Samstag den IZ August KgjMh xBÄRsii N^W MHI Das schlafende Heer. Roman von Clara V i e & i g. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Cs war dem Herrn von Deutschan, als habe er einen Schlag ins Gesicht erhalten. Die Augenbrauen zusammenziehend, fixierte er den jungen 'Mann scharf: „Wen — wen wollen Sie heiraten?! Ich habe Wohl nicht recht verstanden?!" „Die Stasia, die Stasia Fre'ikowski!" „Die — Frelitowsli?! Der Vater ist der Förster auf Chwaliborczyce, nicht wahr?" „Zu Befehl, Herr Rittmeister, die is et!" „Mensch, sind "Sie toU?." Doleschal hielt nicht mehr an sich. Er sah den jungen Mann an, als wollte er ihn durchbohren, eine jähe Röte stieg ihm dabei ins Gesicht. Valentin erwiderte den Mich. Toll sollte er sein? Ei, warum denn? Was tvar denn an der Stasia nicht recht?! Trotzig stellte er sich auf. „Die Stasia Frelikowski is mein' Braut. Heimlich waren wir als schon lang versprochen. Zu Michaeli heiraten wir!" „Und Ihr Vater — was sagt Ihr Vater dazu?" Doleschal hatte sich besonnen: hatte er denn ein Recht, hier dreinzureden? Sein Ton klang gemäßigter, nur maßlos erstaunt. „Och de!" Valentin lachte. „De hat zuerst mächtig räsonniert, aber nu hat er sich als drein gefunden!" Also „darein gefunden" hatte sich der Ansiedler — und so schnell schon?! Ein Schmerz ergriff Doleschal. Seine Stimme zitterte — der andre hielt's für Unmut —, als er nun sprach: „Sie — Sie — gedenken Sie denn nicht Mehr Ihres Fahneneides? Wissen Sie denn nicht, daß Sie diesen Ihren Eid verletzen, wenn Sie eine Polin heiraten?! Sie begeben sich ja Ihres Deutschtums! Mensch, noch gehen teilt halbes Dutzend Jahre ins Land, so haben Sie Ihr Vaterland schon verleugnet, Ihren ehrlichen deutschen Namen „Bräuer" in „Brvwar", „Browarski" oder in Gott weiß was umgewandelt!" „Oho!" Nun blickte der junge Mann schnell erheitert und sagte treuherzig: „Och, Herr Rittmeister, ne! Wenn dat das einzige is, wat der Herr Rittmeister furchten?! Da können der Herr Rittmeister ganz beruhigt über sein. Meinen guten Namen, den ich dreiundzwanzig Jahr' getragen hab', den so viel anständige Leut' tragen bei uns zu Haus am Rhein, den halt' ich auch. Un ivat mein Soldatsein anbelangt, da denk' ich immer an. Ich hab' et geschworen: ; meinem allergnädigsten Landesherrn, Kaiser von Dentsch- land und König von Preußen, in allen diäten zu Wasser und zu Lande und an welchen Orten es auch immer sei, .getreulich zu dienen, allerhöchstdero Nutzen und Bestes zu Fördern, Schaden und Nachteil aber abwenden zu wollen und mich so zu betragen, wie es sich für einen rechtschaffenen und braven Soldaten gebührt — so wahr mir Gott helfe! Sehen der Herr Rittmeister, wie gut ich dat noch weiß?. Er triumphierte. Aber dann wurde sein lachendes Gesicht plötzlich ernst, fast ängstlich.: „Oder wissen der Herr Rittmeister sonst wat über dat Mädchen?" „Ich kenne das Mädchen gar nicht!" Sichtlich erleichtert nickte nun der Bursche: „No, dann wär' et ja all ganz gut. Dann werden der Herr Rittmeister auch gewiß für mich sprechen, dat ich de neue Krug in Pacht krieg'. Denn, sehen der Herr Rittmeister," — wieder zutraulich geworden, dämpfte er seine Stimme — „der Vater is nu mal eso komisch, de meint: jeder soll für sich bleiben, litt ich — ja, dat muß ich ja auch gestehn, ich möcht' auch hunderttausendmal lieber mit meiner jungen Frau für mich allein eit Wirtschaft haben, als bei den Eltern wohnen bleiben!" Er setzte alles breit auseinander, das Herz floß chM über, nun er seiner baldigen Heirat gedachte; er konnte gar nicht genug davon sprechen. Mit trübem Lächeln hörte Doleschal sich alles an, er hätte dem frischen Jungen gar nicht diese Empfindsamkeit zugetraut, lleberschwünglich pries Valentin seine Stasia: wie gut sie war, wie klug, wie hübsch! Welch fletßtge Hausfrau sie abgeben würde! Alle Welt mochte die Stasia gern leiden, denn immer war sie fröhlich! Welchen Zuspruch würde der neue Krug durch sie haben, und wie glücklich würden sie miteinander werden! Seine Augen glänzten, er atmete rasch. Der Erfahrenere hatte nicht mehr den Mut, dem glücklichen Bräutigam gegenzureden; er schwieg. Sie standen zusammen auf dem Gipfel des Lysa Gora und schauten weit übers flache Land. „Un litt wahr, Sie sehen zu, dat ich die Wirtschaft krieg'," bat Valentin. Doleschal nickte. Da strahlte