Donnerstag den 13. Oktober 1910 M ZVV UMtzWMW WMDZMM Friedel halb-süß. Moman von Fedor von Zobeltitz. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) In dem behaglich eingerichteten Wohnzimmer brannte die Gaskrone. Erich von Feßler saß am Mitteltisch und blätterte in den umherliegenden Journalen. Er erhob sich beim Eintritt Fritzens und streckte ihm die Hand entgegen. „Seien Sie nicht böse, daß ich es mir gemütlich gemacht habe," sagte er. „Ihr Bursche meinte, Sie müßten jeden Augenblick zurückkehren, und da wollte ich nicht noch einmal auf die Straße." „Recht so, lieber Herr von Feßler. Kommen Sie aus Schrattstein?" „Ja. Bringe auch mancherlei. Unter anderem die Entwürfe für das „Excelsior"-Etikett. Dabej zugleich eine unliebsame Nachricht. Unserm Pariser Agenten ist die Eintragung der Marke für FranÄeich untersagt worden." „Teufel! Und warum?" , „Weil — passen Sie auf — genau drei Stunden vorher i— am selben Tage, Herr Friedel! — die Firma Miquelon fils die Eintragung der gleichen Märke in die Register beantragt hat." „Donnerwetter!" — Fritz ließ sich neben Feßler in den Sessel fallen. >,Was steckt dahinter? Eine Nieder- toä(f)tigfcit !z/ „Ihr Vater und Kesselholz witterten sofort etwas dergleichen. Aber ich halte es für Unsinn. Wir haben keinen Menschen von unserer Idee gesprochen. Es wird ein zufälliges Zusammentreffen sein. Im Grunde ist es seltsam genug, daß man nicht schon lange die Bezeichnung „Ex- celsior" für eine Sektmarke gewählt hat. Sie sollte eigentlich ein Freizeichen sein, wie die Bergmannsschlegel auf den Kohlenfabrikäten und der Chinamann auf den Teekisten; sie paßt so famos zum Knall der Pfropfen und zum Aufwirbeln der Bläschen, zum Steigen des Schaums und der anregenden Wirkung des Champagners." „Die Phantasie geht wieder Mail mit Ihnen durch, Feßler. Bleiben wir bei der Sache. Ich habe die internationalen Bestimmungen über den Markenschutz nicht im Kopfe. Was hat der Agent berichtet? Sie sagten, nur für Frankreich sei uns die Führung des Etiketts verweigert worden?" „So ist es. Und auch nur des blanken Worts auf dem sonst inschriftlosen Etikett. Der Agent scheint ein findiger Kopf zu sein. Er hat sich bei der Abweisung Nicht beruhigt, sondern angeführt, daß es sich hier nicht allein um ein Fabrikzeichen handle, sondern auch- um ein MNster, das geschützt werden solle. Demzufolge hat er in aller Schnelligkeit selbst einen Entwurf für die Etikettzeichnung fabriziert und ihn als sogenanntes Geschmacksmuster heim Pariser Zivilgericht erster Instanz deponieren lassen. Gute« Einfall, nicht wahr?" „Ich Lin mir noch nicht ganz klar Wer dre Sache. Wenn ich Sie recht verstehe, ist uns also trotz der Abweisung des Patentamts die Führung der Märke in Frank- reich gestattet?" „Das ist eben das Verdrehte. Wenn wir unsere Champagnerflaschen nur mit dem Worte „Excelsior" Ms dem Etikett über die französische Grenze schicken wollten, wurden wir reinfallen. Ader wir dürfen das, wenn wir „K. A. Friedel in Schrattstein" daruntersetzen und uns des' Etikettmusters bedienen, das Ihr Agent auf dem Pariser Zivilgericht hinterlegt hat." Fritz lachte. „Wirklich sehr verrückt. Gesetze, die sich widersprechen und gegenseitig aufheben." „So schreibt auch der brave Agent. Es sistiert ein Dutzend älterer Verordnungen, die durch die Bestimmungen zum Schutze des gewerblichen Eigentums noch nicht Werholt worden sind. Jedenfalls öffnen sie mancherlei Hintertürchen." _ „Die Hauptsache ist, daß uns die neue Marke für Deutsche land und die anderen Länder nicht verboten werden kann. Nach Frankreich führen wir sie doch kaum ein." „Aber der ,,'Excelsior" Eperncchs kann die Schrattsteinep Konkurrenzmarke tot machen." „Das wollen wir abwarten, lieber Freund. Da trau ich der Zunge meines Vaters, von Kesielholz und Wester- manu. Es handelt sich um die letzte Probe oiuf ein altes Exempel. Wir werden beweisen, daß der deutsche Schaumwein den französischen überflügelt. Jawohl, Werflügelt! Allerdings — mit den bisherigen billigen Preisen werden wir in diesem Falle dem Publikum nicht dienen können. Aber mebr wie Clicquot und Pommery und Miquelon soll unser ,/Excelsior" auch nicht kosten. Bleibt nur noch die Frage offen: wird der Deutsche trotzdem sein altes Vorurteil nicht besiegen können?" Feßler zog die Schultern hoch. „Berehrtester, schlagen Sie mich