MO — Nr. 90 b b-iiBiiura MS Das schlafende Heer. Roma« von Clara Biebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Der Mutter Blick suchte beit Himmel: ach, der sah so verschlossen, so eisern aus tote ein blankes Schild, an dem selbst die Gebete, gestammelt von der Unschuldigen Mund, abprallen! Mit leicht zitternder Hand fuhr sie über einen lieben Kopf nach dem andern. < Schlaftrunken, übermüdet rekelten sich die Kinder. Ihre blonden Häuplchen hingen matt und nickten willenlos bin und ber .tote schwere Nehren int Wind. Beim nächsten heftigen Rädergerumpel rutschten alle vier vom 'unbequemen Sch; da lagen sie zusammen auf einem Häufchen am Boden der Britschka. >. Die armen Kinder! Frau Kettchen suchte sie zu er» Muuterit, aber dann gab sie's auf: es toar das beste, sie schliefen; zu sehen gab's doch immer nur dieselbe gleiche, eintönige Weite! Ein Gefühl unendlicher Vereinsamung durchschauerte sie plötzlich, fast überlaut stieß sie heraus: „Peter, Peter!" . „Wat bann, Kettchen?" Er drehte sich rasch nach ihr um', ihre Stimme hatte so verängstigt geklungen. „Js dir wat, Kettchen?" „Och nix!" Sie schämte sich. Sie hätte es ihm ja auch gar nicht beschreiben können, wie ihr zumute toar, nun sie immer weiter und weiter fortkamen von der Station, wo doch wenigsteits die Lokomotive schnaufte und dampfte, die sie der Heimat entführt, die sie aber auch wieder dorthiu dringen konnte, dorthin, wo der Rhein fließt. War ihr nicht jetzt so, als läge die Welt und alles, was Mt und schön und glücklich toar, hundert Millionen Meilen weit hinter ihr? Sie schwebte in einem ungeheuren Rgum, in dem ih,r tastender Fuß keinen Boden, ihre suchende Seele keinen Halt fand. „Peter, sind wir dann noch nit bald da?!" „Nur noch en klein Stund!" tröstete er. „Dat erste Dorf kömmt jetzt gleich. Siehste, da is als Mais!" Er wies ihr die hohen, tiefgrünen Maisstauden, deren Fruchtkolben noch von weißlichen, löffelförmigen Blättern verhüllt waren, mit deren seidenfädigen Schweifen, die im Sonnenlicht tote silbernes Haar glänzten, aber das heiße Sommerlüftchen winkend wehte. „Da dervon bauen wir uns auch wat au für die Hühner," sagte er, „da legen sie gut nach. itn für die Schwein is dat überhaupt ’ne Leckerbissen. Du sollst entat sehen, wat du für Eier nach der Stadt verkaufen kannst!" „Och" — eilt wehmütiges Lächeln spielte um ihren Mnnd — „dat is doch nit wie bei uns zu Haus! Wie soll ich dann hier nach der Stadt kommen?! Die is ja viel Au weit!" Wer gleich darauf machten sie doch miteinander Pläne: wenn sie erst Pferd und Wagen hatten, dann ging das doch! Oder noch besser, wenn erst die Eisenbahn fuhr — in einem oder spätestens zwei Jahren hatte mau die ja, schon war die Strecke abgesteckt, Peter hatte es selber gesehen — dann konnte der Valentin leicht, immer regelmäßig zweimal die Woche, nach der Stadt fahren. Wo steckte übrigens der Junge? Bis vor kurzem noch toajt der Leiterwagen immer in Sicht gewesen, nun war er auf einmal ganz zurückgeblieben. Besorgt schaute der Vater aus. Aber so sehr et auch spähte, nichts toar zu sehen als das Wogen goldenen Korns und das Sonnengeflimmer zwischen Erde und Himmel. Dem Jungen würde doch fein Malheur passiert sein?! Er war an solche Wege nicht gewöhnt und auch nicht au diese Rackers von Pferden. Bräuer machte sich Vorwürfe: hätte er doch lieber iit der Stadt einen Kutscher auch für'den Leiterwagen gedungen, anstatt auf den Valentin zu hören, der gemeint hatte, fahren könne er noch leicht so gut wie hier einer.. Nun war bei der verdammten Rumpelei gewiß eine Speiche gebrochen, oder der Wagen toar in einem Loch stecken geblieben, lag vielleicht gar zur Seite in einem tiefen Graben?! 's toar hier keine so glatte Chaussee wie daheim längs des Rheins, auf der die Gäule nur immer so von selber dahin trabten, als machte es auch ihnen ein heilloses Pläsier. Das konnte eine schöne Bescherung geben! Nun, vorderhand mußte matt erst noch mal geduldig ein wenig warten! Auf beit Ruf, den der Vater zurückschickte, kam keine Antwort. Die Britschka hielt an. Die Sonne prallte. „Fahr ein bißken int Schatten," bat die Frau. Schatten, wo war der?! Kein Baum, kein Gebüsch', nichts Ragendes in der ganzen Runde., Doch, halt, dort in der Biegung des Seitenwegs, was. toar das?! „Peter, och, kuck da!" Fast jubelnd' streckte die Frau beide Hände ^us. Da stand eine Boza meta, ein Heiligenhäuschen, frisch getüncht, mitten int goldenen