der Bursche. „Och, danke, danke! Jeses, ne, ich möcht' schreien vor Pläsier, wie mer schreit, wenn tu er eit Schanz' stürmt. Nu krieg' ich der Krug sicher, wenn Sie davor sind. Un wenn ich den hab', steht der Hochzeit nix mehr int Weg. Herr Gott, ne, bin ich eso froh! Nu geh' ich aber auch direkt beim Propst, de soll uns nu 'schwind aufbieten!" Man fühlte förmlich, wie es den Glücklichen drängte, davonzustürmen, mit großen Schritten den Sandhügel herunterzneilen und die Weite zu durchmessen bis hin zu jenem Turin, als wäre die Entfernung vom Berg bis zum Dorf nur eine kurze Spanne. Aber sich des schuldigen Dankes erinnernd, reichte er treuherzig die Hand: „Vergessen werd' ich dat dem Herr Rittmeister nie, dat de so gut zu mir war!" Sich verabschiedend nahm er wieder die Hacken zusammen: „Gestatten der Herr Rttl-- meister meinen .allerbesten Dank!" 498 Der Lniwicklungsgedanke. Von Prof. D. Dr. W. Rein in Jena. Die nachfolgenden Ausführungen entnehmen wir Mit Ge- nehmigung des Verlages dem soeben erschienenen Buche des be-i kannten Jenenser Pädagogen Prof. W. Rein, „Pädagogik und Didaktik", Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig: Die Ueberzengung, daß es der Menschheit als solcher wesenta lich ist, in dem Verlauf der Kulturarbeit trotz aller Hindernisse und "Rückbildungen eine aufsteigende Linie einzuhalten, hat sich im Laufe der Jahrhunderte mit immer größerer Klarheit Md Bestimmtheit herausgestellt. Sie gehört vor allem zu den Errungenschaften der neueren Zeit und umfaßt die Antwort auf die Frage nach dem Sinn unseres Daseins. Mit dem Eintritt des Christentums wurde diese Frage lebendig.- Dev christlichen Lehre ist nicht das Wesen der Natur, sondern das Wesen und das Schicksal des Menschen als ethisch-religiöser Persön- Hastiger schritt sie zu; schon perlte chr der Schwertz in Tröpfchen unter der Nase, und doch war fie noch nicht über Chwaliborczyce hinaus. Ach, ist das lästig, so wert wmndern zu müssen, wenn man darauf brennt, jemanden 4,1t । cticn' Da, wo ihr Weg sich mit dem von Pociecha kommeu- den kreuzte, nicht weit von Dudeks Hütte, stieß Stusm auf die Michalina. Di-eser hatte man erlaubt, jetzt,. da die Arbeit nicht mehr so drängte, und da sie den vorigen Sonntag, all dem Förster Frelikowsii zu Besuch gekommen und ein großartiges Traktament gewesen war, nicht zu ihrem Weinen gekonnt hatte, auch einmal am Wocheutc g nach Hause zu geheu. Die beiden Mädchen begrüßten sich. , _ Michalina hätte etwas Niedergeschlagene» in ihrem Mick, als sie Stasiä die Hand reichte. Damals, .als sie miteinander schreiben und lesen und die Religion gelernt hatten, war Michalina mit den scywarz- brauuen Zöpfen die hübschere gewesen; jetzt war sie plump, und ihre breiten Hüften erschienen doppelt breit neben der zierlichen Taille der andern. ,, „Hast du ein schönes Kleid an," sagte sie bewundernd und befühlte mit ihrer rauhen Arbeitshand den rotgetupften lichten Jakonett. t , r,„ Stasia lächelte geschmeichelt: „O, ich werde viel schönere haben! Wenn ich mich verheirate, werde ich dir dies gerne schenken — oder ein andres!" „Was sollte ich wohl damit?" Die braune Michalina schüttelte den Kopf. „Behalte nur alles!" Stasia zuckte die Achseln: so ein dummes Mädel, eine recht einfältige Bauerntrulle! Schon wollte sie weiter- ne'Ejen — was sollte sie mit der Gans? — «ber dann schoß ihr plötzlich ein Gedanke dnrch den Sinn. Das war ein Einfall! GaiH vertraulich faßte sie die andre unter bcn $YTH. „Höre, Michalina, weißt du auch, daß Pan Pawel, der schöne 'Offizier, wieder zu Besuch ist in Przyborowo? „Ich weiß es nicht. Was geht es mich an? „Nun, ich meine doch: recht viel!" . . Stasia sicherte und gab der Gefährtin einen leichten, scherzenden Rippenstoß: „Tii nicht so gleichgültig, wug doch ein jeder, wie du einmal gestanden hast mit dem Herrchen. Sage, willst du mir eilten Gefallen erweisen — oder noch besser, willst du dem Malek etwas zuliebe tun? Ja, ja, dem Walenty — sieh mich nur nicht so ungläubig an! Dem Wa — Wa —?!" Michalina stotterte, und dann wurde sie rot, als sie beit Namen vollends ausgesprochen hatte. „Ich - dem Walenty?!" „Dem Walenty, ja! Etwas sehr, sehr Liebest Stasia kannte sich ans, sie wußte sehr genaik, wie man die Michalina gewinnen konnte. „Michalina, meine Seele, et wird es dir ewig