MV ntfej AS äss.£s£sä s ‘^\== imME auSM ? *"A '^yaPyL'lli'iil® WM MBW MWMi WM N -?■= • ■■ ■ Z Ihres Vaters Tochter. stloman von L n l u von Strauß u n d Torney. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Partenkirchen, 4. April. In eiltet halben Stunde wollen wir abfahren. Tilla hat es mir durch Lotte sagen lassen, die früh an ntettt «bett Teint. Als die erste lavendelfarbene Dämmerung über den Himmel ging und die Sterne blaß machte, hatte ich mich hingeleqt, mit wachen Angen geträumt und auf das aufwachende Leben int Saus gehorcht — hier ein Schritt, da ein gedämpftes Kühbrüllen, die verschlafene Stimme der Magd und ihre gleichmäßigen Besenstriche auf dem Stemflur. Lotte blieb nach ihrer Bestellung noch auf meinem Bettrand sitzen und sah sonderbar gedrückt vor sich hin. Agnes," sagte sie Zögernd, ,,was hast dn eigentlich init Frau von Berg gehabt? Sie spricht in so gereiztem Ton von dir." „Ich mit Tilla?" Wunderlich, es war, als ob mir Tillas Existenz in dem Augenblick erst einfiel. Mit einem leisen Mitleid kam der Laut sagte ich davon nicht?,, ich schüttelte tritt den Kopf. Satte nmr^nen^Xitjjstill. Und auf einmal beugte sie sich herunter- und küßte mich. Arme Aaa! Dn tust mit so leid! Ich sah sie an. Und sah in ihrem Gesicht, daß sie alles wußte. Ich nahm ihre Hand. rtf;. , Leid, Lotte? Warum denn ? Ich bin ja so glücklich. Ebenso wie du! Ich verstehe dich setzt! Sie schüttelte ernsthaft den SWb . Wie kannst du denn glücklich sein? Er nt doch nicht frei " Ach Gott, Aga, und gerade dir hätte ich alle^ Beste und Schönste auf der Welt gegönnt!" Wie fremd und sonderbar die Worte klangen. i^rifre ick selbst denn noch gar nicht daran gedacht? Den^amzettTag gestern nicht und die Nacht? Bor lauter Unvernünftiger Glückseligkeit vergessen, woran ich zuerst packte mich auf einmal Etwas Fremdes zwischen ihm und mir! E.ne andere, di° SWÄ W ®» wem» **» der Menschen! - ™ ... Mii-klick eilt besseres? Nein, tanfendmal nein! Wav ist sie 5m denn? Was für ein Teil hat sie an ihm, an seiner Mein Recht steht höher. Nicht nur in meinen Augen, auch in seinen. Weil wir uns lieb haben. Wie eine große heiße Welle von Glück geht es wieder über mich hin. Weil wir uns lieb haben! Das ist ja alle^, alles1 Das andere sind kleinliche Außendinge! Ich habe Lotte wohl nicht sehr sanft geantwortet ^Laß mich doch glücklich sein. Das andere wird schon werden. Was geht dich das an?" ~ . Sie war gar nicht beleidigt. >>ch bereute meine 5zefttg leit sofort. Zugleich fiel mir etwas ein. Neben mir auf dem Tisch lag ja der Brief, den ich diese Nacht mit Bleistift hingekritzelt habe. . f , TU mir die Liebe, Lotte! Du siehst chn eher als ich, und dn kannst es auch unauffälliger. Gib ihm dies- Sie zog auf einmal die Hand ztiruck, als ob sie etwas Giftiges anfassen sollte „Verzeih, Agnes! Ich kann nicht." „Warum nicht?" Sie war brennend rot im Gesicht. „Weil es nicht recht ist." „ . , ,, _ „Nicht recht?" Ich mußte lachen, aber ut Hellem Zorn. „Bitte, kehre erst vor deiner eigenen Tür! Hast du denn gefragt, ob es recht war, was du tatest?" , „Ich will mich nicht weiß waschen, dlber ich — ich nehme doch — keinem andern etwas." r „Weißt du denn, ob ich ihr etwas nehme? Ob ihr daran liegt?" Meine Geduld war plötzlich zu Ende ■ „Es nützt ja nichts, sich zu streiten, du verstehst mich nicht. Laß mich jetzt allein." , . .. . Nachher habe ich'än meinet Tut gehorcht, bis ich seinen Schritt hörte. Aiif dem dunklen Gang hab ich ihm den QCQCbCH Er nahm ihn nicht gleich, blieb wie erschreckt stehen, als er mich sah. Blaß und übernächtigt war sein Gesicht. Liebster! Armer! , ., , xv Ich weiß, du hast auch wach gelegen und gedacht! An mich gedacht, vielleicht auch an die Zukunft! Sorg dich