M AnlerhaltunMallMMeßenerAnzetzeriEmeral-AHeiLer). KKZ 3« 19io — nr. £9 Mittwoch den 16. November (Sortierung.) (Nachdruck verboten.) Rheiichrovinzen." „So ist es. Und naturgemäß: Eldringen vertritt di« Friedel halb-süß. Roman von Fedor von Zobeltitz. Sache seiner Firma." Fritz schnippste mit den Fingern bei einer plötzlichen Erinnerung. „Ein Mitglied des Hauses Miquelon kenne ich auch," sagte er, „freilich nur ein weibliches.. . . ." Er sann einen Augenblick nach. . . . „Nein — das ist Unsinn," fuhr er fort und halb zu sich sprechend, „wir haben nicht zu bitten, wir haben zu fordern! — Also Eldringen, Albert. Ich taxiere, er ist anch der Ehrenmann, der uns die ganze Suppe eingebrockt hat!" Helldorf zuckte mit den Schultern. Er hatte inzwischen die zweite Flasche Sekt beinahe geleert. „ „Lieber Fritz, laß uns beim Sachlichen bleiben. Ich möchte im Interesse deiner Firma, auch in deinem persönlichen, den Streit beilegen. Es ijst möglich, sogar wahrscheinlich, daß mir . das gelingt. Und zwar auf eine Weise, die euch keineswegs demütigen soll — im Gegenteil. Ms Dank erbitte ich mir nur Eins." „Und das wäre?" „Deinen Verkehr in meinen: Hanse." Fritz durchzuckte es. Wie ein erhellender Blitz schoß ein Verdacht durch seinen Kopf. Seine größte Feindin saß „Albert, du vergißt, tute kameradschaftlich ich mich mit Abeelen stehe. Es war ganz natürlich, daß ich zunächst mit i h in alles verabredete. Schließlich ist er doch auch der Schöpfer des ganzen Unternehmens und seine treibende Kraft. Natürlich hat er mich anch auf Lesson aufmerksam gemacht. Das geschah aber erst, nachdem meinerseits längst alle Vorbereitungen getroffen waren. Trotzdem ist die Flasche mit dem Taufsekt, der silbernen Hülse UNd allem sonstigen Zubehör auf Wilnsch Abeelens direkt an Lesson gegangen. Daß er sie erhalten hat, beweist die postalische Quittung." „Sie beweist aber noch nicht, daß sie auch Verwendung gefunden hat," entgegnete Helldorf. „Und tatsächlich ist das nicht der Fall gewesen. Tatsächlich hat Miqnelon- scher „Excelsior" als Taufsekt gedient." Fritz wurde kalkweiß im Gesicht. „Das weißt du mit aller Bestimmtheit, Albert?!" ries er. „Mit Äller Bestimmtheit, mein lieber armer Kerl. Es läßt sich nicht ändern: Ihr seid die Reingefallenen." Das Weiß auf den Wangen Fritzens wich rasch der tiefen Röte des Zorns. „Dann sind Ivir eben schamlos betrogen worden! Von wem? Von Abeelen gewiß nicht." „Natürlich nicht. Der einzige Vorwurf, den man ihm machen kann, ist der, daß er euch Dinge zugesagt hat, die ihn eigentlich gar nichts angingen. Aber das liegt nun mal so in seiner Natur. Ich zweifle auch keinen .Augenblick, daß er Lesson gebeten hat, als Taufsekt euren „Excelsior" zu nehmen. Nichtsdestoweniger hat Lesson den der Firma Miquelon gewählt." „Das widerspricht aber der Angabe des Herzogs!" „Lieber Freund, als Abeelen deine Depesche beantwortete, hatte er sicher noch keine Ahnung von der Sachlage. Man hat ihm beim Taufakt eine Flasche Champagner gereicht, nicht wahr? Glaubst du, er hatte Zeit, Etikett und Korkbrand zu prüfen? Zudem steckte ja die Flasche in einer silbernen Hülse. Kann sie nicht Aehnlichkeit mit der von euch gelieferten gehabt haben?" „Gewiß," erwiderte Fritz bitter; „das ist sogar anzunehmen bei der Geschicklichkeit, mit der die Betrüger vorgegangen sind. Wir haben Abeelen aber auch den Schaumwein für das Festmahl geliefert — oder vielmehr dediziert. Sollte er da nichts von der Unterschiebung gemerkt haben? Oder hat man uns wenigstens bei dem Bankett die Ehre erwiesen, unfern „Excelsior" zu trinken?" „Auch das nicht. Das wäre das Tollste gewesen. Nein, es war gleichfalls Epernayer. Ich bezweifle übrigens, daß Abeelen beim Bankett aus die