KM MV ML Mittwoch den 22. Juni c la w InlechalLuWbiM MU MieEenerAHeiAer WeMml-AHkizer). ’ ^0 — Nr. 95 t..... ießenekMtuttien^ Das schlafende Heer. Roman von Clara Vie big. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) tu /®er. drehte sich um nach den Fenstern des Gartenzunmers — sie waren nicht mehr erleuchtet, das Sprel hatte aufgehört. Da ging er. ■iSic Grillen im Gras unb Gemäuer zirpteu immer ungesmmer, tote 'bebend vor Liebesungeduld. Er hörte sie nicht mehr. ' 1 Als er über den dunklen Hof stieg, vorsichtig auf den «ehen, und seinen langen Rock raffte, daß die Jauche, die slo,z, den nicht bespritzte und auch nicht die blanken Schäfte ferner Kniestiefel, hörte er weder das Muhen einer Kuh nn dunstigen Stall, das, halb im Schlaf, begehrend durch die nächtliche Stille rief, noch das heisre Schnaufen des Bullen an der ihn fesselnden Kette. . Beim Futterhpeicher begegnete ihm der Stroz, der Nacht- Den Spieß vorgestreckt, die trübselige Laterne hochhaltend, daß sie doch wenigstens ein bißchen leuchte, schrie der grob den heimlichen Wandrer an: „Wer geht da? Hundeblut, verfluchter Dieb!" Aber als der alte Mann den jugendlichen Vikar erkannte, sank er zusammen wie niedergeschmettert. Seine von Nachtwachen und Schnapstrinken rotplierigen Augen verdreh en sich vor Ehrfurcht; demütig küßte er das Kleid des qe- toelhten Herrn. — Air den Hütten der Komorniks vorbei führt der Weg nach Pociecha. Wie dunkle Haufen liegen die Häuser niedrig an der Straße; selten, daß ein plattes Dach sich viel höher erhebt, als der aus Feldsteinen unsymmetrisch zusammen- getragene Wall, der zu schützen hat gegen Sturm und Schnee, gegen Kälte und Sonne. Born an der Straße ein paar halb abgestorbene Pappeln; hinter den Hütten, als einzig Ragendes, die Stange eines Ziehbrunnens, der mit seinem gen Himmel gerichteten hohen Arm, daran der Eimer hängt, ernem Galgen nicht unähnlich sieht. Alle Häuser waren dunkel; nur aus einer Stube, in der man fremde Schnitter untergebracht hatte, flinzelte Lichtschein. Die Männer hatten sich schon aufs Stroh gestreckt; mit dem roten Hemd, wie sie's am Dag getragen, angetan, die Fußsohlen gegen das Fenster gekehrt, schuarch- ten sie alle in einer Reihe. Die Weiber hatten sich noch nicht hingelegt. Sie kauerten bei der Alten um den.Kartoffelhaufen, der inmitten des Raumes auf den Estrich ge- schrittet war, und halfen ihr die Knollen abkeimen zur Morgenden Mahlzeit. Eine junge Dirne saß noch und flickte klne Männerhöse; ungeschickt hielten die müde gearbeiteten Finger die Radel. Sie flickte den Riß zusammen, tote man einen Sack flickt, und doch gab ihr das Lämpchen auch hierzu raum Licht genug. Trüb nur schwelte es durch die Stube, deren Luft dick war vom Danipf der Feuerstelle, vom kellerigen Dunst der keimenden Kartoffeln, vom Schweiß und Staub und Atem der zusammengepferchten Manner und Weiber. Aber der durchs Fenster lugende Vikar sah's befriedigtr das Lämpchen brannte unterm Muttergottesbild! Doch gleich darauf fuhr er vom uwbrigen Fenster zu- juck. Ihm war, als sei durchs trennende Glas der geschlossenen Scheibe doch etwas zu ihm durchgedrungen von der verpesteten Luft da drinnen. Verletzt rümpfte sich seine Nase. Eilig lief er, bis ihn die reine Luft der freien Felder ganz umfing. Durch die Einsamkeit tönte der zitternde Schrei eines Brachhuhns. Wie, schon Herbst? ! Unwillkürlich ver- .langsamte Gorka jetzt wieder seinen Schritt, n.hm den runoen glatthaarigen Filzhut ab und ließ den Lau, der in der großen Stille hörbar tropfte, seine Stirn kichlen. War's möglich, schrie der Brachvogel schon auf der Stoppel?! Der Sommer war vorbei, und er hatte ibn nicht gesehen, trotz Erntefeldern und Sonnenglut?! Ein flüchtiges