Msntag den 2<. Januar s 'M ÜS8 Droestgl. Moman von Georg Freiherrn von Ompted«. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.! Dis ‘Samen brachen mit einem Mal auf, man mußte nicht, warum. Graf Kölln hatte Gräfin Sczögony die Hand geküßt, nun raunte er ihrem Manne zu: — Wir spielen vielleicht noch eine Partie Quinze oder Ecartö. — Ich muß meine Frau hinanfbringen. i— Kommen Sie nur wieder, lieber Graf. Sobald das letzte Kleid davongerauscht war, setzte man sich an den Tisch,, wo das Roulette gestandeu. Dort lagen jetzt eine Anzahl Kartenspiele. Wieder war der einzige, der bediente, der alte Haushofmeister. Bet der Quinze wanderten die Karten von einem zum andern wie das Geld. Nach einiger Zeit übernahm der alte Graf zum Baeca- rat die Bank. Herr Droesigl war der eine Kartenhalter, der andere wechselte. Die Höhe der Einsätze wuchs mit dem Zigarrenrauch, der. bald nebelartig über dem.Zimmer lag. Immer mehr Geld erschien vor den Spielern auf dem Tisch, immer höher schwoll der Haufen von Banknoten vor dem Grafen von Kölln. Jedesmal, wenn er einen ,mroßen" oder „kleinen Schlag" anfdeckte, blätterte er mit Siegermiene die Karten hin und strich den Gewinn ein. Wenn er auszahlen mußte- so tat er es mit einem Scherzwort im Munde: —- Es ist mir -eine Ehre — darf ich Ihre Kasse vervollständigen? Ein junger Herr fragte über den Tisch: ■— Herr Graf, würden Sie mir wohl aushelfen? Ich habe nicht so viel bei mir! Graf Kölln gab zurück: — Ich nehme grundsätzlich nichts" aus der Bank. Dann Müßte ich erst einmal „Toilette machen". Er erhob sich, raffte den riesigen Haufen Banknoten Zusammen und trat -an einen Nebentisch. Serr von Mellin, der nichts zu trinken hatte, klingelte. ras Kölln fragte den jungen Herrn, einen Gutsnachbarn, der die Jagden mitzureiten Pflegte: — Bitte wie viel? Eins, zwei, drei, vier? -—Ach, einen braunen Lappen vielleicht! Der alte Herr sah ihn unter den buschigen weißen Brauen an: — Lieber Freund, entweder Sie hören auf und warten besseres Wetter ab, oder Sie fangen gleich mit mehr an. Sonst sind Sie bar Geld. Der junge Mann verbeugte sich: — Wenn Sie mir dann vielleicht drei geben wollen- Herr Graf? Graf Kölln zog die linke Manschette aus seinem Frack- Ärmel hervor, darauf Namen und Summe sich bemerkend: — Die Bank geht Mit fünf Mille weiter. Die Tür öffnete sich. Das glattrasierte Gesicht eines jüngeren Dieners erschien. Graf Kölln rief ärgerlich: — Meine Herren, darf ich bitten, die Dienerschaft nicht Zurufen' Hier hat nur Elßmaun Zutrift! Der Diener verschwand durch das Bilderzimmer im Stiegenhans. Dort hingen die doppelte Treppe hinauf lautes Herren und Strafen von Kölln in Zopf oder Perücke, tu Koller oder Panzer; dazwischen Damen in Staatskleidern, ein Lächeln auf den Lippe!?, steif eine Blume in der Hand, oder einen gerafften Vorhang hinter sich, der die. Landschaft sehen ließ mit den Renaissancegiebeln des Schlosses Kölln. Wer Diener öffnete eine Seitentür zum Putzraum neben der Küche und sagte dem Haushofmeister, oaß er gerufen lvorden. Der Alte herrschte beit Jüngeren an: — Sie wissen, daß ich allein die Bedienung Habs- Richten Sie sich darnach! In diesem Augenblick hatte dxr gebeugte, alte Elßmann in seiner straffen Haltung, mit seiner scharfen Stimme etwas, wie der Herr des Schlosses selbst. Mn langen Tischen standen die Leute mit den seidenen Kniehosen und Strümpfen, in Hemdärmeln, Schürzen umgebunden, beim Silberivafchen. Als der Alte hinausgegangen war, rief der Slallburscho Krüner, der bei solchen Gelegenheiten mithelfen mußte: — Mergern Sie „Herrn Graf" nich — Einige lachten, andere trockneten ruhig die Bestecke oder wischten silberne Schüsseln ab. Nebenan lag der Aufwaschraum. Kröner trat in die Tür -und sah einer dicken blonden Frau zu, mit gewaltigem, miederlos zitterndem Busen. Währenddessen erzählte der junge Diener, drinnen sei das Spiel in volle!» 