Flaschen geachtet hat, die beim Einschenken zudem mit Servietten umwickelt waren. Er mochte, cs für selbstverständlich halten, daß Lesson seinen Wunsch respektiert hatte. Aber es war leider nicht selbstverständlich." „So ist also Lesson der Schuft gewesen, der Uns ver> drängt hat?" „Liebster — -Schuft, sagst du. Nun ja — vielleicht'. Aber folgendes ist zu bedenken. Um das Geschäftliche küm- inerte der Herzog sich so gut wie gar nicht. Auch die Ar- rangeinents für die Feier des ersten Aufstiegs lagen |ut Lessons Hand. Er konnte tun, was er wollte. Und das tat er denn auch. Vermutlich haben die Miquelons ihn gehörig gespickt." „Sicher!" rief Fritz. „Albert, der Wahrheit die Ehre: ist das Ganze nicht eine unerhörte Gemeinheit? Warum kein offenes Spiel? Weil man uns eine Blamage bereiten wollte. Der alte Haß der Miquelons wollte fich austoben. Aber sie täuschen sich, wein: sie glauben, daß ich mich niederstrecken lasse. Ich werde ohne Rücksicht auf Monsieur Lesson die ganze Infamie anfdecken. Vor aller Oeffentlichkeit. Ber Gott, das tue -ich. Ich bin es der Ehre unseres Hauses! schuldig." • _ , „Du bist der Ehre deines Hauses schuldig, daß der Skandal sich nicht noch mehr vergrößert. Gegen die nackten Tatsachen läßt sich nicht- machen. Endgültrg sprechen fte imnu am lautesten. Das einzig Verständige ist, durch eine gütliche Einigung mit den Miquelons die Sache aus der Welt zu schossen." „Sprichst du in. ihrem Auftrage?" „Wie käm ich dazu? Ich kenne die Leute ja gar nicht." „Aber du kennst Eldringen, ihren Generalagenten für 714 fünfen' in Hellborfs Hause! Und diese geschmeidige Jutri- igantbt war die Herzensfreunbin Eldringens. . . . „Was nimmt deine Frau für ein Interesse an meinem Geschick?" fragte er. „Ein nienschliches. Sie hat dich persönlich gern. Sie kapriziert sich darauf, deine alte Wneigung gegen fie zu brechen. . . Der große Mensch schnellte plötzlich in bte Höhe. . .. „Friedelchen, ich will dir keine Faxen vor- machen. So — so — ivemt es so weiter geht, end «ich einmal in der Gosse. Ich habe die Frau geheiratet, die ich unaussprechlich liebte — trotz ihrer Vergangenheit und aller mahueuben (Stimmern Und wäre glücklich geworden, so weit eilt alt werdender Kerl, dein das Leben nur noch verflucht wenig zu bieten hat, auf seine Art glücklich werden kann — wenn die Gesellschaft mich nicht brrltalisiert hätte!" „Du mußtest es erwarten, Albert. Weshalb zogt ihr nicht fort?" t c „Herrgott, weil ich keinen Käufer fand! Und bann: der Diane gefiel es hier. Sie hoffte wohl auch noch, wenn nicht im Handumdrehen, so doch allmählich in die Gesellschaft zu kommen. Es war das Streben in ihr, sich über den i— den ganzen Jux der Vergangenheit fortzuhelsen — sie wollte den Beweis erbringen, daß sie eine anständige Frau geworden war — verstehst du? Ist das ■— zum Donner-- wetter, ist das psychologisch nicht ganz begreiflich?" „Gewiß, Albert." „Und ivarum erschwerte man ihr das durch den rohen Abbruch jedes Verkehrs mit mir? Warum hast du, mein ältester Freund und mein bester, mich nicht mehr kennen wollen? Du kannst mir antworten: „weil ich Anstoß nahm an der Vergangenheit Dianes." Wer, Friedel, das ist em Standpunkt der Unfühnbarkeit, der unerhört grausam ist!" „Es ist der Standpunkt der Gesellschaft, Albert, und es ist wiederum ihr gutes Recht, sich eigene Gesetze zu geben." Helldorf lachte auf. „Natürlich! Die chinesische Mauer, durch die sich auch das wärmste Herz absperren läßt! — Ach nein, das soll nicht etwa bitter klingen! Ich bin ja selber vorsichtig gewesen. Ich habe den Reserverock aus- gezogen und den "Borussen höflich mitgeteilt, daß ihr alter Herr bebaute, nicht mehr im Korpsverbaube bleiben zu können. Respekt vor ber