tot, schellen Sie mich einen ausgepichten Pessimisten : ich glaube n t ch t, daß Sie mit einenl teuern Schaums wein werden Geschäfte machen können. Warum nicht? Weil eben das Vorurteil gegen die deutsche Ware einen niedrigeren Preis verlangt als den für die Champagner der Marne. Einen Schaumwein für zwölf Mark und darüber nimmt Ihnen kein Mensch ab. Mer um Himmels willen, ich will kein Miesmacher sein! Vielleicht täusche ich wich — vielleicht schlägt auch die Luftschisfrellame Wie eine Bombe ein. Vorläufig sind wir an ein schauderhaftes Etikett gebunden das hat mich schon ganz rabiat gemacht." Er nahm die Mappe vor, die er mitgebracht hatte, suchte in ihr und hielt dann Fritz ein Pauspapier entgegech auf dem sich eine Anzahl bläulicher Striche befand. „Bitte, sagte er, „das ist die Vorlage. Was' soll ich daraus machens Fritz schüttelte den Kopf. „Närrische Geschichte, Feßler. 638 Voll das eine Landkarte sein oder die Grundlage für eine tteue Geheimschrift?" „Zunächst halten Sie das Papier verkehrt in der Hand. Mer auch, wenn Sie es herumdrehen, wird Ihnen der Sinn der Skizze nicht ohne weiteres klar werden. Der Agent hat deshalb Kugertoeife eine Erläuterung beigefügt. Sie sehen, wie sich hrer oben ein anscheinend leidender Regenwurm krümmt. Er soll bett Rhein darstellen. Darüber erblicken Sie ein paar Ausrufungszeichen, die sich in sichtlich trunkener Stimmung befinden. Es sollen dies die Türme von Schrattstein sein, und die krankhaften Gebilde dahinter unsere heimischen Weinberge. Wenn ich nun meine ganze Phantasie Mstrenge und das Höchste aus meuter Kunst herauszuholen versuche, so ivürde als elegantester Entwurf für das neue Etikett der neuen Marke doch immer nur dies herausklettern. . . ." Er zeigte Fritz ein Matt, mit dem durch einfache Linien umrandeten Aufdruck: EXCELSIOR * K. A. Friedel Schrattstein Fritz schüttelte abermals den Kopf. „Gestalten Sie H das ist ja aber überhaupt keine Zeichnung," meinte er. „Heureka!" rief Feßler, „genau so ist es! Gar keine Beichnnng! Seien wir ehrlich, lieber Herr Friedel: in der infachheit liegt die beste Wirksamkeit. Die alten großen Märken der Champagne, Pommery, Cliegnot, Deutz pud Geldermann, Moöt und Chandon, Roederer und wie sie stlle heißen, haben sich immer nur mit dem Typographischen auf dem Etikett begnügt. Da ist jede Illustration vom Uebel: nicht bloß aus Schönheitsgründen, sondern weit sie das Ange unwillkürlich von der Hauptsache ablenkt, vom Namen der Marke. Anders bei den Reklämeplakaten und den Jnsertionsseiten. Da muß wieder das Bildliche wirken — Und die Idee des Bildes. . . . Möchte mir also getteigtest Vorzuschlagen erlauben: wählen wir für Deutschland und die übrigen Länder das rein typographische Etikett mit Untiqualettern, und für Frankreich, weil wir uns dort än das deponierte Muster halten müssen, diese wunderschöne Auslage. . . ." Er holte ein neues Blatt aus seiner Mappe, das die gleiche Inschrift zeigte;, dazu Über links in der Ecke des Etiketts eine Keine, zierlich gezeichnete Ansicht Schrattsteins. „Gut," sagte Fritz, „ich bin einverstanden. Bin im allgemeinen auch kein Freund überflüssiger Schildereien auf den Etiketten. Was meint der Papa dazu?" „Ueberläßt Ihnen die Entscheidung. Entre nous: er W ein bissel deprimiert und wartet sehnsüchtig auf Ihr Kommen." „Warum deprimiert? Es ist ja doch alles in Ordnung." Feßler packte seine Blätter wieder in die Mappe. ;Kiebster," begann er zögernd, „ich mische mich ungern M die Intimitäten des Hauses. Aber schließlich: wir sind uns nun einmal nähergetreten, und da werden Sie mir ein offenes Wort nicht Übelnehmen. Der Tod Spannnths hat den gangen Gau in Aufregung versetzt. Das war vorauszusehen. Aber ich habe nicht geglaubt, daß sich die Stimmung so feindselig gegen Sie richten würoe. Das Be- tzräbnis Spannnths war eine förmliche Demonstration. Ein Piefiges Begräbnis. Alles da, auch viele von der Mosel, Saar, Nahe, aus dem Neckar- und Taubertal, aus Franken und alle von uns; nur Graf Wolfrad, Baron Langern Und Mdderkopp fehlten. Ebenso Helldorf; man sagte, er liege an einer Lungenentzündung krank. Dafür glänzte feine Frau in einer wundervollen Trauertoilette. Sie fiel wieder einmal allgemein auf. Aber bildschön — alle Wetter, das muß ihr der Neid lassen! Natürliche an der Seite Gdringens. Wissen Sie, der Männ gefällt