e? B8 ml I mji Ww fc- Willi WM VlfWL a üprrarT»»:M:ft?pnKqir*TCT Droesigl. Roman von Georg Freiherrn von OmptedtL (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Dio Beisetzung des Geheimrats Droesigl fand in Dünien statt, nntten int Kohlenrevier, auf dem Keinen Dvrf- frisdhof des schwarzen Landes, wo keine prunkvollen Grab- denkmäler standen, aber überall die gekreuz>ten Hämmer des Bergmanns über den Inschriften leuchteten. Im Testament fanden sich kurze Bestimmungen über das Begräbnis. Blumenschmuck war verboten, auch von den nächsten Angehörigen, mit der seltsamen Begründung: „Ich habe niemals Interesse für Blumen gehabt, wünsche deshalb nicht, daß meine Erben auch nur den geringsten Teil meines Nachlasses zur Unterstützung der Mumenindustrre verwenden." Der Sarg wurde getragen von Bergleuten jener Zeche, auf der einst der Geheimrat als Kohlenzieher begonnen. Jeder der Träger erhielt dafür die Höhe des ersten Jahres- lohnes, den im Bergwerk Geheimrat Droesigl einst selbst verdient. Als Geistlichen wünschte der Tote einen Enkel jenes Pastors zu haben, der ihm den ersten Untern ci)t erteilt und ihn somit ün Leben weitergebracht hatte. Auch dio Bibebstelle für die Grabrede war bestimmt: „Hiob 7. 16.: Ich begehre nicht mehr zu leben. Höre auf von mir, denn meine Tage sind eitel gewesen. 42. 17.: Und Hiob starb alt und Lebens satt.' Zu der Beisetzung waren ungezählte Menschen erschienen, die Ludwig, den Geschäften seines Vaters vollkommen fernstehend, nicht kannte. Da waren alle die Herren, dte mit rhm im Kohlensyndikat vereinigt gewesen. Grubenbesitzer kamen, Maschinenbauer, Bankdirektoren, Aufsichtsräte, Handelsrrchter Großkaufleute, Techniker, Juristen, Bergatademtker, Hochschulprofessoren. Das Herrenhaus hatte eine Abordnung entsandt, die Ludwig mit besonders tiefer Verbeugung begrüßte. Die Regierung war vertreten vom Landrat bis zum Oberpräsidenten lind einer ganzen Anzahl von Mt- uistern. Und bei keinem versäumte er es als Sohn sich bekannt zu machen. Ain Tage des Begrabnrzses kam herau^, welch fürstliche Wohltätigkeit der alte Herr rm sttllen geübt, denn wo er gegeben, war es unter der ausdrücklichen Bedingung geschehen, es dürfe keitt Wort davon m dte Oeffentlichkeit dringen. , , . Qr Unglück, woas tz Unglück!" Ter also Belveinte wurde derlveit vom Wachtmeister einem scharfen Kreuzverhör unterzogen. Allen «Fragen nach seinem Ber- lveilcn von denn Zeitpunkts ab, wo er die Kameraden verlassest,, setzte er ein hartnäckiges Schweigen entgegen'. Mochte daraus werden, was da wollte, um keinen Preis hätte er sein MÄdchest Verraten und bloßgesteltt. „Nach dem Zeugnis des Herrn Bürgermeisters sind Sie ein ehrlicher und unbescholtener Bursche, dem' ein Einbrnchsdiebstahl nicht zuzntrauen ist," redete ihm -der Wachtmeister im Guten zu, „aber wenn Sie mir keine Aufklärung geben, niust ick» Sie in Haft nehmen. Sie machen sich durch Ihr Schweigen nur inkmdr mehr Verdächtig." „Aich soahn naut," lehnte der also Angeredete ab, „macht ivvaS ihr wollt." Darauf wurden die Wirtsleute 'vernommen. Weder die Aüsi- sagen der Eltern, noch der Tochter, wirtten cnckersiichungs'ördernd. Lieschen wurde überdies nur zu einigen nebensäWchen Fragen hcrang« zogen. Ta spielte der Wachtmeister seinen Haupttrumpf.aus. Auf