Vsnnmtag den \V August TO ggffiggjjgfl 1910 — Nr. MM WWW ' iMüÄMK gj WPrMW ■y. t* fr r il ■ ■ f WWW« MMML ________-'4 'I 1 WV WEM X^irre nP1 DW^W F ^S- rU ? )* 3?;'i” KMM kÄWW^MSLUSW IflU'.ZnlF.AV t;v ■. •*$Xllt.*LJfr Das schlafende Heer. Roman von Clara Biebig. ^Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) 15. „Meine Mutter, Matka, Poschla*) in die Stadtka, Kupitsch**) Messer, Nosa, Zn schlachten alte Kosa***) —" sangen die drei kleinen Ansiedlermädchen und drehten, sich an den Händen haltend, sich wirbelnd im Kreise. Auf der Türschwelle saß Michalina, klatschte zum Ringelreihen in die Hände und freute sich: ei, die Kinderlein hatten schon brav gelernt! Und sie rief: „Höret zu, ein neues!" sprang mit in den Kreis und lehrte sie das Liedchen von der Mutter, dem kleinen Rebhuhn, das da schlägt die Kinderlein, wahrend der Baker — lieber Vater — trinkt stets Branntewein. Feurig war die Sonne hinterm Acker gesunken, die Goldreifen Nehren tief bestrahlend. Run war der Himmel wie mit Rosen besteckt, mit lauter sanften rosigen Rosen. Eine heitere Stille lag über der weiten Flur, die Weiche Abendmüdigkeit eines Erntetages. Der letzte der Halme war heute gefallen auf des Ansiedlers Land. Allzudicht hatten sie nicht gestanden und allzuschwer waren sie auch nicht, aber man mußte eben zufrieden sein: es war ja auch die erste Ernte, das nächste Jahr würde schon weit besser werden! Die braune Michalina hatte sich tüchtig gebückt beim Raffen hinter den Männern; nun tanzte die Nimmermüde noch mit flinken Füßen. Sie war sehr vergnügt; heute hatte der Valentin, als sie den letzten Schwaden zur Seite gelegt, sich plötzlich umgedreht, sie um den Leib gefaßt und sie geschwenkt mit einem lauten, jubelnden Juchhe. Sie wußte nicht, ivarum er so froh Ivar, aber froh Mr auch sie. -Ob er jetzt nicht bald heimkommen und am Türpfosten lehnen würde? Fortgegangen war er zur Feierabendzeit, mit einem frischweißen Hemde angetan. Drinnen auf dem Tisch wartete die saure, die kühlende Milch schon lange auf ihn. Wenn er doch bald käme! Nun, er würde schon bald hier sein! Ihr Herz sagte ihr's. Lustig schwang sie sich mit den Kindern. Da sah sie ihn kommen im Abendrot. Aber er war nicht allein. Eine ging neben ihm; um deren Schultern hatte er seinen Arm gelegt. Dicht gingen sie nebeneinander, ganz dicht, als wären sic eins. Und das Abendrot war um sie her wie ein Rosenschleier, zart und weich. *) ging. -**) zu kaufen. ***) Ziege, Valentin hatte den Eltern seine Braut zugeführt. Nun hatte der Vater es endlich eingeseheu, daß gegen Gottes Fügung kein Ankämpfen ist. Es war Peter Bräuer bitter schwer geworden, „ja" zu sagen, aber was sollte er machen? Immer sah er in die bittenden Augen seiner Frau, und abends, wenn er müde war und gern Ruhe habeu wollte, fing sie au, ihn zu streicheln und unterm Streicheln vom Valentin zu reden. Frau Kettchen hatte sich der Sache ihres Stiefsohns ehrlich angenommen. Valentin hatte es bald gefühlt, daß er an der Mutter einen Hinterhalt habe, immer kam er zu ihr; wenn er gar zu unglücklich war, fern von seinem Mädchen, sah sie ihm tröstend in die hohlen Augen und strich ihm das wirre Haar aus der umwölkten Stirn. Immer mehr wurde es der Frau klar, daß es ihre Pflicht sei, die Heirat zustande zu bringen — hatte denn das nicht auch der Herr Vikar gesagt? Und so kam denn auch der Ansiedler nach und chach zu der Einsicht, daß es ihm nichts helfe, „nein" und wieder „nein" und „dreimal nein" zu schreien. Mochte denn der Valentin einmal die polackische Hexe bringen! Aber sein Gewehr wollte er auch