mir nicht. Er hat etwas Ekelhaftes mit seinem ewigen Lächeln. . . . sind dann legte der Geistliche los. Hören Sie, das soll eine Vernichtende Rede gewesen sein!" „Wer erzählte Ihnen davon?" „Küpka — und der lange Rickert. Und Kothe in Wiesbaden — — man spricht überhaupt von nichts anderem. In den Trauerzug -geriet ich versehentlich mitten hinein: ach wollte zum Oekonomierat Dreher und dachte nicht an die Stunde des Begräbnisses. Da schritt auch FrM Svaunuth dicht an mir vorüber — am Arme ihres Schwagers Otto. Ach sah sie zum ersten Male. Eine eigentümliche Erscheinung — etwas Hoheitsvolles — ein sehr feines blasses' Gesicht unter schönem dnnkelm Haar — brünett, mit großen Und strahlend eil Augen. Die möchte ich- einmal mglen," „Arme 'Frau,'" sagte Fritz unwillkürlich. Er holte Zigarren und steckte sich selbst eine Kryfanty an —- gedankenlos und rein mechanisch. „Ach, lieber Feßler, wenn Sie wüßten, wie schwer es mir wird, über diese Unglücksgeschichte hinans- znkommen! Ich habe wahrhaftig seit damals noch- keine ruhige Nacht gehabt; sich leide unter Gedankenflucht stnd Selbstvorwürfen ich fühle misch! schuldig und hin es doch nicht! i— Also Sie sahen Fran Spannuth? Ich wünschte, es fände sich für mich Gelegenheit, mich einmal mit ihr aussprechen zu können. Aber das ist natürlich unmöglich. Und der Geistliche hat, statt Drost zn spendett, angeklagt und geeifert? Wer war es?" „Pfarrer Wediger." „Ah — der? Kein Wunder." . „Er soll förmlich in Ekstase geraten sein. Hat auch Worte-fallen lassen, wegen derer man ihn an den Kragen fassen konnte. (Sine unmittelbare Wirkung- Hatseine Hetzrede jedenfalls schon hervorgerufen. Haben Sie nicht die Wiesbadener Blätter gelesen?" „Ich habe seit Tagen in keine Zeitung geschaut." „Die haben genaue Berichte gebracht. Eine Anzahl junger Burschen hat in der Nacht von Montag zu Dienstag eine Reihe Fensterscheiben in der Billa Ihres Vaters zertrümmert. Aber das ist noch nicht alles. Sie entsinnen sich des kleinen Weinbergstreifens' rechts oberhalb der Kirche?" „Uttsers „Kirchenstücks" — natürlich! Muschelkalk und Prallfonne — die einzige Strecke nnsers Terrains, die nie versagt." „Ich weiß. Ihr Vater nahm mich zurzeit der Edelfäule einmal mit auf das Kirchenstück. Er hält viel davon. Ich glaube, die Traube gehört mit zu dem Geheimnis seiner Liköre. Also, nun denken Sie diese Infamie! Man hat die Reben herausgerifsen oder die Stöcke zerschnitten —. hat den ganzen Weinberg verwüstet!" Fritz erblaßte. Rebenschändung war im Gau Unbekannt. Wo kam dieser wahnsinnige Haß her?! — „Und der Wächter?" fragte er. Seine Stimme zitterte. „Der wird ja immer erst zur Zeit der Reife bestellt! Ich bitte Sie um Gottes willen, inj Unserer friedlichen Gegend ist doch nichts zu fürchten! Ist jemals eine Untat derart vorgekommen? Und nun scheint's auf einmal, öifö ob alle bösen Geister entfesselt worden wären!" Fritz schritt unruhig auf und ah. „Was darf ich Ihnen vorfetzen, Feßler? Ein Glas Wein, einen Kognak?" „Niente. Ich danke. Eine Zigarre — ,die hab ich schon." „Ist die Untersuchung -eingeleitet?" „Natürlich. Aber ich glaube an kein Resultat. Kessel- Holz spüvt umher wie ein Jagdhund. Er hat Witterung nach dem Klostereck, während der Opa zu der Ansicht neigt, die Attentäter säßen ans Spannuthschem Gehege. Jedenfalls ist Ihrem Vater die Sache sehr zu Herzen gegangen'. Es kommt dazu, daß Ihre Frau Mutter den Gedanken Ihres Abschieds absolut nicht verwinden will; da werden deut Papa auch häusliche Szenen nicht erspart sein." „Er kennt sie ®ur Genüge, lieber Freund. Aber er war niemals der Herr im Häufe. Ich denke, es wird sich manches ändern. Was haben Sie sonst noch an erfreulichen Neuigkeiten?" Feßler lächelte gutmütig. „Nur noch eine wirklich! erfreuliche. Aber sie geht leider bloß mich allein an. AM letzten Festspielabend in Wiesbaden bitt ich dem Kaiser vorgestellt Mrden." „Meine Hochachtung! Gratuliere. Und wie kam das?"