W-LL- iS i Hqanu .■’L tSS ^MMMMrEsTK'. teSÄÄ^ M LEs W Friedel halb-süß. Roman von FedorvonZobeltitz. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) 7. Mn Paar Tage später holte Fritz den Herzog von Abeelen auf dem Schrattsteiner Bahnhofe ab. „Tag, Jungfriedel, mein Sohn," rief Abeelen ihml lustig zu, als er aus dem Coups sprang. „Sie zürnen mir doch mcht, daß ich mich so mir nichts dir nichts bei Ihnen ungesagt habe? Ich traf nämlich den Feßler im Kurhaus, und der erzählte mir, daß Sie seit kurzem heimisch geworden wären." „Seit vier Tagen, Durchlaucht." „Na also. Und da mein Techniker mich in Utenhooven haben will und ich demgemäß fortwährend auf dem Sprunge stehe, nach Holland äbzurutschen, so eilte es mir, mein Versprechen zu erfüllen und mir mal Ihre Fabrik anzuseheu. pr b ?"* doch auch meinen berühmten Daufsekt „Nun natürlich. Es soll sogar eine besonders feier- iche Probe werden. Nur müssen Durchlaucht gütigst ent- chuldigen, daß wir Ihnen nicht im eigenen Hause das chuldige Frühstück vorsetzen können —" „Bin gar nicht auf Frühstück eingestellt, Liebster!" „Bedauere sehr, das entgeht Ihnen nicht. Aber wir mußten es in unserm Probiersalon servieren lassen, dieweil die Mama gar nicht so recht auf dem Posten ist." „Herrsch!" rief der Herzog, Fritz unterfassend. „Was tst passrert? Influenza?" „Nein, Launenfieber. . . . Teuerste Durchlaucht, wir haben schon öfters von der Mama gesprochen. Sie ist nicht leicht zu behandeln. Seit sie weiß, daß ich den Abschied nehmen will, um in das Geschäft einzutreten, fällt sie aus einer Krisis in die andere. Notabene, sie selbst nennt das ihre Krisen, gegen die sämtliche ärztliche Autoritäten der Welt machtlos sein würden." „Wie äußert sich denu das Leiden der gnädigen Frau?" „Gegenwärtig ist es bereits in das ruhigere Stadium Ängetreten. Sie liegt in ihrem Schlafzimmer bei verhängten Fenstern, weigert sich, irgend einen von uns zu sehen, und nimmt ihre Mahlzeiten zu den ausgefallensten Terminen, zuweilen mitten in der Nacht. Sie hat Mer Gottseidank guten Appetit. Das ist, wie gesagt, das „ruhi- igere Stadium". Vorerst war es anders. Doch es ist keine Gefahr dabei; es muß ausgehalten werden. Auch von uns." Abeelen lachte. „Fetzt verstehe ich. Es schmerzt die mütterliche ^Eitelkeit, daß die Husarenjacke dem Bürgerrock weichen soll. Friedel, ich kann Sie nur aufrichtig! beglückwünschen. Wenn man der einzige Sohn ist, hat man doppelte Dflichten. Fährt uns das Kriegsbeil mal unversehens zwischen die Beine, so schliipfen Sie ja doch wieder in die Attrla hinein — grade wie ich. Und Rekruten drillen und Appell abhalten — das machen andere ebensogut." „Sagt ich mir auch. Im übrigen stand das Muß hinter mir. Mein Vater hat eine Stütze nötig. . . Wir haben nur ein paar Schritt bis zu den Kellereien, Durchlaucht. Jst's Ihnen recht, wenn wrr zu Fuß gehen?" „Sehr recht. Friedelchen, zwischen unserm letzten Beisammensein und heute liegt auch Ihr Duell. Was die Zeitungen nicht berichteten, hat mir Feßler gemeldet. Ich! weiß also Bescheid. Nicht werfen lassen, lieber Jung«! Der Herausfordernde war diesmal das Schicksal. Zwin- gen Sie es!" Die Beiden schritten hinter dem Bahnhose an dem Eisengitter entlang, hinter dem die Fabrikgebäude der Firma Friedel sich erhoben. Aber der Eingang lag auf der rück- wärtigen Seite: sie hatten noch ein paar Minuten Wegs vor sich. „Ich will Ihnen ein Gegenstück zu Ihrem Unglück erzählen," fuhr der Herzog fort. „Als ich ein Junge von sechzehn Jahren war, besuchte mich ein Schulfreund auf unserm Zagdschlößchen bei Verheyüen, wo mein Water am liebsten wohnte. Der Freund war ein Keiner Graf Welcker und nicht älter als tcK Eines Tages übten wir uns tot Scheibenschießen. Ein Diener stand hinter der Scheibe und zeigte jedesmal den Einschlags Bei einem Schuß glaubt« Will Welcker, der Diener habe sich geirrt und wollte sich selbst überzeugen. Er tat es, sprang dann gleichfalls hinter die Scheibe und ries mir zu: „Schieß los —i ich bleib« hier!" — Ich zielte lange, weil die Büchse neu und ich mit ihr noch nicht eingeschossen war. Mein Zaudern mußte Will auffalleu, denn plötzlich steckte er den Kopf vor und rief: „Das dauert ja ewig" — oder so