Samstag den 25. Aulk p ra W $ - MM kWM Mi Sommer. So hell und heilig rauscht das Korn in Sommersonntags Morgenglanz; auf schmalen Btütenpfaden geht das Gluck mit mir zum Erntetanz. Der Weg war weit und mancher Traum blieb mir an Rosenhecken hangen, doch Sonnenglut und Aehrengold ist mit mir in die Welt gegangen. Und bin ich auch vom Wandern nu'id, ich werd in Freuden weitergehen, solang in Sommersonnengold noch blonde Aehren betend stehen. Karl Neurath. Das schlafende Heer. Roman von Clara Viebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Bis an die Sumpfwiese norm' Walde, die jetzt so fest gefroren war, daß man über sie hinweg den direkten Weg nehmen konnte, hatte er sie begleitet. Weiter wollte sie sich nicht bringen lassen: nein, nein, der Vater war so streng! Wollte der Walenty wissen, Ivie es ihr, dem armen Mädel, ergangen war? Und sie hatte ihm die Wange hin- gehalten, deren weiches Fleisch die Spuren einer Züchtigung wies. Der Alte wat aber mal ein Grobian! Was konnte die Tochter dafür, daß sie hübsch war, so hübsch, daß der Herr von Chwaliborczyee ihr nachstellte und sie, da sie ihm nicht willig war, bei seiner Frau so verpetzt hatte, da.ß diese sie Knall und Fall aus dem Dienst entlassen?! Das arme Mädchen! Walentin fühlte ein inniges Mitleid und einen Zorn dazu: mußte der Grobian denn nicht ein Einsehen haben? 's war doch brav von der Stasia, vaß sie sich dem Herrn widersetzt hatte! Ach, die Stasia! Die Sternlein hatten nicht mehr allein geleuchtet, auch der Mond hatte angefangen zu scheinen und schien gerade in das liebe, runde Gesicht. Am Sumpfrand, beim Dornenstrauch, der jetzt ganz entblättert stand — nur ein Paar verschrumpelte Hagebutten waren hängen geblieben s— hatte sie ihn zum Abschied um den Hals gefaßt: „Dobra Noz"! das hieß: „Gute Nacht"! Sie hatte es mit besonderer Betonung gesagt, ihn warm dabei gedrückt, und dann war sie schnell von ihm fortgelaufen, mitten aufs Moor hinaus. Vn dessen Mitte hätte sie sich noch einmal umgedreht, ihm gewinkt, eine Kußhand zugeworfen und war dann lachend verschwunden gewesen hinter dem Kieferngeftrüpp des Waldrandes, Als Valentin seine Schlaskamlner aufsuchte oben im Giebel, lief ihm das Blut rasch durch die Adern. Der Mond schien ihm aufs Bett; es war eisig kalt in der Kammer, aber er lag, nur lässig zugedeckt, mit offenen Augen auf dem Micken und fror nicht. Vergnügt war er eigentlich immer, konnte es gar nicht begreifen, daß die Eltern so manches zu klagen hatten, aber so gut wie heute war ihm noch gar nie zumute gewesen. Des Neuen hatte er hier schon viel zu sehen und za hören gekriegt, aber das Allerneueste war doch, daß er — schon halb im Schlaf lachte er übers ganze Gesicht und spitzte dann den Mund: „Demi Buscht" daß er einen polnischen Schatz hatte! 11. Frau von Garcz-Ynska konnte es noch immer nicht verwinden, daß sie ihre Zofe verloren hatte. Das Stuben- mädchen war jetzt zu diesem Posten erhoben worden, aber es hielt gar keinen Vergleich aus Mit Stasia. Jeden Morgen flössen die Tränen der Dienerin, und die Herrin schalt und stampfte mit den Füßen, riß oft die ganze mühselige Frisur wieder auf und warf der Ungeschickten die Haarnadeln an den Kopf. Frau Jadwiga gestand sich oft mit Seufzen: diese Stasia war eine greuliche Person gewesen, leichtsinnig- verdorben, ganz gemein, aber höchst brauchbar! Die alte Nepomucena hatte viel zu tun, UM die Herrin, die der verlorenen Dienerin nachtrauerte, zur Ruhtz zu bringen. Auch Garczynski vermißte seinen Szulc. Der Inspektor hatte zu gleicher Zeit mit der Zofe den Laufpaß bekommen, darauf hatte Jadwiga bestanden: war er denn nicht der viel Schuldigere? Er hätte das Mädchen verführt! Vergebens suchte ihr Gatte ihr verständlich zu machen, daß man einem Manne mehr nachsehen könne, mehr nachsehen müsse als einer Frauensperson; es half nichts, sie bekam ihre Zufälle. Ein treffliches Zeugnis konnte Garczynski seinem Jn- spektor aber nicht versagen, zumal der so anständig gewesen war, nur noch für einen Monat sein Gehalt zu beanspruchen, das er, wäre er böswillig gewesen, für ein ganzes Vierteljahr noch hätte verlangen