Samstag den \I. Dezember W sW W 1910 — Nr. 197 ■ffw WHWBM L /{ Die Hüblerbaude. SHuc Geschichte aus dem Riesengebirge von Jassy Tor rund. (Nachdruck verboten.) Hoch droben int Riesengebrige, wo die Wälder fast noch in Syrer unberührten Urwildnis liegen, wo das Farnkraut in hohen, dichten Mischen beisammenstelst und das feine grüne Moos in üppiger Schönheit wächst, stand eine einsame Baude. Eine altersbraune iHolzbaude wie andere auch, mit den schneeweiß gekalkten Querstreifen rings um die niedrigen Wände, mit den winzig kleinen blanken Fenstern und deut steilen, grauen Schindeldach darüber. Mitten im Walde, der sie wie ein Bann- und Zauberkreis stundenweit umgibt, steht sie auf einer sanft ansteigenden grünen Wiese — ein Idyll der Bergeinsamkeit. Ueber ihr blaut der Himmel, und der Weih zieht seine ruhelosen Kreise; um sie her auf der sainmetgrünen Matte klingt ein feines, vielstimmiges Geläute: die Glöcklein der Kühe. Sonst kein Laut weit und breit; nur tief ihn Walde das geheimnisvolle Raunen und Rauschen der klaren Bergwasser und das unermüdliche Hämmern des Spechts. Ein Fleckchen Erde, lute es Gott der Herr nicht schöner schaffen konnte, so smenschenfern, so imeutweiht in seiner großartigem! Einsamkeit. Vor Jahren, an einem jener Sommcrtage, die wie ein Gruß des Himmels für die in Jugendschönheit prangende Erde siitd, lag dort in der großen, niedern Wohnstube der Hüblerbaude ein Mann iw Sterben; ent Müder, der des Lebens Sorgen und Arbeitslast seit vierzig Jahren geduldig getragen. An seinem Schmerzenslager knien die Kinder, die er verlassen wird, sein Weib trocknet ihm den Todesschweiß von der blassen Stirn. Er sieht sie traurig an. „'s hat nix genutzt, Rosel, daß !vir ititS geplagt und geschafft Haben a ganz' Lebeir lang! Neunhundert Taler stehen auf dam Gütl. Wie lang' wird's dauern, und sie jagen dich 'naus mitsamt a Kindern! Arm's Roserle! Wenn ich glei' wollt', tdj könnt's setzt halt nimmer schaffen! Da sitzt's, wie a Alp." Er hob die Hand und legte sie mühsam atmend auf die keuchende fßnij't „Bist ruhig, Franzt," sagt die Frau mit fester Stimme, indes M die Tränen über das braune, sorgenvolle Antlitz laufen, r,Leben wirst! Und z'wcgen dessen kannst ruhig feilt. Ich bring's schon durch, 's Gütl, und die Kinder auch." Er sah sie an, die treue Gefährtin seiner Tage voll Mühen, seiner Nächte voll Sorgen; ihr Herz brach vor Kummer, aber ihre Augen lächelten ihn an unter Tränen und gaben ihm lächelnd den Scheidegruß. Die Liebe ist stark wie der Tod, und bte Liebe dieser Frau zwingt den Tod, daß er seine Hand sanft auf die brechenden Augen des Mannes legt. Er starb getröstet. Seines Weibes Lächeln geleitete die zagende Seele hinüber. „Jetzt bist Vater und Mutter zugleich, Rosel," sprach die Witwe zu sich, dls sie mit den Kindern von dem letzten schweren Gange heimkam. , ,, „Bist a Meib, a schwaches und mußt so stark )em ßtW wie a Manu!" Sie schickte die Kiitder in die Kammer und setzt« sich auf die Bank neben der Tür, wo sie mit ihrem Franzl an jedem Sommerabend gesessen all die fünfzehn Jahre lang, seit sie sein Weib geworden war. Saß und samt, und über ihr flimmerten die Sterne. Was