Bedauern huschte über das ernste Gesicht und machte dessen Züge für Augenblicke jugendlich weich. Der Mund öffnete sich und sog durstig die von Grün und Tau vollsatte Luft ein. Ach, jetzt sich hinlegen, dort an den Rain unter die Feldblumen, die, wenn der Nachttau ihnen den Staub <$» gewaschen, so süß duften! Horch! Die Grillen schrillten noch immer herüber aus dem fernen Park! Sich umwendend blickte Gorka noch einmal zurück nach Chwaliborczyce. Das dunkle Herrenhaus hob' sich nicht mehr ab von der dunklen Fläche; auch der Park, die Hainbuchen und die Pappeln waren zerflossen in der Nacht, Doch jetzt blinkten zwei gelbe Pünktchen auf, sie schienen heller und heller — das waren oie Lichter im oberen Stock, rm Zimmer der gnädigen Fran! Auf einem Nebelstrahl gitterte der Glanz, flimmernd umwoben, hinaus bis in die Felder. Mit großen Augen starrte der junge Mann--jetzt hfet die Garczynska im Sessel, bereit, sich von der Zofe das lauge Haar auskämmen zu lassen! Die runden Arme des dienenden Mädchens bewegen sich zierlich — wurde nicht besser. Die Schreiberei zwifchen Geislautern und Berlin nahnt eine wahrhaft beängstigende Ausdehnung an; die Leute int Gieshause beriefen sich auf ihre Zeugen, die beweisen konnten, daß die Maschine „800ö Pfund Bomben" gezogen hatte, hüteten sich aber Wohl, in Geislautern das Anerbieten zu machen, selbst eingreifen zu wollen. Dort aber wurden mit Herttmprobieren im Laufe der Zeit nicht weniger als 1965 Taler ausgegeben —, einen Wagen aber hat diese erste deutsche Lokomotive niemals gezogen. 'Alles in allem hat sie 3167 Taler einen Silbergroschen und 9 Pfennige Kosten verursacht, und eingebracht hat sie 335 Taler 6 Silbergroschen und 7 'Pfennige — als sie nämlich im Jahre 1835 «in Trödler als altes Eisen kaufte. So kant die Saarbahn um den Ruhm, das erste Frachtstück in Deutschland mit Dampfwagen befördert zu haben, und diesen Ruhm heintste die Mirnberg-Fürther Bahn ein. Wie es sich für eine Bayerische Bahn ziemt, bestattdi diese Fracht aus zwei Fässern Bier, die der Eisenbahnwirt in Fürth bei dem Nürnberger Brauer Lederer bestellt hatte und die am 11. Juli 1836 mit der Bahn dorthin gefahren wurden, nachdem die Verwaltung auf Grund laiiger Unterhandlungen und Schreibereien die Beförderung gegen Erlag von 12 Kreuzern und unter der Bedingung gestattet hatte, daß der Wirt in Fürth zur Stelle zu sein habe, um sein Mer in Empfang zu nehmen! * Wie di e Schirm griffe „wachsen". Wenn in heißen Sommertagen die Frau im Schatten ihres Sottnenschirmes Schutz vor den glühenden Strahlen sucht oder tvenn bei strömendem Regen der sorgsame Bürger zu seinem Schirm Zuflucht nimmt, dann wird nur selten dabei daran gedacht, durch welche Mittek das Holz der Schirmstöcke zu den Bogen und Kreisen geformt wird, die man Naturgriff nennt und die sich so bequem in den Arm einhäugen lassen. Mancher hat sich schon darüber gewundert, daß das oft kräftige Holz so starke Biegungen erträgt, ohne zu brechen, aber nur wenige wissen, daß es regelrechte Forste gibt, sozusagen „Schirmgriffwälder", in denen ausschließlich junge Bäume gezogen werden, die der Schirmindustrie dienen oder zu Spazierstöcketi verarbeitet werden. Eines der größten dieser „Schirmgriffgüter" liegt zwischen Versailles und Montes bei dem Keinen Städtchen Maule int Departement Seine-et-Oise, eilt anderes in Oesterreich in der Nähe von Wien. Ein Mitarbeiter einer französischen Wochenschrift gibt eine interessante Schilderung dieser eigenartigen Industrie. Die schöngeschwungenen Schirm- griffe waren anfangs zarte, junge, Keine Bäume, Ahorn, Kastanien, Eschen, Ebereschen, Kornelkirschenbäume oder Eichen, die) mit der größten Sorgfalt von sachkundigen Waldarbeitern