- (Fortsetzung folgt.) Aus dem Ohmgebiet. Berühmte Männer und Geschlechter. Von den Verwaltern (Meiern) des Königshofes zu Groß- s e e l h e i m sind leider keine Namen auf uns überkommen. Zwar soll auf den Höhen des Burgwaldes der Majordomus Karl Martell, bekannt durch seinen glänzenden Sieg über die Arader bei Tours in .Frankreich (732 n. Ehr.), seine Siegeszeichen auigerichlet haben; doch! sind diese Nachrichten sagenhafter Natur, obschon es Nicht ausgeschlossen erscheint, daß auch Karl der Große auf seinen mannigfachen Heerfahrten gegen die Sächselt auch unser Ohmgebiet durchstreifte. Soll doch schon in der Mitte des! sechsten Jahrhunderts der Frankenkönig Siegbert bei Halsdorf im.Wohratal die Sachsen und Dänen, besiegt haben. Erst M Bälrifätius pexdMen sich die NMrichtest LU steWW 639 — I Todtenbrücker Mühle an der Klein, in der Nähe des Brückerwaldes, zwischen diesem und dem Buchenwalde, lag früher das Torf Todtenbrücken. Besitzer der halben Mühle war im Jahre 1357 Lutz von To dien b rü cken. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts lebte als Amtmann zu Amöneburg Christoph von der Kuhn. Seinen Namen führt bis zum heutigen Tag das romantische Tälchen zwischen Hallenberg und Winterberg, im westfälischen Sauerlande; es cheißt das Kühnetal. Er war es, welcher am 4. Januar 1560 an den Stadtrat zu Amönef- bürg schrieb: „Eurem Begehren nach habe ich das vergangene! Steigfest nicht bei eudj, erscheinen können, denn ich! bin denselben Tag verritten gewesen." Tas Geschlecht von Radenhausen, welches frühe ausstarb, hatte das gleichnamige Gut und die Hälfte des Gerichtes „im Rotenbühl" (Kleinseelheim und Schönbach) besessen; die letzlere kam 1766 durch Kauf an den Staats Durch ein „Lehrbuch der Pandekten", d. Hf der Kenner des römischen Rechtes, ist der 1808 in Schifselbach, südöstlich! von Gemünden an der Wohra, geborene berühmte Pandektist Karl Adolf vost Vangerow bekannt geworden. Holzhausen ans Rulsbach war ehedem der Stammsitz der Familie Rau von Holz Hausen, welche hier eine Burg hatte. Tie Raue nannten ich erst von Schröck, dann von Frauenberg; ihren jetzt- gen Namen haben sie erst zwischen 1330 und 1340 angenommen. Schon frühe teilten sie sich in mehrere Stämme, von denen nur noch zwei übrig sind. Tie früheste Geschichte des Geschlechtes, ist eng mit derjenigen von Marburg verknüpft. In der heiif- tigen Ritterstraße und Kugelgasse lagen die Burgsitze verschiedener Adliger, darunter auch die derer von Rau zu Nordeck und Rau zu Holzhausen, um welche ein Torf entstand. Der Stamm^- vater oben erwähnter Stämme erwarb 1630 bte Burg Tor!)ernt und andere große Güter in der Wetterau als Reichslehen. L-eine beiden Söhne ssifteten die Linie Torheim und zu Nordeck. Ge- schichtlich wird zuerst (1080) Thimo von Nordeck genannt; dagegen ist voir der Geschichte der Burg nur bekannt, daß dieselbe später in den Besitz der Landgrafen von Hessen kam.. Wir finden das Schloß dann in den Händen der F a m i l i e M i i ch - (in g; seit 1488 besaßen es die Rau von Holzhausen, und, als diese Linie 1607 erlosch, übertrug Landgraf Morch der anderen Linie Ran von Holzhausen das Besitztum. Seit 1897 geböten Burg und Gut der Familie Molinens aus! Barmen. Auch die..Familie der Schenken zu Schwetns- berg stammt aus Marburg. Ihre Stammburg in Schwernsberg soll von den beiden Söhnen des Ritters Walther aus dem Gefolge der heiligen Elisabeth gegründet worden sein 1246 wurde Guntram, der eine von beiden, von König Heinrich Raspe (1243 bis 1247) mit dem Erbschenkenamt belehnt; ihn sieht man als den Stammvater der Familie an. Seit 1279 ein hessisches Lehen (der Landgrafen), erhielt das am Fuße der Burg entstandene Tors 1331 Stadtrechte. Im dreißigjährigen Kriege wurde Schweins-, berg und seine Burg mehrmals eingenommen und in Brand gesteckt. Der Krieg riß auch zwei Glieder der Familie iah htn- Johann Bernhard, der letzte der drei Furstabte aus dem Ueber Zopper und Gefoppte veröffentlicht ein Mitarbeiter des „Gaulois" eine amüsante Plauderei: „Bor einigen Tagen," so schreibt er, „meldeten sämtliche. Pariser Zeitungen, daß der sehr geschätzte Journalist Emile Blaveh ; plötzlich gestorben sei. Die Nachricht erwtes sich bald als talschr. ein „Witzbold" hatte die ganze Presse angeführt Im Zettungs!