Korn; die Nehren streichelten seine rissigen Mauern. Wie ein Backofen sah sich's an iit seiner rund gewölbten Buckelform; aber, wo man sonst die Brote einschiebt, standen hier drei Steinpüppchen in der Nische, nicht mehr erkenntlich,. Steinklümpchen gleich, die tausend Jahre int Acker gelegen. Ein Pflüger hatte sie wohl aufgepflügt, und jetzt standen sie am Sonnenlicht in der Nische, und des gläubigen Volkes Hände hätten die Heiligen mit Flittern und Papierrosen, mit welkenden Sträußchen von Mohn und Kornblumen geehrt. ,)Och, Peter, kuck, kuck!" Die Frau strebte vom Wagen, der Mann mußte ihr heruuter helfen. Es zog sie all« mächtig zu jener Msche — ach, wenigstens etwas Ivar hier so wie daheim! 'Auf die Kniee sinkend, sich bekreuzend und fromm die Hände heheud zum Himmel, der ihr nun, auf einmal doch (Fortsetzung folgt.} „Endlich, Jung! Ich kriegt et als mit der Angst!" Peter Bräuer stieß einen erleichterten 'Seufzer aus: .Gott fei Dank, da war kein Malheur passiert! Die kleinen Schwestern in der Britschka erhoben ein Helles Jubelaeschrei, als sie den großen Bruder fahlen., ■ „No, wat dann?" Der hübsche Bursche, dem eine noch unvertragene Soldatenmütze verwegen auf dem Krauskopf saß, zeigte lachend seine gesunden Zähne. „Habt ihr als gedacht, ich wär verloren aeaanaen? Ne schule und Leben. Von Ludwig Ganghofer,*)’ I m T ®n^e September nach Augsburg übersiedelte, um als Volontär m die Riedingersche Maschinenfabrik einzutreten, wurde! mir der Ablchied von dem lieben, wieder friedlich gewordenen Wel- ben und das Scheiden von dem schönen, grünen Tale meinen Kindheit fast em,leichtes. Jetzt begann doch, wie ich glaubte, mem fester und gesunder Dauerlauf zum reinen Glück meiner Liebe und memes Lebens! Ich band die blaue Leinenschürze des Maschinenschlossers um meine Husten und hängte das weißrotweiße Absolviaband und die rote Kappe an den Nagel. , Und nun wollen wir uns doch ein bißchen betrachten was ich m achstahriger Studienzeit fürs Leben gewonnen hatte? Im Deutschen kannte ich die „Form der Chrie" und verstand mich M „^Disposition" eines Aufsatzes, schrieb einen gespreizten Stil, machte nur no>st hie und da einen Schreibfehler und konnte Verse drechseln, die zur Not vor meinem eigenen Urteil bestanden^ Zm Französischen hatt' ich schon eine comödie von Mokiere, int Englischen schon ein Kapitel aus dem Paradise lost gelesen, Hütts mir aber in England oder Frankreich kein Mittagessen bestellen! und keme Zahnbürste kaufen können. Das bißchen Griechisch anS: der Lateinschule war fast völlig wieder verschwitzt — und wie viele grauen hatte mich das in Neuburg gekostet! Im Lateinischen! könnt' ich eine Abhandlung für die Kneipzeitnng verfassen, ver» verstand oder Mißverstand die Schulklassiker, brauchte aber schon een Lexikon für Catull und Properz, die ich außerhalb der Klasse las. In der Geographie wußte ich ungefähr, wo Wassertrüdingen und Buxtehude liegen, wieviel Einwohner Lissabon nach dem 'großen Erdbeben noch hatte, und welchen Weg die dreieckigen, Marken vom Kap der guten Hoffnung machen müssen, bis' sie ua-h Bayern kommen. In der Geschichte hatte ich mit Sicherheit die Jahreszahl 800, Krönung Karls des Großen, im Kopf behalten: ^?,man sonst ist der Schule unter Geschichte verstand, das mußte ich mir un Leben wieder abgewöhnen, um Geschichte ver-i stehen zu lernen. Von Zoologie und Botanik will ich gar nicht reden: das ging dem Vogel nicht unter die Federn, dem Säuger c^^^er die Haut, der Blume nicht in den Kelch In- Physik, Chemie und Mathematik bekamen wir nach den nötigen, Anfangsgrunden noch ein bißchen Hochschulpfeffcr in die Nase! geblasen, so daß wir später auf dem Polytechnikum glaubtdns, wir wußten schon was und könnten uns die Sache leicht machen — um nach einem halben Jahr mit Verblüfstiug zu bemerken, daß wir den Anschluß versäumt hatten. Nun ja, ßvas ich da sage, ist ein wenig übertrieben und karikiert Aber iin Kern fit's erschreckende Wahrheit. Acht Jahre lateinifchesi Gvinna mm! Acht Jahre der wertvollsten, empfänglichen Jugend-, reit! Und fürs Leben hatten wir nichts gelernt! Nichts, nichts« ... *) Wir M'tnehmen diese Schilderung aus dem -.Lebenslauf eines Optimisten.", der in den Süddeutschen Monatsheften erscheint. tticht, verschlossen schien, Murmelte sie jenes Gebet, das sie daheim viel hundertmal gebetet: ., "^grüßet seist du, Maria, voll der Gnaden," . . . Und dM^ Ktnder, aufgeweckt von vertrauten