MV t m l®» ■ rrot MWKMMWWWWHMM Irii eS Christus legt, wie ihn in genauer Anlehnung an die heilige Schrift das Oberammergauer Passionsdrama in Duisenbergs Bearbeitung schildert. Er ist, durchaus der Heiland, wie er in der Ausfassung des gläubigen Christenvolkes! lebt und wie ihn die Wider unserer größten Künstler des Mittel- alters in ihren Werken hinzustellen pflegten. 307 — Bon imübertresflicher Schöne sind die Wider, die sich bei den Massenszenen der Haupthandlung ergeben, ferner bte nach dem .Gemälde des Leonardo da Vinci angeordnete Abendmahls- Darstellung, die Kreuzabnahme, der Abschied im Hause Simons von Bethanien und die Oelbergs- gruppe. Auch die Stellung der 24 lebenden Bilder, die, zwischen die einzelnen Phasen der Passionsdarstellung eingeschoben, eine Reihe Äon Illustrationen zu den Erzählungen des alten Testamentes sind, stellen sich als Ausdruck eines bewunderswert hohen Kunst- atzfühls dar, das den Leitern des Spiels wie jedem einzelnen!' Mitwirkenden innewohnt. .Von vollendetster Harmonie ist btt; allen diesen Bildern der Farbenznsammenklang der reichen bunten Gewänder mit den einer ersten hauptstädtischLn Bühne nicht uns- würdigen Dekorationen. Eine vollzählige Besetzung haben die Rollen des Hohenpriesters Annas durch den Pfarrmefjner Lang, des Kaiphas durch Zimmernieister Gregor Breitsamter, des Herodes durch den Sohn des verstorbenen Christus - M a y r > Schnitzkunstverleger Hans Mayr, erfahren. Alle drei haben eine deutliche Aussprache, ein kräftiges Organ und eine nicht unbedeutende mimische Begabung. Der Judas des Faßmalers I o h a n n e s E v a n g e l i st Z w i n k und der Pilatus des! Bürgermeisters Sebastian Bauer sind schon vom vorigen Passions- soinmer her als erstklassige Vertreter ihrer Rollen bekannt. Einige Enttäuschung bereitete nach den starken Hoffnungen, die man bei den Proben auf ihn gesetzt hatte, der sehr jugendliche Installateur A l f r e d B i e r l i n g als Johannes. Er wirkt gut durch feine zarte und edle Erscheinung, kann aber mit der Sprache noch nicht recht heraus. Doch ist das anscheinend nur auf seine noch allzugroße Befangenheit zurückzuführen, die sich nach mehrmaligen Wiederholungen des Spiels Wohl geben wird. Ottilie Zwink, die Tochter des Judasdärstellers, ist zweifellos die beste Maria, die das Werammergauer Passionsspiel seit Menschengedenken gehabt hat. Sie entspricht in ihrer lieblichen Erscheinung, wie in ihrem den Schmerz des gequälten Mutterherzens tief und eindrucksvoll wiedergebenden Spiel und deut Wohlklang ihrer sanften Stimme ganz dkm Bilde der traditionellen schmerzensreichen Mutter Gottes. Als eine Menschendärstellerin, die über naturwahre Ausdrücke leidenschaftlichen Empfindens verfügt, wie man solche Nur von berufsmäßigen Bühnenkünstlerinnen erwarten darf, ist Marie Mayr, die Tochter des verstorbenen Mldschuitzers! Paul Mayr, der die Partie! der Magdalene anvertraut wurde. Fast fehlerlos spielte sich bereits die erste Vorstellung ab, jeder Sprecher beherrscht seine Rolle vollkommen und jeder im Volk Mitwirkende tut seine Schuldigkeit mit einem Ernst und Eifer, als ob von ihm allein das Gelingen des Ganzen abhinge. Der musikalische Teil, der durch seine Länge und die Häufung Nnd langatmige Wiederholung gleicher oder einander sehr ähnlicher Motive zuweilen etwas ermüdend wirkt, ist mit einer Sorgfalt unter der Leitung be£ Lehrers Ludwig Witt mann einstudiert worden, die die höchste Anerkennung verdient. Alles in allem Muß man den Oberammergauern das Zeugnis erteilen, daß sie ihr Wort gehalten und schon die erste Vorstellung völlig fertig heraus- gebracht haben. Das ist um so bemerkenswerter, als hie anhaltend böse Witterung dem Unternehmen diesmal arge Schwierigkeiten bereitete. Rach alten: Brauche findet das erste öffentliche Festspiel am Pfingstmontäg statt. Bon diesem Termin ab wird es an allen Sonn- und Festtagen bis Ende- September wiederholt. Bet'starkem Andrange werben dann Noch je nach Bedarf ein oder ntehrere Nach- spieltäge eingesch'oben. Dä nun dies Jahr das Psingstfest außerordentlich früh fiel, so war die zur Verfügung stehende Einübungs!