Donnerstag den 22. Dezember Ur. 200 1910 äTJTaFH MMM LLLM L»Mi ■ W-MZ Die Hüblerbaude. Nire Geschichte aus dem Riesengebirge von Jassy Torrund. (Schluß.) (Nachdruck verboten.) Unten am Brunnen trog kauert die Mutter wie gelähmt ititb tote versteinert, sie will aufstehen, doch die Beine versagen ihren Dienst, sie will rufen, aber die vertrockneten Lippen bringen nur ein heiseres Stammeln und Schluchzen hervor. T>a sehen ihre Augen, die wie verzaubert in die Glut starren, auf einmah tote aus der Erde gestampft, einen Mann vor sich stehen, einen Grenzer, der sckstittelt sie bei den Armen und schreit auf sie ein, wo die Mosel sei? Sv wirr und wüst ist ihr im Kopf — was toilt bet Mann? Wird nun die Strafe ihr heimgezahlt für alles, was sie Jahr um Jahr gegen die Grenzer gefrevelt hat und gegen Gottes Gebot? — Sie kann nicht antworten, stumm reckt sie den Arm aus und zeigt auf das Hans. Und der Mann stürzt fort, geradeswegs auf die Haustür zu. Er muß wieder zurück; aus der Stube schlagen ihm schon die Flammen entgegen, di« Wand zwischen Scheune und Haus ist zusammengestürzt; darüber gähnt ein einziges ungeheures Flammenmeer. „Rosel!" schreit er, „Rosel!" und läuft wie ein Rasender jum das Haus herum nach der Hintertür. Da sieht er die Rosel oben am Giebelfenster; sie rührt sich nicht, der- blonde Kopf lehnt gegen das Fensterkreuz, und hinter ihr in der Kammertiefe zuckt schon der rote Feuerschein. „Wart', ich komme!" schreit er hinauf in Todesangst und läuft nach der Hinterseite und reißt die lange Dachleiter herunter., Tie obersten Sprossen sind schon verkohlt von der Glut, aber Gottlob, die untern sind noch fest, und hastig schleppt er dia Leiter zum Giebelfenster und legt sie an und klettert hinauf. In ihrer Todesangst hat sich die Rosel ans Fensterkreuz geklammert, mch Mühe kostet's, die steifen Finger zu lösen. Haare Und Bart versengen dem Toni von der Glut in der Dachkammer, aber er achtet's nicht und holt sich die Rosel mitten aus Rauch Und Flammen heraus. Unter der Doppellast brechen ein paar Sprossen. Ter Toni hält mit einem Arm das Mädchen, mit dem Andern und den Füßen läßt er sich an den Stangen hinabgleiten. Schwer und betäubt liegt ihm die Rosel im Arm; er kennt das liebe Gesichte! fast nicht, so entstellt ist's von Ruß und Brand, das Haar versengt, Hände und Arme blutig. Mühsam schleppt er sich bis an den Brunnentrog und läßt sie zu Füßen der Mutter ins Gras gleiten. Hinter ihnen stürzt mit donnerndem Krachen das brennende Gebälke ein. Da fährt die Hüblern auf, reckt die Arme gen Himmel und schreit, daß es schauerlich über die Wiese gellt: „Unser Herrgott hat mich verlassen!" Und auf den stummen! Jctmmer, in den sie bisher versunken war, folgt ein erschütteriü>er Verzweislungsausbruch des armen Weibes. Alles, was sie in jahrelanger, harter Fronarbeit für sich und die Kinder aufgebaut hat, verschüttet liet's unter raucheriden Trümmern; Haus und Hof zerstört, der reiche Erntesegen vernichtet, ihr Kind jammervoll entstellt zu ihren Füßen. Aber nur minutenlang dauert dieses furchtbare Hadern mit dem Herrgott droben, der ihr alles genommen, dann ringt sich aus der Verzweiflung, die sie umkrallen will, die starke Seele des Weibes empor, die Seele, die jahrelang so schwere Lasten, getragen, die so tapfer durch Not und Tod, durch Kummer und Glend hindurchgeschritten isih ohne zu zagen, ohne zu klagen. Neben der besinnungslosen Tochter kniet die Mutter hin, toäscht feftg arme .entstellte, verbrannte GesiÄt io sanft, wie Nur Mutterhände es vermögen, und' ruft sie mit all den zärtltchertz Namen, die sie in ihrer Härte nie den Kindern gegben hatten Dem Toni, der daneben stand, kamen fast die Tränen in bul Augen. War das die Hüblern, die harte Frau, die Mannes-« arbeit vollbracht und nie mit ihren Kindern schöngetan hat? Für ihn selber hatte sie noch kein Wort gehabt; es to*at, als ob sie ganz vergessen hätte, daß er überhaupt da war. EH stand und schaute vor Ängst und heißem Erbarmen auf die Roser nieder, und endlich hielts ihn nicht mehr. Seiner eigenen Brandmunden nicht achtend, kniete er nieder