IBM Z®/j 9 !•-1| 9 lit 1910 — Nr. M M Das schlafende Heer. Roman von Clara Viebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Doleschal fühlte sich ganz, beschämt. Er hatte sich heute so wenig um die Dame des Hauses gekümmert — gar nicht — er hatte es nicht einmal bemerkt, daß sie sich beim Dessert schon zurückgezogen. Es war wirklich liebenswürdig von ihr, ihm das nicht nachzutragen! Ja, die Frauen waren doch immer noch die Großherzigen in dieser Welt voller Kleinigkeiten! Willig folgte er der Zofe, die in ihrem, für eine dienende Person unverhältnismäßig eleganten Kleide, mit ihren langen, baumelnden Goldgehangen in den Ohren, vor ihm her huschte. Er sah nicht ihr verschmitztes Gesicht. Die Treppe hinauf, durch einen langen halbdunklen Gang führte sie ihn, dann öffnete sie rasch eine Tür und schloß diese eben so rasch und leise wieder hinter ihm. Es wäre ihm an einem andern Tag vielleicht ausgefallen, daß sie so heimlich tat, als führe sie ihn zu einem Stilldichein; heute hatte er des nicht acht. Sie hatte ihn in Frau Jadwigas Zimmer eingelassem Auf der roten rissigen Tapete lag ein vertrauliches Halbi- hunkel; die verhängte Lampe auf dem Tischchen warf nur einen weichen Schein auf die Dame im Sessel und auf das elegante, seidenverhängte Himmelbett hinter ihr. Das ganze Zimmer war durchduftet von dem Parfüm, das Frau Jadlviga liebte. Sie war noch in Toilette; der schöne weiße Hals frei. Ungezwungen reichte sie ihm die Hand. „Sie wollen schon fortgehen, Baron?" Ihre langbewimperten Lider schlugen rasch auf und nieder, jvie die zarten Flügel eines Schmetterlings. „Gnädigste Frau, ja! Ich bin heute ein schlechter Gesellschafter, verzeihen Sie — aber — aber — Sie wissen vielleicht" — ihm kam's plötzlich wie ein rettender Gedanke, sich dahinter zu verschanzen — „welch ein Malheur ich heute bei der Jagd gehabt habe?" „Ich weiß. Sie Guter!" Sie nahm' seine Hand und drückte sie herzlich; fast liebkosend glitt ihr Blick über ihn hin. „Das tut mir ja so leid! Mußte gerade Ihnen das Hieren! Wenn's einem andern passiert wäre, meinem an zum Beispiel," — sie lachte hart und zog wie in plötzlicher Schmerzempfindung die Brauen zusammen — „der hätte sich gar nichts daraus gemacht. Aber beunruhigen Sie sich nicht, bleiben Sie nur noch, ich habe ja schon nach Pociecha geschickt. Es hat gar nichts auf sich, es geht der Person ganz gut!" „Sie —! Sie haben sich schon erkundigen lassen? O!" Er war völlig überrascht. „Gnädiglste Frau, das haben Sie getan?" Sie lachte wie ein Kind, dem eine Ueberraschung geglückt ist. Und dann sagte sie leise, fast schüchtern, mit gesenktem Blick: „Ich wußte ja, daß es Sie freuen würde!" „Liebe gnädige Frau!" Er faßte ihre Hand und küßte sie. Aber diesmal war es nicht bloß der blonde Schnurr-- bart, der ihren Handrücken streifte, sie fühlte seine kühlen und doch so warmen Lippen. Für einen Moment schloß sie die Augen — ah, das war dasselbe wonnige, zum Bergehen angenehme Gefühl, das sie stets durchrieselte unterm Kratzen der alten Nepo- mucena! Mehr — mehr! Sie öffnete die Lippen, den Kopf ein wenig hintenüber legend, schlug sie die großen schwimmenden Augen auf. Er sah den Blick nicht. Neben ihr sitzend, sah er gerade aus und fprach wie zu einer Dritten, in einem warmen Gefühl: „Das Büste, was wir haben, sind doch unsere Frauen! Eines Mannes größtes Glück ist eine gute Frau!" Wie er das sagte! Ganz einfach, schlicht, in eineml Ton, den sie noch nicht von ihm gehört hatte — aber das galt nicht ihr, nein, das galt einer andern jener seiner Frau! Wie das Fell einer Katze, das man gegen den Strich! streichelt, vibrierte ihr Gesicht. Ihre Nasenflügel bebten nervös, die kurze Oberlippe zuckte. Das Taschentuch in ihren Händen zu einem Bällchen drehend und wieder auseinander zerrend, hörte sie gar nicht mehr, was er sprach. Diese Worte galten nicht ihr — sie fühlte das. Und ein Haß stieg in ihr aus gegen jene langweilige blonde, deutsche Frau. Und auch gegen ihn. Er war beschränkt — o, diese großen,- blonden, deutschen Männer, o wie dumm! Sie gähnte. „Sie sind abgespannt!" Doleschal sprang hastig auf. „Verzeihung, ich. hätte