nach einigen Minuten gelöst, sah man's den Gesichtern an, wer was erwischt und wer nicht. Die Größeren trugen natürlich den Sieg davon, wie überall. Unter ihnen herrschte das Faust» recht. — Das Geld fürs Hemmen gab man gern, denn das Hemmen bedeutete Glück. Wer sich ins Gotteshaus fahren ließ, und das geschah besonders von den Filialdörfern^ die zum großen Dorf des Jnnkerlands gehörten, dem wurden bei seiner Rückkunft im Hof dreimal die Pferde angehalten — gehemmt . ohne das gings nicht das brachte Glück — 123 Tals niemand Frewdes, so mußte es jemand Von den Migeyörigen besorgen !— aber sein mußte es. Reichlich beladen mit Kuchen und dampfendem Kassee erwarteten inzwischen im Bräuthans lange Tische Brautpaar Und Gäste. Das ganze Haus war ausgeräumt und zur Aufnahme der vielen fröhlichen Menschen umgewaudelt. Mitten unter allen saßen Marich und Hannes, sie im schwarzen Brautkleid mit einem Kränzchen selbstgezogener Myrten in den blonden Locken. Neben ihnen saßen die Väter. Die Mutter waren in der Küche beschäftigt. Dem alten Hankourts Korrrad sah man keinen Groll mehr an. Jetzt machte auch ihm die Geschichte Spaß. Nach dem Kaffee brachten die Geladenen ihre Bräutsteuer in mannigfachster Gestalt. Zwei große Tische waren zuletzt schwer beladen. — Am Abend gab es dann ein großes Essen mit allen mög- lichen Braten, Wein Und Bier, wie mans wünschte. Es fehlte an nichts. Als man dran war, das Genossene etwas zu verdauen, wobei, in dem Gesumme und Gesurre etwas wie Ruhe eingetreten war, da tappelte es sich vor dem Hans. „Die Spinnstotvwe sei's", hörte man von verschiedenen Seiten. Draußen halten sich die Burschen und Mädchen des Dorfes eiinzefunden, um den neugebackenen Eheleuten das Ehestandslied zu singen. Alles eilte, an die Fenster und vor die Haustiire. Da ertönte.cs auch schon hell und kräftig: 1. Mir gefällt das Ehstaudsleben - Besser als das Ktosterziehn. In das Kloster mag ich nicht, Denn ich bin schon zur Eh' verpflicht. 2. Vater, laß dich doch erbitten Und verschaff mir einen Wann, Der mich küßt und drückt an seine Brust- Denn zuni Heiraten hab' ich Lust. 3. Ach, was wird die Mutter sagen. Wenn ich sie verlassen will; Sie mag sagen, was sie will, Ich will heiraten in der Still. — Dann traten Marich und Hannes unter die Sängerschar, erstere nut einein Korb voll geschnittenem Kuchen, den sie höchsteigenhändig unter die Mädchen verteilte. Der Ehemann aber griff nochmals in die Tasche und reichte den Burschen ein paar harte Taler zu. einem tüchtigen Faß Bier, das nachher im Wirtshaus getrunken werden sollte. Noch einmal begannen sie zu singen, die Mädchen sein, die Burschen grob, als zweite Stimme: 1. Wer den Ehstand will fröhlich genießen, Der muß sich der Liebe erschließen. Denn wo Liebe und Eintracht stets wohnen, Wird der Ehstand mit Segen belohnt. 2. Der Manu muß sein Weibchen stets lieben, Er umß sie stets ehren und schützen, Denn wo Hader und Zwietracht stets haust, Trübe Tage bleiben nicht aus. 3. Ohne Reichtum lebt mancher zufrieden, Wenn nicht Armut ihn drücket hinieden; Ei, so traget euer Leiden mit Geduld, Gebt keiner dem andern die Schuld. 4. Und sollte der Allmächtige kommen Und sollte das Ehepaar trennen, was ihr geschworen habt am heiligen Altar, Haltet fest bis zur Totcnbahr. — Eine kleine Weile wars still, dann zogen sie ab, bald in ein neues Lied einstimmend. Die andern aber gingen wieder ins Haus, !vo indes die geräumige Nebenstube zum Tanz für die Jungen ausgeräumt worden war. Es zuckte sie schon lang in den Beinen. Zwei alte Musikanten, Spieldowerts Hannes und Veits Jörg, der erstere schon mit musikalischem Dorfnamen belegt, waren zu diesem Zweck erschienen. Der eine mit der Geige, der andere mit einem. Ungetüm von einem Baß. Dann gingS los. Getanzt wurde bis zum hellen Morgen. Die Alten guckten