chinesischen Mauer und allen Scheuklappen einer wohlbuftenben Kinberstube! — Aber, Fritze, hier lag die Sache doch noch anberg. Ein Freund stolperte, Und da versuchtest du nicht, ihm zu Hilfe zu kommen, sondern «unbekümmert weiter — und die andern folgten dir. riedel, das muß ich dir sagen: du hast den Anfang gemacht! Die Leute warteten darauf, nie du dich benehmen würdest — und sie hatten in ihrer Weise recht, wenn sie achfelzuckestd meinten: „Lieber Himmel, Helldorfs intimster Freund hat ja den Verkehr mit ihm aufgegeben — da werden wir uns erst recht nicht genieren!" Das Gesicht Fritzens war finster geworden. . Er grub die Zähne in die Unterlippe und schaute vor sich iniebieu Und antwortete nicht. Helldorf aber kam in wachsende Erregung. „Das klingt alles so, als wollte ich dir posthume Vorwürfe machen!" rief er. „Meinetwegen — faß es auf, wie du willst! Tatsache ist: auf dich hatte ich sicher gerechnet. Ich hielt Unsre Freundschaft für fester als die schwankende Sittsamkeit. Missionsbruber bist du nie gewesen. Ich sagte mir auch: lernt er Diane erst einmal näher kennen, dann ist alles gut. Wer es kam gar nicht dazu. Und da ßd u nicht wolltest, wurde unser Unglück! . . ." Und plötzlich wurde die rauhe Stimme des Mannes sehr weich. Er haschte nach der Hand des alten Freundes. . . . „Friedel, ich bitte dich, versuche gut zu machen, was du mir Böses getan hast! Komm wieder! Komm wieder, Fritz! Wir jagen das Gesindel aus dem Hause, du sollst eine reinliche Stätte finden. Diane ist ungeheuer von äußeren Einflüssen abhängig. Du tust ein gutes Werk — du holst uns aus dem Sumpfe heraus!" Noch immer blieb Fritz stumm. Da spielte Helldorf feinen letzten Trumpf aus. „Friedel, die Sache ist ernst," fuhr er fort. „Wir sitzen beide in der Patsche und können Uns gegenseitig helfen. Wenn du mir versprichst, deine Aversion gegen Diane aufzugeben, garantiere ich dir, daß die Miquelons sich binnen acht Tagen mit dir geeinigt haben." Fritz furchte die Stirn unb schüttelte mit dem Kopf. „Das klingt nach Pression, Albert sei mir nicht böse. Und zwingen laß ich mich nicht." „Ein schlecht gewähltes Wort, Friedel. Vergrß nicht, daß ich als ehrlicher Friedensvermittler gekommen bin." „Ja — aber mit dem Frieden, den ich nicht annehmen! kann. Gesetzt den Fall, ich — ich überwände das, was du Aversion nennst — was aber aus tieferen Gründen kommt, als du ahnst — ich sagte Ja und Amen und knixte vor deiner Frau, und ihr und ^(bringen gelänge es, den Streit mit ben Miquelons zu schlichten: was hätte ich dabei gewonnen? Wie Ihr bie Geschichte auch fingern würbet — als schäbiger Rest bliebe boch immer bas Faktum, baß Kl A. Friedet klein beigegeben hätte. Das aber will ich nicht. Ich will meine ehrliche Sache ehrlich zu Enbe führen. Ich bin moralisch im Recht. Unb so weit sind wir gottlob nut unsrer juristischer! Weisheit noch nicht gekommen, baß äußerer Formelkram das sittliche Recht totschlagen könnte! „Das heißt also: bu lehnst meine Vermittlung ab? „Ich bin es ber Ehre unseres Hauses schulbig." Hellborf nahm bie teere Champagnerflasche unb hielt sie gebankeiilos gegen bas Licht. Dann goß er Jid) abermals einen Kognak ein unb trank ihn aus. „Gut," sagte er, „bagegen ist nichts zu wollen. . . .1 Er schlüpfte in feinen weiten Havelock und griff nach seinem Hut. Wer er ging bock nicht gleich. Er blieb wie unschlüssig stehen; fuhr mit der Hand über sein stures graues Haar unb warf Fritz einen seltsamen Blick zu, einen Blick flehender Bitte. . . . „Und willst auch nicht zu uns kommen?" fragte er mit matter Stimme. Fritz zögerte mit der Antwort. Er hatte diesen Blick aufge äugen, aus verschwommenen Trinkeraugen, in denen etwas von hündischer Unterwürfigkeit