MO — Nr. M I ijCl W MMWW /.■Jr" nftyLaafiL «zcpu MsW^WSMH ÄS|g|| z^aiLl4j ’ciu Friedel halb-süß. Roman von Fedorvon Zobeltitz. (Nachdruck verboten.) 1. Gerade in dem Augenblick, da der Intendant mit dem Stab seiner Würde dreimal auf den Boden klopfte, um idem Publikum das Nahen des kaiserlichen Paares zu verkünden, trat Kommerzienrat Friedel in seine Loge. Das Klappen der eilfertig zugeworfenen Türe wurde von dem großen Geräusch des sich erhebenden Publikums übertönt. Das gesamte Parkett wandte sich um und der Hofloge gu; auf den Seitenbalkonen reckte man die Hälse, oben beugte man sich neugierig über die Brüstungen der Galerien herab. „Entschuldige, liebes Kind," flüsterte der Kominer- zienrat seiner Gattin zu, „ich hatte mich im Klub verspätet. Uebrigens schönsten Gruß vom Grafen Eldringen — er ist seit vorgestern wieder hier und hofft, dir in der Pause die. Hand küssen zu dürfen. . ." Frau Margot Friedel machte eine unmutige Bewegung mit den entblößten Schultern. Sie ärgerte sich über die Taktlosigkeit ihres Gatten. Immer verspätete er sich; wenn er im Klub saß, vergaß er die Stunde. Auch den Gruß des Grafen Eldringen empfand sie wie eine versteckte Bosheit. Der Mann war ihr längst gleichgültig geworden. Aber der Kommerzienrat liebte es, ihr gelegentlich einen kleinen Stich zu versetzen, zumal wenn es sich darum handelte, einer Strafpredigt ihrerseits zuvorzukommen. Karl August Friedel nickte freundlich zu seinem Sohne hinüber, dessen silberverschnürte Attila im Hintergründe der Loge lichte Farbentupfen bildete, und wandte sich dann gleichfalls mit Aufmerksamkeit dem eintretenden Kaiserpaare zu. In diesem Jahre hatte auch die Kaiserin ihren Gemahl zu den Festspielen nach Wiesbaden begleitet. Während sie sich niederließ, grüßte der Kaiser nach allen Seiten; die Köpfe im Theater neigten sich tief — von der Höhe der Galerie aus, aus der Erich von Feßler noch einen Platz gefunden hatte, sah das fast komisch aus. Dann verklangen die Fanfaren; ein Klopfzeichen des Kapellmeisters, unb die Ouvertüre zu den „Lustigen Weibern" hnb an. Sie interessierte Feßler nicht sonderlich; so lange es noch hell im Zuschauerraum war, machte ihm die Be- ?obachtung des glänzenden Bildes mehr Spaß, zu dem die reizenden Weisen Nicolais allerdings eine treffliche musikalische Illustration gaben. In der großen Hoftoge saß voran das kaiserliche Paar: die Kaiserin' in perlgrauem Damast, dessen Dessin Feßler durch seinen Stecher eifrig studierte, weil es ihn an eine Zeichnung erinnerte, die er vor zwei Jahren für das Haus Bröbant Bardoux et Fils entworfen, hatte, Neben seiner Gemahlin der Kaiser im blauen Koller der Gardeküras- fiere, den er bei den Wiesbadener Festspielen gewöhnlich, zu tragen pflegte. Aber schon glitt sein Ange weiter, nach den Logen rechts und links. Kommerzienrat Friedel beugte sich ein wenig vor, Nick seiner Frau zuzuflüstern: „Margot, sieh — da ist ja auch die alte Steinkirch! Donnerwetter ■— als käme sie direkt vom Wiener Kongreß!" r. In diesem Augenblick hatte auch Feßler das Bild der alten Dame in das Rund seines Glases gebannt. Fabelhaft interessant! Feßler fand in dem alten zerknitterten Gesicht dek Fürstin noch immer Spuren ehemaligen Reizes. _ Schön war sie ja nie gewesen, aber ungemein pikant mußte dies stumpfnasige Sonbrettenoval mit b»n großen, kecken Augen dereinst wohl in die Welt geschaut haben. Eine ganze Lebensgeschichte stand in den welkgewordenen Zügen; inan konnte sie da ablesen wie von einem vergilbten Pergament: die Wildfangjugend an der Seite des Vaters, des berühmten Grafen Lajos, des tollsten Reiters innerhalb der schwarza- gelben Grenzpfähle — die Jahre in Paris als Liebling der schönen Kaiserin, tvo sie ihre Zeit zwischen Tnilerieck und Montmartre teilte und man sie auch gelegentlich in Märmertracht in den Closeries des Lilas gesehen haben wollte — und endlich das Alter unter dem Aerger des Konkurses, der schon einmal vor hundert Jahren gedroht hatte, als der Name des berühmten Diplomaten in aller Münde lebte. Damals war die alte Benediktinerabtei, die als Schloß Jgelsberg späterhin 'das gesuchteste Rheinweinetikett bildete, dem Fürsten Ottokar als kaiserliches Lehn vermacht worden und war nun die Zufluchtsstätte der greifen Clementine Steinkirch. In der Loge, dem Platz der Fürstin gegenüber, saßen die Friedels, in deren Dienst Erich von Feßler stand. Es war ein leichter Dienst — aber, Teufel, immerhin eine Abhängigkeit! Welche der Musen läßt sich gern in das Joch spannen!? — Als Feßler sein erstes Schaumwein- Plakat für K. A. Friedel gezeichnet hatte, war er in arger Klemme gewesen. Damals hatte die Reklamewut die SchaunNveinfabrikänten des Rheingaus ergriffen. Die Kleinkunst bekam Arbeit. Kupka Söhne hatten eine neue „reservierte Füllung" eingeführt und ließen dafür von einem Münchener Karikaturisten ein ganz famoses illustriertes Inserat entwerfen; aus lallen Zeitungen grinste dem Leser der sekttrinkende Teufel entgegen, der seiner Großmutter triumphierend die Flasche zeigte, auf deren Etikett „Kupka Söhne Reservierte Füllung" deutlich zu lesen stand. Miller und Kompagnie folgten. Dann kam Spannuth mit seinem „Schwarz-Etikett" und kletterte durch die Jnseraten- spalten von hundert Zeitungen. Wahrhaftig — kletterte! Denn in allen seinen Reklamen kehrte die hängende Wein- ranke wieder, die von Gnomen oder Bacchantinnen, von Klowns. oder nackten Putten, von kurzgeschürzten Mädeln 586 oder dicken Rekruten erklettert wurde. Das war ein guter Gedanke. Wer diese Weinranke sah nut ihren lebendigen Früchten, sagte sich sofort: „Aha — Spannuth Schwarz? Etikett!" Die erkletterte Weinranke prägte sich dein Gedächtnis ein. So muß eine wirksame Reklame beschaffen fein. „Spannuth Schwarz-Etikett" kam rasch in die Mode. Merkwürdige Tatsache. Beim Rheinwein hat nimmer eine törichte Mode mitgesprochen — da kommen nur die Trauben in Betracht und die guten Jahre. Aber beim jüngsten Kinde des grünen Gaus, bei dem. schäumenden Wein, sollte es anders sein. Die großen Weinbergbesitzer, deren Schlösser uni) Villen zwischen den Rebenhängen mit erlauchten Namen auftauchen, empfanden es wie eine Entwürdigung, daß die moderne Reklame ein wildes Bacchanal an den Ufern des deutschen Stroms entfesselte, und auch der Senior von K. A. Friedel, der gleichfalls Karl August hieß und schon im achten Jahrzehnt seines gesegneten Lebens stand, empörte sich gegen ein Geschäftsverfahren, das der Vornehmheit der Tradition Abbruch tat. Aber es half alles nichts! Hier handelte es sich um die Existenz, um Kämpfen und Siegen, und die Reklame lag einmal im Zuge der Zeit. Es half alles nichts. Zwar Fritz Friedel, der Leutnant, der hübsche „Doppel-Friedel", stellte sich mit gezücktem Husarenschwert auf die Seite des Großvaters'., Auch er saud die Reklame abscheulich. Aber der, Kommerzienrat lachte ihn aus. Ahnungsloser Junge, bleib du in deiner Schwadron und in deinem Kasino und trage deine silberverschnürte Attila mit Schick weiter durch das Leben, mir kümmere dich nicht um das Geschäft! „Geschäft" — i ja, das ist ein Begriff, der sich nicht mit dem Standesgemäßen verträgt. Darauf hielt der Kommerzienrat. Fran und Sohn waren Luxusartikel, die in seinen Büchern nur auf der Ausgabenseite geführt wurden. Der Kommerzienrat war sich ganz klar darüber: die mächtig anwachfende Konkurrenz, die mit allen Mitteln arbeitete und die Welt mit ihrem dröhnenden Tamtam erfüllte, verlangte ein resolutes Gegenspiel. Die Vornehmheit wurde in den Winkel gedrückt, Reklame war Trumpf; wenn der Tropfen begehrt werden sollte, mußte das Inserat sprechen. Das Inserat — gut! Es gehört mit zum Schaufenster des Kaufmanns. Aber es darf nicht aufdringlich wirken. Und wenn es seine Stimme erhebt, darf es nicht schreien wie der Anpreiser im Warenhause, sondern seine Sprache muß künstlerische Bindung haben. Feßler war damals nach Wiesbaden gekommen, ein harmloses Leiden, das ihn nervös machte, am Kochbrunnen auszukurieren. Er hatte durch einen Zufall den Prokuristen der Firma Friedel, Herrn Kesselholz, kennen gelernt; man war vertrauter miteinander geworden und hatte gelegentlich auch über die Wein- ranken-Reklame für Spannuth Schwarz-Etikett gesprochen, die Feßler sehr wirksam fand. Und da setzte er sich eines Tages aus eigenem Antriebe hin und zeichnete ein hübsches Plakat für die neue Marke „Friedel halb-süß", die K. A. Friedel auf den Markt gebracht hatte, und schenkte es Herrn Kesselholz. Der nahm die Schenkung nicht an. Kommerzienrat Friedel kaufte den Entwurf. Er tat noch mehr. Er wollte seine neue Marke zur Weltberühmtheit erheben, die alle Konkurrenz rechts und links schlagen sollte. Er wollte zugleich der künstlerischen Reklame eine Höhe geben, die auf- falleu mußte. „Friedel halb-süß" sollte nicht nur den ver- wöhntesten Gaumen letzen und die Krone des dentschen Schaumweins werden, „Friedel halb-süß" sollte auch einen Merkpunkt in der Entwicklungsgeschichte der Kleinkunst, der angewandten Graphik bilden. So engagierte er denn den jungen Künstler auf drei Jahre für seine Firma als Zeichner. Feßler sagte Ja. Eigentlich ohne rechte Ueberlegnng. Er folgte der Eingebung des Augenblicks, weil ihm die Sache Spaß machte. ... „Friedel halb-süß" . . . Feßler sprach das, während sein Blick auf der Loge des Kommerzienrats haftete, leise aus, und es war ihm dabei, als spüre er den Schaum auf den Lippen. Aber er schmeckte ihm nicht. Die halbe Süße schien bitter geworden zu sein. Er hatte genug davon: Die 'Silberschnüre auf der Attila des hübscheu Leutnants blitzten im Glas seines Stechers. Und ihm fiel ein: „Friedel halb-süß" war ja auch der Spitzname Fritzens. Eine gute Charakteristik: der hübsche Leutnant hatte in seinem ganzen Gehaben etwas ausgesprochen Halbsüßes', Nichts Ganzes, nichts Halbes, so wie die Welt es wollte. Liebenswürdiges Schöntun im Verein mit dem unvermeidlichen Schneid. Ein Löwe der Salons, viel umschwärmt und immer lächelnd abwehrend, als sei et noch lange nicht reif für das Glück der Ehe — und dahinter der große Geldbeutel des Kommerzienrats, und darüber das englisch glatte Gesicht des Kommerzienrats, das in stillen Stunden zuweilen einen recht sorgenvollen Ausdruck aunehmen konnte... Ein letzter rauschender Akkord. Der Zuschauer raunt verfinsterte sich, der Vorhang stieg auf. — Fritz hatte sich neben seinen Vater gesetzt. Er sah ernst! aus. Er hatte daheim in seiner Garnison ein kleines Liebchen. Die Mieze machte ihm Kopfschmerzein Sie war zwei Jahre die seine gewesen; nun hielt er cs für an der Zeit, mit ihr zu brechen. Sie hatte seinen Haushalt vervollständigt; sie hatte Messerbänkchen angeschafft, «einen neu- silbernen Elefanten für die Zahnstocher und zwei Kogncik- gläser. Das waren bedenkliche Anzeichen. Sie rüstete für längere gemeinsame Fahrt. Aber daran dachte Fritz nicht. Nimmermehr! Nun es dunkel geworden war, hatte auch das Gesicht des Kommerzienrats den Ausdruck verändert. Der vornehme englische Typus, auf den er sehr stolz, war, verlor sich. Aus den Ecken des starken, genußsüchtigen Mundes flüchteten alle Geister des Hochmuts, der stählerne Glanz des Auges nahni eine bleierne Farbe an. Das Aeußere des Eroberers wurde sehr klein und fiel zusammen. Die Brust schien einzusinken, so daß das Plastron knitterte; auch Lider und Mundwinkel senkten sich. Wenn der Kommerzienrat, gern im Frack mit dem blauen Bändchen des Ordens der Zuversicht im Knopfloch, aufrecht durch die Gesellschaft ging, im Gefühl seines Kon- dottiereturns und ganz Seine Lvrdschaft, fest aus tretend, immer freundlich, doch mit, der Reserviertheit des Vielge- pflagten: nannte man ihn nicht zu unrecht einen sehr stattlichen Mann. Jetzt aber war er plötzlich alt geworden. Mit der Schlaffheit seiner Züge verband sich eine sorgende Unruhe im Blick; der Blick tupfte umher, hierhin und dorthin, und wer schärfer zugeschaut, hätte sehen können, daß das Email seines Auges rosig wurde, als fülle es sich mit Blut. In der Logeureihe gegenüber öffnete sich eine Tür. Ein gelber Lichtstreif fiel über den Sammet der Brüstung, bann wurde es wieder dunkel. „Der junge Spannuth!" raunte Fritz seinem Vater zu. Der Kommerzienrat fuhr zusammen und rückte sich zurecht. (Fortsetzung folgt.) Der Reichshund. Ein Reiseabenteuer von Peter Rosegger.: „Unsrer Väter heißes Sehnen, Deutschlands Einheit ist erstritten.. Unsre Brüder haben freudig Für das Reich den Tod erlitten. Enkel mögen kraftvoll walten. Schwer Errungnes zu erhalten." Auf dem alten Marktplatz zu Leipzig, dessen Häuser-« giebel die Völkerschlacht von 1813 gesehen haben, steht aus Erz geformt das stolze Siegesdenkmal für das, was vor vierzig Jahren geschehen ist. An drei Seiten des Sockels, aus dem die Germania steht, ist die obige Inschrift ein? gegraben. Hier, im Herzen Deutschlands, auf heiligem! Boden der Befreiung von Fremdherrschaft, im Angesichtj der Heldengestalten, die das Reich neu und groß aufgerichtet! haben, wird mir, so oft ich davor stehe, warm hiuterm! Brustfleck. Wenn ein großes altes Volk so sehr erniedrigt war, wie es das deutsche gewesen, und es rafft sich endlich heldenhaft aus fremdem' Banne und macht sich frei und einig, da kann keiner, in dessen Adern ein deutscher Bluts-« tropfen kreist, gleichgültig bleiben. Tie Einigkeit eines Volkes ist ja doch sonst selbstverständlich. Bei den Deuw schen nicht — durchaus nicht! Bei den Deutschen ist es ein ungeheures Wunder, wenn sie eins'sind! — Aufschreien! möchte man, in heißer Wonne jauchzen darüber, daß unser Volk herrlich geworden ist vor aller Welt. Weil aber biet löbliche Leipziger Polizei wahrscheinlich dagegen ernst? liche Verwahrung eingelegt haben würbe, wenn ein Steirer dort auf Dem alten Platz anfingeazn fabeln und zu jauchzen- 687 so blieb wir an jenem- Abende nichts anderes übrig, als schweigend, vielleicht feuchten Auges, noch einen Blick an' das Denkmal zu werfen und sachte hinwegzugehen. Nm aber doch deutsche Art irgendwie zu betätigen, ging ich in das Restaurant Felsche und trank Bier. Ta sagte mir ein lustiger Zechgenosse: „Die Helden von den Jahren Siebzig And Einundsiebzig haben soviel getan, daß unserer nationalen Tatenlust kaum etwas anderes mehr übrig bleibt als Bier zu trinke,n!" . Nach drei oder vier Stunden, es mögen auch fünf ge- wesen feüt — wir hatten übrigens nicht sowohl viel ge-, trunken, als geschwärmt —, schwamm ich an den Tür-« Pfosten vorüber glücklich wieder ins Freie, in die kühle, stille gewordene Vollmondnacht hinans. 1 Es war mein nationales Empfinden 'leidenschaftlich geworden und ein wenig frans. Ich suchte wieder den alten Platz mit dem Denkmal, konnte ihn aber nicht finden. Die Könige von Preußen und Sachsen dort, Bismarck und beson- oers Moltke waren durchaus nicht immer so stille gewesen als sie jetzt find, nachdem sie selbst das Erz geworden, mit dem sie einst so vernehmlich geknallt hatten. Und so fand ich wohl die Pleißenburg, den Westplatz, den Johanuapark, aber nicht den alten Marktplatz mit dem Denkmal: Die elektrische Bahn, die ganz Leipzig nach allen Richtungen durchstreift, lag mit ihren im Monde glänzenden Schienen in starrem Schlummer da. Die Häusermassen standen so still und öde, wie die der verwunschenen Stadt im Märchen. Eines verspäteten Fußgängers Schritte widerhallten laut in den Straßen, bis sie in der Ferne verklangen. Nachdem ich lange traumhaft so dahingetrottet war, weitete sich um Mich ein freier Raum, er war mit Baumgruppen bestanden, deren Schatten wie schwarze Tücher dalagen auf dem mond- lichen Silberreife des Rasens. Plötzlich stand ich vor einer Hoch gegen den Himmel ragenden Masse. Es war kein Baum, kein Gebäude. Da oben auf Felsenriff stand ein ungeheurer Mensch. Es war das Bismarckdenkmal. Am ehernen Riesen- manne spielte das Mondlicht. Sieben der Gestalt des Germanenherzogs saß, sich auf die Vorderfüße stemmend, der Reichshund. Der einzige Hund, dem die Deutschen ein Denkmal gesetzt. — Als ich länger vor dem seltsamen Monn-, Mente gestanden, traten allmählich alle Einzelheiten desselben hervor; aus dem Felskoloß, der dem ehernen Fürsten als Sockel dient, hob sich eine zweite Menschengestalt ab. Ein massiger Mann mit dem Schurzfell, das, obschon es ebenfalls aus Erz war, gleichsam in den Lüften flatterte. Mit leidenschaftlicher Gebärde springt dieser Mann den Felsen an und streckt, wie hilfesuchend, seine Arme empor nach Bismarck. Was hält er in der geschwungenen Hand? Einen Eichenzweig- Einen Baumast? Wie trotzig das ver-, witterte Angesicht, das schreiende Auge — es' schreit, ja, dieses fast wild dem Helden zugewendete Auge! Die bärtigen Lippen scheinen im Innern Sturme,zu zucken. — Wer ist dieser Mensch, der, aus demselben Erze wie Bismarck gebildet, zu ihm wie aus gefahrdrohendem Abgrunde em- porstrebt? — Es ist der Mann aus dem Voltes es ist das Volk selbst. — Ich blicke mir die Gestalt näher an. Die Erscheinung ist berückend. Diese Gesichtszüge! Die-kommen mir bekannt vor. In meiner Jugend lebte im österreichischen Alpendorfe Fischbach ein Rohschmied-, ein wahrer Recke von Gestalt und Tüchtigkeit. Die Hufeisen zerbrach er mit der Hand. Sein leidenschaftliches Herz war wie ein glühens der Eisenklumpen, aus dem die Schlacken flogen, wenn das Schicksal hämmerte. In Büchern belesen, wurde er zum Laudboteu gewählt. Des wilden Wortes mächtig war er. Und als im sechsundsechziger Jahre der Krieg ausbrach, war es der sturmwetternde Schmied, der sich dagegen aufbäumte. Aber er mußte fort mit deu übrigen — und bei Königgrätz ist er gefallen. Und nun, am Fuße Bismarcks, stand er da, der Torfschmied, dem 'Grabe entstiegen, so stand ,er auf dem Sprunge nach oben. Ich sah, wie seine gespannten Beine anhuben zu zucken. Seine aufgeregten Hände begannen zu zittern — plötzlich bewegte sich das Haupt und von den Lippen sprang wüst und grell der Schrei: „Bismarck!" Ich trat ein paar Schritte zurück«und dachte: Nun geht was vor! Durch die Gestalt des Schmiedes schien ein großes Schauern gefahren zu fein, alle Gebärden wurden lebendig Und aus dem Munde scholl es neuerdings — wie ein Ka-i nouenschlund klang die Kehle: „Bismarck! Du hast uns getrennt!" Bismarck, auf den Stock gestützt, den Schlapphut in der Hand, bewahrte seine eherne Rühe. Hingegen begann zu seinen Füßen der Reichshund lebendig zu werden. Zuerst Huben die Ohrenspitzen an zu zucken, dann hob sich der große eckige Kopf, dann fletfchte er die Zähne und knurrte; gegen den Schmied herab. Er knurrte fort und fort, und sein Knurren ward zur menschlichen Stimme, und der Reichs-! Hund sprach : „Schmied aus dem Osten! Grrr . . ., gestatte, daß ich dir eine kleine Geschichte erzähle aus meiner eigenen Familie. Unser waren viele Mitglieder, große und kleine, gutmütige und bissige, und die Verträglichkeit im Hunde-- kvbel ließ sehr zu wünschen übrig — grrr . . . Unserem! Herrn wollte das nicht gefallen und er beschloß, die Uit«( einigen ganz auseinander zu tun in zwei Kobeln. Und! schau, als das geschehen war, bekamen die Nachbarn Heinm weh zueinander, sie begannen sich zu besuchen, einander einzuladen und zu versichern, daß sie treue Verwandte» wären. Und seither haben sie sich lieb . . ." Die Sprache« des Hundes ging wieder in Knurren über, das wurde schwächer und verstummte. Zur selben Stunde rüttelte mich jemand! am Rockärmel. Ich wachte auf und war nicht wenig verwundert, mich an deu Stufen des Bismarckdenkmals zu finden. Ich möchte zu meiner Ehrenrettung doch versichern, daß der merk-! würdige Rausch weniger dem Bier entsprang, als der Freude über die Einigung der Deutschen. Ich kehrte heim in mein Oesterreich, um nach geringen Kräften mitzuhelfen, daß die letzten Worte des Neichshundes wahr bleiben. vogelleben im Herbst und Winter.') Wenn wir int Hochsommer ober im Herbst zur Abendstunde durch die Straßen einer Stadt gehen, so hören wir gelegentlich aus einem Baume ein hundertstimmiges Vogelgezwitscher. Es sind die jungen, noch nicht geschlechtsreifen Sperlinge, die sich hier zur gemeinsamen Ruhe niedergelassen haben, lind wandern wir draußen im Felde zur selben Zett an einem Schilfbestandei vorüber, so hören wir auch hier ein hundertstimmiges Locken, Zwitschern und Schreien. Wersen wir einen Stein hinein, so fliegt ein dichter Schwarm junger Stare heraus. Während die Vögel zur Brutzeit im allgemeinen nur paarweise zusammen gehen und eifersüchtig aus ihren Nistreviereinl jeden Eindringling vertreiben, zeigen sie außerhalb der Brutzeit fast durchweg einen großen Hang zur Geselligkeit. Wenn die jungen Vögel, von den Alten abgewiesen, selbständig werden und allein ihre Nahrung zu suchen beginnen, da lockern sich die Familienbande, aber es tritt eine andere Art der Gemeinschaft ein. Die Jungen der verschiedenen Familien einer Art finden sich in großen Gesellschaften zusammen, wie wir das eben von den Sperlingen und Staren sahen. Freilich ist das nicht bei allen Arten der Fall. Viele gibt es, bei denen sich die Familie ganz zerstreut, bei denen es auch nicht zwei zusaminen leidet, die sich völlig vereinzeln. Suchen wir eine feste Regel zu finden, welche Vögel zusammenbleiben und welche nicht, fo ergibt sich folgende, die freilich nicht olmel Ausnahme ist: Körner- und Früchtefresser — auch Allesfresser! — halten zusammen, Insektenfresser gehen einzeln. Das hat seinen bestimmten Grund. Körner und Früchte gibt es int Sommer und Herbste die Hülle und Fülle, und nie wird ent Mitglied eines auch noch so großen Schwarmes Mangel leiben.. Ist ein Platz, ein Gebüsch, ein Stoppelfeld usw. leergefresfeN, o erhebt sich bie Schar, und nach kurzem Fluge finbet sie an einem anderen Orte wieder vollbesetzten Tisch. Anders ist es dort, wo Insekten, Würmer und anderes kleine Getier die Nahrung bildet. Wohl ist auch hier vielleicht die Gesamtmengei der Nahrung nicht wesentlich geringer für die insektenfressenden! Vögel, aber sie ist mehr verteilt, es finden sich an einzelnem Stellen nicht so große Mengen zusammen wie bei Körnern und Früchten. Beim Durchschlüpfen des Gebüsches nimmt der Vogel hier ein Räupchen, dort eine Fliege auf, immer nach und nach, und wollten mehrere Vögel znsammenfliegen, fo würden sie sich nur stören. Die Körner- und Früchtefresser brauchten ja natürlich auch nicht scharemveise zusamiuenzuhaiten, sie würden auch einzeln ihre Nahrung finden, aber sie genießen in der Gesellschaft deu- j'elben Vorteil, den wir oben bei den Bnitkolonien manchen Vögel kennen lernten: eine nahende Gefahr, einen Raubvogel, eine anschleichende Katze, die von einem nicht wahrgenommen wird, sieht der andere, ein Warnton, und die ganze Gesellschaft! weiß Bescheid. Noch einen anderen Modus der Gesellschastsbildung finden *) Ans dem soeben erschienenen Buche des bekannten Vogel- sorschers Dr. Carl Zimmer, „Anleitung zur Beobachtung der Vogelwelt" (Wissenschaft und Bildung Bd. 86). Verlag von Quelle st. Meyer in Leipzig. — 583 Im Kampfe mit Sorge und Not, Als ein gutes Gewissen im Leben Und einen guten Namen im Tod. Meuzriitsel. r „ r . In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a aaaaaccdddd eee eg g h h h i k k llnnoorr —I 8 8 8 8 8 8 t t u u w derart j__einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen 1------- gleichlautend folgendes ergeben: > 1. Nützliches Tier. 2. Spartanischen König. 3. Industrielles Unternehmen. ■ (Auflösung in nächster Nummer.) Jetzt werden die Exkursionen auch toteber, lohnender. Zur Zeit, wo die Vögel fütterten, war tn ieder Beziehung stille Zeit. Nicht bloß daß die Gesänge schwiegen, auch sonst waren die Vögel heimlich, und die Exkursionen gaben p^l weniger Gelegenheit zur Beobachtung als zur Gesangszeit tm Fruhiahre und M Beginn des Sommers. Jetzt wird es aber wleder anders, nur muß man die Ziele etwas ändern: Wahrend vorher Gebüsch, Dickungen, Wald usw. zu bevorzugen waren, ist letzt das offene Gelände lohnender: Freies Feld, Stoppeln, auch offene Was.er- Der Herbst schreitet nun weiter vor, der Wind weht schon recht kühl, die Nächte werden lang, und wo noch der Vogel vor kurzem eiiteit reichbesetzten Tisch fand, da werden die Nahrungsmittel recht spärlich: Der Wmter naht mit Macht und nnt ihm die schlimme Jahreszeit für unsere gesamte Tierwelt. W e -hilft sie sich über die bösen Monate hinweg? Teilweise darb« ,llultuvc ltllswlu -------- 7-r - . sie schlecht und recht und schränkt sich ein, teilweise vmfallt sm I Gewitterregen schlagen Salpetersaure nieder, die sich nnt dieser in einen Zustand der Erstarrung, in einen Winterschlaf und I -----.....