einen Wink brachte .Hanngottsried ein Paar Schuhe herein. „Erkennen Sie diese als Ihr Eigentum an?" „Iva," nickte Jörg, „doat sein mei WerkdoagssckMih." „Sie haben dieselben gestern abend getragen?" Auch das wurde bestätigt. „Was sagen Sie nun dazu, hast die Schuhe unzweifelhaft in) den Abdruck passen, den ich- im Wirtsgarten festgestellt habe?" Jörg ward blutrot und schwieg. „BvNb," mischte.sich der Bürgermeister ein, „bei Sach flieht schlimm, mit Lengelu kannst« naut giout gemache, gestieh nur, doat is der tieft, aich, -für mei Deel, gleewe isit, daß. die gd- stöhle hast." „Aich aach nit," schloß sich Hamigottfried an, der froh War, eine Gelegenheit gefunden zu habest, sich dem hochherzigen Spender so manches Gläsleins „Volksbittern" erkenntlich zu erweisen. „So kommen wir nicht weiter," nahm der Wachtmeister den .llntersuchungsfaden wieder auf, „rufen Sie die Elisabeth« Seibel stoch mal' vor." . . 1 Zitternd erschien Lieschen wiederum vor dem Gestrengen. Dem' Geliebten einen Blick zuwerfend, in dem eine Welt voll Angst, stich Verzweiflung lag, trat sie an den Tisch heran'. „Sagen Sic mal" der Schnanzbart schlug unbewußt einest freundlicheren Ton an — «„sagen Sie mal, Fräulein, von Ihrem Schilafzimmersenster aus können Sie doch recht Wohl den Garten übersehen und ein etwaiges verdächtiges Geräusch in der Nähe watzrn-ehmen?" I „Et woar fit dunkel gestern Noicht," antwortete sie leite. „Und Sie haben nichts, gar nichts gehört?" „Nee, goaruaut." Nochmals drang der Gendarm in das Mädchen. „ Aber sie blieb standhaft dabei, nichts gesehen und gMört zu habest. „Na, ich loerde schon Schwung in die) Kiste bringest," wmrlv er ab. Er drehte sich noch Jörg um: „Wegen drmaendest Ver- Kachtcs, bei dem Gastwirt JvHannes Seibel einen Ttebstahl mittels Einsteigens begangen. .zu haben, erkläre ich Sie hiermit im Namen des Gesetzes für verhaftet imb werde Sie sogleich mitnehmen!" Mit einem Aufs-chr-ei warf sich Lieschen zwischen beide und klammerte sich an den 'Burschen. „Mei Jörg, mei Jörg', oach laßt en doch giehn, Herr Wachtmeister, e halt joa naut gemoicht, e is ünschillig, aich w«eß, wst e wo ar!" Und zum Hellen Entsetzen der Eltern und ungläubigem Staunen der anderen erzählte sie- alles, was sich in der Nacht 51t getragen und wie sic ihn hinausbegleitet habe. „Ist das hierorts Gebrauch und- Sitte' mit den nächtlichen 8«nstergesprächen?" «rknndigte sich der Wachtmeister bei dem rtsvberhaupt. ,,Jajva, doat is sun aale Moore," erklärte dieser, „aich hstnns selbst en meine junge Joahle getriebe, freilich bei de M'arechest en de Stouw darf mer net, oawer bei Jörg könnt stet anners/' „Aich hetts groade.su ge'mo-icht," grinste Hanngottfried. „Haste schunn lang boat Gebimmel mit dem' Jörg?" schricj Hannjust nun, ohne Mcisicht auf die Umgebung', grimmig feine! Tochter an. „Iva, Vatter, mer hustn oins gern," bekaimte sie ruhig. „No lvvart, bis mer heem komcktt," eickschied er brohend. Da raffte ElsMth ihre ganze Energie zusammen: „Diou donst ent naut, doat sähe aich dir, denk broan, war des selbst gemoicht Ust." Beinahe hätte es noch einen Familieststreit gegeben, Wemk mcht der Wachtmeister dazwischen getreten wäre. „Tas macht gefälligst zu Hause ab, hier verbitte ich mir solches' Geschrei," und zu Jörg: „Na, wie nun?" Der.' gab jetzt alles' zu, wie es Lieschen erzählt, „oawer aich Wtt staut gefönt, und wdun ihr maich nffgehcirkt hätt.", „Nur nicht so patzig," 'verwies ihn der Wachtmeister, „ich will zwar unter diesen Umständen von einer Verhaftung 'Abstand nehin'cn, doch machen Sie sich imstierhin auf eine Vorlckdungs vor ben Richter gefasst, die Affäre bedarf noch sehr der Aufklärung. Sie sind- vorläufig entlassen." Darauf versicherten die Anwesenden den Jörg ihrer wärmstest Teilnahme. Mit Ausnahme der HaunjustsHeiir Familie, die einst-, weilen genug mit sich zu tun hatte. Roch am selbigen Tag-c- ermittelte der unermüdliche Politz-ist di« beiden Ue'beltäter, die Jörg den nächtlichen Schabernack go spielt, nnd bereit Angaben sich vollständig mit beit Aussagen des Liebespaares decktest. Ihnen würde eine Anklage wegen groben Nnftlgs in Aussicht gestellt. \ Hm ganzen Torf gabs keinen mehr, der alt Jörgs Unschuld' tzu zweifelst wagte. Ist Anbettacht der nnangenel-meu Wendung der Tinge unterblieben sogar die üblichicn Anspielungen und Spott- veden über das schdver geprüfte Pärchen: Selbst Müllers Anton' verkniff sich ein Scherzgedicht, das er unter anderen Nm ständen totsicher lcsge lassen hätte. 1 Dafür bewegte die Frag« .nach deckt wirklichen Missetäter die Gemüter in den nächsten Tagen ist hohem Maß«. Es würde viel herüber und .hinüber getuschelt, immer ntehr verdichteten sich die Vermutungen und VervaMsgründe, bis «mm schließlich offen einen) Namen nannte, der sticht ideu bestett Klang hatte: der Malerftitz. Warum mied er berat auch seit jenem Tag bes Hannjnsts Wirkschast wie bic Pest? Woher hatte ber Arbeitsscheue mtf einmal das Gelb, sich) -allabeublich mit gleichgestimmten Seelen beim! Bornwirt vollzusaufcn und vbcnbrein noch ben nobclen Speuber zu spielen? Wenn einem-nm -Ort, so war ihm bte Schandtat zu-, zutrauen. Sv lag berat bald ein Briefchen int Kasten der Posthilsestelle', das, an feinem Bestimmungsort leingetrofstü, trotz fehlenber Untcr- schrist aufmerksame Leser fand. - Tieswal kam der Herr Wachtmeister ohne Polizeihund, und nachdem er sich ein Biertelstünbcheu mit dem knieschlotternbeit Malerftitz unterhalten hatte, wauberten bie Zwei Seite an Seite, als vb sie die besten Freunde auf der Welt wären, dem Städtchen! zu, wo t t :r Inhaftierte ein einstweiliges, und nach der bald er- fvlgttu Gerichtsverhandlung ein auf mehrere Monate definitives Fremucnlier auf Staatskosten angewiesen bekam. Bor Gericht erlebte Lieschen noch ein paar peinvolle Minuten — der Herr Assessor stellte auch gar zu komische Fragen! — Nach Schluß Her Verhandlung fragte der Pittcrsch Alte die Hannjusts, vb sie tu seinem Wagen mit heimfahren wollten. Es war das erste Wort, das seit -dem Unglückstage zwischen ihnen gewechselt würde. Hannjust sagte nicht nein. Ihn auch. seinerseits etwas zu leisten, lud er, zu Hause angekommen, bic Pittersch zu einer! Flasche Wein. Hub bent konnten sich biefe als höfliche Leute ebenfalls nicht wohl entziehen. Daß Jörg und Lieschen auf einmal: versck-wunden waren, merkten Me -Alten in der angeregten Unter» Haltung gar nicht. Vielleicht wollten sic's gar nicht merkest. Soviel aber ist sicher: Ms man fick- in vorgerückter Stunde und im besten Einvernehmen trennte, nahm der Hannjust den Jörg beim Kragen und sagte: „Tont will aich dir gleich sahn, wann bei wirrer mol bei's Liesche willst, dann komm' hübsch zur Tür er um, sonst kennt s «mol schiefigiehu, nun en Schwiegersohn mit kaputtste Knock' kann aich naut gebrauchs." 