'Gang: — Da wird sich wohl wieder einer tot schießen, wie der Polack, der Prinz voriges Jahr! Ein anderer rief, während er eine Stahlktinge zwischen die rotierenden Lederstreifen der Messerputzmaschine hielt: — Es war gar kein Prinz, Herr von Kruezinski! .Den lcat der Graf höllisch ausgeraubt f Doch ein alter Mann mit feistem, glattem Gesicht, der das geputzte Silber in Friesüberzüge steckte, drehte sich um: — Haltet 's. Mault So redet Ihr nicht von uusernt Grafen! — 9hi, wenn's wahr ist! Der andere trat ihm entgegen, und machte mit dem' fetten, schwaMbelraarten Unterarm eine nachdrückliche Bewegung ; — So lvird nicht gMkdeti MrWndeni Ist unser Graf --KÖMS die Dicks, die Dien' K sttreppe verlassend, eben den * :n Sang betreten wollte, kam Graf Sczögony die ttreppe Herab. Sobald seine Schritte verklungen waren, Ring sie in das Wäfchezirmner. Auf langen Tischen lagen Beate abend erst abgelieferte Tischtücher, Servietten, Hand- nicht gerecht? Go anständig ivird beim Juden nicht ge- Mhltl „ , Doch der junge Mensch, erst! seit einem halben Jahr im Hause, begann noch einmal: — Na, mehr wie bezahlen als man verdient, tut er voch nicht! Der alte Diener, sonst! so vorsichtig mit dem Silber seines Herrn, stieß eine Schüssel in den Schrank, daß sie an die Rückwand dümmste: ■— So, und wenn ener^heivaten muß? Me war^s denn Hei Tillmann und beim langen Sickel? Dem Mädel hat er was geschenkt und Hm ooch Ein anderer schmeißt sie raus. Mso halt 's Maul! Der Bursche ging und schlug die Tür zu, während der Ulis Diener seinem Herzen weiter Lust machte: — So 'n bummer Grünschnabel! Ich weiß wohl, daß unser Gras fünfe gerade fein läßt, aber so 'nen Herrn soll'n wir mal suchen! Der zweite Kutscher, der kalt rauchend an der Wand lehnte, denn Elßmann litt den Tabak nicht, stimmte bei. Wer dn Pferd schlüge, flöge raus. Mer wer waS leiste, dem sehe der Graf jedes nach. Währenddessen schwatzte Kröner, seine Gabeln abtrock-- nend, mit der Dicken. Sie wusch Teller. Auf einmal hob ste die nasse rechte Hand, an der ein breiter Trauring glänzte, und flüsterte ihm, die Finger wie einen Schirm vor den Mund haltend, etwas M. Kröner trat in den Putzraum zurück. Ms die Dicke fertig war, band sie die Schürze ab und sagte, am Küchenchef vorübergehend: — Es ist wohl nichts mehr? Der schüttelte zerstreut den Kopf. Die weiße Mütze ins Genick geschoben, schrieb er in einem großen Buche. Dabei Ael eine Anzahl Rechnungen heraus. Ein dralles, blondes Mädchen ,das den Boden scheuerte, las die flatternden Papiere aus. Der hagere Mann mit rundem Bäuchlein, das noch aufdringlicher ward, weil er schreibend im Kreuze lag, sagte ernst zn dem Mädel: — Kommen Sie in einer halben Stunde in die große Vorratskammer. Ich habe Ihnen was zu sagen. DaS Mädchen sah ihn von der Seite an und kniete Rieder, inn weiter zu arbeiten. Wcher, Schürzen, Häubchen für das Personal. An der Wand brannte rate Oellampe aus alten Zeiten. Die Dicke trat «uf einen Stuhl und blies sie aus. Dann öffnete sie vorsichtig die Tür und lugte auf den Gang hinaus. Bald er» schien über die Diensttreppe der Stallbursche Kröner, Wisch- tücher auf dem Arm, die er, rvie aus Mensteifer, h-inauf- bringen wollte. Der Türspalt öffnete sich, der Stallbursche verschwand. Als Graf Sczögony in das Spielzimmer trat, schwebte Der Zigarrenguaun so dicht, daß man nichts sah als im Lichtkreis der Lampe die über den Tisch gebeugten Köpfe, und davor nervöse Hände, ein wenig übernächtig schmutzig, oblvoyl sie lauter gepflegten Herren angehörten. Das bare Geld war seltener geworden, seine Stelle hatten Bisiteu- karteu eingenommen, auf denen Summen gekritzelt standen. Herr Louis Droesigl hielt jetzt die Bank. Graf Kölln hatte Sie Karten der einen Seite. Sein Gesicht schien noch röter denn vorher; er faßte rückwärts, sein Glas zu suchen. Als me Karten lagen und einer der Herren darnach griff, rief fr scharf: — Zum Donnerwetter, ich hebe immer