ähnlich. In diesem Augenblick fiel mein Schuß und da hatte der Satan die Kugel gelenkt. Ich fehlte sonst selten —- aber diesmal traf ich das Zentrum nicht, sondern den armen Jungen. Ich traf ihn in die rechte Schläfe. Er fiel lautlos um und war tot." „Genau wie Spättnuth," sägte Fritz leise und mehr zu, sich selbst, als zu Abeelen gewenoet. ,',Mein lieber Friedel, ich wiederhole, ich war ein Bursche von sechzehn Jahren. Im Wahnsinn meiner Wer,- zweiflung verlor ich den Kopf, rannte dem Diener davon und stürzte mich in den Schloßteich. Man zog mich wieder heraus; ich raste im Fieber und kämpfte ein paar Wochen mit dem Tode. Aber ich genas, und da ging der Kämpf erst recht los. Diesmal nicht mit dem Tode, sondern gegen die inneren Gewalten, die mich bestürmten. Es hatte ein Gutes: es hat mich Mann werden lassen. Ich wurde Herr über mein Geschick. Will war mein liebster Freund.' und ich habe ihn ehrlich betrauert. Wer ich wollte bett Schmerz meiner Schuld tricht ewig durchs Leben schleppen. War's eine Schuld? Oder war er in seiner Unvorsichtigkeit nicht schuldiger gewesen als ich? r—; Ich habe mir Forschen 646 Md Grübeln Und Mfteln abgewohnt'. Ich zwang rmM smcht mehr an die nnseltge Geschichte gilt denken. Ich wollte mich von einer Tücke des Zufalls nicht werfen lassen. Und das ist's, Wals ich mich Ihnen zurufe, Friedel!" Er brach lab'. Man war in den äußeren Fabrikhof getreten, und da kam der Kommerzienrat bereits seinem durchlauchtigsten Gaste entgegen: in schwarzem Gehrock und Heller Weste, den Zylinderhut in der Handl Auch er hatte zunächst ein paar Entschuldigungen. Seine Gattin sei leidend und bedaure außerordentlich, den Herrn Herzog nicht begrüßen zu können. Ob der Herr eHrzog zunächst ein kleines Frühstück zu sich nehmen oder lieber erst die Fabrik besichtigen wolle? „Erst die Fabrik," sagte Abeelen. „Wir wollen uns das Frühstück verdienen." Nun überstürzten sich die Befehle. Eine Cortege wurde gebildet: Herr Westermann, der erste Kellermeister, nahm die Spitze: ein Küfer mit rasselndem Schlüsselbunde folgte; dann stellte Kesselholz! die Verbindung mit der Haluptgruppe her. Auch in den verschiedenen .Höfen und Hallen, pen Bureaus, den ober- und unterirdischen Kellern war der Besuch angemeldet worden. Der Kommerzienrat hatte Kesselholz ein förmliches Zeremoniale übergeben. Nachtsüber war in sämtlichen Räumen eine Generalsäuberung veranstaltet worden; alle Arbeiter hatten frische Schürzen erhalten und die Flaschenspülerinnen den Befehl bekommen, ihre „Livree" anzulegen (graue Wollröcke mit rotem Saum Und rotem Mieder: Anzüge, die ihnen einmal für em Winzerfest geliefert worden waren). Der Herr Herzog, von dem man so viel erhoffte, sollte ein hübsches Gesamtbild vor sich haben, sollte die Arbeit sich auch in allen Stadien entwickeln sehen. Zunächst ging es in die Schreinerei, in der die Kisten und Gestelle -gefertigt wurden, und dann in die geräumige Flaschenhalle, in der tausende und tausende von leeren Flaschen, wie sie aus der Glashütte gekommen, aufgeschichtet waren, zum größten Teile noch mit grauem Kohlenstaub überzogen, zum Teil schon gereinigt. Diese Reinigungsarbeit besorgte ein Schwarm von Flaschenspülerinnen an sinnreich konstruierten Maschinen, während ein Paar Prüferinnen fich davon überzeugten, ob auch wirklich nicht das geringste Stäubchen zurückgeblieben fei, das der Entwicklung des Weins natürlich zum Verderben gereichen mußte. Ehe eine jede Flasche für tauglich befunden wurde, kanr sie aber nochmals in die Hände eines Glasprüfers zur Untersuchung ihrer Standhaftigkeit und wurde dann erft in das Füllmagazin geschafft. Die Arbeit des Spülens ging den Mädchen erstaunlich flink von der Hand; sie ließen sich auch durch den Besuche nicht stören und sahen in ihren Wollkleidern mit den roten Miedern sehr adrett aus. Das Wasser »über ihre Hände und die bloßen Arme und rieselte auf Boden zwischen ihren derben Schuhen hindurch in die Abflußrinnen. „Nette Rekruten," sagte der Herzog. Der Kommerzienrat schmunzelte und erlaubte sich ein Santes Witzchen. Dann ging es' in die Kellereien. Zu- tz in die unterirdischen, die vor einigen Jahren neu ausgebaut worden waren, und in die man durch eine Vorhalle