Montag den 15. August WS ffiBf »v M W ULiiüU 1 W WW 111 . I Das schlafende Heer. Roman von Clara Biebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Stasia lvurde ärgerlich. „Ach Unsinn! Du bist zu dumm! Was Hast du dich zu fürchten? Ein gutes Recht hast du, zu kommen. Ist der .Herr Offizier nicht Vater zu deinem Keinen Zungen?" „Das ist er, das ist er!" Michalina nickte bestätigend, aber dann kauerte sie sich plötzlich am Grabenrand nieder, zog die Knie hoch, schlang die Arme darum und legte den Kopf auf die Knie. „Du willst nicht, du willst wahrhaftig nicht?" Stasia war ganz empört. „Ei, warte, das werde ich dem Walenty sagen! He, du bist eine Schöne! Nicht einmal so viel kannst du ihm zu Gefallen tun? Nicht diesen einzigen, kleinwinzigen Gefallen! „Ich habe mich sehr getäuscht", wird er sprechen, „ich habe geglaubt, sie ist eine Freundin zu mir, eine gute — o, ich bin traurig!" „Ich kann nicht, ich kann nicht!" Michalina hob den Kopf. Ihr Gesicht war ganz von Tränen überströmt; in ihren weinenden Augen war ein verängstigter, zweifelnder, unglücklicher Ausdruck. „Was soll ich tun?! Heilige Mutter! Ach ja, ich möchte ja schon, — ach nein, ich kann nicht, nein! Sage, Stasia," — sie haschte nach der Hand der Braut — „wird den Walenth mir wirklich böse sein, wenn ich nicht für ihn gehe zu Pan Pawel?" „Sicherlich!" „O heilige Mutter — er wird mir böse sein! Was tue ich?!" Traurig ließ das Mädchen wieder den Kopf auf die Knie sinken. „Du bist schuld, wenn der Walenty den Krug nicht bekommt," sprach Stasia vorwurfsvoll. „Und er möchte ihn doch so gerne haben, seine Seele hängt daran!" Sie seufzte: „Armer Walenty, wie wirst du dich grämen!" Nein, grämen sollte er sich nicht! Entschlossen sprang Michalina auf. Mit dem Handrücken wischte sie sich die Tränen aus den Augen, und dann zupfte sie ihren Rock zurecht und die Schürze. „Ich werde gehen. Wiederhole nur noch einmal, was ich sagen soll, daß ich es nicht vergesse!" Stasia studierte ihr's ein. Es. kostete einige Mühe, bis die braune Michalina begriff, wie sie zu bitten hatte, wie sie drängen sollte. „Du darfst dich nicht abweisen lassen," lehrte die Klügere, „bist du erst draußen, kommst du nie wieder hinein! Und nicht gar so demütig! Auf dein Recht pochst du, hörst du?!" „Ich höre wohl, aber auf was soll ich pochen! Auf mein Recht, sagst du? Weiß ich doch nicht, ob ich recht habe! Hätte ich recht, hätte die Pani mich nicht gejagt). Werde ich lieber Litten. „Bitte, gnäd'ger Herr, bitte!" Und sie hob die Hände und sah mit einem so herzbewegenden Ausdruck drein, daß Stasia ihr um den Hals fiel und sie küßte. „Dafür muß Walenty dir auch einen Kuß' geben denke nicht, daß ich eifersüchtig bin, o nein! Er soll dich küssen!" Hand in Hand, wie zwei Freundinnen, setzten sie nun ihren Weg nach Przyborotoo fort. Je näher sie dem Gutshof kamen, desto schärfer lugte Stasia aus. Richtig, dort auf jener Stoppel kreuzten die Erntewagen, und hoch zu Roß hielt einer dabei! Noch könnte man das Gesicht nicht sehen, aber Stasia erkannte die Gestalt von weitem. „Geh jetzt, geh," sagte sie hastig zu Michalina und) gab Her noch einen Augenblick Zögernden einen ungeduldiger: Puff in den Rücken. „Psia krew, so geh doch!" Und als die andre mit gesenktem' Köpf gehorsam davontrottete, rief sie erleichtert hinter ihr drein: „Laß dir Zeit! Uebereile ja nichts! Ich werde hier auf dich warten!" Ganz verloren kam sich Michalina üor,, als sie den ihr bekannten Hof betrat. Ihre Füße waren schwer wie Blei. Kaum konnte sie die Schritte heben. Aber ihr Herz war ein noch viel schwererer Bleiklumpen. Und sie hatte auch große Angst. Scheu sah sie sich um: wie sollte sie ins Haus hineinlömmeu? Ach, sie getraute sich doch gar nicht! Den Weg hinauf würde sie wohl noch finden zu Herrn Pawels Zimmer — aber wenn ihr unten die Pani begegnete! Wie würde ihr's dann gehen? O weh! Sie zitterte, und ihr Herz, das schwere, schlug tote ein Hammer. Kaum daß sie sich ein paar Schritte näher wagte, von Stellwand zu Stalltoand drückte sie sich. Wenn doch ein Meitsch käme, den sie nach Pan Pawel fragen könnte! Vielleicht, daß er einmal herauskäm auf den Hof?! Da hieß es warten. Und sie flüchtete hinter die