längst gehen sollen, aber Ihre große Güte und Liebenswürdigkeit haben mir das Herz warm gemacht. Haben Sie tausend Dank! Nun" — ein freund-- kicher Glanz machte sein Gesicht sehr anziehend, — „nun, rasch zu meiner Frau!" Sie hielt an sich, bis sein fester Tritt draußen auf dem Gang ausgehatlt hatte, bis sie drunten nicht mehr seine Befehle an den Kutscher hörte, auch nicht mehr das Rollen seines Wagens auf dem hartgefrornen Hof; daun brach sie in ein Lachen aus. Das war einmal verlorene Mühe gewesen — haha — nicht einmal angesehen hatte er. sie! Glühendes Rot der Beschämung und des Zorns stieg ihr zu Kopf. Das Lachen ging in ein Weinen über, üi ein heftiges ungebärdiges Schluchzen. Sie biß in ihr Taschentuch, zerriß es und schleuderte die Fetzen in einen Winkel; ihr Schluchzen wurde zum Schreien. Ein Krampf schnürte ihr die Brust zusammen; in die Kehle stieg es ihr wie eine Kugel. Kaum noch daß sie den Klingelzug erreichte. ‘ Als Stasia nach geraumer Weile erschien, lag die Herrin porni Bett auf den Knien, stöhnend- das Gesicht verzerrt. Kein Kognak half, keine Eau de Cologne; die Zofe lief, den Herrn zu rufen. 426 Garczynski blieb sehr ruhig; er kannte diese Zufälle. Geschickt das enge Kleid aufschnürerrd, hob er seine Frau aufs Bett und füllte dann die Heine Spritze mit der wasserhellen Flüssigkeit, die Doktor Wolinski verschrieben hatte — freilich nur für den äußersten Notfall. Aber war's jetzt nicht der äußerste Notfall? Vielleicht schaffte der Anblick allein schon Linderung; er legte die Spritze aufs Tischchen aut Bett. Sich über die Leidende beugend, hauchte er erst auf ihre linke, dann auf ihre rechte Wange einen leichten Küß: „Gute Besserung, meine Teuerste!" und stahl sich daun auf den Zehenspitzen wieder hinaus. Nach deut Doktor hatte er schon einen Wagen geschickt, auch die alte Nepo- muceua rufen lassen. Etwas andres konnte er wirklich beim besten Willen nicht für sie tun — seine Gäste warteten, er hielt die Bank, ohne ihn stoppte das Spiel! Jädwiga lag, mühsam atmend, wie unter einer schweren Last. Sie fühlte Schmerzen in der Brust, int Magen, im Rücken, ein Ziehen bis in die Fingerspitzen und tim1 die Taille ein eisernes Band. Kam der Doktor denn noch nicht, wo blieb der saumselige Mensch?! Sollte sie hilflos sterben? Ach, da war keiner, dem sie teuer war! Ihr Mann saß unten bei seinen Spielern, und — e r — bei seiner Frau! „Ha!" Wieder ein neuer Anfall; sie knirschte mit den Zähnen und verdrehte die Augen. Stasia näherte sich mit einer Wärmflasche; die Herrin hatte über eisige Füße geklagt. „Au, du brennst mich ja! Tolpatsch!" Die Hand der Kranken fiel klatschend auf die Wange des Mädchens. Und dann ein Tritt — krach — die Wärmflasche flog zum Bett hinaus und ergoß, aufspringend, all ihr heißes Wasser über den Teppich. „Ach, ich sterbe! ich sterbe! Gnade! Heilige Mutter! Au, diese Schmerzen! Bete, Stasia, bete!" Die Zofe war's gewohttt: wenn die Herrin litt, mußte sie beten. Und so kniete sie denn, ihr elegantes Kleid ein wenig raffend, auf den durchnäßten Teppich nieder, kehrte die Äugen nach oben, legte die Hände zusammen und Begann. Ihr monotones Leiern verfehlte seine Wirkung nicht. Der Herrin starrer Blick begann sich allmählich zu mildern, die Lider zuckten — nun senkten sie sich, und Tränen in schier unendlicher Flut strömten darunter hervor. „Bete, bete, ich schenke dir auch die rotseidene Bluse — den Sonnenschirm — ach, bete nur, bete!" Stasia leierte noch eine Weile. Ah, nun hatte die Pani die Augen zugemacht! Wenn sie doch rasch einschliefe! Das würde wohl wieder eine schöne Nacht werden! Statt sich zu amüsieren, konnte man wohl gar hier auf den Knien liegen?! Psia krew! Wenn doch wenigstens die Nepomucena bald käme, das alte Gespenst! „Bete, bete!" stöhnte die Herrin. „Ich bete ja iii einem' fort!" Stasia schnitt eine unartige Grimasse: was scherte sie die rotseidene Bluse und der Sonnenschirm! Eie wollte viel lieber bei Pau Szulc üüf dem Sofa sitzen. Draußen raschelte es, leise wurde au die Tür geklopft. Aha, die Nepomucena! Aber es war nur der Bote, den man nach ihr geschickt Hatje. Tie Nepomucena war