schimmerte. Der alte Freund tat ihm bitter leid. Wieder begann sich bas Mitgefühl zu regen. Wie lag denn bie Sache? Eine Leichtsinnige hatte eine anftanbige Frau werden wollen. Derlei kommt hunbertfach vor, unb in ben Großstübteii pflegt man über Fragen wie diese auch liberaler zu denken: das bringt schon der Strom des Lebens mit seinen nivellierenden Ein,sichen so mit sich. Hier war es anders. Die Gesellschast hatte Diane bie Aufnahme verwehrt. Ober nein — es lag etwas Richtiges in ber Bemerkung Hellborfs: sie hatte sich zunächst aowarlenb verhalten. Hätten bie Friebels ben Bann gebrochen, vielleicht wären bie anberen gefolgt. Unb vielleicht hätte bann über bas Haus Hellborf ein sreunblicherer Stern geleuchtet als jetzt. Das sagte sich Fritz — unb bennoch schüttelte er ben Kopf. Es wäre ihm, um sich einem Freund hisireich zu erweisen, in einem anberen Falle nicht barauf an gekommen, sich einmal gegen Sitte .unb Gesellschaft zu wen- ben — zumal jetzt, ba ihn sein Abschieb bestimmt formulierter Verpflichtungen enthoben hatte Aber ber Dirne Diane verzeihungbittenb bie Haub zu küssen — bas vermochte er nicht. Sie war bie äußere Veranlassung seines Duells mit Spannuth, war sicher auch an ber Denunziation beim Militärgericht beteiligt gewesen; und ebenso si .er hatte sie bei ben Intrigen bet Miquelons bie Hand int Spiel: bafür war Eldringen ihr Freund — unb bafür stand ihr eigener Mann als Uiwerhänbler vor Fritz. „Albert, ich kann nicht," antioorteie ex Er ruate und zuckte mit den Schultern; er war innerlich verzweifelt, „Schlage mich tot — ich kann nicht!" „Gut," sagte Hellborf nochmals. Er stülpte den Hüt auf ben Kopf. „Also umsonst!" — Er lachte heiser auf. „Na! . . ." Er preßte bie Haub des verlorenen Frennbesi stark zwischen seinen Fingern und ging ohne Lebewohl. (Fortsetzung folgt.) Stammt der Mensch vom Assen ab? Von Professor Otto Hesse. Charles Darwins berühmtes Buch „lieber die Entwicklung der Arten durch natürliche Auswahl" erschien im Jahre 1859. Es wurde die Grundlage für die moderne Naturforschnnw Vom ersten Tage an aber ist die darin vorgetragene Lehre anfsj heftigste bekämpft worden. Auf der Naturforscherversammlung zu Oxford im Jahre 1860 veranstalteten die Gegner einen wahrest Sturmlauf gegen Darwin, der nicht selbst anwesend war, und! gegen dessen Freund, den ausgezeichneten Zoologen Thomas H u x l e y, der die Lehre Darwins verteidigte. e Wie vor 50 Jahren, so gibt es noch heute Gegner der Entwicklungstheorie, die behaupten, der Darwinismus untergrabt die Basis unseres Staatslebens und führe uns „auf ein schwankendes Meer, welches die Menschheit schließlich, an der Klippe des 715 — Unsinnes scheitern läßt". Dar!» in selbst hätte den letzten Schl ns; über die Abstimmung des Menschen von einem Stamme, der den Asien verwandt ist, ans seiner Lehre erst dann gezogen, oder! doch erst baiut ausgesprochen, nachdem die Affenabstammung des Menschen bereits von seinen Freunden proklamiert war. In dem oben erwähnten großen Werke hatte er absichtlich die Darstellung seiner Auffassung über diesen heiklen Punkt vermieden. Er war ein unerbittlich scharfer Denker, und in keiner Periode seines Lebens ist ihm verborgen geblieben, daß das Studiuni der Natur, so wie «er es betrieb, ihn langsam aber sicher von der nawen! Strenggläubigkeit und kindlichen Frömmigkeit seiner Jugend entfernte. Schon mehrere Jahre vor dem Erscheinen seines ersten Buches über die Entstehung der Arten war die Schöpfungshypothese slir ihn keine wissenschaftliche Erklärung, sonder;: „nur ehrerbietige Form für den Satz, daß es so ist, tote es ift', ünd im Jahre vor den: Erscheinen des Buches schrieb er an) Wallace: „Sie fragen, ob ich den Menschen mit in d:e