zurückgelehnte Tür des Schweinekobens und verharrte dort regungslos im Winkel zwischen Tür und Mauer, kaum wagend, zu atmen. Eine halbe Stunde mochte so vergangen sein, sie erschien ihr viel länger; niemand war ihr zu Hilfe gekommen. Ihre Angst hatte sich jetzt ein wenig gelegt, denn sie hatte in einem fort an den Sohir ihres Herrn und an seinen Wunsch gedacht. Der Walenty wollte den Krug doch nun einmal für sein Leben gern haben — also darum voran, voran! Sie durfte nicht zögern. Wie ein Stoßgebet den Namen „Walenty" auf den Lippen, schickte sie sich an, aus ihrem Versteck herauszutreten und geradewegs aufs Haas loszugehen, als sie drinnen im Schweinestall eine Helle Mädchenstimme hörte. „He, ihr meine lieben Kinderlein, habe ich ein Schläfchen gehalten? Verzeiht der kleinen Marynka! War teilte Ma- rynra sehr müde, hat sie nicht geschlafen die ganze Nacht, hüt sie eurer Mutter aufgepaßt, daß alte San ntcht frißt liebe Kinderlein! He, dälej, Rozyczka, alte Sau, laß hungrige Kinderlein trinken!" 502 —< Marynka — Marynka?! Michalina lauschte erfreut: war das vielleicht die kleine Marynka, die zu ihrer Zeit noch ein Kind gewesen war, das niemandem angehörte, ein Kind, das hier zwischen den Ställen ausgewachsen war? O, vor der brauchte sie sich nicht zu fürchten! Und so schlupfte fie schnell hinein in den Koben. —--- Der Rittmeister; der gegen die Zeit der abendlichen Kuhle Mit der Gouvernante seiner Schwester im Garten Promenierte, war fast verblüfft, als aus einem dichten Gebüsch im Rücken des versteckten Bänkchens, auf dem er eben mit Fräulein Wollenberg Platz genommen hatte, em leises „Pst-Pst" ertönte, so zart wie das zirpende Rusen einer Grasmücke. Eine Weidengerte berührte mit einem mahnenden Tupfen seine Schulter. Er drehte den Kopf — da stand die kleine Marynka, die Hühner- und Schwernemagd, winkte eifrig nnd legte dann ihren nicht gerade tadellos sauberen Zeigefinger ginn' Zeichen des Schweigens auf die Lippen. Was fiel dem' kleinen Wechselbalg ein?! Wollte die etwa auch schon kokettieren?! Da müßte Man ja einen netten Geschmack haben! Mer — na! Gutmütig erhob sich Paul Kestner. Er bat das Fräulein, einen Moment zu entschuldigen. Nun, wo steckte denn jetzt die kleine Marynka?! Der Rittmeister Log um das Boskett. „He, Marynka!" „Sie war nicht mehr da, wohl aber stand auf dem Kiesweg, über den der sonnige Wendglanz tanzende Lichter warf, ein rundes braunes Mädchen und blinzelte ihn scheu an. Ein: „Donnerwetter!" entschlüpfte dem Rittmeister. Das war gerade keine angenehme Ueberraschung. Er hatte die Michalina, das einstige Stubenmädchen seiner Mutter, erkannt. Hastig fuhr er in die Tasche, er wollte ihr ja gern etwas schenken. Da brachte sie stockend und stotternd ihr Anliegen hervor. Also heiraten wollte sie, die Michalina?! Erleichtert atmete er auf. Na, das war ja ganz reizend, ganz famos! Und den neuen Krug wollte ihr Bräutigam gern pachten? Bräuer >—। -Valentin Bräuer — den Namen wollte er sich Merken h ganz famos! Nun natürlich, der kriegte den Krug uud kein anderer! Da konnte sie sich fest daraus verlassen! . Er schüttelte ihr die Hand: das wär recht, daß sie zu WM gewmmen war! Sie küßte seine Hand: „Padäm do nog!" Mehr konnte fie nicht stammeln. Ihr Herz war so schwer; es drückte ihr fast den Atem aus. * „Warum weinst du?" sprach die kleine Marynka, als sie Miteinander aus dem Garten schlichen. „Er ist doch ein guter, gnädiger Herr! War er nicht gut zu dir?" „Doch, doch, er ist sehr gut gewesen," schluchzte Michalina und befühlte das große Silberstück, das der Herr Rittmeister ihr in die Tasche gesteckt hatte. Fünf Mark i— was konnte sie alles dem Jafio dafür kaufen! Aber die Freude wollte nicht kommen in ihr Herz. Ja, wenn fie wirklich die Braut gewesen wäre, für die er sie gehalten hatte! Es war süß gewesen, ihn so sprechen zu hören; sie hätte seinen Irrtum nicht verbessern mögen, um alles in der Welt nicht. Wer, o — sie legte die Hand aufs Mieder —, was hatte sie da für einen bösen'Schmerz! „Weine doch nicht!" sprach- die kleine Marynka und drückte ihr mitleidig die Hand. „Hast du Ursache zu weinen? Nein, du hast gar keine Ursache! Du hast einen Großvater. Wenn ich meine Gänse treibe