zu, sangen sich eins oder mischten sich auch unter die tanzende Jugend. In den Tanzpausen erklangen alte Volkslieder, bald wehmütig von Scheiden und Meiden, bald froh Soldaten- und Jägerlieder. Um Mitternacht gabs wieder Kuchen und Kaffee zur Ermunteruntz. Di.e Jungen waren ja wohl noch nicht müde, eher hatten sie wieder Hunger vom vielen Tanzen bekommen. Und dann sings weiter. Auch Hannes und Marich schwangen feste >as Tanzbein. Geschlafen wurde nicht. Nur die Kinder und die ganz alten Lenke. Wo wollten sie auch alle liegen? So blieb man denn auf, tanzte, sang und trank bis in den Tag hinein. Keiner durfte heim. Als dennoch einer, der ehr auf die Arbeit versessen, entschlüpfte, um noch eine Stunde Schlaf zu genießen, — da zogen die andren mit Peitschen und einem Krug voll Schinrps vor sein Hans und holten ihn aus seinem Bett, in dem er eßen gerade sich ausgestreckt hatte, heraus. Er mußte mit, und .als er nicht wollte, da schlangen sie. ein Seil um seinen Leib und fort giirgs mit dem Ausreißer unter Peitschengeknall und Gesang ins Bräuthaus. Damit ihm aber der Schlaf verging, mußte er einen Trunk aus dem mitgebrachten Krug tun. Als es nun Tag ward, gab es ein kräftiges Frühstück, bestehend aus -rischer Wurst und Branntwein. Dann wurde Kuchen eingepackt und das nicht so knapp. Pferde wurden eingespannt. Geschirre fuhren ab. Die Gäste aus der Nähe liefen heim. Bis zum Mittag hatte sich's Haus geleert. Doch die junge Frau, die bis dahin noch kein Auge zugetan, hatte immer noch Pflichten. Mit einem großen Korb voll Kuchen ins Dorf zu wandern, war jetzt ihre Aufgabe. Pfarrer, Lehrer, und Bekannte bekamen auch einen Teil von ihrem Hochzeitskuchen. Hub dann? Meinst du, das junge Paar wäre auf die Hochzeitsreise an den Rhein oder nach Italien? Wer am andern Tage in Bergschusters kam, konnte den Hannes und seine Marich fleißig schaffen sehen, ihn die Pferd« fütternd und sie die Kühe melkend — so machte mau teil alters feine Hochzeitsreise — im Junkerland — im Vogels- berge. ____________ WaMsabritatiM und wäschehandel.') Die deutsche Wäscheindustrie ist eine unserer jüngsten Industrien, ihre Anfänge datieren nur bis in die 50 er sichre des vorigen Jahrhunderts zurück. Erst im Jahre 1857 begann man! in Berlin die Fabrikation dieser Artikel in Betrieben, tn bene# die einzelnen Arbeiten, wie Schneiden, Nahen, Wajchen, Platten nsw von einem Unternehmer an dazu angelernte Arbeitskräfte vergeben wurden. Den Hilfsmitteln der damaligen Zeit ent» sprechend, hatte das fertige Erzeugnis ein recht primitives Ausziehen, aber der Aufschwung, den Handel und Wandel nach dem Kriege von 1870--71 irahm, und der steigende Wohlstand brachten es mit sich, daß nicht nur der Kousunl an feiner Herrenwäsche stieg, kondern auch die Ansprüche an das Aussehe,i und die Eleganz erheblich größer wurden. Beiden Faktoren, dem gesteigerten Konsum und der erhöhten Eleganz, konnte der handmäßige Betrieb, wie er bis dahln der Wäschefabrikarion zur Verfügung stand, nicht mehr gerecht werden, sondern es mußten maichmelle Kraft« zu .Hilfe genommen werden, für die die in England bereits bestehende maschinelle Fabrikation vorbildlich wurde. Indessen dienten die von England importierten Maschinen in der Haupt,ache nu« als Anregung für unternehmende, tatkräftige. Manner, die Maschinen nach den eigenen Bedürfnissen und den eigenen Erfahrungen Stellen ließen und so mit ihren Erzeugmsten die ältere eng- e Wäschefabrikation bald überflügelten. In der deutschen Reichshauptstadt allem entftanbeu ,m Läufe der Jahre zirka 50 Wäschefabriken; außerdem bildeten sich in Westfalen und Sachfen Wäscheindustriezentren, da Besim allem nicht mehr den jährlich steigenden Konsum an Herrenwäsche decken konnte. War doch bis vor 15 Jahren nicht nur der deutsche Markt mit Wäsche zu versorgen, sondern es hatten die Berliner Fabriken den Bedarf fast aller Kulturstaaten der Erde zu liefern. Inzwischen hat die Schutzzollpolitik der meisten Ausland!