Klängen, falteten Mch ihre Händchen und stammelten mit. - Vom polnischen Dorf, vergraben hinter Kornwellen, kam zetzt dünnes Mittagsgeläut. Der Kutscher zog den runden Hut und bekreuzigte sich, sich so tief dabei verneigend, als strebe er mit der Stirn zur Erde. Peter Bräuer stand dabei und guckte ein wenig verdutzt von seiner Frau zum Kutscher und von diesem wieder hin zu jener: sieh mal einer an, der Polack betete ja auch! Und plötzlich zog es auch ihn hin zu der kleinen Nische H- eine Hand hätte ihn berührt, die reichte vom fernen! West bis zum fernen Ost. Rasch neben seine Frau tretend, beugte er das Haupt. Peitschengeknall und ein heller Pfiff schreckte die gläubig Versunkenen auf.' Mit Gerassel und Gepolter kam der Leiterwagen angefahren, Valentin stand aufrecht darin und hieb lustig auf die schnaubenden Gäule. „He, Vater!" Valentin lachte wieder. „Dat hält ich auch leicht gekonnt. Ich denk an nix, auf einmal Machen die Pferds 'Ne Satz, dat se mir die Zügel-aus der Hand reißen. Rechts Kus dem Korn springen der Mädcher Stücker -zehn, zwölf — tote 'n Volk Rebhühner — husch — über die Straß in 't Mbenfeld links. Ich glaub, se hatten ihr Mittagsschläfchen gehalten im hohen Korn. Ich schimpf' sie lachen. Mutter, hu glaubst et gar nit, wie die eso frech waren! In eins fort gelacht, und sowie ich wat gesagt hab!' haben se noch hiel mehr gelacht!" Jetzt schmunzelte der junge Mensch bebaglich in sich hinein.. „Un dann haben se mir Kußhändches geschmissen un allerlei gerufen, wat ich nit verstehen könnt. „Demibuschi" un so wat! Weißte, Vater, polnisch! müßt mer Msr eigentlich können!" „Unsinn, no, auch noch!" Bräuer konnte sich ordentlich ärgern. „Laß se doch deutsch sprechen! Un nu voran!" Staubwolken wirbelten, Hunde kläfften; Kinder, die, MV Mit einem Hemdchen bekleidet, halbnackt zwischen den Schweinen auf der Straße herumwuselten, schrieen gellend Wntex den Wagen drein, die das Dors 'passierten. Frau Kettchen machte große Augen: gepflastert tote Mer nicht! O weh, wenns hier regnete, tunkte man ja ein bis über die Knöchel! Unwilltürltch faßte sie nach Men sauberen Röcken. ' ’ Jur großen Pfuhl, den die durstige SomMersonne halb Msgetrocknet hatte, .wuschen Weiber ihre Wäsche zwischen dem grünschleimigen Enteugries. Ueberm blanken Hemd Mr einen kurzen Kattunrock, aber alle das anliegende Mützchen fest um dis Ohren gebunden, schauten sie wenig freundlich den rasselnden Gefährten nach: aha, wieder neue' Vräuers Kinder quälten die Eltern mit Fragen: war das ein Dorf? Doch nicht das Dorf, wo fie hinsollten?' Kam das denn noch immer, noch immer nicht? Wer als die letzte der aus grauem Lehm zufammen- gepatzteu niedrigen Hütten mit ihrem, dem Staub der Straße Wnelnden, graubraunen Strohdach verschwunden war, schloß chnen die gleißende Monotonie der Felder bald wieder den Münd. , Fpau Kettchens Gemüt, das sich noch eben im! Gebet Msgerichtet hatte, wurde wieder niedergedrückt — also das war ein Dorf?! Die Hände im Schoß verschlingens starrte fie trübe vor sich hin. | Die Stimme ihres Mannes schreckte sie auf. Peter Bräuör rief seinen Sohn an. Ein Zug nahte ans östlicher Richtung, Buntgescheckt, wie Ms allerlei Flicken zusammen- gelappt, schob er sich heran durchs sonnige Gelb. 'Kssttchen und sah ihren großen Stiefsohn freundlich an. „Ich glaub, der Vater hatt als Angst, du hätt'st Malör gekriegt!" ftft Kettchen rückte den Hals: wer wären die Männer Hemd, Sensen auf den Schultern? Woher kamen ^.^Echer, müde dahiuzockelnd, wie Lasttiere beladen mit «»^k-^ack? Waren das etwa Zigeuner? Aengstlich sah lje ,auf, ihre Blondkopfe — Zigeuner sollen doch. Kinder fteyien. — und dann nach ihrem Leiterwagen, der das! erste unentbehrlichste Gerät enthielt. „Wanderarbeiter," sagte Peter Bräuer und beschattete die, Augen mit der Hand- um besser ausschaüen zu können.! „Die kommen 'ruber vou Russisch-Polen. Gott bewahr uus, smd dann noch nit genug Polacken hier?! So'n Gesindel! Aber, ich hab't gehört, selbst der deutsche Herr in Przh-i borowo soll ihrer welche zum Schnitt gedungen haben!"' „Och, die Weiber, wat die sich abschleppen!" Fran Keuchens Stimme Yang mitleidig, und als sie ein paar! Halbwüchsige sah, die ins Korn liefen, Aehren abrupften und gierig die Körner daraus aßen, fing sie an, im Körbi-i chen, das ihr zu Füßen stand, zu kramen. „Jeses, die sind hungrig, mer könnt ihnen hoch wat zu essen geben! Unfi Kinder find ja als satt!" " Wer