- zeit verhältnismäßig kurz und gestattete für die großen Gesamt- Proben nicht das Abwarten milder Frühjahrswitterung. Hätten die tapferen Oberammergauer sich nicht, ohne Rücksicht auf ihr leibliches Behagen jeder Unbill des Wetters auf der zum Teil unbedeckten Bühne ausgesetzt und bei Kälte und Sturm, bei Schnee und Regen ohne Zagen ihre Proben abgehalten, dann wäre diesmal nicht möglich gewesen, mit der Einstudierung des schwierigen Werkes vor Pfingsten fertig zu werden. Ti« Gefahr, daß dis mitwirkenden Sänger und Sängerinnen größtenteils durch einen unter solchen Umständen nur zu leicht eintretenden Katarrh unfähig zur Ausübung ihrer Partie ge- lviorden wären, war groß. Ganz ohne Beeinträchtigung ihrer Stimmittel ist das kalte und nasse Wetter auch nicht gewesen. Der treffliche Chorführer Jakob Rutz konnte bei der Durcip Ahrung seiner anstrengenden Gesangsrolle nicht die ganze Kraft feines sonst so wohllautenden und ausgiebigen Organs entwickeln, und noch zwei andere Mitsänger kämpften mit einer merklichen Indisposition, die jedoch nicht so schwer war, daß der Gesamtvortrag des Chors dadurch verunstaltet worden wäre. Tie nun endlich eingetretene wärmere Witterung wird vermutlich von schneller und wohltuender Wirkung auf die angegriffenen und geschwächten Sängerkehlen sein. Zur ersten Aufführung am Pfingstmontage war das Haus schon zwei Tage vorher völlig aüsverkauft und Hunderte, die gern daran teilgenommen hätten, konnten schon am Psingstsonni- abend keine Eintrittskarten mehr bekommen. Deshalb wurde für den Dienstag ein Rachspieltag eingesetzt. Auch für die nächstfolgenden Svnntagsaufstihrnngen ist der Kartenabsatz schon jetzt so groß, haß voraussichtlich jede Woche Nachspiele nötig werden. Besonders stark ist, wie vorauszusehen war, der Zustrom von Amerikanern, nitd auch Old-Cngland ist zahlreich vertreten, besonders durch Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts, die gewöhnlich in Trupps von 10—12 Personen die Torfstraßen durH- wandeln. Sie sind zumeist sehr redclustig und so hört man an einzelnen Tagen jetzt in Oberammergau mehr englische Laute als deutsche. Mit der Ausnahme in den Privathäusern ist man im Allgemeinen sehr zufrieden. Tiie Dörfler haben sich allmählich eine gewisse Weltgewandtheit angeeignet und befleißigen sich, es den Fremden bei sich so angenehm wie möglich zu machen. In den! Gasthäusern macht sich die mehr als bescheidene Kochkunst der Oberbayern zuweilen sehr bemerklich, aber die billigen Preise entsprechen bis jetzt noch dem Gebotenen. Hoffentlich ist der Gemeindevorstand in der Lage, seinen Willen, Ueberteuerungen durch allzu gierige Geschäftsleute, worüber früher oft mit Recht Klage geführt wurde, während der diesjährigen Saison zu verhindern, durchzusetzen. Von dm eingeborenen Oberammergauern, die durchweg be- scheiden c Leute sind und selbst strenge darauf halten, daß nicht durch Ungehörigkeiten der Ruf ihres Ortes als Soutmerfrische leide/ sind Uebervorteilungen auch kaum zu befürchten, sondern olle früher bekannt gewordenen