doch nicht, ich glaube ja an dich! Wir gehören zusammen und müssen znsammetikommen. Uno wenn ein Wunder geschehen sollte! Mit den Augen hab ich ihm das gesagt, die «ekundS, während er meine Hände in den seinen .hielt^nud haslig drückte. Sprechen konnten wir nicht, Tillas Schritt war hinter der Tür. Er ließ rasch meine Hand los und ging an mir vorbei zur Treppe. , . Mir lief es heiß übers Gesicht. Diese häßliche Heimlichkeit! Gestern war mit das gar nicht zum Bewußtsein gekommen. , . . . f . f., Es liegt seitdem wie ein Druck auf nur, eine heimliche Unruhe. Warum bin ich nicht wie gestern? Nein, ut) will mich nicht ducken lassen! Ich will den Kopf hoch halten, glücklich sein, trotz allem! Ich bin es ihm 'Eigentlich ist es sä ganz natürlich' so. Daß daS alles nicht so leicht fei» würde, hätte ich mir gleich klarmachen 286 können. Wer wer denkt an solche Dinge in diesen ersten goldenen Stunden? Ich habe den Mut, um mein Glück An kämpfen. Und Georg wird schon einen Weg finden. Nicht weiter denken! Nicht dem Schmetterling Glück den Staub von den Flügeln wischen! M mein Liebster jetzt liest, was ich ihm schrieb? München, '5. April. - .Ich warte auf Georg, seit Stunden schon. Bei jedem Schritt auf der Treppe und jedem Schrillen der Türglocke fahre ich zusammen und /rorche. Mein Kopf brennt, als ob ich Fieber hätte. Ich muß ihm sagen, was ich um ihn ausgestanden habe! Ich kann's nicht allein tragen! Es wird mir heiß und kalt, wenn ich daran denke, vor Zorn, Scham, Ekel. Wie ein physischer Schmerz war mir die Szene, jedes Wort ein Schlag ins Gesicht. Vor mir auf dem Boden der zertretene Ring, ein paar dünne, goldene Stücke. Ich habe Tilla nie so gekannt. Daß sie etwas ahnte, wurde mir schon vor dem frostigen Wschied, aus der kurzen Fahrt von Partenkirchen hierher, klar. Ich wollte mich nicht verraten, spielte förmlich Theater, sprach und lachte. Wer ich Betont nur von Lotte Antwort. Tilla sah über mich weg, als ob ich Luft toäre. Georg starrte aus dem Fenster, seine böseste Falte zwischen den Brauen, und zerbiß seine Unterlippe. Ich war noch nicht lange hier, als sie kam. Sie hatte sich gar nicht melden lassen. Bei bent kurzen Klopfen fuhr sch her um. Sie blieb an der Tür stehen. „Ich komme, um mich zu verabschieden. Wir reisen heute abend; du weißt wohl totmim." Ich sah ihr Gesicht an tmb wußte sofort, daß etwas kommen mußte. Sie war fast abstoßend so, die Nasenflügel gebläht, ein förmlicher Wellenschlag von Farbe vom Kinn bis zur Stirn. Als ich nichts sagte, kam sie einen Schritt näher. „Ich hatte eigentlich eine Auseinandersetzung vernreiden wollen, aber ich kann es nicht hinnnterschlucken. Dir sollst Mit klaren Worten wissen, was ich von dir denke!" Ich nahm mich Kufammen. Ruhig Blut! Um Georgs willen! „Bitte, sag, was du W sagen hast. Was willst du?" Sie lachte scharf. „Ms ob du das nicht ebensogut wüßtest wie ich! Denkst du denn, ich bin ein Kind, daß ich nicht sehe, wie es zwischen dir und meinem Mann steht? Glaubst du, das würde ich mir so ruhig gefallen lassen? Ich hatte längst dazwischensahren sollen, ja. Ich habe es nur nicht glauben wollen, meinen eigenen Augen nicht, daß dir so schlecht sein könntest!" Mir wurde der Kopf heiß. „'Besinn dich, was du sagst, Tilla. Ich bin mir keiner Schuld bewußt!" Sie sah mich feindselig an. „Nein? Dann will ich sie dir klar machen. Warum habe ich dich denn damals in mein Harrs geholt? Hatte sch irgend etwas davon? Du tatest mir leid, weiter nichts! Und der Dank? Hinter rneinenr Rücken ein schamloses An- Windeln mit meinem Mann —" „Tilla! Hör aus! Sofort!" „Ja, war es denn etwas anderes? In der Stadt klatschten sie ja schon darüber, meine .Häuslichkeit war der Skandal im Regiment!" „Wenn sie das war, dann