auf die Stoppel, da" — fie hob den Arm und deutete nach dem Lysa Gora hinüber, der sich wie ein Wahrzeichen jenseits der drei Grenzen reckte — „so treibt der alte Dudek nebenan seine Schafe auf Chwaliborczycer Stoppel, und wir treiben nebeneinander, und ich höre ihm so gerne zu. Ich wünschte, ich hätte auch ein so liebes Großväterchen! Und du hast auch noch eine Mutter — o, wie ich wünschte ein Mütterchen!" „Und ein Bübchen, ein kleines," ergänzte Michalina schnell und trocknete mit dem Schürzenzipfel ihr beträntes Gesicht. . Da seufzte die kleine Marynka: „Wünscht' ich doch, ich hätte -auch so ein Bübchen, ein kleines! Mit dem läßt sich Mt schwatzen, nicht wahr? Ich habe nur meine Hühnchen und Gänse, und die Ferkelchen von der alten Rozyczka. Mer alle sie werden geschlachtet werden. Das Bübchen nicht! jO, du Glückliche!" In ihrem kurzen Röckchen, auf ihren bloßen Füßen stand die Keine Marynka am Hoftor unter der Akazie und sah noch lange, lange der Davonschreitenden nach. Michalina eilte sehr: was würde Stasia wohl Jagen, daß sie solange hatte warten müssen?! Aber wie sie sich auch umschaute, nach rechts und links und vor und zurück, keine Stasia war zu erblicken. Der hatte es sicherlich zu lange gedauert, die war schon nach Hause gegangen! —I Aber Stasia hatte die Zeit nicht zu lange gewährt;! sie hatte gar nicht gemerkt, wie die dahineilte. Schon läutete das Abendglöckchen — jetzt war es die Stunde, in der sie am Luch ihren Bräutigam treffen sollte ab erste dachte gar nicht an diesen. Mit Pan Szulc saß sie unten im tiefen Wassergraben^ den die Sommerhitze so ausgetrocknet hatte, daß kein Tröpfchen mehr darinnen war. Wer Gras wuchs da unten', Gras, so weich wie ein Pfühl. Sie küßten sich. Sie hatten sich unendlich viel zu erzählen, und noch viel mehr sich M küssen, und so viel zu lachen. Und dann verabredeten sie, daß sie sich öfters hier treffen wollten im Wassergraben, der wie ein tiefer Schnitt durch die Felder schneidet, und in dem man sitzen kann, ohne daß jemand, der über die Felder geht, eine Ahnung davon hat. Sie verabschiedeten sich auch hier unten. Es war ent langes, heißes Umfangen. Daß sie des Niemiec Braut war, daraus nahm Pan Szulc keine Rücksicht — für den war sie doch viel zu schade! Mit zerrauften Haaren, das Geficht glühend, kletterte Stasia endlich, sich an den Grasbüscheln hinaiifhelfend, zum! Rande hiuan. Noch einen Blick — ein Grüßen mit den Augen — ein Spitzen des Mundes — Und dann lief sie fort, während der Inspektor unten iioch eine Strecke weiter ging; um dann am gaiiz andern Ende des Grabens aufzutauchen'. Atemlos näherte sich Stasia den Weiden am Luch.. Was würde sie mir schnell Vorbringen, sich zu entschuldigen? Was sollte sie sagen, um den so lange vergeblich Harren-, den zu versöhnen?! Und was die Michalina ausgerichtet hatte, das wußte sie nun -Mch nicht —. recht dumm! — was erzählte sie denn jetzt schnell für ein Märchen?! Mit zitternden Fingern ihr verwirrtes Haar zu orbneit versuchend, hielt sie an — nun war sie am verabredeten Platz. Ganz still lag der Luch, so still, daß das leise Rauscheu der Schilshalme im Abeudwind wie ein mächtiges Brausen klang. Unter einer grünhaarigen, wehenden Weide lag Walenty, die Arme als Kissen Hinterm Kopf, das klare Gesicht frei nach oben gekehrt. Friedlich schlief er in glückseligem Behagen, ohne Harm! wie.ein Kind. Er konnte auch schlafen, unbesorgt wie ein Kind, denn er war sicher bewacht. Neben ihm kauerte Michalina. Die Küie hochgezogen, die Arme um die Knie geschlungen, wiegte sie den Oberkörper hin und her in lautlosem Rhythmus und hielt die Augen unablässig auf den Schläfer gerichtet. (Fortsetzung folgt.) Liegnitz. Zum 150. Gedenktage —- 15. August 1760. Von Karl Bleibtreu. (Nachdruck verboten.)