krank, lag im Bett und schwitzte, unb der Husten quälte sie auf der Brust. „Mrauk —?!" Stasia machte ein langes Gesicht. „Krank?" wiederholte auch die Leidende. Sie setzte sich hastig aufrecht in den Kissen, ihr Gesicht rötete sich: die Nepomucena sollte kommen, mußte kommen! „Die Filomena läßt fragen, ob die gnädige Pani nicht will erlauben, ihr zu kommen, anstatt der Mutter?" flüsterte der Bote. Die Nepomucena soll kommen, auf der Stelle!" Die Herrin schrie laut. „O, diese Schmerzen, diese Schmerzen." Nein, das Morphium half diesmal gar nichts! „Die Nepo- mucena, die Nepomucena!" Weniges später jagte ein zweiter Wagen zum' Hoftor hinaus, hin nach den Hütten der Komorniks. Wenn die Nepomucena denn durchaus nicht gehen konnte, so sollte sie fahren. * Der Stroz auf dem Hofe hatte längst Mitternacht gepfiffen, als endlich Ruhe ins Herrenhaus kam: Die alte Nepomucena war da gewesen; von zweien geführt war sie hinauf gewankt, aber da war die Herrin schon eingeschlafcn gewesen. Frau Jadiviga schlief so fest; daß sie nicht einmal mehr die Abfahrt der Gäste gehört hatte. Mit viel Gepoltep war diese vor sich gegangen und mit viel Gelächter. Türen waren geworfen worden; über den Flur schlorrten die Herren und verstrickten die schweren Füße in die Teppiche. Auf den Stufen der Hoftreppe, die die Mitternacht mit ihrem eisigen Hauch überglast hatte, waren ihrer einige fast zu Falle gekommen. Noch auf den Wagentritten strauchelten sie. Garczynski taten Arm unb Schulter weh, denn er hatte es sich nicht nehmen lassen, persönlich jedem seiner Gäste in den Wagen zu helfen. Der Diener durfte nur ein wenig nachlupfen, die Pelzdecke zurechtzupfen und den Schlag schließen. Erleichtert atmete der Hausherr auf, als die letzte Verbeugung gemacht, zum letzten Mal grüßend mit der Hand gewinkt war: „Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen! Herzlichsten Dank! Wohl bekomrn's!" Mit dem befriedigenden Gefühl, ein gutes Stück dem Ziele näher gekommen zu sein, suchte Garczynski sein Bett auf. Er überdachte: das hatte wiederum eine Menge Geld! gekostet, aber der Erfolg würde schon zeigen, daß es sich verlohnte, noch einmal zur Bezahlung der notwendigsten Rechnungen ein Stückchen Wald zu schlagen. Tie Kommission würde ja doch wahrscheinlich alles herunterhauen. Eigentlich schade um deu Wald, in dem die alten Gar> czynskis einst Wolf und Bär und Hirsch und Elch gejagt hatten! Pah, jetzt gab's ja doch nur noch miserable Hafen, selten genug Rehe darin, und die Hauptsache war, daß die Kommission kaufte! Und die würde kaufen; augebissen hatte sie bereits. Das heutige Jagddiner hatte das Objekt euch schieden um zwanztgtausend Mark Wert erhöht; viel fehlte nicht mehr am geforderten Preis. Und die Kandidatur war entschieden auch aussichtsreicher geworden. Alle Gäste hatten ihn ihrer Hochachtung versichert, der Landrat ihn sogar noch vor der Abfahrt heim'?- lich in eine Ecke genommen: „Mein Bester, ich höre, Sie motten sich aufstellen lassen bei der nächsten Mahl? Gratnlor! Gratulor!" Er hatte mit den weinmüden Augen ihm zugezwinkert und ihm .verständnisinnig die Hand gedrückt'. Wenn die nicht wider ihn waren, wer sollte denn wider ihn sein? Gorka hatte ihm versichert, daß er die Kandidatur wagen könne: von höchster Stelle aus werde die Hand über ihn gehalten, und — der Pole dehnte sich behaglich in seinem weichen Bett und gähnte aus Herzensgrund —, bann war ja kein Fehlschlag zu fürchten! Der Niemczycer konnte einem ordentlich leid tun — wenn der sich etwa mit Hoffnungen trug?! Ganz ruhig schlief Aleksander von Garczynski ein. —i Der Hauptbau lag nun dunkel, nur im Seitenflügel, int Zimmer von Pan Szulc brannte noch Licht., Man genierte sich da jo wenig, daß man nicht einmal die Row leaux herunterließ. Stasia hatte die steile Dienerstiege, die verfetteten und bespuckten Steinstufen, die zur Ins-, spektorwohnnng führten, manches hinaufgeschafft: Austern, Pastete, Mayonnaise, Kompotts, Torte, Eis und vor allem Wein: Ungar und Sekt. Der kleine Tisch! in der engen Jnspekiorstube war überladen: ,im Waschbecken standen die Sektflaschen. Gott sei Dank, die Mamsell