ihr Mann verwies es ihr: „Laß dich mit denen । ®xe arbeiten im Akkord, die verdienen genügt, IM Winter tun se alles verjuxen!" Dojch sie konnte den Blick nicht wenden. Näher und näher kam der Trupp, langsamen, aber ourch.seme Stetigkeit unaufhaltsam fördernden Schrittest! Ml die stumpfen Gesichter mit den breiten Backenknochen glanzten Braunrot vom Sonnenbrand. z.jt „•>------- w- ■ Am hölzernen Weiser, der dort, wo der breite Fabr-, Kw 8ea”nacn? * - »* - fo «*« sich in noch drei Wl«re xaict) nii. _ seine Kreuzesarme reckt, stießen die Wanderer und die Waaen . „Ne, aber man is doch hier fremd," entschuldigte Frau I zusammen, a n tot ü l S d 1 g b !t W L’C 1 5 $ W lid int Eh im M dec an Ge W ge fei di m kra Ko beg fiet hei Dii fmt den inn Fal Mc ent, such Die der ihre beit stock Näl weil weg Iah is Ui Iv U ir nt hc 359 — nichts! Als nur das SBentg'e, MI fort außerhalb 5er Schule auf- schnappen konnten, wenn man Augen und Ohren offen hielt und ein bißchen neugierig war. Im Tempel des Wissens hat man uns kein Wort vom Handwerk gesagt, kein Wort von Handel unti Industrie, von Erwerb und Besitz, fein Wort von benl primitivsten Begriffen des politischen und sozialen Lebens, kein Wort von den wichtigsten und notwendigsten Dingen des menschlichen Daseins! Hätte mich nicht meine glückliche Kindheit im Dorfe durch die .Stuben der Handwerker geführt, ich hätte als Absolvent des Gymnasiums nicht gewußt, wie ein Türschloß oder ein Tisch entsteht, wie ein Stiefel genäht oder eine Hose geschnitten wird. Man kann mir entgegenhalten: die Erlangung solcher Weisheit wäre nicht der Zweck des Gymnasiums. Aber der Zweck des Menschen ist es, so gut wie möglich mit feinem Leben fertig zu werden. Dabei unterstützt ihn diese lateinische Schule nicht, im Gegenteil, sie behindert ihn und drängt sein Leben rückwärts, statt tzs voranzubringen. Sagt mir nur: wie hätte solch ein achtzehst- vder zwanzigjähriger Absolvent des Gymnasiums, plötzlich vor die Not des Lebens gestellt, nach achtjährigem Studmur einen anständigen Groschen verdienen können außer dadurch, daß er wieder . Unterricht in zwecklosen und halben 'Singen gab! Oder er hätte sein Absolutorialzeugnis in die Ecke schmeißen müssen', um Schreiber, Taglöhner oder Schneeschaufler zu werden, Ihr sagt mirt das ist vielleicht vor vierzig Jahren so g'e- Wesen? Aber ist es denn heutzutage nm den Schulgewinn wesentlich besser bestellt? Heute, Wo unsere Jungen neun Jahre ins Gymnasium rennen und zwischen A-b-e und Doktorexamen achtzehn Jahre auf der Schulbank verwehen? Manches, nein, sogar vieles Hat sich da schon zu wesentlichem Vorteil gewandelt. Aber das Widersinnige Prinzip ist noch immer das gleiche, und' noch immer sind die Erziehnngszöpfe festgenagelt am Haken einer altmodischen, greis und grau gewordenen Scholastik, die für die Lebeusfreiheit das nämliche ist, wie der Aberglaube für die Religion. Nutzlose .Zeitvergeudung bis zu einem Drittel der besten Lebensdauer, zwecklose Ueberbürdimg bis zum Niederbruch aller schwächlichen Körper, geistiges Ermüden bei den Begabten, und beim Durchschnitt die Gleichgültigkeit und der Stumpfsinn! Auch heute noch ist das so, daß ein junger Mensch, der vom Gymnasium kommt, mit seinem zwanzigjährigen Leben nichts Ersprießliches anzstsangest Weitz, erst rasten, Luft schöpfen und sich schüchtern nach allen Seiten Umsehen mutz, bevor er das Leben von vorne beginnen kann — in einem Alter, in dem er ein naturgemäßes Recht hätte, schon mitten drin zu stehen in allem tätigen Trieb Und fröhlichen Drang des Lebens, Daß es so ist, das liegt nicht an den Lehrern, NUr am schwer Kn überwindenden Trägheitsmoment einer veralteten Methode, bie belastet ist mit bem Drucke vergangener Jahrhunderte, Unter dieser erblichen Belastung ist die Schule, statt 'ein Weg zum Leben zu sein, eine Würgerin der besten Jugendckräffe geworden, ein Hemmnis für den Beginn des Lebens. Viele erkennen das. Auch 'die Lehrer selbst. Und' Hunderte von Stimmen diskutieren bereits die Frage, wie bie Schule gestaltet werdest müßte, damit ein freigewordener Schüler froh, sicher und aufrecht fstnausschreiten könnte ins Leben, um mit niigeschädigter und ge- unber Kraft zu früher Tätigkeit' und zu dem zu kommen. Was Wir Menschen als Glück zu bezeichnen pflegen. Freilich, die Schule für sich allein, auch stach vernünftigen Wandlung, kann das nicht geben. Dazu wird auch ein gründlicher Wandel in mancherlei