! Friedrich der Große hielt sich seit der Kunersd-orfer Katastrophe mühsam über Wasser und fristete seine Kriegsführung sh hin durch beständige Manöver. Doch das Bleigewicht der Materick wuchtete ihn nieder, die Uebermacht erdrückte ihn. Noch behielt er den Nordteil von Schlesien, aber er sah sich von Breslau! durch Tschernitschefs Russen abgesperrt, und die letzte Basis Glogaik bedrohte Laudon von Liegnitz her, Daun und Lasch drängten' Von der anderen Seite. Von 90 000 Oesterreichern eingekreist,- nur noch für drei Tage Brot im Lager, wechselte Friedrich rasch seine Stellung. Seine Beiwachtfeuer ließ er Dann gegenüber brennen, um über den Abniarsch zu täuschen, und bezog die Stellung Wolfsbcrg-Pfaffendorf. Längs dem Schwarzwasser bis zum Dorfe Hummel stellte er seinen rechten Flügel unter Zielen auf, um gegen Daun zu demonstrieren, das Uebrige stand mit Front nach Liegnitz, alles in allem nur 30 000 Mann. Der! Abmarsch vollzog sich in nächtlicher Stille, die Truppen schlummerten unterm Gewehr oder erwarteten schlaflos den Tag. Denn bei etwaigem Vormarsch auf Liegnitz stieß man sicher Ms den Feind. Ter König ruhte wach an einem Wachtfeuer des linken Flügels', seinen Rotschimmel Cäsar neben sich angebunden an einem Baum; um ihn her das Brandenburger Grenadier-Bataillon Rathenow, Gewehr im Artn Auf Vorposten., Ten Major Hundt schickte 503 'er mit 200 Zietenhusaren zur Auskunduug auf Bienowitz vor, Die Sommernacht war überaus milde, aber stockfinster. Ter Marsch sollte um 7 Uhr früh fortgesetzt werden. Ein; österreichischer Deserteur, Hauptmann Wiese, hatte berichtet, Daun werde morgen in der rechten Flanke und Lasch im Rücken angreifen, woraufhin der König seinen rechten Flügel mehr zurückbog. Bon Laudon wußte Wiese nichts, und man nahm an, dieser werde sich hüten, von vorn dem Löwen in den Weg zu rennen. Doch da kannte! man Laudons Ehrgeiz und Unternehmungslust wenig, der gerade jetzt sich bei Nacht in dichten Marschsäulen vorbewegte, den König anzufallen. Ihn weckte Hundt sofort mit der Meldung, der Feind stehe keine 400 Schritt vor der linken Flanke stromabwärts bei Bienowitz. Mit gewohnter Geistesgegenwart untersagte Friedrich Alarm Und Reveilleschlagen und ordnete die Rathenow-Grenadiere in aller Stille, um zehn Swölfpfündep zu decken, die er sofort auf den Rehberg schaffen ließ. Die Bn- gaden Schenkendorf und Bülow und das Dragoner-Regiment Krakow mußten Linksum machen, die Linke zu verlängern. Laudon marschierte ohne Patrouillen Und Vorhut, um Nicht 'irgendwo den Gegner aufzuscheuchen, da er Friedrich ein neues Hochkirch zu bereiten gedachte, den er noch in dessen 'ursprünglichen Stellung weiter rückwärts annahm, ohne dessen Vorbewegung bis ans Katzbachgewässer zu ahnen. Statt dessen stieß er letzt Kirf eine starke, vorbereitete Front, der geplante. Ueberfüll verkehrte sich ins Gegenteil. Seine dicken, unbehilslichen Kolonnen, die soeben dichtgedrängt den Fluß überschritten, empfing em Mörderisches Geschützfeuer vom Rehberg, und die schlesischen Nyen- schessky-Grenadiere, im Laufschritt den Rathenowschen nachgefolgt, eröffneten gemeinsam mit jenen Höchst wirkungsvolle Salven. Dre tapferen Kanoniere auf dem Rehberg ließen sich durch Gewehr- e und Kartätschen aus der feindlichen Vorderlinie nicht , die lärmend durcheinanderwirrte und verzweifelt nach Ent- Wicklnng strebte. Der Uferraum erwies sich so eng, daß Laudon in vier oder fünf Linien hintereinander aufmarschieren grüßte. Der fähige Feldherr erwies sich trotzdem anfangs der Bedrängnis gewachsen, seine Energie setzte es durch, daß seine Grenadiere reserve, an der Spitze voraus, die Bienowitzer Höhe besetzte, wo nur Lagerwachen der Zietenhusaren standen, und seine Reiterei auf der äußersten Rechten zwischen Pohlschildern und Bienowitz sich 'formierte. Um dem verheerenden Feuer vom Rehberge zu entgehe«, das fortwährend tiefe Lücken in die Marschsäulen riß, ritten Laudons Schwadronen vor und warfen mit großer Ueber- zahl Krakows Dragoner zurück. Deren für Schußgefecht eingeübte leichte Schwadron pfefferte jedoch aus einem Hinterhalt, einem Gebüsch beim Gehöft KruMmelinde, und fünf Bataillone General Bülows begrüßten die Verfolger mit solchen Salven, daß sie kehrt machten. Da holte sie ein General Anton Krakow mit den Kürassier-Regimentern Seydlitz (Ohlau), .Markgraf. Friedrich (Pommern) und Leibregiment (Elbsachsen) ein, hieb sie in die Pfanne und trieb sie in ihr eigenes Fußvolk hinein. Die beiden Vordertrefsen Laudons verknäulteu sich, seine Lage verschlimmerte sich fortwährend. Der König stellte acht Bataillone des Generals Grasen Wied am Dorfe Panten weiter rechts