sie dort mit sich und ihrem Franzl stnd mit ihrem Herrgott ab gern acht, hat nie ein Mensch erfahrenAls die Sterne erblaßten und der junge Morgen herausdättiinerte, stand sie auf, streckte die Arme zum Himmel und blteb entert Augenblick so stehen, wie flehend um Barmherzigkeit. „'s is aus, Rosel, all dein bibla Erdenglück ts aus! sprach sie heiser vor sich hin, ging ins Haus, legte die TranerkljctdÄK ab und verschloß sie in die große, buntbemalte Hochg-ettstruhe, Von Stund an hat sie keine Träne mehr geweint. ToÄ schwache Weib in ihr war tot. Das lag bei ihrem Franzl drunten, neben der Kirch begraben. Stark, treu und fest tote ein Mann hat sie auf ihrem Posten gestanden. Ihr erster Gang war zum Forster, für den thr Mann trt gesunden Tagen gearbeitet, ehe ihn der stürzende Baum getroffen und seinen armen Rücken zerschlagen hatte. „Der Hübler-Franzl is tot" sagte sie kurz und krampst«! die Hände zusammen, daß sie schmerzten Ueber der Schulte« trug sie ihres Mannes schwere Holzaxt; das Sonnenlicht blitzt« und flimmerte darauf, daß es dem Förster schier die Augen! blendete. Er wischte sich mit der Hand darüber hin, die Witwe aber stand starr und ruhig und zuckte nicht mit der Wimper« „'s nm- mein Bravster!" sagte der Förster warm „Ich wollt', ich hätt' ihn noch, und ich wollt', ich könnt' Euch helfen.' „Helfen könnt Ihr schon, Herr Förster," sprach das Wech hastig. „Ich bitt', laßt ntid) an dem Franzl seiner Stell' gehnl Erstaunt riß der alte Mann die Augeit auf und meint« dann kopfschüttelnd: „Wo denkt Ihr hin, Hüblerti! Das ts nich die Arbeit von ein'm Frauenzimmer. Etn Mannslettt hat! zu tun, daß er's beschafft!" „Ich werd's schaffen," sprach dre Frau und sah ihm gerade ins Gesicht. „Seht's Euch an eine Wochen oder zwei, und wemtj ich's nit zwing', könnt's mich immer fortjag'n," bat sie dringlich.. Ungläubig und ungern gab der Alte endlich nach. Er hatte Mitleid mit dem armen Wcib, das so tapfer seinen Gram hmnnterq würgte. So sorgte er für leichte Arbeit. Mer wenn er kant/ um nachzusehen, war alles zu seiner Zufriedenheit geschafft und noch mehr getan, als er vcrlaiigtc. Als dre erste Woche mit war, zahlte er ihr den bedungenen Arbeitslohn. ' „Auf die neue Woch' qebt's mir härtere Arbeit, Herr Förster," sagte das sonnverbrannte Weib mit den dunkeln, ernsten Augen, „Sollt sehen, ich zwing's!" . , „ ... Damit ging sie heim, und den Sonntag stand sie am Herd« und kochte den'Kindern. Als sie spät abends, nachdem alles ink Hause wieder blitzte und glänzte, und als die Kinder schon schliefen, auf ihrem Platz vor der Tür saß, nickte sie vor sich hin und sprach: „Sichste, Franzl? - 's wird schon gehn!" Mosel, die jüngere, mußte nun den Geschwistern bte fchleiwq Mutter ersetzen. Die zwei Buben gingen pünktlich in dre Schule, jeden Morgen den weiten Weg bis nach Tannwalde htnem; bte Mäbel, so klein sie waren, mußten ber Rosel helfen, Haus und Vieh Mt versorgen. Kam die Mutter dann todmüde von der schweren Arbeit heim, strich sie wohl der Mosel über das dicke, aschblonde Haar- und sagte: „Bist Wut lieb S Madel, Rosel — 's wird schon gehn." Das war alles. Viel geküßt und schon getan hat die Frau nie