Erörterung ziehe. Ich denke, dies ganze Kapitel zu vermeiden, da es so sehr moit Vorurteilen umgeben ist; obgleich ich völlig zugestehe, daß es das höchste und interessanteste Problem für den Naturforscher ist." Der Gedanke nun, daß der menschliche Stammbaum verwandt Je: mit dem Stammbaume unserer heutigen Menschenaffen, ist seit >er Zeit, da ihn bedeutende Vertreter des Darwinismus, tote Ernst Haeckel, Kprl Vogt u. a. mit aller Bestimmtheit ausgesprochen, oft wiederholt worden. Emst Haeckel hat auch versucht, den Stammbaum für den Menschen aufzustellen. Allmählich ist Haeckels Ansicht in den Kreisen der Naturforscher herrschend getvlorden, und noch in einer seiner letzteit Arbeiten aus denk Jahre 1908 „Unsere Ahnenreche" hat dieser Naturforscher einer: solchen Stammbaum angegeben, der die verschiedenen, heute lebenden Menschenrassen durch 7 Vorsahrengeschlechter hinaufgeführt bis zu der „g e m e i n s a m e n Stammform aller P r t - malen", d. h. der Mett scheu und Affen. Von den ersten fünf Gliedern dieser Ahnenreihe ist bis jetzt aber nur ein Glied, die Pachylemuren, die Stammväter der heutigen Halbaffen, fossil bekannt geworden. Auch die 6. und 7. Stufe, der pliocaene Vithecanthropus erectus und der diluviale Homo Primi g en ius , sind nach den neuesten Ergebnissen der Wissenschaft litt dieser Reihenfolge nicht mehr mit Sicherheit aufrecht zu erhalten. Anders als Haeckel denkt sich der Straßburger Anatom S ch w a l b e die Abstammung des Menschen. Nach ihm soll sich der Mensch aus den Halbaffen zum Homo recens, dem modernen, Menscher:, entwickelt haben. Als Zwischenglied gilt ihm ein Menschenaffe, dessen Unterkiefer man in dem Miozaen Frankreichs wiederbolt gefunden hat. Ihm folgen die beiden genannt«: Pithe- cartthropus erectus und Homo primigenius als Vorläufer der moverueu Menschen. Der PUHecanthropus erectus spielt also ,in bett beiden Stammbäumen Haeckels und Schwalbes eine wichtige Rolle. Nun fand der holländische Militärarzt Eugen Dubois auf Java in den Jahren 1889—1893 ein fossiles Schädelstück, einen Backenzahn und einen Oberschenkel, die er für Ueberreste des so lange gesuchten Uebergaugsgliedes zwischen Mensch und Affe hielt. Er gab diesem Wesen eben jenen Namen Pithecan- thropus erectus, d. h. aufrecht stehender Menschenaffe, und man glaubte damals, fcliefe Reste würden die wichtigsten Beweise für die Afsenabstammung des Menschen fein. , Dazu kau: ein zweiter Beweis. Lange wußte man schon, daß sich Blut von artverwandten Tieren wie Gift zueinander verhält. Tie roten Blutkörper der einen Tierart werden von denen der! anderen Art ausgelöst und das Tier, bei dem die Mischung vor- genommen wurde, geht zu Grunde. Sind die Tiere aber sehr nahe verwandt, so lösen sich die Blutkörper nicht auf, sondern die beiden Blutarten mifdjen sich und das Tier lebt weiter. Tas Blutserum des Menschen löst beispielsweise die roten Blutkörper von Orang und Schimpanse nicht. Also ist der Mensch mit diesen Assen blutverwandt. Endlich noch hatte Schwalbe den Nachweis dafür geliefert, daß int mittleren Diluvium Europas eine affenähnliche Menschenrasse gelebt hatte. Im Jahre 1854 wurden Nämlich beim Bahnbau in einer Höhle int Necmdertal zwischen Düsseldorf und Elberfeld Knochenreste gefunden, die man einem Menschen der Vorzeit zuschrieb. Schwalbe nannte diesen Homo primtgenius oder Neandertalmensch. 