schlief schon! Die Hatto genug von den Lasten des Tages. Aber der fremde Kochs, den man aus Posen hatte kommen lassen, würde mit- machen. Stasia halte auch einen anstrengenden Tag hinter sich, von: frühen Morgen an war sie auf den Füßen gewesen, man hatte sie hier- und dorthin gerufen, überall gebrauchte man sie --- und ivas hatte allein die Frisur Her Herrin für Schweiß gekostet! Und zuletzt noch diese Beterei! Und doch tanzten Stasia jetzt noch die Augen im Kopf. Nur mit einem ganz leichten Gähnen lehnte sie sich an Herrn Szulc. Ein klein wenig maulte sie: kaum ein Trinkgeld hatte es gegeben für all die Plackerei! Alle Herren! hatten in deu Taschen gesucht — der Herr Rittmeister !var! ganz schamrot geworden, daß er keinen Taler mehr für sie fand, nur ein lumpiges Markstück! „Hihihi!" Sic kicherte in sich hinein, und dann schüttelte sie sich vor Lachen, daß ihre langen goldenen Ohr-i gehänge baumelten: die hatte der gnädige Pan einmal! wieder ordentlich Msgeleert. (Fortsetzmig folgt.) — 427 Aus dem Ohmgebiet. Erzählungen, Sagen und Sitten ans dem Ohmgebiet. Wie bereits erwähnt, haben sich bei keinem andern deutschen Stamme die früheren Sitten und Gebräuche so rein erhalten wie bei den Chatten. Jnimerhin ist schwer festzustcllen, wäs sie aus ihrer Urheimat herübcrgebracht und was sie später von den Nachbarvölkern übernommen haben. Wie wunderbar, in diesen altehrwürdigen Resten, welche, einem Spiegel gleich, die Jugendzeit unseres Volkes erkennen lassen, den Stempel des Christentums und selbst der heidnischen Urzeit zu erblicken! Sie begleiten das Leben von der Wiege bis zum Grab. In ganz Deutschland findet sich die Sage von der Herkunft der Neugeborenen aus Brunnen und Teichen. Die Welt dachten sich die Germanen einem Brunnen der Unterwelt .entquollen; für die Hessen war dies der Huldaborn am Meißner; und dessen strahlendem Gewölbe entstammen die Menschen. Unter den: Grunde eines sehr tiefen Teiches int Meißner pflegt Fran Holle, die Göttin des Lebens, einen reizenden Garten, wo sich die Seelen der, Verstorbenen! vereinigen und als Kinderseelen wiedergeboren aus die Erde zurück- kehrcn. Mit seinem langen Schnabel taucht dann der Storch, der Diener der Göttin, in die Tiefe des Brunnens und beglückt dann die Frau, sie freilich auch ins Bein beißend, so daß sie das Bett hüten muß. Kein Wunder daher, in Hessen fast überall Brunnen Und Teiche nennen zu hören, aus denen die neugeborenen Kinder hervorgehen, in Kirchhain den Klingelborn, in Marburg den Schröcker Brunnen, in Ziegenhain das Bärbörnchen bechTreysa. Aus tiefen Teichen stiegen auch oftmals häßliche, den Menschen ähnliche Geschöpfe auf, daher sie den Namen Wassermenfchen oder auch Nixen oder Nöcken hatten. Um die neugeborenen Kinder, denen sie nachstellen, zu schützen, wird die Türe der Wochenstube nachts mit einem Schurzband fest zugebunden, und nie läßt man solche Kinder bei Nacht allein. Lassen sich die Nixen unter den Menschen sehen, so erkannt man sie an dem nie trocken werdenden Saume ihres Kleides. In der Nähe von Kirchhain, bei Niederklein, liegt eine Mühle, die Nixenmühle; und aus dem Bach, welcher vorbeifli.eßt, tauchen von Zeit zu Zeit Seemännchen und Seeweibchen, wie die Leute sagen, auf, um sich am Ufer zu sonnen. Auch liegt bei Niedcrklein ein tiefer Teich, der Nixenborn genannt, aus welchem einst drei Nixen, als schöne Jungfrauen verkleidet, der Spinnstube des Dorfes öfter beiwohnten, jedoch sich nie länger als bis 11 Uhr aufhielten, so sehr man sie auch bat. Als nun! einer der Burschen, der eine der Holden liebte, eines Abends die Wanduhr verstellte, so daß die drei Schönen ohne ihr Wissen Um eine Sttinde betrogen wurden, schwammen am..andern Tage drei Blutstropfen auf dem Teiche, und der Bursche starb nach drei Tagen. Noch eine Sage vom Nixenborn: Am spaten Abend geht ein Bursche aus Anzefahr, dem seine Liebste untreu! geworden, nach Kirtorf und singt unterwegs ein Liedchen von ihrer Treulosigkeit, als sich plötzlich bei Amöneburg eine Jungfrau ihm zugesellt .und den Burschen einlädt, mit ihr zu gehen, was derselbe dann auch nach einigem Zögern tut. Beim Nixenborn