hatte das andere Gründe! Was war denn das für eine Häuslichkeit? Was fand Georg denn, wenn er riach Haus kam? Schlechte Laune, Gezänk, oberflächlichen Klatsch! Wundert es dich, daß er da anderswo suchte, was er brauchte? Ich habe mich nicht zwischen euch drängen wollen! Aber es konnte ja gar nicht anders kommen! Es ist deine eigene Schuld!" Sie hob hochmütig das Kinn. „Was geht es dich an, wie ich mit meinem Mann stehe? Das ist meine Sache. Er ist eben mein Mann. Ich lasse mir nicht stehlen, was mir gehört!" „Was dir gehört? Das hast du längst verloren! Ich weiß, daß Georg mich lieb hat!" Wieder das harte Lachen. Ihre Augen waren nichts Äs Haß. * . „Ich kenne meinen Mann. Er weiß, was er mir und' fernem Sohn schuldig ist. Es kümmert mich nicht Wetter, mit wem er sich nebenher amüsiert. Wenn sich ein Mädchen dazu hergibt —" Sie zuckte die Schultern. Es kochte siedeheiß in mir auf, rch wollte auffahren. Wer im gleichen Augenblick sah rch die verzerrte Lächerlichkeit der Situation. Der Kampf um den Manu! Wie häßlich! Wie niedrig! Ern plötzlicher Ekel quoll irr mir apf; ich riß mich mit Gewalt zusammen. /,Wir wollen hier keine Dheaterszene aufführen, Tilla. Du brst wohl fertig mit dem, was bit zu sagen hattest." Ich konnte ganz kalt sprechet,. Das reizte sie wohl. „Ja. Und fertig mit bir, ganz und für immer!" Sie riß sich auf einmal den Handschuh herunter rind den schmalen Ring vom Finger, den Freundschaftsring aus unserer Backfischzeit. „Es war eine Albernheit, baß ich bas Ting noch trug, ^etzt wäre es eine Lüge. Da!" Sie warf ihn mir vor bie .Füße und setzte hart den Wsatz darauf. Das Ding zerbrach ihr knirschend unter dem Fuß. Biel länger hätten «teilte Kräfte nicht gereicht. Ms st.e aus der Tür war, hab ich mich aus mein Bett geworfen! und in die Decken gebissen, um nicht zu schreien. Das mußte ich mir sagen lassen! Nm deinetwillen, Georg! ' Pfui, wie das ekelhaft ist! Wie das in den Schmutz zieht! Komin, Liebster, komm! Deine Liebe soll mich wieder rein waschen! Für jedes häßliche Wort will ich ein liebes von dir haben, hörst dn? Einen Kuß, der es auslöscht! Warum kommst du denn nicht? Du darfst mich nicht allein lassen! Ach, auf dem Papier rede ich mit ihm, was hilft das? Ich verhungere dabei nach Antwort, nach seiner lieben Stimme, nach ihm selbst! Wie viele Stunden ivarte ich nun schon? Es wird dämmerig, die Laterne nuten im Hof zeichnet mein Fenster- Viereck scharf an die Stubendecke. Ach habe meine Tür zugeschlossen und Lotte klopfen lassen, äls es zu Tisch läutete: „Ich komme nicht!" Was sagte Tilla von Abreise? Heute abend? Und .wir', sagte sie. Mso Georg auch. Es kann ja nicht sein, er muß kommen! Ich weiß ja nicht, was werden soll, heute und morgen und später. Es ist alles Dunkelheit und Wirrnis. Wenn er kommt, wird es hell werden. Ich kann nichts denken als das eine. Es ist mir, als ob mein Wille ihn herzwingen müßte! Liebster! Liebster! Warum läßt du mich warten? Ich bin. . .. (Fortsetzung folgt.) persönliches von Aönig Eduard. Aus König Eduards Jugend. „Unser kleiner Junge ist ein wundervoll starkes und großes Kind, mit sehr großen, dunkelblauen Augen, einer hübsch geformten, wenn auch etwas großen Nase, und einem niedlichen kleinen Mund. Ich hoffe und bete, daß er Ivie der liebe Papa werden möchte. Er soll Albert genannt werden, und Edward soll sein zweiter Name sein." Mit diesen Worten meldet Königin! Viktoria ihrem Oheim, dem König der Belgier, die Geburt ihres elften Sohnes und Thronerben. Ter kleine „Berti", wie ihn die Königin liebkosend nannte, wurde ein von Gesundheit und Lebensfreude strahlendes Kind, das seine Würde als 18. Prinz von Wales nicht im mindesten drückte. Ter alte Herzog von Wellington, der große