Donnerstag den 22. September iKpIiH ÄWW^W Iifwolt Friedel halb-süß. Roman von Fedor von Zobeltitz. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) „Der ganze Rheingau ist da", gab er zurück. Die Antwort weckte das Interesse des Husaren. Trotz Attila, Bärenmütze und klirrendem Krummschwert: er stammte aus einer alten Weinhändlerfamilie, und was im Rheingau lebte, pflanzte rind.Kellerwirtschaft trieb, das kannte er auch. Seine Augen waren jung und sahen gut, selbst im verdunkelten Raume. Wirklich — der ganze Rheingau war da, von Biebrich bis Caub: alles, was Namen hatte. Vorn im ersten Rang die Besitzer berühmter Marken: der alte Graf Ingelfingen, der Freiherr von Langern-i Rosensteiu, der Graf Wolsrad-sAreifeneck, der Geheimrat Ebrard, der Major Keil, der Konsul Heßling. Dann wieder Herr Helldorf,, der Mann mit den breiten Schultern und dem braunroten Gesicht, neben sich seine Frau, deren blasse Engelslarve noch vor zwei Jahren die Lebewelt Berlins in Aufregung versetzt hatte, und unweit von ihm der joviale Oekonomierat Dreher, der Pfleger der Königlichen Domänen im Weingelände des Rheins. Fritz Friedel eti- kettierte in Gedanken die Plätze der Herren: Hochheimer Kirchenstück und Johannisberger Teich, Eltvitler Mondberg und Geisenheimer Dachsstein, Schloß Volkhammer Ka- binet und Rauenthaler BeerenstAuslese — und thronend über allen Schloß Jgelsberg, jene Marke, die die greise Fürstin Steinkirch-sKükula repräsentierte. Dann kam der Schaumwein, der sich seit fünfzig Jahren mit unermüdlicher Zähigkeit den Rheingau erobert hatte: Kommerzienrat Kubka, ein dicker Küfer — Jacques Spannuth der jüngere, mit dem Typus eines Legationssekretärs — die Gebrüder! Miller, der lange Rickert, der gewandte kleine Aridoliw Beuermann (in Firma Schneider und Kompagnie), der seinem heftig schäumenden „Kronprinzensekt" durch unermüdliche Reklame ein gesichertes Absatzgebiet geschaffen hatte. Und da war ja auch der „Bauer" Nidderkopp mit einem viereckigen Schädel und den listig blitzenden Augen über dick hängenden Tränensäcken — der Bauer Nidder-, kopp, wie er selbst sich mit großem Stolze zu nennen Pflegte, weil .fein Geschlecht bis auf die freien Rheingaubauerst des dreizehnten Jahrhunderts zurückreichte. Sie waren alle da, wahrhaftig der „ganze Rheingau"! An diesem ersten Festspiela'bend duftete gewissermaßen dis feine Blume des Rheinweins in dem reich geschmückten Hause;mran schlürfte sie bei Nikolais'prickelnden Weisen durch die Luft. Manche der reichen Besitzer hatten ihre Billen in Wiesbaden, wie der Graf Wolsrad-Greiseneck, der sich auf die Pflege seiner Schloß Vvlkhannner-Trau'be wie der beste Winzer verstand und auch, ein .trefflicher Kaufmann wär, 'oder wie der Geheimrat Ebrard, der bei den großen Aul- tioitett vor innerer Aufregung wie Espenlaub zu zittern pflegte, oder wie Herr Helldorf, der stämmige Sportsman', der es fertig bekommen hatte, sich noch als Vierziger vott einem niedlichen Dirnchen einfangen zu lassen, das seinen Reichtum langsam aufknabberte und ihn Schritt um Schritt dem Ruin näherbrachte. Wiesbaden selbst in seiner würdet vollen Vertretung gehörte zu dieser Weingemeinde; lag nicht der Neroberg vor seinen Toren, auf dessen .Hängen ein zarter und doch gehaltvoller Trunk zur Reife gedieh, den man int Ratskeller am besten proben konnte? — Der Bauer Nidderkopp nahm