angekommen, schwindet plötzlich der Boden unter ihren Füßen und sie befinden sich in einem leuchtenden, unterirdischen Saale, wo dem Burschen ein alter Mann zuredet, unter den Nixen eine Braut zu wählen; dann dürfe er auch für immer bei: ihnen bleiben. Alsbald aber schlägt der Bursche das Kreuz, ruft die Mutter Gottes an, und sogleich ist alles um ihn her verschwunden, und er befindet sich wieder auf der. Oberwelt. Aehnlich erging es einst einer Hebamme zu Kirchhain, welche nachts von einem seinen Mann um ihre Hilfe gebeten wurde: Erst bei der Nixen- mühle sagte er ihr, daß. er ein Röcke sei, seine menschliche, Fran aber nicht ohne Amme gebären könne. Trotz ihres Sträubens mußte die Frau mit unters Wasser und dann sehen, wie der Röcke das Kind forttrug. Als er wiederkam, steckte er die Hebe- trau einen kostbaren Ring an den Finger,.als sie mit cinernmale wieder oben am Wasser stand und den Ring an ihren'. Finger erblickte. Verwunschene Jungsrauen, welche erlöst werden wollen, zeigen sich an vielen Orten. Nur die Wunderblume, welche am Trinitatissonntage erblüht, verleiht die Macht, verwünschte Jungsrauen aus ihrem Zauberbann zu erlösen. Berge zu offnen und Gold zu heben. Bei Momberg, unweit Neustadt, stand in alten Zeiten ein Wirtshaus, von dem noch der Keller gezeigt wird. Schon zwei Nächte nacheinander hatte einer Frau in Momberg geträumt, daß in jenem Keller ein Hausen Goldes verborgen liege. Als sie in der folgenden Nacht denselben Traum hatte, stand fie schnell auf und ging um Mitternacht hinaus, zu dem Keller, in dem fie tief hinten eine schneeweiß gekleidete Jungfrau und hinter ihr einen Haufen Geldes erblickte. Da fie aber dcw erlösende Wort nicht kannte, wich die Frau wieder zurück, worauf die Jungfrau weinte; näherte sie sich ihr, so lächelte diese« Dieses zauberische Spiel währte, bis die Glocken zu Tage lauteten, und jetzt verschwanden Jungfrau und Schatz. Allerlei Spuk bc- ängstigte früher die Menschen. In einem Garten bei Stirn;* h a i n geht eitle Fran um, das Schlüssclwctbchen. 2lus einem Keller aufsteigend, geht sie bis, zum nächsten Turme und verschwindet darin. Wer ihrem Winken vor dem Keller folgt, dem dreht sie den Hals um. In den Erle» bei KirchhäiN soll es nicht richtig sein, und Wanderern, welche hier nachts voruberkamen, soll sich ein-schwarzer Ziegenbock aufgehockt haben. Andere glauben mit Tumult und wildem Geschrei, Hundegebell, Peitschenknallen, Rusen und Flüchen das wilde Heer durch die Erlen ziehen zu hören.! Eine feurige Erscheinung, welche bald wie ein langer Bal kein, bald wie ein Drache gestaltet war, wollen die Leute in Kirche Hain ost gesehen haben. Die an manchen Orten üblichen Sitten des Tötens des Drachens ober Umherziehen des Strohmannes deuten den Sieg des Sommers über den, Winter an. In deck Freude Hierüber wurden auch in Rauschenberg auf der Pfingstweide am zweiten Pfingsttag heitere Spiele aufgeführt Und ein Mann mit Blumen geschmückt. Der feurige Drache in K ir ch- I) a i n fuhr über Feld und Wald dahin, schwebte auch ost über der Stadt und ließ sich in einen Schornstein hinab. Man sagt, der Drache sei der Teufel selber gewesen. Dergleichen wunderliche Erzählungen, auch solche« daß sich der Teufel von den Menschen überlisten läßt, wobei es an den betreffenden Orten „nicht recht geheuer" ist, gibt cs die Menge. Junker Hans von Dörnberg hatte in dem Hain bei Neustadt ein Schloß, die Nellenbttrg, und die Herrschaft über fünf Dörfer der Gegend. Um nun aber in ben Besitz einer Stabt zu gelangen, machte er ein Bünbnis mit dein Teufel, ber ihm die vier hochgelegenen Dörfer bei dem fünften im Bruch aufbauen mußte. Die Häuser stellte der Teufel aber bloß auf den Boden hin, weshalb jene Gebäude in Neustadt, wie bte Stadt nun hieß, keine Keller haben. Auf starken Pfählen, welche der Teufel in der neuen Stadt in ben sumpfigen Boden ein ramm en mußte, baute Junker Hans einen hohen, dicken Turm und bann ein Stübchen, auf dem er wohnte und welches er von niemand betreten ließ. Er ritt und fuhr immer auswendig das Gemäuer hinauf und hinab. Ueber Land fuhr er auf einem Wagen mit drei Rädern; die vierte