mit ihren Kindern. Das. war nicht. Brauch in der Hüblerbaude. Es war em harter Schlag, st« alle miteinander, Mutter und Kinder. . . Ein Wort gab's, das lag der Hüblern tut Ohr rmmeroat, „Vielleicht kriegst du die Konzession, Rosel, dann is bte geholfen," hatte ber sterbende Mann gesagt. Darüber mußt« sie grübeln Tag unb Nächst Auf vielen anderen Banden hatte» 766 fle die „Konzession", das Schaukrecht, aber Ner herum war der Fremdenverkehr nicht groß, damals überhaupt nicht. Das Riesengebirge war noch nickst in die Mode gekommen. Es lieh ihr keine Ruhe. Sie ging zum Stallmeister und Veh sich das Gesuch an den Landrat aussehen. Kein Gang war ihr zu beschwerlich, kein Weg zu weit, Himmel uiib_ Erde setzte sie in Bewegung, um ihr Ziel zu erreichen. Der Schulze sing schon an zu fluchen, wenn er die unermüdliche Drüngerin auf seinen Hof kommen sah. Aber es half alles nichts, tote setzte es nicht durch. „Später," sagte sie sich mit der den Bauern eigenen Zähigkeit und lvartete geduldig; einmal muhte es doch kommen. Für was Ivar denn der Franzi droben bei unserm Herrgott und hob seine Hände zu ihm auf, sürbittend für Weib und Kinder? Im Juni war der Hübler gestorben und zu Michaeli konnte die Witwe pünktlich ihre Zinsen zahlen und die ersten sauer ersparten fünf Taler abtragen. Die Gläubiger staunten, „'s nit Möglich, dah sie's fertig bringt!" sprachen sie kopfschüttelnd und strichen das Geld ein. Nicht einer setzte dm Zinsfuß herunter, nicht einer ließ ein paar Groschen ab für die arme Witwe. Aber der Winter kam, das Holzschlagen hatte ein Ende und der Verdienst auch. Etwas anderes muhte ersonnen werden. Frau Mosel ging nun Botengänge, bergauf, bergab, bis nach Warmbrnnn und Hirschberg hinein, die schwerbepackte Kiepe ruf dem Rücken. Eines Tages nahm die Gastwirtin vom Lamm in Tannwalde, die so nebenher noch einen steinen schwunghaften Kram mit tausenderlei Dingen betrieb, die arme Botenfrau auf ' die Seite und flüsterte: „Hüblern, ich hätt' wohl was für dich, wenn's dich nit fürchten tüt’ft?" „Ich fürcht' mich nit," war die Antwort. Dann folgte ein langes geheimnisvolles Zwiegespräch, und endlich ging Frau Rosel fort und stieg langsamer und nachdenklicher als sonst den schmalen Weg zu ihrer Baude hinauf. Recht mochte es wohl nicht fein, denn es stand zu harte Strafe darauf, wen» sie einen erwischten. Aber — o ihr lieben Heiligen! Die Kinder haben nichts anzuziehn, das Botengehit ist ein schmaler Verdienst, und der Zinstermin rückt auch immer näher — und was soll denn dann werden? Unser Herrgott droben wird mit einer armen Mutter nicht so streng rechten! Spät abends, als die Kleinen schon schliefen, rüstete sich Frau Mosel zum Fortgehen. Mosel, die jüngere, sah noch bei dem spärlichen Lampeiischein find besserte dem kleinsten Buben feilt zerrissenes Jöppel ans. Verwundert blickte sie von ihrer Arbeit auf. „So spät geht Ihr .noch fort, Mutterte?" fragte sie besorgt. „So spät geh' ich, Rosel — 's is a langer Weg," erwiderte die Mutter kurz. „Bis auf Wannbrunn 'nein, Multerle?" „Tu' dein Arbeit, Mädel, und frag’ nit! Ich geh' mein' Weg, und tut tust dein' Diugm!" Nach einer Weile, während die Tochter