Kriegsheld, hatte seine Freude an deut ungezogenen neuen Sprossen des erlauchten Herrschergeschlechts. Als ihm einst bie Lady Seymour fragte, wie es dem Printzeni ginge, antwortete er lachend: „Wenn es wahr ist, Ivie man behauptet, daß die Kinder, die tüchtig schreien und energisch mit ihren Füßen strantpcln, am gesündesten sind, dann kann ich Sie versichern, daß bie Gesundheit des Prinzen von Wales mehr als vollkommen ist." ; \ _, Ernst des Lebens trat an den Knaben heran, als bie Schulstunden anfingen. Seine Lehrer, der Red. Henry Mildred. Birchs der Gelehrte Fredöric W. Gibbs und seine Hofmeister waren mit ihm auch ganz zufrieden, aber manchmal rebellierte das junge, ungeduldige Blut recht drollig gegen den Zwang des Lernens. Tie Gesetze der englischen Verfassung wurden ihm, dein 287 .und bie Repräsentation an ihn stellten. DiÄ S^me, Tortur,, die es für ihn gebe, so erklärte er öfters stus- bestände^ m lenen großen Hofempfängen, da müsse er stets huldvoll lächeln und freundliche Worte sprechen, auch wenn ihm gar nicht danach zu Mute sei. Einmal sei er won dem wütendsten Zahnschmerz geplagt ivorden, aber er habe doch kein mürrisches Gesicht macheil dürfen, weil sonst all die Empfangenen die Wwesen- heit der königlichen Gnade auf das Schmerzlichste empfunden hätten. Wenigstens zweimal tn der Woche erhielt der König von jedem Minister, mündlichen Bericht über alle wichtigen Vorgänge Da der König stets eine große Anzahl von Fragen an die Minister! zu richten hatte und, sich über die kleinsteil Einzelheiten informierte, jo dauerten die Audienzen oft sehr lange. Dazu kamen noch all die andereii Empfange und Zeremonien; den ganzen Tag und oft noch bis spat in die Nacht _ liefen in ununterbrochener Reihenfolge Briefe und Telegramme für ihn ein, die ihn über wichtige iwlitischs Ereignisse unterrichteten und ihm sogleich mitgeteilt werden mußten. Esast also ern gewaltiges Stück Arbeit, das König Eduard in den neun Zähren seiner Regierung vollbracht hat. Ulnstigen König, täglich „eingcpaukt". Dadurch würde ihm dieser Unterrichtsgeaenstand höchst unsympathisch und eines Tages er- Karte er, resolut: „Ich will nicht mehr die Verfassung aufsagen. Dies ewige Auswendiglernen basse ich, cs ist so langweilig und trocken. „Aber es ist von höchster Notwendigkeit, erwiderte der erschreckte Hofmeister, „daß Sie genau alles wissen, was sich auf die Konstitution des dereinst von Ihnen regierten Landes bezieht; es ist unbedingt notwendig!" „Ja, Sir", entgegnete der Pnnz traurig, „ich !veiß, die englische Konstitution ist höchst wichtig. Aber was wird dabei aus meiner Konstitution?" K ö n i g Eduards Werb u n g. Schon als Schüler war der Prinz von Wales nach Deütsch- land gekommen und hatte zwei herrliche Monate in Wnigswinter am Rhein verbracht. Auf seiner Reise war er nach dem Wunsch der Königin voll einigen gleichaltrigen Schülern von Eaton aus bf’t vornehmsten Familien des Landes begleitet, die man ohne Rücklicht auf ihre politische Parteistellung ausgewählt hatte. Als dann 1858 seine älteste Schwester den Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen heiratete, weilte er öfters bei seinen Ber- wandten und kehrte entzückt von solchen Ausflügen zurück. Im Jahre 1860 hat er bei einem solchen Besuch in deutschen Landen zum erstenmal die junge Prinzessin Alexandra, die Tochter des damaligen Herzog Christian IX. von Schleswig-Holstein-Sonder- durg, des späteren Königs von Dänemark, gefehen. Bon der mißeren Persönlichkeit des Prinzen besitzen Wir ein anziehendes! Bild in der Schilderung der Gräfin Bernstorfs: „Der Prinz von Wales hat feinere und regelmäßigere Züge als seine älteste Schwester, aber er sieht noch etwas kindlich und zart aus; man njödjte ihm wünschen, daß er noch wachse und sich kräftige. Sein Ausdruck ist sanft und freundlich, sein Lächeln besonders hübsch — es erinnert an das seiner Mutter. Die Königin selbst bedauert sehr, daß er so klein ist." Bei einem Besuch des Domes von Morins sah der Prinz von Wales zum erstenmal zufällig seine spätere Gattin. Das Mädcyen siel ihm auf. Er lernte sie kennen. Der Zufall, beii den ersten Schritt ihrer Liebe begünstigt, zeigte sich ihnen weiter geneigt, sie begegneten einander öfters bei der Schwester des Prinzen, die damals mit ihrem Gemahl in Heidelberg weilte, dann auf Schloß Lacken bei König Leopold von Belgien. Am 10. März 1863 wurde in. der St. Georgskapelle von Windsor i die Hochzeit gefeiert. i Der Prinz von Wales. Ein reicher Kranz von Legenden .hatte sich um die Gestalt I Eduards gewoben, da er so lange Zeit als Prinz von Wales die Augen der Welt aus sich gerichtet sah. Als ein echter Engländer fand er wohl sein höchstes Vergnügen an Pferde- I rennen. „Ich bin am glücklichsten," schrieb er einmal, „wenn I ich als ein einfacher Mr. Johns zum Remien gehen kann, ohne I daß es dann gleich am nächsten Tage in den Zeitungen heißt, I der Prinz von Wales habe sehr hoch gesetzt und mehr verloren, I als er je bezahlen könne." . c Auch als führende Erscheinung auf.dem Gebiet der Mode | hatte der Prinz einen lang anhaltenden Ruhm gewonnen. Seit I den Tagen der großen Dandys gvar er der erste, dessen Kleidung in den Steifen der Lebewelt maßgebend wurde. Jede Kleinigkeit j in seiner Kleidung wurde beachtet und sand allgemeine Nach- I ahmnng, selbst Wenn er gar.feine bestimmte Absicht damit verband. I Als er einmal mehrere Tage hintereinander in Marienbad mit I einer roten Kiawatte erschien, erregte das in Schueiderkreiseüj I eine gewisse Revolution; sogleich wurden rote Krawatten aus I den Markt gebracht und Eduard erfuhr erst nachher zu seiner Ber- I Wanderung, daß er der Schöpfer dieser Mode gewesen. Ernst- ! Hafter war eine andere Neuerung, als der Prinz bei einem Hock;- | zeitsfeste nicht in dem klassischen langen Gehrock, sondern in I einem kürzeren einreihigen Rock mit Schößen erschien und damit I das Mißfallen der englischen Schneider erregte. Besonders im ! Reich der Hüte hat Eduard oft seinen persönlichen Geschmack I betont, als er an die Stelle des Zyliirders den steifen, rnnbeii ! Hut, dann an dessen Stelle den weichen Hut, ja sogar eine kurze 1 Zeit lang den Tyroler Hut treten ließ. Jedenfalls war in seiner I Kleidung ein höchst vornehmer Geschmack ausgedrückt, der sich I auch in seiner Lektüre und in seinen Sammlungen äußerte. I Er nannte viele Kostbarkeiten sein eigen, deren Bereicherung I ihn erfreute. Die von seiner.Mutter ererbte Spazierstocksannnlung vermehrte er, freute sich an einer Sammlung von goldenen | Schlüsseln, die ihm bei der Einweihung öffentlicher Gebäude I überreicht worden waren; seine Sammlung von Kupferstichen belief | sich auf 21 000 Stück. Neben der großen B ü ch erei von 125 000 | Bänden im Windsorpalast, die fein liBater zusammengebracht hatte, j verfügte er noch über eine von ihm selbst gesammelte Bibliothek I von 10 000 Bänden. Groß wat seine Liebe fürs T h e a t e r, das er I gern möglichst ungeniert und unauffällig besuchte. In London I bestand noch bei seinem Regierungsälitritt die Sitte, daß der I Theaterdirektor den König am Fuß der Freitreppe begrüßte und I wit zwei Fackeln in der Hand zu seiner Loge begleitete. Eduard I schaffte diese Zeremonie schleunigst ab. i I Als einfacher Gutsherr, als Verwalter seines Landbesitzes hat I M der verstorbene König am wohlsten gestthlt; die beschwerlichste I ««st, die ihm die Kstvne brachte, waren die Anforderungen, die I vom Familienleben des neuen englischen Aönkgspaarer I uitb, der liebevollen Strenge, mit der König Georg und I Königin Mary die Erziehung ihrer Kinder überwacht haben, j weiß ein Kenner der Verhältnisse allerlei Interessantes I 8U erzählen. Die sechs fröhlichen, gesunden Linder, die das I Glück der Eltern bedeuten und bereit jüngstes erst wenige | Jähre alt ist, wurden alle in derselben einfachen und strenget» I Weise erzogen, wie Prinz Georg und Prinzessin.Mary in I ihrer Fugend. Die Eltern wachten eifersüchtig darüber, I daß von ihren Kindern alle Standesvorurteile fern blieben, einfach und schlicht ist die Umgebung, in der sie herau- । wachsen, einfach und schlicht ihre Nahrung und auch ihr« Kleidung. Manche Bürgerfamilie des Mittelstandes würde über die anspruchslose Sparsamkeit staunen, die in der | Kinderstube von Sandringhant oder von Porkhouse den l Grundsatz der Erziehung bildet. Nur hin und .wieder, wenn die Kinder mit den Eltern in London weilen, müssen sie । bei festlichen Gelegenheiten die lästige Arbeit einer i» stündlichen Staatstracht über sich ergehen lassen: die kleinen Prinzen und die Prurzessin Mary, die im April freilich bereits ihr 13. Fahr vollendet, haben nie.für diese Pflichten eine große Vorliebe gezeigt; als fröhliche, gesunde Kinder fühlten sie sich Wohler, wenn sie in den Gärten von Sandringham oder in Osborne sich ungestört im Freien tummeln konnten und nach der Spielzeit zur großen Bekümmernis der Kinderfrauen herzhaft schmutzig und zerzaust in die Stube zurückkehrten. Mit einem Ueberfluß an Spielfachen hat man die englischen Prinzen nie verwöhnt; in regelmäßigen Zwischenräumen unternahm die Mutter eine strenge Uebersicht über die vorhandenen Spielgeräte; die Kleinen ivurden dann dazu angeyalten, zugunsten der armen Kinder in den Krankenhäusern auf liebgewonitene Spielsachen zu verzichten, und so zieht man in den Kindern das Gefühl für die Pflichten groß, die sie gegen die Mitwelt und die Armen haben. Fn dem Erziehungsplan hat die Erlernung fremder Sprachen stets eine bedeutende Rolle gespielt. Die drei ältesten Kinder sprechen Französisch und Deutsch so fließend wie ihre Btuttersprache. Insbesondere dem Deutschen ist von Anfang an die größte Sorgfalt zugewandt worden. Eine Zeitlang sprachen die Kinder bei Tisch französisch, weil eine der Kinderfrauen Französin war; auf besonderen Wunsch der Urgroßmutter, der verstorbenen Königin Viktoria, wurde dann nur noch Deutsch gesprochen, selbst das „Dankeschön" bei Tische mußte deutsch gesagt werden. Geschichte und Geographie waren .den fa ngen Prinzen'stets das liebste Lehrfach. Die bei der Mutter stark ausgeprägte Vorliebe für Musik scheint dagegen nur auf den kleinen Henry übergegangen zu sein. Er war es auch, der bei der Taufe feines jüngeren Bruders in der St. Georgskirche sich öffentlich auszeichnete: als er feinen Großvater, König Eduard, erblickte, rief er mit seiner Hellen Kinderstimme laut und fröhlich in die andächtig schweigende Versammlung: „Ich sehe dich, ich sehe dich!" König Eduard lächelte herzlich und es kostete viele Mühe, bis man den kleinen Prinzen so weit beruhigt hatte, daß er die Festlichkeit nicht iveitev störte. Von der Prinzessin Mary erzählt man, daß sie in ber Kinderstube das Szepter führt und dafür sorgt, daß ihre Brüderschar im' kindlichen Uebermnt nicht zu viel Unruhe stifte. Und die Brüder lassen sich diese schwesterliche Bevormundung, von Keilten Widerspenstigkeiten abgesehen, .als etwas Naturnotwendiges gern gefallen. Selbst der 288 — Dem schlanken jungen Manne mit dem Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Wietzen. Logsgriph. Mit „U" ist's zu finden am Donaustrand, Mil „I" zieht es murmelnd durch's Thüringerland; Mit „A" liegt es hoch zwischen Alpengeländcn, Mit „O" wohnl's im Schluchten an FelZhöhlcnwänden. t. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des magischen Dreiecks in voriger Nummer: \ DELOS ESEL LEA 0 L 8 * A »berge w ö hnli ch hohe P r e < , e wurden bet der Versteigerung der Kunstsammlung des verstorbenen Mr. Octavms E. Coove bei Christaes in London erzielt. Wahrend des zwei- tägigen Verkaufes ivurden säst 1200 000 Mark erzielt, und inan alaiibt, daß nach Beendigung der Versteigerung der Gemälde eine Summe voi> zivei Millionen Mark erreicht wird. Emc-alle chinesische Base in der Höhe von 16 Zoll wurde mit 94 000 Mk. zugeschlagen. Dieselbe Vase beiand sich früher in der Barnal- Sanimlung und tvurde vor 25 Jahren mit etwa 1200 Mark ver- tauft. Ein Paar chinesischer Bnsen aus der Kang Ho-Periode wurde mit 37 OCO Biark zugeschlageti unb zwei Chelsea-Vasen er- zielten 25 000 Mark. Ein Paar Champagnerkühler von Boulanger bedangen 54 000 Mark. » Der jöefb der Lüfte. Louis Paitlhau, der mit seinem glücklichen Fluge von Loudon nach Manchester den 200 000 Mark - Preis der Daily Mail errungen hat, ist nicht durch einen glücklichen Zufall in die Zahl der berühmten Aviatiker eingeruckt: eine lange Reihe von entbehrungsvollen Jahren und zäher, ziel- bewusster Arbeit sind dem Siege voraufgegangm, der ihm nun zuteil geworden ist. Dem schlanken jungen Manne mit dem fröhlichen, fast kindlichen Wesen, in dem alle Leidenschaft durch eine herzeugewinnende Bescheidacheit und Liebenswürdigkeit ge- bäudigt erscheint, sieht man nichts an von den überwundenen entsagungsvollen Zeiten, in denen nur das hohe Ziel über die ■ harte Arbeit des Tages den Schimmer ferner, stolzer ttofmuiigen warf Als 18 jähriger Jüngling war Paulhan Matrose geworden; zwei Jahre laug lebte er auf dem Meere, -er diente auf etnelm französischen Schiffe, das zwischen Europa und dem fernen Osten, insbesondere Japan, verkehrte. Er war 20 Jahre alt, als sein Geist sich zum erstenmal mit der Luftichissahrt befchasttgte und seine rege Phantasie erkannte sofort die großen Möglichkeiten, die hier noch unerschöpst schlummerten. .Als, em »reiimlllger trat er in die Luftschifferabteilung der französischen Armee ein und als einfacher Mechaniker nahm er Teil an der Herstellung der Militärballons und er lernte so in der Praxis, was von der Luftschiffahrt zu erlernen ist. 'Dann, int Jahre 1906, kamen die ersten Erfolge des mechanischen Fluges. Als Santos Dumont an jenem denkwürdigen Novembertage in Paris die ersten 210 Meter mit einer Flugmaschine zurücklegte, da stand unter den be- wuiidemden Zuschauern auch Louis Paulhan. Er zählte zu den wenigen, die sofort die Bedeutung dieser ersten wirklichen Leistung erkannten, und fortan widmete er seine ganze .Kraft nur ausschließlich der Fliegerkunst. Die äußeren Verhältnisse waren ihm kaum günstig und mehr als einmal schien das,Schick,al dem vermögenslosen jungen Mechaniker den Weg zu versperren. Mut, Ausdauer und Enthusiasmus trugen ihn über Zweifel und Sorgen hinweg Paulhan arbeitete damals als eiufacher Mechaniker mit einem Wochenlohn von 60—80 Mk (?). Seine erste Sorge war, sich in der damals neugegründeteil Flugmalchiuenfabrik der Bruder Voisiu -eine Anstellmig zti verschaffen und hier arbeitete er an der Herstellung jener ersten ungefügen unsicheren Maschinen mit, die heute längst der Vergangenheit angel,ören. Als dann die Brüder Voisin einen Preis für den besteii Entwurf einer Flug- maschine auSsetzteu, war es Paulhan, der im Wettbewerb den Preis davontrug. Aber seine Mittel ivaren zu gering, um aus eigenen Kräften an den Bau einer eigenen Flugmaschine denken zir können. Schließlich fand er jedoch vertrauensvolle Freunde, die ihn unterstützten: endlich konnte er seinen ersten Flug unternehmen, er benutzte dabei einen Voism'schen Zweidecker und blieb sofort 15 Minuten in den Lüften. Als er dann ans der Fliegerwoche von Reims auftauckte, erregten die ersten Flüge des kaum bekannten jungen Fliegers Aufsehen und ungeteilte Bewunderung. Er war -es, der sich höher in die Lüfte empor wagte als alle anderen und in den ersten zwei Tagen übertrafen seine Leistungen alle anderen Flüge. Seine Wettsiege ivurden später von den erfahreneren, älteren Meistern, von Blöriot, voit Latham und von Farman überholt, aber Paulhan war berühmt und seilt Name gemacht. Die ruhige Sicherheit und vor allem die besonnene Umsicht, mit benen er seine Wagnisse unternahm, ohne in sinnloser Tollkühnheit Unmögliches zu versuchen, wurden von allen Fachleuten rühmend anerkannt. Die Ereignisse haben den Weis- sagungen, die damals fielen, Recht gegeben: der kleine, immer lächelnde, lebhafte Paulhan hat Sieg um Steg errungen, die Zahl seiner Flüge wuchs von Woche zu Woche, und mcht ein einziger Unfall traf den umsichtigen, besonnenen Flieger, -schon im Herbst des vergangenen Jahres war -er in England gewesen, nm die Strecke London—Matlchester in Augenschein zu nehmen, denn von Anfang an war es sein Ehrgeiz, diesen Flug a\v§» zuführen. Wenige Wochen später verblüffen seine Leistungen in der Flngwoche in Los Angeles in Kalifornien alle Sachverstan- ültöste, Prinz Eduard, der heutige Thronfolger, dessen entschiedenes, klares und zieWelvußtes Wesen schon tn den Knahenjcchren der Umgebung aufsiel, erduldete gern die mütterliche Streug-e, mit der seine kleinere Smivc-ster sich „seiner annahin". vermischtes. digen. Paulhast erhebt sich bis zu einer Höhe von 4000 Fuß und beweist dabei eine Sicherheit in der Handhabung seiness Apparates, die ihn an die Spitze der bekannten Flieger stellt. Erst vor einigen Tagen überraschte er die Welt noch mit einem ueueit Wettsieg: er flog von Chulons nach Nogent-sur-Seine, ein Ueberlandflug von mehr als 180 englischen Meilen. Und nut welcher Kühnheit er seine Maschine bei Blackpool durch einen heftigen Sturm steuerte, ist noch in frischer Erinnerung aus beit aufregenden Schilderungen, die Augenzeugen von diesem verwegenen Kampfe mit dem Sturme gegeben haben. * Geraldine Farrar, die befunnte Sängerin, gab, wie aus New-York berichtet wird, den Gefangenen im Gefängnis von A llanta ein Konzert. In dem Gefängnis war bekannt ge* worven, daß Mist Farrar mit Caruso, Scotti und Madame Gadski in. der Hauptstadt des Staates eine Woche lang auftreten ivurden, und sie forderten daher 'Mist Farrar auf im Gefängnis zu fingen. Mist Farrar erklärte sich ohne Zögern bereit tund fuhr nach dein Gefängnis, wo sie ein regelrechte Ksouzert gab. * A chtzi g Jahre n u r Zylinder h ü t e g e t r n g e n Hai ein dieser Tage in Surfleet verstorbener Schuhmacher. Im Alter von 10 Jahren schickte ihn feine Tlutter mit einem Seidenhut in die weite Welt, und empfahl ihm an, niemals andere Hnte zu tragen. Er ist diesem mütterlichen 'Rate genau nachgekomnien und hat bis an sein Lebensende nur den Seidenhut getragen. Er war in seiner Heiniatstadt Surfleet eine bekannte Persönlichkeit. . * Der erste Gegner des Frühschoppens. Seitdem Windthorst den Kämpf gegen den Frühschoppen aufnahm, ist die scheinbar so festgewurzelte Sitte in der Tat m Abnahme ge- kommen. Aber Windthorst ist, wenn auch der erfolgreichste, so doch nicht der erste Bekämpfer des Frühschoppens gewesen. Schon im dritten Jahrhundert läßt sich Novatian, ein Presbyter, n>te folgt vernehmen: „Es gibt Christen, die das Beispiel ber list- enthaltsamkeit geben und so lasterhaft geworden sind, daß sie gleich frühmorgens nüchtern trinken, während doch Christen erst nach der Mahlzeit einen Trunk zu sich nehmen sollten.