Achse mußte der Teusel, ber auch den Weg vor dem Wagen pflastern und dahinter wieder aufbrechen mußte, halten. Das alles ward jedoch dem Teufel zu bescywer- lick, und er wollte Junker Hans die Verschreibung zurückgeben, worauf dieser jedoch nicht einging. In die Papiermühle bei Kirchhain, die damals noch eine Mahlmühle war, kam eines Abends ein unbekannter Mann mit einem Sack voll Frucht, bte er wollte mahlen lassen, und würbe von einigen leichtfertigst Gesellen zum Kartenspiel eingeladen, dem dann der Fremby auch folgte. Derfelbe gewann aber über Erwarten Spiel aus Spiel, bis einem der Spieler eine Karte unter ben Tisch fiel, beim Aufheben mit Schrecken einen Kuhfuß mit gespaltenem Hufe unter dem Rocke des Fremden erblickte und in seiner Angst riet: Herr Jesus! Im Nu fuhr der Teufel vom Tifche auf, verschwand! durch bas offene Fenster und ließ nur einen erstickenden -schwefel- dunst in ber Stube zurück. An bem „hohen Steine", nördlich von dem Schlosse Rordeck, treibt ber Teufel sein Unwesen! und verfolgt unter mancherlei schreckhaften Gestalten den einsamen Wanderer. Die grausenerregenden Felsmassen sind beim Herabstürzen hier und da hängen geblieben und würden bet ber: geringsten Erschütterung einstürzen. An der Stelle des einige hundert Schritte hinter dem Schlosse Rordeck am Walde gelegenen Hilbersdorfer Teiches soll vor alter Zeit das Dorf. H i l b e r s horf gestanden haben. Durch ein Erdbeben versank dasselbe mit großen Felsmassen, so daß hier mehrere Quellen zum Vorschein kamen, aus beiten ber Hilbersborser Teich entstanden ist. Manche Flurbezeichnungen mit „Teufel" beuten aut grausige Erzählungen hi», die im Laufe der Zeit verloren Qcgangen sind, so die Teufelshohl bei G r o ß s e e l h e .i m , der Tettfelskops bet Rüdigheim, der Teufelsgraben bet Rauschenberg und ein gleicher bei Betziesdorf. Wodan, in den Teufel verwandelt, hält Gelage mit den Hexen ab, welcye durch bie Lustg reiten und das Wetter machen; die Hexen waren ursprünglich Waldgöttinnen. Gleich dem Junker Hans in Neustadt hatte auch Anna Schnabel aus Betziesdorf, die der Hexetikunste beschuldigt wurde und sich deren selbst beschuldigte und dazu Giftmischerei getrieben hatte, dem Teufel ihre Seele verschrieben.. Erst 18 Jahre alt, war sie zum Feuertode verurtci t woroen; doch wurde das Urteil dahin gemildert, daß sie durch das Schwerk hingerichtet werden sollte. Und die bamaltge Regentin, bte Land- gräfin Hedwig Sophie von Hessen (1663—1677), begnadigte sw mit dem Begräbnis lauf dem Weidenhäuser Totenhofe zu Marburg) Am 8. Mai 1674 wurde sie unter Absingen des Liedes: O Welt, ich muß dich lassen" vom Schlosse herab durch bte Stabt zur Richtstätte geführt. Nach dem Volksglauben soll an der Stelle, wo ein Unschuldiger hingerichtet wurde, leine Pslanze gedeihen. Ans dem Richtberge in der Nähe von Neustadt wurde einmal jemand hingerichtet, der bis zu seinem Tode seine Unschuld beteuerte und hinzufügte, er sei so gewiß unschuldig, als fortan kein Baum mehr auf diesem Berge wachsen wurde was sich daun au.ch erfüllt haben soll. Jui Jahre lc>98 wütete tn Reust adt eine verheerende Viehseuche, wovon der Schultheiß zu Neustadt am 12. Dezember 1605 an den Schultheißen zu Marburg berichtete. Die Bürgerschaft suchte hier und dort Rat, jedoch ohne Erfolg. Da trat Johannes Kohler ans Ntedcrurs ans mit der Behauptung, er könne dem großen Viehsterben Halt gebieten. Man solle, so sprach er, ein neues, noch nicht gebrauchtes Wagenrad mit einer gleichfalls unbenutzten Achse nehmen und das Rad so lange herumtreiben, bis es Feuer gebe, und durch dieses „Notfeuer" zwischen den Pforten alles Rindvieh treiben. Der Urheber der Radikalkur wurde, aber 160t> zu Marburg wegen Hexerei verbrannt. Von zwei guten alten Freunden ans Lange n stein erstach ber eine den nnberert — 428 an der Stelle lauf dem Wege nach Emsdorf, wo sie acht Tags Kivvr an den Zinken der Gabel des einen Lichtglanz gesehen! und sich derhalben geänstigt hatten. Der Schäfer Hans Kließen aus Ranisch-HolzHausen wurde 1667 beschuldigt, mit einer Person aus Rosdorf Ehebruch getrieben zu haben. Er leugnete dies jedoch und verschwor