wieder haben — der Polack, der Frelikowski, sollte ihm den Buckel lang rutschen! Stasia, die mit niedergeschlagenen Augen zum ersten Mal in der guten Stube der zukünftigen Schwiegereltern saß, sagte bescheiden, daß es dem Vater aufrichtig leib tue, den Herrn Bräuer gekränkt zu haben, und daß er gern bereit sei, die Hand zur Versöhnung zu bieteu. Wenn der Herr Bräuer gestatte, würde der Vater am nächsten Sonntag kommen und das Gewehr bringen, freue er sich doch schon gar sehr, vom großen Krieg und von so manch anderm zu reden. Der Vater sei ja von deutschen Eltern, nicht gerade am Rhein zwar, aber in Oberschlefien geboren. Was, nicht möglich, der Frelikowski kein Polack? Bräuer riß Mund und Augen weit auf. Aber Stasia versicherte mit einem Lächeln, das sie allerliebst kleidete: der Vater fei so gut deutsch wie nur einer. „Fröhlich" sei eigentlich sein Name; „Frelikowski" hätten nur die Hiesigen daraus gemacht, und er habe das beibehalten, weiüer es müde geworden sei, immer zu widersprechen. No, dann sah sich die Sache doch einigermaßen anders an! Der Ansiedler atmete erleichtert auf. Als Valentin gegangen war, um seine Braut nach Hause zu begleiten — strahlend glückselig — saßen die Eltern noch lange beisammen. Des waren sie sich einig: übel war das Mädchen nicht, und deutsch konnte sie fließend. Wenn der Valentin nun recht ans sie einwirkte, konnte es am Ende doch noch gut gehen! Aber wohin nur mit dem jungen Paar?! Michaeli hätte die Hochzeit wohl schon sein können — heiraten wollten die beiden gar zu gern bald —, aber hier ins Haus?! Nein, dazu wollte sich Peter Bräuer nicht entschließen, und auch Frau Kettchen hatte Angst davor. 494 — Sollte der Junge sich vielleicht selber eine Stelle kaufen? Dann fehlte dem Vater wieder die Arbeitskraft. Nein, das ging erst recht nicht an, selbst wenn die Mittel WM Ankauf ausgereicht hätten! „Hm, hm, hmt mache mir?!" ' Bräuer fuhr sich Unwirsch in die Haare und kratzte sich den Kopf. Da wußte die Frau auf einmal Rat: sie würde Zum Herrn Vikar gehen und den fragen; der wußte sicherlich einen Ausweg. Und der Mann widersprach nicht. — Unweit vom Hause der Rheinländer ließ die Kommission diesen Sommer ein hübsches Haus aufführen, mit einer kleinen Galerie, wie eine Veranda^, rundum und einer geräumigen Stallung daneben; auch ein Schuppen für Wagen war vorbedacht. Das sollte ein Wirtshaus werden für Kolonie Augenweide, so daß die Ansiedler, wollten sie ein-, mal ein Glas Bier trinken, nicht nötig hatten, im Pociechaer Dorfkrug einzukehren, wo man das Bild ihres Kaisers so schmählich schimpfiert hatte. Ueberdies konnte es nur Zu Unträglichkeiten führen, wenn das polnische und das deutsche Element so unausgesetzt aufeinan-der stieß. Es war Vikar Gorka, der die Ansiedlersfrau auf den neuen Bau aufmerksam machte. Wenn ihr Mann also wirklich nicht das junge Paar in sein Haus aufnehmen wollte und doch den Sohn bei der Feldarbeit nicht entbehren mochte, konnte der junge Mann ja die Gastwirtschaft pachten, die junge Frau den Ausschank besorgen, und er selber nach wie vor dem Vater helfen. Das leuchtete Frau Kettchen ein. Auch Bräuer verwarf den Vorschlag nicht. Er hatte nichts dagegen, wenn der Junge das Erbteil seiner Mutter selig da hineinstecken wollte, nur warnen wollte er ihn, daß er sich nicht so einseifen ließ, wie er sich hatte einseifen lassen. Denn das wurde ihm klarer und klarer, daß es hier schwer sei, viel schwerer noch als anderswo, es zu etwas zu bringen. Stasia war mit Freuden dabei, als Valentin ihr von Uebernähme der Gastwirtschaft sprach. Etwas