und nahm ihren Kops zwischen seine großen Häiche, ganz sanft und zart. „O du arm's Dingerle," murmelte er, indes ihm die Tränen über das geschwärzte Gesicht liefen, „o mei' arm's Roserle, wach' doch auf, ich bitt' dich drum! Komm doch zu dir, mei' Herzei!" Ein paar Augenblicke lang ließ ihn die Hüblern gewähren, dann legte sie die Hand auf seinen Arm und sagte hastig: „Grenzer- Toni, ich sag' dir Dank, daß du mein Maidla gerettet hast! Das vergeb ich dir nie, so lang' ich lebe. Mehr aber darf nit feint Grenzerleut' und Pascherleut', die gehör'n einmal nit zusammen. Und die Rosel da, das is dem Richter-Ignaz feine; auf Micheli is die Hochzeit, und ich leid's nimmer, daß du so zu ihr red'st! Willst mir aber um Gott's willen noch was liebes tun, so lauft zum Förster um a bissel Arnika und Ringelrosenbutter, daß ich die Rosel doch verbinden kann. Und bitt' die Nachbarsleut' zM ein Nachtquartier und Hilf' I" Der Toni haschte nach ihrer Hand und schaute sie mit seines treuherzigen Augen an und bat, so dringend er nur konnte; „Schickt mich nit so fort, Hüblermutter! Von der Rosel kann! ich nimmer lassen, jetzt schon gar nicht, wo ich sie mir aus dem! brennenden Haus geholt hab'!" Und jetzt gerade, als ob des Toni bittende Stimme fie geweckt, rührte sich die Rosel und griff wimmernd mit beiden Händen ans Gesicht. , ,jGeh jetzt!" drängte die Mutter ungeduldig, „ich leid' nicht, daß du bei ihr bist, wenn sie wach wird. — Sie is dir nimm es gewogen seit jener Nacht." . . . Ter Toni empörte sich gegen die harten Worte der FraU; er mochte auch fühlen, daß sie nicht die Wahrheit sprach, abey er wollte nicht mit ihr streiten, jetzt nicht! Sie war ohnehin! elend genug, und Hilfe tat ihr not. So stand er auf und ging, mit einem letzten, langen Blick auf das Mädchen, das sich, voÄ Schmerzen wimmernd, auf dem Grase umherwarf. Tie Hüblern richtete sich ein, so gut sie konnte. Man hatte die Rosel, die in hohem Fieber lag und den ganzen Kopf verbunden hatte, in die Försterei geschafft. Ein altes Weiblein war. bei ihr und hütete die Schwerkranke. Die andern Hausleut!«! waren mit der Hüblern auf der wüsten Brandstätte und halfen, wie es ging; die Hüblern allen voran. Aufbauen wollte sie, wieder von vorn anfangen, die Nachbarn hatten gleich, ihre Htlfe zugesagt, und für das übrige würde der Lammwirt fchoir förgeiH,: der zukünftige Schwiegersohn. , , Sie hatten alle geretteten Habseligkeiten in einem abseits stehenden, kleinen Schuppen, den das Feuer verschont hatte, zusammengetragen. Dort hauste die Hüblern nun mit ihren drei jüngsten Kindern. Ein Glück, daß es Sommerszeit war, so konnte wenigstens das Vieh draußen bleiben! Ter Lammwirt kam und tat ganz verstört über das große Unglück. Er versprach, die Baufuhren zu stellen, denn noch vor Herbst sollte wieder aufgebaut werden. Alle wollten helfen, einen jeden jammerte das Weib, das so drm und felsS dashand tott 788 em rs wair Ickemel zurück. , „ „So, selbst geschn hast sie, unb jämnierlich sah fte aus ?" Murmelte sie schwach. „Na, da geh' nur, geh', Lammwirt! Wenn dir red’ Mädel nit mehr gut genug ist — ausdrängen werd' ich $ m Das Wort hatte ihr ans Herz gegriffen. Ihr Rosel, ihr schönes, blühendes Rosel, lind — „jämmerlich sah sie aus!" sagte der alte Liebhaber, der das Mädel sonst ttt den Himmel erhoben hatte. ~ , Der Ignaz murmelte noch allerlei: Gute Freunde konnten sie ja darum doch bleiben, und was er der Hüblern versprochen, das hielte er ihr auch. Aber sie schüttelte zu allem nur den Kopf, und sagte müde: „Nein, Lammwirt, nein! Wenn dir mein Mädel nit gut genug is, sind mir deine Fuhren schon lang' nit gut* Geh' deiner Wege, ich Helf' mir schon alleine!" Lieber hätt' er gewollt, sie >vär' ihm grob und hitzig,ge-i kommen. Ganz elend war ihtn zu Mute, als er von dannen ging.