danken/^ sagte sie eifrig. „Höre. Komme du jetzt mit mir nach Przyborowo, und gehe _bu nach Przyborowo hinein, meine Taube, — ich werbe draußen auf dich warten — sage, bn willst ben Herrn O^sizier sprechen. Unb bann bittest bn ben, baß der Walenty ben Krug bekommt in Pociecha-Ansiebluug. Höre, bn mußt es recht briugeub machen! Bitte ihn, bis er dir gibt fein Wort! Dann wirb er sich sicher verwenden!" ,O nein, er wird nicht!" Michalina schüttelte den Kops. Warum sollte er mir sein Wort halten?! Unb ich mag auch nicht. Er wird böse werben. Unb ich fürchte mich auch vor der Pani!" (Fortsetzung folgt.) Doleschal sah ihn laufen. In ein paar hastigen Sprüngen war er den Hügel hinuntergestürmt, und nun stürmte er weiter, sehr eilig. Nun würbe er balb ganz ent,chwum den fein — nein, so durfte man ihn nicht gehen lassen. Man mußte ihn zurückhalten, man mußte ihm die Gefahr t klar machen, in bie er ahnungslos hineinraunte. „Bräuer . Baken tut — Valentin Brauer Aber ber Ruf kam nicht weit genug. Der Wind trug ihn nicht fort, sonbern blies ihm entgegen. So schal auch seine Stimme anstrengte, sie reichte nicht bi» zum Ohr be§ in seiner Fröhlichkeit laut Pfeifendem Am Luch, im Niemczyeer Acker, Nicht wer» von der Przyborowoer Grenze wollte Valentin seine Stasi« treffen. AM gestrigen Abend hatte sie ihm gesagt, baß sie heute nach Przyborowo gehen und versuchen würbe, bort jemanben zu sprecheu. Daß sie in Chwaliborczyce um ^nrsp.ach bitten ging, dagegen hatte der Bräutigam sich entschwden gewehrt. Wenn Stasia ihm zuliebe auch gern das Opfer bringen wollte — nein, dahin sollte sie um teinen Preis, wo man sich so unziemlich gegen sie betragen. Um die Stunde des Abeiiblauteus hatten sw sich an her Grenze verabredet. Nun hatte das Glöckchen laugst ausgeläutet, gber Stasia war noch nicht da. Ach, die gute Stasia, wie lange mußte sie Wohl in Przyborowo warten. Der Verliebte sah im Geist deutlich, tote sie ungeduldig hin und her trippelte unb sehnsüchtig nach bem fimttb der Sontie spähte, bie sich schon neigte. Aber nur Gebu.b, Gedulb, besto heißer würben nachher bie Kusse sein! In verliebtem Träumen lag ber Bursche unter ben Weiben am Luch unb starrte ganz verloren, mrt gluckselig- Mübeu Äugen in bas flimmernbe Gespinst, bas bie uuter- gehenbe Sonne über beit Aeckern wob. . Stasia war am zeitigen Nachmittag von Haufe aus- gebrochen. Das Helle, rotgetupfte Sommerkleib staub ihr gut, es ließ ben Hals ein wenig frei, unb sie hatte, wie zum Schutz gegen bie Sonne, mehr aber noch, weit e» ihrer garten Haut schmeichelte, ein leichtes Mulstuchelcheu darübergelegt. Einen Hut trug sie nicht, wohl aber spaiinte sie über bas wohlfrisierte, im Sonnenlicht tote silbrige Scibe glänzende Haar ben Sonnenschirm, ben ihr ernst bie Herrin geschenkt hatte. Heiter summenb, ben freien Arm lustig schlenkernb, schlenberte sie an ben Rainen entlang Wenn der Herbstwind hier über die Stoppel wehte unb uer Altweibersommer seine weißen Fäben spann, bann würbe sie ein junges Weib sein unb ein glückliches bazu! Der gute Junge würde ihr ja alles an ben Augen absehen: Sie hob ihre linke Hanb unb ließ beit goldenen Ring, den er ihr "bereits angesteckt hatte, in ber Sonne funkeln. Gn breiter Reif war's unb ganz von massivem Golb, ber kostete gewiß seine zehn Taler! Ja, sie hatte ein ganz gutes Los gezogen, bas mußte sie sich eingestehen. Wenn sie nun auch nicht nach Paris kam, tote bie Herrin ihr's einst versprochen hatte, ber Krug in Pociecha-Kolonie war auch nicht zu verachten. Unb langweilig würbe es ba auch nicht sein, es würben schon welche einkehren, mit beneu sie schwatzen unb lachen konnte, unb — eine heiße Blutwelle färbte plötzlich ihre trotz ber Sommerhitze ungebrannte weiße Wange — wurde nicht auch- ber neue Inspektor von Przyborowo vorsprechen? "Der neue Inspektor! Da mußte sie boch in sich hineinlachen — ihr war er nicht neu, sie kannte ihn ja so gut! Eine Sehnsucht erhob sich plötzlich in ihr, Pau Szv.le wieberzusehen. Was würbe er wohl sagen, wenn er hörte, baß sie sich verlobt hatte unb bald heiraten würbe? Ob es ihm nicht ein ganz klein bißchen leib tat? Hoffentlich! Unb hoffentlich kriegte sie ihn auch heute in Przyborowo zu sehen — o, sie wollte wohl ihre Augen umher- gehen lassen! Auf bem Felbe würbe er sicherlich sein, beim Schobersetzen. Daß