schweigend weiternähte und die Mutter, Unruhig krameud, int Zum Mer hin- und her- ging, sagte sie mit einer ihr sonst 'fremden Weichheit: „Und sollt' ich amol nit wiederkommen, Rosel, tu mir die Kinder nit verlassen! Die Buben müssen fleißig in d' Schul', daß fie. was lernen tun, hörst? Und die Papierdln, die Taufschein' und was sonst noch is, das liegt alles im Waudkastel über mein'm Bett." „Was habt Ihr vor, Mntterle?" fragte nun Rosel wirklich erschrocken. „Nischt, was dick) angeht!" erwiderte die Mutter barsch, nahm ihre leere Hocke ans den Rücken, den Bergstock in die Hand Und schritt zur Tür. „Behüt euch Gott, ihr Kinder!" Damit war sie hinaus. Mit banger Sorge horchte Mosel auf die fortgeheuden Schritte und zerbrach sich den Kops über das ausfallende Gebühren der Mutter. Aber mit dem Grübeln kam sie nicht weiter, und so setzte sie geduldig und emsig den letzten Flicken auf den zerrissenen Aermel und ging dann in die Kammer — die Vierzehnjährige, der einzige Schutz der jüngeren Geschwister, mutterseelenallein mitten int Walde! Solche nächtlichen Gänge wiederholten sich noch ein paarmal. Immer kam die Mutter heim, eh' der Morgen graute, barg ihre Kiepe int Heuboden und legte sich erschöpft und todmüde noch ein Stündchen hin. Aber zu Neujahr konnte sie pünktlich den Zins Kisten und zu Ostern auch. Ter Sommer kam wieder und die rte Arbeit im Holzschlage. Frau Rosel atmete auf. Tas war doch Arbeit, ehrliche Arbeit, die den hellen Tag nicht zu scheuen brauchte! Die Kinder brachten jetzt auch schon manchen „Böhm" heim für Boteulcuifen oder für Beeren und Pilze, die sie drunten in Taunwalde an die Fremden verkauften. So ging ein Jahr hin und noch eins. Tie Hüblern brachto W) und ihre Kinder und das Gütl durch, wie sie's ihrem Franzl versprochen hatte. Die Rosel wuchs sich inzwischen zu einem bild- saubern Mädel heraus, und die Hüblern schaute manchmal mit heimlichem Mntterstolz auf das feine rot und weiße Gesichtel, das so ganz anders geraten war als ihr eigenes braunes, sorgen- durchfurchtes, und dachte bei sich: Die macht noch ihr Glück, das Mädel! „Mutterle, laßt mich doch in die Dvrotheenhütte gehn!" 5at die Rosel manchmal. „Ihr müßt so hart arbeiten; ich möcht' auch was verdienen! Ungeschickt bin ich doch stit, und das Schleifest und Bemalen tat ich schon lernen." Aber die Mutter wollte nickst. Die Rosel war zu gut füst die Glashütte, wo die andern Mädel sie doch nur verderbest würden. In der Baude gab's ja auch genug Arbeit für die Mosel, mit dem Vieh und mit der Wirtschaft, meinte sie. Um diese Zeit wars, daß ein Besuch sich in der Hüblerbandck einzustellen pflegte, oft und immer öfter. Das war der Sohst der Gastwirtin drunten ans Tannwalde, der junge Wirt vom „Goldenen Lamm", ein schmucker, stattlicher Bursche. Er kam und brachte heimliche Botschaften seiner Mutter für die Hüblern, und wenn das Geschäft abgetan war, sand sich leicht ein Vorwand, um mit der jungen Rosel noch ein Viertelstündchen zu plaudern. Und endlich wurde aus dem Geplausch eilte richtige Liebschaft,,, eine neue zu den vielen, die der Richter-Ignaz schon auf d«ml Gewissen hatte. Die Hüblern merkte es bald genug, wie verschossen der Ignaz! in ihr hübsches Mädel war, und nahm ihn scharf ins Gebet, ph er's auch wohl ernst meine, denn zu andern Dingen gab' fier ihre Tochter nicht her, da flöge er zum Tempel hinaus, ehe erl sich’s versähe, darauf könne er sich heilig verlassen. Und als! er hoch und teuer schwur, die Rosel und keine andere solle Wirtin vom „Lamm" werden, da nickte die Mutter zufrieden. Sie hatte ja immer gewußt, daß ihrem Mädel noch ein ganz besonderes Glück blühen müsse. So war doch nun eins von der steinen! Schar verforgt, und wenn sie einmal die Augen schloß, hatten die andern armen Würmer doch einen Anhalt an dem wohlhabenden Schwager. Soweit war alles gut, nur daß die Mutter dem stinstigest Schwiegerfohn besser gewogen war als die Tochter. Rosel, bie jüngere, hatte etwas Kühles in ihrem Wesen, herb und frisch! wie die Luft droben im Gebirge, und ihre blauen Augen blicktest so klar und kalt wie das murmelnde Bergwasser, daß es den heißblütigen Freier manchmal stutzig machte. Aber sie war nun einmal so, und das gefiel ihm gerade; die andern Mädel mit ihrem aufdringlichen Getue hatte er endlich einmal satt. So schön wie die Rosel war doch teilte von ihnen! Also dauerte das „Verhältnis" fort, und die guten Taiin- roalbcr zerbrachen sich die Köpfe, ob die dicke Gastwirtin, die: doch ihren aparten Stolz hatte, wohl damit einverstanden sei und nichts gegen das arme Hüblermädel einzuwenden hätte. —, Auch die nächtlichen Gänge der Hüblern dauerten fort. Längst schon war der Rosel ein Lickst darüber aufgegangen, wohin sie führten, und was all das heimliche Getue $t; bedeutest habe, lieber die Maßen war sie dabei erschrocken. Nicht etwa, weil's ein Unrecht war, daß die Mutter „paschen" ging — die Leute an der Grenze nehmen das nickst so genau —, sondern weil sie trotz ihrer Jugend und Unerfahrenheit gut genug wußte, wie gefährlich diese nächtlichen Grenzgänge waren, und wie hart sie bestraft wurden, wenn der Grenzjäger die Frevler erwischte. Aber kein Wort wagte sie zu sagen, nicht einmal ahnen lieg sie- die Mutier, daß sie. um ihr Geheimnis wußte. — (Fortsetzung folgt.) vücher für den Weihnachtstisch. i. Es ist eine alte, liebe Gewohnheit der Deutschen, sich wenigstens zur Weihnacht ein Buch unter den Taiinenbanm zu legen- und nickst wenigen Menschen ist es das liebste Geschenk, besonders den Kindern. Leider verfügen wir trotz ntamtigfacher! Versuche immer noch nickst über ein einwandfreies Verzeichnis guter Bücher, und namentlich bie neuesten Erscheinungen gelang en erst dann an die Oeffentlichkeit, wenn die Listen längst erschienen sind. So kommt es oft, daß wirklich gute Bücher in ihrem Erscheinungsjahr unberücksichtigt bleiben nnd minder wertvolles gekauft wird, vielfach aus rein äußerlichen Gründen. Im folgenden soll deshalb auf einige Bücher hingewiesen sein, die in diesem Jahre erschienen sind und allgemeine Beachtung bean- spruchen dürfen. An erster Stelle für uns steht die he ff i schick Literatur, die in diesem Jahre wieder gut vertreten ist, und ist ihr der große hinterlassene .Roman Wilhelm Holzamers, unseres unvergeßlichen hessischen Dichters, dem ein schweres Leid die Feder frühzeitig aus der rastlosen Hand genommen hat. Eigene Lebensschicksale sind es auch hier, die des Dichters Geist zum Roman ausgestaltet hat, und dem näher stehenden greift schon der Titel: D er Entgl eist e (2 Bände bei E. Fleische! in Berlin erschienen) an das Herz. Es ist hier nicht der'Ort, um! darüber zu reden, was die Herausgeberin an dem Werke getan hat, beim Holzamer hat dieses Buch nicht vollendeit können, und wenn er nach seinen eigenen Worten sechs Monate der ungestörten Rnlst gebraucht hätte, um es so zu überarbeiten, wie er es gemocht hatte, so ist es für jeden klar, daß es schließlich nicht so geworden ist, wie es der Dichter -gerne gehabt hätte. Es sind- viele öde, arme Stellen in dem groß angelegten Werk und erst znm Schlüsse des ersten Bandes, der mit dem Ehekonflikt und der Abreise nach. Paris schließt, findet man wahrhaft dichterische! Gestaltung und Ausdruckskraft. Daß. Holzamer auch hier noch nicht über fein einiges unseliges Geschick hinanskommt, ist das ■>-. 787 Hätte. ■ . | Bon schöngeistigen Werken sind dann noch die anmutigen Ge- j dichte von Gustav W a l d t zu nennen, die einen eigenen, ganz aus das bilMuntc gestellten Ton aufweisen (bei £> o hm a n n m Darmstadt) und das im Stile Shaws ausgehende, häufig allzu geistreichelnde Buch von Alwin Zorn Der s e n t i m e n t a l e A. o N I n a n, das sich vorzugsweise und nicht gerade sehr zart mit de» Liebe beschäftigt und auch auf Gießener Verhältnisse anfpiel^ In dieser Reihe sei auch meine in zweiter Auflage bei E. Roth in Gießen erschienene Gedichtsam m l n n g erwähnt, bte anderwärts empfehlend besprochen wurde. Eine Erzählung aus der Zeit des 30jährigen Krieges bietet uns Wilhelm Diehl, der bekannte Stadtpfarrer in Darmstadt (in seinem Roman D e r gefangene Pfarrer, der im Selbstverlag des Verfassers erschienen ist. Dr. Diehl, als ausgezeichneter Kenner der hessischen Geschichte bekannt, bietet uns in diesem eigenartigen Buch eine lebendige Schilderung aus Deutschlands schwerster Zeit, die in einem der bedeutensten deutschen Romane 'unserer Zeit, von dem wir no chreden werden, in Willes:, Abendbnrg eine siegreiche Auferstehnng gefeiert hat. Diehls Buch würde einen weit tieferen Eindruck machen, wenn Willes bedeutende Schöpfung nicht zufällig in dieselbe Zeit fiele. Aber trotzdem ist auch Diehls Buch ein Werk, das man gern und Mit großem Genuß lesen wird, wenn man sich überall in das eigenartige Geschick des Magisters zu versenken vermag. Auf streng wissenschaftlicher Grundlage und Unter Berücksichtigung der neuesten Forschung beruhen die in f ü n f t e r A u f- l a g e bei Otto Spanier in Leipzig erschienenen Nordisch-Ger* m a n i s ch e Götter- und H e l d e n s a g e n für Schule und Volk vdn W. Wägner und I. Nover. Wenn Dr. Nover, der 'bekannte Verfasser verschiedener volkstümlicher Werke in deck Vorrede tzu der jüngsten Auslage auf das Wisverhä tnis zwischen! germanischer und antiker Mythologie hinweist, wie sie in unserem fettigen Schulbctriebe leider no chherrscht, so kann man dem von reinem Stoff mit Recht begeisterten Verfasser nur beipflichten und seinent Werke weiteste Verbreitung wünschen. Dabei soll ganz von dem gewaltigen moralischen Unterschied zwischen den bciben Götterwelten abgesehen werden, auf den ja schon oft hingewiesen wurde, sonder» lediglich, die unbedingte Pflicht zur Beschäftigung Mit unserer eigenen Vorzeit betont werden, die uns doch wahrhastig Näher steht als die Mythologie der alten Hellenen. Namentlich unsere Jugend sollte damit bekannt gemacht werden, und dazu eignet sich das vorliegende Werk ganz besonders. Ein sehr schönes, nnser Hessen besonders nahe angehendes! Werk sind die flott und weitblickend geschriebenen Studien über Männer und Frauen aus den Wertherzeit, Die Empfind- kamen in Darmstadt von Valerian Tornlus, das tn schöner und vornehmer Ausstattung bei Klinkhardt und Biennann! in Leipzig erschienen ist. Der Verfasser führt uns in anmutigem Plauberton in das kleine, kaum 9000 Einwohner zahlende Darmstadt, in dem Karolinc, - die große Landgräfin, wie Goethe jie genannt hat— einen Kr».», ......- ,—->---------,— „ ■ verfammelt hatte, die die kleine hessisch- giesidcnz eine Zett lang Dmr geistigen Mittelpunkt Deutschlands gemacht hakten, bis Weimar Gleich wie dies stellt auch Georg W e h r s Samnilung dcutschev Volkslieder die unter dem Titel: Aus Volkes Herz und Mund, bei R. Voigtländer in Leipzig bereits in zweiter Auflage erschienen ist, einen Uebcrgaug zwischen poetischer und! wissenschaftlicher Arbeit dar. Der Verfasser hat sich bemüht, die schönsten deutschen Volkslieder in einer Gestalt wiederzugeben, die auch dem unvorbereiteten Leser angenehm und erfreuliche sein soll, pnd soweit ich diese Bestrebungen nachgeprüft habe, scheinen sie Wir ausnahmslos gelungen, da der Verfasser ausdrücklich auf eine wissenschaftlich korrekte Schreibung verzichtet und die ihni am besten scheinende Lesart ausgewählt hat. Neue Kinderbücher, die zum Teil aus einem intet* nationalen Preisausschreiben nm moderne Bilderbücher hervor* aeaanaen sind, bringt die El. A t t e n k o s e r s ch e Berlagsbuch* Handlung in Straubing noch rechkseiti.g vor Weihnachten herauch Goldene Fädchen, ein Buck) -für Mutter und Kind, nut Reimen von G. P S. Cabanis und Bildern von Klara Hensel. Die auch auf die Tauer fesselnden und klE Reime sind hier ztt einem kleinen vornehmen Kunstwerk verbunden. Fück größere Kinder, aber auch für Erwachsene bechmmt, stnd dte S ü d* deutschen Städtemarchen von H. Dreßler, nut Bilderst und.Buchschmuck von W. Ehringhausen Der Autor: fuhrt uns hmt^ die alten Wälle von Regensburg und durch die nächtlichen Straßes von Nürnberg. Das schöne Lnrdait und dte trutztge Feste kllmj nmspinnt er mit dein Schleier feiner reichen Marchmphantafle^ Er lockt uns in die einsame Höhe des Munstertttrmes zu Straß* bürg und läßt uns den Mondscheinzauber einer Sommernacht tw Freiburg rmd im Schivarzwalde erleben. Das vielbesuchte .Kassau, die alte Kausmannstabt Augsburg, Würzburg mseuien lreb^cheu Weingeländen und das romantische Altmuhltal beleben sich nuteck seiner Feder mit bunten Gestalten. — Fesstlnd stud auch bte Neuen Märchen von A. E. Forschuerttfch, nttt Bildern öoix cr„seuh Streie. Zum Unterschied von der en* beit alten Märchen ein neues Mäntelchen nmzuhäitgen, bietet dteseA