1904 wurden Ueberreste derselben Menschenrasse in der Nähe des belgischen Ortes Spy in einer Höhle aufgefunden. Seitdem zweifelte niemand mehr an der Existenz einer Neandertal-Spy-Menschenrasfe. So schien denn die Beweiskette geschlosseit und die Afsenabstammung des Menschen -unabweislich richtig zu fein: Im Pliocaen ein Affe mit menschlichen Eigenschaften, im mittleren Diluvium ein Mensch mit Assenähnlichkeit, und dazu die Blutreaktion unter den lebenden Menschen und Menschenaffen! , lind dennoch gab es immer Zoologen, die an dem Stammbaume zweifelten. Insbesondere waren der Breslauer Zoologe Klaätsch u. a. der Meinung, daß der Stammbaum des Menschen gar nicht auf die Anthropoidenaffen, sondern auf viel tiefere Tierzustände znrüch- sührte. Eine Reihe von Merkmalen am Menschen, wie z>. B. die Hand und das Gebiß, sind viel primitiver, als bei irgend einem Affen. Tiefe können deshalb nach der Ansicht dieser Gelehrten stur auf direktem Wege von einem Vorfahren vererbt worden feilt. der während der ältesten Stufe der Tertiärformation, Sem Eozän- gelebt hatte. Klaatsch stützt seine Beweisführung auf ein Gesetz, das in der Paläontologie gilt. Nach diesem Gesetze kann ein Organ keine rückschreitende Entwickelung machen, wenn es schon einmal! jin einseitiger Richtung besonders hoch ausgebildet war. So flammt beispielsweise unser heutiges Pferd von einem Sohlengänger ab, der ii(n der ältesten Tertiärzeit lebte und einen Fuß mit fünf Finger:: hatte. Aus den: fünffingeiigen Fuße dieses Pferdeahnen entwickelte sich die einfingrige Hand des Pferdes, Aus dieser Hand kann nach den: erwähnten Gesetz aber niemals wieder jener fünffingrige primitivere Fuß entstehen. Ebensowenig! könnte aus der sehr hoch spezialisierten Affenhand jemals die viel primitivere Menschenhand durch Rückbildung hervorgehen. Unb| nun tarnet: in den drei letzten Jahren die Gegenbeweise des alten Stammbaumes Schlag auf Schlag: Entdeckungen folgten sich!, welche diesen Stammbaunr des Menscher: erschüttern mußten. Dai wollten manche Gelehrte den Javamenschen des Tr. Dubois nicht als beweiskrästig anerkennen. Man rüstete eine Expedition aus und 'beauftragte sie, am Fundorte Dubois auf Java rurch toeiterenf Resten zu forschen und vor allen: das zoologische Alter bezt Erdschichten aufs genaueste zu bestimmen. Dabei stellte sich nun heraus, daß sich Dubois sehr geirrt hatte, als er glaubte, es seien Tertiärschichte:: gewesen, in denen seine Funde gelagert hatte::, Tas waren in Wirklichkeit Schichte:: aus viel jüngeren Erdperioden, aus einer Zeit, aus der in (Europa bereits Menschen bekannt! waren. Damit aber hatte der Javamensch Dubois feine Bedeutung als Glied (in dem Stammbaume des Menschen völlig verloren- denn wenn zu der Zeit, in der er gelebt hatte, bereits Menschen existierte::, so konnte er selbstverständlich nicht mehr za: ben Ahnen-; geschlechtem dieses Menscher: gezählt werden. Damit aber noch nicht genug. Fast um dieselbe Zeit, in der die Javaexpedition ihre Entdeckung gemacht hatte, stieß man in Europa auf einen! menschlichen Rest, der noch viel älter war als der Java-Affen-! merrsch. „ Der Heidelberger Gelehrte Schoetensack fand nämhdj 1907 in einer Sandgrube bei den: Orte Maner, 10 Kilometer (unweit Heidelberg, einen menschlichen Unterkiefer auf. Dieser! menschliche Ueberrest ist zweifellos das älteste Stück, das man bis heute vorn Menscher: überhaupt besitzt, denn der Sand seines Fundortes gehört nach den ©äugetierfunben, die man dort machte, zum Tertiär. Das Wesen, dem der Unterkiefer einst gehört hatte, ist also weit älter als der Javanrensch, der Pithecanthropus, und! diesem höheren Alter entspricht denn auch fein primitiver Zustand, An der Stelle, wo die Unterkieferäste miteinander verwachsen sind, gleicht er dem Unterkiefer des Gorilla; nach einer anderen Stelle könnte er einem Gibbon angehört haben. Der Unterkiefer! allein würde also noch kein Beweis für seine Herkunft vom Menschen fein. Tiefe Zweifel wurden aber durch die sämtlichere noch vorhandenen Zähne gelöst. Tie Zähne nun sind „der