NM | U WKW' Bei dem großen Rummel und Rausch schien es, alss sei das Haus nicht mehr ganz so vornehm wie Kölln. Aber als auch darüber gesprochen wurde, liefen die Getreuen!, Graf Regnier an der Spitze, umher und meinten, wenn es etwas bunt herginge, so trüge daran nur die unvec- gleichliche Liebenswürdigkeit der Gastgeber Schuld, die er in ihrer Artigkeit nicht fertig brächten, die AusdrtngltcheH äbzuweisen. 1 , w.... Ludwig überlegte, ob sie diesen oder jenen wirklich bitten sollten, der nicht ganz feinen Absichten entsprach. Es durfte nicht.zu viel Finanz da sein, der Zug des HauseS, die Richtung würde sonst verändert. Aber oa gab es Einflußreiche, die man nicht übersehen konnte, und dcnm kam immer der Gedanke, der soll nicht gekränkt werden und! jener nicht vor den Kopf gestoßen. Der Klatsch hatte schon vorher in Berlin allerlei Phantastisches über das Fest verbreitet. In der Riesenstadt« in der es vielleicht noch reichere Leute gab als Ludwig Droesigl, war er nun einmal in den Geruch des prun- keudeu Milliardärs gekommen, obwohl man gestehen mußte, daß solche Gerüchte keinen Untergrund hatten. Waren diöi Jagden iit Kölln etwa protzig gewesen? War nicht jeder« der sie kennen gelernt, heimgekehrt mit dem Bewußtsein/ in einem vornehmen Privathanse, großen Stiles zwar, verkehrt zu haben, aber einem Hause, dem alles lieber- triebene fern lag? Ludwig und Agathe wußten nichts von dem Gerede Mer sie trugen ein klein wenig selbst Schuld, als wäre seit dem Augenblick, wo er sich nicht mehr gefürchtet, seiner Frau sein letztes Ziel zu enthüllen, wo sie nicht mehr von der Sorge erfüllt wurde, er lebe ein Leben für sich, diesen beiden Menschen der Maßstab verloren gegangen. Und doch war es nur der Jubel über den neuen Besitz, das Glück über das Näherrücken des Zieles, das dieser Mann fein Leben lang verfolgte. Nicht aus Eitelkeit, sondern beinahe nach einem Naturgesetz, als müsse dieses Geschlecht der Droesigl, das vom dunklen Ehrenmanne über den König der Arbeit zum Mode- und Gesellschafts- menschen sich entwickelt, seinen Weg nrachen. Nun, wo sie zusammen arbeiteten, fehlte gegenseitig der Hemmschuh, denn sie sah nur das eine vor sich: ihn vorwärts zu bringen, llnb immer zwingender trat der Gedanke an ihre Kinder hinzu. Sie erwähnte die Jungen in ihren Gesprächen. Sie dachte daran, mit wem sie Verkehren, mit wem spielen sollten, denn es war ivichtig, daß sie von Anfang an in das richtige Fahrwasser kamen. Und ihre blinde Mutterliebe entwars den Plan, Erich und Egon bei dem Fest erscheinen zu lassen, in dem dunklen Gefühl, ihre Jungen diesem und jenem vorzustellen, uw bereits Fäden anzuknüpfen für das kommende Leben. Da war es aber Ludwig, der dagegen sprach: aus solche Veranstaltung gehörten die Jungen nicht. Schon eine Woche vorher wurde geräumt, umgestellt/ dekoriert, daß Mich dieser tadellose Haushalt beinahe auf Droesigl. .(Roman von Georg Freiherrn von OmptedL (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) So mußte denn das Diner ohne das Herzogpaar stattfinden. Die Liste war noch vervollständigt worden. Minister Doktor von Kehl, mit dem Ludwig wegen der verschiedenen Stiftungen, die er'gemacht, in Verbindung stand, auch Staatssekretär von Gloeven wurden darauf gesetzt. Graf Nogaier ließ in seinen Bekanntenkreisen fallen, es würde etwas Außergewöhnliches: r— Es ist das Eröffuungsfest, von bem ich erzählte. Die bescheidenen Leute haben