können. Doppelt fatal war Garczynski seine Kündigung, als ihm zu Ohren kam, daß Inspektor Szulc sich vom ersten Januar ab bet Kestner in Przyborowo verpflichtet hatte — nun hatte der den tüchtigen Kerl! Er war gereizt gegen seine Fran. Jadwiga empfand die trübseligen Wintertage trübseliger, nichts unterbrach deren Eintönigkeit. Die neunerlei Gerichte hatten auf der Weihnachtstafel gestanden, der Ge- sindemärkt in Posen war abge'halten worden, viel neues Gesinde war in Chwaliborczyce aufgezogen, überall war ein Kommen und Gehen, aber keine Stasia kam wieder. Wenn die noch dagewesen wäre, so hätte die Herrin in der Silvesternacht Blei gegossen; Stasia war immer so behend gewesen in ällerlei drolligen Auslegungen, Vergangen^ 450 — Jahr, war's da nicht ein Ritter geworden, zu Pferd wie der heilige Georg, der den Drachen niedersticht? Stasia hatte den Ritter auf den deutschen Baron gedeutet. Ach —! Frau Jadwiga konnte jetzt nur seufzen und beten. Der Vikar war ihre einzige Zuflucht. Es war zur Gewohnheit geworden, daß er, wenn der Unterricht von Boleslaw erledigt war, bei ihr eintrat. Dann sprachen sie von Musik und Literatur uud von den ewigen Zielen. Gorka hatte eine angenehme Art, über alles Mögliche zu plaudern; er war belesen und verschloß sich nicht engherzig. Jadwiga, die zwei Jahre ihrer Mädchenzeit in einem Genfer Pensionat verbracht und oft mit ihrem Vater, dem reichen Bankier, Paris und die Modebäder besucht hatte, bevorzugte die französische Literatur. Wenn sie um ein Dichtwerk herumtändelte und mit einer gewissen Naivetät und angeborenen Vorliebe bei heiklen Themen verweilte, kam oft ein unruhiges Blicken in seine Augen und eine feine Röte in seine Stirn. Aber er wußte bald— ohne daß sie es merkte, wie er Seite nach Seite umblätterte in ihrer Seele — sie fortzuführeu von dem Weg, den zu gehen, gerade mit ihm, dem Geistlichen, ihr einen heimlich aufregenden Reiz gewährte. Wo sie auch geweilt hatten, unterm Kreuz langten sie doch zum Schluffe au. Sie war oft in tiefer Zerknirschung, wenn er sie verließ — ach ja, ein Leben der Heiligen zu führen, ohne irdische Wünsche, welche Seligkeit! Frau von Garczyuska fuhr jetzt alle Woche' nach Poeiecha- Dorf zur Beichte. So stieß sie nach dem Fest der Heiligen drei Könige auf Stasia; diese trat aus der Kirche heraus, gerade als die Gnädige hineintrat. Eine fast eifersüchtige Regung durchschoß das Herz der Dame untern: kostbaren Zobelpelz — gehörte das Ohr im Beichtstuhl ihr nicht allein?! Wenigstens das wollte sie doch voraushaben vor diesem Mädchen, das sich so ausleben konnte ganz nach Gefallen! Diese Unverschämte! Nicht einmal zertüirscht hatte sie die Augen niedergeschlagen, nein, zierlich geknickst hatte sie uud mit einem raschen Blick die Toilette der Herrin gemustert. Jadwiga glaubte den Beichtstuhl noch warm zu finden; eine quälende Neugier erfaßte sie: was mochte das Mädchen alles hier durch das uni dunklen Gardinchen verhangene Gitter geflüstert haben? Was Gorka sich wohl dabei gedacht haben mochte? Ob in seine Augen da auch das unruhige Flimmern gekommen war und in seine Stirn die Röte?! Sie war erst beruhigt, als statt der schönen Stimme des Vikars das bäurische Organ des alten Propstes au ihr Ohr drang. Gorka wär zu Schäfer Dudeks Hütte gegangen. Tort ivar nun wirklich der Tod in der Stube. Gestern abend noch war die alte Nepomueena „zu Hofe" gegangen, aber heute früh war der Schäfer aufgewacht von einem harten Klopfen. Es klopfte, als schlüge einer mit einem Stein aufs Hüttendach. Da wußte Kuba Dudek: das war der Tod, der saß oben und meldete sich an. Und als er nach seiner Ehefrau guckte, saß die Ivie immer aufrecht in den Kissen — platt liegen konnte sie schon seit einem Jahr nicht mehr — und rang nach Atem; aber die Augen waren glasiger, die Nase spitzer. Er weckte die Filomena, daß sie auf die Mutter Passe, und machte sich selber auf nach Poejecha-Dorf. Der Lehrer sollte ihm nach Poznan*) cm die Michalina schreiben, daß sie schnell heimkomme, auf daß ihre Großmutter sie noch segne. Der Lehrer hatte geschrieben — einen Groschen für die Bemühung, einen Groschen