- Bielleichjt ävctr die Nacht, die nun kam, die bitterste im Leben des schwergeprüften Weibes. Nahm ihr der zürnende Herrgott droben denn alles, woran ihr Herz gehangen? Schlug, er ihr jede Hoffnung zu Nichte? Wars nicht genug, daß er ihr den Mann nahm, den Ernährer, und daß sie allein zurnckblieh mit den unversorgten Kindern? Nahm er nicht auch das Seppele, ihren Herzenstrost, den sie bis Heut nicht vergessen konnte! Und das Häusel mußte abbreimen, daß sie nicht hatte, wohin sre ihr Halupt niederlegen sollte, und die Rosel war elend geworden, daß nun keiner sie mehr mochte und kein Glück mehr für sie tarn,- so jung sie nock) war! Tenn den Toni hatte die Mutter ja selber weggejagt in ihrer Blindheit; der kam nimmer wieder, der trotzige Bursche! — Ach,- all ihr eigenes Herzeleid hatte sie standhaft ertragen, aber der Rosel ihr Unglück brach der Mutter fast das Herz. Das war ja ihr letztes geivesen, daran )te sich geklammert in ihrer Not: die Rosel war doch wenigstens gut versorgt! Wenn ihr das Aufbauen, das Wieder-vou-voru-anfangenl auch noch so unmöglich geschienen, die Hoffnung auf eine besieg Zukunft hatte sie aufrecht erhalten. Nun war ihr auch das, genommen, und für sie gabs keine Hilfe und Rettung mehr, keine! — In stummer Verzweiflung durchwachte sie die Nacht, sah die Sterne Heraufziehen und wieder erblassen und fand kernest Ausweg aus diesem Uebermaß des Kummers. Mit dem ersten Tagesgrauen war sie auf den Fußen. Arbeiten mußte sie! Was sollte anö den Kindern werden, wenn sie verzagte? Und so schaffte sie, um ihres Kummers Herr zu werden, wie sie jeden Tag ihres harten Lebens geschafft hatte. Keiichend schleppte sie die schweren, halbverkohlten Balken von der Brandstelle; die war nun bald gesäubert, auf die neue Woche sollte das Aufbanen beginnen. Aber wie? Mer wovon? —■ „'s wird schon gehen," sprach die Hüblern nach alter Gewohnheit vor sich hin, „sei ruhig, Franzt, ich schaff's Mfr!" Ach, sie glaubte ja selber nicht an das tröstliche Wort, regt nicht In der sechsten Stunde kam jemand auf dem schmalen Fnß^ Pfad stber die Wiesen gegangen. „Behüt' mich Gott, der Grenzer! murmelte die Hüblern, die ihn von ioeitem kommen sah. „Was will der nun? Is das auch wieder ein Unglücksbot'?" Nein, es war kein Unglücksbote. Er brachte das Glück. „Mutterle," sprach er in seiner treuherzigen Art nach dest ersten ungeschickt einleitenden Worten. „Ihr habt mich zwar bös fortgeschickt neulich, aber da bin ich halt wieder, und das Mal laß ich mich nit wegschicken! Ich bitt' Euch, gebt mir die Ro>el; einig sein wir zwei schon lang', und sobald ich an Wachtmeisterposten krieg', können wir heiraten. Ob sie a rotes Gesichtcl hat oder a weißes, mir is' egal. Das Herze macht's aus, rind 's Herze, das sitzt bei der Rosel am richtigen Fleck." Nichts hat die Mutter darauf sagen können, das Herz in der Brust Hat ihr gezittert, und die hellen Tränen sind ihr nur immer so runtergelaufen über das braune, vergrämte Gesicht. Denselben Tag hat sie sich ihre Rosel heimgeholt, .und aks.abmidS der Toni von seinem Reviergang znrückgekommen ist, hat die arme Rosel das verbrannte Gesicht au seine Schulter gelegt und leise gesagt: „Gut bin ickj dir ja schon lang', Toni, schon seitdem — weißt halt, seit jener Nacht bei die Heidst-einen" . . . „Scht!" spricht der Toni und hebt den Finger und lachtj „davon reden wir nit mehr, Roserle!" — Erst recht haben die Nachbarii alle zum Baudenbau mitge- Holfen, als sie gehört haben, wie's der Lammwirt mit der Hübler- Rosel gemacht. Ter Förster hat die Fuhren gestellt, und der Herr Graf in Warmbrnnn, dem all die unendlichen Wälder gehören, hat das ganze Bauholz geschenkt, und längst, ehe dep Winter kam, hat die neue Hüblerbcmde stattlich und winducher dagestanden auf den grünen Wiesen. Als dann die Rosel gesund geworden, hat sie sich ein Hevzj gefaßt 'und ist mit dem Feuernkal auf ihrer Wange in die Kreisstadt zum Landrat gegangen, ganz allein, und hat den Herrst Landrat gar schön gebeten, er soll doch nach all dem Unglück, was über die Hüblerbaude gekommen ist, der Mutter nun endlich die Konzession geben! Der Landrat war ein gutherziger Herr, die armen Leute haben ihn gedauert, und' von der Hüblern, di« sich nach des Mannes Tode jahrelang so tapfer durchgeschlagen, hat er schon früher gehört. Er versprach also der Rosel, fein bestes zu tun. Und kurz und gut, eines Tages war halt die