gewartet, damit es nicht nach frischenr Lack röche. Eine Menge junger Offiziere, die in Kölln Jagd geritten, gaben ihre Karte ab. Täglich schwoll die Flut der Leute, die eingeladeü feilt wollten. Da gab es welche, die nur zu sehen wünschten, wie es bei Droesigls aussehe. Andere mochten nicht zurückstehen: „Die sind ja auch eingeladen!" Nun baten auch die befreundeten Damen, daß junge Mädchen teilnehmen sollten. Und immer mehr wandelte sich das Diner zum Völkerfeste. . Ludwig hatte feine Vorkehrungen getroffen. Er, der wirklichen Luxus erlebt, als er, vor Jahren in Amerika Zeuge gewesen, wie Milliardäre Feste machten, beschloß seinen Ehrgeiz darein zu setzen, daß es etwas Ganzes würde. Die Sterne der europäischen Opern sollten an diesem Tage in dem Palais auf der Wilhelmstraße singen, aber jeder nur ein Lied. Graf Roguier verbreitete schon Geheimnisse der Speisenfolge. Er erzählte, das' ganze Küchenpersonal würde eigens für den Abend aus Paris kommen. Leute machten Besuch, die Ludwig einmal in einer Gesellschaft, auf dem Rennen kennen gelernt und sich sonst weiter nicht um ihn gekümmert hatten. Menschen, mit denen man sich auf der Straße nur gegrüßt, blieben stehen, begannen cm Gespräch über das Wetter und fragten plötzlich: — Ist es wahr, daß Jean de Rezko bei Ihnen stngen wird? — Wahrscheinlich! , , . i— Ach, ich wollte ihn so gerne Horen, aber als ich tn Paris war, befand er sich gerade auf einem Gastspiel tn Süd-Amerika. Und sie legten es so nahe, eingeladen zu werden, daß anderes fast eine Unhöflichkeit bedeutet hätte. ■ Ein zweiter begehrte-die Düse einmal tn kleinem Kreise Au sehen. Ein dritter Caruso. Eine Dame iilleressiertq sich dafür, wie wohl bei ihren Jahren Sarah Bernhardt in der Nähe aus sehe; das war ihr wichtiger,, als tote jto spielte. Allen Sehnsüchtigen konnte geholfen werden. 174 fceiit Kopse stankt. Da? war denn für die Kinder von Lernen leine Rede. Der Hauslehrer machte Ferien und benutzte die Gelegenheit, den Jungen die Museen zu zeigen. Ludwig hatte das Gefühl, als solle gewissermaßen ein entscheidender Schlag geführt werden, so befand er sich in einiger Aufregung, um so mehr, als ihm die Einrich- $iing noch nicht ganz gesiel. Bei der, Höhe der herrlichen Decke schien ihm! der große Saal ein wenig kahl. Immer näher rückte das Fest. Drei Tage noch, zwei, endlich — morgen sollte es fein._ Als Ludwig ausging, traf er am Tor einen Herrn mit schwarzem Spitzbart, der das Palais Mchnerksam betrachtete. In dem Barte zogen von den Mundwinkeln zwei schneeweiße Striche herab, die dem Gesicht etwas Ausfallendes gaben. Ludwig kannte ihn: Hosrat Ritter von Besserer, Dezernent für Kunstangelegenheiten aus Wien, der das schwerste, wissenschaftliche Gepäck mit der Leichtigkeit des Oesterreichers trug. Der Mann der Wiener Redouten und Festzüge, ohne den die Natronessen nicht auskommen konnten. Der Hofrat drückte Ludwig die Hand: i— Ah, Sie haben ja neulich vom Sedlmayr den Tiepolo gekauft! Ludwig sagte bescheiden etwas, als sei nicht viel daran, Und der Gelehrte, immer nur mit den allerersten Kunstwerken zu rechnen gewohnt, stimmte ihm eigentlich bei, so dah Ludwig sich nun ein wenig ärgerte: — Wo soll man heute noch etwas herbekomnien. Es geht ja doch alles nach Amerika. Der Hosrat schnalzte mit der Zunge, als wollte er eben beginnen. Doch er fragte, mehr eine höfliche Redensart, die Straße nach den Linden zu hinabdeutend: — Gehen & nach Haus? Ludwig