selbst auf! Der andere stand auf: • s— Kein Glück bei Cohn auf dieser cöte! Run sah Graf Kölln die Blätter an: Zwei Zehnen! Die Seite hatte wirklich kein Glück. Der Bankhalter legte seine Karten wieder hin, gab brühen eine sieben, Graf Kölln noch eine zehn, sich selbst eine eins, deckte auf und sagte, ohne eine Miene zu verziehen : — Eins. Die andere Seite hatte sich tot gekauft. Mt der arm? fetigen eins zog die Bank Tausende ein. Der alte Graf schrie: r— Mh gegen solchen Dusel ist freilich nichts zu wölken! Herr Droesigl meiutsr >— Ich habe die Karten nicht gemmM ! l— Ich ooch nicht! *— Dann können wir beide nichts dafür. 'Graf Kölln nahm aus der Romasche einen Stoß Visiten- karten und machte „Bons" daraus, indem er große Geld? summen: darauf schrieb. Graf Sczögony ging von Seite zu Seite, aber er setzte immer dort, wo das Glück nicht war. Und es war am wenigsten beim Grafen Kölln. Einer seiner Gutscheine nach dem andern wanderte in die Bank. Der Kreis der Spieler nahm ah. Der war müde, bei jenem regte sich die Vernunft, andere standen mit großem Gewinn auf, blieben als Zuschauer einen Augenblick noch da und waren dann still verschwunden. Leute, sonst die Ehrenhaftigkeit selbst, klagten ohne 9M, wie viel sie verloren hätten, lvähreud sie doch in Wirklichkeit eine wohl-- gefüllte Brieftasche auf ihr Zimmer nahmen. Wenn man herum hörte, hatte keiner gewonnen; dabei war das Bargeld verschwunden, als hatten es die Ritzen des Parketts auf genommen. Graf Sczögony konnte feinen letzten Dausendmarkscheiu nicht mehr „zerschlagen". Er warf ihn ärgerlich auf des alten Grafen ©eite. Graf Kölln aber plante in diesem' Augenblick einen „großen Coup". Er hatte keine Ahnung, lvie viel er verloren, doch er wollte mit einem Mail alles protzigen hm war: stellige Zahl. Die Karten flogen rechts auf den Tisch, ohne daß sie jemand aufhob, uud nun erst merkten die Herren, daß außer den dreien niemand mehr im Zimmer war.. Der alte Graf zurückgewinnen. Er fragte: — Bis zu wie viel nehmen Sie an? Louis Droesigl antwortete in der ein wenig Art, die trotz aller guten Formen manchmal! an i.l — Herr Graf, jeden Satz! Gras Kölln schrieb auf seine Visitenkarte eine sechs- blickte sich wütend um: — Verfluchte Kerls, kalte Beene! . > Herr Droesigl ruckte die Achseln. — Dann gebe ich hier offen ! Er deckte die rechte Seite auf. Mit zitternden, jetzt merkwürdig alten, verschrumpelten Händen nahm Graf Kölln die beiden Blätter und rief, ohne äbznwarten, was 'be» Bankhalter sagen würde: — Ich muß bitten. Herr Louis Droesigl wendete feine Karten utroi — Kleiner Schlag! ' ! r Graf Sczögony sagte nur : — Gute Nacht, meine Herren. Mer der alte Graf, der dem Bankhaltev den Tausend- markschein des Ungarn und die Visitenkarte hingeschobeiz hatte, rief fast befehlend: !— Sczögony, wir spielen weiter! Tut mir leid, Graf Kölln, aber ich spiele nie unbar. Ich pumpe Ihnen was. Danke, ich borge nie. Der alte Herr schrie zitternd vor Aufregungl bei seinem! riesigen Verlust, den er selbst kaum übersahj — Auch wieder Grundsatz? — Ich hab's meiner Frau versprochen. Damit war er hinaus, und die beiden anderen blieben bei der dunkler brennenden Lampe, die keine Nahrung mehr hatte, 'allein, (Fortsetzung folgt) LMenerons erste Liebe. In dem Januarheft der „Neuen Rundschau" (S. Fischer'/ Verlag, Berlin) in dem auch der Roma» von Gerhart Haupt- manu „Emanuel Quint" anfängt, beginnt Richard Dehme! eine Reihe von Liliencron-Briefen zu veröffentlichen. Ma erste Serie gibt Briefe Detlev v. Lilrencrons an Ernst Frei? Herrn v. Seckendorfs aus der Kriegszeit und den ersten! besonders schweren Jahren n<«h dem Ausscheiden aus dev Armee, die Liliencron Wucherschulden halber verlassen mußte. Er ging nach Amerika, kehrte von da aber sehr unbefriedigt zurück. Der einzige Lichtblick in seinem Leben mag damals wohl die Liebe zu einem jungen Freifräulein gewesen sein, die dann nach großen