sie ihn boch träfe! Rascher setzte sie ihre Füße, ben Schlenbergang äuf- gebenb.' Wie buntm, baß sie ins Herrenhaus hinein mußte! Wenn es bas Unglück wollte, ging er vielleicht gerabe bann draußen vorbei, während sie drinnen ihr Anliegen vortrug! Unb nachher — wenn sie ihn nun nachher nicht mehr fand?! Daß ber Teufel bie ganze Bittstellerei, ben Valentin samt bem Krug hole! Nur ben Pau Szulc wollte 'sie sprechen, unb wenn's auch nur auf ein ganz kleines -Mertelstünbchen wäre! Was lag ihr jetzt baran, ob ber «schöne Offizier ihr wieber Augen Mächen würbe, wie da- Riäls, als sie chm Kaffee unb Likör präsentiert hatte, in Chwaliborczyee — nur ben Szulc wollte sie sehen, nur ben! 499 die ein Gesetz zu suchen Mar höchst anziehend, aber auch setzst problematisch erscheint. , ' Die Nachhaltigkeit, mit der sich diese Ansicht des Kulturlebens durchgesctzt hat, ruht zuletzt in dem .Bedürfnis, dem tn bet! Menschenwelt hervortretenden Leben einen absoluten Wert.zu^ver- leihen. Einen solchen scheint nur die Ueberzeugung von der Tatsächlichkeit und Stetigkeit des Fortschritts zu verbürgen. , Daran aber erkennt man, daß diese Ansicht nicht sowohl em Ergebnis des Wissens ist, sonderii ein Postulat des Glaubens. Man glaubt an den unendlichen Fortschritt des gesamten Welt- und Menschheitslebens, weil man sonst nicht dazu kommt, in dem Wirklichen zugleich etwas absolut Wertvolles zu erkennen. Als Glaubenssache hat diese Ansicht dann auch ihre Kritik gefunden. Die Opposition ist erstanden in der Spekulation Schopenhauers und in dem Haupt- und Grundbuch des modernen! Pessiniismus, in der Philosophie des Unbewußten von Ed. v. Hartmann. Aber auch diese Denker kommen doch Nicht um eine Art Weltfortschritt herum. Auch sie lassen teleologische Wertprinzipien für die Betrachtung der Gesamtgeschichte der Menschheit bis zu einem gewissen Grad gelten und erkennen damit em berechtigtes Bedürfnis des Gemütes an. r,, ,± , . Angesichts des tatsächlichen Verlaufs der Geschichte kann nicht in Abrede gestellt werden, daß der menschliche Geist ol§ mbw vidueller sowohl wie auch als Geist der Gemeinschaft die Zähigkeit und die Tendenz besitzt, von gegebenen Anfängen und Bedingungen aus in einen Entwicklungsprozeß einzutreten, in dem das spater Erreichte sich zu jenen Anfängen verhält wie das Höhere zu denr Niederen, das Bessere zu dem Minderwertigen, das Vollkommene zu dem Unvollkommenen. Aus den Tatsachen der Entwicklung ergibt sich, daß das Kulturleben in intellektueller tote moralischer Beziehung des Fortschritts fähig und dazu beruien ist. I Vor allem kommt es nun darauf an, wie dieses Berufensem ! gedacht wird. Die Fähigkeit und Tendenz zum Fortschritt bedeutet für den Geist nicht eine mit Naturnotwendigkeit sich vollziehendes Leistung, sondern eine Aufgabe, die er zu lösen oder zu verfehlen! lichkeit maßgebend. Clemens von Alexandrien und Augustin entwickelten eine religiöse Teleologie, nach der die Menschheit unter 1 göttlicher Führung von unten herauf einem heilsgeschichtlichen Ziele I entgegenreift, eine Auffassung, die auf deutschem Boden von Lessing | aufgenommen und in seiner „Erziehung des Menschengeschlechts I weiter verfolgt wurde. ,, I Durch die Bewegungen der Renaissance und der Reformation I wurde dann das Bewußtsein gestärkt, daß die Menschheit abermals | einen gewaltigen Schritt nach vorwärts getan habe. Dabei über- I nahmen die Deutschen die Führung, da sie den Grundfragen der I Menschheit am tiefsten unter den Völkern nachgingen, die Bahn i frei machten für geistigen und sittlichen Fortschritt und dem Aus- I blick in die Zukunft der Kulturarbeit eine bisher ungeahnte Weite I verliehen. Gegenüber dem leidenschaftlichen Widerspruch Rousseaus gegen die Ansicht der weltbeglückenden Wirkung der bisherigen Zivilisation | begründete Herder die Auffassung der Kultur, derzufolge die Ent- I Wicklungen der verschiedenen Völker sich zueinander wie die Stadien eines ansteigenden Prozesses verhalten, in dessen Verlauf das I Wesen der Humanität immer vollkommener in Erscheinung tritt, I wobei er auch die physischen Lebensbedingungen der Menschen I in vortrefflicher Weise heranzuziehen verstand. Im Anfang des ! 19. Jahrhunderts erfuhr dann der historische Entwicklungsgedanke I eine weitere Klarstellung und Einbürgerung durch die spekulative | Durchbildung der Geschichtsphilosophie, der das geschichtliche Ge- | schehen als die ewige Entwicklung des Weltgeistes erscheint, deren einzelne Momente als ebensoviele sich nacheinander bedingende und erzeugende Ideen in der Aufeinanderfolge der verschiedenen führenden Völker zur konkreten Darstellung gelangen. HcgA teilte die Ueberzeugung von den ewigen ehernen Gesetzen, nach denen wir alle unseres Daseins Kreise vollenden. Er glaubte die Entwicklungsgesetze a priori der Wirklichkeit vorzeichnen zu können. ,r, . . Das auf spekulativem Wege gewonnene Ergebnis ist m der । Ueberzeugung eines den Fortschritt ins Unendliche bedingenden Weltgesetzes niedergelegt. Diese Ueberzeugung wird im Laufe des 19. Jahrhunderts durch die epochemachenden Entdeckungen un Gebiete der Natur und durch die Vervollkommnung der Techmt bestätigt und verstärkt. Vor allem wurden die Ergebnisse der Deszendenztheorie nach dieser Richtung hin verwertet. Ihre Lehre von der durch den Kampf ums Dasein bedingten Auslese des Passendsten und Lebensfähigsten wird auf die Menschenwelt übertragen und stellt eme ins Unbestimmte, ja Unendliche fortschreitende Steigerung der körperlichen und geistigen Tüchtigkeit und Lebenskraft der Menschen in Aussicht. Dieser Gedanke wurde von Nietzsche aufgegrissen und in der Lehre vom Uebermenschentum verwertet. H. St. Chamberlain hat ihn dann im Anschluß an Gobineau mit Beziehung auf die germanische Rasse weiter verfolgt. Nachdem durch Darwins Eingreifen die gesamte organische Natur dem Gesichtspunkt der Ent- wicklung untergeordnet worden war, suchte man neben der tierischen Entwicklungsgeschichte auch die menschliche nutzbar zu machen, insofern die Geschichte der Organismen in körperlicher Beziehung Prozesse darlegt, bereit Analoga man im geistigen Leben wteder- ist dem modernen Menschen mehr und mehr zum Bewußtsein gekommen, daß das Wesen der Kultiir in einem ms Unbestimmte fortgehenden Prozeß besteht. Die Menschheit steigt im Verlauf des geschichtlichen Werdens zu immer höheren Stufen der Vollkommenheit auf, und zwar unter Führung der ethischen Von der Natur erhebt sich der Mensch zur Zivilisation und von hier zur Kultur. Zur Zivilisation gelangt er durch Ausbildung und Betätigung der geistigen und körperlichen Kräfte; zur Kultur dadurch, daß sittliche Maßstäbe nicht nur das Dasein | der Einzelnen, sondern zugleich das Gememichaftsleben durcy- dringen und beherrschen. Sie sind der wertvollste Kulturbesitz, der durch stetige Weiterarbeit lebendig erhalten werden muß, die sich innerhalb der Welt der Erwachsenen und Heranwachsendün vollzieht Das Wundervolle an diesem Stück des Kulturbesitzes ist aber dies, daß alle Volksgenossen in gleicher Weise, ob arm ob reich, ob hoch ob niedrig, an ihm teilnehmen können, wahrend sich nur eine Minderheit des Volkes im Genuß der höchsten Er- rungenschasten der Wissenschaft und Kunst befindet. v>n vieltem Abstand folgt hierin die Masse nach. . Aber sie ruckt nach, m allmählichem Aufstieg. Denn auch dann besteht em Stuck ftiutur-- arbeit, die starke Differenzierung der Bildungsichichten mehr und mehr auszugleichen, wenn auch das ungleiche Maß der Talen.g und Kräfte einzelner immerfort Hindernisse tn den Weg legt, ähnlich wie bei den Bestrebungen, welche die scharfen Gegensätze im Besitz einer gewissen Ausgleichung unterziehen wollen. Was aber in diesem Prozeß an Unbegreiflichkeiten und Unebenheiten int natürlichen oder ethischen Dasein sich aufdrangt, wird unter dem Gesichtspunkt aufgefaßt, daß es tm wetterest Verlauf eine- Aufhellung oder Fortbildung sinden werde, die es als notwendiges und berechtigtes Glied in der Kette der^Ent- wicklnngsznstände erscheinen läßt. Perioden des -Stillstandes oder Verfalls gibt es hiernach entweder nur scheinbar, oder sie zmgen an, daß die Entwicklung nach oben sich nicht geradlinig, .sondern in einer schwer bestimmbaren Wellenbewegung sich vollzieht, für (Ein vergessener seekrieg. Vor mehr als einem Jahrhundert führten die Vereinigten, Staaten einen vierzehnjährigen Krieg ans dem Mittelmeer, der von der Geschichtsschreibung so gut wie überleit worden, aber non aroßem Interesse ist — nicht nur wegen der Tatsache, daß zn der Zeit,^da Europa von den Schrsecken der napoleontischest Kriege unaufhörlich durchrüttelt wurde, sich /"letwn