Netteres konnte es ja gar nicht geben, als sie und Valentin allein in dem schönen neuen Haus, das tausendmal lockender war als dem Eiweih seine schmutzige Budilä. Da würden schon welche zusprechen, und sie wollte wohl gut die Wirtin machen r- wenn's nur erst so weit wäre! Sie trieb ihren Liebsten an, daß er sich bewerbe. Es waren der Bewerber viele um den neuen Krug. Ein kleiner Handel mit Kolonialwaren sollte auch dabei sein, damit die Ansiedler nicht erst zu laufen brauchten bis Miasteczko, oder, wollten sie etwas besseres haben, gar bis in die Kreisstadt. Da war Meir Götz, eben von daher, der es emsig betrieb, die neue Wirtschaft zu bekommen; und da er viele Verbindungen hatte, immer gefällig einsprang, wo's Not tat, und nachher nicht drängte, schien er gute Aussichten zu haben. Sein eifrigster Konkurrent war Löb Scheftel; zwar nicht für sich wollte er's Geschäft, aber für seinen Sohn Isidor, der durchaus nicht mehr in Miasteczko bleiben wollte. Unermüdlich rannten diese beiden Bewerber den maßgebenden Persönlichkeiten das Haus ein, antichambrierten beim Laudrat, paßten ihm auf der Straße auf, bombardierten ihn mit Briefen und suchten sich endlich in gleicher Weise der Fürsprache sämtlicher Besitzer der Umgegend zu versichern. „Ohne Sorge, man würde die Pacht an keinen Juden vergeben, sie dürfe ganz zuversichtlich sein," wurde der etwas ängstlich werdenden Frau Kettchen in der Propstei versichert. Aber wenn sie das denk geistlichen Herrn auch Sern glauben wollte, ratsam schien es ihr doch, daß der lalentin seinerseits sich auch ein wenig rühre. Und sie schlug dem Sohn vor, wenigstens einmal bei dem Herrn von Doleschal vorzusprechen; wenn der Vater auch nicht viel mehr von dem hielt, am meisten zu sagen hatte der hier doch! In Chwaliborczhce und Przyborowo etwas auszuwirken, hatte sich Stasia bereitwilligst erboten. In Przyborowo zumal hatte sie eine gute Konnexion — war nicht gerade der Herr Rittmeister Zu Besuch? Und auf den konnte ein hübsches Mädchen immer rechnen. Valentin machte sich eines Nachmittags auf den Weg nach Niemczyce. Er hatte den Baron lange nicht gesehen; wohl war dessen Wagen öfters durch die Kolonie gerasselt, aber immer auf eiliger Fahrt, ohne anzuhalten. Doleschal war in letzter Zeit viel abwesend gewesen; er, der sich sonst während der Ernte nie fortgerührt hatte. fuhr jetzt oft nach der Kreisstadt. Mit dem Laudrat hatte er eingehende Konferenzen, und sogar in Posen an höchster Stelle sprach er vor. Wenn er auch nicht mehr die Zuversichtlichkeit hatte wie damals, als er unter lauter Deutschen an der Tafel des Polen saß, wenn es ihm bei ruhig wägender Ueberlegung auch klar werden mußte, wie unendlich schwer, ja beinahe unmöglich es sein würde, hier durchzukommen, die Hoffnung gab er darum doch nicht auf. Er konnte, er durfte sie nicht anfgeben, die sehnliche Hoffnung, einst doch noch seinen Kreis zu vertreten. Und wenn es nicht dazu kommen sollte — nun, wenigstens gehört wollte er werden im Geschwirr der Parteien, im Durcheinander der Stimmen, deren jede etwas anderes schrie! - Baron von Doleschal suchte Fühlung zu gewinnen mit den Vertrauensmännern der Reichspartei. Bis zum näch- sten Frühsommer, in dem die Neuwahlen in Aussicht stau- den, war es ja noch lange hin; wie vieles konnte sich bis dahin ändern, zum guten wenden! Und überdies, war man nicht äußerst entgegenkommend gegen ihn? Es verging fast kein Sonntag, an dem nicht der Landrat heraus- gekommen wäre nach Deutschau, oft mit der ganzen Familie. Und verließ sich nicht der Regierungspräsident gern auf sein