fürs Papier, einen Groschen für die Postmarke — beruhigt hatte sich der Alte wieder heimbegeben wollen, da war er angerufen worden aus der Ciotka Tür. . Wollte er nicht einmal nach ihr sehen? Der Doktor ivar für nichts gut, nicht einmal Pferde und Schweine verstand de. zu kurieren! Die Ciotka hatte wahrlich lauge genug gedoktert. Da hätte sie nun ein bißchen zum Tänze aufgespielt am Heiligen-drei-Kö-nigstag, hatte beim Nachhause- geheu — da sie' ein ganz klein wenig betrunken war — nut ein Stündchen vielleicht aus beit Steinen gelegen, und nun war sie schon wieder so krank! Kält war's freilich gewesen; den Leuten, die morgeirs Bernstein uitb Kreide zur Kirche getragen hatten, um diese weihen zu lassen zum Schutz gegen böse Geister, waren die Finger erfroren. Oder ob sie vielleicht „verrufen" war?! MM hatte schon die *) Posen, Probe darauf gemacht und brennende Kohle ins Wässer geworfen. Fast sämtliche Weiber des Dorfes waren um die Ciotka versammelt, die in brennender Fieberhitze lag. Sie beteten und klagten: die Ciotka würde wohl sterben, wenn nicht die heilige Mutter Gnade gab, uud Dudek, der Alte, sie heilte! Dudek war ein wenig gekränkt: warum' hatte mau ihn denn nicht schon längst geholt, gleich damals nach der Ciotka Unfall? Da hätte die in acht Tagen wieder getanzt! Die Weiber entschuldigten sich: man hatte doch nicht gekonnt, denn der gnädige Herr aus Niemczyce hatte ja den Doktor geschickt, und er wußte doch: Doktor und Schäfer kurieren nicht zusammen! Der alte Schäfer lächelte geringschätzig: so ein jünger Mensch, wenn der auch in Büchern lesen gelernt hatte, was wußte der von den geheimnisvollen Kräften, die da lvirkteü zwischen Erde, Wässer uud Luft?! Er hieß die Weiber die Kranke auf den Bauch legen! und hieß sie daun alle rundum niederknien. Er selber machte das Zeichen des Kreuzes dreimal über die entzüudeten Wunden, wendete sich gegen Osten und sprach leise, dreimal: „Rose, ich sage dir: Geh hinaus, geh hinein. Geh in Gottes Haus hinein. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes!" Und er pustete dreimal: nun war das liebel weggeblasen! gen Sonnenaufgang. Nun ging es, woher es gekommen: zurück zu Gott, dem Allmächtigen, der es gesandt hatte. Hier hatte der Tod noch nicht auf dem Dache geklopft. Aber daheim, bei der Nepomueena, gab’S keine Besserung! mehr; man soll auch nicht 'wehren, wo der Tod geklopft hat. Dudek fand sein Weib bedeutend schwächer, als er es verlassen hatte. Er sah's an der Rase, um die hatte der Tod bereits mit dem Finger gewischt. Die Filomena saß beim Bett und verlas Erbsen; ihr zu Füßen hockte der kleine Jäsio, der Michalina Kind, und sah mit verwunderten Augen der sterbenden Urgroßmutter zu. Diese war ganz teilnahmlos, sah nicht Mann noch Tochter noch Enkelkind. Schade, daß der Brief au die Michalina schon fort war, sie hätte ruhig fern bleiben können, einen Segen kriegte sie nun doch nicht mehr. Der alte Schäfer zupfte ein Flöckchen aus seinem Schafpelz und hielt das seiner Frau an die Lippen — 'ei, die atmete noch! Aber ihre Hände, ihre Füße wären schon eiskalt. Eine grimmige Kälte ging draußen über die Flur und schnob durch alle Fugen der Hütte. Durch den großen Riß der Lehmwand hinter dem Bett.blies sie und blies dem älten Weibe ins Gesicht. Aber da- fühlte den Zugwind nicht mehr. Der Vikar kam. Da er auf die Fragen der Beichte keine Antwort mehr erwarten konnte — die müden Augen schlossen sich schon — gab er der Sterbenden rasch die letzte Oelung. Die Wachskerze, zn Lichtmeß geweiht, brannte, der kleine Meßner hinter dem Geistlichen reckte sich auf den Zehen, um ja was von: Sterben zu sehen zu kriegen, die Filomena betete laut, uud draußen vor der Tür antwortete das Gemurmel der versammelten Nachbarinnen. Es war um die Stunde, in der die Nepomueena sonst zu Hofe zu gehen pflegte, daß sie sich noch einmal belebte; Sie streckte die Arme aus, damit man ihr helfe. Wie, wollte die sich erheben, aus dem Bette steigen und wandeln?! Fast schien cs so. Und sie lallte: „Dalej" und in einem Röcheln dann noch etwas, daS man nicht mehr verstand. Unruhig glitten ihre Blicke zur