» MW MWWM Das schlafende Heer. Roman von Clara Viebig. (Fortsebimg.) (Nachdruck verboten.) Der Traber, der bis dahin lammfroinm gestanden, stutzte plötzlich, »uit sie einsteigen wollten. Unruhig zog er an, stieg wild und prallte dann zur Seite, grade noch, daß Doleschal ihn vom .Graben zurückriß. Eine Staubwolke kam vom Dorf her über die Felder geflogen, und in der Staubwolke war Peitschengeknall, Pferdegetrappel und Hundegebell. „Ach, die Garczynslis!" Nicht angenehm überrascht, faßte Helene nach dem Arm ihres Mannes. Da war auch schon der hochrädrige Jagdwagen, glänzend lackiert, mit viel Rot an den Rädern, und innen die Sitze hell ausgeschlagen. „Atrappiert, meine Herrschaften! He — .halt !" Auf einen Ruck standen die vier jungen Pferde neben dem Korbwägelchen, mit schnaubenden Nüstern, noch zitternd vor Erregung, und schäumten ins Gebiß. Zwei englische Doggen, riesige Tiere mit Stachelhalsbändern, schnackten ihnen dumpf bellend nach den Mäulern. Der Leuker hoch oben auf dem Bock grüßte galant mit der Peitsche: „Ich lege mich Ihnen zu Füßen, gnädigste Baronin — das neune ich Glück, Ihnen hier zu begegnen! Ihr Diener, Doleschal! Ihr Weizen ist großartig! Sehr erfreut, wie steht das Befinden?" Herr von Garczynski hatte viel von einem Pariser öder Wiener an sich. Gewandt schwang er sich vom hohen Sitz herunter, dem Diener, der hintenauf hockte und nun beflissen herbeieilte, die Zügel zuwerfend. An Helenens Seite tretend, führte er ihre Hand an die Lippen. Die Doleschals mußten halten bleiben. Int Chwaliborczycer Jagdwagen saßen, gegenüber von Frau von Garezynska, ihr einziger Sohn, ein vornehm aussehender Junge, und der Vikar Gorka. Frau von Garezynska hatte sich den Sitz auf der seitlichen Bank noch durch eine Menge von seidenen Kissen bequemer machen lassen; sie lag zurückgelehnt, und der Schirm, den eine blonde junge Person,' halb Dame, halb Dienerin, zum Schutz zwischen sie und die feurig untergehende Sonne hielt, ließ warmrvsige Schatten auf ihr blasses Gesicht fallen. ' | „Gnädigste Baronin haben sich Wohl Neues in der Kolonie angesehen?" fragte Garczynski. „Sehr erfreuliche Fortschritte, nicht wahr? Wir haben unfern hochverehrten Herrn Vikar ein wenig entführt — die Herrschaften kennen sich? Ah, nur vom Hörensagen? Gestatten Sie!" Er stellte vor, und dann verwickelte er, den Arm auf die Lehne des Korbwügelchens gelegt, Helene in ein längeres Gespräch. Umgehend fragte er nach ihren Kindern. Es blieb Doleschall nichts übrig, als sich mit Frau von Garcz-ynska zu beschäftigen. Sie winkte ihn zu sich herüber. Mit dem zärtlich-wehmütigen Lächeln, das ihr Gesicht so sehr anziehend machte, lächelte sie ihn an, als er zu ihrem Wageuschlag trat. Ob diese Frau glücklich War?! Doleschal legte sich iitfi Augenblick, als ihn ihr .Lächeln traf, diese selbe Frage vor, die sich schon viele vor ihm vorgelegt hatten. Kam der feuchte Flimmer in diesen schönen Augen von Tränen? Und was suchte dieser starr verlorene Blick in weiter Ferne?! Als Doleschal die tveiche Hand bei der Begrüßung in die seine nahm, fühlte er einen kurzen, festen Druck, den er den zarten Fingern kaum zugetraut. „Ich tverde zu Ihnen hinüber kommen," sagte sie. „Ich fetze mich in Ihr Korbwägelchen, es ist ganz reizend! Ja, tch will," setzte sie im Tone eines verzogenen Kindes hinzu, als er etwas von „unbequem" und „eigentlich nur zwei Sitzen" murmelte. „Ihre Gattin wird mit Garczynski auf dem Throne sitzen. Aleksander," rief sie ihrem Manne in elegantem Polnisch zu, „ivir fahren gleich iveiter, ich hin müde! Die Kolonie interessiert mich zu wenig — ein andermal ! Nimm die Baronin auf deinen Bock; ich fahre mit Doleschal. Mir fahren über Niemczyce nach Haus zurück!"