Urteil? Hatte man ihn nicht geradezu aufgefordert, dies und jenes über die Zustände in der Provinz zu Papier zu bringen? ! Gott sei Dank, man hörte ihn bereits! Daran klammerte sich Doleschal in Stunden, die unabweisbar waren, Stunden, denen er nicht entrann —i Stunden des Verzagens, Dann trieb es ihn in die Einsamkeit, hinauf zur alleinstehenden Kiefer aus dem Lysa Gora. Er hatte sich ein Bänkchen dort zimmern lassen, ganz! einfach aus weißrindigen Birkenstämmen zusammengeschlagen. Mau hatte es ihm zerstört. Er hatte es neu errichten lassen — vielleicht, daß der Gewittersturm einer Nacht es über den Haufen geworfen! — aber schon UM folgenden Tag, als er sich darauf niederließ, brach es unter ihm zusammen. Man hatte die Bankbeine zersägt und sorglich wieder zusamMengefügt — das war heimtückisch! Er mußte es aufgeben, dort oben, wenn er mühe war, einen bequemen Ruheplatz zu finden. Hart sitzend auf den holperigen Kiefernwurzeln, die der Regen vom Sand blank gespült, und der.Wind, der den Wipfel schüttelte, mit spitzigen Nadeln übersät hatte, verweilte Doleschal oft Stunden. Die Wange in die Hand gelegt, den Arm aufs Küie gestützt, sah er hinunter aus sein Deutschau. Der See schwamm wie eine perlmutterne Muschel im tiefen. Grün, als köstliche Perle blinkte das weiße Haus, und eine sehnsüchtige Liebe zog ihn hinab. Aber er kehrte diesem engen Rahmen den Rücken, dann schaute er offenes Land, dann glänzten die Kornbreiten, unabsehbar, wellig wie sanftes Meer bis hin zum fernsten Horizont, und ein Gefühl noch sehnsüchtigerer Liebe quälte sein Herz — wem wurde dieses Land einst gehören?! Keine Antwort — alles still. Doch, horch! Weit über alle Felder getragen vom Wind/ kam der Klang der Pociechaer Abendglocke. —•, Much Walentin Bräuer traf den Niemczhcer Herrn iM Begriff, zum Lysa Gora hinaufzusteigen. Er hatte ihn von ferne gehen sehen, nun kam er atemlos nachgestürzt: „Herr Rittmeister, Herr Rittmeister!" Dvleschal wendete sich um; ein erhellender Strahl glitt über sein Gesicht, als er den Ansiedlerssohn erkannte. „Herr Rittmeister!" Valentin stand stramm, die Hacken zusammen genommen. „Bitte gehorsamst um Entschuldigung!" Die angeborene Zutraulichkeit und der unerzogene Respekt kämpften miteinander, aber die Zutraulichkeit siegte jetzt: „Ich möcht' Sie so sehr gern emal um wat fragen!" „So — nun, dann fragen Sie doch!" Des Gutsherrn Ton war freundlich. Sein Wohlgefallen ah dem jungen Rheinländer war immer dasselbe geblieben; heute weidete er sich förmlich an dem offenen jungen Gesicht. ,ber- Nunfftigen" Lebensweise, Jenner: Am Daumen laß/sonst bhalt dein Blut/ Bad / Wein vnd Wuertz seyn dir gar gut / Die Apotecken zu der zeit So viel dir moeglich ist vermeid. H o r n u n g: Purgier / laß / bad / Tein Blut erfrisch / Darzu brauch gwuertz/meid Wildpraet/ fisch / In diesem Monat zeiget sich Das Fieber/drumb hab acht auff dich. Mertz: Vinum/ Venus jetzt sind dein feind/ Purgiern ist das dich trewlich meynt/ Zu suesser Speiß hab tust vnd muttz / Davon setzt sich gut Fleisch vnd Blut.: Mprill: Allein an Fuessen laß dein Blut / Sonst Aderlässen ist nicht gut/ Jetzund das Blut ernewert sich/ > Daromb spatzier und purgier dich. May: Der guten Kraeuter kommen viel/ Dieselb sprech an mit Seytenspiel Laß/schroepff/vnd brauch die Artzeney/ Erlaubt ist auch das Weib darbey. K r a ch m o n: Ohn not nit laß /behalt dein Blut/ Bad nit/denn Hitz dem Leib weh thut/ Halt maß in essen/schlafen/trincken/ Magst wol beim Freund zu Salat wincken', Heumon: Dißmal laß Weiber Weiber sehn/ Das Bad meid/Artzeney vnd