Konzession richtig da, Und mit dem nächsten Sommer kamen auch die Fremden« Ter Landrat und seine Familie waren die ersten, die der Hüblern die Ehre taten und die Hüblerbaude in die Mode brachten, und jhnen folgten andere, und immer neue Scharen ziehen nun hin zu keins Von ihnen und doch deni Mut nicht verlor. Tie Lubler- baude war nicht versichert gewesen, ganz wieder von vorn anfangerv mußte die Frau; aber sie klagte und zagte nicht. Nwc den Richter-Ignaz schaute sie manchmal mit unruhig sorgenden Blicken an, und es war, als wenn sie ihn was fragen wollte; aber ihr Mund blieb stumm. Er kam öfter herauf; nur bei der Rosel war er noch nicht gewesen, die immer noch von der Försterin gepflegt wurde. Tie Hüblern redete ihm , auch nicht zu; ihr. hängte ja selber vor dem Augenblick, wo er sie zuerst sehen würde. Endlich aber kam der Ignaz doch in die Försterei. Rosel saß, nock, sehr schwach und Müde, auf der Bank neben der Haustür. Tie Sonne schien hell auf ihr blondes Haar, das malt ihr um die Stirn herum ganz kurz verschnitten hätte, lieber der linken Gesichtshälfte lag ein breites, schwarzes Tuch, an Armen und Händen waren noch die roten Brandmale zu sehen. Verlegen griff der Ignaz an seine Mitze; seine Dreistigkeit ließ ihn ganz im Stich, als er das arme Mädel sah. ,,^ch wollt doch mal! f-ebnt, wie dir's ergangen ist, seit dem Unglück, ftntfpytp fJV Die Rosel tat, als sähe sie seine hingehaltene Hand nicht; Me blickte zur Seite und sagte kurz: „Wenn du all die vierzehn Lag' nit kommen bist, wär's auch heut' nit nötig gewest. „Hast noch arge Schmerzen, Rosel?" Sie zuckte die Achseln. „Man nmß's halt aushalten. Der Lammwirt, der doch sonst so selbstbewußt auftrat, war ganz eingeschüchtert durch ihre frostige Art. Er stand neben ihr |mt> strich ein paarmal unbeholfen mit feinen dicken Fingern über die häßliche!», roten Flecke auf Rosels Händen. „Bleibt das Miner so?" fragte er ungeschickt. Rosel nickte. „Ja, das bleibt immer jo," sagte sie bitter. Ein schöner Liebhaber, der nichts anderes zu sagen weiß, wenn fein Mädel schier zu Tode verbrannt ist! Mit einer schnellen Bewegung zog sie das schwarze Tuch vorn Gesicht, imd der Ignaz fuhr zuriick vor dem Anblick des breiten, narbigen Brandstreftens, der schräg über Sttrn und Wange lief. „Und das bleibt auch jo, immer!" sagte das Mädchen hart. „Jemersch ne! — O du gütiger Gott! — O du arm's Rosel, wie schaust du denn aus!" stammelte der Ignaz erschreckt. Er hatte sich auf die Bank neben Rosel setzen wollen, aber es litt ihn hricht in ihrer Nähe. Er trat ein paar Schritte zurück und bat: r,Leg' das Tüchel wieder um, Rosel, ich kann's nit sehen." „Ja, denkst etwa, man wird schöner, wenn ma halb verbrennt?" spottete Rosel. „Bist ja mächtig weichherzig geworden, Lammwirt, daß du nit amol a verbrannt's Gesichte sehn kannst!" Es steckte ihr was in der Kehle, daß sie die spöttischen Worbs kaum herausbrachte. Wie eine Eingebung war's vorhin über sie gekommen, daß sie dem Richter-Ignaz einmal zeigen wollte. Wie entstellt sie war, ihm, der ihr immer so schöne Reden über ihr hübsches Gesicht gesagt — und nun, wo sie den Schreck und das Grauen aus seinen Augen las, krampste es ihr doch das Herz zusammen, daß sie die Ursache solchen Entsetzens war. , Der Lammwirt redete nicht mehr viele Worte; er lanb bald ettte Entschuldigung und machte sich davon. Heiliger Nepomuk, ‘ ' tzioch viel schlimmer mit der Rosel, als er gefürchtet Hatte! Eine solche konnte er doch unmöglich als Wirtin ins .Goldene Lamm" bringen, da liefen ihm ja die Gäste davon! Obendrein, wo die Rosel dock nichts hatte, und ihr bissel Schon- heit noch die einzige Mitgift gewesen war. Via, jetzt war's «uS mit der Liebschaft; kuriert war er gründlich von der Siojet! Es half aber nichts, der Hüblern mußte er's sagen und in gutem jnit ihr auseinander kommen. Das rabiate Weib war sonst im Stande und brockte feiner Mutter eine schöne Suppe ein! Er nahm also seinen Weg über die Hüblertviesen. Die Frau War beim Vieh und die Kinder schafften weit drübeii au der Brandstelle. Das traf sich gut. „Hüblern," sagte er nach ein paar Redensarten halb verlegen, halb von oben herab, „Euer Mädel hat all’roeil so apart getan, als wenn ich ihr nit gut g’nug wär'." Die Frau horchte auf und stellte ihren Milchkübel hastig beiseite. „Soll das ctroan heißen, daß sie dir jetzt nimmer gut genug is?" fragte sie scharf. . , Er zuckte die Achseln. „Gut g’nug, das will ich nit lagen. Uber eine Schönere könnt' ich schon brauchen als Lammwirtin," tagte er und kam sich dabei ganz diplomatisch vor. „So herum, du schlechter Mensch?" rief die Hüblern heftig ßrnt „In guten Tagen hast mit dein Mädel getan, wer $ wie sehr, und jetzt, wo sie ins Unglück gekommen is, läßt Ke sitzen? Da wird nix draus, das sag' ich dir!" , „Aber, Frau, so schreit doch nit so!" lenkte Ser Ignaz ein. Ihr könnt' mir's doch nit verdenken, wo die Rosel selber tagt, daß es immer so bleiben wird mit ihr." „Hat sie das gefaßt? Warst du hei ihr?" forschte die Hüblern erschreckt. ,»Ja, ich hab' alles gesehen," sagte trotzig der Ignaz. „Jämmerlich sah sie ans!" Da sank die Fraü wie gebrochen auf ihren medern Welk- — 799 helfen, die ( mußte er eine Fahr' kosten nichts." „ „ ,, Und wirklich, im Sommer pflückten sre häufig welche, her Onkel Professor und die junge Frau und die Kinder. Fast jeden Sonntag fuhren sie weit hinaus in den Wald und kehrten beladen mit Grün und Blüten heim. Ms wieder Weihnachten war, da trug Frau Doktor Witting schon seit einem Vierteljahr den Namen des Professors, und er verlebte einen noch viel, viel herrlicheren Christabend als im Jahre vorher. )ost ©rimntlngers schönster Weihnachtsabend. Von G. S. I. Zwei Tas« vor dem Heiligabend kam ich mit einem guten Zeugnis über das bestandene Assessoreneramen aus der Residenz zurück. Darüber herrschte Freude im alten P fair hause, ui dem die Eltern nahezu dreißig Jahre lebten unb wirkten. Am folgenden Morgen traf ein Schreiben des Justizrats Deinhard ein, der des Vaters Leibbursche war „Schicke mir," schrieb der hochangesehene Rechtsanwalt, .mach Neniahr Deinen Jungen, ich werde ihn anständig besolden. Rücktritt in den Staatsdienst soll ihm jederzeit freistehen, toenn es Deine Familie wünscht." „ „ „ . , m . „Es geht über Bitten und Verstehen," sprach der Vater. Die Mutter wischte an den Augen; die lungeren Geschwister! freuten sich doppelt auf den heiligen Christ, ich! nickst am innigsten. „Auf Silvester, wenn die Anstrengungen etwas überwundene sind, die die Christfesttage mit sich bringen, feiern >mr deine Verlobung. Wir wollen Hanna und ihre Eltern für einige Lage zu uns bitten," fuhr der Vater fort. Länger als sonst saßen wir an jenem1 Abend -usEmen. Kurz nach zehn Uhr pflegte., wir das Lager »u suchen. Diesmal war «s säst Mitternacht, als wir uns trennten, brennenden Baum, und zum erstenmal im Leben hörte er jubelnde Kinderstimmen bei einer Weihnachtsbescherunst- Er und Kathrine hatten um die Wette eingekauft, was ihnen passend erschienen war. Unb immer sah er das feine Gesicht der jungen Frau vor sich, und eine tiefe Befriedigung gewährte ihm die Erinnerung an das glückliche Lächeln, mit dem sie Abschied von ihm genommen hatte. Was der Professor heute alles lernte, ist nicht zu sagen! Er schob den Puppenwagen und band die Schleifen am Steckkissen der Wickelpuppe fest, die das Christkindchen seiner kleinen Namensschwester gebracht hatte. Er mußte ihr die Milchflasche an das Celluloidmäulchen halten unb sogar nachsehen, ob das Bettcheu auch noch trocken war, ehe Puppenmutter Christa Baby zur Ruhe brachte! Und mit Bernd mußte er ein großes stolzes Schloß bauen und ihm ' ■" ' ’ Eisenbahnwagen aneinanderkoppeln, und dann „ .. ne Fahrkarte verlangen, bis „beinah nach Rnß-- land zu Großvater und Großmutter". Unb aus dem großen Kausladen, der noch aus seiner Kinderzeit stammte, und den die Kathrine aus der Mansarde geholt, gereinigt und mit Süßigkeiten gefüllt hatte, mußte er Rosinen und Mandeln kaufen für wirkliches Geld. Als die Lichter niedergebrannt waren, als die leuchtenden Augen der Kinder kleiner wurden, überkam ihn förmliche Wehmut. Solch ein Weihnachtsabend würde ihm wohl nie wieder zuteil werden, ihm, dem Einsamen. Das Besinden der jungen Frau hob sich von Tag zu Tag. Der Professor durfte täglich ein paar Minuten 6ei ihr sein und ihr Bericht erstatten. Am vorletzten Dezember durfte er zum erstenmal die Kinder mitnehmen, die versprochen hatten, „ganz, ganz artig" zu sein. Das war ein herrliches Kiertelstündchen! Die Augen der jungen Fran strahlten, als die Kinder erzählten, daß der Onkel Professor schon zweimal mit ihnen spazierengesahren sei, und daß er gestern morgen im Hof einen großen Schneemann gebaut habe. „Unb jeden Abend erzählt er mir Geschichten, Mütterchen", berichtete Christa eifrig. Bis Mitte Januar behielt der Professor seine Pfleglinge, bann kehrte bie Mutter in ihre Häuslichkeit zurück. Sie brauchte aber noch viel Ruhe und Schonung; und es war sehr natürlich, daß Bernd und Christa täglich mehrere Stunden oben beim „Onkel Professor" verbrachten. Und ebenso natürlich war's, daß der Onkel sich jeden Mittag, wenn er aus dem Gymnasium kam, im Vorübergehen nach dem Befinden der Rekonvaleszentin erkundigte. Und daß er nie ohne ein paar frische Blumen kam, das verstand sich doch von selbst. Klein-Christa hatte ihm betraten, daß Mütterchen Blumen so gern hätte. „Aber sie kosten viel Geld," hatte Bernd verständig hinzugesetzt, „wir kaufen keine, und im Sommer pflücken wir selbst welche, die Set Bände aus der Wiese im Walde und nennen sie ein Paradies auf Erden, ein Waldidyll, ein Bergmärchen. . ..... Unb die Hüblern ist wieder aufgelebt wie eine ZwanzigiahrigÄ ttnb schafft und wirtschaftet, daß es eine Freude ist. Aber auch Wre alten Kunden, die Holzknechte, sind ihr treu geblieben, und Manchmal noch muß sie wie ein Donnerwetter unter die groben Gesellen fahren. Und nach allem ist's halt wohl kein Wunder, daß die Hüblern was Rauhes und Unfreundliches an sich hat. Aber 's ist Nur die harte Schale um einen guten Kern, s ist nur, weil das Leben mit feinem eisernen Schicksalshammer Unablässig aus ihr gehämmert hat und gesprochen: Witfrau, werde hart! werde hart! Da ist sie halt geworden tote ein harter Felsstein und hat stillgestanden in dem brausenden Wasser der Trübsal rings um sie her und hat nicht gewankt und nicht gezittert. Aber 's gibt auch noch einen Sonnenschein für sie, das sind die Tage, wenn Rosel die jüngere mit ihrem braunen Wachtmeister Toni und dem ganz kleinen rosigen Tondl in die Hüblerbaudo heraufkommt. Dann ist nichts mehr zu sehen von dein harten, schweigsamen Weibe, der Sonnenschein warmer Mutterliebe berttart das braune hagere Gesicht, und das kleine Tondl denkt in seiner Einfalt: Eilt besseres Großmuttel gibt's auf der weiten Welt »licht als seins. Professor Oltens weihnachtsferien. Erzählung von Betty Rjttweger, (Schluß.) So, nun konnte er endlich an seine Arbeit gehen. Merlei Geisterchen trieben ihr Wesen in der stillen Gelehrtenstube. Erinnerungen an Kindheit unb Elternhaus weckten sie in ihrem Bewohner auf, an buftenbe Wachskerzen unb Weihttachtsb ackwerk, an milde Vater- und strahlende Mutteraugen. Dann wieder führten sie ihn an ein Krankenbett, und er sah das zarte Antlitz der jungen Witwe auf weißen Kissen vor sich. Ein wohliges Gefühl kam über ihn, wenn er daran dachte, daß sie beim Erwachen hören würde, ihre Kinder seien in guter Obhut. Und er schämte sich ein bißchen, denn ohne die Kathrine würde er ja nimmermehr daran gedacht haben, sich der verlassenen Geschöpfchen anzunehmen. „Herr Professor," unterbrach die Stimme der Getreuen dieses Geisterspiel — „kommen Sie man unb reichen Sie mir das Baumzeug zu." Da war's mit dem Nachdenken vorbei, und als nach einer Stunde der Christbaum in vollem Schmuck prangte, sank der Professor todmüde auf sein Lager und schlief traumlos bis zum Morgen. Sobald es anging, wanderte er am folgenden Tage wieder zum Krankenhaus. Der Arzt empfing chn mit der Nachricht, daß das Bewußtsein der Patientin wiedergekehrt fei; der Zustand, wenn auch nicht gerade bedenklich, erfordere doch längere Bettruhe und sorgsame Pflege. „Frau Dr. Witting möchte Sie gerne sprechen, Herr Professor. Ich wollte es ihr nicht abschlagen, um sie nicht zu erregen. Aber der .Besuch darf nur Minuten währen." Der Professor stand dann am Krankenbett unb sah in Wirklichkeit, was am Abend vorher nur Vision gewesen: ein schmales, feines Antlitz auf weißen Kissen. Ganz nahe mußte er ans Bett treten, um die leise Stimme zu verstehen, die nun sprach: „Ich möchte Ihnen danken, Herr Professor, daß Sie sich meiner Kinder angenommen haben. Sie glauben nicht, welche Beruhigung das für mich ist. Ich will mir auch Mühe geben, ganz schnell wieder gesund zu werden. Bitte, grüßen Sie meine Lieblinge und sagen Sie ihnen, Christkindchen käme etws später." „O, Frau Doktor, meine alte Kathrine möchte so gern den Kindern eine kleine Bescherung — ich hab' schon den Christbaum — und wenn Sie nicht dagegen sind —" „Dagegen? Aber nein — nur, es ist zu viel Güte. Eine solche Störung für Sie „Aber ich bitte Sie, Frau Doktor, es sind ja Ferien!" Die junge Frau sah ihn unter Tränen lächelnd an: ^Tausend Dank, Herr Professor! Ich hoffe, Bernd unb Christa werden artig fein und Ihnen nicht zu viel Mühe Machen. Und nun hab' ich noch eine Bitte: Wollen Sie meinen Eltern ein paar Zeilen schreiben und schonend von meinem Unfall berichten? Und ihnen mitteilen, daß für die Kinder gesorgt ist?" Der Professor notierte sich gleich bie Adresse. Dann Mahnte der Arzt zum Gehen. Die Kranke reichte dem Professor mit matter Bewegung die heiße Hand und schloß ermüdet die Augen. Aber um ihren Mund spielte ein glückliches Lächeln. Zum erstenmal seit zehn Jähren, seit seiner Mutter Tod, stand Gerhard Olten am Christabend wieder unter einem 800 Ich öffnete leise Vas Fensttt meines kleinert Schlafzimmers Md schaute über den Pfarrgarten noch dem Friedhof und den Kirche. Eine Thuja, deren Aeste mit Schnee bestreut, stand etwa zwanzig Schritte von mir entfernt; sie sah wie verzuckert aus: ein echtes Weihnachtsbild. Grab kreuze und Denkmäler verschiedener Art schauten über die Friedhofsmauer. Deutlich vernahm ich das Ticken und Rasseln der Turmuhr. Die Mondsichel war am Untergeben. Ein einfaches Bild aus der Jugendzeit ist es, aber niemals wird es vergessen. Ich schloß das Fenster und suchte das Lager. Welch wonntgeS Gefühl, alle Examina hinter mir zu haben, sagte ich und dachte an Manna. Mitten im Vaterunser fielen mir die Auge» M II. „Hast du gehört, daß dein Schulfreund und Schützling Justus, genannt Jost Grimminger, im Sommer hierher kam, daß er heiraten und sich hier niederlassen will?" fragte der Vater am folgenden Morgen beim Frühstück. „Nein Vater, wie geht es ihm? :Der klein« Mmm ließ seit Jahren nichts mehr hören." „Jost soll ein braucksbarer Maler geworden sein," fiel di« Mutter ein; „er ist kränklich. Auf der Wanderschaft hat seine Brust gelitten." „Meine Besuche hier sind schnell gemacht, damr werbe ich Jost aufsuchen. Zum Mittagessen erscheine ich pünktlich, Mütterchen", antwortete ich und ging aus. Eine Stunde später trat ich bei Grimminger ein: er malte NN einer Turnvereinsfahne. Mit einem Jauchzer, den er in Steiermark gelernt, warf « deir Pinsel weg und sprang mir an den Hals. Ich hob ihn auf den Arm, wobei er lachte und weinte wie ein Kind. „Erzähle, wie es dir in den letzten Jahren erging, Jost!" bat ich. „Darf ich noch ,,dü" Al dem Herrn Assessor sagen?" „Mach keine Umstände Kleiner, teile mit, was du erlebt hast." „Für solch ein Freundeswort dank ich dir, also höre! 'Du weißt, daß ich nach meiner Konfirmation das Kommando über das Neuenheimer Gänsebataillon niederlegte und bei Tüncher- und Malermeister Kalthof in die Lehre trat. Das Pfeifenschneidew Md Verfemachen hatte ein Ende." „tööre Jost! unter Umständen wärest du ein Dichter geworden. Ich erinnere mich, daß sich der Schulinspektor stark verwunderte, als du bei einer Schulprüfung den Lebenslauf des hebräischen Herkules Simson in eigenen Versen vortrugsst." 1 „Dichter, geworden? Ich? Schwerlich Hans! Schwerlich scheint die Sonn vor Tag! Zeichnen, die Wände beklexen, paßte Mir besser. Dein Vater gab mir die erste Anweisung im Zeichnen, jetzt beklexe ich Hefte mid Bücher. 'Deine Mutter — Gott segn« deine Eltern, Hans! — stillte den Hunger und sorgte für Kleider, sonst wäre es dem Findling oft bitter schlecht gegangen. Wer «reine Eltern sind, weiß ich nicht." „Laß die alten Geschichten, Jost; deine Mutter soll ein« sehr schöne Person gewesen sein. Erzähle, wie es dir ber Meister Kalthof ging." „Wie es dem Leporello bei Don Juan, den ich in Mümhen oft hörte, ergangen ist: Keine Ruh bei Tag und Nacht, schrumm! Schmale Kost und gar kein Geld, schramm! Ohne deine Eltern Gott segne sie! — wäre ich aus Hunger in die Binsen gegangen. Ohne dich hätten die Neuenheimer Bauernjungen den Jost täglich vertrommelt--" „Weil er sich auf allerlei Schabernack und dergleichen Verstand, Jost!" „Hm! Dummköpfe muß man häufeln. Ohne dich märe ich stn Moosteich vers —" „Still Jost, nichts davon! Ich kam aufs Gymnasium, du gingst in hie Fremde, davon erzähle mir." „Nach überstandener Lehrzeit verschaffte mir dein Baier eine Stelle in Frankfurt, wo ich Sonntags die Handwerker- und Fortbildungsschule besuchen durfte. Dort ging mir manches Südjt auf: rch machte im Zeichnen, Malen rmd Modellieren Fortschritte. Deine Eltern — Gott segne sie —" „Auf die drei letzten Jahre kommt es mir besonders an, Jost!" „O, mein Freund! Die Knabenzeit war auch schön! Wir streiften durch die Wälder, suchten Beeren, Raupen, Schmetterlinge, prügelten freche Bauernjungen — das heißt: du — ich bekam mehr Schmisse, als ich austeilte. Trotzdem war es schön!" „Du warst immer ein lustiger Fant!" „Bins noch heute. Bei der Musterung richtete der Major eine väterliche Mahnung an mich: Geh heim, mein Sohn; heirate, ziehe Kinder, du bist militärfrei, schon wegen deiner Größe," sprach her Spottvogel. „Ich finde, daß dir noch gewachsen bist, Jost!" „Ich auch, Hans, ich besitze eine Größe, tote eine Überzwerge Bohne Geheiratet wird aber doch. Draußen wollte mich keine. Hier fand uitd „krog" ich einen liebevollen Schatz. Du weist: Jedes Töpfchen findet sein Deckelchen, pflegte der alte Gänsemichel, mein ehemaliger Lehrmeister, zu sagen und — „krog" ist ein Kernwort." -„Sehr schön, Jost, wir Wetter." _ „Von Frankfurt fuhr ich stracks «ach München, Nächdetst ich die Groschen erspart und ordentlich gelernt hatte. In München! fand ich einen gemütlichen Meister, der sich und seinen Neben- men'schen etwas gönnte. Ich lernte dort auch Karikaturen imh witzige Dinge zeichnen, wodurch Geld zu verdienen ist. An Sonn? und Feiertagen — meiner Treu, die Feiertage sind eine lobenswerte Einrichtung — rutschten wir ins Gebtrg und an di« Seen. Ich lernte etwas in der Oelrnalerei. Meister Finkel- huber behauptete: ich verstünde die Gesichtszüge der Menschen auch in den Karikaturen gut zu treffen." „Zeige mir einige Proben, Jost! Wemt du Zeil hast, mußt diu Hanna mein Bräutchen malen!" „Hurra!" schrie der Künstler und schlug ein Rad im Zimmech „Hast du auch Gauklerkünste auf deinen Kunst- und Studienreisen gelernt?" „Alles wurde getrieben, ich bin sogar ein Viertelsmeister auf der Maultrommel, weuns meine Leibspeise: Leberknödel und Sauerkohl gibt." „Soll probiert werden, bitte toeiter." „Also, es wurde Geld verdient, ich kann aber mit diesem unentbehrlichen Zeug nicht umgehen, es rutscht mir durch bi« Finger tote Quecksilber: wie gewonnen, so zeronnen!" Das steckt im Künstlerblut, Jost. Es mich eine Frau tns Haus, die mit den Groschen umgehen kann. Mer ist sie, Jost?" „Trinchen Kapesser, die fleißige Näherin." „Gut, recht gut! Ihr gebt ein passendes Pärchen." „Solch ein Wort tut wohl, Hans. Drum höre weiter! Vor anderthalb Jahren erhielt Meister Finkeihuber vom Freiherrns v. Fürstenstein in Steiermark den Auftrag, dessen Schloß aus- zumalen. Ich durste mit, es gab ein Herrenleben. Der Freiherr unterhielt sich sehr gerne mit mir, besonders gefielen ihM meine Anekdoten und Schnurrpfeifereien, auch wenn sie etwas kräftig ausfielen." „Du bist ein lieber Kerl, Jost, man kamt dir nichts übel nehmen. „Schade, daß es nicht wahr ist, Hans! Ich zeichnete beit Freiherrn zehn- oder zwanzigmal; ich verschaffte mir eine Photographie und machte darnach eine Kreidezeichnung — hier ist fiel (Schluß folgt.) Büchertisch.