erklärte, hier wohne er. Merkwürdig, gerade Käs Palais sah sich der Wiener schon eine Weile an. — Gefällt es Ihnen ? Der Hofrat sagte ein paar Artigkeiten, verbarg aber Licht, wie das Gitter mit den Lanzen aus der Zeit Ludwigs XIV. mit dem italienischen Renaissance-Portal nicht »bereinstimmte. Ein Wort gab das andere, und Ludwig »orderte ihn auf, sich seinen Besitz einmal anzusehen. Der tzofrat zog die Uhr, dann erklärte er sich bereit. Mit Agathe gingen sie von Saal zu Saal. Sie blickte Ken berühmten Kunstgelehrten ängstlich von der Seite an, tvas er wohl sagen würde. Er betrachtete, etwas zurückhaltend, die Bilder, Skulp- strren, Möbel, die alten Plafonds, Tapisserien, Büsten und pronzesachen. Im großen Saal sand er zum erstenmal ein Wort, das übep die übliche Anerkennung hinaus ging. ^Fein, fein!" sagte er einmal über das andere. Da er hörte, daß das Palais nicht alt sei, ivollte er wissen, wer ps gebaut hätte, denn die Verhältnisse gefielen ihm ausnehmend. Er holte ein Opernglas hervor, legte sich beinahe auff den Rücken in einen Stuhl und blickte zur Decke Sipor, deren Ursprung er bestimmte. Dann ging er zur and, klopfte, tastete, pochte und fragte plötzlich: — Was hat denn hier gehangen? Schauen S', jetzt weiß ich, was mich stört. Die alte Ledertapete ist zwar sehr schön, aber berechnet ist es gewesen mif ein paar «roße Gemälde. Eins, zwei, drei, vier, das ist es, was Mr hier fehlt. Hier gehört schon etwas hin. Ludwig hatte es dunkel geahnt: unten im Saal, !oo herrliche Möbel, wunderbare Bronzen und Marmorsachen, holz- und Elfenbeinschnitzereien, Majoliken, Gold- und Lilberarbeiten vergangener Jahrhunderte standen, war zu Piel, an den Wänden zu wenig. Er sagte wie cntschul- fngend: Es sollte ruhig wirken. Der Hofrat trat noch einmal zurück und musterte den Saal: — Deswegen wird's net unruhig. Im Gegenteil! Es zeht dann besser z-'samm. Jetzt ist oben Ruhe und unten änruhe. Wahrscheinlich haben hier einmal Familienbilder gehangen. Einen Augenblick schoß Ludwig der Gedanke durch den Kops, schnell noch ein paar der großen Oelbilder der alten Kölln kommen zu lassen. - Doch er fühlte, daß das unmöglich sei, und sagte: - - Es ist nicht so leicht, etwas Passendes zu finden. Hofrat von Besserer blickte ihn an: * r— Sie, Herr von Droesigl, i müßt schon was. Er strich sich den Spitzbart, daß die beiden weißen Streifen im Haar sich in seiner Hand vereinigten.- - I— Wer billig wär's net!' !— Nun, wenn es etwas Besonderes ist. . , Es ist schon was Besonderes! Dann erzählte er die Veranlassung, die ihn nach Berlin gesührt. Für die Wiener Museen war er hier. Sechs riesige Gemälde von Rubens, einst wahrscheinlich sür Maria d'Medici gemalt, warteten beim Spediteur, um nach Paris abzugehen. Ein junger Pole, aus dessen väterlichem Schlosse bei Gnesen sie stammten, wollte sie und noch andere Kostbarkeiten zu Gelde machen, da er seit Jahren über seine Mittel lebte. In Paris lvar der beste Markt für solche Schätze; gelang es freilich, sie hier freihändig zu verkaufen, so wurden Reisekosten gespart. ■ Die Herren von den Bluseen in ^Berlin, Dresden, Frankfurt, München waren da gewesen — aber wieder gegangen. — Den Preis könnt' man net herausbekommen. Endlich hat er ihn g'sagt. Da sind alle hinaus. Der muß a Göld brauchen oder er spinnt. So was können Museen net zahlen. Und er schilderte die Bilder mit ihrem mythologischen Inhalt in glühenden Farben und mit