schräg Vuf, so daß sie sowohl einem etwaigen Uebergangsversuch oberhalb Pantens entgegentreten, als auch links ins Ringen am Rehberg eingreifen konnten. Hinter dem Wolfsberg, wo. alle übrigen Zwölspfünder anffuhreN, führte General Wedell vier Bataillone als Reserve, und rechts von Panten deckten die Kürassierregimenter Prinz Heinrich Und Karabiniers die rechte Flanke. Aber diese 19 Bataillone Und 30 Schwadronen hatten 44 Bataillone, 44 Grenadierkompagnien und 15 Reiterregimenter Laudons gegen sich, der sich mit gewohnter Tatkraft bemühte, seine geschlagenen Vorderteile durch frische abzulösen. Dreimal erneuerte er den Mngrisf, obschon seine Artillerie und' Kavallerie im buschbesäten Gelände von Pohlschildern keine Entwicklung sanden. Noch gab es überall harte Arbeit. Zuerst wich sein rechter Flügel. Hier fiel das altberühmte Regiment Anhalt-Bernburg, mit Ungnade des Königs wegen eines Vorfalls bei Dresden belastet, mit wahrer Wut angrisfsweise gegen die Weißröcke aus, schleuderte den Geschwadern Salven aus nächster Nähe ins Gesicht, und drang mit dem Bajonett, die Pferde niederstoßend, in sie ein. Die Zwölf- pfünderbatterien fuhren furchtlos mit vor, die weltberühmten Sepdlitz-Kürassiere ritten fünf Bataillone nieder und nahmen sie gefangen. Vier Fahnen nnd zwölf Kanonen fielen in ihre Hände. Das Leibregiment vernichtete andere Schlachthaufen. Kaum eine halbe Stunde währte dort der Kampf. Länger hielt sich die Mitte, in welche jetzt die Spandauer Rosenroten, Regiment Kronprinz, Helden von Zorndorf und Hochkirch, grimmig embrachen. Auch hier wichen die Oesterreicher außer Fassung, doch ihre Linke brachte Friedrich arg in Verlegenheit. Wegen steten Liiiks- zichens der Schlachtlinie, da dort auch Regiment Wedell (Marker) und Alt-Braunschweig (Magdeburger) links von Panten zum Angriff antraten und den Feind bis ans Wasser drängten, klaffte bei Panten selbst eine Lücke. Rasch entschlossen warf Laudon eine ganze Brigade dorthin, eine nur noch dort postierte Halbkompagnie zur Wafsenstreckung zwingend, und zerschnitt so die Ber- binduiig zwischen Friedrich und Sieten. Dieser rückte beim ersten Kanonendonner sofort aus, um gegen Daun zn sichern, rndeM er den Gloßberg mit schwerem' Geschütz besetzte und die Stem- brücke, von wo Uebergaug drohen konnte, zwischen Töpferberg Lnd Pfaffendorf bestrich, Tie Reiterei unter dem Herzog von Holstein setzte sich in Bereitschaft, um alles zu attackieren, tu'aS- die Katzbach überschreiten wolle, ähnlich wie Blücher später aufs gleicher Walstatt befahl. Eine Reserve unter Graf Finkensteist schied sich aus, um den König bei Bedarf nach links zu untere stützen. Das Frontmacheir nach zwei Seiten brachte aber zuletzt! einen stumpfen Winkel zustande, wo Friedrich und Sieten fast Rücken an Rücken standen und dessen Schnittpuiikt Panten LaudoN unmöglich behalten durfte. Graf Wied, von dort flankiert, hielt! einen dreimaligen Vorstoß der Mitte aus, wobei feine zwei Grenadierbataillone litten und den Major Stechow verloren, bis Wedell' die Gardebrigade Saldern hinter dem Wolfsberg vorführte. Ege die in Panten sestklebende Masse ihr zu langes Zögern überwandt, weil sie fürchtete, bei weiterem Vorgehen etwa ZieteN ins Garn zu laufen, erstürmte das dritte Bataillon Garde das! Dorf. Major Rohdich warf die große Uebermacht nach der. Katzbachbrücke, der hünenhafte General Saldern brachte eine frische Batterie herbei, die Panten anzündete und gemeinsam mit dest Leibgarden und Gardegrenadieren links davon in die Schlachtreihe einschwenkte. Dem Druck dieser Kerntruppen gab letzt Laudons Linke so nach, daß sie all ihr Geschütz auslieferte.. Umsonst sandte Laudon seine ganze Macht übers Wasser ins Feuer, nur vier Kroatenhaufen und zehn ungarische Schwadronen blieben jenseits. Die Rechte verlor schon Bienowitz, dreimal hieb Krakow in die Weichenden ein, deren an Zahl so wert überlegene Masse sich in der Verzweiflung, an den Fluß gedrängt, nach Kräften wehrte. Die Ferdinand-Füsiliere (NeU- Rnppiu) fochten hier herzhaft, allen taten es die drei Bataillone Anhalt zuvor, ein Leibregiment des Alten Dessauer, Helden von Prag und Kollin, Sobald der König zwei Bataillone Zielens Und die rotröckigen Gendarmen-zn-Pferd an sich zog, warf letzt auch seine Rechte den letzten Widerstand nieder. Laudons Massen wogten über die Brücken rückwärts unterm Schutz einer .Batterie Und eines Todesrittes, den seltsamerweise ein JnfaiNerie-Maiorl vom Leibregiment Laudon ansührte. Die ungarischen iLchwarziug- Kürassiere- brausten über die Ruppiner herein, die sogar zwei! Kompagniefähnlein dabei verloren. Doch Regiment Anhalt ging mit lautem Racheschrei den Reitern mit blankem Stahl zu Leibe, Krakow befreite die gefangenen Ruppiner, General 83enormer eroberte rechts mit den Karabiniers eine Batterie und Krokmv- Tragoner zersprengten links. das Fußvolk, eroberten zwölf Kanonen, drei Fahnen, zwei Standarten und schleppten 1000 Gefangene fort. Laudon wich in voller Auflösung; um drei Uhr früh fiel der erste, um sechs Uhr der letzte Schutz. Tann vernahm gar nichts von dem Schlachtengetche, da dep Wind es abwärts wehte. Einen Versuch an der Pfassendorferj Steinbrücke verleidete ihm Zielen gründlich mit 20 Zwölspfündern und 20 Schwadronen. Laschs Husaren plänkelten bei Rüstern übers Schwarzwasser, Hauptmann Prittwitz vom 1. GardebatailloN trieb sie aber von Hummel aus zurück. So waren denn 32 000 Manu Landons mit 120 Geschützen nur 14 500 Preußen erlegen, 83 Geschütze, 23 Fahnen, 4—5000 Gefangene bildeten die Trophäen. Nach neuester österreichischer Angabe seien nur .2140 gefangen und 3800 getötet und verwundet worden. Ta jebod); allein zwei Generale und 86 Offiziere gefangen wurden, verdient die geringere Ziffer feinen Glauben, auch liegt es auf der Hand, da die Preußen 775 Tote und 2435 Verwundete embufiten,; daß der österreichische Blutverlust den Umstünden nach 5000 Manu überstieg, wie preußische Berichte sagen. vermischter. * Ein Wettrennen zwischen Mensch und Pferd, Ein eigenartiges Wettrennen hat vor kurzem in der argentinischen Sirdt Rosaria stattgesunden: Der berühmte italienische Dauerläufer Dorando Pietri, der Sieger im „Marathon-Lauf , maß seine Kräfte mit einem Pferde, das als Trabrenner in Rosario berühmt ist. Es galt eine Strecke von 5 englischen Meilen im scharfen Trabe zurückznlegen. Pietri blieb unbestrittener Sieger,- er erreichte das Ziel in 27 Minuten 43 Sekunden. Das Pferd traf erst später völlig erschöpft am Ziele an und mußte sofort zum Stall abgeführt werden. Der italienische Dauerläuferi aber, so berichtet der Diario von Buenos Aires, ivar »och vollkommen frisch. Als man ihn fragte, ob er nicht erschöpft sei, antwortete er Nur lächelnd: „Bringt mir em zweites Pferd, ich laufe weiter." Mer kein Besitzer wollte fein Tier solcher Anstrengung und einer Niederlage gussetzen. * Ein Riesenwalfisch. An Bord des Frachtdampfcrs „Aragoma" ist nt Newyvrk des Skelett eines Walfisches eingetroffen, das im amerikanischen Museum für .Naturgeschichte! einen Ehrenplatz erhalten soll, beim es rührt von einem der größten Walfische her, die je erlegt worden sind. Allem die Kiefernknochen haben eine Länge von 25 ymtz, das ganze --mep war über 200 Fuß lang, das getrocknete Skelett wiegt. t>o Tons, Tas Monstrum wurde im vergangenen Winter m laPamscheN Gewässern harpuniert. Die Ueberführmig des Skeletts von Mo,l in Japan nach Newyork hat allem an Fracht 20 000 Mark verschlungen. * Japanische S a m m elwut. Von dem Sammeleifer der Japaner, der meift eine sehr exzentrische Richtung cmschlagt, weiß die Revue allerlei Amüsantes zu berichten. So herrschte int Jahre 1893 in Tokio die Mode, Kaninchen zu sampicln. Nach, 504 beit seltenen Arten entstand eine wahre Hetzjagd, einzelne Exemplare wurden mit 4000 Mark und mehr bezahlt, eine Art Kaninchenbörse entstand, wo Hausse und Baisse wechselten und Vermögen verloren wurden Eines schönen Tages war die Mode zu Ende: nun sammelte man Orchideen, und eine Weile später nut' glühendem Eis er Streichholzschachteln, die wegen der aufgeklebten Bilder gesucht waren. Ein reicher Japaner, liest in Europa durch seine Agenten — zerbrochene Teetassen sammeln. Eine Zeitlang herrschte die Manie, Frösche und Kröten zu Kollektionen zu vereinen, die oft Riesenvermögen verschlangen. * Das tapfere Schueiderleiu im L ö w e n ka f i g. Aus Augsburg wird geschrieben: Unsere Bekleidungskünstler stehen von altersher nicht gerade im Rufe allzugroßer Tollkühnheit^ Wohl um diesen Flecken von dcnr Schilde seines Standes abzuwaschen, bat sich in dem Oertchen Laichingen der Schneider-« meister Rapp old um eine Flasche Wein bereit erklärt, in dem L ö w e n k ä f i g der zurzeit dort weitenden Menagerie mit dem Löwenbändiger eine Partie Karten zu spielen. Es lvurden Tisch und Stühle in den Käfig, in dem sich drei Löwen befanden, hineingestellt, der Löwenbändiger, in der einen Hand den auf die Tiere gerichteten Revolver haltend, öffnete mit der anderen ein Hinterpförtchen, durch welches das Schneiderlein schlüpfte, Um sogleich an dem Tische Platz zu nehmen. Das Spiel begann Unter dem Staunen des ziemlich erregten Publikums. Nachdem zwei Partien gespielt und auch noch die Flasche Wein getrunken war, entfernte sich der Gast aus dem Wirtshaus „Zu den drei Löwen", und der Direktor der Menagerie brachte, auf den kühnen Schneidermeister ein dreifaches Hoch aus, in das die Zuschauer freudig einstimmten. * Delacroix u n d Ingres. Die Zeitschrift „Kunst und Künstler" bringt in ihrem letzten Heft eine hübsche Anekdote (ans den „Souvenirs litteraires" von Maxime du Camp) über das Verhältnis der beiden Maler Delacroix und Ingres, die sich bekanntlich als Häupter entgegengesetzter Schulen heftig befehdeten: 7,Ein Bankier, dem die Spaltungen zwischen der Künstlerschaft Unbekannt waren, hatte die unglückselige Idee, einige Maler zum Essen einzuladen, darunter Ingres und Dslacroix. Döla- croix wurde liebenswürdig begrüßt, Ingres gefeiert. Der kleine, zusammengedrückte Mann mit seiner schmalen eigensinnigen Stirn, seiner schlechten Unterhaltung, die nur auf Raffael und seine Zeit einging, seinen zu kurzen Beinen, seinem dicken Bauch und seinen viel zu breiten Händen hatte eine kolossale Meinung von sich und wußte, daß er ein Meister war. Hier befahl er, ließ sich niemandem vorstellen und hielt alle Anwesenden für Bewunderer seiner Kunst. Es ging zu Tische. Mitten beim Essen fing Ingres an, unruhig zu werden, man hatte ihm eben erzählt, daß auch Delacroix anwesend sei. Er, Ingres, der Bewunderer des Gottes Sanzio, dessen Oberbvnze er ja war, er, der strengste Orthodoxe, am gleichen Tisch sitzen mit einem solchen Ketzer! Er wurde aufgeregt und schoß wütende Blicke. Delacroix, auf den sie sich richteten, zog sein offizielles Gesicht, das er immer machte, wenn er sich nicht behaglich fühlte. Ingres versuchte, sich zu mäßigen, brachte es aber nicht fertig. Plötzlich, nach Tisch, eine volle Kaffeetasse in der Hand, stürzte er auf Dslacroix los mit den Worten: „Herr, Zeichnen, das ist Anstand; Herr, Zeichnen, das ist Ehrensache." — Dabei regte er sich, derart auf, daß er feinen Kaffee über Hemd und Weste warf, schrie: „Das ist zu stark", seinen Hut ergriff uud erklärte: „Ich gehe, ich lasse mich nicht länger beleidigen^" Man drängte sich um ihn, wollte ihn beruhigen, zurückhalten. Vergebens. An der Tür drehte er sich nochmals um: „Jawohl, Anstand! Jawohl Ehrensache!" — Dslacroix war ruhig geblieben. Diaz, der ebenfalls da war, schlug auf sein Holzbein und äußerte zu der völlig bestürzten Frau des Hauses: „Gnädige Frau, er bleibt ein alter Bonze. Rur aus Respekt vor Ihnen habe ich ihm meinen Flegel (das Holzbein) nicht vor den Wanst geschlagen." Alles lachte, aber der Zwischenfall war doch zu auffällig gewesen, und die allgemeine Stimmung hatte gelitten. Dslacroix bewies seine gute Erziehung und„ sprach über Ingres' Fähigkeiten als Künstler, indem er anfügte: „Genie ivird einem manchmal nur unter der Bedingung, etwas exklusiv sein zu dürfen, verziehen." . * Der Ursprung des Wortes „romantisch". Wer eigentlich das Wort romantisch, das seit über einem Jahrhundert eine so ungeheuere Rolle in unserer gesamten Aesthetik spielt, zuerst tu Umlauf gesetzt hat, ist noch immer nicht mit absoluter Sicherheit erwiesen. Gewiß ist, daß es in England zuerst in der Mitte des 17. Jahrhunderts aufkam und dort zu Anfang des 18 durch Schriftsteller wie Thomson und Pope allgemeiner gebräuchlich gemacht wurde. Doch bezog sich der Begriff „romantic" damals noch vorzugsweise auf die Landschaft und wurde von französischen Uebersetzern demgemäß noch lange Zeit