aus künstlichem Felsgestein trat, in der Gnomengestalten die elektrischen Leuchten hielten. Beim Anblick des ersten riesigen Faßlagerkellers stieß Abeelen unwillkürlich einen Ruf der Ueberraschung aus. £[e Achtung, war oas ein Raum! Von der Höhe des euzgeivölbes schimmerten die elektrischen Birnen, aber trotz der Beleuchtung schien der Blick das Ende dieses ungeheuren Saales nicht erreichen zu können, dessen Decke gewaltige Pfeiler trugen Und dessen Sohle zementiert war. Faß an Faß lagerte hier auf hohen Kantern; einige ruhten auch auf mechanischen Faßlagern, die neu angeschafft waren und ausprobiert werden sollten. Die Fässer waren sämtlich gezeichnet. Die eigenen Weinberge der Firma Friedel waren nur unbedeutend; der meiste Wein, dessen die Fabrik bedurfte, wurde gekauft. Einige Hakbstück Eigengewächs' lagerten in einer besonderen Abteilung und befanden sich noch im Gärungsprozeß. Je näher man ihnen kam, um so heller klang das lebhafte Glucksen des arbeitenden Weins. Man schritt die Reihen der Fässer hinab. Der Kommerzienrat bezeichnete das eine oder andere und machte dazu kurze Bemerkungen. „Noch ein Rest Klostereck, Durchlaucht h— liegt fünf Jahre, bekommt aber jetzt erst seiich Waschenreife. . . . Drüben, das Faß mit den drei' roten Kreuzen, das ist meine Zukunftshoffnung. Er soll der Cuvee des nächsten Jahres die Weihe geben. . . . Gehen wir weiter!" Ein zweiter Keller tat sich auf. Er enthielt nür abgelagerte Faßweine, die zum Teil zur Aufbesserung der jüngeren Jahrgänge verwendet wurden. Hier mußte Abeelen zum ersten Male proben. Weftermann steckte den Heber in das -geöffnete Spundloch und ließ den, licht- gelben Wein in ein Glas rinnen. „Evoö K. A. Friedel/ sagte der Herzog und trank. Dann pfiff er durch die Zähne. „Superb.! Was ist das?" „Geisenheimer Dachsberg, Durchlaucht. , In Erbach ersteigert, aber die Weinhändler haben mich so hoch getrieben, daß ich damit niemals auf meine Kosten komme. Das ist ein Elend auf diesen Auktionen! Einer mißgonnt's dem andern, und dann geht das Treiben los! Und wehe, wenn einmal etwas Extrafeines zum Ausruf kommt! Ich war dabei, wie vor drei Jahren ein Halbftück Stemberger mit achtzehntausend Mark bezahlt wurde.. Rechnen Sie sich aus, wieviel der Großhändler für die Flasche nehmen muß und wieviel der Restaurateur. Aber getrunken wird's doch." „Das ist die Hauptsache," sagte der Herzog. Nun ging es eine Treppe hinauf in einen dritteln Kellerraum, in dem ein an der Querwand lagerndes Riesenfaß die Cuvse enthielt. Wie Firma Friedel verwendete für ihre besseren Champagnersorten nicht die reinen Jungweine, sondern mischte die verschiedenen „crus" eines Jahrgangs und behandelte sie in der Cuvee weiter, bis sie flaschenreif waren. Hier war das der Fall: die „Tivage" war in der Arbeit. Ein ganzes System von Röhren führte vom Fasse aus zu den eigenartigen, von geschickten Fraueü- Händen bedienten Füllvorrichtungen. Es ging alles mit fabelhafter Schnelligkeit vor sich. Flasche auf Flasche füllte sich und wanderte zu den im gleichen Räume arbeitenden Männern, die sie aus kleinen Maschinen verkorkten und dann abermals weitergaben zu den letzten Arbeitern der Reihe, die, ebenfalls vor ihren Maschinen sitzend, den Korken mittels einer eisernen Klammer am Flaschenhals befestigten. Schließe lich wurden die Flaschen im elektrischen Auszug in die Keller befördert. , , „ Den Herzog, der zum ersten Male eine große Schaumweinfabrik besuchte, interessierte der Vorgang ungemein. Er erkundigte sich nach mancherlei Einzelheiten, nahm eine der gefüllten Flaschen und hielt sie gegen das' Licht. „Ganz klar," sagte er, „auch nicht der kleinste Gärungsstoff im Wein." „Er kommt erst," entgegnete Fritz lächelnd. „Die Flaschengärung ist eine große Hauptsache für die Erzeugung des Schaumweins: Dann wird der Wein völlig trübe unÄ erst nach beendetem Gärungsprozeß, dem inan durch die Rsmuage zu Hilfe kommt, wieder geklärt. Aber tvir wollen sachgemäß vorgehen, Durchlaucht. Steigen wir jetzt in die Flaschenlager hinab!" Es waren neue, gigantische Keller, oder vielmehr: es war ein ganzes System ineinandergreifender Kellereien, in denen eine verhältnismäßig hohe Wärme herrschte. Die aufgeschichteten Flaschen bildeten feste Wände; sie waren scheinbar ganz einfach — nur schichtweise durch dünne Holzek leisten getrennt — und dennoch so kunstvoll übereinandergelegt, daß man eine einzelne Flasche leicht herauszieheN konnte, ohne den Aufbau zu erschüttern. (Fortsetzung folgt.) Vas Hospital am Lettersweg zu Gietzen in der öfteren Zeit seines Bestehens. Die Hospitäler (hospitium, Hospitale) waren ursprünglich Herbergen für Pilger und arme Reisende, in denen sie unentgeltlich aufgenommen und verpflegt wurden. H e i l - und Pflegeanstalten für Kranke waren sie erst in zweiter Linie. Es konnte allerdings nicht fehlen, daß später bei dem starken Verkehr auf den Landstraßen auch oft in dem Hospital kranke Reisende einkehrten, die darin verpflegt werden mußten.. Daneben- nahm das Hospital auch alte Leute zur lebenslängliches Pflege auf. Die Aufnahme erfolgte manchmal unentgeltlich oder doch so, daß dem Verwalter aus den Einkünften des Hospitals: ein bestimmter Verpflegungssatz vergütet wurde, dann aber auch dadurch, daß sich die Pfleglinge in das Haus einkauften, indem sie dem Hospital ihr Vermögen vermachten.- Das, was ihnen das Hospital dafür gewährte, war eine Pfründe. Die Grüw düng der Hospitäler war das Werk der Dir ch e, die wohlhabeE 647 *) Nach der Abschrift von D. Nebel von 1801 (Pfarrerei' Men)» Glieder ihrer Gemeinde veranlaßte, -UM! Besten ihres Seelenheils Stiftungen zu mildtätigen Zwecken zu errichten. So wird auch das Gießener Hospital „zum b e i l i g e n G e i st Und zur heil. Elisabeth" eine Stiftung oer Kirche gewesen feilt. Wann dasselbe gegründet worden ist, bleibt ungewiß; es soll bereits vor 1393 bestanden und an demselben Platze am Seltersweg, wo das spätere Hospital sich noch befindet, gestanden haben. Urkundliche Nachricht erhalten wir erst im Jahre 1471; denn in diesem Jahre fordern der Pfarrer Johannes Andreae, die Burgmannen, die Schöffen und der Rat der Stadt Gießen in einem Sendschreiben auf, zur Wiederherstellung und zum Bau des Spitals und Gotteshauses zum „heil. Geist und zur heil. Elisabeth" durch mildtätige Spenden beizusteuern. Um eine möglichst große Verbreitung des Bittschreibens wird gebeten. Auf den Kanzeln soll es verkündet werden, aber auch an allen Orten Und Städten, wo es sich „ziemen und eignen würde". -Die Urkunde*) lautet: „Johann Andree Vice plebanc in Gießzen, darzu wir die Burgmann, Scheffin, Raid vnd Gemeind daselbst, thun kundt vnd offenbar allenn frommen innigen cristen Metrischen, zcu welcher bekeimtlichkeit dißzer vnszer brteff tonten vnd ertzeugt wird, das wir den Spital vnd Gotshuze des heiligen geists vnd der heilgenn frauven Sanct Elizabeth daselbst zcum Gießzen, uswendig der Ringmure gelegen, zcu lob vnd ere goto dem almechtigenn. . r zcu Tröste vnd fridiinge armer elendiger vnd be- trUepter pilgcrim, bh vns zcu beßcrn vnd die an gefall genenn buwe (Bau) zcu folnfueren in swerlicher arbeit stein vnd sulchs sundern hulffe vnd sture (Steuer) getruwer fromer vnd Junger (Junker) lute (Leute) n i t foluenden muegen. So haben wir dißzen geinwirtigen (gegenwärtigen Brief) ... die almuesen bh allen fromm gläubigen cristen mentschen zcu heischen vnd bitten uszgefertigt. Bilden vnd begern daruemb, .... das sie wollen . . . von allem ablaß, der dan zcu sulchem gots huse vnd spitale gegebin vnd bestediget ist, nehmen vnd scheppen (schöpfen), vnd dißzen geinwertigxn breng er dißz brieffs, an den enden er die almueße zcu sulchem spitale vnd gotshuse bitden wird, zculassen (zuzulassen), vnd uff den Cantzeln dar zcu an andern enden vnd st eben. . . verkündigen. Auch in goto dem Hern fin pharlute (Fährleute) vnd underthanen zcu den vorgeschrieben milden wergken zcu underwissen, in demselben allen ernsten möglichen V l i ß z (Fleiß) vmb gots willen furwendcn (verwenden) .... Und dasz zcu Befestigung der warheit so Han Ich Mönch von Buchsecke (Mönch v. Buseck) usz den bnrg- tntonen myn eigen Inge siegel an dißzen brieff thun hengken, dasz Ich mich, Johannes Andree erstgenant, mich mit inte vnd andern burgmanen hierinne gespruechm, So Han wir bürgere der obgenannt stad Gieszen der stede Jngesiegel Hh disz ob genannt JuNgkern Gotfrits Jngesiegel auch andi s s en brieff hengken lassen. . ." (1471.) . Die Gaben für das Hospital werden wohl reichlich geflossen sein; dafür sprechen die Aufführung von umfangreichen Gebäuden, die heute noch vorhanden sind, der große Grundbesitz, die bedeutenden „Pensionen" aus den ausgeliehenen Kapitalien. Das Gießener Hospital war neben der Herberge für durchreisende Wanderer ursprünglich hauptsächlich Pfründner- anstalt. In alten „Rathausprotokollen" wird die Aufnahme einzelner Pfründner beurkundet. „25. Jan. 1591 Ratstag gehalten . . . Zum dritten ist durch Bewilligung der Kirchendiener, Bürgermeister und Raths Merten von Tro vnd sehn Weib im spitall allhier aufgenommen worden, dergestalt, daß sie 3 00 fl. erlegen sollen. Und wenn sie ins Spitall kommen und zuvor Nicht das Geld allesamt erlegt haben, soll von dem Tag ahn von dem Uebrigen bis auf endliche Bezahlung die Pension entrichtet werden." . _ ,, L „4. Jan. 1605 ist mit Bewilligung geistlicher auch Bürgermeister und Raths auf Ansuchung H a n f f s ch n e i d e r s zu Leihgestern nachgelassene Wittib allhir zu einer Pfründnerin auf- tzeiwmMen worden, auch ihr ein nis (Nieß) stüblein eingeben." ^Desgleichen ist M e l ch i o r S ch m i d t von Tutenhofen, 80 Jahre Alt, zum Pfründner im Spitall allhir aufgenommen worden." >,25. Jan. 1606 ist Jean Nachtigall von Salzböden und sein ^Hausfrau int Spitall allhir ausgenommen. Er sollte 400 fl. zahlen, wird aber auf 3 00 fl. ermäßigt, wofür er bereit sein Muß, in künftig Spitallmeister zu werden und dem Spitall wohl Vorstehen, Im Fall er hirzu nicht dienlich muß er 50 fl. nachzahlen." Nach Vorstehendem ist anzunehMen, daß das Einkaufsgeld in das Hospital im allgemeinen damals 300—400 fl. betragen hat. Später scheint es herabgesetzt oder je nach den Umständen ermäßigt worden zu fein. Bei der Rechnungsprüfung von 171ö wird nämlich gerügt, daß,bei Aufnahme von Balth. Wagners W t t b. als einer Pfründnerin 80 fl, bezahlt, die nicht gebucht, ebenso 1719 bei Aufnahme von M a r g. Fischer 9 0 f I., die gleichfalls nicht gebucht waren. Als Verpflegungssatz für einett Pfründner wird von 1700 an durchschnittlich 1 fl. für die Woche bestimmt, der von dem Hospitalverwalter in Rechnung gestellt wird. Es wird bemerkt, daß dies derselbe Satz sei, der für den Tisch eines Studenten in der Woche bezahlt werde. Auch für die einkehrenden Pilger wird derselbe Betrag verlangt, den wohl int Unvermögensfalle die Kasse aus den Einkünften zu decken hatte. Allerdings mußte der Verwalter für diese vorübergehenden Gäste des Hospitals auch in Krankheitsfällen die besonderen Aufwendungen ohne Erhöhung des Betrages von 1 fl. bestreiten, wie es tn einem Kontrakt von 1741 heißt: „Nachdem auch arme Passagiers und unterwegs krank gewordene dem Hospitahl zugewiesen werden, soll aufs höchste 1 fl. vor alle in allem anzunehmen erlaubet, danebst die Pfründner angewiesen seyn, die jedesmahligen Kranken mit der benöthigten Aufwartung abwechselnd zu bedienen, damit dem Spital keine besonderen Außgaben erwachsen." Ko st geb er der. Hospitaliten war anfangs der Spitalmeister, später, als das Spital die Bewirtschaftung des Gutes in eigene Regie übernommen, der jeweilige Gutspächter, der auch zugleich Hospitalverwalter und Rechnungsführer toar.: Dem Verwalter wurde zur Pflicht gemacht, den Hospitaliten „verdauliche Speisen" und viermal wöchentlich Fleisch zu gewähren. So hat es auch der Bürgermeister Kempf, der um 1690 Verwalter und Gutspächter des Spitals war, gehalten, indem er die Pfründner mit seinen Hausgenossen und den Studenten, die er als Kostgänger noch hatte, an einem Tisch speisen ließ. Dagegen hat fein Nachfolger Wenk die Pfründner „mit dem Gesinde die rauhen Speisen essen lassen, so daß die alten Leute der Geschwindigkeit der jungen nicht beikommen konnten." Den Verwaltern wird „ernstlich eingebunden, einige gute Aufsicht auf sämtliche zu haben, keine Person ohUe von den sämtlichen Vorstandsherren erhaltenes und ihm vorgelegte Decret an- zuiiehmen, und wann solche aufgenommen, ihnen als ein treuer Haus Vatter Vor zu stehen gute Ordnung und rechte Zeit in Pflege und Wartung bey gesunden und Kranken zu halten wie auch mit nö thia er Vermahnung zum guten und