sich: wenn das wahr sei, solle ihn bei seinem Pferche ein Gewitter erschlagen. Morgens um 9 Uhr ging er bei vollständig heiterem Wetter zur Herde, als plötzlich eine kleine schwarze Wolke am Himmel sich zeigte. Ein einziger Blitzschlag tötete den Schäfer. So findet Spott und Lästerung ihre Sühne. Unberufene Redner und ungeschickte Schwätzer hat es zu allen Zeiten gegeben. Bei dem Begräbnis eines Ritters vom deutschen Orden, mit Namen Bernhard Schwarz zu Mar- burg, trat ein hochmütiger Mensch auf und sprach: „Was soll ich sagen? Hochwürdige, Edelgeborene, Gestrenge und Mannfeste, auch Wohlehrwürdige, Hochgelehrte und so weiter, was soll ich sagen? Was soll ich sagen?" — Der gelehrte, schlichte und gerade Oberforstmeister Jost Burchard Rau von Holzhausen, Erb- wassergraf in der Wetterau, aber rief schnell dem reingefallenen! Redner zu: „Sage, die Welt ist voll Narren, und ich bin deü erste." Ob er wohl wie jener Student in Cölbe durch di« vielen Gesichter sich irre machen ließ? Derselbe, Doktor der Philosophie geworden, wollte den Schimpf von feiten eines seiner Studien^ genossen, daß er nicht predigen könne, denn doch nicht auf sich sitzen lassen. Nachdem er die Erlaubnis des Pfarrers zu Cölbs eingeholt, wanderte er am nächsten Sonntag früh munter von Marburg dorthin, bestieg die Kanzel, war zwar nicht mehr so frischen Mutes, als er die vielen Blicke auf sich gerichtet sah, faßte sich jedoch und teilte seine Predigt in drei Abschnitte. Noch hatte er den ersten Teil nicht beendigt, als er wieder di« vielen Gesichter beobachtete, und, vollständig irre geworden, seins Predigt schloß mit den Worten: „Geliebte Freunde in dem Herrn, ich bitte euch, daß Ihr euch für jetzt an diesem ersten Teil« wollet begnügen lassen; wenn ich 'wieder komme, will ich auch den zweiten und dritten Teil halten," stieg von der Kanzel herab und pilgerte wieder seiner Bude zu. Wann unser Magister sein Versprechen eingelöst, ist leider in den Marburger GeschichtsblätteM nicht verzeichnet; auch die Lokalgeschichte von Cölbe soll darüber! keine zuverlässigen Angaben bieten. VeLmischLe». "Trinkgeld und Ruh m. „Die Leute, die die großen Trinkgelder geben, sind gewöhnlich betrunken", soll einer der größten Hotelbesitzer New-Porks gesagt haben, als vor einem New-Porter Tribunal behauptet wurde, eilt erstklassiger Kellner nehme wöchentlich nicht unter 400 Mark an Trinkgeldern ein, — und ein anderer Hotelier ergänzte diese pessimistische Behauptung durch die Erklärung, wenn es einen solchen Posten gebe, werde er sich schleunigst darum bewerben- Wesentlich milder als das Urteil dieser Herren siel die von der „Allgemeinen Hotel-Rundschau" mitgeteilte Antwort eines alten „höheren" Hotelkellners aus, die er aus eine von der Mailänder „Giovine Italia“ veranstaltete Umfrage über die Trinkgelder berühmter Leute gab. Sie ist eine ziemlich deutliche Illustration des Wortes „die Tat ist alles, nichts der Ruhm". Wie der alte gediente Ganymed versicherte, war von den Staatsinännern Franeeseo Crispi am splendidesten, vorausgesetzt, daß er selbst gab. Gingen die Trinkgelder diirch Crispis Majordomus oder Sekretär, so blieb das meiste unterwegs hängen, aber auch so waren die Trinkgelder noch immer dreimal höher als bei anderen Sterblichen und speziell bei Diplomaten, die im allgemeinen sehr knauserig seien. Von den Fürsten der römischen Kirche lernte unser Oberkellner in einem großen Florentiner Hotel den Kardinal Rampolla und den gegenwärtigen Kardinal Staatssekretär Mercy de Val unter dem Gesichtswinkel des Trinkgeldes kennen. „Beide sind nichts wert", schreibt er lakonisch. In demselben Gasthof stieg auch Maestro Mascagni ab, von dem es in den Auszeichnungen heißt: »soso, lala". Maestro Puccini dagegen, liest man, „zahlt anständig". Der sozialistische Abgeordnete und Herausgeber des Witzblattes „Asino", Podrecea ist „ausgezeichnet". Mit geringem Enthusiasmus greifen ins Portemonnaie Gabriele d'Annunzio imd Enrico Ferri, der gerade gegenwärtig so viel diskutierte sozialistische Führer, der große Schauspieler Erntete Rovelli und die schöne Sängerin Lina Cavalieri. „Gut" ist dafür die Tina da Lorenza und „außerordentlich gut" die Bellincioni. Ent wahres Unikum ist die berühmte Düse. Sie nahni der schönen Aussicht wegen im obersten Stock eines röntischen Hotels Wohnung und ließ sich zehnmal am Tage allerlei Näschereien, Getränke usw. aufs Zimmer bringen, wobei der arme Teusel von Kellner die 5 ober 6 Treppen stets zu Fuß machen mußte. Und was gab die größte Tragödin Italiens und der Welt schließlich als Trinkgeld"? . . . Alles in allem drei Sire! Von anderen Berühmtheiten heißt es: Krupp „gut", Nockeseller „gut", Morgan „gut", die Rothschilds „überaus geizig" (avaracei). Dann die bekannten italienischen Patrizier und Millionäre Odescalchi, Rospigliosi, Colonna, Spinola, Raggio Pignatelli, Torrigiani - . . „alle soso, lala". Zola war unglaublich nobel, auch Gorki und Marconi sind sehr gut, Bourget und der alte Senatspräsident Blaserna gehen noch an. Am freudigsten gedenkt der alte Ganymed jedoch der königlichen Prinzen, des Grasen von Turin, des Abruzzenherzogs und der Herzöge von Genua tut Aosta, die er sämtlich im dereinstigen „Hotel de Route" bedient und die alle ganz „vorzüglich" waren . . . Das kam wohl auch daher, daß die Herrschaften dort immer zu zweien und int — Chambre separse zu speisen pflegten. * Reisefreuden von Anno dazumal. Wir ver- wöhnten, unzufriedenen Kinder des Verkehrszeitalters müssen von Zeit zu Zeit noch daran erinnert werden, welche Summen von Beschwerlichkeit und Zeitverlust noch unseren Urgroßeltern ein«! große Reise — zumal im Winter — verursachte. Anschauliches zu diesem Gegenstand enthält August von Kotzebues heute ziemlich verschollen?. Schrift „Meine Flucht nach Paris im Winter 1790", Achtzehn volle Tage war der Dichter von Weimar nach Paris unterwegs. Wie es damals in solch einer „Diligence" unterwegs zuging, läßt sich aus folgender Schilderung entnehmen: „. . . Ein Schnupftuch aus der Tasche nehmen, ist eine Arbeit, die ohns großen Schweißverlust nicht vollbracht wird, und einem Beutelschneider sollte es schwer werden, in einer Diligence fein Handwerk ju treiben. . . Das Einatmen von so viel fremden Ausdünstungen ist eine Qual. Zwar sind sechs Fenster im Wagen, da man aber bei schlechtem Wetter nur eins oder ein paar auf- macht, so ist das nicht immer hinlänglich. Sehr ängstlich ist es auch, daß man keine Tür von innen öffnen kann, man sitzt im einem Gefängnis, in einem Käfig, aus welchem nur der Kondukteur befreit. Da fährt er so einen Wagen voll Menschen von einer Stadt zur anderen wie die Bauern einen Hühnerkorb voll Hühner, und oft haben wir, wenn wir auch schon an Ort unjdj Stelle waren, eine halbe Viertelstunde lang warten müssen, ehe es ihm gefallen hat, unser Loch zu öffnen. Diese Art Gefcmgew- schäft hat mir manche Herzensbeklemmungen verursacht, denn ich kann nichts weniger leiden, als eingesperrt zu sein. Will man einmal . . ., so ist das eine schreckliche Weitläufigkeit, ehe der Kondukteur gerufen wird; ehe er die hilferufende Stimme vernimmt; ehe er dem Postillon den Befehl, still zu halten, erteilt; ehe er von seinem hohen Sitze herabsteigt, die Tür zu ösfncm? ehe die sämtlichen Gepreßten sich auf -einige Augenblicke noch härter zusammenpressen, um den einen Notleidenden hinauszulassen, wobei sie natürlich oft schiefe Gesichter ziehen; eh« die Bank aufgehoben wird, die den Eingang verbollwerkt; ehe der Tritt heruntergelassen wird, auf dem man zur Erde herab- steigt. . . Nein, lieber wagt man alles, bevor man sich entschließt, einen so gewaltigen.Aufruhr zu erregen." — Wohl dir, daß du ein Enkel bist! * U'nntttzer Aufenthalt. Gast: „Wie viel Bier hab' ich jetzt, Mirzel?" — Kellnerin: „Drei Maß." — Gast: „Wie, erst drei Maß, jetzt um neun Uhr?" (Entrüstet zu dem neben ihm sitzenden, sehr gesprächigen Fremden): „Sie, jetzt lassen S' mich aber mit Ihrem Geschwätz in Ruh', verstehen Sie! SchachMfgade. abcdefgb ab cdefgh 8 8 6 6 5 5 3 3 2 2 Weiß. Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer: Auflösung des Kpeuzvätsels in voriger Nummerst A 8 W 1 t e . u e i Alumi niuta Steif gaze Weing eist i a i n z s m e t Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.