zungenschnalzendem Bedauern. Er schloß: — Gräfin gestatten, daß ich mich empfehle. Ich bin versprochen. Es war mir sehr interessant, so schöne Sachen zu sehen. Ah, der Saal ist schon schön, aber glauben S' mir, Bilder gehören hinein oder eine Tapisserie, aber Bilder wären schon besser. Er wollte nach der Uhr sehen, behielt sie aber in der Hand, ohne einen Blick darauf zu werfen, so eifrig lvar er bei der Sache: — Gnädigste Gräfin, der Pole'hat Tapisserien! Sie, so was sieht man net oft! - Die wären was für unser Kunstgewerbemuseum ! Agathe sagte: — Nehmen Sie sie doch mit, Herr Hosrat! Er rieb den Daumen auf dem ausgestreckten Zeige- und dritten Finger der rechten Hand: — Der Etat! Wir haben eh schon z'viel gekauft! Empfehl mich, Herr von Droesigl! Wanns nach Men konimen, soll's mich sehr freuen. Der Hofrat küßte der Hausfrau die Hand und ging. Das Ehepaar blickte sich an, einen Gedanken in den Augen. Er sagte schnell: — Vielleicht könnte... Sie flüsterte: — Frage doch- wo es ist. Dann blieb sie zurück und lauschte auf die Stimmen draußen. Einen Augenblick daraus kam Ludwig: — Er hat mir die Summe angedeutet! Donüerwetter! Aber es wäre doch schön, etwas zu haben, wovor alle Sammlungen zurückschrecken. Er sagt, er glaube, es paßt. Gib mal das Matz. Ich fahre gleich hin! Sie eilte in Ludwigs Zimmer, wo auf dem Schreibtisch immer eine Schmiege lag. Dann nahmen sie die Abmessmrgen, und Ludwig verschwand. Agathe, der die Wand nun auch kahl erschien, sah schon die Bilder in Gedanken vor sich. Sie hatte beinahe Angst, daß die Fahrt vergeblich wäre. Doch die Gemälde kamen unter dem Druck verschiedener Trinkgelder schon nachmittags an. Sie paßten, wie für den Saal gemacht; nur zwei kleinere waren nicht unterzubringen. Freilich war der Preis so riesig, daß Ludwig ihn Agathe ins Ohr flüsterte, als ober Angst hätte, ein Fremder könne es vernehmen. Doch angesichts der übertriebenen Summe hatte Herr Droesigl den glücklichen Einfall gehabt, zu erklären, er nähme die Bilder nur, falls die Tapisserien dazu gegeben würden. Dafür Barzahlung binnen einer Stunde — oder er führe augenblicklich davon. Der Verkäufer, der angesichts des kopsschüttelnden Ab- zuges sämtlicher Museumsbevollmächtigten, Liebhaber und Händler am Morgen die Nerven verloren, schlug ein. .Agathe klatschte in die Hände: > — Und wo sind die Tapisserien? — Die habe ich dem Hofrat für sein Museum geschenkt. Ich war schon bei ihm. Agathe machte ein Gesicht, als fände sie es fast fchade> doch Ludwig beugte sich zu ihr: — Man kann nicht wissen. . . eine Hand wäscht die andere, -(Fortsetzung folgt.) 175 e einem wallenden Locken herunterhingen, herumzütanzen. Es ging nun lustig zu und die Stunden flogen dahin. Als aber bereits' deck Nachtwächter ans seinem großen, mächtigen Horn die „Elfe" geschmettert hatte, mußte man an den Rückweg denken. Nach- dem man die Zeche bezahlt und dem Kapellmeister noch ein Trinkgeld in die Hand gedrückt hatte, verabschiedete man sich. Im Mondenschein fuhr der Schlitten die Höhe hinaus nach dem Städtchen zu, und welch ein köstlicher Anblick war es, als man von der Höhe aus die Berge und Täler des Vogelsberges in ihrem Wintergewande in nächtlicher Stille überschaute. * um dort Ferkel zu holen. Ta kein geelgnter Zug gmg, rnactM ich den Weg von H. aus, der durch einen großen Wald fuhrt, zu Fuß. Dieser Waldweg wird wenig begangen, beim es begegnete mir fast niemand. Plötzlich vernahm ich