- wesen passieren solche Dinge fast täglich. Unter diesen Myfttftka- Zonen gibt es einige, die geradezu klassisch geworden ltni>. Es, gibt wohl keinen Menschen, der noch nichts von der berahmtest Seeschlange gehört hätte; diese Seeschlange, deren Gestalt, Größe und Taten ganz genau beschrieben wurden, war mchts als! eine . . . Ente, mit der man einst den „Constttuttonnel W glückt hat, und die von der Redaktion dieses Blattes aus durch die ganze Welt flog. Eine sehr schöne Erfindung war auch der Neger, der während des amerikanischen Bürgerkrieges platt gedrückt wie ein Tabaksblatt in einem Ballen Baumwolle m Havre ankam. Ein andermal telegraphierte man «nein Pariser Blattch daß die Couragebrücke bei Genf abgebrannt set. Der Fopper rechnete auf die Unkenntuis des Redakteurs, der vtelletcyt nicht wissen Würde daß die Couragebrücke aus Stein war und infolgedessen! nicht brennen konnte. Man kann aber ein sehr tüchtiger Redakteur sein und trotzdeni glauben, daß die Couragebrücke von Nolz ist. Jin Jahre 1896 erzählte ein «Malisches Blatt tn gutem Glauben, weg. Johann Bernharo, Der reyre oer oret ouTituuic uu» Geschlechte der Schenken zu Schweinsberg, siel am 6. November 1632 in der Schlacht bei Lützcil, die bekanntlich den edlen Schwedeni- könig Gustav Adolf als eines der ersten Opfer dieses blutigest Tages forderte. Noch segnete Johann Bernhard die kämpfenden! Kroaten und erfleht Gottes Beistand; doch schon stürmen dm Gegner mit Heftigkeit heran, "'die Streiter weichen zuruck, ergreifest die Flucht: ha trifft den Abt eine Kugel. Stöhnend bricht est zusammen: man trägt ihn aus dem Getümmel, undschon nach kurzer Zeit gibt er seinen Geist auf. Der Rittmeister Ernsts von Linsingen und Johann Reinhard Schenk zu Schweinsberst wurden am 2. September 1635 im! Brücker Wald meuchlrugZ von kaiserlichen Dragonern ermordet. Indessen blüht das Geschlecht, in viele Zweige geteilt, noch heute. lichen Tatsachen, wenn auch noch! reichlich mit Perlen der Sage durchwöben. Auf der uralten Amöneburg taufte er die mächtigen I Grafen Detik und Dierols; überall wußte er sich Ansehen, Macht ititb Beistand zu sichern. Ter Fürsorge der Mainzer Erzbischöfe verdankt Amöneburg seine einstige Blütö. In der Mitte des 12. Jahrhunderts wird Graf Gotthard als Mainzischer Beamter daselbst genannt. An der Nordseite der Hauptkuppe liegt das Städtchen, nach Süden die Kirche, das dreistöckige Stiftsgebäude, von dem Dechanten bewohnt, und! die Schloßruine. Amöneburg besaß früher ein schönes Rathaus und stattliche Ritter- gobäude;' der Marktplatz iss geräumig. Tie große Zahl der bedeutendsten Heerführer in den verschiedenen Kriegen anzufüh- ren, welche im Ohmgebiet gelagert, gekämpft und Dasselbe buiw zogen haben, würde hier zu weit führen. Erwähnt mag noch werden, daß der „Marschall Vorwärts", Blücher, nach der ruhmreichen Völkerschlacht bei Leipzig (16., 18. und 19. Oktober 1813) gelegentlich der Verfolgung Napoleons die Nacht vom 2. zum 3. November desselben Jahres in Ulrichstein verbrachte. Daß der nachmalige Kaiser Friedrich III. zweimal (1878 und 1884) die Gastfreundschaft des Schloßherrn in Rauisch-Holzhausen genoß, ist vorher bereits bemerkt, und von einer Ankunft unseres! Kronprinzen ebendaselbst und zu gleichem Zwecke geht das Gericht schon seit Jahren um. 1 In Josbäch wohnte früher die Familie Krug, später von N i d d a genannt, und dann ein Stamm der Familie Riedesel, welche sich Ri e d esel zu Iosb adj; nannte und schon 1543 ausstarb. Zwar ist Hel ins Erbanus Hessus kein Kind des Ohmgebietes (geboren am 6. Januar 1488 in Bockendörf im Kreise Frankenberg); doch soll dieser alle seine hessischen Zeit- Nenossen in der Kenntnis des klassischen Altertnms übertreffende, weltberühmt gewordene humanistische Tichter hier seine Stelle finden, da wohlwollende Verwandten in Gemünden an der Wohra dem sechzehnjährigen, unbemittelten Jüngling den Besuch der damals blühenden Universität Erfurt ermöglichten. Philipp der Großmütige berief seinen „Homer", wie er Hessus nannte, 1536 als Professor der Poesie und Rethoriken an die Universität Marburg, wo er jhn oft wegen seines heiteren Gemütes und treffenden Witzes aufsuchte und auch (auf der Südseite der Elisabethkirche) bestatten ließ. In Kirchhain geboren ist Tr. Johann Menge, welcher Kanzler zu Cöln und! Vikarius zu Mainz war. Mit Erlaubnis des Papstes wollte er in seiner Vaterstadt ein Kloster bauen, ließ aber, weil ihm dies dringlicher erschien, einen neuen Weg von Radenhausen bis Kirchhain pflastern, übergab der Stadt alljährlich 200 Gold- gülden zur Unterhaltung dieses Weges und stiftete auch noch ein Familienstipendium von 400 Goldgulden. Tie von Kl au er in Wohra verkauften 1692 ihre Güter an die von Dalwigk und 1753 an den Landgrafen von Hessen-Philippsthal, aus dessen Händen