-- staatcn die Wäscheindustrie in aller Herren Länder entstehen lasten, so daß der Export der deutschen Industrie gegen frühere ^ahre ganz erheblich nachgelassen hat und sich in der Hauptsache nur noch auf bessere Qualitäten erstreckt, die in den jungen Industrien im Auslande selbst tiicht vollkommen genug hergestellt werden können. Wenn trotzdem die Herstellungsziffer nicht nur nicht abgenommen hat, sondern eine ständige Zunahme aufwestt, jo kann man daran erkennen, wie gewaltig der heimische Ron,um an Wäsche gestiegen ist. . ... Die Wäscheiudnstlie befaßt sich mit der Herstellung von Krage,,.- Manschetten, Oberhemden, Serviteurs und Ehemnettes Die L>roffe, die für diese Artikel dienen, find mamiigsachster Art. Kragen, Manschetten sowie Serviteurs und Chemisettes bestehen aus oem Oberstoif, Zwischenstoff, Einlage genannt, und dem Futterstoff. Der Oberstoff und das Futter dieser Artikel kann Semen oder, Baumwolle fein, die Einlagen find immer aus Baumwolle Die leinenen Stoffe zur Herstellung von Kragen und Manicheiten werden ans. Irland bezogen, trotzdem die deutsche Lemeimidnstri« *) „Unsere Kleidung und Wäsche" von K. Weinberg, P. Schulze und B. Brie. (Wissenschaft und Bildung, Band 24.) Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig, — 124 VermEehLss. * Elchjagd in Kanada. Bon den weidmannisch-sn Wveuden und den Gefahren der Jagd auf M'che in den tiefes tzvrsteik Kanadas gibt der bekannte englische Jäger und Reisend« H. Hesketh-Prichard im „Wide World Magazine" eine färben- reiche, stimmungsvolle Schilderung. Er führt den Leser an einem Oktoberabend durch den Wald zu den Ufern eines weit sich hnh- ftreckndm kanadischen Sees, itto hinter Weiden, Schilf uitti Unterholz mächtige alte Baumriesen ihre Kronen wölben, indes im Westen die Sonne in leuchtendem Abendrot am Horizont verschwindet. In einem kleinen Kanve nimmt der Jager mit seinem! sehr bedeutend ist und trotzdem der Einfuhrzoll auf irisches Leinen die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wäscheiudustrle gegenuber der englischen auf dem Weltmärkte nachteilig beeinflußt. Der Grund, weshalb dennoch irisches Leinen den Vorzug vo,- dem^ einheimischen genießt, liegt rn dem Klima Irland», dessen bleichend.r Kraft ist die schneeige Weiße zu verdanken, deren em tadellose^ Fabrikat in Kragen und Manschetten nlch^^t^en kann die aber das heimische Leinen mcht erreicht. Die Baumwollstoffs welche statt des Leinens bet Kragen und Maschetten als overlte Laae dienen, sind aus ägyptischer Baumwolle, der fernsten, die es a'bt hergestellt — Macko-Gcwebe —, während die Einlagen unhO'Futterstoffe aus amerikanischem Material gewebt werden. Jin übrigen sind die Stoffe, die in der deutschen Waschefabnkaltoit verwandt werden, zumeist in den Webereien des Elsaß und Süd- deutschlands und zum geringeren Teile Schlesiens hergestetlt. ^yre Veredlung, d. h. die Bleiche, Appretur der Webwaren, also dre Ausrüstung, um sie gebrauchsfertig für die Waschefabrikativn zu machen, erfolgt ebenfalls in elsäßer, süddeutschen und rn schle- sischcn^ B.eichereieNnenen un^ haumivollmen Weblvareu eine U,r- zahl von Arten, die nach der Güte des verwandten Garnes, nach dessen. Stärke und dessen Einstellung geschieden werden. fein« fähiger und je dichter das Gewebe ist, desto besser ist seine Qualität. Im Handel werden die leinenen Gewebe nach ernem Fadenzahler bestimmt, dessen Sehfläche 4 mm im Quadrat entspricht. Die baumwollenen Gewebe werden nach Fadenstellungen gekauft, für die eine Lupe von 7 mm Sehfläche die Grundlage knetet. Für das Oberhemd kommen im Einsatz, m den Manschetten und in den Hals- und Handbündchen dieselben Stoffe wie für Kragen und Serviteurs in Anwendung, wahrend man für Hemoen- rümpfe dreierlei Baumwollgewebe unterscheidet: die sog. Mada- polames, die Renforcss und die Cretonnes. Von diesen drei Sorten ist der Madapolam aus feinstem Material, dünnfadig und dicht, während der Rensorcs etwas kräftiger, obschon noch dicht ist: der Cretonne schließlich stellt eine Webart aus stärkeren Garnnummern und loserer Einstellung dar. Bevor die Stoffe zur Kragen- und Manschettenfabrikation ihrer Bestimmung zugeführt werden, werden sie noch einem Krumpf- hrozeß unterworfen. Dieser hat den Zweck, die verschiedmen Stoffe auf ein gleichs Maß einlausen zu lassen, eme Maßregel, die von großer Bedeutung ist. Wie oben erwähnt, sind die Gewebe aus verschiedenem Material, aus verschiedenen Läildern, kurz verschiedenen Charakters. Sie werden nnuzn einem Wäschestück vereinigt, und da geschieht es, daß bei der Wäscherei bet eine Stoff etwa im Kragen oder in der Manschette mehr entlauft, als der andere. Dieser Uebelstand wird sichtbar rn einer Falte, die der weniger einlaufende Stoff bildet. Sie gibt dem Kragen oder der Manschette ein häßliches Aussehen und macht sie minder- wertig. Ihre Beseitigung durch die Hand der Plätterin aber verlangt viel Uebung und Zeit, soweit sie überhaupt möglich ist. Jener Krumpfprozeß nun, den die Stoffe vor ryrer Verarbeitung zu Kragen und Manschetten durchzumachen haben, verhindert von vornherein die Gefahr der Faltenbildung, indessen sind derartige Krumpfeinrichtungen, die aus großen damfngeheizteN Maschinen- und Trockenanlagen bestehen, nur in Fabriken besten Fabrikats eingeführt, »veil ihre Anschaffung und Erhaltung sehr ^All^das" Gesagte bezieht sich auf weiße Waren Wer auch farbige Stoffe finden vielfach Verwendung, namentlich für Ser- viteurs und dazu passende Manschetten (Garnituren) und für Oberhemden. Das farbige Oberhemd ist in den letzten zehn Jahren zumal für den Sommer sehr in Aufnahme gekommen. Es werden bunt bedruckte und bunt gewebte Stoffe dazu verwandt. Die bedruckten Stoffe heißen Perkals, die gewebten Zephir. Eine dritte Stoffsorte für bunte Hemden sind die Batiste, das ist ein leichter Stoff, der im Stück gefärbt ist. Dieser Batist findet Verwendung als Rumpfstoff zu gleichfarbigen Einsätzen und Manschetten aus Zephir, Und zwar da, wo es zu teuer wäre, das ganze Hemd aus Zephir zu fertigen. Die Perkale werden im Elsaß bedruckt, die Zephire kommen sowohl aus dem Elsaß wie aus England. Veredelt und ausgerüstet in Bleichereien und Appreturanstal- ken kommen alle die beschriebenen Stoffarten zur Fabrikation, hi der die Erzeugung der Kragen, Manschetten und Serviteurs den einen Zweig, die der Hemden den andern Zweig darstellt. Begleiter Platz und fast geräuschlos gleitet das schwanke Fahch zeug hinaus in den See. 'Das Wasser ist nicht tief, ein Biber taucht auf, um sofort wieder zu verschwinden, sonst umgibt den Menschen! mir die weihevolle Stille einer mächtigen Natur, deren ernsP Abgeschlossenheit noch keine Zivilisation zu durchbroclnn versucht hat. „Und nun sind wir am Platze. Einige 200 Meter vom Ufer entfernt, in seichtem Wasser. Der Wind ist schwach, doch^ev will uns wohl, denn er streicht vom Walde herüber zu uns. -so» bald die «Sonne verschwunden ist, funkelt ein Licht auf. Wir bringen das Bot näher ans User und schreiten zum Stand des Forstes. Hier greift der Rufer zu seinem Horn«, mit dem er beit Elch heranlocken will. Es ist «ein fast zwei «Fuß langes Instrument, in der Form wie das Schallrohr eines Grammophons, ans Birkest-- rinde gearbeitet und mit Bast verschnürt. Er setzt die Mündung! an den Mund, hebt das breite, 'weitausladende Ende fast senA rocht empor: und nun klingt durch die abendliche WaldruW ein klagender Schrei, so traurig, so Wild, so seltsam, daß eine! wunderliche Melancholie einem die Brust Umschnürt. Das ist der erste Ruf: bald folgt der zweite und dann- der dritte, dtesep lauteste, wildeste, der langgezogen hinhallt durch die Stille und dessen Eiho die Nacht klagend wieidergibt. Dann legt der Rufer sein Horn beiseite. Vor einer halben Stunde wird er feinen Stuf nicht wiederholen, denn viel eher kann er keine, Antivort ew warten." Zwar filgt es bisweilen der Zufall, daß dre Antwort des Elchs sofort ertönt, aber in der Regel verstreichen 15 Minuten. Das ist nicht überraschend, wenn inan weiß, daß ein guter Rufer seinen Lockschrei auf Entfernungen bis zu vier Meilen hörbar machen kann: je weiter der Elch entfernt ist, ie günftiger ift bte Chance, daß das Mld die Fälschung nicht erkennt. „Zehn Minuten sind verstrichen, fünfzehn, nun gar zwanzig. Nach einer halben Stunde setzt der Rufer von neuem fein Hont an tmd noch Wagender und schmerzlicher Hallen die drei langgezogenen -L>ehn- suchtsschreie durch das Dunkel. Die Erwartung läßt erneu uw willkürlich schweigen. Wieder verstreicht die Seit Aber plötzlich zuckt der Ruser zusammen. Habt ihr es gehört? rm Forsts, fern, ganz fern klingt es Wieder von brechendem Holz. Die Mrnuteq schic ich en wie Stunden. War es Täuschung der Sinne. ? Aber da, in diesem Augenblick kommt es herüber: ent seltsamer Ton, halb Seufzen, halb Zorn. „Er ist es, er kommt, er ist etwa eilte Meile entfernt." Leise wird daS Boot wieder hinansge- schoben und draußen auf dem See harrt mmt in erwartungsvoller Spannung reglos des Elchs. 'Die Dämmerung ist gewichen, kaum daß man noch das llfer schwiarz schimmern sieht. Das brca>mbe Unterholz deutet an, daK der Elch ant oberen Ende des Sees ans dem Wald treten wird. Leise rudern wir ihm entgegen. Mötzlich hören wir etwas ins Wasser springen. Er tst kaum 50 Meter von uns entfernt, aber der Schatten der mächtigen Baume macht ihn unsichtbar. Im Boot leuchtet ein ganz feines kleines wetßeS Licht auf. Dann, mit einem Ruck, wird die Laterne geöffnet: da, nahe vor uns, sehen wir die mächtigen schaufeln des Gewethsl Blitzschnell springt der Schütze auf, zielt und feuert. Alles hangt an diesem Schüsse, denn mit dem Aufblttzen des Lichtes^ greift der Mch sofort an und stürmt auf die Jäger." Fehlt der schütze, so steht das Leben auf dem Spiele, denn- der )v'ütende Elch stampft das Kanve in den Schlamm und mehr als ein ungeschickter Jager ist bet solchen Zwischenfällen schwer verwimdet, ja sogar getötet worden. Aber der Schütze, der gewohnt ist, im trügmicW Dunkel der Nacht zu zielen, und der für den entscheidenden Augenblick die Kaltblütigkeit des xchten Weidmanns aufbringt, hört unmittelbar nach seinem Schüsse ein plätscherndes Fallen und er weiß, daß er gesiegt hat. Wenn dann, imch Wochen, tu fei nm Heime ein prachtvolles Elchgewcih das Jagdzimmer schmückt,. steigt in seiner Erinnerung das unvergeßliche Bild jenes stillen Abends am kanadischen See auf, und er hört im Geiste wieder den klagenden Schrei, mit dem der Rufer den Elch in sein Verderben lockt. * Abwehr. Sie: „Ich gfaube, jflt heiratest mich nur; damit du mit meinem Gelde deine Gläubiger befriedigen kannst! — Er: „Unsinn; so sehr liegen mir meine Gläubiger gar mchf * Ein'Pfiffikus. „Warum bezahlst du bemt zwei Maß mehr, als du getrunken hast?" — „Die trink' ich morgen; dü ist nämlich meine Alte.dabei, und die paßt beim Zahlen imwet so auf." _____________ Loaogriph. Mit d erzeugt es Reinlichkeit, Ist ätzend, scharf unb beißend. Mit f trägts oft ein prächtig 5lleid Und winkt dir Ruh' verheißend. Auflösimg in nächster Ntimmer. Auflösung der KönigSpromenade in voriger Ntmnnekk Arbeiten tat ich auch in Schachten, Wo ich kein Gold entkernte, Die aber mir den Vorteil brachten. Daß ich arbeiten lernte. Rückert. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrttckerei, R. Lange, Gießen.