Tür — einen Fuß noch streckte sie aus dem Bett, dann war's zu Ende. Run konnte sie platt liegen. Man deckte ihr ihre Plachta übers Gesicht. (Fortsetzung folgt.! Das Wandern im deutschen Lied. Von Dr. Paul Landau. Der Wandertrieb ist dem Germanen tief eingewurzelt; solche Wanderzüge, wie sie ihre gewaltigste Entfaltung in der Völkers Wanderung fanden, sind seit Anbeginn der deutschen Geschichtie häufige Erscheinungen und eine gewisse Ruhelosigkeit ist unsermi Volke noch durch das ganze Mittelalter hin geblieben, wie die zahlreichen Kreuzzuge, Jtalienfahrteu ,nnb daun die „Kriegs- reifen" nach dem Osten erkennen lassen. Bei dieser allgemeines Wanderlust des Volkes hat sich aber die Freude des Einzelnen am Wandern und Reise:: erst spät ausaebiltzek All d.ü fröhliches! 461 Gesellen, die lustigen Burschen unb rüstigen Männer, die in dieser schönen Sommerzeit den Wanberstab zur Hand nehmen und Deutschlands herrliche Gaue durchschweifen, glauben gewiß, damit einem urgermanischen Brauche zu huldigen; aber die Altvorderen; würden wohl über solch unsinniges und zweckloses Beginnen die Köpfe schütteln, denn bei ihnen drängte stets eine bestimmte Absicht, eine gewisse Notwendigkeit dazu, ihre Holzhütten nebst Frauen und Kinder auf die Wagen zu laden. Nie wird ja noch ein iin Nomadenleben befangener Stamm die Wonnen eines Körper und Geist kräftigenden Sports begreifen und die rechte Wanderfreude kann nur in einem sehr seßhaften Volk entstehen. Jur deutschen Mittelalter waren cs zunächst nur einige Stände Und Berufe, die auf eine stete Bewegung, ein Ziehen von Ort zu Ort angewiesen waren. Bei ihnen finden sich auch die ersten kümmerlichen Ansätze der Wandcrfreudigkeit, aber das llmher- streifen in Gottes freier Natur hat ihnen noch nicht die Bunge gelöst zum Hellen Jubel und Preis des Wanderns. Das geschieht erst sehr spät und die zahlreichen Wanderlieder, die heut aus aller Munde tönen und jetzt wieder vieltausendstimmig Wald und Feld durchhallen, sind erst recht jungen Ursprungs. Die erste Blüte einer deutschen Wanderpoesie finden wir in den Liedern der Vaganten, die man so ost mit unseren Studenten« Hebern verglichen hat. Ein kräftiger Marschrhythmus, der auch noch Goethe in seinen Gesellschaftsliedern anregte, tönt aus diesen lateinischen gereimten Strophen, in denen die fahrenden Scholaren von Wein, Weib und Welt singen. Aber gerade die Wanderfreudige keit, die ihnen später Poeten des 19. Jahrhunderts, wie Scheffel und Baumbach, abgedichtet haben, fehlt den „Carmina burana" völlig; sie veriveilen ausführlich bei jeder freundlichen Einladung nnb jebem Aufenthalt in Herberge und Schenke, aber über die Zeit des Marschierens, die nur Mühe und Ungemach, höchstens einmal ein Liebesabenteuer bringt, gleiten sie mit Seufzen hinweg. Wanderlieder aus jener Epoche sind die Gesänge der Kreuzfahrer, die Hymnen der Wallfahrer, die Verse der „Reutersknaben" und der Handwerker, kurz aller fahrenden Gesellen. Sie erzählen von Krieg und Glauben, von Beutemachen und Plündern, von Schlemmerei unb Dieberei, nirgeirds von Wanderlust. Am besten drückt den Typus des damaligen Marschliedes etwa der stolze Gesang der Deutschordensritter aus: „Nach Ostland wollen wir reiten. Nach Ostlaud wollen wir weit All über die grünen Heiden. Frisch über die Heiden, Da ist eine bessere Zeit." 1 i Die nicht adligen Gesellen aber, mögen es nun Landsknechte oder andere fahrende Burschen fein, müssen sich erst recht an« gelegentlich zur Wanderschaft auffordern: „Wohl auf, gut Gesell, von hinnen! Meines Bleibens ist hier nit mehr. Der Mai, der tut uns bringen Den Veiel nnb grünen Klee. Vorm Walb, da hört man singest Der kleinen Vöglein Gesang. Sie singen mit heller Stimme Den ganzen Sommer lang." Scheiben unb Meiden, trauriges Sichtrennen von der Stadt und ihrer Lust, spielt daher in allen Wanderliedern die Haupt-, rolle. Es seien nur einige der berühmtesten Abschiedslieder cm wähnt, so „Ich stund an einem Morgen", „Innsbruck, ich muß dich lassen", „Ach Gott wie weh tut scheiden!" oder von neuereat „Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus", „Nun leb wohl du