einen eigentümlichen Gesang und Musik. Als ich einige Schritte weiter-, gegangen war, kamen mir auch schon eme Anzahl Zigeuner--. kiuder entgegen und umringten mich mit den Worten,, , „Vatterche Zigarren". Ich gab ihnen alle meine Zigarren, die ich bei nur hatte, um sie von mir abzubringen. Bald danach traten aus dem Waldesdickicht fünf schwarzbärtige, robust aussehende, aber doch gutgekleidete Zigeuner auf die Straße und schritten auf mich zu Nun war es mir in dem einsamen Walde, nicht einerlei, mein erster Gedanke war meine Brieftasche, in der ich etntge tausend Mark zum Ankauf der Ferkeln bei mir trug, die werden sie dir jetzt abnehmen, dich ums Leben bringen und hier ittt Wald verscharren. Mit diesen Gedanken schritt ich, scheinbar ohne Furcht, meines Weges weiter! zurück konnte ich nicht mehr, da ich schon zu nahe an die Gesellschaft herangekommen war . „Geben's mir erst mal ’n Krug Bier, dann erzählen's Ihre Geschicht'n weiter", unterbrach der Doktor, dem die Erzählung osfenbar zu lange dauerte, denn so lange ruhig zu. fein, war er gar nicht gewöhnt. Nachdem Fritz Frau dem Doktor seinen Krug gefüllt, fahrt er fort: „Als ich gegrüßt und schon beinahe an den fünf Mannern, vorüber war, sprang einer derselben aut mich zu, ich glaubte mich schon an der Kehle erfaßt, ergriff meine Hand und stammelte die Worte heraus „ei guten Tag Vatterche aus dem Vogelsberg; Vatterche, wie kommst du hierher. „Ja, woher kennst du mich denn", fragte ich; mir war es jetzt schon leichter geworden. „Ei Vatterche, weißt du nicht mehr, wie du Uns in HelpcrK^ Hain mal ein Faß Bier gekauft hast, es ist schon lang W. „O ja, ich erinnere mich dessen noch ganz gut, es sind schon acht Jahre her," erwiderte ich. Es vergingen Jahre. Fritz Kran kam infolge seines Handels viel in der Welt herum und erlebte auch viel, sogar kam er bis in die Gegend von Hannover, um dort Ferkeln einzukaufeu, die er dann wieder im Vogelsberg absetzte. Er war deshalb nur selten zu Hause. Seine gutgehende Wirtschaft mußte seine Frau, die sehr tüchtig war, meistens allein versehen. War er aber zu Hanse, so konnte ihn seine Frau ganz feiten dazu bewegen, feine Gäste zu bedienen und zu unterhalten, höchstens „schnarchte er ihnen was vor. Nur wenn er etwas Besonderes erlebt hatte/ wurde er gesprächig und gab es zum Besten und man hörte ihm! gern zu, weil man wußte, daß es kein Geflunker war, was eck Eines Abends — es war im Oktober — war der Stamuw lisch im sog. „Fettstübchen" der Krau'schen Wirtschaft wieder einmal gut besetzt, der dicke Otto und ein Tr. Schmidtel, ein echter! Bayer, hatten ihre Stammplätze auf dem schwarzen ledernen Sopha inne und um den runden Tisch herum saßen die übrigem Gäste, meistens Beamte des Städtchens, und Fritz Krau hatte! seinen Platz auf dem hinter dem Ofen stehenden Holzkasten ein- genommen, wo er so ungestört fein Nickerchen uiachen konnte. Nachdem zunächst der Gerichtsschreiber, ein, eifriger Weidmann, von seinen Jagderlebnissen am Tage erzählt hatte, sing oeck Doktor, der wohl ein Verwandter von Münchhaufen gewesen! sein muß, an, die unglaublichsten Geschichten aus seiner Studentenzeit zu erzählen; man sah sich in der Gesellschast gegenseitig mit verständnisvollem Lächeln an, em jeder hatte wohl den Gedanken: „Jetzt will uns der Doktor wieder einen aus- binden" Ter Rendant Schorfchius, der sich an feiner langen Pfeife zu schaffen machte, die nicht recht ziehen wollte, unter!- brach beit Doktor, ein anbereS Thema anzuschneiden, indem er den schon wieder im Eindufeln begriffenen Fritz Krau anstieß und zu ihm sagte: „Fritz, wo warst du denn heut? — „3n Hannover," erwiderte der Angesprochene, richtete sich auf und fuhr fort: „Aber da fällt mir eben ein, ich hab gestern etwas! Schönes erlebt, das muß ich den Herren einmal erzählen. — Herr Doktor, vergessen Sie Ihre Rede nicht — Weißt du noch Otto, wie wir damals in Helpershain den Zigeunern em Fatz Bier gekauft haben?" — „Ei gewiß, noch recht gut, die armen Leute waren damals in Helpershain eingeschneit und da sie nichts zu essen hatten, kauften wir ihnen Wurst und em kweNatiouatt tänze auf. In seiner Begeisterung.für die schone M>Ak konnte sich's Otto nicht versagen, sogar einmal mit ferner ■ JRad®ann, einem jungen Pusta-Mädchen, das so schone schwarze Augen Und ein rundes, lebenssrisches Gesichtchen hatte, übet welches bie — 176 — Redaktion: K. Neuratb. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«. 2. Eine Getreideart. 3. Fluß iir Afrika. 4. Teil von Hessen. 5. Eineir Buchstaben. Auflösung in Ni Mer Nummer. Auflösung des Zitaten-Nätsels in voriger Nummer: DerMensch denkt und ® o 11 lenkt. Magisches Dreieck. ]In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben e e, i i, 1, n n, r r, s s s s, 11 " derart einzutragen, daß die einander entsprechenden wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. "Männlichen Vornamen. trirtS in acht bcuit der gute dicke Herr, der damals bei I Mr war" kua man mich. ' 8 I * Das größte Raubtier. In beit Räumen des 9tei* „Dem geht's noch ganz gut," gab ich zuruck. I Yorker Naturhistorischen Museums ist jetzt h-as Skelett des größte« Nachdem ich den Zigeunern mttgetettt hatte, daN rch E ^^tieres der Erde, des Thranndsaurus, aufgestellt worden, das Hildesheim wollte, boten sie nur ihre Begleitu»«i au. e fur$mt P^of. Barnum Brown südlich von Glasgow tit sie davon abzuhalten, aber sie ließen sichs nicht ' 5/"wn , ' Montana aufgefunden worden ist. In dem American Museuns ^ogenZnit. ZunäM Mrttn e L U to«S Journal wird dieses größte Ventetier, das je gelebt hat, als ent aui einer üchttn Stelle unweit der -st ^'^eidet, um ein 40 Fuß langes Ungeheuer geschildert, mit einem gewaltigen mas- wmQ Feuer versammett, machten Musik, tanzten und siven Schädel, mit Kiefern, deren Länge vier Fuß erreicht und spielten Sie teilten mir mit, daß sie ein großes Familienfest I mit großen, scharfspitzigen Zähnen von 6 Zoll Lange feierte« Und nun ging's nach Hildesheim; ich t™ '«« « besetzt waren. „Tiefes Monstrum ist Mteglercheu unter den Raub- dieser seltsamen Begleitung vor tote em gefangener. Wir kehrten I tfeyen, bie ie bte Erde bevölkert haben. Ter Fellen, rn dem das in ein Restaurant ein, und was machte /Besitzer ^s^; I Skelett gefunden wurde, war ein geologisches Gebilde ans lockeren^ mich kannte,:.für große Augen, als er m.ch mtt . dem ZrgRandstein, aber das Skelett selbst war zum größten Teil in enter voN anaeE kommen sah Ä dne? ber Bigetttter sein kieselharten Schicht eingebettet. Tie Loslösung der Mmteile aus in.^ ranfhfHii/ett aeswcktes Portemonnaie hervor und bezahlte I diesem eisenharten Gebilde war eine langwierige, schwierige Arq K't S-^tirben KStt - >,Batterche, du bezahlst nichts, du beit, die aber glücklich zu Ende geflchck wecken Knute Tw Uait damals in ^Helpershain bezahlt, heute bezahlen rott, wtr Expedition des Museums- tvta so glücklich, an demselben Fundort: haben heute Geld, damals hatten wir keins.l . I noch zwei weitere Skelette dieses riesigen Raubtieres aufzujiuden. CXA verabschiedete mich von der schwarzen Gesellschaft Mit I Der Schädel und ,die Kinnbacken des' dritten Exemplars, das der Neberzeugung, daß auch Zigeuner Herz, und Gemüt haben I mcktaus des größte und schönste ist, sind in einem besonderes Und daß sich das Sprichwort: „Wohltun bringt Zmsen wieder I neben dem montierten Skelett aufgestellt. Ter Schadet einmal bewahrheitet habe. I ist ausgezeichnet erhalten und von höchstem wissenschastlichem ----------- I tcreffe; die Schädeknähts lassen die ganze Struktur des Kopfes - Ä - K. I genau erkennen, und auch die Lage und Größe der GestcRsorganr DüS SllöC OCt StßltllOl)«*«». I iann genau bestimmt werden. „Es gibt keilt leoendes Raubtier, Tie reißend schnelle Zunahme der Steinkohlenproduktioch I ba§ TOjt biefent fteischftessenden Saurier verglichen werden kann, bereit"Tempo sich auch in den letztverfloflenen Jahren eme-, Wirt- I SöWc unb b,r Tiger jagen in tar Regel pur mittelgroß schastlichcn Stillstandes nur wenig verlangsamt hat, gabt oem 1 m^unzenftefscr und vermeiden die großen dickhäutigen Lauge- alncrikanischen GeologenHenry He »der so«.den • Jj » tiere, wie das Rhinozeros intb den Elefanten. In der saurter- einer interessanten, in der „Nature ^"üediuckten VetraMm g > Tierreich anders. Ter Altosaurus' der Jura-i kchöMna roöbeMKhL auf Gnutd'der neueste» Ätuugett Periode itnb der Tyrannosaurus der Kreidezeit waren von der mch SMrfungei? zu Ergebnissen kommt, die sich wesentlich von I Natur mit so furchtbaren Waffen ausgerüstet, daß sie dev srvßten allen Keren Berechnungen unterscheiden. Pflanzensvefsern nachstellen konnten; der^ Umfang ««d d e Kraft Keaen 415 Milliarden Tonnen, die vor fünf Jahre» für ihrer Angriffswaffen übersteigt alle«', was man wn de» lebende^ Deutschland berechnet wurden, ergibt Hendersons Schätzung unter I Raubtieren und den Raubtieren ,be.r prahistortfchen Zelten kennt, gründlicherer Bewertung der oberschlestsche» Flöze einen föriwr- I Tagegen Waren auch die Verteibigungswaflen der Pfkanzensrefser baren Kohlenvorrat von mindestens 600 Milliarden Tonnen, der I ^gwich wirkungsvoller als die der heutigen Tierwelt, fvo te bei einer jährlichen Förderung von rund 150 Millionen Tonnen, I w<^. $ffUt großen Säugetiere im Wesentlichen nur noch eml wie sie jetzt erfolgt, in etwa 4000 Jahren em Ende sieben mußte, I Schutzmittel gegen zufällige Verletzungen und gegen Infekten voraussichtlich aber schon 1000 Jahre früher etjch^ft sem wnd, I gewaltigen Hörner und der knochige Rackemchutz des weil Deutschland die beste Aussicht hat der- erste M vÄ sÄ Tricerackps und der Panzerschutz des Schädels und Leibes des für Europa zu werden Der engltfche Kohlenvorrat von 2 0 ^rt p entwickelten sich zweifellos als Abwehrmittel gegen ionn.cn in längstens 1200 Jahren, der französische von 22 I teS Tyramrosanriers, die tote der Ttachodon fernen Panzerschutz Milliarden in 600 bis 700 Jahren, der russische von 50 Mrlli- I besaßen, führten ein mehr amphibisches Leben und konnten sich Arbeit Tonnen in 2000 Jachen, der belgische Vorrat von 24 | h^ch rasches Schwimmen dem furchterlickreit Feinde entziehen, Milliarden aber endlich schon in 800 JÄhren erschöpft fern. Erend die kleineren Saurier beweglicher und gewandter waren, Ä Ä «* *"* ">" «EM. -n M** &ÄS5ÄS