Dingest nötig fein, die wir heute Unter die Begriffe Staat, Gesellschaft, Sitte, Moral, Kultur und Ehre rubrizieren. Dieser Wandel wird kommen, weil er kommen mutz. Das hängt nicht von Hoffnungen und Widerständen einzelner Menschen und Klassen ab. Das ist eine EntWicklungsnotwendigfeU des Lebens, die — weil viele Menschen sie empfinden — bereits Km der Arbeit ist, sich durchzufetzen. Die Beobachtungen' und Gedanken der Menschen fliegen dem Leben nicht voraus, sondern schreiten hinter dem vorwärts drängenden Leben her. Tas Leben ist eine wachsende Sache für sich selbst und gleicht einem jungen, kraftvollen Baum, der gerade dann mit erneutest und intensiv est Kräften für die Blüte eines kommenden Frühlings zu arbeiten beginnt, wenn die Blätter eines altgewordenen Sommers LU sterben scheinen. — — Der eigenartige, 'glücklich zu nennende Gang meiner Kindheit und Jugend hatte mir an ernsten, frohen und' nützlichen Dingen des Lebens mehr gezeigt als bett Weiften meiner Gymnafial- kameraben. Ich war reifer als mancher andere meines Alters. Und dennoch stand auch ich nun durch viele Wochen wie ein Hilfloser inmitten des rauschenden jArbeitsgetriebes, das mich ist der großen Fabrik umgab. Auch ein Einsamer war ich, zwischen tausend Menschen. Alle standen mir ferne, feiner kam mir einen Schritt »entgegen, obwohl ich zutraulich war und herzlich zu fein versuchte — ich liebte ja doch von jeher alles. Was Handwerker hieß. Die Werkmeister waren höflich gegen mich. Weil sie Wußten, daß der alte Fabriksherr mit meinem Vater befreundet war. Doch aus ihrer Höflichkeit fühlte ich das Mißtrauen heraus. Und den Arbeitern des Schlofsersaales, in dem ich meisten Platz unb. Schraubstock bekommen hatte, war ich unbequem; sie glaubten, in meiner Mhs nicht mehr ungeniert miteinander reden zu können; mit meinen hundert Fragest nahstr ich den Akkordmonteuren die Zeit Weg, mein Mangel ast nützlichem Können bei meinen achtzehn Kahren machte mich vor ihnen despektierlich, und ich war für g: der lateinische Tagdieb' Und der. .Brillenaffe, Mer den sie schlecht itze rissen. Da hätt ich manchmal heulen Mögen vor Wuk. Und Wenn ich früh um 5 Uhr aus dem Bett herausfprang, Wars immer meist erster Gedanke: „Herrgott, wie viele werden mich heut wiedÄ auslachen!" Doch ehe der Aerger und das Zähnebeitzen in der Fabrik begann, brachte mir der erwachende Tag immer ein gemütliches Viertel stündchen. Ich Hatto fünf Treppest hoch bei einem Bäckermeister aM Schmiedberg ein Dachzimmerchen gemietet. Den Morgenkaffee bekam ich unten im Kellergeschoß, in der Backstube. Da WarI huschelig Wurm, die frischgebackenen Wecken dufteten prachtvoll, und die jungen Bäckergesellen waren vergnügte Burschen, denen.' ich auch die Teigpatzen nicht übel nahm, die sie mir bei lustigest Gefechten ins Haar oder in die Ohren schmisfen. Manchmal versäumte ich da aM grauen Morgen so viel lachende Zeit, daßsichunter. Schweiß und Atemschnäppen rennen mußte, um noch vor beut Glockenläuten die Fabrik zu erreichen. Zwischen einem Stroms von Arbeitern, von denen die einen mißmutig und die anderen! heiter dreingnckien, drängte ich mich zum Fabriktor hinein unds nahm Beim Portier meine Präsenzmarke in Empfang. .. An der Gießerei vorbei, und an den Schmiedstätten und Drehersälen vorüber, gings zum Monteurhaus und über eine schwarz gewordene Treppe in den Schlossersaal hinauf. Dieser Saal war eigentlich nur eine große viereckige Galerie, in der Mitte durchbrochen für di« Kranenzüge und den Lauf der TransMifsionsriemen. Mit dem Glockenschlag begann ein tosender Lärm, ein Pusten und Pfeifen der Dampfmaschinen, ein Geklapper und Gebraufe der vielen, Wirr durcheinander laufenden Transmissionen.; In meinem neuen Leben war das die erste SchulausgabVS ein formloses Stück Eisen mit dem Meißel ju bearbeiten und einen mathematisch genauen Würfel herauszufeilen. Ihr glaubt gav nicht, wie schwer das ist! Alle Handfertigkeiten, die ich mir ist den Werkstätten des Holzwinkels airgeeignet hatte, kamen mir hilfreich zustatten. Aber wenn fünf Flächen meines Würfels stimmten, war immer wieder die sechste schief. Und hatt' ich sitz richtig zugefeilt, so stimmten die anderen fünf Quadrate ntmmerl dazu. Es war. Um aus der Haut zu fahren. Und in den erlösenden Brotzeiten rochen Wurst und Bierkrügl immer nach Schmieröl.; Von Tag zu Tag wurde mein Eifenwürfel immer kleiner, aber nicht richtiger. Ich bekam abscheuliche Schmerzen in den Knien- in den Schultern, ist allen Muskeln — an der linken Hand hingest mir von den fehlgegangenen Meißelschlägen immer ine blutigen Hautfetzen herunter — und während ich meißelte und feilte, mußt'- ich immer an mein Luischen denken und machte ellenlange Sehn- suchtsgedichte. Eines Tages, als ich gerade einen sehr schwierigen! Reim snchte, sagte der Werkmeister zu mir; „Wenn Sie immer zum Fenster hinansgucken, werden Sie's nicht weit Bringen!"1 Endlich, endlich, endlich war der Würfel fertig! Er war sehr klein geworden, Bis er in allen Flächen richtig stimmte. Der! faustgroße Eiseuklotz war zu einem feinblinfenbett Kristall zusammengeschwunden, den man ohne Beschwer an die Uhrkette hätte! hängen können. Und wenn ich heute nach sechsnnddreißig Fahrest die Geschichte dieses unter Schweiß und Mühsal entstandenen Eisest- Ivürfels überbenfe, kommt es mir io vor, als Wäre sie ein zutreffeii- des Gleichnis für das, was ich yn Leben unter Optimismus' verstehe.. Optimist fein, heißt nicht: alle Dinge des Lebens schön und erquicklich finden, den Schatten negieren und nur die Sonne geltest lassen, das Dunkle rosig malen und das Grelle mild verschleierst- ein Unwahres konstruieren und diese unbegreifliche, von Wider-, sprüchen durchrissene Welt als den besten aller Sterne erklärest- O nein! Wer Optimist sein will, muß sich müßen, alle Dinge des Lebens mit klaren und ruhigen Augen so zu sehen, wie,sie sind'; muß zu begreifen suchen, warum sie gerade so sein müssen und nicht anders fein können; muß verstehen lernen, daß die Dinge der Welt nicht um seinetwillen da sind, und daß fein kleiner Weg nur ein zufälliges Begegnen mit ein paar harten und saustest Ecken des Bestehenden ist; muß in sich bie Gabe erziehen: diej Schmerzen mit bem gleichen Maße werten zn können wie. die! Freude, den Verlust nicht gröber einzuschätzen als den Gewinn; muß vor allem erkennen, daß er irgendwelche Lebensrechte nicht für sich allein empfing, sondern daß ein gleiches Recht ans Leben auch jeder andere besitzt; drum muß er, gerecht gegen die änderest und nicht ungerecht gegen sich selbst, seine Daseinsforderungest umgrenzen und beschränken; und mnß alles Wogende und Wirre seines Lebens zu einem Festen und Verläßlichen, zu einem Schönest und harmonisch in sich Geschlossenen formen können, genau sowie sich aus einem formlosen und billig wertenden Eiseuklotz mit Geduld und Mühsal eine feine, funkelschöne, Kristallgestalt herausfeilen läßt — auch dann noch, wenn die Hände sich aufs Meißelst und Feilen nicht sonderlich gut verstehen. Ich hatte an meinem glatte», blinkenden Eisenwürsel so viel Freude, daß ich ihn im Feuer vergoldete und meiner Mutter zum Namenstage nach Würzburg sandte. Aber die Mutter bekam ihn nicht. Das Paketchen wurde ihr richtig zugestellt, doch der vergoldete Würfel hatte sich auf der Reise durch das mürbe Packpapier herausgebohrt. Und nun denk' ich mir gerne: daß mein Herne« goldener Würfel noch irgendwo in der Welt existiert; und daß er mich überleben Wirb; und daß er durch glücklichen Zufall in die Hände eines .Menschen kam, dem er gefiel; und daß ihn dieser Genügsame ist einen, Glasfchrank stellte, zu den Kaffeetaffen feiner 360 Großmutter! rind' zu den Meerschainnpfeisen fernes Großvaters; juitb daß ihm das kleine vergoldete Stttcklcin Eisen jedesmal eine stille Freude schenkt, so oft er es betrachtet; und daß es für ihn so etwas Aehnliches bedeutet wie ein rätselhaftes und geheimnisvolles Symbol des irdischen Lebensglückes. Meine zweite Aufgabe wars: ein Zahnrad auszufeilen. Ein Troßes gußeisernes Rad ist auf stwei Seiten glatt abgedreht, und den int Guß ungleich geratenen Zähnen ist die Norm aufgerissen; mutt müssen die Zähne so Msgemeißelt und zugefeilt werden, daß sie alle in die gleiche Schablone passen. Zwei Räder verdarb ich, sie mußten wieder umgegossen werden. Das dritte gelang mir. Zur Aufmunterung nach dieser Plage bekam ich Lehrlingslohn; drei Gulden in der Woche. Mein erstes, selbstverdientes Geld! Ich war sehr stolz an diesem silbernen Samstag. Unb diese dreizehn Gulden int Monat waren etwas für mich! Denn die fünfundzwanzig Gulden, die ich monatlich von daheim bekam, ließen sich eilt bißchen hart einteilen. Um diese gleiche Zeit kam mir noch eilt anderer Glücksfall: ich fand zu den Arbeitern des Schlossersaales ein kameradschaftliches Verhältnis. Sie zeigten einmal in .einer Brotzeit ihre jAthletenkünste und stemmten eiserne Räder und Transmissians- wellcn. Auf dem Boden lag solch eine abgedrehte Eisenwalze von Mehr als einem Zentner Gewicht. Wer sie nicht in die Höhe brachte, wurde ausgelacht. Ich würgte meine nach Schmieröl duftende Knackwurst hinunter, ging hin und fragte: „Därf ichs probiere?" Gleich brüllten sie alle vor Vergnügen. Ich schickte in die Hände. Und wenn mir die Adern am Hals zersprungeit wären! Ich mußte die Welle über den Kopf hinaufbringen! Ganz rot wurde mir vor den Augen. Aber glücklich brachte ich den eisernen Baum vor der Brust um die Kippe und stemmte ihn bis zur Armstrecke Über die Haare hinauf. Von diesem Tage an betrachteten mich die Arbeiter wie einen ihresgleichen. Und einer von ihnen begann mich zu lieben. Es war ein vierzigjähriger, dickbärtiger Mann, der die große Bohrmaschine bediente. Nun schwatzten wir, beide in den Brotzeiten immer miteinander; er erzählte gern von seinem kleinen Vorstadthäuschen, von seiner Fran und seinen vier Kindern; wenn ich am Morgen kam, lachte er mir freundlich zu; und wenn ich bei einer neuen Arbeit ratlos wurde, war er immer gleich bei bet Hand und riet und half. Seinen Namen weiß ich nimmer. Aber dankbar bin ich ihm noch heute. Ehrenurkunden und Ehrenpreise. Prof. Dr. Pazaurek, der Direktor des kgl. Landes- tzewerbemuseums in Stuttgart, der sich durch seine,Studentenkunstausstellung und insbesondere durch seine Ausstellung, der Geschmacksverirrungen einen bereits weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannten Namen gemacht hat, hat in der König Karl-Halle des Stuttgarter Landesgewerbemitseums wieder eilte kunstgewerbliche Sonderausstellung von ganz besonderem Reiz eröffnet, die in den nächsten Wochen wohl eine Hauptsehenswürdigkeit der württembergischen Hauptstadt bilden wird. Es ist erstaunlich, was man unter den bescheidenen Namen „Moderne Ehrenurkunden und Ehrenpreis e" hier alles zu sehen bekommt, noch erstaunlicher ist es, was für Quellen Professor Pazanrek zu erschließen verstanden hat, um das Beste, was in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten auf dem Gebiete der Ehrenpreise und Ehrenurknnden geleistet worden ist, in einem umfassenden Gesamtbild vorzuführen. .Es braucht nur darauf hiugeWiesen zu werden, daß es dem Veranstalter gelungen ist, ans dem B i s m a r ck m n s e u m zu Schön- jhaUsen die hervorragendsten Stücke leihweise zu erhalten. So finden wir! die Ehrenurkunde, in der die Stadt Berlin dem Fürsten Bismarck das 'Ehrenbürgerrecht verleiht und die Adolf v. Menzel gemalt, ferner ist hier zu sehen die in Eisenätzung ausgeführte Ehrenbürgerurkunde der Stadt München, die der Städte Karlsruhe, Kaufbeuren, Kempten, Nenbnrg und Nördlingen, die Huldigungsurkunde der deutschen Künstler in Rom, gemalt von Max Fleischer, und, gewissermaßen unter das Kapitel „Ehrenpreise" fallend, der Ehrenpallasch, den der Kaiser dem Fürsten Bismarck zu seinem 80. Geburtstag gewidmet hat, ein 'überaus kostbares Stück der Juwelier- und Waffenschmieöeknnst. Ein zweiter Schrank inmitten der Halle enthält die besten Stücke aus dem Whrenarchiv des Grafen Zeppelin. Hier finden wir die Ehrenbürgeritrkttnde der Stadt Stuttgart, von Pankek entworfen, sowie die der Stadt München, eine Arbeit von Otto H u p p und lin ihrer Art ein interessantes Gegenstück zu der Münchener Ehrenbürgerurkunde für Bismarck, interessant insbesondere auch deshalb, weil man hier die Stilwandlungen in den lepten Jahrzehnten so gut verfolgen kamt. Darin liegt überhaupt nicht in letzter Linie der Reiz der Ausstellung, bereit Zweck sich natürlich in künstlerischer unb kunsterzieherischer Richtung bewegt. Es ist bemerkenswert unb unverkennbar, baß bie älteren Künstler dem gegenwärtigen Geschlecht, soweit es in ber Ausstellung in Erscheinung tritt, in ber Kunst bes Figürlichen über waren. Im Ornamentalen unb in der Kunst ber geschmackvollen Schrist- gruppieriing zeigen sich bie heutigen überlegen. Einen sehr lehrreichen Ueberblick über bie verschiebensten künstlerischen Individualitäten ber Gegenwart gewährt bie sehr stattliche Sammlung von Ehrenurkunden, die ber Universität Leipzig zu ihrem 500 jährigM Jubiläum zugegangen sinb und Pie alle in beit Originalen für bie Ausstellung zur Verfügung gestellt worben sinb. Die schönste 'unter ihnen ist zweifellos bie Begrüßungsurkunbe bet Technischen Hochschule Braunschweig, auf ber ber auSführenbe Künstler leider nicht ersichtlich ist. Von modernen Künstlern, die mit Werken in der Ausstellung Vertreten sind, seien genannt: Pros. Paul Haustei n - Stuttgart, C i f s a r z - Stuttgart, Peter Behrens, Walther M a g n u s s e n - Bremen, Peter Schnorr, Roduls S t o ck e r, Max Klinge r mit seiner Ehrenurkunde für den Leipziger Oberbürgermeister Georgi und Rudolf Koch- Offenbach, von dem das E h r e n d o k t o r d i p l o m ber Universität Gießen für den Großherzog Ernst Liidwig von Hessen herrührt, bas bieser ber Ausstellung zur Verfügung gestellt hat. Neben beit Werken künstlerischer Handarbeit ist auch die große Zahl ber auf hoher künstlerischer Stufe stehenben Drucke zu neunen. Hier zeichnen sich vor allem die Akademie für graphische Kunst und Buchgewerbe und Georg Belwe-Leipzig aus. Die Abteilung der Ehrenpreise enthält eine stattliche Zahl hervorragender Arbeiten ntoberner Goldschmiedekunst. Hier sind insbesondere die Arbeiten von Pros. Hofacker-Karlsruhe und Prof, van be Velbe-Weimar hervorzuheben. Es ist nicht zu bezweifeln, baß auch diese Abteilung der Ausstellung von belebendem und veredelnbem Einfluß sein wird; daß alle möglichen Gebiete der künstlerischen Idealisierung zugänglich sind, zeigt n. a. der von Karl Beyer-Zwickau entworfene, höchst eigenartige unb durchaus künstlerische unb geschmackvolle Ehrenpreis für eilt — Bundeskegeln. Man darf wohl sicher sein, daß auch diese Ausstellung Pros. Pazaureks gute Früchte zeitigen wird, C, W-. i Vermischte». * Hitze und Kleiderfarbe. Im allgemeinen hält matt Weiß für die Farbe, wenn diese Bezeichnung darauf überhaupt angewandt werden kann, die bei großer Hitze für unsere Kleidung am besten gewählt wirb. Früher hat man sich sonst nicht viel Gedanken darüber gemacht, ob dieser Brauch nun schon das Zweckmäßigste darstellt. Da jetzt aber Mehr und mehr Europäer Gelegenheit haben, auch in den Tropen Erfahrungen zU sammeln, wo eine solche Hitze, wie sie uns die ersten Junitagies gebracht haben, Wochen- und monatelang herrscht, hat man auch Versuche mit noch anderen Farben ber Kleider angestellt. Besonders bekannt ist in dieser Hinsicht das Khaki geworden, das sogar vorübergehend die große Mode in Europa zu beeinflussest verursacht hat. Die Bezeichnung Khaki bezieht sich aber mehr auf den Stoff als auf dessen Farbe, und es bleibt noch immer eist Spielraum zu weiteren Prüfungen. In verschiedenen Tropen- armeert, namentlich in Indien, hat man in den letzten Jährest probeweise Kleidungsstücke von einer vrangeroten Farbe gewählt, scheint damit aber auch nicht das Richtige getroffen zu habeist Nach einem jetzt erschienenen amtlichen Bericht aus Indien Wurde dort bie Hälfte jeder Kompagnie mit Weißen, die andere Hälftq mit orangeroten Uniformen ein unb desselben Gewebes bekleidet/ Sodann wurde ein ganzes Jahr lang genau über den Gesundheits- zu stand der Soldaten Buch geführt, auch Gewichtsprüfungen Undj Blutuntersuchungen vorgenommen. Es stellte sich heraus, daß beide Gruppen gleich viel Krankheiten aufzuweisen hatten, auch unter der Sonne in gleichem Grade litten, daß aber die orangerotä Gruppe zu übermäßiger Transpiration neigte und insolgedessest stärkeren Gewichtsverlust und eine Blutverdickung erfuhr. Dieser Umstand erklärt sich daraus, daß die farbigen Stoffe die SonneU- strahlen mehr aufnehmen als weiße. Danach scheint die alte Gewohnheit, weißen Kleidern im Sommer den Vorzug zu geben/ tatsächlich durchaus das Richtige und Beste getroffen zu haben.. * Uttber fr o r ert. -„Was sehe ich? Zwei Tage sind Sis erst bei mir und trinken schon meinen besten Wein?" — „Na, Wissen Sie, wenn das ber beste ist, ba bin ich wirklich neugierig/ wie ber andere ist!" - i * Vorsorglich. Der kleine Willy wirb von seinem größeren Brnber, Ser Einkäufe für bie Mutter besorgt, mit zum Kaufmann genommen unb bekommt von biefem ein Stück Schokolade. Da er sich nun nicht gleich bedankt, so fragt ihn der größere GBruber: „Nun, Willy, wie sagt man?" — Hierauf der Kleine: Noch eins für Fritz!" 1 Gleichklang-Rätsel. Kennst btt das Wort, es drückt uns ans, Was man mit harter Semmel tat ? Auch ist es manches „Alte HauS", Tas uns erteilt gar klugen Rat. Der Raufbold hat's zu jeder Zeit Mit Friedlich-Stillen gern getan, Unb beim Studentenfesttommers Tut man's oft Wassertierchen an, Auslösung in nächster Nummerr Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer; Kaffer, Kaffee. Siebaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen.