MO BIST ’rnböc/f'j^Ci W D 'kÄ. Friedel halb-süß. Montan von Fedor von Zobeltitz. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) ' . Er war gegen eine Umwandlung der Firma in eine .Gesellschaft, weil er bei «aller seiner Klugheit doch stark am Althergebrachten hing. Aber er würde sich wahrscheinlich trotzdem dem Vorschläge seines Sohnes gefügt haben, um das Geschäft zu schütze», wenn nicht Fritz den Eintritt in die Firma gefordert hätte. Der Opa hatte nie sonderlich viel für seinen Enkel übrig gehabt. Das hatte er seiner Frau überlassen, die den Jungen zärtlich liebte. Der Opa war als alter Achtundvierziger noch immer ziemlich radikal in seiner politischen Gesinnung und wütend darüber, daß Fritz aktiver Offizier geworden war. Er fand ihn in seiner blauen „Äffenjacke" schauderhaft und zog ihn auf, weil er kein Monokel trug und sich den Aeh-Ton absolut nicht angewöhnen wollte. Auch der Spitzname „Friedel halb-süß" — nach der bekannten Marke der Firma — war von ihm ausgegangen: wenigstens für den Kreis des Hauses; denn kaum war das Etikett populärer geworden, so scholl Fritz der Aufdruck entgegen, wo er sich unter Bekannten zeigte. Als Fritz sich seine ersten Schulden bezahlen ließ, schmunzelte der Alte. Recht so; das Geschäft kann bluten; an das eigene Kapital traut sich der Schlaufuchs nicht heran! Und als der Rcnnstall begründet wurde, sagte er zu seinem Sohu: „Nu gib acht, Karl. In drei Fahren geht Fritz koppheister. . . ." Nur einmal freute sich der Opa. Da hatte das Offizierskasino der Industrie-Husaren tausend Flaschen Friedel halbsüß bestellt. „Schau einer den Jungen an!" hatte der Alte gerufen; „daß er so was fertig gekriegt hat!" — In Wahrheit hatte der Junge es gar nicht fertig gekriegt; die Tischkommission hatte den Sekt kommen lassen, weil er billig war und gut schmeckte. Aber seit einer Stunde sah der Opa den Enkel in einem anderen Lichte. War er auch hoch bei Jahren: der helle Kopf war ihm geblieben, und immer noch blickte sein Auge scharf. Der ihm da heute in der Morgenfrühe gegenüber getreten, war nicht mehr der fahrige Leutnant, der liebenswürdige Schwerenöter, der Liebling der Damen, war nicht mehr Friedel halb-süß: das war ein ernster Mann. Und der Opa wußte auch der Wandlung nachzuspüren; der Zweikampf da oben im Niederwald und seine tragischen Folgen waren die Ursachen gewesen. Ah ja — das ließ sich schon verstehen! Der Tod ist ein grinsender Gesell, und wo er hingreift, fühlt man seine knöcherne Faust. Den Tod hatte der arme Junge gerufen, ohne daß er es gewollt hatte. Der Tod hatte die Kugel gelenkt, die dem andern in die Stirn gefahren war. Es ist keine Kleinigkeit, ein Menschenleben auszupüsten, M sei es. ein hren.nender Fidibus. Da kann MN schon ernst werden. Hier freilich tat das Ernstwerden not — und der andere, — der Spannuth-- Aber da ging jäh ein Riß durch das Gedankengespinust des Opas. Jenseits des Parkgitters sauste etwas heran, bog rechts ab von der Rußbaumallee und in den chauffierten Weg ein, der nach der Villa Helldorf führte. Fauchen nitt) Schnaufen und dann der dumpfe Schrei der Huppe. . . Der Opa hatte sich neugierig erhoben. Neben dem Chauffeur sah er einen großen Herrn sitzen: zwar die Sportbrille auf der Nase und die Mütze tief in der Stirn; aber doch unverkennbar an den langen blonden Faworis und der zu kürzen Oberlippe über den blanken Zähnen, die dem Ge- sichtsausdruck ständig etwas Lächelndes gaben. Das war der Graf Eldringen. Und auch den Wagen glaubte der Opa zu erkennen: an der Dekorierung in schwarz, weinrot und safrangelb, den Sportfarben Jacques Spannnths. Jetzt mußte er an den Toten denken und an damals, wo er -Spannuth in der Einsamkeit des Abends hinter dem Klostereck begegnet war — und wo er in seiner Wut über den Verleumder den Knotenstock erhoben und der andere ihm kalt lächelnd den Revolver entgegengehalten hatte: „Notwehr, alter Herr —- sie ist nicht strafbar. . . Das Gesicht des Opas wurde steinern und das Auge grausam im Haß über den Tod hinaus. Er schritt zurück nach dem Schlößchen, wo die schlanke Gestalt Fritzens aus der Veranda sichtbar wurde. Sein Stock bohrte sich tief in den Kies ein. „'Ein Biest weniger — gut so," murmelte der altö Mann. 6. Fritz Friedel war sehr beliebt bei seinem Regimenk. Seine Konduite war tadellos, durch sein anspruchsloses und liebenswürdiges Wesen hatte er sich viel Freunde erworben. So kam es, daß man allseitig bestrebt war, ihm den Prozeß zu erleichtern. Der kleine Sentnant Franck, der bei dem Zweikampf den Unparteiischen gespielt hatte, erwartete Fritz bereits in seiner Wohnung, um ihm mit Rat. und Tat beistehen zu können. Nach reiflicher Ueber- legung wurde beschlossen, das Abschiedsgesuch vor der offiziellen Meldung des Duells -einzureichen. Fritz motivierte es wahrheitsgemäß: sein Vater sei alt geworden' und nicht mehr in der Lage, die Firma K. A. Fried'ek allein zu führen; er bedürfe der Unterstützung des Sohnes. Demzufolge erbat Fritz Entlassung aus dem aktiven -Dienst und Ueberweisung zur Reserve des Regiments sowie vorläufigen Urlaub bis zur Entscheidung des Militärkabinetts. Den Urlaub hatte der Kommandeur zu bewilligen. Er war unter der Hand bereits in die Sachlage eingeweiht und bestätigte ihn, mit der nachträglichen Verordnung, daßj Leutnant Friedel während der Urlaubszeit im Lande M bleiben und sich zur Verfügung des Militärgerichts zu halten hätte. Das war unter Umständen erlaubt, zumal in diesem Falle, wo der Gerichtsherr eine Untersuchungshaft abgelehnt hatte und kein Fluchtverdacht Vortag. 634 Wer zuständige Gerichtsherr war der Divisionslomman- deur, der in der Garnison der Husaren sein Domizil hatte. Die Angelegenheit wurde nach Vorschrift eingeleitet. Nach erfolgter Meldung Fritzens wurde zunächst, das Ermittlungsverfahren augeorduet und ein Kriegsgerichtsrat als Untersuchungsführer bestellt. Er vernahm die Kartell- träger: Feßler für Fritz, den Grafen Eid ringen für Spcnt- uuth, den Unparteiischen Leutnant Franck, den zum Duell berufenen Arzt Doktor Rösner aus Wiesbaden. Die sämtlichen Zeugen sagten in günstigem Sinne für Fritz aus. Feßler führte an, daß er ein genaues Visieren beiin Gegner beobachtet hätte; dem widersprach Graf Eldringen, setzte aber hinzu, daß auch seiner Ueberzeugung nach der uod Spannuths nur einem unglücklichen Zufall zuzuschrerben sei. Immerhin lag die Sache so, daß der Gerichtsherr nach dem Ergebnis der Voruntersuchung annehmen zu müssen glaubte, das Erkenntnis werde sechs Monate Freiheits- strafe erheblich überschreiten. Es mußte also ein aus drei Offizieren: einem Major, einem Hauptmann und einem Oberleutnant, sowie zwei Kriegsgerichtsräten bestehendes Gericht zusammenberufen werden, in dem der Major den Vorsitz, der dienstälteste Kriegsgerichtsrat die Verhandlung zu führen hatte. Fritz wußte, was er ungefähr zu erwarten hatte: em - Jahr Festung und die Begnadigung nach drei oder wer Monaten Haft. Das Ehrengericht hatte entschieden, daß eine Beleidigung von feiten Spannuths in der Tat vorgelegen hatte; die Vorbedingungen des Zweikampfs waren korrekt erledigt worden; die Aussagen der Zeugen lauteten günstig: es konnte also nicht allzu schlimm kommen. Ein eigentümlicher Zwischenfall schien allerdings die Sachlage verschieben zu wollen. Aus Wiesbaden traf ein an den Divisionskommandeur gerichtetes Schreiben ein, in beut der Ansicht Ausdruck gegeben wurde, der Leutnant Friedel habe in Jacques Spannuth einen unliebsamen Konkurrenten seines Vaters aus der Welt schaffen wollen. Es waren auch Einzelheiten angeführt. Zwischen den Häusern Friedel und Spannuth sei seit Begründung der Marien Halb-süß und Schwarz-Etikett ein erbitterter Kampf entstanden; Jacques Spannuth habe sich schon einmal mit der Absicht getragen, die Firma Friedel wegen „Weinpanscherei" zu denunzieren, und darüber seien seinerzeit auch Notizen in den Blättern erschienen; nicht Herr Spannuth, sondern Herr Fritz Friedel habe im Foyer des Wiesbadener Hoftheaters den Streit provoziert, worüber man jedenfalls Frau Diane Helldors als Ohren- und Augenzeugin vernehnten möge — und endgültig sei das Duell ibn Riederwald nichts als ein Racheakt gewesen. Unterzeichnet war der Brief mit dem vollen Namen eines wohlbekannten Wiesbadener Weinhändlers: E. Kothe. Das Schreiben veranlaßte den untersuchungsführcnden Richter zu näheren Nachforschungen, und da stellte sich denn die überraschende Tatsache heraus, daß der Brief gefälscht war, daß Herr G Kothe jedenfalls energisch bestritt, der Absender zu sein, was sich durch Vergleichung seiner Handschrift mit der des Briefes- auch ohne weiteres bestätigte. Es handelte sich also um die Denunziation eines Anonymus. Immerhin hielt cs das Gericht für wichtig, Frau Diane Helldorf als Zeugin zu hören. Da die Voruntersuchung aber abgeschlossen war, konnte sie indessen nur zur Hauptverhandlung geladen werden. — Fritz beeilte sich inzwischen, seine Privatangelegenheiten litt der Garnison zu ordnen. Da er es für zweckmäßig hielt, ein Domizil noch nicht zu ändern, so behielt er vorläufig ■ eine Wohnung bei. Viel Kopfzerbrechen verursachte ihm )ie sich nunmehr als notwendig erweisende endgültige Trennung von der blonden Mieze, seiner kleinen Geliebten. Sie hatte bereits Witterung von dem Prozeß bekommen, der gegen ihr Friedelchen angestrengt werden sollte, war in fürchterlicher Aufregung und schon dreimal bei ihm gewesen, um ihn zu trösten, aber immer wieder von dem Burschen abgewiesen worden: der Herr Leutnant sei nicht zu Hause. Fritz hatte das Mädelchen lieb gehabt, die Trennung wurde ihm wirklich schwer; aber Mieze selbst hatte in ihrem naiven Egoismus dafür gesorgt, daß sie sich nicht mehr aufschieben ließ. Sie hatte sich unentbehrlich machen wollen, sich gewissermaßen schon als Hausfrau gefühlt, sie war eine kleine Klette geworden. Da hielt es Fritz für sau der Zeit, Schluß zu machen. Und jetzt eilte es ihm doppelt, aller Fesseln der Vergangenheit ledig zu werden, wo ein Nanz neues Leben für ihn beginnen sollte. Natürlich: der Bruch sollte nicht von roher Hand er- olgen; Herzchen und Seelchen Miezes sollten geschont werden. Wie sich das am besten machen lassen würbe, wußte Fritz freilich nicht recht, bis ihm einsiel, daß er ja auch noch eine Mission bei Fräulein Paula, der Schwester Miezes, zu erledigen hatte. Vielleicht ließ sich dabei auch spure eigene petite amour glücklich beilegen. Er zog sich also Zivil an, drückte seinen Hut möglichst tief in die Stirn und. machte stch zur Dämmerstunde zu Fräulein Paula auf den Weg. Die Schwestern waren Töchter eines Klempnermcisters und hatten sich frühzeitig selbständig gemacht. Die eine war Blusenschneiderin geworden, die andere Verkäuferin in einem Konsitürengeschüft (dies war die Mieze). Frühzeitig hatten sie auch ihre verliebten Herzen entdeckt nno waren, da sie weder Enterbung noch Vatersluch zu furchten hatten, fröhlichen Gemüts ihren Eroberungen nachgegangen. Aber sie hielten dennoch auf sich: ihre Götter mußten Uniform tragen (vom Unterleutnant aufwärts); für das simple Bürgertum waren sie nicht zu haben. Als die blonde Paula! ihren Herzog eingefangen hatte, sorgte sie schwesterlich dafür, daß auch die blonde Mieze bei den Husaren blieb: eines Tages war Fritz zur Stelle und die Amourschaft eingefädelt, und es begann, jenseits von Dienst und Subordination, eine nette ßeit. Die Schwestern lebten nickt beieinander. Paula hatte noch die Wohnung inne, die Abeelen ihr gemietet hatte: drei Zimmer in einer kleinen Seitengasse der Rheinpromenade, und da fand Fritz sie auch vor. Aber nicht allein: ihr Bräutigam war bei ihr, und beide saßen bei Lampenschein fleißig über einer handlichen Arbeit. Sie hüllten kleinere und mittelgroße Blechbüchsen in farbig gestreiftes Seidenpapier ein und schichteten sie au den Wänden auf. Die ganze Wohnstube war in einen Lagerraum umgewandelt worden. Ueherall standen die blanken Blechbüchsen in Pyramiden umher, zum Teil schon in ihr buntseidenes Hemdchen gewickelt, teilweise auch noch ohne Umhüllung, und zeigten in diesem Falle ein gelbes Etikett, auf dem inan einen Niggerboy mit einer unförmlich großen Bürste einen ganz kleinen Schuh bearbeiten sah. Darüber aber stand in Fettdruck das Wort „Famos" und darunter: „Die beste Stiefelcreme der Welt. Donat Lionardi." Herr Donat Lionardi war Paulas Verlobter, ein gewandter junger Mann, unter dessen Beihilfe sich die An- geleaenheit rasch erledigen ließ. Die zehntausend Mark des Herzogs bewirkten Wunder, und als Fritz einflocht, er habe noch eine Bitte t dem Herzen, die Mieze betreffend, da wußte Paula auch schon, um was es sich handeln sollte. Sie nahm die Sache nicht tragisch!; Herrgott, daß so ein Verhältnis nicht ewig dauern kann, ist ja ganz klar — außerdem war auch für die Mieze einer da, ein sehr ehrenwerter Mensch, der sich um sie bewarb: ein Handschuhmacher hinter der Petrikirche, und er hätte gern seinen Laden vergrößert. Herr Donat Lionardi wollte das Geschäftliche sofort ins Reine bringen, aber dem widersprach Paula. Nein, so gehe es nicht; sie wolle zur Mieze und ihr alles auseinauder- setzen. Die Mieze sei ein verständiges Mädchen und werde sich ihre Zukunft nicht verscherzen, darauf könneHerr Leutnant'Friedel sich schon verlassen. Und als, Fritz nun erklärte, er wolle gegen Abeelen nicht zurückstehen und setze für die Mieze gleichfalls zehntausend Mark aus, wenn sie in die endgültige ^Trennung willige, da rief Paula beglückt, daun fei ja alles in schönster Ordnung und siel Fritz in ihrer freudigen Aufregung um den Hals, und Herr Donat Lionardi bat um die Erlaubnis, ihm ein Dutzend Büchsen! Stiefelcreme „Famos" von der großen Sorte gratis zu- fchicken zu dürfen: es lange für wenigstens sechs Jahre. Fritz schritt gedankenvoll nach Hause. Ein wehmütiges Gefühl war in ihm wach geworden. Es ging klar aus Paulas Beiiehmcn hervor, daß die Mieze sich schon mit der Idee einer anständigen Abfindung vertraut gemacht hatte. Das verstimmte ihn. Aber die Mißstimmung hielt nicht an. Das Empfindungslebeit dieser kleinen Mädelchen war naturgemäß ein anderes als das seine — und schließlich konnte er froh sein, daß der Bruch sich so schmerzlos vollzogen hatte. . Als er daheim die Tür zu seiner Wohnung öffnete, kam ihm der Bursche mit der Meldung entgegen, ein Herr sei da und erwarte ihn: er habe gesagt, er sei ein Freund des Herrn Leutnants und müsse ihn dringend sprechen. (Fortsetzung folgt.) Meine Ahr. Humoristische Skizze von Mark Twain. Meine schöne neue Uhr ging nun schon anderthalb Jahre Weder vor noch nach, sie war kein einziges Mal stehen geblieben! *und an dem Werk war nichts zerbrochen. Nunmehr galt mir! ihr Urteil über die Tageszeit für völlig untrüglich, ihre Lebenskraft und ihr Knochenbau für unzerstörbar. Aber endlich liest ich sie eines Abends doch ablaufen. Ich trauerte darüber, als sei dies Versehen ein Vorbote von komniendem Unheil und Mißgeschick. Erst allmählich wurde meine Stimmung wieder heiterer, ich zog die Uhr auf, stellte sie nach Gutdünken und schlug mir alle abergläubischen Gedanken und trüben Ahnung es aus denk Sinn. Am nächsten Morgen trat ich in den Laden des ersten Uhrmachers der Stadt, um meine Uhr genau nach richtiger Zeit zu stellen. Der Herr nahm sie mir aus der Hand, um dies Geschäft für mich zu besorgen. „Sie geht vier Minuten nach," sagte er dabei, „der Regulator must vorgerückt werden." Ich versuchte ihn daran zu hindern, versuchte ihm begreiflich ztr machen, daß der Gang der Uhr unübertrefflich fei. Vergebens — der Kohlkopf in Menschengestalt sah nur das eine: die Uhr ging vier Minuten nach und der Regulator mußte vorgestellt werden. Ich bat und flehte, er solle es nicht tun, ich sprang in meiner Seelenpein um ihn herum, aber alles umsonst. Mit kaltblütiger Grausamkeit vollbrachte er die schändliche Tat. Von da ab begann meine Uhr zu laufen — schneller und schneller, Tag für Tag. Innerhalb einer Woche geriet sie in ein wahres Fieber, ihr Puls stieg bis aus hunderundfünfzig Grad im Schatten. Noch ehe zwei Monate zu Ende waren, hatte sie alle Uhren der Stadt weit hinter sich gelassen und war vierzehntehalb Tage vor dem Kalender voraus. Noch hing das bunte Oktoberlaub an den Bäumen und sie tummelte sich schon mitten im Novemberschnee. Tie Zahltage für die Hausmietc, für alle fälligen Rechnungen und sonstigen Schulden kämen in so wahnsinniger! Hast näher, daß ich -mir schier lanm mehr zu helfen wußte. So brachte ich sie denn zum Uhrmacher, um sie regulieren zu lassen. Dieser fragte mich, ob sie schon jemals repariert worden sei. Als ich das mit dem Bemerken verneinte, es fei noch nicht nötig gewesen, glitt ein boshaftes Lächeln über seine Züge. Gierig öffnete er die Uhr, guckte hinein, klemmte sich ein Ding! ins Auge, das anssah Ivie ein kleiner Würfelbecher, und betrachtete das Räderwerk genau. „Sie muß gereinigt und geölt werden," sagte er, „und außerdem reguliert: — fragen Sie in einer Woche wieder nach." Gereinigt, geölt und reguliert war meine Uhr; aber nun ging sie schrecklich langsam, ihr Ticken klang wie Grabgeläute. Ich versäumte alle Eisenbahnzüge, hielt keine meiner Verabredungen ein und kam wegen Verspätung um mein Mittagessen, Allmählich machte meine Uhr ans drei Tagen vier; zuerst wurde es bei mir gestern, dann vorgestern, 7-ann letzte Woche; ich geriet immer weiter ins Hintertrefsen und konnte mich nicht mehr in die jetzige Welt finden. Wieder begab ich mich zum Uhrmacher. Er nahm in meinem Beisein die Uhr ganz auseinander mnb sagte, der Zylinder sei „geguollen", in drei Tagen könne er ihn aber wieder auf das richtige Maß bringen. Hierauf ging die Uhr im Durchschnitt gut, aber auch! nur im Durchschnitt. Den halben Tag lang raffe sie wie im Donnerwetter unter fortwährendem Schnarren, Quieken, Schnauben und Schnaufen, so daß ich vor dem Lärm meine eigenen Gedanken nicht hören konnte. Keine Uhr im ganzen Lande hätte vermocht sie einznholen in ihrem tollen Lauf. Den Rest des Tages blieb sie allmählich immer mehr zurück und trödelte derart, daß sie ehren ganzen Vorsprung einbüßte und sämtliche Uhren ihr wieder nachkamen. Einmal in 24 Stunden war sie aber ganz auf dem richtigen Fleck und gab die Zeit genau an. Dies hielt sie pünktlich ein und niemand hätte daher behaupten können, sie tue weniger als ihre Pflicht und Schuldigkeit oder mehr. An die Tugend einer Uhr stellt man jedoch höhere Ansprüche, als daß sie nur ich großen und ganzen richtig geht. Ich trug sie daher abermals zum Uhrmacher. Er sagte, der Hauptzapfen wäre zerbrochen, und ich sprach ihin meine Frendy darüber aus, daß der Schaden nicht größer sei. Offen gestanden hatte ich noch nie etwas von einem Hauptzapfen gehört, aber ich wollte mich doch einem Fremden gegenüber nicht unwissend zeigen. Der Zapfen ward ausgebessert, ;aber das half nur wenig. Die Uhr ging jetzt eine Weile und bann blieb sie wieder eine Weile stehen, ganz nach ihrem Belieben. Jedesmal, wenn sie losging, tat sie einen Rückschlag wie eine Muskete. Ein paar Tage lang wattierte ich mir die Brusttasche aus, schließlich trug ich die Uhr aber zu einem andern Uhrmacher. Der zerpflückte sie in lauter einzelne Stücke, drehte die Trümsmer vor seinem Vergrößerungsglas hin und her und meinte, es müsse an der Hemmung etwas nicht in Ordnung sein. Das besserte er ans und setzte die Uhr wieder zusammen. Nun ging sie gut — nur alle zehn Minuten schlossen sich die Zeiger wie eine Schere Und machten die Runde gemeinsam weiter. Der Weiseste unter den Menschenkindern würde von solcher Wh nicht MaUWiegdN können, WM die. Glocke geWagen 635 — Ich ging also wieder hin, um dem Uebelstand abhelfen zu lassen. Jetzt meinte der Mensch, der Kristall sei verbogen und die Spiralfeder krumm, auch müsse ein Teil des Werkes neu gefüttert* werden. Alle diese Schäden beseitigte er und meine Uhr ließ nun nichts zu wünschen übrig, nur dann und wann, nachdem! .sie etwa acht Stunden ^regelmäßig gegangen war, geriet bei ihr inwendig alles in Bewegung, so daß sie zu summen begann wie eine Biene und die Zeiger sich stracks so flink im Kreise; drehten, daß man sie nicht mehr unterscheiden konnte, sie sahen aus.wie ein zartes Spinngewebe auf dem Zifferblatt. In sechs oder sieben Minuten hatte sie die ganzen nächsten 24 Stunden durchwirbelt, bann gab es einen Krach und sie stand still. Mik schwerem Herzen ging ich wieder zu einem andern Uhrmacher und sah, wie er das Werk auseinander nahm. Dabei rüstete ich mich, ein Kreuzverhör mit ihm anzustellen, denn das Ding ging mir jetzt über den Spaß. Ursprünglich hatte die Uhr 200 Dollars gekostet und ich mußte jetzt für Reparaturen 2000 bis 3000 ausgegeben haben. Während ich so dastand und dem Manne zu- sah, kam er mir plötzlich bekannt vor. Nein, ich irrte mich nicht — der Uhrmacher war ein früherer Dainpfbootmaschinist und zwar nicht einmal ein guter. Er betrachtete alle Teile sorgfältig, gerade wie die andern Uhrmacher auch, und fällte bann seinen Urteilsspruch mit derselben Zuversicht. 'Er sagte: „Sie macht zu viel Dampf — wir müssen den stellbaren Schraubenschlüssel an düs Sicherheitsventil hängen!" Ich schlug ihm auf der Stelle den Schädel ein und ließ ihn auf meine Kosten beerdigen. Mein Onkel William — Gott hab' ihn selig! — pflegte zu sagen, ein gutes »Pferd sei ein gutes Pferd, bis es einmal durchgegangen wäre, und eine gute Uhr eine gute Uhr, bis sie den Reparieren in die Hände fiele. Er zerbrach sich oftmals den Kopf, was denn eigentlich aus allen tierborbeneii^ Kesselflickern-- Büchsenmachern, Schustern, Grobschmieden und Maschinisten in der Welt schließlich würde — aber niemand konnte ihm je Auskunft geben. _____________ Jii der Stadt der Revolution. Wer von der Seefeite her nach Lissabon gelangt, betritt gleich nach dem Ausbooten den Platz, wo vor zwei Jahren König Carlos und sein ältester Sohn den Tod durch Mörderhand gefunden haben, die Praca do Commercio, einen Platz, der nach dem Süden zu an den Tejo stößt und auf den anderen breit! Seiten von prächtigen Palästen umrahmt wird, vom Zollamt, von der Börse, dein Hauptpostamt und verschiedenen Ministerien. Im Norden wird er durch einen Triumphbogen abgeschlossen,, Obwohl dieser Platz keinen gärtnerischen Schmuck aufweist, gehört er zu den schönsten Plätzen in Lissabon, und das verdankt er! nicht nur dem Denkmal Joseph I., das seine Mitte ziert, sondern — von den Gebäuden natürlich abgesehen — dem prächtigen Mosaikpflaster, das an vielen Orten Lissabons zu finden ist, hier aber besonders schön ausgeführt ist. Von diesem Platze wollte die Königsfamilie, als das Attentat auf sie ausgeführt! wurde, zu ihrem Residenzschloß fahren. Carlos, der ermordete! König, residierte in dem Paco des Necessidadcs auf einer Erhöhung im Westen der Stadt, einem Bauwerk, das um die Mitte des 18. Jahrhunderts von Johann V. errichtet worden ist. Ehemals beherbergte dieses Gebäude bedeutende Kunstschätze, feit langem aber sind diese in das Museum übergeführt. 1820 wurden -in! diesem Paläste zum ersten Male die Cortes gehalten, in ihm ft arbeit, um weitere denkwürdige Tage aus feiner Geschichte anzu- führen, die Königin Maria II., die Königin Stefanie und König Peter V. und seine Brüder, die Prinzen Ferdinand und Johann, angeblich in einem typhösen Fieber. Der Letztgenannte, Prinz; Johann, starb Weihnachten 1861. Damals sandte der Magistrat eine Abordnung an König Ludwig 1. und bat ihn, den Palast zu verlassen. Lissabon erlebte in der Nacht, wo der König diesem! Rate folgte, ein seltsames Schauspiel, denn tausende von Menschen folgten dem König int Fackelschein bei seinem Auszug aus dem Palast. Ein zweites Königsschloß liegt unten in der Vorstadt Selent, nicht weit vom Tejo, die Quinta de Batxo, ein drittes ist das Schloß Ajuda, oberhalb von Selent, das besonders durch seine ungeheure Größe auffällt und überdies einen herrlichen lieber» blick über die Stadt und das Wasser gewährt. Eigentliche Sehenswürdigkeiten von Lissabon führen die gewöhnlichen Reifebücher nicht an. Mit Recht, benn ganz Lissabon ist eine Sehenswürdigkeit, Die Portugiesen selbst stellen ihre Stadt an Schönheit auf gleiche Stufe mit Neapel und Konstantinopel, ja sie haben sogar rin geflügeltes Wort, das behauptet, wer Lissabon nicht gesehen hak, weiß nicht, was schön ist, und selbst Lord Byron preist Lisiabnch Schöicheit in den Worten, die sie fast an die portugiemche Behauptung glauben machen. Für eine südländische Stadt fällt Lissabon zunächst durch feine Sauberkeit und verhältnismäßige! Stille auf; es ist reich an prächtigen Gebäuden und bietet wegen seiner eigentümlichen Lage innerhalb der Stadt selbst dein Wanderer viele schöne Aussichten. Es liegt nämlich am Südrande des Plateaus von Estremadura und zerfällt in einzelne Teile, bte Weststadt, die östliche Stadt und die Unterstadt (cidade baixa), die die Senkung ausfüllt. Diese, die eigentliche Gefchaftsstadt, ist der Hauptsache nach ein Werk des Ministers Pombal, der nach hem .Erbeben im Jahre 1755 seinem Könige Joseph auf die Frage, was zu tun sek, ruhig antwortete: die Toten hegrabhn! und den Lebenden zu Hilfe kommen. Das Leben in den einzelnen Stadtteilen ist ziemlich verschieden gestaltet; am' Fluß (Lissabon zieht sich etiva 18 Kilometer weit am Tejo entlang) findeit man den regen Betrieb einer modernen Hafenstadt; in der Citade baixa pulsiert lebhaftes Geschäftsleben, während die Weststadt der vornehme, ruhigste Teil Lissabons ist. Das Straßenbild ist stellenweise fast orientalisch, wozu zum großen Teil die starke Rassenmischung der Portugiesen beiträgt; außer den gewohnten Straßenbahnen fallen dem Nordländer im Verkehrsbilde deü Stadt Ochsenwagen und zahlreiche Aufzüge auf, durch die man für billiges Geld von dem unteren Stadtteil zn den höheren empor- besördert wird. Von diesen Verkehrseinrichtungen macht der be- gueme Portugiese starken Gebrauch; tatsächlich sind viele Straßen, die die llnterstadt mit den höheren Teilen verbinden, wirkliche so steil, daß ihre Benutzung einer Kletterpartie ähnelt. Im Straßenleben fallen noch zwei Punkte besonders in die Augen: der Portugiese liebt gutes Schuhwerk, noch mehr aber Schmuck. Das Schuhmacher- wie das Juwcliergewerbe haben es in Lissabon zu einer bemerkenswerten Ausbildung gebracht, die ftir die Vorliebe der Bevölkerung für deren Erzeugnisse spricht. Bei _eiltent Gang durch die Rua d'Onro oder die Rua da Prata, die Hauptverkehrsadern der Unterstadt, treten die zahlreichen Juwelierläden besonders hervor, und an den Hauptverkehrsknoten haben die Schuhputzer für ihre Kunden schön gepolsterte Lehnstühle ausgestellt, in denen sie Platz nehmen, während der Schuhputzer das meistens bunte Schuhwerk aus seinem reichhaltigen Vorrat von Wichsen und Cremes aller Art mit der richtigen Sorte versorgt. Ein Punkt darf bei der Betrachtung des portugiesischen Volkscharakters nicht übergangen werden, nämlich die Höflichkeit und Ritterlichkeit, die mit der Gastfreundlichkeit in Wettbewerb tritt. Dem Deutschen fällt es auch besonders aus, daß seine Sprache neben dem Französischen und Englischen in Lissabon gebraucht wird. Er findet sie zum Beispiel unter den Aufschriften än den Briefkästen. Da ein großer Teil des Handels von Lissabon in deutschen Händen liegt, steht der Deutsche dort überhaupt (in ziemlichem Ansehen. K. F, Riesenzahlen. Nach dem Kriege 1870—71 mußte Frankreich an Deutschland eine Kriegsentschädigung von 5 Milliarden Franks (also etwa 4 Milliarden Mark) zahlen, oder, da man unter der Bezeichnung „Milliarde" eine Summe von 1000 Millionen versteht, 5000 Millionen Franks. Zu deren Bezahlung war dem Gegner eine Frist von 3 Jahren gewährt worden, jedoch schon im September 1873 tonnten die deutschen Truppen das französische Gebiet, das sie bis zur Tilgung der Schuld besetzt halten sollten, räumen. Frankreich war schon bis dahin seinen Verpflichtungen nachgekommen; in Anbetracht der Kriegsnachwirkungen gewiß ein Zeichen für den Reichtum und die Leistungsfähigkeit dieses Landes! Mit einer solchen Summe konnte schon manches bestritten werden und ist auch manches bestritten worden; aber einmal mußte auch sie aufgebraucht sein, und dann 'kamen wieder die — Schulden! (Am 19. November 1908 verkündete Fürst Bülow gelegentlich der ersten Lesung der Reichsfinanzreform im Reichstag: im Jahre 1878 hatten wir 139 Millionen Schulden, im Jahre 1888 schon 884. Millionen, jetzt int Jahre 1908 haben wir sogack '4400 Millionen und für das nächste Jahr steht ein Zuwachs von Mehr als einer Milliarde in Aussicht! Und der Schatzsekretär von Sydow fügte diesem noch hinzu: Reich, Bundesstaaten und Kommunen haben gegenwärtig insgesamt 26 Milliarden Anleiheschulden, während der Wert des Nationalvermögens nach den Schätzungen der Nationalökonomen zwischen 160 und 350 Milliarden Mark schwankt. Was ist diesen Zahlen gegenüber — ziffernmäßig betrachtet! — die Forderung der Reichsfinattzreform von 500 Millionen Mark Steuern jährlich? Aber was bedeuten diese vorerwähnten in die Milliarden gehenden Zahlen erst gegenüber den Entfernungen, die in dem großen Fixsternsystem herrschen? Der uns nächste Fixstern ist schon über 31 -Billionen Kilometer von der Erde entfernt; wie weit mögen die weitesten/ noch mit bloßem Auge erkennbaren Fixsterne entfernt sein? und gar die noch weiteren, nur mehr teleskopisch erkennbaren? Bei diesen rechnet die astronomische Wissenschaft mit Trillionen, Qua- drillionen, Qninauillionen nsw. — Zahlen, von denen man sich kaum eine Vorstellung machen kann! 1 Million wird bekanntlich dargestellt durch eine 1 mit 6 Nullen, eine Billion durch eine 1 mit 12 Millen, eine Trillion mit 18 Nullen usw. Jede neue Zahl dieses Systemes wird also durch Multiplikation der vorher- Sehenden mit 1 Million gewonnen. Wenigstens nach der deut- heu Methode. In verschiedenen romanischen Ländern, z. B. in Frankreich herrscht ein anderes System. Dort ist 1 Billion da? Produkt von 1 Million (gleich 1 mit 6 Nullen) und 1000, also gleich 1000 Millionen: eine Trillion entsteht durch Multiplikation von 1 Billion mit 1000, ist also gleich 1 Million mal 1 Million (was bei uns erst einer Billion gleichkommt). Bei diesem System also wird jedes nächste größere Glied durch Multiplikation des vorhergehenden mit 1000 gewonnen. Demnach Wird z. B. die Bezeichnung Quiuguillion dargestellt im deutschen System durch eine 1 mit 30 Nullen, im französischen durch eine 1 mit nur 18 Nullen. Den Ausdruck „Milliarde" kennt (die französische Arithmetik eigentlich nicht; die durch ihn bezeichnete! Summe heißt wissenschaftlich: 1 Billion. Den Ausdruck „Milliarde" wandte man früher fast nur im Finanzwesen an;1 erst seit 1871 hat er sich auch in der allgemeinen Zahlenrechuung eingebürgert. Wer also viel mit großen Zahlen zu rechnen hat, für den ist die französische Zählweise angenehmer, wer aber sich einen Reichtum von solcher Ausdehnung wünscht, der tut dies vorteilhafter nach dem deutschen System! Vermischtes. * $31 e Königin Wilhelmina ihr Töchterchen geehrt sehen will. Als Königin Wilhelmina vor einigen Tagen in Amsterdam in Gesellschait ihres Töchterchens Einkänse machte, bemühten sich die Verkäuferinnen, der kleinen Prinzessin ungebührliche Ehrenbezeugungen zu erweisen. Als Wihelmine sah, n>ie eine Verkäuferin die Hand des Kindes, die spielend ausgestreckt war, küssen wollte, sagte sie: „Wenn Sie die Hand des Kindes tu Liebe küssen wollen, sei es gemährt. Wenn Sie es aber ans.Ehrfurcht tun ivollen, so bitte ich, es zu unterlassen. Wir wollen das Kind nicht durch zu frühe Ehrenbezeugungen verderben. Es wird einst hinlänglich erfahren, daß es eine Fürstin ist, und es soll seine Pflichten eher kennen lernen als beit Glanz". * Eltern im Kindesalter. Im Orient werden die Menschen sehr viel früher heiratsfähig und gehen infolgedessen oftmals auch in erstaunlich jungem Alter Ehen oder solche Verhältnisse, wie sie nach dem Stande der Kllltur des betreffenben Volkes an deren Stelle treten, ein. Besonders bekannt sind diese Zustände von Indien her, wo sie sich allmählich zu einer Art von sozialer Gefahr entwickelt haben, so daß die regiercup- deu Behörden ihnen entgegenzuarbeiten beschlossen haben. Ge-. wöhnlich wird angenommen, daß diese Erscheinung auf ein tropisches oder subtropisches Klima beschränkt ist. Diese Regel scheint aber zum mindesten in vereinzelten Fällen Ausnahmen zu erleiden, beim vielleicht das merkwürdigste Beispiel einer Frühheirat, das jemals mit Sicherheit ermittelt worden ist, hat der Lancet-Korrespondeut in Peking jetzt ip einer Gegend von China ausfindig gemacht, die in ihrem Klima durchaus nichts Tropisches hat. Dort gibt es also ein glückliches Elternpaar, das nach' dem Geburtsregister neun bezw. acht Jahre alt ist. Da aber in China der Brauch besteht, bett Kindern bei der Geburt ein Alter von einem Jahr beizulegen, so würde nach unserer Rechnung der utännliche Teil dieses Paares erst acht, der tvcibliche erst sieben Jahre alt sein. Das Wunder kam zur Kenntnis des europäischen Arztes bereits in sehr bestimmter Form, nämlich mit voller Namens- und Ortsangabe und auch unter Hinzufügung einer Photographie, auf der die siebenjährige Mutter ihr Kleines, das bei der Geburt ungefähr einen Fuß lang war, selbst nährt. Immerhin scheint der Fall selbst in China erhebliches Aufsehen erregt zu haben, weil der Gouverneur der nordchinesischen Provinz Schansi, wo das Ereignis eingetreten ist, einen amtlichen Bericht darüber nach Peking geschickt hat. Außerdem hat der deutsche Arzt durch einen .chinesischen Freund noch besondere Nachforschung M anstellen lassen, die zu einer vollen Bestätigung aller erwähnten Angaben geführt haben. In der medizinischen Literatur wurde bisher nur eine Mutter von neun Jahren, aber niemals ein annähernd so junger Vater erwähnt. ■ * Die Pferde sterben aus! In London waren, wie die „Zeitschrift des Mitteleurop. Motorwagen-Vereins" mitteilt, vor ungefähr fünf Jahren noch runb 450 000 Pferbe vorhanden. Heute ist biese Zahl infolge ber immer weiter um sich greifen? den Ausdehnung bes Netzes der elektrischen Straßenbahn und infolge ber Entwicklung bes M-vtorwageitwesens auf mir noch 110 000 Pferbe zusammengeschmolzen. In nicht mehr als fünf Jahren hat sich also eine Abnahme bes Pferbebestandes um mehr als 75 vom Hundert ergeben. Ebenso wie in London verhält es sich in den Großstädten aller europäischen und amerikanischen Länder. - * Die Xantipp e. „Ich wollte, ich gewänne in de« Lotterie den Haupttreffer!" — „Was würden Sie da Mit dem Gelbe machen?" — „Vor allen Dingen meinen Schwiegersohn enterben!" ___________ TauschrStsei. Eid — Mund — Ober — Hosen — Fuchs — Enkel — Keller — Haube — Michel — Magen — Astern —.Rampe — Nabel — Bier — Gabe. Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebensoviele neue Wörter erhält, bereit Aniangsbuchstaben beit Namen einet ehedem gefeierten Künstlerin ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Zot n ohne M a ch t wird verla ch t. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,