160 Die Lqrtt der Griechen und Römer. Wenn die friderizianifche Literaturepocke mit den UMgllollen Manien des griechischen Parnasses Unfug: trieb und die Madame Karschül taxfrei zur „teutschen Sappho", Hagedorit zum „Una- fttiyu , ©Mm gar zum „Tyrtaeus" ernannte, |o hat die rtasstmze Zeit die Tatsache willig anerkannt, daß. wir m -er Lyrik weit imehr von feen Römern als von den: ©rtychen gelernt haben. Goethe z. B. sagt «K selbst: . „ , . Wso das wäre Verbrechen, daß. emst Pro per z Mich begeistert. Daß. Martial sich zu mir auch, der Verwegne, Mellt? Und Waten hat mit vollstem Recht darauf hmgetowsen, daß. Nicht Mkasos oder Sappho, sondern Horaz das Muster der Ktop- stoÄscheil Lyrik gewesen ist. Diese Tatsachen finden aber in btit feMaufigeil Buchern kerne Mrücksichtigring. Immer wieder tverderr die an Zahl so geringen Bruchstücke griechischer Lyrik dem Publikum vvrgeachrt — den einzigen toirklick), großen Bestand der pmdarischen Lyrrk fihaltet Man als aussichtslos und unübertragbar emsach aus — aber die Römer bilden trotz ihrer vorbildlichen Bedeutung (feie den Emfluß Shakespeares auf die deutsche Bühne noch weitaus übertrifft) überall mir ein dürftiges Anhängsel — so bei Geibel-Turtms, wie bei Jakob Maehly Ofstrcbar rechnet man dabei auf dre Bekannt-- schaft, die ein großer Teil der Lesewelt mit den lateinischen -schrcst-- stÄfern gemacht hat. Man vergißt nur, tote gering, tote jventg1 eingehend derlei Ztoangslenntnisnahme ist Dem hat I. M. Stowasser in seinen zwei Banden: Grcechenly rik, Röinerlyrik, abzuhelfeu versucht. Zunächst ließ, er es sich mtgdegert sein, auch aus griechischem Gebiet das Inventar zu vermehren, indem er die neuen Funde der letzten Zeit (Herondas, Bakchylides, das alexandrinische Fragment) mit heranzog! und auch an Wndars hohe Lyrik sich teiMifc mit den Strophenmitteln des Minnesangs hevantoagte, nm den Aberglauben von Pindars Unübersetzbarkeit durch die Tat zu widerlegen. Tann aber hat er auf dem lateinischen Gebiet die ganze Entwicklung der hellenistischsn Lyrik in Latium in aller Ausführlichkeit geschildert, so eingehend, toie es in keinem Buche bisher geschehen ist. Eine ganze Reihe prächtiger Tichtcr- individnalitäten schweben an dem Leser vorüber, oft ganz unbekannte Personen toie Pentadius mit dem cm Goethe erinnernden! herzallerliebsten Lenzlied. ' Wenn also der Herausgeber eine Fülle von Material gab — Neben den Anfängen und einzelnen! Proben Verschiedener Catnll zur Hälfte, Tibnll und dessen Kreis fast ganz, Properz halb und ebenso Horaz, ausreichende.Proben von Ovid, da>mr Phaedrus, Priapoen, Seneca, Petron, Statius, Martial in reichlichen Auszügen, sowie Proben aus der Spätzeit und den Inschriften —, so hat er diesem Material auch eine Form gegeben, die es deutschen Lesern genießbar macht, und die uns Leigt, tote nahe unferm Denken diese Poesie steht. . , Was das Verhältnis zum Original angeht, so ist'der Ber- fasser zwar durchaus selbständig in der Wiedergabe, aber als alter Schulmann überaus konservativ. Er kann als Volkskind und Süddeutscher eben nur gereimte Verse für wirkliche Poesie halten ,md sich zu der kühnen Auffassung der Uebcrsetzertätigkeit, die der Berliner Schule eigen ist, nicht aufschwingen; ihm ist der Text wehr als eine Vorlage, um nach ihr selbständig zu dickten, wie man an mehreren neuen Uebertragangen leider schaudernd gesehen Hai, sondern er hält an ihm tote am Evangelium unverbrüchlich St, so daß ein strebsamer Student, der diese Uebertragimg dem liginal vergleicht, sie fast wie eine „Schwarte" benutzen könnte. In dieser treuen Wiedergabe, die trotz der durchaus deutschen! Diktion und Form nichts an den Zügen des Originals fälscht, sucht der Herausgeber des Buches fein Hauptverdienst. Tie äußere Form der Bücher ist geschmackvoll, der Preis sehr mäßig. * Die Trockenlegung der Zuiderzee. Ueber dep gewaltigen Plan, die Zuiderzee trocken zu legen und der Kultur ieustbar zu machen, dessen Ausführung numnehr die General- ?tauten zugestimmt haben, werden in der Internationalen Wochenchrist für Wissenschaft, Kunst und Technik eine Reihe näherer Mitteilungen gemacht. Der Vorschlag einer Trockenlegung, der schon vor mehr als 50 Jähren zum erstenmal gemacht worden! ist, war natürlich nur möglich, weil die Zuiderzee nicht eigentlich eine Ausbuchtung des Meeres ist, sondern nur einen ertrunkenen Küstenteil darstellt. Die lateinischen Schriftsteller kennen an dieser Stelle nur einen größeren flachen Süßwasfer-Binnensee, den Lacns Flevo, der durch einen breiten Landstrich vom Meere abgetrennt War. Tiefe Landbarre wurde gegen das Ende des 1. Jahrtausends unserer Zeitrechnung durch größere Sturmfluten zernagt und stetig verkleinert, bis schließlich in der gewaltigen Weihnachtsflnt von 1277, einer der größten, die die Geschichte der Nordsee kennt, das tobende Meer durch den Landgürtel brach und in das Becken des Sees eintrat; die letzten Reste der zersprengten Küstenlinie verschwanden in einer weiteren riesenhaften Flut vom 14. Dezember 1287. Tie Zuiderzee umfaßt Wicht weniger als 57 Quadratmeilen oder 3139 Quadratkilometer, mit Einschluß der Watten sogar 5250 Quadratkilometer. Dabei ist dieses durchaus meerartige Gebilde nirgends mähr als 6 Meter, im Durchschnitt sogar nur 3% Meter tief. Gelänge es, feier! der Nordsee wieder zu entreißen, was der „Blanke Hans" einst geraubt, so würde das Königreich der Niederlande mit einem Schlage um ein volles Zehntel seiner gegenwärtigen Ausdehnung vergrößert werden! 4600 Quadratkilometer Land könnten dann der Bewirtschaftung neu erschlossen werden. Der Plan des Ingenieurs G. Lely, dessen nunmehr beschlossene Durchführung noch 32 Jahve erfordern wird, sieht eine sehr langsame und schrittweise Trockenlegung der Meeresbucht und Unttvandlnng des Geländes in Polder vor, da sonst ernstliche hygienische Gefahren, besonders das Sumpf- fieber, heraufbeschtooreu werden könnten. Sobald ein Teil des Wasserbeckens durch Auspümpen trocken gefegt ist, muß das gtfe wonnene Land sich erst Mit PftänzenwuchS bestechen, ehe man ntif der Pumparbeit fortfahren kann. Zunächst aber muß ein großer Damm errichtet werden, der von Ewijk in Nordholland zur Insel Wieringen und weiter nach Tiaam in Friesland, also quer über den ganzen Eingang zur Zuiderzee hinweg, erstrecken soll und 41 Millionen Mark beanspruchen wird. Die Kosten der gesamten Trockenlegung werden mit 321 Millionen Mark berechnet, wobei man jedoch erwartet, daß die Anlage schon einen Gewinn, abgeworfen haben wird, wenn die Arbeiten zum Abschluß reis sind. Tie jeweilig durch die Trockenlegung getoonnenen Polder könnte man sofort verpachten, und bei etwa 350 000 Hektar verwertbarem Laude und einem Wert des Hektars von etwa 3200 Mark, würde das ungeheure Unternehmen einen sehr großen Gewinn abwerfen. Gerade die Errichtung des rund 40 Kilometer langen Dammes, der mitten durch die Meereswogen hindurchlaufen soll, ist indessen ein so außerordentliches Beginnen, daß man ein sicheres Gelingen heute noch nicht voraus zu sagen wagt, zumal wenn man an die furchtbare Gewalt der so oft von Sturmfluten aufgewühlten Wogen der Nordsee denkt. Der Damm soll eine Höhe von 5t/z Meter, eine Sohlenbreite von 9 und eine Kronenbreite von 2 Nieter erhalten; ans der innerem Böschung wird ein 7 Meter breiter Fahrweg mit einer doppelgleisigen Eisenbahn angelegt werden. Um den Damm während des Baues gegen die Brandung zu schützen, wird auf der Ses- seite noch ein kleinerer niedrigerer Damm angelegt, der dem Hauptdamm als Fuß oder Widerlager bient und den Hauptansturm der Wogen auffangen und brechen soll. Natürlich wird nicht die ganze heutige Zuiderzee trockerr gelegt, da die eilt» mündenden Flußläufe wie die Bedürfitisse der Schiffahrt und der Bewässerung für das neue Land dies verbieten. Ein etwa 600 Quadratkilometer großer Südtoasser--Mnnens-ee bleibt erhaltens in dem die Insel Ljfsel und die übrigen Zuftüsse des Meerbusens auch fernerhin einmünden werden; ebenso werden Kanals gezogen, und bei der Insel Wieringen selbst eine großartige Schleusenanlage geschaffen, die den Abfluß des Binnensees in® der ihm zuströmenden Gewässer vermitteln uufe den Schiffen der neuen Zniderzee-Provinz den Verkehr mit dem Meere gestatten wird. Tie neue Provinz toirfe nach Vollendung des großem Werkes auch von Eisenbahnlinien, Fahrstraßen ufto. durchzogen, die den heutigen Personenverkehr über die Meeresbucht ersetzen können. Tas Verschwinden der Zuiderzee wird freilich auch einige Nachteile zur Folge haben; so wird z. B. der Anchovissang fortfallen, der jährlich einen Ertrag von 3 Millionen Gulden liefert. Tie Entschädigungen für entgangenen Gewinn wie die gesamten Baukosten des Uitternefenten8 roerfeen mit Leichtigkeit von feen Einnahmen bestritten werden können, die sich aus der Gewinnung, Verpachtung und Urbarmachung netten Landes notwendig ergeben müssen. Buchftabett-Riitset, Im Ganzen bin ich offenbar, Doch auch im Zehntel, das ist wahr; Auch dar? ich sagen, daß bei Zwei Ich noch nicht ausgeschlossen sei. Doch wenn du mich noch nicht kannst finden, Dann möchi ich bitten: du mußt zünden Dir eine Weisheitskerze an, So siehst du mehrmals mich alsdann. Verstehst du nun noch immer nicht, Was dieses Rätsel zu dir spricht, So füg zur ersten Kerz feie zweite, Da bin ich wieder, doch nun deute (Du hast gewiß jetzt vieles Licht), Was ist es, das die Lösung spricht? Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Kreuzvätsels in voriger ilhtmineri LES ö ti t w h a Löwenmaul Hahnemann 8 t a m m b u c h a a n u n c Inh Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.