Schwierigkeiten sein«! erste Frau wurde.. äSaSÄoa^ t» w 51 flössen, und — vor 8 Tagen sah ich für eine junge, eben erst : Mutter in G. wieder. Du wirst es Schätzen Hergebell zu müssen. ./Du kannst Dir meinen Schrecken denken, als einige Tage nach, meiner Ankunft hier ein offener (sic) Exekuttons- Leschl ankain, der mir die Pfändung (wenn auch nur vor- Mifig auf 100 Mark) binnen 24 Stunden änsagte. Unglückseliger Weise —- obgleich ich ebenso perplex gewesen wäre, da ich solche Dinge nicht kenne — kam meiner Frau Äs Schrift zu Händen. Und nun kannst Du Dir die Szene denken. Du kennst die Gattung „Weib" im allgemeinen. Und denke Dir : meine Frau! Aus „anständiger"' Familie; natürlich keine Ahnung von Pfändung usw. Es war furcht- bar. Da ich binnen so kurzer Zeft die 100 Mark (ich sollte sie. bei Vermeidung lvirklicher Pfändung, binnen 24 Stunden zahlen!) nicht auftreiben konnte, so mußte ich eine silberne Dochzeits-Mase in ein Pfandhaus tragen. Denke Dir! — Meine Frau war einzig heldenhaft nun. Da trat seng ganz Vermischte». * Die Steinigung einer Frau in Persien. Eitt erschütterndes Bild von dem grausamen Wesen der persischen Volksjustiz entrollt der französische Reisende Claude Met m einem Aufsätze, den er in der „Illustration" veröffentlicht. Er befand sich auf einer Reise durch das nördliche Persien und besuchte dabei auch die alte Stadt Kntfchan, .tue vor eurigen J«hren durch ein furchtbares Erdbeben Hein,«gesucht wurde. Dach über Schutt und Trümmern erhoben sich bereits Meder die neuen Hellen, niedrigen Häuser, und über dem ganzen Bilde lag eins friedliche Geschäftigkeit, die nichts verriet von den grausamen Verirrungen des Gefühls, die die freundlichen Perser plötzlich in einen Taumel blutgieriger Grausamkeiten stürzen Wunen. Eine unglückliche Frau wurde das Opfer, eine arine Bäuerm, die zwei Jahre lang ihren Gatten, einen leichtfertigen Säuhw, eiiiährt hatte, bis der Gemahl eines! Tages verschwand. Me große Aufopferung hervor., wie ich es wohl wußte Bei ihrem großangelegten Naturell: denn, es ist wahrhaftig kein Spaß für eine junge, eben erst verheiratete Fran, von ihren Z„ '„„Z... "”::l So geht es nun Tag um Tag. Mieder mitten im Kampsgewühl. Wenn ich doch nur einmal endlich freie Bahn vor mir sähe, wenn ich aufatmen könnte. So schwimme ich aber noch durch die Armuts-See, ohne Ufer zil sehen, und so sehr ich auch meine Arme bewege, o müssen sie endlich anfangen zu erlahmen: Ultra Posse nemo obligatur. , r . In betreff Deiner mir gütigst übersandten katholischen! Lehrbücher, so hat mir der „Leitfaden für den katholischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten" von Dr. Du- )elmann sehr gefallen. Was mich vor allem zuerst iu- eressierte, wenn es auch das Unwesentlichste ist von der katholischen Religion, das war: „die Feier der 'heiligen Messe in der Kirche". Es war mir vor allem darum zu nun, erst einmal das kennen zu lernen, ivas der plumps Protestantismus an euch „Götzendienst und Bonzentum^ nennt. Also ich erhielt einen klaren Einblick über die Bewegungen der Priester, die Kleider (Cingulum, Manipel, Stola usw.), über die Gebete, Offertorium, Conseeration usw. — alles das, in seiner Gliederung und seiner christlich^ historischen Bedeutung, steht nun klar vor mir, so daß ich äußerlich schon die Messe verstehen kann. Daß Ihr Sakramente habt, wußte ich nicht. Mit der Ohrenbeichte kann ich mich durchaus nicht befreunden. Mein Gott, wie viele Geheimnisse erhält der Priester, und wie viele ivird er seinen Oberen verraten und verraten müssen. Und dann ist es mir ein absolut fataler Gedaiike, daß ich dem Priester alles zu sagen habe. Da beichte ich doch lieber Gott dem! Herrn selbst. Wie gesagt, das ist das Haupthindernis. Eure Messe, zumal ich sie nun in ihren einzelnen Handlungen und Wesenheiten verstehe und die Bedeutung weiß, ist mir unglaublich sympathisch. . . . Wie gesagt: Auch die sieben Sakramente (in betreff der Ehe bin ich zinn Beispiel nicht einverstanden) habeii mir imponiert. Mir die Ohrenbeahta wär« das Haupthindernis. — Ich bin noch nicht beim Pastor R. gewesen — aber gehe zuweilen in die Elisabeth- Kapelle, die nur wenige Häuser von mir entfernt ist. —» Es ist nach wie vor der sehnlichste Wunsch meiner von mir zärtlich geliebteii Schwiegermutter: in den Schoß der „alleinseligmachenden" Kirche „zurückzukehren", wie Ihr sagt. Aber ich muß erst mich durchgebissen haben. Diese ewige Geldnot und Angst und Folterung tötet auch nachgerade jedes Verlangen und Wunsch. Wohl möchte ich Euren Pastor R. kennen lernen, — allein ohne Geld, im steten furchtbaren Kampf um das „Dasein", da heißt es: warten. In betreff des „Katholischen Katechismus", so habe ich mich eines Lächelns nicht erwehren können und einer mich recht heiter stimmenden Lektüre eben dadurch (durch besagten Katechismus) beflissen. Man tritt so ganz in den Knabenstand von acht Jahren zurück. Mer ich bitte diesem Lächeln nicht übel aufzunehmen." . . , r. x . In der Einführung zu diesen fo interessanten iuG herzenswarmen Briefen verwahrt sich Richard Dehmel scharf Ben die seiner Meinung nach gewöhnliche Anschauung über eueron, als sei er nichts weiter denn ein „herrlicher Kindskopf" und ein „höchst fideler Optimist" gewesen. Wir unsererseits finden nicht, daß Äilieneron wirklich vom Herzen seines Zeitgenossen so kindisch tmd oberflächlich kritisiert wird, wie Dehmel meint. Wir stimmen ihm aber gern bei, toenn Dehmel meint, daß man endlich auch in Deutschland begreifen möge, ein poetisches Naturell sei umso wirksanier organisiert, je mehr Widersprüche es in sich vereint. ____________ ! Als er sie nach seiner Wckkehr aus Amerika 1877 MN ersten Mal wiedersah, schrieb er an seinen Freund: „6 Jahrs sind verfl " ° sie in dem Hause ihrer -------... -- ------ , • meiner Natur nicht zutrauen, aber es ist so: ist habe nur sie geliebt. Mein ganzes Leben hat nur ihr gegolten. Als sie sich mit einem anderen verlobt hatte — da erst machte ich in einem Jahre 10000 Th. Schulden. Sie Ivar es Nur auf wenige Monate, und nur auf Wunsch ihres Vaters. Aber sie ertrug es nicht — und auch! sie hat nur mich geliebt. Mich hielt es nicht in Amerika, und kaum hatte ich den Fuß aus europäischen Boden gesetzt, fo schrieb ich ihr wieder. Nun sah ich sie im elterlichen Hause wieder, vor 8 Tagen, in G. (Zu der Reise wollte ich hauptsächlich Dich um Geld damals bitten.) Der Vater ist gestorben, ihre totberen Schwestern sind verheiratet. — Jetzt ist sie 21 Jahr. Ach! Baron, sie ist bezaubernd — bezaubernd. Der Kardinalerzbischof Fürst Schwarzenberg, der sie in Deplitz kennen lernte, wo sie mit ihren Eltern im Bade war, nannte ne: die Madoune von Schlesien. Seit der Zeit hat sie den Namen. Dabei ist sie gescheit und geistreich: und was das Beste ist, und worauf es doch schließlich ankommt, sie hat ein so vortreffliches Herz. Die mir (Dir wohl auch meistens noch) bekannten Offiziere des 19. Regiments in G. sagten mir, daß ein langjähriges Rätsel gelöst sei; keiner hätte begreifen können, daß sie niemanden anSzeichue. Nun fei das Rätsel gelöst. Man spräche in G. und Schlesien m diesen Tagen nur von mir. — Leider ist jar kein Geld Vorhanden, und so habe ich, von meiner Seite her, eine Verlobung noch nicht proklamiert. Sie will natürlich mich gleich heiraten und sofort in das erste beste armselige Hütt- lein eintreten; aber ich habe die Verantwortung. So habe ich auch der Mama und mir geschworen, unter einem jährlichen Einkommen von 800 bis 1000 Talern nicht an Heirat zu denken. Mer wie unglücklich ist das. Nun quäle ich mich und sie seit sechs Jahren. Mein ganzes Leben hat dadurch eine andere Richtung erhalten — und immer kann mein Wunsch noch nicht in Erfüllung gehen. — Ich flehe Dich bei Nennung unserer alten Freundschaft: hilf mir, wenn möglich Interessiere, und das kannst Du, sonst keiner, dis Baronin. Erzähle ihr alles. Ich verlange natürlich kein Geld. Aber die Baronin hat ja Verbindungen, Bekannte ti. p. — die mir eine Stellung verschaffen könnten. Ich bitte Dich bei allen Heiligen, lieber Baron, stehe mir bei. Es ist ein zu hartes Schicksal für mich. [. . .1 6 Jahrs (ich hatte immer ab und zu Nachricht von ihr) haben wir Uns gequält. — Ich habe natürlich afles in Bewegung gesetzt nm eine Stellung zu erlangen. Wer es ist so schwer. Meine Konnexionen habe ich selbst leichtsinniger Weise meist aufgegeben. Wenn es nur auf die ersten Jahre wäre, nach 8—4 Jahren helfe ich mir als Schriftsteller fort. Gerade in diesem Fache ist der Anfang schwer; und Du hast keine Ahnung, was einem für Hindernisse in den Weg gelegt werden. —• Die meisten Literaten sind ein infames Gesindel, die für Geld ihre Gesinnungen und Moral verkaufen. Scheußlich. Nie einen Tropfen werde ich davon aufgeben. [.....] Dein Lilieneron." Die pekuniäre Situation Ivar die denkbar unglücklichste, und Lilieneron beschloß, Gesangslehrer in Hamburg zu werden. Aus der ganzen verzweifelten Lage erklärt sich wohl mich am leichtesten der damalige Entschluß des Dichters, zur katholischen Kirche liberzutreten, der sein Freund . Seckendorfs an gehörte. Wer er führte den Entschluß nicht Nus. Darüber und über die erste Zeit der jungen Ehe mit der geliebten Frau hier noch ein Auszug ans einem! Brief vom Jahre 1878. 52 Auflösung des LogogriphZ in voriger Nuuuner: 2 6 2 2 7 2 1 2 3 4 5 6 tisch gemacht?" bestellen, — da Arithmogripb. 4 5 griechische Gottheit. 1 2 5 6 Land in Asien, 1 eine Heidenfigur. 6 1 Verfasser bekannter Opemtexte. 7 5 6 Stadt in der Rbeiuprovinz, 5 1 kleiner Fluss. 7 5 6 7 5 landwirtschaftliches Gerät. Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörtev sollen bett Namen eines englischen Dichters ergeben. Auflösung in nächster Nummer. sagt der Sultan ironisch zu seinem Hofstaat: „Ach habe ihm wohl gesagt, hast sch ihm wintghnatg geben werbe, aber er hab mich nicht gefragt, wann das sein wird: wir haben also noch Viel Zeit!" Von allen Seiten ertönt ein Freiidengeschrei, und das Fest dauert fort. Das ist die Shene, die ich vor deut „SMftrnf der Tvlbas" spielen sah,- sie beweist, daß die Marokkaner »ms Europäer, vielleicht besser kennen, als wir sie. * Ticket. An den Einganstoreu einer Mserer leisten grasen „Jnternatroualen Ausstellungen" las man: „Inhaber von Eintrittskartenheften haben ein ganM Ticket abzug-eben " Wenn man die Kassenmänuer fragte, rvcshM« das nicht auf deutsch da stehe, so hörte man, daß diese Frage immer tviedcr gestellt! worden sei. Mit vollem Reckst ! Es gibt ja auch zahlreiche Deutsche, die selbst „internationale" Veranstaltungen betuchen, ohne Englisch zu können; die stehen aber wirklich ratlos da und wissen Nicht, was man da eigentlich von ihnen verlangt. So bat man diese Inschriften denn auch später wenigstens ontfenrt. — Wenn man dre Jnternatwnalität lemizeichnen will, muß.man bas dock auch ganz anders machen: man bringt n.icht etwa nur ein einziges fremdes Wort hinein, sondern grhmitt jedes aus einer and^rmr Sprache, also etwa so: „Possessori van ticket-blocks Iian att afgifva un billet ganzes." Liber Scherz beiseite! Würde etwa eine englische Slusstellungsleitmig an einer internationalen Ausstellung in Eiigland anschlagen: „Holders of ticket-blocks have to deliver a ivhole Eintrittskarte"?? Dieter, Brief erWrt den Zw'öck seittdr westen Reisd: irgend eins europäische Natron hat zahlreiche Beschwerden vvrznbringm Mld verlangt prompte Gemigtmmg. Der Bachadur und sein'Gefolge sind als Europäer verkleidete Studenten, und die Trachten, die sie angelegt haben, sind sv grotesk, daß man unwillkürlich lachest muß Nach der Verlesung des BegläuLtgimgsschreibcns folgen die üblichen förmlichen Begrüßungen. Aber der Gesandte ist ge-< kommen, um im Auftrage seiner Regierung recht energisch' 51t Ham dem. Er wünscht rasche Erledigung seiner Angelegenheit, während der -LMtan ihn mit schönen Worten vertröstet, indem er seins guten Absichten betont lind die feierliche Versicherung gibt, daß man sehen werde, was tun sei — später, wenn Mich den, Geist erleuchtet haben werde. Der Bachadur zieht sich mit Stolz und int Bewußtsein seines' Wertes zurück. Großer Jubel in der ganzen Versammlung. Man preist den Sultan ob dec Klugheit und Geschicklichkeit, mit der er den lästigen Vertreter einer! europäischen Nation, abgefichrt und heimgeschickt hat. Und die Festesfreude nimmt ihren Fortgang noch weit geräuschvoller als vorher. Plötzlich aber meldet man die Rückkehr des Gesandten. Soll man ihn empfangen? Das ist die Frage. Nach lebhafter Diskussion entschließt man sich, ihn vorzulassen. Sein Auge schießt Blitze und blickt gar drohend drein, imh hinter ihm schreitet ernst und maicstätisch ein Mann, der st etwas wie ein Schiss nach sich schieppt. Es ist in dar Tat eine „Fregata" und zwar eiste gewaltige Fregata, von toben bis tntteit ausgerüstet mit furchtbaren Kanonen, deren Schlünde gegen den Sultan und seinen Hof gerichtet sind. Mit dem größten Phlegma verlangt der Bachadur vom sultau eine bündige Antwort; da der Herrscher zögert ustd wieder auf später vertröstet, nimmt der Vertreter der europäischen Macht aus seiner Tasche eine Schachte! mit Zündhölzchen und schickt sich an, das 'Pulver in Brand zu stecken. Ta erhebt sich der «ultan rasch von seinem Throne und bewilligte alles, was man von ihm verlangt. Mm ist die Angelegenheit geregelt. Der Bachadur reist nach freundlichem Abschied ab; während er sich zurückzicht. sagt der Sultan ironisch zu seinem Hofstaat:. „Ich habe ihm wohl gesagt, daß ich ihm Genugtuung geben werde, aber er hat * Wahrend einer taugen «nndefpcrr? crschieik neulich m der „Kainberger Zeitung" die Anfrage: „Herr Landrat' Wann dürfen wir wieder heraus? Karo!" — Darauf folgte die Aushebung der Sperre und .eine Depesche an die Zeitung : '„Kstm darf wieder heraus-, Landrat Büchtrng," und Karo erwiderte ist der nächsten Stummer der Zeitung: „Unserem lieben Herrn Land- rat: Wan! Wau:'Wan!" , Gcwohnheitsphraie. Fran: „E-ö ist eine Schande, st spat aus dem Wirtshaus zii kommen!" — Mann (zerknirscht); "Ja, du hast recht!" — Frau: „Ruhig — widersprich mir nicht!" ™ ^Gemütlich. Gast (der ans das Essen wartet, ungeduldig): „Was haben ew denn mit meinem Frikassee noch erst am Stamm- ~ Kellner: „Ach, dm Herren wollten mich habe ich sie nur mal eben probieren lassest,'"( \ Frstu heiratete nach vier Jahren einen änderest Bauer. Ein Jahr später tauchte der erste-Gatte unerwartet wieder auf. Man schleppte die Frcm vor den Olerpriester von Kutschan, der schlug den Koran auf icud verlas das Gebot Allahs, wonach die Schuldige gesteinigt werden mußte. „Tie Menge zeigte sich aufs höchste befriedigt. Man bemächtigte sich der Sünderin und in lärmendem Aufzuge ward sie durch die ganze Stadt geführt. Barfuß, kaum bekleidet, das Gesicht entschleiert — was für die Perserin schon rine höchste Marter bedeutet, st schleppte man die Unglückliche stundenlang durch alle Straf-en und Basare, umgeben von einer' neugierigen, schwatzenden Menge, die ungeduldig auf die Gelegenheit wartete, das Urteil selbst vollstrecken zu dürfen. Wo die Aermste vorüberschritt, war fröhliche Erwartung. Sie sprach kein Mort, sie weinte nicht, sic schritt dahin, als sei sie uncmPfindlich; int Volke aber wuchs die frohe Erregung mit reder Minute und in allen Mienen spiegelte sich die grausige und barbarische Freude, binnen kurzem einen Menschen töten zu dürfen. Der Oberpriester selbst führte die Prozession, wie der Koran es verlangt. Endlich erreichte man die Richtstätte am Kirchhof. Eifrige Hände hatten bereits ein etwa ein Meter tiefes Lockt ist den Boden gegraben. Es bedurfte keiner Aufforderung, keiner Ermahnung, keines Stoßes, keiner Gewalt: Wortlos, wehrlos legte sie sich selbst in die flache Grube. Keine Klage kam von. ihren Lippen, sie legte sich hin, als gälte es, int Sande zu schlafen. Dann näherte sich der Oberpriestcr. . . Das' Opfer blieb stumm und regungslos, aber ringsum erschollen die leidenschaftlichen Rufe der wildert Menge, die ungestüm herandrängte, um' nichts von dem gräßlichen Schauspiel zu verlieren. Da erhob der Oberpriester die Hand, man sah, wie er einen großen Stein umklammert hielt und mit aller Wucht schlenderte er ihn auf den Körper der Verurteilten. Der Aufschlag des Steines auf den Menschen körper ging im fröh- Lichen Tumulte der Zuschauer verloren. Ter Geistliche hatte das Beispiel gegeben. Nun trat er zurück. Das Signal war' gegeben. Em Hagel von Steinen prasselte auf das Opfer nieder. Jeder, der einen Stein schleuderte, .begleitete den Wurf mit einem wilden Fluche. Aus der Grube aber klang nicht eimnal ein Stöhnest, retn Seufzer war zu hören; ntan sah nur, wie über dem Körper ®J® Steine sich häuften tind ihn schließlich ganz verdeckten. Kaum teme Minute hatte das gedauert. ' Der Gerechtigkeit war Genüge geschehen. Zögernd und langsam löste sich die Menge. Erst am Abend entfernte man den Steinhaitfen, der den Körper der Ge- rtchtestu mtdeckte. Ibtb wie der Koran eS verlangt, so verscharrte .man die Lerche dicht neben der Richtstätta . . ." m i.ft aus Darwins S chitk „Beagle"geworden? Bei der Feier des hundertsten Geburtstags von Darwin taucbte aucy die Frage au?, was wohl aus dem bcrübmteu Kriegsschiff „Beagle" geworden sei, aus dem der große Naturforscher seine erste entsche-dende Reise unternommen und seine ivichligstcn wistenschgftlichcn Ideen zuerst durchdacht hat. Man wußte nicht, wo daß Schiff geblieben war. Nun hat aber ein japanischer Geograph, wie ivir im Globus lesen, sestgestellt, daß das Schiff nach Japan verkauft wurde und als llebungSschiff für die Marineschule in Tsukjji diente. Im Mai 1889 wurde dann der aus Teakholz gebaute „Beagle" ineistbietend versteigert und von dem Eigentümer einer Schiffsbauanstalt erworben, der das Schiff abbrechcn ließ. Es ergab sich dann weiter, daß ein Teil des Holzes als Unterlage für einen Steinhaufen in der Nähe des Tempels von Suitengu atif dem Grundstück der Werft benutzt wordcii ivar, und man fand auch beim Nachsuchen noch einen Teil der Rippen des „Beagle", ein 1 in langes und etwa V, m breitej Siuck Teakholz. Das war alles, was von dem berühmten Schiff noch übrig war. ewtt MI? kk ast i sich er St ndentenulk. Im Pariser , ^söahlt E. Äafsier-Pvllet: Der Vertrag, der jüngst i^n^Miuister des Stetigeren/ Pichon, und M Mvchri, dmr GesandtenAitilai Hasids, zum Slbschluß gekommen mK,cmc ’ö«ette' der ich einmal in Fez beigewohnt r .^''dsimg war der .Hof des „Sultans der Dolbas". d« 'Studenten der Universität Fez, und es ist sich stdes Jahr einen Sultan wählen. Der vnt cmem Hofstaat, der eine gelungene Parodie deo echten Maghzen tst, und schlägt mit dem Hofe vor Wie r'n ^cr auf Man huldigt ihm genau so ßnLf//.1 - daghzest d. h nach allen Regeln der höfischen Etikrtte, Behörden und Körperschaften statten ihnk Besuche ab vor dast^oaar"d^^"w und cs kommt sticht selten h»/ -r c ■ ^er leibhaftige -Lultan zu ihm hinauspilaert K™/ W™. fene Reverenz zu,erwrism: das ist eine Huldigung/ die der Herrscher der chrwürdtgen muselmanischen llniversität dar- bringt. Am Hstldtgungstage finden zahlreiche Festlichkeiten statt die von der Studentenschaft schon lange vorher vorbeE werden kMe» vor dem Prachtzelt, unter dem die beiden Sultane ^ateraufsuhrungen, singt endlose Balladen, deklamiert l’erteottet .y.1 Wich und Parodien gefallene Größen » »Ernng tstgewissermaßen eine Revue der Jahresereignisst B»11 ru der Szene, die ich spielen sah: Reiter melden dem SS-.-7- demStistentemultan natürlich - die Ankunft einA überreicht einen Cinfiihrungsbrief, den der Sultan laut Vvrliest. lkrdastioi,: K. „d d.,