sich etwas vierschrötig aus in dieser eleganten Gesellschaft, aber alle Wetter, nannte er sich auch Bauer und fehlte seinen Kellereien der große Stil in der Architektur, den die vornehmen Herren nach dem Vorbilde Eberbachs! bevorzugten, so war er doch längst aus dem Bäuerlichen! herausgewachsen und der Schwiegervater eines Freiherrtt von Mauritius, der in Deutz bei den Kürassieren stand ! Und wie der Dickkopf sein Geschäft zu leiten wußte, davon konnte am besten der kleine bewegliche Mann erzählen, der ihm vom zweiten Rang aus verschiedenfach freundlich zugenickt hatte: Herr Ringer, der begehrteste, umsichtigste und verq ständnisvollste WeinkomMissar im Gau. Fritz Friedel lächelte wieder. Drollig! Es war wahr- hastig eilt Parterre von Königen, wenn auch nur von Herrschern in den Gemarkungen des Vinnm Rhenense. Und es war eigentlich nicht recht, daß das genealogische Gesamtbild durch einige andere Abkömmlinge derer von Rießling gestört wurde. Was drängte sich denn die Pfalz zwischen die edlen Herren, was Hessenland und das Saargebiet!?! Auch von der Mosel war man gekommen: einer aus Trarbach, einer aus Brauneberg — sieh, auch der Graf ausj Piesport und der Bürgermeister von Bernkästel! Fritz kannte sie alle: das waren die gefährlichsten Nebenbuhler des Rhein- gaus! Noch immer trank ntan ant grünen Rheine die kleinen! gezuckerten und durch Zusatz von Kohlensäure spritzig gemachten Weine der Mosel lieber denn die Traube des eigenen! Baus, als liefere der in seinen geringeren Lagen nicht auch ein wundervoll leichtes und bekömmliches Tischgetränk. Es' war der alte, sich stets erneuernde GrimM der Händler im Gau, daß gegen die Vorurteile des Publikums nicht anzu- kämpfeu war . . . Der Akt ging zu Ende, als sich durch die vorsichtig! geöffnete Parkettür noch ein verspäteter Gast einschlich. Fritz machte große Augen. Herrje, war das nicht der Herzog von Abeelen, noch vor zwei Jahren sein Eskadronschef beim Regiment, ehe der durchlauchtigste Prachtkerl sein deutsch-j belgisches Erbe angetreten hatte!? — Aber natürlich — natürlich war er es: Prinz „Ludwig der Flieger", der Patron der Luftschiffer und selbst ein großer Pilot int Reichs der Wolken, als Mensch von bezaubernder Liebenswürdigkeit, als Offizier der Schrecken seiner Vorgesetzten, als achter Herzog von Abeelen, vierzehnter Herzog zu Moranville und Limpurg, dritter Fürst von Veste-Kerkehooven und soundsovielter Graf und Herr van Rhemen, Brie, Verheyden und verschiedener weiterer Herrschaften, der glückliche Besitzer eines Vermögens, das ihn nicht in die Notwendigkeit ver- — 690 — ittwaeren ßw.te, für zweckmäßig erachtet hatte, und mit altberühmten Kaufmannshause Anton Kuh. SMö®18«e SMWSRL-H« aussetzen. Dann flog ein freundliches Lächeln über fern I war so Sitte, gleichfalls bo 9 • ^räqt er Gesicht' er drückte Fritz über den Logenrand herüber bie | JSc« ja, sagte der He^z g, „ j& onf Abwf verbot Fritz die Ant- I reden, schon um die Spannuths zu ärgern. „Wre lange 8ZMLEWMZ Ä»Ä'Äp»i Ä Ä » SlMwr -er Me *Ä »Ä ~erat. NM-nESL VVÄV.EEE., ä«“ WÄNLMHWf!- WZ^” *ro,ilcr •* ",inm T *.tt £•» ÄM» Ä ne; „er M >n« f» bekannt »er." , ' K°«,tkn»-t »n h2- "S ist nichts suw L SSt SÄkta. Maftn und Baron« reiche^ grade au, a-ron-ulstch-m «eit-t- k-mnt-n >»« hatten schon mit ihr geplaudert, o, eine ganze Menge -i nur sÄs^tweuse vorwarM^ t e{n Äe «über Frei. Idee, daß auch ein Herzog ihr huldigen wurde. Hinter | "Z jeher Bogel eine beseelte Flugmaschine. *“ÄÄÄ ÄMU *w K'SÄ hnnd an den «Ää s !*$ Arm ihres Sohnes. „Stell uns den Herzog vor," sagte sre. I U’f d/ 0 6 ö' ö 2. I Er verneigte sich leicht und gab Fritz mit den Augen Der Zwischenakt war nicht lang; erst nach dem zweiten einen Wink, ehe er die Loge verlief Auszug sollte die große Pause erfolgen: die ^eepause für | Fritz folgte ihm. Int Couloir schob der Herzog fernen dis Majestäten und die Begrüßungspause für das Pub. I ^ntt unter den des jüngeren Kameraden. „Srnd Cie liküm. „ musikalisch, Friedel halb-isüß?" fragte er. Man blieb sitzen oder ging doch nur in die Loge „$i§ aus die „Loreley" und „Was blasen die Trom. nebenan, einem Bekannten Guten Abend zu sagen. Das peten" nicht, Durchlaucht. tat auch der Herzog. Fritz erwartete rhn an der offenen I „Das beruhigt mich. Ich mochte Sre gern aus ern Tür " ' paar Minuten der Oper entziehen " Darf ich Sie mit Meinen Eltern bekannt machen, I „Stehe zur Verfügung, Durchlaucht. Die „Lustigen Durchlaucht?" fragte er. , r f Weiber" sind mir noch niemals iveggelausen. Der Herzog streifte mit den Lippen das Handschuh- I wir ins Foyer. Ich freue mich, daß ich Sie lebet der Kommerzienrätin und schüttelte Herrn Karl Au- | wiedersehe. Was macht Ihre Mieze?" gust Friedel sehr kräftig die Rechte. «i» Mm-mt hausfrauliche Tugenden an, die mich mit „Ich bin ein alter Freund Ihres Herrn Sohnes, gna- I go " ( erfüllen. Um mich aeronautisch auszudrücken: sie digste Frau," begann er, wahrend sein Auge rasch den I 0 . (£ stabil. Sie ist weniger lenkbar als Ihr Gesamteindruck der runden Schultern mit allem plastischen wwd mir auzu Mon. i Nebenbei aufnahm und seine innere Stimme daber Iprach: | [ ( te Vergessen Sie nicht, auch der ist vor. IM* »K-S«m« vor di-I-m g-d-iWq-n ***. »J» » **** Z£StB Ä »Tu benswürdiger Anteilnahme aus; unter den langen schwarzen « wieder. ee,,t.p„ Mimvern leuchtete der Glast ihres Auges. | Er nahm m dem blauen Kaoinett neben deni Foyer Fritz hat mir viel von Ihnen erzählt, Durchlaucht," I Platz und bestellte sich ein Glas Bier. Hier war man antwortete sie, „und uns schmerzliche Briese geschrieben, I ganz ungestört. als Sie das Regiment verließen. Ich glaube, er hat es I (Fortsetzung folgt.) jetzt minder gut." . , | ' „Will ich meinen," sagte der Kommerzienrat. „Rltch I ~ . Meister Hille ist ein gestrenger Herr." I Vtt SYNNÜcher. Der Herzog hob die Hände. „Ach, Sie Aermster I Von Carl I. Luther, München. U'L Hoch oben orn »erg, w di- l-tztm «r°m stch-d un« &etr von Kuhlenbeck ist in das Kriegsministerium I die Steinmeere ihre Arme nach den saftigen Werden aus- kommandiert worden," entgegnete Fritz mit ernsthafter I strecken, lag ich an heißem Sommermorgen tief zwischen Miene- er wollte fort. Gußstahl und Schokolade haben I den Alpenrosen. Ern Buch war mir langst entfallen, die nm nie vertraaen." Augen irrten träumend im Himmelsblau. ® Meelen lachte. Das Husaren-Regiment Prinz Arnulf • Da rauschte es unter mir in den Stauden, ech fl'h^ 591 Äuf. Erschrocken stand da vor mir halb aufgerichtet ein altes Wein. Oh weh, der Tag ist futsch! Blinzelnde, blöde Augen blickten wich lange gleichmütig an. Die 'Alte war grundhäßlich. Ihr zahnloser Mund schien in dem verwitterten, ledernen Gesicht keinen bestimmten Platz