sie an den Staat übergingen. In Schiffelbach hatte die schon 1635 erloschene Familie Schleier ihren Stammsitz. Als Kirchenliederdichter hervorgetreten ist Johann Ludwig Konrad Allendorf, geboren 1693 zu Josbach, gestorben 1773 als Pastor und .Scholarch in Halle a. S. Mus Kirchhain stammte der wegen seines großen Wissens berühmte Kornmann; er berichtet, daß zn seiner Zeit (um 1620) einem zum Tode Verurteilten in Marburg dadurch das Leben geschenkt wurde, daß ein.Mädchen ihn geheiratet habe. (Diese alte poetische Rechtsgcwohuheit lebt noch heute in einzelnen Volkssagen fort.) Johann Georg Estor, geboren im Jahre 1699 in Schweins- berg, .war ein bedeutender Staatsrechtslehrer an der Universität Marburg. Auch die 1450 ausgestorbenen Grafen von Ziegenhain hatten Anteil am Ohmgebiet; u. a. gehörte ihnen Burggemünden und Speckswinkel. Tie WenigenbUrg (d. h. kleine Burg), heute Winnenburg genannt, bewohnte im Anfang des 14. Jahrhunderts die Familie von Hose oder im Höfe. Als einen Reformator vor der Reformation nennen wir Heinrich v o u Lange n st e i n, auch Heinrich von Hessen genannt. Geboren 1325 in Langenstein, wurde er einer der größten Mathematiker und Gottesgelehrtest seiner Zeit, und zeichnete sich außerdem als Astronom und Jurist aus. In Paris lehrte er 1363 an der dortigest Universität Philosophie. Tann wurde er Vorstand der Untti«^ sität zu Wien, 1375 Lizentiat der Theologie in Paris und später Vizekanzler dieser Universität. Von 1384 bis 1397 war er Professor der Theologie und Vizekanzler tn Wien, wö er am 11. Fd- binar 1397 starb. In. der Stephanskirche daselbst liegt er be-- erdigt; ein grobes Grabdenkmal mit einer lateinischen Inschrift ist dem And!enken dieses trefflidjen Mannes gewidmet. Durch, eine Gedenktafel ist das Geburtshaus des als Lyriker, Novellist und Dramatiker berühmt geworbenen, Franz von Ding el- stjedt tn Halsdors bei Wohra gekennzeichnet. Seit 1867 Intendant des Hof-Burgtheaters in Wien, starb er daselbst am 15. Mai 1881. Einen großen Namen hatte int Mittelalter die Familie von Romrod, welche urkundlich 1197 zuerst erwähnt wird, aber schon 1396 ausstarb. sDie letzten Spuren des alten Schlosses tn dem 900 Einwohner zählenden Städtchen Romrod erinnerst noch an dieses Geschlecht.) Unweit der Ohm, in der Nähe vost Grünberg, trägt ein Dors noch den Namen der 1748 ausgestorbenest Ritter v. M !e r l a u, welche als Reichsvögte auch die Hoheit über fcie HeichsZütex in Kirchhain und Niederohmen ausübten. B« der 640 Latz der Eiffelturm durch eine Feuersbrunst zerstört worden sei, Das war für eine moderne Zeitung ein bißchen stark; aber der australische Redakteur war wahrscheinlich nie in Paris und wußte auch gar nicht, wie der Eiffelturm aussieht und tote er gebaut ist. Tie Leute, die falsche Nachrichten in die Presse bringen, vollführen ihre Taten gewöhnlich kurz vor Schluß der Redaktion. Sie gehen von dem Grundsatz aus, daß bei jeder Zeitung die Redakteure gegen Mitternacht so mit Arbeit überladen sind, daß ste nicht tvissen, wo ihnen der Kopf steht. Wie soll man um solche Zeit alle dtachrichten auf ihre Richtigkeit prüfen? . . IJM übrigen sind die Journalisten nicht die einzigen, dte „dran glauben müssen". Ter Schlüssel zum Manöverfeld und der Regenschirm der Korporalschaft stnd Unfindbare Gegenstünde, aber es hat ste schon mancher Rekrut gesucht, bevor er inne wurde, daß ihn lustige Kameraden zum Narren gemacht hatten. Beim Militär sind derarttge Scherze besonders beliebt: den Artilleristen schickt man zum Unteroffizier, damit er die Flugbahn der abgeschossenen Kanonenkugel hole; der Infanterist Wird beauftragt, für den Kameraden Soundso Suppe aus der ,Kasernenküche zu holen, und muß schließlich entdecken^ daß der Kamerad, dem er die Suppe bringen soll, eine Statue ist, und was dergleichen Scherze mehr sind. , Im 18. Jahrhundert gab es in Frankreich sehr berühmte Mystifikationen. Der A b b c Petit war eine Zeit lang das Opfer der Enzyklopädisten: er hatte eine Tragödie, „David et Bethsabee", geschrieben und' hatte deswegen nicht wenig zu dulden. Bald meldete man in allen Leitungen, daß die Tragödie in acht Tagen in der Comsdie zur Ausführung kommen werde, und der arme Abbs war wütend darüber, daß sein Stück aufgeführt toerben sollte, ohne daß man ihm auch nur ein Sterbenswörtchen davon gesagt hatte; bald wieder