rin-, gepflanzt werden. Wenn das erste Jahr des Wachstums ver-i strichen ist, dann werden die Keinen Bäume an ihrem Stamme beschnitten. Die Srotte entwickelt sich so üppiger, immer wieder werden die Triebe entfernt, um das ganze Wachs tum aus die oberen Aeste zu leiten. Im Frühjahr erfahren die Bäume dann eine Art Operation, am Fuße des Stammes werden sie mit besonderen Zangen behandelt und dabei pflegt man auch auf der Rinde durch flüchtige Pressung mit zangenartigen Geräten allerlei Muster anzubringen, die später, wenn die Rinde abgeschält wird, auf dem Holze sichtbar sind. Es gi6t keinen seltsameren Anblick, als so einen Forst von jungen Bäunien mit ihren geraden, schlanken Stämmen, die kahl sind und über denen sich dann unvermittelt eine üppige Laubkrone wölbt. Oft sind die Stämme über uudi über mit wunderlichen Musterungen bedeckt, die einem naiven Naturfreunde manches Rätsel aufgeben mögen. Nach drei Jahren fällt der junge Wald, aus dem Schirmgriffe werden sollen, unter der Axt der Holzschläger. Die Zweige werden vom Laub befreit und daun zum Trocknen in die Sonne gelegt. Nun folgt ein Dampfbad aller Hölzer und dann kommen sie in die geschickten Hände kundiger Arbeiter, die durch einen besonderen Handgriff die Zweige mit einem einzigen Ruck von ihrer Rinde befreien« Das Dampfbad hat die Elastizität des Holzes erhöht, nun wird es gekrümmt, mit Drähten umsponnen, von neuem zum Trocknen, gelegt und dann sind die Krücken bereit, in die Schirm- und Stockfabriken geschickt zu werden, wo sie poliert werden und vielleicht Metallbeschläge erhalten. Aber manche Schirmgriffö werden auch in der Natur gezogen: während der Lebzeit der Bäume! werden bestimmte Aeste ring- oder kreuzförmig übereinander gebunden und bald schlingen sie sich im Wachstum so eng an-, einander, daß nach kurzer Zeit der „Naturgriff" fertig ist. Dies Verfahren ist natürlich viel umständlicher, aber die Naturgriffe werden auch höher bezahlt und die Zahl der Liebhaber ist groß, die für besonders schön verschlungene Griffe ansehnliche Preise anlegen. * Das Land der Revolver. Honduras muß ein angenehmes Land fein. Wie ein amerikanischer Kon- fulatsbericht sagt, ist das Tragen von Revolvern dort fast allgemein üblich und etwa drei Viertel aller männlichen Personen in dieser Republik sind im Besitze eines solchen Schießeisens. Die wohlhabenden Leute bevorzugen natürlich die modernsten Fabrikate, wie Browningpistolen, die übrigen aber sagen sich sehr richtig, daß man auch mit weniger kostspieligen Waffen seinen Nebenmenschen totschießen kann und begnügen sich mit Revolvern für vier und fünf Dollars. „Kein Mann ohne Revolver", hat der berühmte Hippolyt Mehles einst proklamiert, in Honduras ist sein Ideal erfüllt. Rätsel. Die erste meiner Silven spürst bu Alt überall, wo du auch gehst. 9(n jedem Ort, in Haus und Garten Du unter ihrem Einfluß stehst. Du brauchst sie absolut zum Leben, Würd' sie entzogen dir, o weh, Gar mancher würd' Millionen gebe», Hütt' er nur wieder ihre Näh. Tie zweite müssen viele haben, Jedoch nicht alle, merke dies; Doch wäre es auch diesen Schaden, Wenn es nun mancherorts wohl hieß: Hinweg damit, wir wollen lasten Beisammen, was mit ihr versandt. Es fäme wohl in großen Massen Not und Elend in manches Land. Ich wüßte zwar wohl eine Hille Mit dem, was nun das Ganze ist. Doch ist die Sache noch zu schwierig, Noch manches dran zu bessern ist. Nun bitte ich dich, rat und deute, Was damit ich dir sagen will. Man sprach davon schon viel bis heute, 's war eines großen Mannes Ziel. E, J, Auslösung in nächster Nummer i Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer? Rührei mit Schinken. Rebaftion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, ®ieße»