- Plötzlich lebhaft geworden, drückte sie ihrem Gegenüber, dem priesterlichen Herrn, ein paar der weichen Kissen in die Arme. „Hier, Herr von Gorka, seien Sie auch einmal galant! Bitte- tragen Sie mir die dort hinüber! Herr von Doleschal, bitte!" Ganz hilflos streckte sie beide Arme aus. „Der Wagen ist abscheulich hoch, ich traue mich nie allein herunter. W — ah —!" Wie eine Feder flog sie durch die Luft; als Doleschal sie herunterhob, fühlte er ihre ganze Grazie. Ihr ein wenig verschobenes Meid zurecht zupfend, lachte sie jetzt und klatschte dankend in die Hände: „Scharmant, ganz scharmant! Chängez les dames, changez!" „Muß ich?" schien Helenes Blick ihren Manu zu fragen, als Herr von Garczynski ihr die Hand zum llmsteigen bot. Doleschal senkte die Lider — sie verstand diese stumme Bejahung; es lag ihm nun einmal daran, mit den Nachbarn, wenn auch nur in teilt äußerlich aufrecht erhaltenen, guten Beziehungen -zu stehen. So schickte sie sich darein; aber ihre Beweguugeu waren steif, ihre Mienen abgemessen.. Mit liebenswürdigen Lobpreisungen nestelte sich Frau von Garcz-Yuskä auf dem kleinen Korbivägelchen ein: sie war noch nie so niedlich gefahren, hier war's ja tausendmal bequemer als auf dem großen Jagdwagen! Als der junge Vikar ihr die gewünschten Kissen in den Rücken schob, dankte sie ihm mit ihrem zärtlichsten Lächeln; aber die Kissen wies sie gleich wieder zurück: die hatte sie hier ja gar nicht nötig! Mit einer stummen Verbeugung trat er zurück. JGt hatte sich ebenso gut in der Zucht, wie seinen Schüler. Sie hatten beide noch kein Wort gesprochen. — 374 — *) Bäuerliche WestW« Ein Atemzug hob die schmalschultrige Gestalt; sie schien sich höher zu recken. Die trocknen Lippen mit der unruhigen Zungenspitze befeuchtend, lächelte der junge Vikar überlegen. Und diese Vikarzeit bei dem bäuerischen, stumpfsinnigen alten Probst von Pociecha, war sie nicht nur ein Uebergang? Was sollte wohl ein Gorka. bei den Bauern?! Den Zögling, dem man beim Abschied- vom Semiua wn „besonderen Hoffnungen" gesprochen, die man auf ihn setzte, den Erben eines uralten Namens — freilich nur eures Namens — den Verwandten eines Kardinals, lieh man nicht hier verkommen! Und war nicht die Freundschaft rnit den Garczhnskis schon ein Tritt auf die erste Sprosse der Leiter? Garczynski würde keinen andern simplen Dorf- Der Nachtigallen hatte es viele gegebchi im' Seminargarten zur Frühlingszeit, und der junge Gortä hatte oft gestanden im weichen Dunkel, damals so, wie heute hier? Hörten die andern Seminaristen denn nicht die Nachtigall? Sie hatten es nie gesagt. In Chwaliborczyce gab's keine Nachtigall; in den Neiden Frühjahren, die der Vikar nun schon hier erlebt, hatte nie eine ihren schluchzenden Aufschrei erhoben. Mm« hielt ein K'atzenrudel, denn aus dem Wallgraben, der den Park umschloß, stiegen Ratten und zernagten die Portieren und Fenstergardinen im großen Eßsaal zu ebener Erde. Aber jetzt — horch! Durch die zwei Reihen der uralten Hainbuchen, die sich, wie ein dichtes Dach über den' Wallgang diesseits des Grabens wölbten, fuhr ein halb erschrockener, halb jauchzender Mädchenschrei. Aha, da badeten wieder die Hofmagde int Wallgräben! Und die Knechte kamen ihnen dabei über den Hals! Menn die Nächte so schwül sind und der Erntestaub so brennend, dann heben sich die Leiber, die behend Rock und Hemd abgestreift, wie weiße Statuen jenseits vom dunklen Grabenrain; leuchtend glänzen sie herüber zu der einsamen Bank, die ganz verborgen steht unter den llef- hängenden Buchenästeu. Das Baden im Wallgraben wär dem Gesinde verboten — ob man es anzeigte? Lieber nein! Der Inspektor war gleich grob, schlug darauf los mit der Ledergeschwänzten oder zog Strafgeld vorn Lohn ab. Und wusch das etwa die Seele rein, die eine Verfehlung auf sich geladen?! -Ein feines Lächeln überhuschte für einen Augenblick des Geistlichen ernstes Gesicht. Langsam streckte er dis Hand aus, hielt sie hinaus in die Dunkelheit und zog sie dann langsam und- fest, zur Faust geschloffen, wieder an sich zurück — diese Hand, so dünn, daß die Adern blau durchschimmerten, diese Hand, zart wie eine schöne Frauenhand, diese hielt viel! Hastig wendete sich der Einsame um: hätte jemand gelacht? Niemand war da, nur die Nacht auf verfallender Treppe und im verwilderten Park. Nein, diese Jungen, die französisch plapperten bei der Bonne, dann am Wissen herumnippten und dann im preußischen Drill ihr Vaterrand öfter verleugneten, wie Petrus Jesus Christus, den Herrn, die gründeten kein neues Polenreich, wenn nicht piese, diese —, die Hand wieder ausstreckend, sie erhebend! in der Dunkelheit, atmete der Priester tief auf — diese hier sie stützte! —— r—। Vom Dom in der Stadt auf den sieben Hügeln hallen die Glocken weit ins Land. Der Komornik im laugschö-ßigen Rock, die KobietM) im sonntäglichen Spenzer, das Mädchen mit den vielfarbenen Bändern an der Halsperlenschnur H Männer, Weiber, Burschen, Dirnen, Greise, Kinder, Abge-. chiedene und noch! Ungeborene — alle liegen vor dem Altar m Staub-, gehorsam der ei n e n großen, heiligen, unergründlichen Macht alle, auch diese dq drinnen! (Fortsetzung folgt.) Auch die blonde Zofe, die sich auschickte, mit dem Schirm hinter ihre Herrin zu klettern, wurde abgewiesen. „Ich brauche dich nicht, Stasia! — Wie herrlich ist du Sonne! Wie wunderbar gefärbt die Wolken sind!" Frau Jadwigas Augen schwämmen. „Fahren Sie, Baron, he, voran!" Ihre Brust, hob sich, als wolle sie springen int Uebermast der Empfindung. „Ich bin entzückt! Fahren Sie, fahren Sie — schneller in die Sonne hinein, schneller!" Der Traber strengte sich au. Mit ausgezeichneter Kunst die vier wilden Pferde, die der Diener inzwischen kaum hätte zügeln können, zri langsamem Tempo zwingend, fuhr Ku Jagdivagen lachte die Zofe plötzlich halblaut auf, und dann, ivie erschrocken über ihr Lachen, warf sie von unten her einen verstohlen schielenden Blick auf Lehrer und Schüler. Der Vikar hätte ein Büchlein herausgezogen, in das er mit ernster Miene vertieft ivardas junge Herrchen dagegen merkte auf. Ein Ausflackern seines Auges beaecmete dem leicht schielenden Blick der Blonden. Da | lächelte sie kaum merklich, aber weiche Grübchen kamen dabei in ihre jungen Wangen; sie lehnte sich ein wenig hintenüber, ließ die Wimpern über die Augen fallen und spielte am Schirmgriff ihrer Herrin. Der Traber, durch die vier Pferde, die hinter ihm schnaubten, und durch das Gebell der Doggeil, die, tote rasend, zwischen beiden Wägen hin itnb her sprangen, nervös | gemacht, schoß dahin wie ein Vogel auf fliehendem Flug. DaS Viergespann ihm nach. Sich verfolgende Schatten, durch steigende Nebel vergrößert, jagten über die rasch dunkel \ werdende Ebene. _ Dudek, der Schäfer, schlug ein Kreuz; wer war das?! Fliegende Pferde, fliegende Wägen und fliegende Hunde?! Heilige Mutter, hilf, das war Mysliwh pan, der Nacht- jäger,-auf wilder Fahrt! , . Scheu pfiff er seiuem Hunde und trieb eilig die -schare zusammen. Daß die heilige Mutter sie hüte! Auch über ihnen machte er das fromme Zeichen. Horch, klang's jetzt nicht schon ferner, das „Hucyhahcch und das „Hoho"? Aber jetzt noch ein Lachen! Hell ime die Katiia lacht, wenn sie ant Himmel im Abendrot fliegt und Seelen raubt und sie dahin trägt, von wo sie nie mehr zurückfinden können. t „Herr, Gott, sei bei uns!" Sein .Haupt verhüllend vorm Grauen der Ebene, betete Kuba Dudek, der Alte. 3. Tiefes Dünkel der Augustnacht wickelte das Herrenhaus von Chwaliborczyce ivie in ein dickes, ivarmfeuchtes Tuch. ,, , Der Vikar hätte sich eben von den Herrschaften verabschiedet. Es war spät geworden, der Umweg über Niem- czhce hatte das Rachhausekommen verzögert. Dann war gespeist worden, und- dann hatte der Vikar, wie immer, Wenn er in Chwailiborcztzce als Abendgäst blieb, eine Andacht abgehalten, an der auch das Gesinde teilnahm. Frau Jadwiga war ihm dankbar dafür; sie hatte ihn auch heute, trotzdem sie erschöpft war „bis,zürn Unsinken", wie sie sagte, darum gebeten. Run stand Gorka endlich draußen, unten am Fuß der vielfach ausgetretenen und zerrissenen Freitreppe-, die vom Gartenzimmer hinab in den Park führte, und war erschrocken, als ihm seine Uhr — ein kostbares Namenstaggeschenk der Garczhnskis — halb! elf wies. Und zögerte doch noch. Drinnen spielte die Garczynska Chopin — warum tat sie das, wenn sie so müde war?! Tadellos perlten die Läuse, aber — Xaverias Gorka chüttelte den Kopf — so war's doch nicht gut! Sie spielte >enn doch zu willkürlich launenhaft; presto, wo ritardando ein mußte, con dolore statt scherzando! Das hatte er schon ehr oft besser spielen hören. Wer er blieb! noch stehen. Garczynski hätte wie gewöhnlich für ihn änspannen lassen wollen, aber er hatte dankend abgelehnt. Er wollte heute gehen, mußte gehen, es Wär ihm ein Bedürfnis, sich müde zu lausen. Zwischen den geborenen Steinplatten der Treppe und im hohen Grase der verwilderten Parkwiese scb-irpten Hunderte von Grillen; unausgesetzt, gleich melodielosem Saitenschwirren, klang ihr Gezirp, ohne Tonfülle, ohne Poesie, und doch WM etwas Meiches! 6-arm, wie im Lied der Nachtigallen. Vikar den „hochverehrten Lehrer" seines Sohnes nennen — da hatten sich schon Einflüsse von oben her geltend gemacht. Es war kein Genuß, den jungen Boleslaw zu unterrichten, der Junge war sündhaft faul, — faul wie alle, die einem reichen Vater hinter sich wissen — aber diese Zubereitung des kommenden Geschlechts, das Polens neuen Glanz wieder begründen sollte, war ein Vertrauensvotum. Polens neuen Glanz begründen — di e?! C 11 n § tt n n N it K i! si 51 it Z K st 8 b d> E y ti n C n si v a K £ b b n V $ P S a v ß K rr K it; ei I P it v e I) e e ti r n 0 375 Die Sornmsklnsöe. , Von C y p r i e n u e. . Es ist ein unausrottbarer Irrtum, daß die Mode von den Konfektionären oder einzelnen tonangebenden Damen geschaffen wird. In Wahrheit schafft sie niemand, sondern sie entsteht und entwickelt sich aus sich selbst heraus. Das konnte man in-diesem Jahre wieder so recht beobachten. In der Seinestadt war die Parole ansgegeben, daß die lange russische Bluse bezüglich der frühlings-und sommermäßigen Promenadentoilette eine führende Rolle spielen sollte, und allenthalben sah man in den Schaufenster- jauslagen und Modistenateliers die durch sie vervollständigten Kostüme, aber auf den Straßen forschte man vergeblich nach ihr. Die wenigen Damen, die sich dies Kleidungsstück angeschafst hatten, bereuten es bitter, denn es erwies sich als gar zu rmNeidsam, sie hängten es in den Schrank oder ließen es, so gut dies eben möglich war, umarbeiten. Weitaus die meisten jedoch schlossen einen Kom- promiß mit der Mode und bestellten sich eine Umhülle, die einj Mittelding zwischen dem langen, seit mehreren Saisons bevorzugten Paletot und der kurzen, im Frühjahre auf den Markt gebrachtes Jacke darstellte. Dies Stück ist zurzeit fast das Alleinherrschende auf dem betreffenden Gebiete. An Uni-Kostüms trägt man es -vorwiegend vorn offen, mit langen, ziemlich schmalen, von ein-- gepreßten Knöpfen begleiteten Revers und, so-fern es separat vom Kleide gefertigt ist, geschlossen, mit einreihigem Knopfschluß. Aber wie oft begegnet man überhaupt solchen Entoutcaspaletots? In Wahrheit so selten, daß -es kaum der Mühe wert ist, ein Wort über sie zu verlieren. Der aus Rock und harmonierendem Paletot kombinierte Anzug dominiert ja gegenwärtig völlig. Allerdings ist es eine trotz aller scheinbaren Einfachheit sehr teure Mode, da sie es notwendig macht, zu jedem Kleide eine besondere N m hülle zu haben. Die beliebtesten Kostümstoffe sind Schantungseidc Und- Leinen. Unter dem letzteren unterscheidet man das sehr elegant wirkende, rep^artige Seidenleinen, das lange nicht so schöne, aber bei weitem teurere Sackleinen und dann noch verschiedene mindere! Sorten in leichterem Gewebe: Indigo-, Pfauen-, vergißmeinuicht- Nnd stahlblau, mauve, rost- und havannabraun, fraise und örcu sind die modernsten Farben für Leinen tote Schantungseide; welches von beiden praktischer oder schöner ist, dürste schwer festzustellens sein, es läßt sich oft gar nicht erkennen, lvas Leinen und was- Seide ist. Auch bezüglich des Preises bestehen eigentlich gering«! Unterschiede. Die Paletots der groben Sacktuchkleider füttert man häufig mit weißem Atlas und garniert sie mit feiner seidener Schnurstickerei und seidenen Passepoils. Solch ein Kostüm kann selbstverständlich nur chemisch gereinigt werden, im übrigen benötigt es im Hinblick auf seinen gedeckten Ton, seine rauhe Oberfläche und Dicke nur selten der Wäsche. Wenn man ein objektives Urteil über diese Kleider abgeben soll, so muß man gestehen, daß in ihrer Beschaffenheit etwas furchtbar Widersinniges liegt, denn mit dem Begriff des Leinenkleides verbindet man unwillkürlich Leichtigkeit, Bequemlichkeit, Billigkeit lund — im Grunde auch Vergänglichkeit. Diese wie für die Ewigkeit geschaffenen Kostüme sind jedoch sehr kostspielig und so schwer und dick, daß man eine Reise nach dem Nordpol in ihnen chntreten könnte. Viele Damen benutzen sie daher auch anstatt von wollenen für die Reise. Unter den letzteren treten gestreift« Gewebe besonders hervor. Für den Schick der aus ihnen gefertigten Anzüge gibt die Art, in der die Streifen zur Geltung gebracht werden, den Ausschlag. Als Beispiele hierfür will ich ein paar Kostüme beschreiben. An einem aus Braun und Weiß gestreiften englischen Stoff war dieser so genommen, daß die Streifen aus der BordcHahn vertikal und auf den Hinteren Bahnen, von oben anfangeNd, schräg nach unten auseinander liefen. Außerdem setzten sich den Nähten des Devants wagerecht gestreifte Spangen bis zur Knie- Höhe an. Das gleiche Arrangement wiederholte sich auf dem Jackett, dessen Vorder- und Rückenteil der Länge nach gestreift waren, während die schmalen Seitenteile schräge, parallel mit den Hinteren Rockbahnen lausende Streisen aufwiesen. Brandenbourgs tn Spangenform entsprechen den Spangen des Devants. An einer Toilette aus grau- und schwarzgestreiftem Cheviot war wiederum ein in halber Rockhöhe um die Hinterba.hu laufendes Biais mit horizontalen Streifen charakteristisch. Der dazu gehörige Paletot zeigte eine querüber gestreifte Blende, die den Rücken nach Art eines Gürtels umgab und vorn in einer Spange endigte. Wer etwas Phantasie besitzt, der vermag sich unendlich viele Variationen derartiger Arrangements auszudenken. , Eine beliebte und recht effektvolle Dekoration für Kostüme bilden 1—2 Zentimeter messende Kartonvierecke, die mit dem Stoff des Kleides öder auch einem abstechenden überspannt und darauf kreuzweise öder der Länge nach ein paarmal mit Soutache benäht werde!n.j Man setzt sie bis zur Kniehöhe den Rockbahnen und dementsprechend den Paletotnähten und -Aermeln auf. Auf einem grauen Kostüm sehen z. V. schwarzseidene, auf einem fraisefarbenen bordeauxrote, stuf einem hellblauen dunkelblaue usw. gut aus. Es ist eine Garnitur, die die Schneiderin sehr teuer berechnet, die sich aber jede Frau, auch wenn sie gänzlich ungeübt in weiblichen Handarbeiten ist, in kurzer Zeit ans alten Flicken nahezu kostenlos Herstellen kann. Ich sah ein imuiderbar schön es Kleid aus Pfauen--. blauem Sommertuch, das mit solchen Vierecken geschmückt und! außerdem auf den Aermeln und der Taille durchweg mit schmalen blauen Sontachebordüren bestickt war. Den sämtlichen Paletotkostümen eint sich natürlich die Bluse. Für den täglichen Gebrauch wählt man sie in Weiß, entweder! aus Batist oder Mull, mit vielen Säumchen und Stickereieinsätzen verziert oder aus Spitzen uni> Tüll. Wer auch hier! wieder gilt die Tatsache, daß das scheinbar Luxuriöse das Billigere ist. Denn diese komplizierten Spitzenblusen lassen sich nicht nur aus allen erdenklichen Resten zusammensetzen, sondern halten auch dreimal so lange rein vor als die, für die Batist das Material hergibt. Reizend schaut cs aus, wenn man den Blusenkörper aus einem beliebigen Spitzenstoff arbeitet, ihm ein Spachtelkollier! inkrustiert und dies mit einem Latz aus Säumchentüll füllt.. Auch Blusen aus grobmaschigem Tüll, mit Glanzgarn leicht durchzogen und mit weißer Soutache gestickt, sind äußerst effektvoll. Nie aber darf der Bluse der kleine durchscheinende Latz kehlen, unter dem das bunte Band, mit dem das Unterleibchen durchzogen ist, hervorschimmert. Diese Anordnung überträgt man neuerdings auch auf schwarze und kuleurte Spitzenblusen, indem man unter diese ein gleichfarbiges Leibchen aus englischem, Batist zieht, das mit abstechendem Band geschmückt ist. Eine aus schwar- zem Rock und schwarzer Tüllbluse bestehende Toilette erhält eine ganz eigene, seine Nuance, wenn sie durch eine schwarze Cheuns« mit erdbeerrotcm oder türkisblauem Band gehoben wird. Noch eleganter aber freilich sind die grauen, blauen, rosa usw. Tüll- und Spitzenblusen. Ich möchte hier Auen Rat für solche meiner Leserinnen beifügen, die sich mit geringen Mitteln distinguiert zu kleiden wünschen. Er besteht darin, daß man alle Reste von weißen oder gelblichen Spitzen und Tüll, die von verbrauchten Blusen herrühren, ime ferner alte Spachtelkragen in einer genau zu einem vorhandenen Rocke passenden Nuanes einfärben lassen möge, um daraus Blusen zusammenzusetzcn. Das Einfärben kostet sehr wenig, nnb- solche Blusen wirken unbeschreiblich vornehm und kostbar. Ten Clou der Mode, ivas Blusen! anbctrifft, bildet aber doch die „Cache de nufere", das heißt die oben etwas ausgeschnittene Ucberbluse mit verkürzten Aermeln aus einfarbigem Chiffon, die über alle beliebigen, stark gemusterten! Blusen gezogen wird. Sehr reizvoll erscheinen relieffarbtg ge- . stickte weiße, mit dunklem braunem, lila, marineblauem. usw.. — Chiffon verschleiert. Trägt matt aber z. B. zu einem silbev- grauen Rock eine großblumig oder türkisch-gemusterte Seidenbluse^ so verhüllt man sie, um sie in Harmonie mit dem Rocke zu bringens mit silbergrauem Chiffon. Die Cache de missre wird einzig! und allein an den Rändern mit einem Passementcriebörtchen oder ein wenig Seidenschnur garniert, im übrigen bleibt sie unverzierü, Allerdings sind von Paris ans Ueberblusen mit aufschabloniertem! Goldmuster importiert, doch scheinen sic wenig Anklang zu finiten.. Unter den aus einem Stoff gefertigten Roben nehmen die! Prinzeßkleider noch immer eilte erste Stelle ein, zum mindesten, sofern sie für elegantere Zwecke bestimmt sind. In Luxusbadernl wird man bei Reunions vorwiegend sehr tief ausgeschnittAnS und mit Unterbluse aus Spitzen und Doppclrock sehen. Die Gewebe für diese Fassons sind Crepe de Chine, Seideuvoil-s^ weiche japanische Seide und Tüll in ganz zarten Tönen. Ms vornehmster Besatz gelten lauge Fransen aus schmiegsamen Seiden- bändchen, daneben auch Perlmutterflittem und Wachsperlen., Wahrhaft poetisch war ein wasserblaues, mit Wachsperlen gesticktes, halb anliegendes Empirekleid, das sich über weißen Seiden- satin breitete. Den Nnterzug umsäumten halbmeterbreite, wasser- blaue Fransen, auf die der halblange, bogig ausgeschnittene Tüll- rock fiel; das kurze Empirelcibchen umgab ebenfalls eine Bortt! ans Fransen. Bei jeder Bewegung der Trägerin fielen die blauen Fransen auf dem weißen Untergrund auseinander, wodurch sich ein Farbenspiel entwickelte, das an schäumende Meereswogen erinnerte. Einfachere Sontmcrtoiletten bestehen nur aus Bluse und Rock von gleichem Stoff, doch wird der letztere auch in diesem Fall gern zweistufig gefertigt. Im großen und ganzen wählen jedoch meist nur junge Mädchen diese Blusenkleider, für die man leicht« naturgraue Leinwand mit weißen Börtchen, Batist und Voile mft Blumendessins und abgepaßten Borten benutzt. Hinsichtlich bet Bortenstofse ist noch zu sagen, daß die Chanteclermode in unheimlicher Weise in ihnen spukt. Hähne und Hennen in denkbarst naturalistischer Ausführung und grellften Farben geben sich darauf ein Rendez-vons. Da ich bei der Chanteclermode bin, will ich nicht vergessen, die bizarren, mit Hähnen bedruckten Gürtelschärpen! und Bindekrawatten zu erwähnen, die letzthin auf der Bildfläche erschienen sind. So abgeschmackt diese Sachen finb, so glaub« ich doch, gibt es wenige Damen, die ihren Koffer für die Sommer- reife packen, ohne wenigstens einen Chanteclergeyenstand hinein- zulcgen. Das Tollste auf dem Gebiete, das ich je gesehen habe, war ein schwarzer Gesichtsschleier mit einem eingewebten bunten Hahn, der gerade über Ser Nase seinen Platz erhielt. Aber auch auf den Sonnenschirmen hat das krähende Tier einen Platz erhalten. Manchmal bringt man es auf der Ober- fläche des Sonnendaches, mmrchmal auch im Futter an( bisweilen auch endigt der Griff in einen Hahnenkopf. Von diesen Ausgeburten einer Variätämode abgesehen, präsentieren sich die Schirme sehr einfach. Sie sind meist mit Seide in der Forin des Kleides überspannt und am Stock mit einer vollen Bandschleife E- 376 — oder höchstens einem Bukett geschmückt'. Nur ausnahmsweise begegnet man Schirmen aus Brabanter Point-lace über kuleurtew Seide, der int Ton dem Bukett am Griff entspricht. Selbstredend muß mit diesem der Blumenausputz des Hutes harmonieren. Wohl noch nie, auch int verflossenen Sommer nicht, sind die Hüte so verschwenderisch mit Blumen überschüttet worden. Die riesigen, leicht glockenförmig gebogeiteu Fassons aus dunkelgelbem, und bräunlichem Florentiner Stroh oder kreideweißem, mattrosa, wasserblauenr und fliederlila Roßhaar verschwinden förmlich unter der Last der verschieden nüancierten Rosen, Kornblumen, Mohnblüten, Winden und Akazien. Akazien, Goldregen, Glyzinien und Wicken, von rosa bis in blau und lila hereinschattiert, sind wohl zumal beliebt. Uebrigens erweisen sich diese großen Blumenhüte, die auch ältere Frauen — allerdings in gedämpften Tönen — .tragen, als sehr kleidsam. Eine, gelinde ausgedrückt, höchst „originelle" Kopfbedeckung ist der „Siouxhut", der einer auf den Hinterkopf gestülpten Kasserolle gleicht und ringsum mit einem aufstrebenden Federgesteck umgeben ist, das man täuschend der Federkrone eines Indianerhäuptlings nachgebildet hat. Für die Reise dienen vergrößerte Matelots! aus gelblichem Reisstroh, deren Kopf nur ein breites Sammet- baud umschlingt, oder eine riesige Äutomütze aus Leinwand oder Rohseide. Für Reise- und Staubmäntcl, die entweder in gewöhnlicher Paletotform oder geishaartig geschnitten sind, verarbeitet man größtenteils Schantungseide, gelbliches Seinen oder grauen Mohair. Im letzteren Falle wirken sie jedoch etwas spießbürgerlich. Dessous werden mehr denn je ans Seide hergestellt. Auch unter bett Waschkleidern trägt man meist Helle seidene Nnterröcke, die in der Tat weniger kostett, als die heutigen fast ganz aus .Spitzen kombinierten, mit farbigen seidenen Bändern durchzogeiten, die zur Lingeriebranche gehören. Was schließlich die Handschuhe anbelangt, so gilt es als besonders schick, sie in der Farbe des Kostüms, nur etwas matter in der Schattierung zu nehmen. Halbhandschuhe sind weniger Modern als in den Vorjahren. Als besottders zweckntäßig für die Reife nenne ich tue sehr widerstandsfähigen aus naturgrauem Ftl d'Ecosse. Jelängerjelieber. Jelängerjelieber ist .der Beiname mehrerer Pflanzen, im besonderen aber zweier Arten Geißblatt. Die eine davon, Lonicera Caprifolium der .Botaniker, ist ein aus dem Süden eingeführtesf Gartengewächs, das früher deshalb auch welsches Geißblatt hieß, die andere, Lonicera Periclymenum, unser wildes Geißblatt, das in Wäldern zwischen den Bäumen wächst und sich hoch an ihnen tzmporschlingt. Beide heißen auch Jelängerjelieber. Warum diese Sträucher Geißblatt benannt sind, ob deshalb, weil sie so geschickt wie eine Geiß oder Ziege zu klettern verstehen, oder iveil.ihre Laubform an einen Ziegenfuß erinnert, darüber sind die Gelehrten sich' nicht einig. Ich vermitte, der Name Geißblatt kommt daher, daß das Laub der wilden Art, wie die Forstmänner wissett, gern.von Ziegen verzehrt wird. Die Gattung Lonicera, zu der sonst noch ein paar Gartens ziersträucher gehören, ist vonLjnns so benaimtj worden nach deut "ans Marburg gebürtigen verdienstvollen Botaniker Adam Lonicer, der ein Wunderkind älterer Zeit geironnt werden kann. Mit dreizehn Jahren schon war er Baccalaurens, mit sechzehn Magister der freien Künste, als Stadtphysikns aber ist er' 1586 in Frankfurt a M gestorben. Was nun den Namen Jelängerjelieber betrifft, so gibt es ein wyllifches Geschichtchen von W. Müller, worin eine Chloe und ein DaphniS die Hauptpersonen sind. Sie sind ein Liebespaar, wohnen Aber entfernt voneinander. Da besucht eine Tages Lycinun, Chloes Mutter, die' Mutter des Daphnis, die ihre Jugendfreundini rst, mit ihrem Töchterchen und findet sie mit dein Sohn zusammÄ^ tu einer Getßblattlaube sitzend. Die Liebenden macht das' Wiedersehen glückselig, da aber Daphnis Lycinun fragt, tute lange sie da- bleiben wolle, antwortet diese: „So lange das Geißblatt blüht" Sogleich fleht Daphnis die Liebesgöttin an, das Geißblatt doch recht lange blühen zu lassen, und die Göttin erhört ihn. Seitdem heißt das Geißblatt Jelängerjelieber. ..., Es liegt auf der Hand, daß dies Geschichtchen zur Erklärung des Namens frei erfunden ist. Jelängerjelieber aber kommt schon in den Kräuterbüchern des sechzehnten Jahrhunderts vor und gehört fchon der mittelalterlichen Blumensprache an. In dieser Mlt es, löte sich im Grimmschen Wörterbuch vermerkt findet, als Symbol des anhaltenden Genusses oder auch der Dauer und Be- ftiuibliifdt. 'Nun kann .aber etwas, das je länger je lieber wird, deut Mensckfen auch zum Unheil gereichen. Darauf wird hingedeutet in einem alten .Bolksliede, in dem der Blume „Fe länger je lieber" — so wurde früher der Name geschrieben — die Blume Maßlieb dem tlebermaß die Mäßigkeit entgegen gehalten wird. Dies reizenden .Verse lauten: !