erzählten die Zeitungen, daß das Muck von der Comsdie abgelehnt worden sei, weil Voltaire! die Konkurrenz fürchtete und aus eigener Machtvollkommenheit die Proben verboten hätte. Kurz, der arme Abbs konnte nicht zur Ruhe kommen. Ein anderer Schriftsteller, Poinsinet, war von einer Naivität, die geradezu erstaunlich gewesen feilt Muß. Man hatte ihm eines Abends eine Salbe gegeben, die die Eigenschaft haben sollte, den, der sich ihrer bediente, unsichtbar zu machen. Sobald nun Poinsinet, der im übrigen sehr hübsche Stücke schrieb, einen Salon betrat, rieb er sich mit der Wundersalbe das Gesicht ein, und die Gäste, die natürlich vorher unterrichtet worden waren, taten, als wenn sie ihn gar Nicht bemerkten. Poinsinet war entzückt von diesem Inkognito, an das er glaubte tote an das Evangelium; aber das Inkognito hatte auch seine Unannehmlichkeiten: eine Dame stieg dem armen Poinsinet auf dieFüße, ein Herr versetzte; ihm einen Rippenstoß usw. In neuerer Zeit kannte Frankreich drei berühmte Fopper: Sapeck, der: in Wirklichkeit Bataille hieß, Alphonse Allais und Lemice-Terrieux. Sapeck trat eines Tages in den Laden eines KerzenNndlers und sagte, daß er int Auftrage einer Kirche eine große Bestellung zu machen habe; der Kaufmann müsse jedoch zur Probe einige Kerzen anstecken, damit er sehen könne, wie sie brennten. Und der Kaufmann, der von einem glänzenden Geschäft träumte, zündete ein Licht nach dem andern an, während Sapeck sich mit der ernstesten Miene von der Welt Notizen- machte. Nach einer halben Stunde empfahl er sich, um seinen Auftraggebern Bericht zu erstatten: er soll noch heute wieberkommen. Alphonse Allais liebte ähnliche! Scherze. Er ging eines Tages mit Freunden spazieren und' sah vor dem Hause eines Notars eine Ankündigung, aus welcher hervorging, daß irgendwo Land zu verkaufen war. Ohne sich lange zu besinnen ging er in das Bureau des Notars, begann nach dem Preise des zum Verkauf gestellten Landes zu fragen, ließ sich die Grundbuchakten vorlegen und fragte schließlich, ob das Land auch parzelliert werde: er brauche nämlich höchstens' für zwei bis drei Sous. Der Notar, der keinen Spaß verstand, wurde so wütend', daß er den Mann hinauswarf. Lemiee-Terrieux hatte sich zum Opfer seiner Scherze den Millionär Osiris aus^- ersehen. Er richtete an die Zeitungen Briefe, in welchem er ankündigte, daß Herr Osiris irgendeiner Stadt irgendeine Status geschenkt habe, daß er für eine Stiftung 5 Mill. Mark hergeben wolle ufto. Da er die Schrift uUd die Unterschrift jbleSI Millionärs sehr gut nachmachen konnte, schenkten die Zeitungen feinen Mitteilungen Glauben; am nächsten Tage wurde daun regelmäßig die falsche Nachricht von dem unglücklichen Pseudo- Schenker widerrufen. Vermischter. * Der Mensch als Paket. Einen interessanten postalischen Versuch machte, wie der „Inf." aus London geschrieben wird, jüngst Herr Henri Turner, ein Bewohner der Insel Äuernfey. ;®r beabsichtigte, sich nach der Insel Serk zu begeben. Da aber diese Reise als höchst gefährlich anzusehen ist, so traute er sich nicht, die Fahrt selbst zu unternehmen, sondern er wollte sie auf anders Weise bewerkstelligen. Als geborener dankee sagte er sich, daß nirgends ein Verbot für Menschen ausgesprochen ist, sich gerade, wie irgend eine Ware, mit der Post befördern zu lassen. .Er sah nicht ein, warum ein Mensch immer als Passagier reisen muß, vorausgesetzt, daß er feine andere Behandlung verlangt, als sie ihm bei der Beförderung in der Form eines Paketes zuteih werden kann. Sobald sich ein Mensch mit den UnannehmlW- teilen bereit erklärt, die ihm die Beförderung als Paket bringen muß, dann kann ihn niemand hindern, als Paket zu gelten« Außerdem ist er dann noch sicher, daß er ohne jede Gefahr ast seinem Bestimmungsort ankommeN wird. Jedenfalls wollte er den Versuch wagen und begab sich auf die Post zu Guernsey, unk sich als Paket aufzugeben. Der Postbeamte, dem ein derartiges Verlangen noch nie vorgekommen war, hielt ihn für einen Irr-. finnigen. Turner aber erklärte, daß er völlig gesund sei, und ersuchte seinerseits den Postbeamten, ihNt irgend ein Gesetz oder ein Reglement vorzuweisen, in dem die Beförderung eines Men;-- scheu als Paket verboten sei. Der Postbeamte sagte lächelnd, daß tatsächlich eilte solche Bestimmung nicht vorhanden sei, daß es aber hoch nicht gang und gäbe sei, einen Menschen als Paket! zu befördern. Darauf erwiderte Turner ihm', daß ihm der allgemeine Brauch ziemlich gleichgültig sei, und daß er daraus bestehe, mit der Post als Paket befördert zu werden. , Wenn bet Postbeamte wolle, dürfe er ihm! auch eine Abresse mit dem Bestimmungsort auf den Rücken kleben oder um den Hals hängen. Der Postbeamte, der sich über diesen spleenigen Knaben nicht schlecht amüsierte, gab dem Verlangen nach und stellte Herrft Turner auf die Paketwage, um! sein Gewicht und damit das Porto festzustellen. Er verlangte schließlich 5 Schilling und 5 Pence Porto und übergab das eigenartige „Paket" dann einem Landbriefträger zur Beförderung nach bet Insel Serk mit dem Postbampfboot. Daraufhin erstattete er einen Bericht an die vorgesetzte Behörde, die zuerst ratlos war, dann aber Maßregeln ergriff, um die Wiederholung eines solchen Falles zu vereiteln« Ter Briefträger brachte übrigens Herrn Turner wohlbehalten als Paket nach der Insel Serk und lieferte ihn ordnungsgemäß im Hause des Adressaten ab. Ob er ihn auf bet ganzen Strecke! trug, oder ihn neben sich herfühtte, wird in dem Bericht dest „Daily Mirror", ber wir bie Geschichte entnehmen, nicht gesagt, * Undankbare Reisende. Wie das Hospiz auf dem! Großen St. Bernhard, so beherbergt auch das an der Simplon- straße die Reisenden unentgeltlich; nur ein Opferstock ladet die, die die Gastfreundschaft des Hauses in Anspruch genommen, ein, den Obolus bet .Erkenntlichkeit zu hinter lassen. Das Hospiz ist so ziemlich alle Tage mit Gästen gefüllt und weist eine Fre- quenz auf, wie seit Iahten nickst mehr. Vor einigen Tagen wat der Zulauf so stark, daß sämtliche Hausgänge für bie Touristen in Schlafzimmer verwandelt werden mußten. Das alte Hospiz wird, viel von besseren Familien besucht, bie zUM größten Teile wenigstens zwei Tage am Orte bleiben, so baß man annehmen bürste, ber Opfer stock für bie freiwilligen Gaben weise allabendlich einen erklecklichen Betrag auf. DeM ist aber nicht so. Der Prion erzählte kürzlich, wie die Deutsche Alpenzeitung schreibt, daß man nach einer Woche angestrengter Arbeit, während ber täglich etwa 100 Personen im Hospiz übernachteten, im Opferstock einen Betrag von sage — 45 Rappen gefunden hat. Wenn man bedenkt, daß diese freiwilligen Opferfpenden die einzige Entschädigung für die in weitherziger Weise bargebotene Gastfreundschaft ist, so muß man sagen, daß die Touristen nicht gerade erkenntlich sind. Die Bedienung, ber die freiwilligen Gaben! zukommen, wird davon nicht reich. * Die Lieb eserklärung im Lichte der Statistik.) Nichts in bet Welt ist beit Statistikern heilig. So gefällt sich jetzt ein besonders fanatisches Mitglied dieser Zunft im Radikal darin, das Benehmen ber beiden Beteiligten bei einer Liebeserklärung systematisch zu klassifizieren und die verschiedenen Klasschij nach ihrer prozentualen Stärkezu ordnen. Folgendes sind seine Ergebnisse, zunächst für den Mann: 36 v. H. drücken den geliebten Gegenstand im Augenblick der Erklärung an sich; 24 v. H. schließen bie leidenschaftlich en Erklärungen mit Küssen auf die Lippen ab; 4 v. H. tun dasselbe mit Küssen auf die Haare; 2 v. H. mit Küssen auf bie Hände; 2 v. H. fallen auf die Knie im entscheidenden Augenblick; 20 v. H. verschlucken fieberhaft den Speichel; 10 v. H. öffnen und schließen nervös den Mund, ohne daß es ihnen gelingt, auch nur ein Wort hervorziibriugen, und 2 v. H- endlich machen ihre Erklärung, während sie auf einem Fuße stehen. Nun aber die Frauen: 60 v. H. sinken wortlos in die Arme des Antragstellers, auf dessen Erklärung sie vollkommen vorbereitet waren; 20 v. H, erröten Und verbergen bas Gesicht; 1 v. H. sinkt ohnmächtig auf einen Sessel; 4 v. H. hören mit wirklicher Ueberraschuug auf bie Rede des Anbeters; 14 v. H. sehen dem Geliebten stumm ins Auge, und 1 v. H. läuft davon, ehe et noch seine Rede beendet, um das große .Ereignis, brühwarm den Freundinnen mitzuteilen,) Logogriph. Hurtig durchlauf ich die Felder, bin nützlich, aber auch schädlich Aenderst du meinen Kopf, werd' ich ein Teil von dir selbst. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nummer: Cid — Hund — Ader — Rosen — Luchs — Onkel — Teller — Taube — Eier — Wagen — Ostern — Lampe — Tadel — Eier — Rabe. — Charlotte Wolter. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.