Fälle von Aussaugung des Fremdem- Publikums waren immer nur den von auswärts Zugezogenen! zur Last zu legen, die in dm reichen Erntetagen des PassionA- sornmers ihr Schäslein in Oberammergau zu scheren gedachten, um nach der Spielzeit sich schleunigst wieder davon zu machen. Solchen Elementen sieht man hier jetzt schärfer auf die Finge«, und wird ihnen ihr Handwerk zu legen wissm, wenn sie es zu arg treiben sollten. Aus dem Sinnenleben des Pferdes. Beim badischen Feld-Artillerie-Regiment Großherzog sind drei Herren, die den südwestafrikanischen Feldzug mitgemacht haben und übereinstimmend erzählen, daß sie bei Rückkehr von Patrouille nach dem Standort nachts stets den Pferden die Zügel aus den Hals gelegt und ihnen volle Bewegungsfreiheit gelassen hatten. Die Pferde wären dann lange nicht so häufig gestolpert als bei anstehendem Zügel und hätten die Reiter immer mit unfehlbare« Sicherheit nach Hause gebracht. Major v. Tr. hatte im Sominer 1906 vom Schießplatz bei Münsingen aus einen Dienstritt nach einer benachbarten, etwa 18 Kilometer entfernten Ortschaft zu unternehmen. Auf deut Rückwege stellte sich ein so dichter Nebel ein, daß der Reiter jede Richtung verlor und nicht aus und ein wußte. Endlich überließ er sich seinem Pferde: als es Freiheit spürte, bog es soforck vom Wege ab und ging in fast gerader Linie durch den Wald und über Berg und Tal auf das Lager los, das in kurzer Zeit erreicht wurde. Unter den zahlreichen, wie ein Ei dem anderen sich gleichenden Lagerbaracken wußte es mit Sicherheit und ohne ein einziges Mal zu zögern die herauszusindcn, in der cS untergebracht war. Hauptmann W. war 1906 während der Kriegsübungen 14 Tage in einem Dorfe einquartiert. Dann ging es ins Manöver, und auf dem Rückmarsch vom Manöver sollte in der gleichen Ortschaft Quartier bezogen werden. Beim Passieren der Dorfstraße meinte Hauptmann W. zu seinem Batterieoffizier: „Ich will doch mal sehen, ob mein Pferd fein Quartier wieder findet, ich will es allein laufen lassen." DaS Pferd ging seinen Schritt weiter und passierte eine Scheune. Der Reiter stutzte, wunderte sich, daß es vorüberging und sagte: „Ich hätte dem Pferde eigentlich mehr zugetraut; nun geht es doch vorüber." Aber — er hatte die Rechnung ohne sein Pferd gemacht! An der nächsten/ gleichartig gebauten Scheune blieb es stehen das war nämlich Sie richtige! Die vom Reiter als solche angesehene >var eine falsche! Bor dem menschlichen Antlitz, so schreibt Oberstabsveterinär Scholtz im Kosmos, haben die meisten Tiere, unter ihnen auch das Pferd, einen gewaltigen Respekt. Jeder, der mit Pferden zu tun hat, weiß, daß man beim Vorsühren eines Pferdes, namentlich im Trab, es niemals ansehen darf. Dreht man während des Vorführens dem Tier das Gesicht zu, so stutzen die meisten warmblütigen Pferde, fallen aus dem Trab in den Schritt oder bleiben sogar stehen und gehen dann erst weiter, wenn man sie nicht mehr ansieht. Ich war erst geneigt, anzu- nehmen, daß das durch das Wenden des Kopfes verursachte Auf- tauchcn der weißen Gesichtsfläche dem Pserdeauge unbequem sei und das Stutzen verursache. Das mag zum Teil zntressen/ ist aber nicht ausschließlich der Fall, wie ich durch Versuche fest- gestellt habe. Das wirksame Moment des menschlichen Antlitzes' ist in dem Ange zu suchen. In der Tat bestätigen dies auch die sonstigen Erfahrungen. Ungezogene und unruhige Pferde — aber nicht solche, bei denen die Unruhe auf die Jugend und die damit verbundene Unerfahrenheit und Unkenntnis znrückzusühren ist — vermag man am besten dadurch wirksam zu beemflussen,- daß man