kleine Gasse". Wie es aber dem Wandersmann des Mittel« alters auf seiner Fahrt ergehen konnte, davon erzählt das Lied vom armen „Schwartenhals", wohl eins der beliebtesten Wanderlieder der Landsknechtszeit. Aus dem Wirtshaus wird er herausgeworfen, weil er die Zeche nicht zahlen kann, unb muß in Dornen und Disteln übernachten. Zn Fuß schleppt er sich hin, bis ihm Gaul unb Beutel eines reichen Kaufmanns zu einer besseren Reiseform verhelfen. Auch spezifische Handwerkerstände tauchen Son im Wanderlied auf, weil sie die nicht seßhaft betriebenen anbcrgclverbe repräsentieren, so der Waffenschmied, der „jung jung Zimmergesell". Andere Berufe, wie der des Müllers, der lange Zeit als unehrlich galt, behalten den Ruf des Leichtfertig« Uustäten, auch wenn sie bereits seßhaft geworden sind. Daß „das Wandern des Müllers Lust ist", galt zunächst als gar kein Ruhmestitel, sondern als das Zeichen eines wenig Vertrauen erweckenden Charakters, unb ist erst in unserer gerechter denkendem Zeit durch Wilhelm Müllers Lied zu einem Lobspruch gemacht worden. Alle diese Volkslieder sind während des Marschierens entstanden, atmen zwar keine Wanderlust, aber doch Freilust. Begab sich die Kunstdichtung einmal auf eine Fußreise, dann tat sie es am liebsten — im Traum. So sind die Wanbergedichte ber' Meistersinger entstanden, eines Hans Sachs und Adam Puschmann, in denen ber Dichter behaglich im Bett liegt und sich von seiner Muse über AneN unb Felder ober durch dichte Wälder! führen läßt, um wunderbare Abenteuer zu erleben. „Dies Reisen, das war lustig!" ruft er bann aus, begibt er sich aber wirklich auf Reisen, dann schickt er, wie z. B. Philipp von Winnenberg in seinen „Christlichen Reuterliebern" ein Gebet zum Herrn vorauf, ahm seinen Schutzengel zu feuben „in dieser schweren Not" Und ihn „vor dem liebel zu behüten", Melissus. Schede denkt bei „Bereitung zu einer Wanderfahrt" nur an Krankheit und Tod, und Zeseu ergeht sich beim Antritt der Reise in den angenehmen Betrachtungen über die Freuden der — Rückkehr. Das klingt nicht nach großer Wanderlust und ein freundlicheres Wort Moscheroschs steht ziemlich vereinzelt. Auch im 18. Jahrhundert hat der gedankenreiche Freiherr von Creuz in seiner „Reise-Ode" keine anderen Gefühle als die von der Vergänglichkeit alles Irdischen, von der Unbeständigkeit des Menschenschicksals und den überall kauernden Gefahren. Gellerts „unzufriedener Reisender" jammert über Sturm, unb Regen. Anbere Töne, die ein neues Empfinden, eine neue Welt jubelnd aufgeschlossener Herrlichkeit verraten, erklingen erst in deut „Sturmlied", bas Goethe „Der Wanberer" auf der Landstraße zwischen Frankfurt und Darmstadt dahineilmd^ voll Wanderwonne vor sich hinsingt: „Wen du nicht verlässest, Genius Nicht der Regen, nicht der Sturm Haucht ihm Schauer übers Herz . . ." Goethe, der dem modernen Menschen eine solche Fülle neuer Genußmöglichkeiten entdeckt hat, wird in seiner inbrünstigen Hingabe an die Natur auch zum ersten Propheten und VerWndjerl der Wanderfreude. Zwar hatten schon vor ihm Klopstock und die Sänger des Hains die Bewegung in freier Luft gepriesen, nbert erst der Dichter des „Egmont" rief die Jugend zu jeder Leibesübung auf, hinaus in die Weite: „Frisch hinaus, da wo wir hingehören! Ins Feld, wo aus ber Erde dampfend jede nächste Wohltat der Natur unb durch den HimMel wehend alle Segen ber Gestirne uns umwittern, wo mir, beut erbgeborenen Riesen gleich, von ber Berührung unserer Mutter kräftiger uns in bie Höhe reißen; wo wir bie Menschheit ganz unb menschliche Begier in allen Adern fühlen." Die Gestalt des „Wandrers" beseelt einige feiner schönsten Gedichte unb noch in „Wilhelm Meisters Wanberjahren" hat er fein prächtiges Wanderlied gesungen: „Bleibe nicht am Boden haften, Frisch gewagt und frisch hinaus! Kopf und Arm mit heitern Kräften, lleberall sind sie zu Haus; Wo mir uns ber Sonne freuen. Sind wir jebe Sorge los; Daß wir uns in ihr zerstreuen. Darum ist bie Welt so groß." Seit Goethe ist erst ber „Wandrer" in unserer Dichtung heimisch; feit Goethe sprudelt unablässig der helle Born frischer Lieder, die all unser Wandern