christlicher liebes und gedulds Betzeugungen zu Begegnen." Morgens und abends wurde in dem Hospital eine Heine Andacht gehalten, vor und nach dem Essen ein kurzes Gebet gesprochen. Die Hospitalkirche befand sich anfangs in dem Gebäude links am Eingang zum Hospital, ans dem sich noch ein Türmchen befindet, Später wurde ein Betsaal im hinteren Teile des Hofes errichtet, der noch bis 1880 auch sonst außer zum Zwecke des Hospitals für Andachtsstunden benutzt wurde. Das Hospital war später konfessionslos; die Angehörigen der katholischen und jüdischen! Konsession durften den Gottesdienst ihrer Gemeinden außerhalb des Spitals besuchen. Das H o s p i t a l g u t umfaßte 60% Morgen Ackerland, 13htz Morgen Wiesen und 3°/8 Morgen Gärten in 5 Stücken. Es wird von den Pächtern geklagt, daß das Land nicht den gewünschten; Ertrag liefere, da die Grundstücke sich in den „schlechtesten Gegenden hiesiger Gemarkung" befänden, größtenteils im Hardtfelde, 25/s Morgen Wiesen und Ackerland lagen in der Alten-Bnsecker Gemarkung. Der Pachtzins betrug 1721: 55 fl. in barem Gelbe, an Frucht 14 Achtel Korn und 13 Achtel Hafer in natura oder dafür den ortsüblichen Geldpreis, 1732 und 1741: 110 fl, in bar, 18 Achtel Korn und 18 Achtel Hafer, 1769: 172 fl. in bar und 8 Achtel Korn, ebenso 1788/1794. Durchschnittlich mußte der Pächter bei Uebernahme des Gutes 300 fl. Kaution in bar! stellen oder dafür seine eigenen Grundstücke verpfänden, wobei die Ehefrau durch Eid erklären mußte, daß sie sich mit verbürgs und auf die Einrede des Vorrechts verzichte. Pächter war von 1 6 9 0—1 7 03 Bürg ermeisterK eMpf, Er hat das Land mit 3 Pferden und 2 Ochsen selbst rationell' bewirtschaftet und hat das Feld nicht, wie spätere Pächter taten, zum Nachteil der Grundstücke, durch andere Bauern bestellen lassen. Er sorgte für gute Instandhaltung der Gebäude, ließ Scheuer, Stallungen und Holzschuppen, die Mit Stroh bedeckt waren, mit Ziegeln und Schindeln belegen. Kempfs Nachfolger, Wenk, war ein schlechter Bewirtschafter des Gutes und ein nachlässiger Hospitalverwalter. Die 2 Wagen Holz, die er aus dem Gießener Stadtwald zum Einheizen der Stuben für „arme Wanderer" bezog, verivandte er für seine Zwecke, so daß ihm diese Gerechtsame entzogen werden mußte. Wenk nahm überhaupt keine fremden Arme zur Nachtherberge auf; „das Stübchen ließ er mit seinen welschen Hühnern besetzen". Dem nachlässigen Hospitalverwalter Wenk wurde seitens der Stadt gekündigt. Darüber beschwert er sich bis in die höchste Instanz, sogar beim Landesherrn. Sein Nachfolger ist der „gewesene Regiments-Feldscheer" und v. Spiegelscher Verwalter Vogt. 1 7 8 2 ist Hospitalverwalter Helfrich Kempf, bisheriger Stadtwagemeister. Ihm wird zur Pflicht gemacht, keine anderen Dienste mehr anzunehmen, auch das Wollewiegeü aufzugeben. Damals wurde in Gießen Wollweberei, auch Handel mit Wolle betrieben. 1741 wurde das Hospitalgut verpachtet aU J o h. Cour. Müller, Bürger zu Gießen und Mitglied des) „XVI er R a t s". Er war ein gewissenhafter Verwalter und hatte das Gut 14 Jahre in Pacht. Am 14. Januar 1752 wurde er durchtoen „Kisselschlag" schwer heimgefuK, so daß er.50 Achtel Korn einbüßte. Von 1 755—1 78 1 war Pachter Phtl.Daniel Becke r. Er setzte während der Pachtzeit sei« ganzes Vermögen zu, und obschon ihm 1769: 495 ft. und 1781: ^0 fl. nachgelassen wurden, schuldeten seine Erben dem Hospital noch 2404 fl, | Becker folgte als Pächter und Hospitalverwalter seinem Schwieger- 1 sohn, Georg Müller, dem das Gift im? Machst vpn W1 648 — jedenfalls auch. bezahlt wird; das macht für jede Zeile dieses herzlich unbedeutenden Vorläufers des berühmten „Adieu, adieu, my native shore“ tausend Mark.. * E i n unbekanntes Gedicht von Lenau. Der vermisstes. * Die Spinnen drängen sich mehr wie-andere Tiere zur Beobachtung ans; denn m der Wohnung, im Oekonomiegebäude, «uf Feldern, Bäumen, Sträuchern, Blumen, Gras finden wir sie Pitt und ohne Gewebe, auf Beute lauernd. Allgemein werden sie Schätzt und verabscheut, vrelfach auch ohne weiteres getötet, weil der Volksglaube in thnenVorboten von Sorge u. Kummer erkennen tvrll. Auch , aus dm Stallen werden sie eifrig entfernt, und doch sc?d fte darm durch Wegfangen von Mücken und Fliegen, welche analen sehr nützlich Wie tüchtige Künstler manche sind, beweisen unter dem Mikroskop ehre Gewebe, die sich mit eleganter Formvollendung präsentieren. Auch zuverlässige Wetter- propheten fuch sie, und ebenso dürfen sie wie Ameisen und Bienen durch ihren Fleiß vorbildlich sein. Bewundernswürdig ist die Sorge der mütterlichen Spinne für ihre Nachkommenschaft, die Ebenbürtig den sonst tnt Volksmnnde gebräuchlichen Vergleichen befugt werden konnte; denn ihr Eiernestchen, das ihr ein und atles ist, hangt sie, sorgfältig mit Seidengewebe bedeckt, zur Ueber- tvm-erung an geschütztem Orte auf oder trägt es dauernd mit sich ^"her. Sem Verlust macht sie tief unglücklich; rastlos sucht sie es und laßt sich m ihrer Angst durch ein künstlich bereiteW Nnd ihr als Ersatz gebotenes tauschen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummert Bedenke das E n ö e. bis 1784 auf „3 jährige Lehe" überlassen Wurde. Auf Na'chsuchen erhielt er es noch weitere 3 Jahre auf Probe, „wenn er sich bessere". 1787 wurde Müller „wegen seiner Liederlichkeit und übler Wirtschaft, auch Leye widrigen Betragens die Leye aufgesagt". Von 1788—1794 übernahm die Verwaltung des Hospitals Und des Gutes derKirchenseniorWalth. Müller, Gastwirt „zum goldenen Hirsch". Bei Uebernahme der Stelle verbürgt sich mit ihm seine Ehefrau Marie, geb. „Plockin". Ob Müller nach Ablauf der Pachtzeit der Kontrakt auf weitere Jahre verlängert wurde, ist aus den Akten nicht ersichtlich; möglich wäre es; denn er war ein gewissenhafter Verwalter, der das heruntergekommene Gut wieder in Ordnung brachte. Im 19. Jahrhundert hören wir nichts mehr von einem Gutspächter.. Nach den üblen Erfahrungen, die man mit den Pächtern gemacht, wird man für die Folge die Grundstücke einzeln verpachtet haben. ( Die Hospitalpächter hatten außer den Bezügen von der Ver- pflegung der Hospitanten noch besoitdere Freiheiten. 'Sie erhielten, wie schon erwähnt, zwei Wagen Holz aus dem Stadtwald, durften doppelt so viel Schweine wie ein Bürger in die Mast treiben, konnten sich der- „Schäferei" auf zwei Viertel bedienen, waren frei von Steuern und allen „Beschwernissen". Außerdem hatten ' sie freie Wohnung im Spital, die aus zwei Stuben und drei Kammern bestand. Die Oberaufsicht über das Spital führten der Bürgermeister sind Rat der Stadt, das Konsistorium und der Vertreter der fürstlichen Regierung, der Oberamtmann. Alle drei Behörden bildeten ein Kollegium. Oft wird die Kompetenz der einzelnen Mitglieder überschritten, indem sie selbständig in die Verwaltung eingreisen. Dies führte natürlich zu Reibereien. So beschwert sich der Superintendent D. Bielefeld über den Rat der Stadt, weil er selbständig dem Verwalter Wenk gekündigt habe. Bürgermeister und Rat habe „in dieser Sache eines alleinigen Verfahrens sich unternommen und dem klagenden Wenk ohne seine Bewilligung aus dem Hospital und dessen Güterverpachtung zu drängen gesucht". Andererseits beschweren sich 1721 Bürgermeister und Rat, daß, von bem Konsistorium der Feldscherer Vogt als Verwalter angenommen, ohne die städtischen Hospitalvorfteher zu befragen, die doch vor dem Syndikus vereidigt wären. Mit Einführung der Gemeindeordnung int Jahre 1822 änderte sich auch das Verhältnis der Stadt zum Hospital. Bürger- merster und Rat werden in Hospital- und Armenangelegenheiten selbständiger. Der Charakter des Hospitals wird nun auch ein anderer. War es vorher hauptsächlich Herberge für arme Pilger Nnd Pfründneranstalt, so wird cs nunmehr in erster Linie Armenversorgungsanstalt. Es kehren wohl noch zuweilen Pfründner ein, die sich einkaufen; meist sind es aber! solche Pfleglinge, die durch Stiftungsgelder unterhalten werden (Plock'sche Stiftung). Neben der Pfründneranstalt ist das Hospital letzt Kranken- und Armenanstalt. Geistesschwache und Personen, die an unheilbaren Krankheiten leiden und deshalb rn der Klinik keine dauernde Unterkunft finden können, werden dem Hospital zugewiesen. Daneben besteht eine Arbeitsanstalt, in der solche Personen beschäftigt werden, die sich nicht selbst ernähren können, aber doch noch ihrige Arbeit verrichten können. Auch arbeitsscheue Personen werden hier an eine geregelte Tätigkeit gewöhnt. Die Insassen der Arbeitsanstalt werden mit Spinnen, Weben, Anfertigung von Strohmatten, Roßhaarzupfen und sonstigen leichten Arbeiten beschäftigt. Mit der Errichtung des neuen Siechenhauses an der Licher Straße im Jahre 1903 wurden die seitherigen Insassen des Hosprtals dieser neu gegründeten Anstalt überwiesen. Damit hörte das Hospital auf, eine selbständige Anstalt zu bilden; die Vermögensverwaltung war schon vorher mit dem Armenkasse-, wesen vereinigt. • ' I _g_ Webciftton: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stcmdruckcrei,. R. Lange, Gießen. * Gin,klassischer BnchladeN. Mus London tohfi berichtet: Die berühmteste Antiquariatsbuchhandlung Londons, di« fett fast hundert Jahren bestehende Firma Sotheran u. Co., muß jetzt ihr Heim in Piccadilly räumen, um einem modernen! Teehause Platz zu machen. Im Jahre 1816 wurde das Geschäft inmitten der City begründet, aber als dort der kaufmännische - Geist die tdealen Güter mehr und mehr vertrieb, mußte auch dies« Heimstatt erlauchter Geister das Feld räumen und sich weiten westlich nach Piccadilly konzentrieren, von wo sie nun nach rund einem halben Jahrhundert abermals vertrieben wird. In ihren Räumen war Gladstone, der große alte Mann, ein ständiger! Gast„hier hat Darwin in den naturwissenschaftlichen Bücherschätzen gewühlt trnd John Ruskin oft genug mit Kennerblick in alten kostbaren Prachtbänden und seltenen Gravüren geblättert, WaS alles an Raritäten und bibliophilen Wertstücken im Laufe eines Jahrhundert durch die Hände der Firma Sotheran gegangen! ist, könnte höchstens ein amerikanischer Milliardär mit Gold aufwiegen, und in der Tat sind denn auch die amerikanischen Vücher- nebhaber seit langem die besten Kunden der Firma und Die Hauptabnehmer für Wiegendrucke, Erstausgaben, Autographien, Kurtosa uitd dergleichen mehr. Unschätzbare Wertstücke sind von hter aus im Laufe der letzten Jahrzehnte über den Ozean ent- schwunden, und es gehört fast zu den Ausnahmen, wenn große Obiekte tn England selbst Käufer finden, wie z. B. die Bibliothek Herbert Spencers, die Sotheran nach des großen Forschers Tode für 5 Millionen Mark übernahm und die in Privatbesitz — eine Millionärin in Manchester war die Käuferin — überging. Ihr besonderes Augenmerk hat die Firma Sotheran von je auch den Bucheinbänden zugewandt, für die neuerdings wieder eine Periode luxuriösester Ausstattung begonnen hat: so besitzt sie u. a. ein Exemplar der bekannten Weisheitssprüche des Omar Chaijam, dessen Deckel aus kunstreich geschnitztem Elfenbein mit nicht weniger als 700 eingesetzten Edelsteinen besteht, eine Art des Buchschmuckes, die gegenwärtig ebenso ihre Liebhaber suchet, wi« die andere, die darin besteht, den Einband mit handgemalten Miniaturen auszuzieren. Sehr bedeutend ist auch der Autographerch handel des Hauses Sotheran. Welche Preise dabei bisweilen erzielt werden, mag die Tatsache illustrieren, daß für einen einzigen Vierzeiler Lord Byrons: „Adieu to sweet Mary for ever j From her I must quickly depart; Though the fates us from each other sever, Still her image will dwell in my heart.“ Front der Kaufpreis von 4000 Mark gefordert und jedenfalls auch, bezahlt wird; das macht ff ' ' ~ " herzlich unbedeutenden Vorläufers des berüh „Insel-Almanach für das Jahr 1911" veröffentlicht ein bisher unbekanntes, von tiefer, Schwermut getragenes Gedicht von Nikolaus Lenau. Die Verse lauten: Wer seine Jugend überlebt, Wen unvergeßlich Leid getroffen, Wem schal geworden jedes Hoffen, Für das er sehnlich einst gelebt, Und wenn er kalt für Ruhm und Ehren, Kein Kuß ihm zündet mehr am Munde: O könnt ein Zauber ihm gewähren, Ein Kind zu sein nur eine Stunde, Könnt er die Welt mit frischen Blicken Nur einmal noch und freudig seh'n, Es würd' ihn stärken "und erquicken, Bis das Geschick ihm heißt vergeh'n. Uönigspromenade. Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise miteinander verbinden, daß man — wie der König auf dem Schachbrett — stets von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht dem gold ne gäbe den gend magd treue alter als freu manch hin ju «er die auf der klei warf die reichen ung in hebt ra nuf nod ihrer habe die er jagd scheu von das