mit „romanesgue", „pit- toresque", „sauvage" oder ähnlichen Umschreibungen wiedergegeben. Gcknz vereinzelt und verfrüht scheint das franzö>ische Wort „romantigue" schon 1734 int Berner „Spectuteur" gebraucht zu fein, beit Büchmann deshalb als Ursprungsstelle bezeichnet: jedenfalls aber nahm der Sprachgebrauch von dieser ersten Prägung so wenjg Notiz, wie später von der Benutzung des Wortes durch Le Tourneur (in der Vorrede zu seiner fran- zösischen Shakespeare-Uebersetzung von 1776) oder den Margnis de Girardin, der es im letzten Kapitel seines Buches „De la composition des paysages" (1777) näher definiert. Vielmehr scheint — wie Alexis Franyois in einem Aufsatz der eben er- schienenen Annalen der Rousseau-Gesellschaft (Genf, A. Jullien) nachweisen will — Jean-Jacques Rousseau wie der Schöpfer des Begriffes, so auch der des Wortes romantique geworden zu fein. Er gebraucht es zum ersten Male im 5. Spaziergang seiner „Rsveries du promeneur solitaire", die 1777 geschrieben, aber erst fünf Jahre nach seinem Tode, 1782, veröffentlicht wurden, „Die Ufer des Bielersees," heißt es hier, „sind wilder. und romantischer als die des Genfersees." Als diese Zeilen geschrieben wurden, stand die ganze gebildete Welt im Zeichen Ronsseaus und seiner Schriften, und insofern darf man, auch wenn der uns heute so geläufige Ausdruck schon gelegentlich, früher zur Verwendung kam, doch in Rousseau denjenigen sehen, der ihn in Umlauf gesetzt und eingebürgert hat. In Deutschland wurde das Wort ein literarischer Parteiname, seitdem Ludwig Ticck 1800 seine Gesamtgedichte unter dem Titel „Romantische Dichtungen" herausgegeben hatte. *Die Riesenhüte unserer Dainen. Eine „Danleu- spende" besonderer Art widinct I. V. Widmann dem vor einigen Tagen beendeten Eidgenössischen Schützenfest in folgendem Gedicht des Berner „Bund": Wenn an den Niesenhüten unsrer Damen Ter Umfang auf die Krempe sich beschrankte, So sprächen wir am End: „In Gotte? Namen!" Ein Radhut roärS, der uns nicht weiter krankte. Jedoch deS Rades Nabe! Dieser Tops, Markierend einen Riesemvasserkopf, Das ist die Scheußlichkeit, die uns verleidet Die Trägerin, daß man sie lieber meidet. Nun stecki Instinkt bekanntlich in den Leuten Und jede Mode hat was zu bedeutem Auch diese! Sichtlich wird sie sagen wollen, Wie sehr der Kops dem heul'gen Weib geschwollen, Was auch kein Wunder, da früh die Modernen Niel mehr als einstmals ihre Mütter lernen. Nur scheint ein Riesendickkops als Symbol Recht problematisch. Tenn, auch wenn er hohl, Kann er mit ausgednnsnem Umsang prahlen, Die Null auch ist die dickste von den Zahlen. Uud schließlich: wäre das Symbol selbst treffend, Fürs Auge bleibt der Anblick albern äffend, Sieht wider alle wahren Proportionen Man aus normalem Leib das Klotzding thronen, 's ist MaSkeuspuk! Ein Hut von Riesenweibern Schwankt vor uns her aus ordinären Leibern. Das Auge protestiert mit Leidenschaft, Denn die Erscheinung wirkt — kretinenhaft. Brutal ist sie gemeint, will gleichsam sagen: „Das Weib ist Trumps, das Weib darf alles wagen, Gigantisch von der Fußzeh bis zum Wedel Bedarfs ein Dach sür einen Vorivellschädel." Doch ach! wir glaubens nicht, wir bösen Männer, Und nach wie vor sind immer wir Entbrenner, Nur sür das eine, das uns selber fehlt: Tas Zarte, das ein holdes Weib beseelt. Ihr Jüngferchen, die ihr die Arme schlenkert, Mit Monsterhüten durch die Lauben plänkert: Ter Mann, den ihr euch wünschtet zum Gemahl, Der starke, — hat ein andres Ideal. Drum, ob das Schützenfest auch jetzt zu Ende, Müßt ich euch eine schönste Tamenspeude: Ihr stiftet euren Hut als Schützenscheibe Und würdet so zum reizvoll echten Weibe. Nreuzrittsel. =—y—"=-i In die Felder nebenstehender —!------ Figur sind die Buchstaben a a a aabbeeeeeegggh h iiioopppp rrrrr —।--——=-i rrrrr s s ttttvv der- I !I art einzutragen, daß die wagerechten und senkrechten Reihen i । r~ gleichlautend folgendes ergeben: I 2. Sagenhaftes Mesen. 3. Einer aus dem hohen Pferde. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Kühn war das Wort, w e i l e s d i e T a t n i ch t w a r Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts°Buch. und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»