zu haben, sie verzog ihn zn einem tierischen Grinsen. Und dann pfiff über die fleischlosen Lippen ein kicherndes, winselndes Lachen. Herrgott, das Weib ist verrückt. Diese Augen! Sie lacht immerzu. Und dann geifert sie unverständlich ein Wort. Ich horche erstaunt: „Was?" .Die Hexe sagt's nochmals und dann verstehe ich recht: „Zytmacher, komm!" Zytmacher? das heißt Zeitmacher, was soll's wohl damit? Sie winkt mir, daß ich ihr folgen soll, zögernd erbebe ich mich vollends. Wie sie mein Buch erblickt, nickt sie befriedigt: „Zytmacher", und kichert wieder laut stuf, da sie sieht, daß ich willens bin, ihr zu folgen. Nach wenigen Schritten hebt sie eine verbeulte Blechbüchse auf. Sie sammelte Beeren. Mir war's selten zu Mute. In Unbekannter Bergeinsamkeit tappe ich einem verrückten Weibe nach! Sie {chritt rüstig aus, unbekümmert Um ihre bloßen Füße sprang ie über Stauden und gefallene Baumriesen in den beginnen- >en Wald hinein. Lumpen wabbelten um die hagere Gestalt. Zuweilen sah sie sich nach mir um und wiederholte das rätselhafte „Zytmacher". Bor einer elenden Hütte, halb Höhle, halb Biberbau, machte sie Halt. Eine niedere Tür, was sage ich, ein Loch ist der Eingang. „Zytmacher" und eine zerfahrene Handbewegung sagten mir, daß ich eintreten solle. Das wollte ich nun doch nicht. Aber die Alte bat mit flehenden Augen und Bewegungen. Und so beugte ich den Oberkörper forschend unter den Türbalken und trat, da ich nichts Verdächtiges hörte noch sah, auti)| ein. Der Boden, das fühle ich, ist feucht und morastig. Sehen kann ich vorerst nur wenig, der Raum ist stockdunkel, ohne Fenster. Durch Ritzen in Dach und Wand einfallende Lichtstrahlen blenden. Die Luft ist voll ätzendem Rauch und Gestank. Der Gestank ist dem Raun: wohl immer zu eigen, der Rauch aber entsteigt einem Aschenhaufen in einer Ecke, wo in einem Kessel eine dicke Masse brodelt. Daß mich plötzlich ein Angstgefühl beschleicht, ist der Kessel schuld: denn er drängt mir den Gedanken auf: du bist bei einer Hexe, wie du es einst in den Märchen gelesen. Hinter mir verdunkelt sich der Türausschnitt: die Hexe Äüecht herein. Unwillkürlich ziehe ich mich an die Wand zurück. Kichernd und wabbelnd richtet sich die Wte auf; in dem niederen Raum erscheint sie mir größer. Hastig geht sie auf mich zu, — mit einem Satz bin ich' zur Seite t—; und greift auf ein Gestell, das über mir an der Wand befestigt ist. Und hinter klapperndem Gerümpel holt sie einen blinkenden Gegenstand hervor, den die knöchernen Finger fest Umkrallen. „Zytmacher", sagt sie und hält mir das Ding Unteir die Augen. — — — Ein Wecker, H —eine verbeulte messingne Weckeruhr! Nun ist mir alles klar. -Daß mir das nicht früher schon einfiel! Zytmacher heißt im Dialekt jener Berge und stuch an vielen anderen Orten der Schweiz Uhrmacher. Das Wort Uhr gebrauchen sie dort selten, sie sagen Zht dafür. „Was für Zht isch es?" entspricht unserer Frage: „Wieviel Uhr ist es?" Der Beduine sieht in jedem Europäer einen Arzt; ich konnte es dem alten Weibe nicht verdenken, daß es mich t— als Städter erkannt für einen Menschen hielt, der fähig wäre, sein kostbares „Zyt" zu reparieren. So nickte ich denn der Alten bejahend zu und trat mit dem Wecker in den Lichtbereich der Türe. Mein erstes war, die Federspannung zu prüfen. Was ich vermutete, traf zu: Der Wecker war nicht aufgezogen. Wenn jetzt das Räderwerk noch gut, muß der Wecker im Augenblick zu ticken beginnen und ich dem blödsinnigen Weibe als wahrer Wundertäter erscheinen. - Ich muß gestehen, daß ich mit dem Wecker mehr Hokuspoküs machte als nötig war. Mit funkelnden Augen, aus denen jede Blödigkeit gewichen zu sein schien, verfolgte das Weib jeden meiner Griffe. Derweil zog ich nur die beiden Federn auf, stellte die Zeiger und ließ dann den Wecker abrasseln. Toll vor Entzücken tanzte die Alte in der Hütte herum', daß die Fußsohlen laut Ms dem Boden aufklatschten, und ries ein über's andere Mal: „Zytmacher!" — wobei sie das Rasseln des Weckers mit der Stimme und dem Wabbeln ihres ganzen Leibes nachzuahmen schien. Mich bedachte sie mit bewundernden Blicken. Ihr „Zytmacher" klang beinahe zärtlich. Ich erllärte ihr darauf die Federspannnng, das Stellwerk, so gut es eben ging, und ließ sie die nötigen Handgriffe und Umdrehungen ausführen. Dabei fand ich nun, daß sie nicht viel dümmer als andere ungebildete Leute ihres Schlages, der Sprache allerdings war sie fast ganz beraubt. Auch verstand sie mich zumeist nur mit Hilfe einer ganz verzweifelten' Zeichensprache. Wie sie zu dem Wecker gekommen, konnte ich nicht er-, fahren. Die Hütte besah ich mir nun genauer. Eine elendere/ armseligere -Wohnung habe ich weder früher noch seither, gesehen. Ein Heuhaufen und ein faulender Strohsack bildeten das Lager der Alten; ein großer Kessel, zwei niedere Töpfe und einige Scherben das Küchengeräte, vervollständigt durch einen Holzlöffel und ein Messer, das neben der Feuer?-, stätte in einer Mauerfuge steckte. Als ich fragend auf das seltsame grüne Gebräu ist dem Kessel deutete, sagte die Alte zweimal: „SU" und führte mich hinter die Hütte, wo sich im Schlamin eist schwarzes Schwein wälzte. Dies und eine magere Ziege waren der Armen einziges Eigentum. Im Dorf konnte ich wenig über das Weib erfahren'.. Sie sei landesfremd und vor Jahren zugelaufen Die Sennen und Holzer mieden scheu die Umgebung ihrer Hütte. Beerensuchende Kinder trauten sich nicht in die nächstest Waldbestände. Ich aber schmauste manchen Tag die leckeren Beeren, die da oben in Menge reiften. Und die Alte zeigte mir die ergiebigsten Plätze. Ein hartes Urteil über die Frauen. In den „B. N. N." spricht ein höherer Beamter der; P o st über seine Erfahrungen mit den weiblichen Beamten. Wist entnehmen den Ausführungen, die für die Frauen alles anders/ nur nicht schmeichelhaft sind, folgende besonders bezeichnende! Stellen: „Der völlige Mangel an Dienstinteresse und Diensteifer sind es, die bei weiblichem Personal eine dauernde, männliche Bc- anfsichtigung erforderlich machen. Sobald diese fehlt, stockt die Arbeit. Unter Schwatzen, Kichern und Streitereien wird haust alles vergessen. Ucberhaupt bilden Streitigkeiten und Zänkereien,, gegenseitige Verleumdungen und Angebereien anscheinend ein Lebensbedürfnis für die Frauen, welche durch äußeren Zwanig! in gemeinsamer Tätigkeit gehalten werden. Streitigkeiten und! Meinungsverschiedenheiten kommen überall vor, wo eine größerst Anzahl Menschen aufeinander angewieseu ist. Aber unter weiblichen Beamten hundertmal mehr als unter männlichen Beamtens Bei den Frauen spielt in den meisten dieser Fälle die gegenseitige Eifersucht, der Neid wegen irgend welcher körperlicher Vorzüge, wegen Kleidung und Putz eine sehr große Rolle, was bei den Männern fortfällt. Dazu kommt, daß die Fraucst an und für sich zänkischer und rechthaberischer find als die Männer. Eine wirklich unparteiische und gerechte Bcurteilung von Frauen durch Frauen gibt es überhaupt nicht oder doch mir äußerst selten. Ein treffender Beleg für diese weibliche Mißgunst und Ungerechtigkeit ist es jedenfalls, daß vor einigen Jahren die; Pariser Fernsprechgehilfinnen bei .dem Ministerium um Ab- schaffuug der weiblichen Au fsi ch t s b c a m t e n vorstellig wurden und ihren Antrag damit begründeten, daß frühest unter männlichen Aufsichtsbeamten Gerechtigkeit geherrscht hätte/ daß aber unter den weiblichen Aufsichtsbeamteu nur Parteilichkeit/ Neid und Haß vorhanden und die Verhältnisse unerträglich geworden wären. Uebcr die Arbeit und die Leistungssähigkest weiblicher Beamten läßt sich nicht viel Gutes sagen. Gewissenhaftigkeit, Gründlichkeit und Aufmerksamkeit, diese Grundbedingungen jeder ordentlichen Arbeit und jeder Tätigkeit, fehlen dcst Frauen gänzlich. Sie sind nie vollständig beider Sache/ mit der sie beschäftigt sind. Dazu kommt der Mangel an llebcr- legung und die Unfähigkeit zu intensiver Anstrengung. Wisj diesen Gründen können Frauen nur sehr einseitig verwendet! werden. Zu allen Arbeiten, die größere geistige oder körperliche Anspannung erfordern, sind Frauen nicht zu ge- brauchen, ebensowenig zu Arbeiten, bei denen es lich um Ueberlegung, UM Nachdenken, UM eigene Entschließung und Nist Entschlossenheit handelt/ überhaupt zu allen Aroeiten, diö Selbständigkeit und Verantwortlichkeit ver- 592 langen. Nur' bei einfachen, mechanischen Arbeiten, die sich, in einem gewissen Kreislauf bewegen Und immer wiederholen, können Frallen beschäftigt werden. Und wird dann der gewöhnliche nnd gewohnte Lauf der Dinge durch irgend etwas unterbrochen, dann stehen die Frauen ratlos und hilflos da und wissen sich nicht zu helfen. Dann stockt alles, weil ihnen die Fähigkeit zum Nachdenken und Ueberlegen völlig abgeht. Zu dieser Unbeholfenheit in schwierigen Lagen trägt neben dem Mangel an Ueber- legung die Gleichgültigkeit bei gegen alles, was nicht Putz, Klatsch oder die eigene werte Person betrifft. Die entsetzliche Gleichgültigkeit ist die Ursache, daß die Frauen sich immer nur das Allernotwendigste, die unentbehrlichsten Handgriffe, die dringendst erforderlichen Kenntnisstz in ihrem Berufe aneignen. Alles Uebrige wird nicht beachtet. Ein näheres Eingehen auf die Sache selbst, ein Vertrautmachen mit den Verhältnissen gibt es nicht. Jahrelang sitzt die Telegrapheu- oder Fernsprechgehilfin vor dem Apparat nnd arbeitet an ihm, ohne sich um den Bau des Apparates, um die Zusammensetzung des Systems, um den Verlauf des Stromkreises auch nur im geringsten zu kümmern. Natürlich ist sie dann auch bei der einfachsten und geringsten Störung unfähig, sich selbst zu helfen./ Und dabei werden die Gehilfinnen in durchaus genügender Weise und in demselben Umfange wie die männlichen Beamten in der . Telegraphentechnik und in der Kenntnis der Verwaltung ausgebildet. Aber diese uninteressanten Sachen sind ebenso schnell vergessen wie seinerzeit gelernt. Aber selbst tu den Tugenden, die ' als der Weiblichkeit besonders eigentümlich angesehen werden, in Ordnung und Sauberkeit, versagten die Gehilfinneiij vollständig. In den ihnen angewiesenen