Wein, Purgier dich dit vnd iß Anyß/ Mit warmer Kost Salbey genieß. Augstmon: Alles was brennt vnd hitzig ist/ Artzney auch meid zu jeder frist/ Schon deines Weibs vnd deines Leibs/ Kein Blick von dir laß / bist» weiß, Herbstmon: Bad / schroepff / laß / zeitige Fruechte gebrauch / Wein / gut Gwuertz nicht schadet auch / Curier den Leib / vnd an dein weib / In Zucht vnd Ehrn du dich reib. W einmon: Obst obest vnd was Naschwerck ist/ Vermeid das so du witzig bist/ Brauch Ingwer/Meth vnd firne Wein/ Most kann dir noch nicht dienstlich seyn. Wintermon: Wein trincken ist dir wol vergunt/ Der beste Vogel singt jetzund/ Man soll viel kochen mit Gekraeut/ Vnd meiden alle Vnkeuschheik, Ehpistmon: Gehstu bloß vmbher als ein Poepel/ So kreuchstu endlich wie ein Krueppel/ Trinck nicht viel kalt / greiff nicht zu Nah / Sonst wirstn selten alt vnd graw. Nach „etlichen nuetzlichen Regeln vom Baden, Aderlässen Und Schroepfen" unter den „besonderen himmlischen Zeichen" wird angegeben, „In vnd nach Verrichtung deß Aderlassens vnd Schroepffens zu erkundigen die jnnerliche Gebrechen deß Leibs vnd guter .Gesundheit nach nachfolgenden Regeln: So das Wut ist 1. Schoen roth mit iveitig Wasser oben verdeckt / gute W* sundheit. } 2. Roth und schaumig / bedeut zuviel Gebluets. 3. Roth Blut mit eint schwartzen Ring / Hauptweh. 4. Schwartz Blut mit Wasser untersetzt / Wassersucht. 5. Schwartz Blut mit Wasser oben ueberschwemlnet / Fieber, 6. Schwartz Blut mit einem rothen Ring/das Gicht vnd Zipperle. 7. Schwartz vnn schaeumig oder eyterig / boese Feuchtigkeit vnd kalte Melancholische Fluß. 8. Weiß Blut/ist ein Anzeigung zeher Feuchtigkeiten vnd Verschleimungen. 9. Weiß vnd schaeumig / zu viel pituetae / dicke Feuchtigkeit vnd Fluß. 10. Blaw Blut/wehe zur Miltzen /oder Melancholey sampt boesen Feuchtigkeiten. 11. Gruen Blut /wehe am Hertzen/oder ein hitzige Gall, 12. Gelb oder bleych Blut zeigt an/wehe an der Leber oder aufstossung der Gall. 13. Gelb vnd schaeumig ist ein bedcutung zu viel Hertzwasser. 14. Gantz waesserig Blut / bedeut ein schwache Leber / oder daß der Magen mit Tranck überladen. 15. Dick / hart vnd zehes Blut /ist ein anzeigung deß Leibs- verstopffung / oder Melancholey." Weiterhin folgen Bemerkungen für einzelne Berufet 1, FuerSchiffleuth. I. Wann auffgeht zu Meer: Der grosse Hundsstern klar bedeutet gesunde Zeit. Der grosse Hundsstern roethlich bedeutet Kranckheiten. Das Siebengestirn hell bedeutet Gut Wetter vnd Wind, Das Siebengestirn dunkel bedeutet Bngewitter. Der Mond bey Saturnus und Venus bedeutet Glueckliche Zeit'.: Der Mond bey Saturnus und Mars bedeutet Schiffbruch / Rauberey^ II. Unter dem: Nordstern Seyn die Schissleuth zu Meer in der Moscaw, Arcturo Seyn die Schiffleuth zu Meer in der Tuerkey. Jacobsstab Seyn die Schisfleuth zu Meer Mitten in der Welk^ 2. Fuer Ackerleuth / Gaertner vnd OebßNer. Wann der Mond ohne Hinderung stehet im Stier, Krebs/ Scorpion, Wag, Steinbock / vnd im guten Schein Saturnus / soll mau allerley Samen außsaeen. Im zunemmen hart Getrehd in trocken Acker / im abnemmen Somnierkorn / Erbes / Bonen / Linsen / vnd welches Getreyd oder Samen / so von natur feucht / dq auch feuchte Ecker zu besaeestam bequemlichsten vnd glueckseligsten., Obst das lang bleiben soll / muß man brechen nach Egidii / int Abnemmen des Mons nach Mitternacht / vor der Sonnenauffgang /, im Anfang des Tags / wann der Man ist im Stier, Scorpion^ Steinbock / Tann zu der Zeit ist kein Gcylheit oder vberigs Feuchtigkeit in allen Frucchten und Gewaechsen der Erde / so ein vrsach der Faeulung vnd Putrefaction zu seyn pflegt. 