begleiten unb mit Schönheit ver'e Hären. Die Romantik nimmt den von Goethe angeschlagenen Ton sogleich auf. Tiecks „Sternbald" ist erfüllt von einem unablässigen Schweifen, einem sehnsüchtigen Wandern, das in dem Lied« Florestans Ausdruck findet: „Wohlauf, c8 ruft der Sonnenschein Hinaus in Gottes freie Welt; Geht munter in das Land hinein Und wandelt über Berg und Feld!" Dieser mehrstrophige Gesang Florestans ist das Vorbild für eins unserer bekanntesten Wanderlieder, bas „Wohlauf! noch getrunken ben funkelnden Wein!", das Justinus Kerner auf einer Wanderung in Gundelsheim am 1. Mai 1809 sang. Die unbestimmt-vielgestaltigen Gefühle der Sehnsucht und Hoffnung bei Tieck sind hier zu einem einzigen wundervollen Akkord der Wanderfreude zusamMengefaßt unb in echter Volkstümlichkeit gestaltet.. Es bauert einige Beit, bevor aus ben duinpfgärenden Sehnsuchts- Wünschen der Romantik, die in eine nebelhafte Ferne unb gestaltlose Weite drängt, sich der frische heimatssrohe Wandergeist entwickelt, der in Uhlands, Eichen dar fss unb Wilhelm Müllers Siebern lebt. In Tiecks nnb Lenaus Gedichten regt sich etwas Ungesundes, Unruhiges, Gehetztes, das schließlich Ahasver zum Symbol des „einigen Wandrers" werden läßt. Den rechten Wandermut brachte die Zeit der Befreiungskriege; die Freude am Turnen unb andere! Leibesübungen gewann auch dem Wandersport zahlreiche Anhänger. Die wichtigsten, noch heute gültigen Wcmderregeln hat Friedrich Ludwig Jahn aufgestellt. „Wandern, Zusammenwandern", so predigt er in feinen „Runenblättern", „erweckt schlummernde Tugenden, Mitgefühl, Teilnahme, Gemeingeist und Menschenliebe. Steigende Vervollkommnung, Trieb nach Verbesserung gehen daraus hervor und bie edle Betriebsamkeit, das auswärtsgeseheuö Gut in bie Heimat zu verpflanzen. Wanbern ist ein Gehen aus der Heimat in bie Fremde, aber immer in ben Marken bes Vaterlandes, um zu lernen, nach den Lehrjahren noch nachzuleruen. Die Wanderschaft ist die Bieiienfahrt nach dein Honigtaue des Erden- lcbens." So lockt z. B. auch verführerisch Platens Reiselieb:! „O wonnigliche Reiselust, An bich gedenk ich früh und spat, Der Sommer naht, der Sommer naht, Mai, Juni, Juli unb August. Da quillt empor- Da quillt empor. Das Herz in jeber Brust" Aber während hier nur bie Präludien ber Wanderlust ertönen, entfaltet sie ihre ganze Pracht und Fülle in Uhlands „Wander« Hebern", bie von Scheiben und Meiden, von Heimat und Ferne) vom „Wirte, wundermild" erzählen, in Eichendorffs Gedichten) die im „Wanderleben" einen reichen Kranz noch heute überall gelungener Lieder vereinen und in bem Liederstrauß ber ent- 452 — zückenden Novelle vom „Tangenichts" die Schönheit ber Wander- romantik unvergeßlich dargestellt haben, dann in Wilhelm Müllers durch Schubert vertonten Zyklen „Müllerlieder" und „Winter-- reise". Lieder von Eichendorfs, wie „Durch Feld- und Bnchen- hallen, bald singend, bald fröhlich still, recht lustig sei vor allem, wers Reisen lernen will" oder „Wem Gott will rechte Gunst erweisen", Müllers „Das Wandern ist des Müllers Lust", sind Gemeingut unseres ganzen Volkes geworden. Ebenso ist es mit Eichendorffs „Prager Studenten", denen sich W. Müllers „Der Prager Student" wohl anschließen könnte. Diesen Klassikern des deutschen Wanderliedes gesellen sich Emanuel Geibel mit seinem „Der Mai ist gekommen" und dem schönen „Wer recht in Freuden wandern will, der geh der Sonn' entgegen!" und Victor Scheffel mit seinem „Wohlauf, die Luft weht frisch und rein!" und denk mehr studentischen „Naus, nix als naus!": „Wenn du an Putt und Tische geschafft dich lahm ustd krumm, Zum Teufel ging die Frische samt dem Ingenium, . Dein Hirn wie zähes Leder, wie Schwarzblech hart dein Kopf; Zerstampfe dann die Feder, rerß aus, du armer Tropf! Naus aus dem Haus, naus aus' der Stadt, nix als naus!" .Auch das Volkslied hat in dieser Blütezeit der Wanderpoesiq Noch seine Blüten getrieben, z. B. in dem Liede: „Schön ist die Welt, Drum Brüder laßt uns reisen Wohl in die weite Welt, Wohin es uns gefällt." Gedenken wir unter der großen Zahl hierher gehörigen Gedichte noch einiger nicht so bekannter schöner Lieder, so ftes Rückertschen „Dem Wandersmann gehört die Welt", des Liedes von Franz Kugler „Frischer Mut, leichtes Blut ist des rüstigen Wandrers Gut", des Liedes aus Fritz Reuters „Hanne Nutest: ?>Die Wanderschaft ist schöner doch als sitzen still zu Haus", .des Roquetteschen „Ihr Wandervögel in der Luft, im Aetherglauz, im Sonnenduft, in blauen Himmelswellen, euch grüß ich als gesellen." In den „Wanderliedern" Mörickes („Entflohn sind wir er Stadt Gedränge: Wie anders leuchtet hier der Tag!") und Kellers („Glück auf! nun will ich wandern, von früh bis abends spät") ist eine dichterische Höhe gefunden, die auch die formvollendeten Gedichte Leutholds und C. F. Meyers nicht erreichen. Baumbach und Julius Wolff finb trotz vieler gern gesungener! Lieder doch nur Epigonen und auch moderne Dichter, wie Lilien- cron, Otto Julius Bierbaum u. a. finden nicht die starken Töne, die in der klassischen Zeit des Wanderliedes so. wundervoll erklangen. ____________ Vermischtes. * Hochsee-Zeitungen. Die Zeiten, da Man während einer Seereise die tägliche Zeitungskost entbehren mußte, sind, wenigstens für die großen Passagier-Schnelldampfer, endgültig Vorbei. Heute besitzt jeder dieser schwimmenden Ozeanriesen seine eigene Druckerei und seine eigene Schiffszeitung, die dank der drahtlosen Telegraphie bisweilen sogar ihre Leser an Bord ebenso prompt informieren können, wie die Blätter auf dem Lande. Tatsächlich war z. B. die „Lusitania" bei den jüngsten englischen Wahlen inistande, die Wahlresultate ihren Passagieren zur seloen Stunde gedruckt zu bringen, wie die Festlandspresse, ja manchmal kann die Schiffszeitung, weil ihre Herstellung und Auslieferung! nur kurze Zeit erfordert, sogar etwas schon früher mitteilen, als die Landratten es erfahren. Die größte englische Hochsee- Zeitung, das „Cunard Daily Bulletin“ der Cunard-Liuie erscheint in einer Auflage von 2000—2500 Exemplaren, 32 Seite» stark Und kostet 2i/2 Penny die Nummer. Die Compagnie Generale Transatlantique gibt ein „Journal de l’Atlantique“ heraus, das sogar illustriert ist. Die deutschen Schiffahrtsgesellschaften geben ihren Fahrgästen ihre Schiffszeitungen unentgeltlich: der Norddeutsche Lloyd die „Ozean-Zeitung" und die Hamburg-Amerika- Linie das „Atlantische Tageblatt", das je 16 Seiten stark und halb in deutscher, halb in englischer Sprache erscheint, * A b d u l A s i s i n E u r 0 p a. Der Exsultan von Marokko hat sein Heimatland verlassen; ursprünglich war es sein Plan, eine Wallfahrt nach Mekka zu unternehmen, aber die Reiseroute ist unsicher, die räuberischen Araber hegen Aufstandsgedanken, und so kam eS, daß Abdul Asis sich entschloß, seinen Plan zu ändern. Er reiste »ach Europa, dessen Zivilisation er in seiner Weise durch Anschaffung von photographischen Apparaten und mechanischen Klavieren schon früher seinen Tribut gezollt hatte, und landete in Marseille. Es ist das erste Mal, daß er europäischen Boden betritt; die neuen imb fremdartigen Eindrücke haben den orientalischen Gleichmut gebrochen und der braune Sultan ohne Krone schwankt in rascher Folge zwischen höchstem Staunen, kindlichem Entzücken und bangem Entsetzen hin und her. Als man ihn einlud, den Fahrstuhl zu besteigen, der zu dem Heiligtum von Notre Dame de la Garde emporführt, wich er mit entsetzten Schreien zurück und war durch nichts zu bewegen, sein kostbares Leben dem Lift anzuvertrauen. DaS Rauschen und Knarren hatte sein Geinüt mit Furcht imb Schrecken erfüllt; er zog es vor, in ber glühenben Sonnenhitze zu Fuß den steilen Hügel hinauf zu klettern. Dasselbe Entsetzen ergriff ihn, als er die Fähre betreten hatte, die die beiden Hafeuseiten miteinander verbindet. Kaum war die Brücke in Bewegung, als der Sultan mit angsterstickter Stimme flehte, man möge bock das geheimnisvolle Gefährt sofort zum Stillstand bringen. Aber den größten Schreck bekam er inmitten des höchsten Vergnügens. Den Abend war er ins VarivtS gegangen, er amüsierte sich köstlich über die komischen Bewegungen und Einfülle des Clowns, Tränen der Heiterkeit standen ihm in den Augen, und nicht geringeres Vergnügen bereiteten ihm die kleinen englischen Sängerinnen, die scharenweise mit militärischer Genauigkeit dieselben Bewegungen ausführten. Man wußte, daß der Sultan das VariStö besuchen würde und hatte insgeheim als zarte Hebet- raschung eine Blumenschlacht improvisiert. Alsbald wurde der ehemalige Herrscher von Marokko der Zielpunkt aller Kämpfer, Blumen, Buketts und zahllose duftige Projektile flogen von alle» Seiten auf den illustren Gast zci. Abdul Asis war außer sich vor Angst, er zweifelte keinen Augenblick, daß fein letztes Stündlein geschlagen habe. Hals über Kopf ergriff er die Flucht, stürzte durch die Korridore ins Freie und sprang atemlos in die erste beste Droschke, mit dem befreiten Bewußtsein, durch Geistesgegenwart einer furchtbaren Lebensgefahr entgangen zu [ein. * Eine Wanderung durch die Sahara. In London ist der Captain A. H. W. Haywood nach einer kühnen Reise, diq ihn von Westafrika quer durch die Sahara bis zum NordMide des dunklen Weltteils geführt hat, soeben eingetroffen. For- schungsdrang und Freude an der Abenteuerlichkeit seines Vor- habens waren es gewesen, die den jungen Hauptmann am 6. Januar von Free Town in Sierra Leone aufbrochen ließen. Grs folgte dem Lause des Nigers und von Timbuktu aus wollte eh in gerader Richtung nach Norden durch Afrika vordringen. „Aber die Hitze versperrte mir den Weg, ich konnte keinen Führer finden, der sich mir anschließen wollte, und man riet mir, den Weg über Goa zu wählen." Nach mühsamer Wanderung war endlich am 18. April Goa erreicht; hier mietete der kühne Reisende eist Reitkamel und vier Lastkamele. Mit einem schwarzen Boy und einem Koch, von sechs Senegalschützen begleitet, brach er in der Richtung nach Kidal auf. „Es war meine erste Bekanntschafk mit der Wüste, und bald sollte ich die Unannehmlichkeiten und Entbehrungen einer solchen Wanderung kennen lernen. Die ersten drei Tage passierten wir noch des öfteren Wasserlöcher, und diel Vegetation war verhältnismäßig üppig. Aber dann tvurden die Büsche und Sträucher immer seltener, die Hitze wuchs, stürmische Nordostwinde bliesen uns unausgesetzt Sandmengen ins Gesicht, und die Reisefreude nahm ab. In Kidal endlich verabschiedetfel ich meine Eskorte, und nur von einem arabischen Führer begleitet, trat ich den langwierigsten und schlimmsten Teil meiner Reisej an, die Wanderung nach In Salah." 800 englische Meilen Sahara waren zu durchqueren. Nördlich von Adrar kam man in eilte Wüstengegend, wo alle Spuren von Wasser aufhörten, nirgends! Holz für ein Lagerfeuer, nirgends Blätter oder Sträucher, biet den Kamelen als Nahrung gedient hätten. Der Wind nahm nicht ab, er war glühend heiß, und ohne Unterlaß schleuderte er den! Reisenden die scharfen Sandkörner entgegen. 'Der Sand drang! in Mund und Nase, die Schleimhäute bluteten, es war unmöglich, ein Zelt aufzuschlagen oder Lebensmittel zu kochen. „Die letztest zwei Tage aßen wir überhaupt nur Datteln. Das Wasser ist unseren Schläuchen begann zu faulen, es war kaum noch zu trinken, und dabei immer ber Gebanke an die Möglichkeit, den rechtest Pfad verfehlt zu haben. Von 24 Stunden waren wir 19 ohne Pause unterwegs; kaum daß wir uns täglich fünf Stunden Rast gönnten. In recht trauriger Verfassung erreichten wir endlich die Gegend von' Tanez." Das Schlimmste war damit überstanden, am 12. Juni war In Salah erreicht. Dann ging es über Uraglst nach Tugurt, und am 5. Juli, nun endlich in einem Wagen, bis nach Biskra, wo der Schienenweg den Anschluß mit betj Kulturwelt wieder herstellte. Insgesamt hat der verwegen« Wüstenwanderer 3750 englische Meilen zurückgelegt, von denen 1600 auf die nackte, wasserlose Wüste entsallen. §!at-Aufgabe. Mittelhand und Hinterhand passen. Vorhand tourniert deshalb in der Hoffnung, wenigstens einen Wenzel zu finden, um alsdann Grand zu spielen, mit folgenden Karten: ♦ 4 4 4,4 4 ♦ Vorhand wendet jedoch Treff-Sieben und findet noch Carreau» Acht. Mittelhand hat in ihren Karten 12 Augen weniger als Hinterhand. — Kann das Spiel gewonnen werden? Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Esel, Else. wedaktiou: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»