«=**'» - ,,nb «» zum Teil auch geht sie der Kälte und dem Hunger ans dem Wege und sucht wärmere und reicher nut Nahrungsmitteln aus- i gestattete Gefilde auf. , ™.. f I Und ebenso wie die übrigen Tiere machen es, auch die Vogel. I Wie, haben sie auch einen Winterschlaf? wird vielleicht mancher I .cvftamd ^agem^^ ^.g. Q1( bie 6eim Volke weitverbreitete und j schon int grauen Altertum bekannte Sage, daß tue Schwaloen I ■int Schilfe oder Schlamme überwintern. Der Naturforscher er- I klärte die Entstehung dieses „Ammenmärchens" durch das Plotz- I liche gemeinsame Abziehen und Verschwinden aller schwalben j eines Gebietes. Da aber zeigte es sich in der neuesten Zett, I daß hier wie auch sonst ab und zu einmal das Volk besser be- I obachtet hatte als der Gelehrte und daß auch hier einem scheinbar widersinnigen Aberglauben ein wahrer '.ern innewohnte^ I Zunächst ist bei den Schwalben häiifig die Neigung festgestellt worden, bei plötzlich eintretender Kälte sich in Schlupfwinkel zu verkriechen, und an solchen Oertlichkeiten sind oft Schwalben tn großer Zahl vereint und zugrunde gegangen — verhungert oder erfroren — aufgefunden worden. Dann gibt es aber auch Be- ! obachtungen in hinreichender Anzahl und von genügender Beweiskraft, daß gelegentlich Schwalben auch an solchen Orten nicht eingehen/ fonbern den Winter zu überdauern vermögen, tn dem sie für gewöhnlich in einem Zustand der Starre sich befinden, bei wärmerem Winterwetter aber auch umherfliegen. Dies Ergebnis muß, wie manches ähnliche, beit Gelehrten zur Beschex- denheit veranlassen und ihn mahnen, so manchen Aberglauben, mag er auch auf den ersten Anblick noch so widersinntg erscheinen, doch nicht gleich von vornherein über die Achsel'anzusehen 'und zu verwerfen, sondern wenigstens einen Versuch zu machen, ob sich nicht doch ein wahrer Kern in ihm findet. Aber immerhin ist dieser Winterschlaf der Schwalben, der nicht allein bei unseren einheimischen, sondern auch bei amertka- ■ Nischen beobachtet wurde, eine Ausnahme, eine Ausnahme unter den Schwalben sowohl, als auch unter den Vögeln überhaupt. Gerade die Möglichkeit, sich im Luftmeere zu bewegen, das die Erde gleichmäßig umgibt und außer klimatischen eigentlich keine Schranken für horizontale Bewegung kennt, weist die Vögel darauf hin, der schlechten Jahreszeit aus dem. Wege zu gehen und in wärmere Gegenden zu wandern. Aber freilich lange nicht alle Vögel sind Zugvögel, eine nicht unbeträchtliche Zahl bleibt uns auch int Winter treu. Doch! sind von ihnen lange nicht alle Standvögel int strengsten Sinne des Wortes, d. h. Vögel, die während des Winters nicht allein in dem Lande, wo sie geboren, sondern auch in dem engerejn Bezirke, in dem ihr Nest gestanden hat, verharren. Deren Zahl ist nicht einmal besonders groß. Vor allem sind es die Arten, die sich eng an den Menschen angeschlossen haben und von seinen Abfällen auch int Winter behaglich und reichlich zu leben finden, wie Sperling, Goldammer, auch Haubenlerche. Doch auch einzelne, die sich nicht eng zum Menschen halten, sind Standvögel! wie beispielsweise der Zaunkönig, der auch bei grimmiger Kälte sein lustiges Lied an denselben Stellen schmettert wie im Sommer., von der Sonne präparierten Erde zu Salpeter verbindet und em so ausgezeichnetes Düngemittel abgibt, daß darauchln die, Mal-, teser mindestens zweimal int Jahre, im Februar und Mm, etrti reiche Kartoffelernte haben. Liegen tue Verhältnisse besonders! qünstig — sehr heißer Sommer und reichliches Herbstgewitter — so wird außerdem schon vorher einmal, im Dezember, pes« erntet. Ohne diese Gunst des Klimas würde Malta wohl Nicht das Dorado des Landmannes sein. Denn da ferne Viehzucht auf der Insel getrieben wird, kann auch von natürlicher Dungnng- keine Rede sein; nur sogenannte Hungerpflanzen, die xa sehr viel Stickstoff in sich ausnehmen und mit ihrem Verwesen tn dtd Erde bringen, sieht man hier und da auf dem heißen Boden ein kümmerliches Dasein fristen. Der maliestsche Bauer hat nur für ein kleines Kanalsystem seiner Felder zu forgen und dre Erde mit einem primitiven Pflug ausznwuhlen; alles übrige besorgt die verschweitderische Natur, die tu Malta auch neb«is der Kartoffel Kakteen, Sesam, Gerste, Zuckerrohr, ^ohanntsbrow bäume und Oliven gedeihen läßt. Der Kartoffelexport liegt, obwohl Malta englischer Besitz ist, ausschließlich ut den H ändert mehrerer maltesischer und zweier deutscher Firmen. Tte maltesische Campagna hat trotz äußerer Gleichförmigkeit manche Retz-e. Jedes der vielen kleinen weißen Kartoffelfelder ist mit. niedrigen Mauern aus porösem Kalkstein eingefrtedigt: über den Hellen Steinen schimmern rote Oleanderblüten, fern stehen hohe Palmen einsam gegen den azurnen Himmel, und in den Talern dehnen sich die flachbedachten sauberen Backsternhauser: der Bauern. Es ist bemerkenswert dabei, daß in vielen dieser Dörfer blonde und blauäugige Menschen, die Nachkommen der Normannen, wohnen, und daß das germanische Element Maltas etn gutes Stuck urw teil hat an der planmäßigen Bearbeitung dieses fruchtbaren wusele sb ödens, der Jahr für Fahr den Feinschmeckern Europas euch unentbehrliche Tafelfreude beschert. Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer! Der Mensch kann nichts Höh'res erstreben wir kür den das Rebhuhn als Beispiel dienen mag. B« ihm i Vermischte». bleibt die Familie, das Volk zusammen, und keine Angehörigen I * Was eine Riesenstadt verzehrt., fern famertkaq einet anderen Familie werden — wenigstens nicht zur Sommer- I ttif$ev Statistiker hat berechnet, daß Newhork tm gölte etner! und Herbstzeit - in den Verband ausgenommen. Der alte Katastrophe, die es von den umliegenden Staaten üiissth teße, Hahn hat die Oberleitung, er lockt, warnt und gibt das Zeichen I binnen 8 Tage Hungers sterben wurde In der Tat ist Newhork zur Flucht usw. „ o mit seiner Ernährung völlig aus das Umland angewiesen Das. 5 Dort wo die Vögel nur eine Brut machen, halten sich I Problem, der immer gewaltiger anwachsenden Stadt die Zufuhren natürlich die Alten gleich mit der Gesellschaft der Jungen ver- j ält sichern, wird immer schwerer. Optimistischere Schatzungen, die eint Dort, wo mehrere Bruten stattsindm, schlagt^ sich dann! Uott anderen Nationalökonomen aufgestellt wurden, nehmen an, im Herbst alles zusammen, die Alten sowohl wie die Zungen der I Newhork im günstigsten ycall für 12 Tage Nahrungsmittel verschiedenen Bauten. Dann tritt die Schwarmbildung in her- I lagern habe. Schon nach den ersten Tagen der Kalastrophe^vurden varragendem Maße auf. Ueberall, auf allen Feldern, m allen I Milch und Butter nicht mehr zu becommen fern. Die Zähres- Gebüschen finden sich jetzt ganze Scharen von Vögeln, .überall | ftntiftit lür 1909 zeigt, welch ungeheure Mengen Nahrimgsinittel wird von früh bis abends gefressen,, und fett werden letzt bei Newhork 'schori jetzt benötigt. Nicht weniger als 624 Millionen dem Ueberflusse an Nahrung die Tiere oft so, daß sie kaum I Pfund Rindfleisch, 310 Millionen Pfund Schweinefleisch, über - ■ ’ 210 Millionen Pfund Hammelfleisch hat die Stadt im vergangenen Jahr verzehrt, ferner 37 440 000 Pfund Kalbfleisch, fast 50 Millionen Pfund Geflügel, 134 723 618 Pfund Butter, 131 594 920 Dutzend Eier, 33 708 577 Pfund Käse, beinahe 6 Millionen Sacke Weizen und eilte Milliarde Liter Milch. * Von der Maltakartoffel. Aus La Valette schreibt uns ein Mitarbeiter: Während die Kartoffelfelder Deutschlands setzt in dunklem Grün ihrer baldigen Ernte entgegenreifen, liegen die weißgranen Fluren der Insel Malta, auf denen die in der ganzen Welt so geschätzte Maltakartoffel gehegt wird, brach und öde. Diü afrikanische Wüstensonne, zu deren Bereich die subtropische Insel gehört, reißt mit brennendem, unerträglich weißem Flimmerlichte klaffende Spälte in den Boden, dessen trockene Schollen sich unter der heißen Bestrahlung hilflos winden, und schließlich zu fetnent Hellen Staub zerbersten. Aber gerade dies ist das Wunder und die Eigenart Maltas: die intensive Sonnenglut der Sommermonate kalziniert dje ausgedörrte Erde; die folgenden herbstlichen Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-