südlichen Küsten ein Extra-Krieg abspielte, ; andern auch wegen der außer ordentlichen Zähigkeit und Kühnheit der amerikanischen Führer. in r^cinc ift De/Fortschrittsgedanke in der Fassung eines unausweichlich sich von selbst vollziehenden Aufsteigens ist kulturfeindlich, wetk er in Hinsicht des Moralischen einen verderblichen Quietismus begünstigt, wie er hinsichtlich des Religiösen alles von der Gnade! einer übernatürlichen Offenbarung erwartet. Als Aufgabe dagegen betrachtet ist der Fortschrttrsgedanbe kulturfördernd, weil er jeden Einzelnen zur Mitarbeit aufruft. Nach ihm haben föir unser Schicksal in unserer eigenen Sani)., Wir sind uns bewußt, daß unser Tun einen auch noch so kleinen Beitrag zu dem fortschreitenden Prozeß der Menschheitsentwtcklung liefert, daß wir kraft unseres Willens eingreifen können in diel Organisation der mei'.schlichen Verhältnisse sowohl rote tn die Entwicklung unserer eigenen Persönlichkeit, lind dies vollzieht sich, trotzdem die Wissenschaft von der Zukunft nichts sagen und auch das Ziel unseres irdischen Daseins int Sinne eines Mit Sicherheit eintreffenden herrlichen Endes der menschtzeitlichen Entwicklung nicht berechnen kann. Aber die Richtung des von uilserem Zustand aus etnw schlagenden Weges getraut sie sich zu bestimmen— auch das Ziel vermag sie bestimmt zu formulieren m der Zeichnung der Zuge/ die zur Ideal-Persönlichkeit des Einzelnen wie des Volkes ge- hören. So können wir die Zielsetzung, die Bestimmung dessen, was sein soll, als Wissenschaft strengster und höchster Art ansehen, von welcher die tausendsältigen Einzelbeobachtungen der wirtschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Entwicklung ihr Licht und ihre Bedeutung empfangen. Es ist also festzuhalten: Der Kulturfortschritt ist nicht eine naturnotlvendige Tatsache, sondern eine ethische Aufgabe, die von einer Generation an die andere weiter gegeben wird. Unbeant- wortbar bleibt die Frage, wie weit das fortschreitende Leben es in seiner fernen Zukunft zu bringen vermöge; um so enW I und dringender aber erhebt sich für jeden denkenden und strebenden, I Menschen die Mahnung, sich den jeweiligen ans der unmittelbaren I Zeitlage erwachsenden Kulturaufgaben mit selbständiger individueller Teilnahme zuzuwenden. . u. Hier setzt nun der Erziehungsgedanke em nut der doppelten Höhere Bildungen des Gemeinschaftslebens sind immer nur dadurch zustande gekommen, daß Persönlichkeiten die dahrn zielende Aufgabe erkannten und sich selbst und andere für ihre! Durchführung zu begeistern wußten. I 2. Wahrer Kulturfortschritt kann unter Leitung sittlicher I Normen bewirkt werden, die bestimmend für den EiiizeiNen rot® I für die Gemeinschaft sind. 500 Ihr Hauptheld war der Leutnant und spätere Kommodore Stephen Decatur, der den eigenartigen Plan verfolgte, Napoleon ans den Händen der Engländer zu Msreien. Der Krieg, den Amerika auf deut Mittelnre-er begonnen hatte, richtete sich gegen die Bar- baresken; seine Geschichte — er spielte sich von 1801 bis 1815 ab ----- hat erst jetzt in Emile Dupnb einen Historiker gefnndeni, dessen anfschlußreiches Werk „Amöricains et Barbaresques" türz- lich in Paris erschien. „ Wie fast alle auf den- Mittelnreer .Handel treibenden Patronen muhte auch die junge Republik, die sich erst kurz vorher von England frei gemacht hatte, den barbaresken Raub,waten einen jährlichen Tribut zahlen, um vor Iteberfälien gesichert zu bleiben. Diese blieben aber doch nicht aus und so nrachte sich iur Jahrs 1801 ein amerikanisches Geschwader, bestehend aiis drei Fregatten und einem Schooner nach dem Mittelmeer auf. Die Beys von Algier und Tunis versprachen den Frieden, aber Tripolis er-- öffnete die Feindseligkeiten; in zahlreichen kleineren und größeren Seeschlachten und Gefechten siegten die Amerikaner, der Kongreß bewilligte große Kredite und ließ eine weitere Flotte von sechs Fregatten nach Tripolis abgehen. An der Blvkade dieser Stadt beteiligte sich auch ein schwedisches Geschwader — sie blieb aber erfolglos, da Amerika gerade in dem Moment, als Marokko, Tunis und Algier den Tripotitanern zu Hilfe eilten, den größten Teil seiner Schiffe ans dem Mittelmeer zurückzog. Ebenso erfolglos verliefen die Kämpfe und Blockaden der folgenden Jahre, deren aufregendste die des-Jahres 1803 war. Den Tripolitanerch lunr