acholuk fidjere Beweis dafür, daß wir es mit einem menschlichen Teils zu tun haben. Die vollständig erhaltenen Zähne tragen den! Stempel „Mensch" zr:r Evidenz. Die Eckzähne zeigen keine Spur einer stärkeren Ausprägung den anderen Zahngruppen gegenüber; diesen ist insgesamt die gemäßigte und harnronische Ausbildung ergen, wie sie die rezente Menschheit besitzt," sagt Schoetensach in seiner Beschreibung des berühmten Fundes. Das Wesen, von dem jener Unterkiefer stammen mußte, zeigte aber auch wesentliche! Unterfchiede gegenüber dem bereits genannten Neandertalmenschen, Er erhielt deshalb den Namen: Homo heidelbergensis. Wendet man nun auf diesen Unterkiefer mit seinen Zähnen das oben erwähnte Gesetz der Paläontologie an, so folgt daraus, daß de« Träger seine Zähne nur unmittelbar von einem primitiven Vorfahren ererbt, daher rriernals das bereits höher spezialisierte Affenstadium durchgemacht haben kann.. Dagegen ergibt sich weiter, daß man einen uralten gerne:n- f am en Urzustand annehmen muß, aus dem sich Men sch en und Affen gemeinsam entwickelt haben, Diesem Urzustände aber stehen die Menschen körperlich noch viel näher als die Affen. Frühere Forscher hatten sich einen Uraffen gedacht, von dem Menschen und Affen gemeinsam abstammen sollten. Seit dem Funde vor: Heidelberg könnte man an seine Stelle eher einem Urmenschen setzen, der als Unahne für Menschen und Affen gelten kann. Gegen eine solche Annahme spricht auch der aufrechte Gang des Menschen nicht. Das Ausrichten des Körpers ist eine Eigentümlichkeit, der man im Tierreiche oft begegnet und die vieler!« Ursachen haben kann. Auch die langen Beine ru:d die kumm, Arme des Menschen im Gegensätze zu dem umgekehrten VerhältrnM beiden Menschenaffen sprechen nicht dagegen, wie die Anthropologe nachweist. Haben doch auch viele Halbaffen, an die man das Menschen- und das Affengeschlecht gemeinsam ankmipft, btefö langen Beirre und kurzen Arme. Wenn nun jemand aus den neuen Forschungsergebnissen den Schluß ziehen wollte, der Mensch sei überhaupt nicht mtt den! Tieren verwandt, so toäre dieser Schluß ganz verfehlt. Dazu! haben Mensch und Tier denn doch zu viele gememsame Merkmale, Das hat Huxley schon im Jahre 1863 in seinen: Werke „D:ü Stellung des Menschen in der Natur" bewiese::, und der Fre:- burger Anatom Wiedersheim hat neuerdings erst toteber alle die vielen gemeinsamen Punkte beim Menschen und Asien w sammengestellt, um zu zeigen, wie „der Bau des Menscher: als s— 716 Zeugnis für seine Vergangenheit" dient. Die oben erwähnte Sernmuntersuchnng zeigt auch zn deutlich, daß zwischen Mensch und Menschenaffe eine unmittelbare Blutverwandtschaft vorhanden ist. Zwischen den niederen Affen und dem Menschen besteht diese Verwandtschaft aber nicht. Diese Affen haben sich also schon viel früher von dem gemeinsamen Stamme losgelöst, als die Menschenaffen, „deren Vorfahren von ganz menschenähnlichen Zuständen abgeleitet werden muffen". Das Ergebnis der neuesten Forschung heißt also: Der Mensch stammt nicht voM Äffen ab, er ist ihm aber nahe verwandt. Blutvergiftungen. Von M. Pro mb er. Kein Mensch — auch der reinlichste und vorsichtigste nicht — kann sagen, daß er sich eine Blutvergiftung schwerlich zuziehen wird. Obwohl ein kluges Jnachtnehmen und peinliche Sauberkeit manche körperliche Gefahr dieser und anderer Art aus dem Wege räumen, gibt es doch äußere Einflüsse genug, die eine bedrohliche Vergiftung des Blutes herbeiführen können, ohne daß man diesen Einflüssen entrinnen kann. Wir ergehen uns int Walde — und eine Otter sticht uns. Wir durchschreiten das Feld — eine Stechfliege, die vorher auf einem Aase, einer milzbrandkranken Kuh pder einer giftigen Pflanze gesessen hat, gräbt ihren Stachel m unsere Haut. Wir gehen zwischen Häusern oder im Garten — und ritzen uns an einem verrosteten Nagel oder sonstwo. Eine kaum sichtbare Verwundung genügt, um einen blühend gesunden, kraftstrotzenden Menschen einem langen, schmerzensreichen Siechtum, wenn nicht dem Tode, zu überführen. Und erst die zahl- reichm Fälle von Blutvergiftung durch genossene Speisen uitd Getränke! Selbst durch eine Krankheit kann sich eine neue Krank- heit entwickeln, die einer Blutvergiftung gleichkommt. Wie leicht man zu einer Blutvergiftung kommen kann, müßte ein Landmann erfahren, der beim Getreideausladeit ton einem Strohhalm geritzt wurde und darauf unter gräßlichen Schmerzcit starb. Ein junger Kaufmann dagegett, den es im Ohre juckte und der mit einem gespitzten Bleistift darin rieb, zog sich eine schwere Ohreneiterung zu. Das Wasser, das wir trinken, kann unsere Säfte verderben, wenn es faulige oder sonstwie schädliche Bestandteile enthält. Die Luft, die wir einatmen, kann unser Blut verpesten. Wandfarben, Tapeten, Eßgeschirre, Blumen usw. können zu einer Vergiftung des Blutes führen — kurzum überall gibt es Feinde unseres Blutes! Wir ivollen mit diesen Zeilen jedoch nur die Fälle von Blutvergiftung ins Auge fassen, in denen die uns anhaftenden Stoffe und Gegenstände unserem Körper heimlichen Schaden, heimliches Verderben bringen. Vom Kopf bis zum Fuße tragen wir nicht selten Feinde mit uns herum. Eine noch in mittleren Jahren stehende Dame bemerkt zu ihrem Schrecken, daß sich bereits verschiedene graue Fäden durch ihr schönes schwarzes Haar ziehen. Und sie will doch noch jitng sein — vor allem jung scheinen. Der vertrautesten Freundin wird die schmerzliche Wahrnehmung mitgeteilt. Diese weiß sogleich Hilfe luich rät ihr ein „großartig wirkendes" Haarfärbemittel/ Der Rat wird befolgt. Um bei der Vorspiegelung falscher Tatsachen möglichst gründlich zu Werke zu gehen, werden gleich cüt paar Tropfen des Farbextrakts aufs Haar geträufelt. Die Flüssigkeit sickert hindurch und berührt die Kopfhaut. Bald darauf macht sich ein brennendes Gefühl bemerkbar; verschiedene Stellen der Kopfhaut „jucken" und „äschern". Es wird gekratzt. Das Jucken weicht einem Schmerzgefühl. Die betreffenden Stellcrt schwellen an, werden glühheiß und erzeugen bald qualvolle Schmer- tzen. Ohne Zweifel, hier liegt eine Blutvergiftung vor! Die Tinktur enthielt vielleicht nur einen ganz winzigen Teil einer schädlichen Substanz, diese aber reichte hin, um beim Eindringen in eine Kratzwunde der Kopfhaut eine Vergiftung des Blutes herbeizuführen. Aber auch metallene Kämme und Nadeln, die Rost oder Grünspan ansetzen, können eine Blutvergiftung, die vom Kopse ans- ! geht, Hervorrufen, ebenso Hüte. Besonders Herrenhüte haben schon oft recht schmerzhafte und langwierige Entzündungen, die nichts anderes als Blutvergiftungen Waren, verschuldet. Diese Erkrankungen hatten ihre Ursache in einer scharfen Beize, mit der die lederartigen Ränder, welche die Kopfbedeckungen auf der Innenseite einfassen, präpariert waren. Und wie viele Mädchen und Frauen können ein Lied fingen von mehr oder weniger bösartigen Vereiterungen des Ohres, verursacht durch grünspansetzende Ohrringe! Sogar Vergiftungen! durch Zahnfüllungen sind schon beobachtet worden. Nach einer Mitteilung Dr. Huhs in Melsungen wurde eine Dame, die sich ihre Zahnhöhle mit einer Paste hatte ausfüllen lassen, zwei Tage Nach der Ausfüllung von Uebelkeit, heftigen Magendarmstörungen, Durchfällen und Krampszustäilden, verbunden mit sehr geringer Herztätigkeit, heimgesucht. Erst als die Zahnpaste entfernt und der 'Patientin ein Gegenmittel gegeben worden war, ließen die verdächtigen Erscheinungen nach, bis sie ganz verschwanden. Di