„'Das Kraut Je länger je lieber An manchem .Ende blüht: Bringt oft ein heimlich Fieber> , Wer sich nit dafür hüt. Ich hab' äs wohl oernontin'e'tt, Was dieses Kraut vermag, Doch kann man dem Vorkommen k Wer Maßlieb braucht all' Tag'." Das Garten-Jelängerjelieber erschließt im Mai und Juni seine zumal am Abend stark duftenden Blüten, die dann viel von Dämmerungsfaltern ausgesucht werden, häufig aber blüht es noch einmal im Herbst, wenn es neben den Blüten schon rote Beeren trägt. So etwas kommt ja bei manchen Blütengewächsen vor und dem Aehnliches mitunter auch bei Menschen. Warnemünde. ' I. Troja» * Das fidele Gymnasium. Kürzlich itmrbe, wie erinnerlich, der Ordinarius der Untersekunda im Viktor-Emanuels- gymnasium zu Palermo, Professor Ghelli, vor versammelter Klassü durch einen Schüler erschossen, der gleich darauf Selbstmord beging.; Wie sich inzwischen herausstellte, handelte es sich nach dem B. D. um eilte Mordtat ä la „Mafia" oder „Mano nera". Der ermordete Professor hatte sich durch die 14- und IS jährigen Schüler, die bessere Zeugnisse erpressen wollten, wider Erwarten nicht einschüchtern lassen, und so hatte der geheime Schülerbund, der das Gymnasium ziert, beschlossen, ein für allemal zu Nutz und Frommen der Herren Lehrer ein Exempel zu statuieren. Das weitere ist bekannt. Die Untersuchung hat eigentümliche Dinge ergeben. Gs ging unter den Schülern überaus gemütlich ztt. In der Freizeit jagen sich die Sekundaner — was allerdings der Häuptling des Geheimbundes „Monsieur Carambolage" ,in deck Zeitungen dementiert — mit gezückten Messern im Klassenzimmer herum und den Prosessoren wird, wenn sie sich umdrehen, ein gelabener Revolver gegen den Rücken gehalten, zum Ulk natürlich. Als sich ein Professor, eben der später ermordete Ghelli, plötzlich umwandte, amüsierte sich ein Schüler sogar damit, nach seinenij Gesicht mit dem Revolver zu zielen, was den armen Signor Pro- fessore in das größte Entsetzen geraten ließ. Der Herr Ördinariusi verständigte zwar den Direktor von diesem Streich, aber da der Schüler behauptete, er habe nur einen kleinen Scherz machen wollen, drückte der Direktor ein Auge zu. Vermutlich hatte auch er vor seinen Sekundanern Angst. Auch sonst scheint in der Schule ein sehr erfreulicher Ton M herrschen. So gibt es Schüler, die während der Unterrichtsstunden den Glimmstengel im Munde haben, andere geben ihrer Entrüstung über etwaige Rüffel des Lehrers dadurch Ausdruck, daß sie Hefte und Bücher mit Grandezza in die Luft schleudern. Daß ein geheimer Schülerbund existiert, der im Gegensatz zu unseren deutschen Gyninasien nicht! dem Bacchus- und Gambrinusdienste, sondern weit' praktischerenl Zwecken: der Erpressung gegenüber den Lehrern, huldigt, ist erwiesen. Allein, da nach Landesbrauch sich niemand zum „Verräter" hergeben will, so blieb der Behörde bisher nicht viel anderes übrig, als das „Archiv" des Bundes zu konfiszieren. Die' darin enthaltenen Namen sind durchweg Pseudonyme. Die offiziellen Schriftstücke des „Bundes" sind im Stil und Geist der Mafiadokumente gehalten, mit Totenköpfen und Dolchen geziert. Man kennt nur den Präsidenten des Schülerbundes, einen gewissen „Monsieur Carambolage", der sich vor einigen Monaten ans Gründen, die mit dem Bunde in Zusammenhaiig stehen, eine! Kugel in die Brust jagte, aber wieder genesen ist. Sehr bezeichnend für die Zustände an jener Musterschule war auch folgender Vorgang, der jetzt bekannt wird: am Tage vor den: Mord' fand man den Hausflur des Professors mit Oel begossen. Dies bedeutete nach Palermitaner Sitte eine Warnung, die der aus Norditalien ftantnienbe Professor nicht beachtete. Das' Oel war, wie man später erfuhr, von einem Sekundaner dort hingeschüttet! worden, der seinen Ordinarius auf diese mysteriöse Weise vor der Gefahr warnen wollte. . ' * Dispnk. „Was Sie fan, bin i Überhaupts schott langs Sie Rindviech!" MdrrMssf. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Nicht mit zu hassen, mit zu Heben bin ich da. Kebaftion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch. und Stemdruckerei, R. Lange, Gieße»