es gelungen, ein amerikanisches Schiff, die Fregatte „Philadelphia" zu nehmen und in ihren Hafen zu führen. Ter obengenannte Leutnant Decatur wagte sein Leben nit die Wiedergewinnung ; mit 82 Mann bestieg er ein den Tripolitanern ab- genommenes Fahrzeug, hißte auf ihm die Barbareskenslagge und gelangte damit, ohne! Argwohn zu erregen, in den Hafen der Stadt. .Dort enterten er und seine Leute die „Philadelphia", machten die feindliche Besatzung nieder und führten das Schiff zurück. Der Krieg dauerte fort. 1805 waren nicht weniger als 81 amerikanische Kriegsfahrzeuge im Mittelmeer versammelt, ohne einen endgültigen Erfolg gegen die listigen und behenden Gegirer zu erzielen. Auch der heutzutage durch Marokko wiebcr aktuell getoordene Plan, mit Hilfe eines Usurpators, der übrigens auch damals des Sultans Bruder war, das Land zu zerrütten und zu erobern, hatte keinen nennenstvertcn Erfolg und fiihrte einen Frieden herbei, der außer einigen Erleichterungen für die Gefangenen der „Pensylvania" den Amerikanern keinen Vorteil gewahrte. Erst dem inzwischen zum Kommodore ernannten Helden Stephen Decatur gelang es tut Jahre 1815 durch einen aufs tapferste durchgeführten Kriegsplan, einen Frieden zu erzwingen, ben die Raubstaaten bis zu der Zeit auch hielten, als Frankreich die Piratennester zerstörte und Algier eroberte. VevmrschLes. ' D e n t s ch e W ö r t e r a >: 5 d e in Englische n. Welchen Einfluß die englische Sprache ani unser Deutsch ausübt, kann man nicht nur aus den englischen Fremdwörtern erfennen, die jetzt so massenhaft in unsere Sprache eindringen — man denke nur an das Sportwesen —, dieser Einfluß zeigt sich auch in neuen deutschen Wörtern und Wendungen, die wir durch llcbersetztrng aii§ dem Englischen erhalten haben. Solche Entlehnungen fhib natürlich mit Freude zu begrüßen, sie sind eine willkommene Bereichertutg unserer Sprache. Hermann Dünger gibt in seiner Schritt über die Engländerei in der deutschen Sprache (2. Auslage, Verlag des Allg. Deutschen Sprachvereins, Preis Alk. 1,20) eine Zusammenstellung von solchen Verdeutschungen englischer Ausdrücke. Hierzu gehören z< B. cmssperren für lock out, Blaubuch für blue-book, Blaustrumpf für blue - stocking, Buchmacher für book-maker, drahten (telegraphieren) für to wire, eutpfindsam sür sentimental, Freidenker für freetliinker, Freihändler für freetrader, Freimaurer für freemason, Geld machen für das amerikanische to make tnoney, Gemeinplatz für common place, Halbblut für half-blood, Heilsarmee für Salvation Aruiy, Heißsporn für hotspur, Hinterwäldler fijr baekwoodsman, Kampf ums Dasein sür struggle kor life, Jungfernrede für maiden speeeb, Leitartikel oder Leiter für ieading artiele ttnb leader, Aleister- fchast (im Sport) für championship, Ring für ring — geschlossene Gruppe von Unternehmern, Rollschuh für roller-skate, Selbst- verwältung für self-govermnent, Stern (einer Bühne) für st ar, Stimmvieh sür voting eattle, Warenhaus für warehouse, Weltschmerz sür world-woe, Zuchtwahl für natural selection. * Seltsame Gelübde. Als im 15. Jahrhundert die Ritter König Eduards III. von England nach Frankreich zogen, um die Feindseligkeiten gegen die Franzosen zu eröffnen, da leisteten eine große Zahl der geharnischten Kämpfer einen seltsamen Eid: sie verbanden sich das eine Auge mit einem roten Tusche und schworen, diese Binde nicht eher zn entfernen, ehe sie nicht durch Taten der Tapferkeit die Feinde gezüchtigt und geschlagen hätten. Aber die Zeit der seltsamen Gelübde ist mit dem Mittelalter nicht verschwunden, auch das 19. Jahrhundert, ja sogar das 20. können ähnliche Fälle verzeichnen. Wenn and) Nedaktiou: K. Neuratb. — Rotationsdruck und Verlag der B die meisten ans ernsten Anlässen heraus entstehen, so entbehren! sie doch nicht der Komik und eiiteS heiteren Beigeschmackes. _ Der Adriatico erzählt bmt-einem Gichtkranken, der in Lourdes Heilung suchte und vorher das Gelübde ablegte, im Falle der Befreiunig von seinen Leiden eine große Reise zu unternehmen, bei der er ein leeres Faß vor sich her rollen wollte. Insbesondere sind es Seelente, die in Stunden der Gefahr wunderliche Eide leisten. Während eines furchtbaren Sturmes schwor ein normannischer Seemann, von Cherbourg nach einer mehrere Stunden entfernten Kapelle eine Wallfahrt zu unternehmen, bei der er eine tüchtige Handvoll Harter Bohnen in seine Stiefel schütten wollte. Der Sturm ging vorüber, die Barke kam glücklich nach Cherbourg, und seinem Versprechen getreu machte sich der wackere Seemann alsbald an) die Wanderung. Aber die Sache Ivar schwerer, als er sich vorgestellt hatte, er hatte kaum einen Kilometer zurückgelegt, als er sich vor Schmerzen nicht mehr weiter schleppen konnte und schleunigst in das erste beste Wirtshaus ging. Dort trank er seinen Schoppen und ließ sich die harten, unbequemen Bohnen einfach kochen. Tie weichgekochten Bohnen schüttete er in seine Stiefel und nahm vergnügt Seine Wallfahrt wieder auf, die er dann auch glücklich zu Ende führte. Sehr häufig sind auch die Geliibde etvigen Schweigens. Als im Jahre 1840 Miß Caroline Brewer aus Leeds durch einen Wortwechsel mit ihrem Bräutigam auseinanderkam, schwor die verlassene Brant, nie mehr mit einem Menschen ein Wort zu sprechen. Und sie hielt Wort, obgleich sie noch 35 Jahre lang lebte; nie mehr hat jemand eine Silbe aus ihrem Munde gehört. Einen ähnlichen Schwur leisteten zwei andere Engländerinnen. Es waren drei Schwestern, die zusammen lebten, zwei von ihnen zankten sich eines Tages sehr heftig und gelobten dann, nie mehr miteinander zu sprechen^ Das Gelübde wurde innegehalten, die beiden schwiegen fortan.. Selbst als die eine der Schwestern auf dem Totenbette lag und die andere der Sterbenden liebevoll beide Arme entgegenstreckte, da blieben ihre Lippen aufeinatidergepreßt, und kein letztes Ab- schiedswort entfloh ihrem Munde. * 33 erb renne z u Hanse! Eine englische Gesellschaft will den trauernden Hinterbliebenen Verstorbener die Wohltat erweisen, daß sie die Einäscherung des geliebten Toten künftig gleich im Hause vornehmen lassen können. Sie bietet transportable kleine Krematorien zum Kans oder zur SDiiete an, die nicht viel größer, nur niedriger und länger sind als ein gewöhnlicher Gasherd. Sie brauchen höchstens eine Stunde lang vorgeheizt zu fein, bann nimmt ein stählerner Behälter bie Bahre 'auf, ttnb in wenigen Sekunben ist ber Verbrennungsprozeß vollzogen. Tie Gesellschaft empfiehlt bie Apparate in ihren Zirkularen zur festen Anschaffung, ist aber auch bereit, sie bei Bedarf auf telephonische ober telegraplusche Bestellung jeweils leihweise ins Haus zu schicken, natürlich mit allem erforderlichen Personal. Die Anschaffung des Apparates soll vorläufig noch rund 2 00 Mark kosten. Gutsiluirte Leute können sich also jetzt außer Automobil, Pianola und Vakuum-Apparat auch den eigenen Verbrennungsofen im Hause halten. Jedenfalls eine über—afcheude Erfindung. Viichertisch. — Der Heilige Garteu. Beiträge zur Erforschmtg der Kindheit; in Verbindung mit dem Archiv sür Altersmundarten und Sprechsprache, herausgegeben von Carl Rößger und Theodor Scheffer. 5. Jahrgang. Hest 2/3. Verlegt bei K. G. Th. Scheffer in Leipzig. Es fällt aus der Artikel von R. Paulsen (Paulsett jun.) über den 7. Tag für deutsche Erziehung in Weimar, eine sehr temperamentvolle, persönliche Arbeit; ferner die Auseinanderftzeung zwischen G. Koch ttnb G. Höller im Archiv über bie Darbietung ber Bibl. Geschichten Alten Testamentes in Altersmundart Wir neunen aus dem Inhalt außerdem: Paulsen, Erneuerung der deutschen Sprache; zur Religion des Kindes von einem Scholaren; zur Frage des ersten Lesebuches von Ettmayr; desgl. Hohl: über bett seitherigen Lese- betrieb und bie „Kindliche Lesebuchkritik". Das Archiv fetzt bie Publikation der Bibl. Gefchichteti in der Erzählung eines Zwölfjährigen fort. Zitatenkätsei. Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zn nehmen, fo daß sich ein neues Zitat ergibt: 1. Zu kühn wird mir dies Gaukelspiel. 2. Auch ich toar ein Jüngling mit lockigem Haar. 3. Das Herz und nicht die Meinung ehrt den Mann. 4. Du sprichst ein großes Work gelassen aus. 5. Weil ein Vers dir gelingt in einer gebildeten Sprache .... 4 6. Ich schnitt es gern in alle Rinden ein. 7. Das hat mit ihrem Singen bie Loreley getan. 8. Des echten Mannes wahre Feier ist bie Tat. 9. Gelb allein macht nicht glücklich, man — muß es auch haben. 10. Er war von je ein Bösewicht. Auslösung in nächster Nummer: Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Die Axt im Haus erspart b en Z i mmerm ann. ü hl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-