sich vor das Pferd stellt, ihm unverwandt in die Augen sieht und sich durch keine Bewegung des Tieres aus feiner Stellung bringen läßt. Die Pferde begreifen sofort, daß jetzt der Ernst an die Stelle des Schmeichelns getreten ist. Auch ein zu rechter Zeit angebrachtes, laut zugerusenes strenges Wort wissen sie in feiner Bedeutung zu würdigen; und das umsomehr/ wenn cs durch eine im richtigen Augenblick angewandte Strafe, z. B. Rucken mit den Zügeln, .unterstützt wird. _____________——. ..................... — 308 — Vermischtes. * König Georg V. als Rancher. Dör verstorbene König Eduard hatte eine besondere Vorliebe für große schwere Jntportzigarren; sein. Sohn aber, der neue König, scheint der Pfeife deii Borzug zu geben. Wenn er ut früher Morgenstunde, nur von seinem Hund« begleitet, in der Umgebung von Sandringham spazieren ging, dann fehlte nie die Pfeife. Emmat stellte sich während des Spazierganges heraus, daß der König seinen Tabik vergessen hatte. Er näherte sich dem Bahnwärter und fragte: „Köniien Sie mir nicht ent wenig Tabak ablanen < Der Bahnwärter, der den Thronfolger von England erkannt hatte, antwortete sofort: „Mit Vergnügen, Königliche Hoheit. Der Prinz stopfte sich seine! Pfeift, dankte und ging zufrieden lveiter. Einige Tage später, so erzählt Hedeman rm Matm, hatte der Prinz wieder seinen Tabak vergessen. Wieder wandte er sich an den Bahnwärter, der ihm ehrfürchtig fernen Tabaksbeutel reichte. Als der Prinz einige Schritte fmtgegaitgett war, rief der Bahnwärter einem in der Nähe stehenden Kollegen zu: „Jw bin jetzt wohl Tabaklieferant für die königliche Familie geworden! .Der Thronfolger hatte die Worte noch gehört; am nächsten Lage empfing der Bahnwärter einen prachtvoll gearbeiteten Beiltet, der das Monogramm des Prinzen von Wales trug und Mit dem besten Virginiatabak gefüllt war. * Pauke, pauken. „Pauke" ist nach Kluge „ein schwer W beurteilendes Wort", das vielleicht auf eilte alte ilautNachahmung zurückzuführen ist. Früher bezeichnete man .damit auch die Trommel und die Schellentrommel, das Tamburin; so heißt es 2. Mos. 15,20: „Und Mirjam nahm eine Pauke in ihre Hand, und alle Weiber folgeten ihr nach hinaus mit Pauken nnd Reigen." Heute nennen wir mir noch die Kesselpauke und die Heerpauke so. Nach der Aehnlichkeit bezeichnet inan mit „Pauke" auch eine Käffeetrommel; bann das mittlere Ohr, die Paukenhöhle mit dem Pauken- oder Trommelfell, eine An- Mvellung der Leistendrüsen — und in Hammerwerken eme Ber- stärkimg der Radwelle, wie auch im Lateinischen tympanum Hand- Muke und Tellerrad bedeutet. Die Studenten nennen bekanntlich idudj eine förmliche, feierlich, paukenmäßig weithitischallende und dröhnende Rede oder Predigt eine Pauke. Das zugehörige Zeitwort „pauken" bedeutet zunächst „die Pauke schlagen"; man kann aber auch auf dem Klavier „pauken", ivenn man unbarmherzig auf die Tasten schlägt. Daun hat „pauken die Bedeutung „sich in schallender Rede vernehmen lassen", eine Pauke ;— in studentischem Sinne — halten. Allgemein heißt „pauken ferner: (dumpf) schallend schlagen, und so sagt man auch: entern etwas eiitpauken — wie einbleuen, und von dieser letzten Wen- bung kommt dann wohl die zweite studentische Bedeutung von >,Wanten" = ochsen, büffeln. Vom schallenden Schlagen der Schläger rührt endlich die dritte Burschenbedeutuitg des Wortes her = fechten; dazu der Paukarzt, der Paukanzug und das Paukopfer, der int Zweikampf Besiegte; ferner. der Paukhahn, der treffliche Schläger; die Pauksan oder das Paukschwein, das Glück beim Pauken. * „E i n e Dame zu verkaufen!" Vor vier Jahren erschien in einer großen amerikanischen (Zeitung eine merkwürdige Anzeige: „Meistbietend zu verkaufen junge Dame, Amerikanerin, Sklavin, intelligent, gebildet, ehrenhaft, rechtlich, poetisch, philosophisch, großdenkend imb vor allem weiblich empfinbenb." Und diesem Anfang folgten genau Einzelangaben: „Brünett, große 'graugrüne Äugen, leidenschaftliche Lippen, prächtige Zähne; nicht schön, aber anziehend und reizvoll, kräftig und ein Charakter. Höhe 5 Fuß 3 Zoll, gut proportioiliert, graziös. Genoß eine ,10 000 Dollar-Erziehung, kann aber mir 10 Dollar in der Woche verdienen. Alter — nun ja, sie ist nicht sehr alt, aber auch Nicht gerade gestern geboren. Künstlerisches Temperament, warmherzig, liebenswürdig, anhänglich, vor Fröhlichkeit übersprudelnd und dennoch voller Würde, gesetzt, wissensdurstig und manchmal tief melancholisch über die Leiden der Menschheit. Sie weiß einen guten Witz zu schätzen und einen besseren zu erzählen; ist nicht prüde, wenn auch tief religiös. Lebhaste Phantasie und außerordentliche Seeleukräste. Kann nur wenig nähen, aber ein gutes Kostüm mit Würde tragen. Geht nicht zur Kirche, doch gehorcht Gottes Geböten. Kämt nicht kochen, aber erfinden. Schreibt Schreibmaschine, aber empfindet das als eine Marter. Diese junge Dame," so schloß das Inserat, „bietet sich daher zum Verkaufe aus, genau so wie hundert andere Frauen das täglich tun. Sie hat sich jedoch die Sache vorher genau überlegt und daher beschlossen, sich nicht privatim zu verkaufen, sondern ehrlich und öffentlich Preisangebote einzufordern, in der Hosfrnmg, dadurch einen höheren Preis zu erzielen als durch Verkauf unter der Hand." Die eigenartige Anzeige scheint ihren Zweck erfüllt zu haben. Miß Elisabeth Magie wurde berühmt, eine Menge von Zeitungsschreibern stürmten am nächsten Morgen ihr Haus, mtb ihnen erklärte sie noch einmal ihren Stanbpmtkt. In iuenigeit Wochen ■erregte sie internationale Aufmerksamkeit, überall lub man sie M Bortrügen eilt, sie schriest ein Büch „Der triumphierendei Sklave" und ist heute in Amerika eine vielgesuchte dramatische Kortragsküustlerin. Nebenbei erfindet sie Kinderspielzeitge, kurz, Logogriph. Feurig durchflieg' ich die Lüste als Pünktlein, oit Flammen gebareitb, Raube mein Haupt und sofort flucht' ich inS Wasser hinab Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nummer: In wenig Tagen kann f i ch viel ereignen. sie genießt ein Einkommen, auf bas mancher Bürger newifch seift kann, und da sie noch unverheiratet ist, wird sie nun mit Hei- ratsanträgen überhäuft. Vor kurzem ist sie in Newhork am Vortragspitlt aufgetreten, hat Ruhm mtb Lorbeeren geerntet.. Der Weg, den sie bamals vor vier Jahren mit ihrer eigenartigen Anzeige betrat, hat sie so sehr schnell zu .ihrem Ziele geführt. Heute lebt sie, bie vor vier Jahren noch mit Muhe zehn Dollart in der Woche verdiente, sorgenlos in Luxus, alles dank dem totrnt fall, sich öffentlich dem Meistbieteildeu izum Verkaufe anzutragen- * In den Pranken eines Tigers. Von einem Abenteuer mit einer Tigerin, bei dem der Jäger völlig wehrlos der Wut des verwundeten Raubtiers preisgegeben war, gibt der englische Teepflanzer A.W. Strachau int Wide World Magazine eine packende Schilderung. Er ist wohl der einzige, der in den Pranken eines Tigers gelegen hat und lebend davongekoinmen ist, aber er hat das ?(bettteuer mit dem Verluste der rechten Hand und des linken Fußes bezahlen müssen. Die Teesarm Strachans liegt in Indien im Bezirk Assam; das Land wär in den Mo naten vorher von der Raubgier der Tiger schwer helmgesucht worden. Strachan hatte gegen Abend auf seiner Farm eine Tigerin gesehen und es war ihm gelungen, sie zn. verwundeU und in die Flucht zu treiben. Gc nahm an, daß der -mger schwer verwundet worden war, und in jöeglettmtg EkS Fxeupdes und einiger Kulis folgte er am nächsten Morgen den Blutspurem Sie führten in ein undurchsichtiges Dickicht; der Farmer prang unerschrocken vorwärts; plötzlich ertönte ent wildes Gebrüll und das verwundete Raubtier griff den Jager an. „Das.Unterholz war zu dick, um einen Schuß zu ermöglichen: .nun sah ich bett, Tiger vor mir, kaum 8 Meter entfernt. In gewaltigen Sprüngen stürzte er auf mich zu, ich sah die.mächtigen Zahne blitzen säst die tückisch zurückgelegten Ohren und horte das wütende Fauchem Mein erster in der Aufregung abgegebener Schuß verfehlte fei« Fiel ber zweite Schuß traf in den Rücken.und zerfthinetterte das Rückgrat über den Hüsten, aber die Willst des Sprunges Md nicht mehr auszuhalten. Ich sehe noch heute die .unheimlich glühenden großen gelben Augen, ich fühle den heißen Atem mtb das grauenvolle Geheul Ich mürbe umgeritfen ;be etna Tatze schlug mir schwer auss Haupt, aber, zmn Gluck fcWi tmeh der Tropenhelm. Die zweite Tatze zerriß an meiner .Sruft bas Kleid unb grub eine lange Fleischwunde in meinen Dberkorpew während die Zähne der Tiaerin meine rechte Hand Packten, bis ich unwillkürlich emporgehoben hatte, um mein Gesicht schützen. Sie riß ftnb zerrte d-e Hand hm unb h r tme em Hund die Ratte, aber beim Sturze ließ sie sie fallen. tfnnU Glück fiel ich seitwärts, aber doch nicht weit chenug, um aus dein Bereiche der furchtbaren Tatzen zu kommen Sie streckte sie aus, packte mich an den Beinen und zerrte mich so ivett heran, bis sie imstande war, mit den Zähnen meinen linleimFuß zu Packen. Der dicke lederne Jagdstiefel war da kern Schutz inehr, n.lt furchtbaren Schmerzen spürte ich, wie die Zahne sich durch das Leder in die Muskeln gruben unb wie die Knochen knirschten. Ich entsinne mich noch; ich lag da unb in diesem, Äugenblicke wunderte ich mich, wie lange dieses zermalmende Kauen noch bauern würbe unb wie schnell ich in bett Tatzen der ^Mrm sterben würbe, denn mir war es klar, baß meine legte ©tiiube geschlagen hatte. Das Gewehr war mir im Sturze entfallen, ber Kuli nut bem gehobenen zweiten Gewehr war vmaMinden und lebet; Gebaute an Rettung gewichen. Es ist seltsam, welche Fulft von Gebanken unb Vorstellungen tn solchem Augenblicke durch das Hirn rafen, ferne (Srinnerungen hufchten vorüber, ich dachch an meine Sieben zu Hanse, dachte an ihren Schmerz über ment Ende und sah alles lebhaft vor mir. Zum Gluck konnte oie sterbende Tigerin ihr Werk nicht vollenden; plötzlich tauchte tinein Freilnd neben mir auf und mit einem Schüsse wachte er dem Raubtier ein Ende, ©ie jiet tot zur Seite, chre rechte Tatze war in das Fleisch meines Schenkels etngegrabeu, ber Fuß bliest zwischen ben Zähnen. Man mußte bett Rmhen gewaltsam wynen, um mich zu befreien. Ich konnte noch mnhsam unb unteti Schmerzen nach Hanse kommen; bann aber kam bte Älutvergift tung und beibe verletzten Glieder mußten abgenommen werden. - * Gute Auskunft. Fremder: „Hält der Zug hier sos lange, daß 'man ein Schnitzel verzehren kann?" — Geschäftsreisender: „O, gewiß." — Fremder: „Sie kennen wohl den Fahrplan genau?" — Geschäftsreifenber: „Nee — aber bte Stellenbureau. Unschuld vom Lande: „Als was geht man denn da, wenn man noch gar nichts kann?' — Dienstvermittlerin: „Als Mädchen für alles." «redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühk'fchen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Gießen-