Garderoben- und Früh- stücksräumeu herrschten stets Unsauberkeit und Unordnung. Auf den mit Frühstücksresten bedeckten und mit allerlei Flüssigkeiten! (Kaffee, Milch, Schokolade) beschmutzten Tischen trieben sich Brenw- scheren, Brennapparate, Haarnadeln, Flaschen und alles mögliche herum. Papicrrcste waren ungeachtet der bereitstehenden Papierkörbe in alle Ecken und Winkel und unter die Tische geworfen« Und die älteren Gehilfinnen klagten ganz offen, das; sie gegen-« Über dieser Unordnung machtlos wären, daß Ermahnungen nicht beachtet würden. Recht unangenehme Mißstände ergeben sich, . sobald männliche und weibliche Beamten in denselben Räumen und''in gleicher Weise beschäftigt werden. Einerseits sind alsdann zwischen beit jüngeren Beamten und den Gehilfinnen fortgesetzt kleine Liebeleien im Gange, die auf die ordnungsmäßige Abwickelung der Arbeit ungünstig einwirken. Andererseits wird der Dienstbetrieb bedeutend erschwert und der Dienst in ungerechter, unrichtiger Weise verteilt, weil die Gehilfinnen in Berücksichtigung der geringeren körperlichen L e i st u n g s f ä h i g k e i t weniger Dienststunden haben als die männlichen Beamten, und weil sie aus sittlichen Bedenken am Nachtdienst, an Früh- und Spätdiensten nicht teil- nehmen. Somit wird der gesanite schwere und schlechte Dienst, der eigentlich gleichmäßig auf allen Schultern ruhen müßte, nur den männlichen Beamten aufgebürdet, die mit Recht über derartige Verhältnisse erbittert sind. Ueber das persönliche Auftreten und Verhalten genügt eine kurze Bemerkung. Andauernd beherrscht sie das Gefühl und die Einbildung, daß sie Damen sind. Sie können oder wollen es nicht begreifen« daß sie seit dem Augenblick, in dein sie als Mitbewerber in dein Kampfe des täglichen Lebens als Konkurrenten der Männer auftreten, k e i n e n A n s p r u ch a n f i r g e n d w e l ch e V o r r e ch t e inehr haben, daß sie nur die gleichen Rechte und ebenso die gleichen Pflichten haben wie die Männer." Das ist hart! Vermischtes. * Vom er sten Drachen. Heute ist der Drachen, jener Segler der Lüfte, der mit den Tagen unserer Jugend untrennbar verbunden ist, längst ein wertvolles Hilfsmittel der Meteorologie! geworden, die ihn zur Erforschung der höheren Luftschichten benutzt. Daß er zu anderen Zwecken aber schon in altersgrauen Zeiten Verwendung fand, erzählt Ingenieur Feldhaus in der neuesten Rümmer von „Natur und Erziehung" (Stuttgart, Franckh- sche Berlagshandlung). Es Heist da in einem Artikel übe« „Die Entwicklung der Luftschiffahrt": „Der erste, der bett Drachen in einem gebrückten Werk erwähnt, ist bet Kriegsfeuerwerkeri Schmiblap, bei in einer im Jahre 1560 geschriebenen Borrebe zu seinem Buch für eine etwaige Neuauflage bie Beschreibung in Aussicht stellt: „wie du einen fliegenden Trachen in dem lüfften Machen sollt". Es kam jedoch nicht zur Neuauflage, und deshalb Müssen wir uns bei dem Gelehrten Porta in seiner Magia Natu- lalis (1589) die erste gedruckte Beschreibung des Drachens ansehen. Porta betont übrigens bei dieser Gelegenheit auch, daß man sich auf den langsamen Niederflug mit brachenartigen Flügeln einüben könne. Es war also ein geistiger Vorläufer unseres leider so jäh verstorbenen Flugtechnikers Lilienthal. Eine weitere Beschreibung des Drachens finden wir 1636 in den mathematischen Erguickstunden von Schwenter. Kircher, der heute fast allgemein als Erfinder des Drachens gilt, beschreibt ihn erst 1646. Er erwähnt besonders sehr große Drachen, die einen Man» tragLnl können. Auch kennt er hohle Drachen, in denen ein Licht steht« Es scheint ihm aber nicht klar geworden zu sein, daß die Wärme des Lichtes dem Flugapparat einen Auftrieb geben mußte. Er bringt das Licht vielmehr nur zu dein Zwecke an, eine Inschrift! auf der Wandung des Hohldrachens durchleuchtend erscheinen Uk lassen. Er wollte einen solchen transparanten Drachen hauptsächlich anwenden, um die Heiden zu bekehren. Man sollte zu dem Zweck gewisse Worte, etwa „Gottes Zorn", auf die Drachenwandung schreiben, dann würde das Licht die Inschrift bei Nacht hoch in der Luft sichtbar machen." * Harden und d i e Nibelungen. In der neuesten literarischen Beilage der „Times" finden wir einen Aussatz über Maximilian Hardens Essay-Saminlung „Köpfe", an dessen Schluß der englische Kritiker beut deutschen Publizisten eilte artige kleine Lektion in der deuischen Heldensage erteilt. „Harden liebt es," schreibt er, „Bismarck mit bet wundervoll gezeichneten, männlichen Gestalt Hagens aus dem Nibelungenlied zu vergleichen; aber wenn er Bismarcks Bemerkungen anläßlich des Todes .der Kaiserin Friedrich zitiert und hinzusiigt: „Sprach ungefähr so nicht „Hagen an Kriemhilds Bahre?" so müssen wir dagegen einwenden, daß Hagen tatsächlich ungefähr so gesprochen haben könnte, daß ihm aber dazu leider die Möglichkeit kehlte, nachdem Kriemhild ihn hatte ermorden lassen (since Kriemhild, killed bim).“ — Manchmal schläft eben auch der gute Homer. * Kein Kenner. >A.: „Ter Wem, den Sie mir da vor'-. gesetzt haben, schmeckt aber sehr gut." — B.: „Das glaube ich; er ist aber auch 50 Jahre alt." — A.: „Donnerwetter, muß dev aber brillant gewesen fein, als er noch jung war!" * Sein Urteil. Leutnant: „Wie gefüllt Ihnen denn meine Braut, Johann?" — Bursche: „O, Herr Leutnant, als ich sie zum ersten Make gesehen, da hab' ich mir gleich gesagt: Die oder keine!" * Malitiöse Antwort. A.: „Bin ich nicht witzig heut, Herr Lehmann?" — B.: „Ja, aber Sie sollten doch sparsamen mit Ihrem Geist umgehen." Marie v. Ebner-Cschen-achs Dank. Die greise Dichterin, die am 13. d. M. ihren achtzigsten Geburtstag feierte, hat ihren Freunden in ein paar schlichtinnigen Versen für die zahlreichen Glückwünsche gedankt. Sie hat geschrieben: Sehr alt bin ich, ihr Freunde und Verwandten, und nicht tmstand, geliebte Gratulanten, zu danken so für Eure Huld und Güte, wie mich verlangt gar innig im Gemüte. Doch habt Geduld; vielleicht erscheint der Tag, an dem zu Kraft ich wieder kommen mag, nnd was ich jetzt muß still int Herzen tragen, aufjubelnd darf mit heller Stimme sagen. Laßt nur die Zeit, die liebe Zeit verfließen, ein neu Beginnen dankbar mich genießen; geraten erst in Zug die Zehn mal acht, dann fühl ich wieder mich ganz jung gemacht. Dann führt vielleicht znm Siegen noch mein Ringen und spendet, was ich heut' entbehren muß, die Fähigkeit, Euch würdig darzubringen aus voller Seele meinen Dankesgruß. Marie v, Ebner-Eschenbach. Bilderrätsel. Auflösung in nächster Nummer. Auflösuug des Kteuzrätsels in voriger Nummev DAS a g t c e a Dachshund. Agesilaos S ta hl werk u a e n o r d s k Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brtthl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«.