3. FuerFoerstervndWaldleut. a. Holtz, das gehawen oder gesellt wird / zwischen Johannis vnd Lucie / im abnemmenden Mon vnd letzten Viertel / ist am besten vnd werhafssten zu einem Bau / dann in dem Holtz waechst kein Unziffer / es wird nit wurmstichig / faulet nit bald / vnd wehret zum allerlengsten / auß vrsach / daß vmb diese Zeit / sampt dem Mondliecht der Tag abnimbt / daher auch die Feuchtigkeit des Holtzes neceflario allgemach vergehen muß / davon es wurmstichig wird vnd verfaulet. b. Holtz das zum brennen oder Fewer gehoert / vnd bald wieder außschlagen vnd wachsen soll / muß man feilen vnd hawen im ersten Viertel deß Monds / es stehe nun der Mond in was Zeichen er wölle / so er nur ober der Erden vnd im zulegen ist, Es schließt sich eine „Figur deß Aderlassens" an, und ein „Taefelin" deß Gluecks vnd Vngluecks zeigt / was in einem geglichen Himmlischen Zeichen zu thun oder zu lassen seh". Nach einer ausführlichen Beschreibung der vier Quartalzeiten und der einzelnen Monate, einer Tafel der fünf „Finsternusse des Jahres 1617" folgen Betrachtungen Veber Krieg vnd Auffruhr, Demnach die Finsternuß deß Monden so vorM Jahr den 17. oder 27. Augusti geschehen / keine sonderliche Bedeutung zum Krieg vnd Aufsruhr gehabt / den sie in Fischen vnd also bitter der Herrschaft Jovis vnd Veneris fuergangen / als hat die Erfahrung bezeugt / daß (außer dem was sonst Mars gewircket) es ohne große Empoerung vnd fein still ist abgelaufen / auch die hitzige Bedraewungen vnd Anschlaege zu gefaehrlichen Kriegen allgemach erloschen vnd vorveber gangen seyn. Was nun die Finsternuß belanget / so bet vns in diesem Ja« gleichsals am Monden den 6. oder 16. Ang. sich erzeigen wirdt / dieselbe geschieht nemlich im Wasserman / bitter der Herrschaffk Saturni / in dessen domicilio diurno sie fuehrgehet / Erscheinet! derhalben hierauß / daß sie zu oeffentlichen Kriegen nicht assectio- niret ist / wiewol sie Vneinigkeit vnd Widerwillen im Getstltchen stand anzurichten sehr geneygt ist. _ Was den stand Martis belangt / derselbe ist den Winter ober retrogradus, bnd gehen im alle seine Anschlaege zurueck, Im Aprill aber wenn er wider directus wirdt / ist er in, mittest deß Himmels zimlich erhoehet / ruestet sich derhalben zimltch Z — 496 — vnd wil mit Gewalt zu Felde ziehen / ijt vennuthlich man werde alsdann im Regier- vnd Haußstand seltzarne Zeitungen erfahren / weil er zugleich Saturuuiu vnd 85 eit er em mit einem Gevierdten- schein vebel afsiciret. In der Sommer figur wil ihn Mercurius ulit einem guten Sextilschein auleuchten / vnd etlichermaszen zu feinem Zorn auffhalten / welches dann auch mit ebenmeutger zustirnmung Mercury zu thun sich hefftig bernuehet / doch 1ml er im October seinen Zorn widcrumb etlicher massen merclen lassen / doch tnehrentheils nur im gemeinen Haußstand / dann er 45enerem mit einem Gevierdtenschein vcbel ansihet / vnd daher nicht loenlg Zanck / Hader / Bneinigkeit vnd Widerwillen tut Haußwesen vnd Unter gemeinen Leuthen erwecket. Gott der ein Gott deß Friedens ist / wolle vns in gutem Frieden vnd Einigkeit erhalten / dem Zanck Teusfel wehren/ vnd alle Feindschaft von vnsern Grentzen abtreiben / damit wir ein stilles vnd geruhiges Leben / im zu Ehren vnd vnserm Nechsten zu Dienst fuehren moegeit. Bon Kranckheiten vnd L e ib e s g e b r e ch e n. Dieweil nicht allezeit einerley Kranckkheiten vnter den Menschen regieren / sondern bald hitzige / bald kalte / bald eitle / bald hefstige vnd geschwinde Seuchen gefunden werden / kann ein Verständiger leichtlich daher mercken / dass solches aus; wunder- barlicher verenderung vnd abwcchstlung der Lnfst / welche nicht an allen Orten vnd zu allen Zeiten einerley gespueret wirbt / entstehen vnd herruehren muesse / Wann dann aber die verende- Tintg der Lusft von bem Laufs der Planeten vervrsachet wirbt / ist es nicht vnbillich / sondern hochnothwendig / das; wir des; Lausfs der Planeten wol in acht nemmen / vnd daraus; was wir von Gesundheit zu hoffen vnd von Schwachheiten zu Morgen; haben bey guter Zeit erkennen lernen / weil man durch solche Erkuudigung vielem Vnheyl vorkommen / vnd den kuenfftigen Kranckheitcn wehren kan / wie auß der Erfahrung bekandt ist. Was nun beit Zustand der Hauptkranckheiten belanget / derselbe hat durchs gantze Jahr, seinen Laufs / ncmlich im Stier / wil derhalben mit melancholischen faulen vnd kalten Kranckheiten den Leuthen sehr zusetzen / vnd weil er auch das Regiment veber den Winter suehret / wil er mit solchen Kranckheiten / als mit faulen viertaegigen Fiebern / Bauchgrimmen / Wassersucht / Schlag / Aussatz / boeser Racude / Zipperlin vnd andern den Leuthen hefftig zusetzen / mein halte sich warm timt den Halst vnd Brust / dann viel Finesse in den Hals; fallen / vnd manchem Verhinderung der Sprach / Halstgeschwer vnd ander Angelegenheit verursachen werden. Im Fruehling fuchret Venus das Regiment / derselben aber hat sich Saturnus auch zugefueget / welcher Martern mit einem Gevierdtenschein vebel ansihet, wil derhalben mit solchen Kranckheiten / die zum theil von Kaelte / zum theil von Hitze herruehren / den Leuthen zusetzen / vnd werden sonderlich viel Schwachheiten deß Magens / der Leber / begleichen hitzige vnd dreytaegige Fieber / Pastemen / Geschwer vnd dergleichen hin vnd wider gespueret werden. 1 Der Sommer ist sonderlich dem Weibsvolck vnd jungen,Leuthen sehr gcfaehrlich / denn der Steinbock setzet der Veneri mit einem Gevierdtenschein gar hart zu / vnd ob wol ein feine constitutio tteriS im Sommer vnter bet Herrschaft Jovis wirbt gespueret werden / sollen doch die obgedachte Personen ihrer fleißig war- nentnien / dann viele Hauptwehe / Husten / Hcyserkeit / Nicren- Ruecken- vnd Lendenwehe / Hertzgespan / Vrschlechten / Auffbleh- Nngen des; Leibs vnd Daermen / vnter ihnen im schwang gehen werden. Der Herbst ist übermal dem gemeinen Mann vnd jungen Gesinde sehr beschwerlich / dann die Oppositio Martis vnd Satnrni vnd der Gevierbteschein Satnrni vnd Äencris wollen mit vielen geschwinden Kranckheiten / als mit Rothlausf / Rother Ruhr / hitzigen Fiebern / hinsallcnder Sucht / Pastemen / vnd anderm den Leuthen zusetzen / vnd wirbt man auch wol von Pestilentz vnd andern boesen Seuchen aust etlichen Orthem Zeitung bekommen / wirbt also durchs gantze Jahr an Kranckheiten nicht mangeln / Alber selig seyn die im HERRN sterben / denn sie ruhen von aller ihrer Arbeyt / vnd sehn außer aller Qual. Noch manche interessante „Practick" enthält der Kalender, die mitzuteilen wir uns aber für heute versagen wollen. S t a » b a ch , Hungen.; ■ heitere Ariegrerinnerungen. Es wär kurz vor der Schlacht bei Sedan, die blutigen Kämpfe um Metz waren siegreich beendet. In langen Zügen kamen die verwundeten Sieger und Besiegten nach Mainz. „Donnez-moi un bouton“ (Geben Sie mir einen Knopf) rief die Straßenjugend den hohläugigen, fiebergeschüttelten Franzosen zu, und für eine Brotrinde. rissen sich die armen Teufel die Uniform in Fetzen. — Soviel wie möglich Die Verwundeten jedoch, Freund wie Feind, mußten schließlich weitergeschafft werden, da die Festung vollkommen überfüllt war. In Schiffen "brachte man sie den Rhein hinab bis nach Düsseldorf. Alles war überfüllt und überlaufen, aber daß trotz der gedrückten Stimmung bisweilen der frohe Mut durchbrach, kann folgendes Stückchen beweisen: 3, . Wieder ging ein solches Verwundeienschifs den Rhein hinunter. Um Wasser einzunehmen, legte es in einem Rheingauörtchen an, dessen Bewohner dringend baten, das Schiff besteigen zu dürfen, um einmal einen „Türko" zu sehen. Leider war diesmal gerade keiner an Bord. Doch man wußte sich zu helfen. Rasch schwärzte mau einem leichtverwundeten Sachsen Gesicht und Hände, und als die Bauern kamen und Wein und Zigarren brachten, das hatte man nämlich als Bezahlung gefordert, bestaunten sie höchlich den mit bunten Lappen behängten (sächsischen) Türko und zogen dann befriedigt ab. Die schlauen Soldaten jedoch rieben sich vergnügt die Hände, denn ihnen halte der Scherz 45 Krüge Wein und 400 Zigarren eingebracht. Kurz darauf kam Sedan. In dieser Zeit hatte die Stadt Mainz Verhandlungen mit der preußischen Regierung wegen Hinausschieben der Festungswerke, da die Stadt nicht mehr Raum genug bot. Die Regierung forderte jedoch einen der Stadt zu hoch angeschlagenen Preis (4 Millionen) und als man zum erstenmal den Sieg der deutschen Waffen bei Sedan, festlich beging, konnte man folgendes Berochen lesen: „Wilhelm, unser großer Held, Schenk uns doch das Gartenfeld, Willst du haben vier Million, Laß sie zahlen Napoleon." humoristischer. * Abschreckend. Wirt (zum Maler): „Seitdem Sie Ihre Landschaftsbilder aus unserer Gegend ausgestellt haben, kommt niemanb mehr in die Sommerfrische!" * ©ein Staub» it ntt. Der Lehrer spricht mit den Kindern! über Bekleidungsgegenstäube. — Lehrer: „Welche Bekletduitg haben die Menschen für die Hände?" — Peter: „Hosentaschen." * Enfant terrible. Taute: „Es fehlte nicht viel, bann wäre ich heut auch verheiratet." — Der kleine Fritz: „Nich" wahr, Tante: bloß ’n Bräutjam?" Büchertlsch. — Dilettantismus und K u u st. Bei einer neuartigen häuslichen Fertigkeit, „der Schablonenmalerei", verbindet sich die Kunst mit bem Dilettantismus, indem die von den Künstlern entworfenen Muster von Dilettauten nach eigenem Geschmack und Bedarf gruppiert und ausgeführt werden können. Neber das Wesen dieser Liebhaberkuust sowie über deren Ausführung gibt ein int Verlag der Internationalen Schnittmanufaktur, Dresden, erschie- nenes'Wcrk betitelt „Die Schablonenmalerei" Aufschluß. Es enthält über 100 Muster, die von denen, die sich die Mühe des Nach- zeichueus und Ausschneidens sparen wollen, auch fertig gegen, billiges Geld bezogen werden können. — Das Neueste der Moden bietet in reicher Auswahl das neue F a v o r it-M od en-Alb um der Internationalen Schnittmanufaktur, Tresden-N. 8. Welcher Bedarf an Kleidung für Groß oder Klein auch vorliegeu mag, auf allen! Gebieten wird dieses mit gediegenem Geschmack ausgestattetq Modeubuch guten Rat erteilen und für die praktische Anfertigung die rechte Hilfe leisten können, denn für alle.Modelle sind zust bequemen Selbstanfertiguug die Schnitte erhältlich,. Bilderrätsel. Auflösung in nächster Nummer. Y -Al V/ywnV Gaasufär“\ Auflösung des Arilhiuogriphs in voiiger Nummer' Degen — Egge — Linde — Lille — Igel — Niel — Geld — Eger — Nigi; Dollinger. suchte man die Leute in Mainz nnterzubringen. Die Gefangenen kamen vors Gautor in ein besonderes Zeltlager; später brachte man sie wohl auch in die Stadt, wo sie bei Bürgersleuten für ihre verwundeten Brüder arbeiteten. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universttäls-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen-