»W W ■liMT UW W Ä «10 ■ SNH MMHMM n E 101 m™ n Friedel halb-süß. vornan von Fedor von Zobeltiß. (Sortierung.) (Nachdruck verboten.) • sprach der Alte. Er wog gewissermaßen jedes ^ort auf der Zungen er sprach sehr langsam. , /'^ksn. lieber Fritz, ich für meinen Teil habe ganz gewlß^ nichts gegen deine Absichten. Im Gegenteil, ich begrüße ftc mit Freuden. Nur etwas macht mich stutzig. K>u sagtest, das Resultat deines Zweikampfes sei für dich der augere Anstoß gewesen. Stimmt das? Ist das wirklich so?" Ustter dem forschenden Blick des Opas senkte Fritz unwlllkurllch die Äugen. „Ich will ehrlich sein," begann er stockend. selbstm^Ech!" rief der Mte, „das versteht sich von „Gut, Opa. Vater, verzeihe mir diese Ehrlichkeit. Ich habe sert Jahren den Geschäftsgang verfolgt. Ich sah, daß stbwcirts führte. Ich kannte auch die Gründe. Vater allein ist tzu schwach für die Gegenarbeit. Aber Gatte und Sohn iverden wirksameren Widerstand zu leisten vermögen gegen die Strömungen, die uns dem Untergang zutreiben. Die in einem Geschäft, wie dem unfern, geradezu unbegreifliche Geldnot hat mir bewiesen, daß wir unsere Lebensführung vollständig umgestalten müssen. Das gilt für uns drei: für den Papa, für mich — vor allem für die Mama. Ich ziehe meine Attila aus, um arbeiten zu können. Von der Mama werden wir fordern, daß sie ihre Bedürfnisse dem Lohn unserer Arbeit anpasse. Das wird sie tun, wenn sie verständig ist. Und tut sie es Nicht —" „Sie tut es nicht!" rief der Opa. „So werden wir ihr die Wünsche versagen," schloß Fritz ruhig, „die nach unsrer Ansicht unerfüllbar sind." „Bravo!" Der Alte schlug mit der Hand ans den Tisch. „Das ist seit langem, langem das erste vernünftige Wort, das ich in diesem feinen Hause gehört habe." Der Kommerzienrat lachte spöttisch auf. „Sehr liebenswürdig von dir, mein guter Fritz, daß du mich im Kampfe gegen die Ansprüche der Mama unterstützen willst. Der Kampf währt nun bereits fünfundzwanzig Fahre — und bisher war ich immer der Unterlegene. Bin neugierig, was du erreichen wirst. Aber alles das führt uns vorläufig nicht vom Fleck. Wir brauchen Bewegungsgelder, und die wären auf der Stelle da, wenn Ihr mit meinem Plane einer Gesellschaftsbildung einverstanden sein wolltet." „Sie sind auch s o da, Papa. Ich schieße meine Erbschaft von der Großmutter ein. Das sind dreimalhundert- tausend Mark. Sie werden genügen." Der Kommerzienrat antwortete nicht. Er 6 eg riff seinen Jungen nicht- er erschien ihm wie ausgewechselh wie ein ganz' fremder Mensch. Der Opa aber schüttelt« den Kopf. „Das wäre gegen den Willen der Großmutter," sagte er; „sie wollte ihr Vermögen nicht im Geschäft aüq gelegt wissen. Es sollte ursprünglich die Mitgift deines Schwester bilden. Aber der Storch ließ sich zu keiner Schwester bewegen. Auch dieser Fall war im Testament vorgesehen. Die Großmutter wollte dir eine gewisse Utto abhängigkeit sichern — speziell deiner MiUtter gegenüber. Die beiden standen sich nicht sonderlich gut miteinander." „Sei's wie es sei, Opa. Ich bin volljährig und Besitzer meines Erbes. Es kann auf der Stelle flüssig gemacht werden. Es soll mein Geschäftsanteil sein. Sind) damit die Äugenblicksschwierigkeiten gehoben?" „Durchaus." Der Kommerzienrat goß sich ein WaA Portwein ein. Er war wirklich ein wenig verwirrt. Er freute sich einerseits über die unerwartet rasche Beseitig gung eines gefährlichen Moments, konnte andrerseits aber auch ein leises Gefühl des Mißbehagens nicht unterdrücken. Er leerte mit raschem Zuge sein Glas. „^Durchaus," wiederholte er. „Aber, lieber Fritz, ich schließe mich den BL-! denken des Opas an. Mcht nur deines Vermögens halber, das dir ja schließlich nicht verloren geht, das im Gegenteil im Geschäft wahrscheinlich rascher arbeitet als auf der Bank --ich sorge mich, daß es dich eines Tages reuen dürfte, den Beruf gewechselt zu haben. Es kommt doch in Betracht, daß du mit Passion Soldat bist!" Fritz schüttelte den Kopf. „Rein," sagte er, „das bist ich nicht. Das, was mich an meinem Berufe reizte, waren nur Aeußerlichkeiten. Aber sie verloren den Reiz, je älter ich wurde. Ihr wißt, daß ich mir ein paar Jahre hindurch' im Verein mit Helldorf einen Rennstall gehalten habe. Ich gab ihn nicht nur auf, weil seine Rentabilrtät zweifelhaft wurde, sondern weil ich das bestimmte Empfinden hatte, daß ich als Sportsman immer nur ein fröhlicher Dilettant bleiben würde. So bin ich auch als Offizier nur ein Dilettant — einer, der seine Pflicht und Schuldigkeit tut, denk es aber an begeisterter Hingabe fehlt. . . ." Ein etwas müdes Lächeln ging über fein abgespanntes Gesicht. . . ? „Ihr werdet mir recht geben: jeder Beruf fordert diese Hingabe, fordert ein volles Interesse — und ihr seid auch! wieder im Recht, itoenn ihr mich fragt: „Wirst du im Kaufmannsberuf so völlig aufgehen können, wie es WM Besten des Geschäfts nötig ist?" — Da will ich euch offen antworten. Es gab Zeiten, da mich grade das Weingeschäft greulich dünkte. Ich stand unter dem Einflüsse der Mamch auch unter dem eines eigenen, sehr albernen ästhetischen Empfindens. Die Kellerwirtschaft mit all ihren Prozeduren schien mir einen so schroffen Gegensatz W meines gesellschaftlichen Stellung draußen W bilden, daß sie mir gradezu widerlich wurde. Uebrigens habe ich ähnliches auch bei andern Weinhändlerssöhnen gefunden, die mit mir in Bordeaux, Huelva «und Reims güf der Weihe waren. Für 630 (Fortsetzung folgt.) gab cs keine Hysterie, sondern nur 1 . ästhetisches Empfinden, sondern kindische 1 ' 1 r-' . . . I..... r -Y. ... f-■» l A ß' rt f A 4- uns reichere Jungen, die wir in der Gesellschaft immer- I hin eine gewisse Rolle spielten, war die Schemelreiterei I im Kontor und noch mehr der Kellerdienst so eine Art Gut- I Würdigung, r- etwas ganz. Gräßliches. Wer waren eben dumme Bengels, Sela. Nun bin ich allmählich reifer geworden, und da ist der Umschwung von selbst gekommen. Mußte wohl auch kommen. Mali sagt, ich sei immer ein sehr tüchtiger Offizier gewesen. Aber ich war's doch nur mit halbem Herzen, es war keine rechte Neigung dabei, ^ch möchte behaupten, der ererbte Kaufmannsgeist protestierte. Nichtsdestoweniger: ich würde ein leidlicher Soldat geblieben sein — ganz sicher —, wenn nicht das stärkere Pflichtbewußtsein mich nötigte, die Uniform auszuziehen. Das Geschäft bedarf meiner. Das ist der Hauptgrund. Ich habe aber auch noch einen Nebengrund. L-er Unglückliche Ausgang nieines Duells wird nicht nur beit Klatschsondern auch eine neue Hetze der Konkurrenz entses eln. Und dem Kampfe möchte ich mich um alles in der Welt nicht entziehen. . . ." Er stand langsam auf; ein großer Ernst lag jetzt auf seinem Gesicht.. . . „Das sei mein letztes Wort zur Sache. Nehmt damit vorlieb. Mein Entschluß ist unabänderlich." Der Opa reichte ihm die Hand und hielt bie seine fest. -jJch freue mich darüber," sagte wr mit weicherer Stimme als sonst. „Karl, wie denkst du? dir der Associö willkommen?" . Der Kommerzienrat erachtete es für richtig, abernials ein wenig Theater zu spielen. Er empfand plötzlich mit aller Sicherheit, daß der neue Associo ihm noch sehr un- bequem werden würde. Aber er brachte dennoch ein glückliches Lächeln fertig, das strählend über sein ganzes Antlitz ging. Und dann ergriff er die andere Hand Frizens und fchiütelte sie, und plötzlich breitete er die Arme aus und zog seinen Jungen an sich. „Ob du mir willkommen bist?!" rief er. „Du lieber Mott — nun sehe ich doch erst Ziele vor Augen! Jetzt gilt stnsre Arbeit der Zukunft des Hauses!" Er wollte Fritz einen Kuß geben. Der hielt ihm auch die linke Wange hin. Nur in den Herzenston des Vaters stimtnte er nicht ein. Er blieb sehr kaltblütig. Er zog seine Uhr. > "" „Noch zwanzig Minuten," sagte er; „dann geht mein Jug. . . . Papa, Kesselholz meint, daß unsre neue Marke bereits genügend Flaschenlager habe. Bist du auch oer Ansicht?" aus den Stufen der Treppe; der Alte stieg in den Gärten! hinab. Er halte sich lange nicht so wohlig gefühlt wre heute. Langsam schritt er den Weg nach der Eingangspforte hinab- den kranken Fuß ein wenig nachziehend, aber iimnerhist stramm und fest, blieb hier und da einen Augenblick st eh en, strich Mit der Rechten über die Knospe einer Pfingstrosebetrachtete eine neue Konifere, Nickte wohlgefällig einem blühenden Mändelbusch zu und marschierte dann weiter. Einmal hieß das Klingen eines geoffneten Fensterllnge s ihn umblicken. Und da ging wieder em sPvttisches Lachc u über seine Züge. Die Zofe der Frau Margot stieß, die Fenster im Schlafzimmer der Gnädigen auf. Die Gnädige hatte sich also erhoben. Es konnte em ^ag übler -aune für die Gnädige werden. Und es konnten noch schlimmere Tage für die Gnädige kommen. Ohnmächten, Weinkrampse, Schreien und Toben, verbissene Wut, Drohen mit Scheiß düng. . . . „Wär schon das beste," murmelte der Opa. 'seine Frau hatte den Haß gegen den Zögling der Lady Douglas-. Scott aus dem Hause der Herzöge von Buccleuch und. Queensberry mit in das Grab genommen. Aber m ihm lebte er noch. . Karl August war mit Margot gelegentlich rn Baden- Badcu bekannt geworden, wohin sie ihre Beschützerin, bie Lady Douglas-Scott, begleitet hatte, aas wunderschöne Mädchen entzückte ihn, und die ganze Art ihrev sich- I gebens, über dem immer der Duft äußerster Boruehm- hcit und feinster Kultur lag, imponierte ihm. Er hatte | es gar nicht gewagt, um Margot anzuhalten, wenn Lady Douglas in dem Bestreben, ihrer jungen tfteunbm cutc gute Partie zu schaffen, nicht die Vermittlerin gespielt hatte. I So kam es sehr schnell zn einer entfcheidenden Aussprache und bald daraus zur Hochzeit. I Die Eltern Karls hatten aus ihrem Widerspruch gegen diese Ehe kein Hehl gemacht. Sie waren nm so ärgerlicher- als sie für Karl bereits ein reiches Mädchen m Ansicht hatten. Aber schließlich würden sie sich über die Armut Margots hinweggesetzt haben, wenn die junge Hnmu versucht hätte, den Weg zu ihren Herzen zu finden, aoch ne versuchte es gar nicht erst. Die alten Leute waren ihr greulich, ihr Spießbürgertum stieß sie ab. Schon iin ersten Jahre der Ehe erfolgte die Trennung: der Opa und die I Oma zogen in ein eigenes Hans, das unten am Rhein lag', I nuweit der Kesselholz,scheu Besitzung, und pflegten sich nur noch an den Sonntagen deii Kindern zu ze,geii. Die Ehe zerfiel, langsam. Als Fritz aus bent Hause .ging, riß das letzte Band, das die Gatten zusammengchalten hatte. Man führte nunmehr in der Tat nur noch ein Gesellschaftsleben. Verschiedene Male hatte der Opa versucht, das Verhältnis zu klären. Er nahm fein Blatt vor beit Münd, er nannte die Dinge beim rechten Namen. Für ihn gab cs keine Hysterie, sondern nur Ungezogenheit, fern ästhetisches' Empfinden, sondern kindische Launen, kernest harmlosen Flirt, sondern schamlose Koketterie. Als Gras Etdringen der bevorzugte Anbeter Margots geworden war,- riet der Alte zur Scheidung. Da lachte Karl ihn aus und. meinte, der Opa müsse sich „in die Welt finden". Nun sagte der Alte gar nichts mehr. Aber in der letzten Nacht, da hatte er noch einmal sein Herz, ausgeschüttet und war sack iedegrob geworden. In Gegenwart, von Kcsfcl- holz — er genierte sich nicht. Da hatte Karl August es hören müssen. War cs nicht unfaßlich: K. A. Friedel hatte seine Barmittel erschöpft! Saß auf dem Trocknen wie eist Stiideilt in den lehtcn Monatstagen! Konnte Pumpen -gehest, uin sich neue Betriebsmittel zu schaffen! War es denn überhaupt denkbar?! — t Unter den Brülltöuen be£, Opas war der Kommerzienrat klein geworden. Er lebte in bet geheimen Sorge, baß man auch seinen Spekulationen auf bie Spur kommen könne, die mehr verschlungen hatten als der Haushalt und die Verschwendungssucht der Frau Margot. Und da bequemte er sich beim zu Versprechungen und guten Vorsätzen. Aber diesmal lachte der Alte ihn aus. Er pfeife auf die,Versprechungen; er glaube an keine Wendung zum Besserest. Er zweifelte zwar nicht an dem Erfolg der neuen Märke H aber was half das alles?! Ueber Jahr und Tag konnte es doch wieder ähnliche Szenen geben wie heute. ., „Absolut." -„Der Versand kann also beginnen, sobald die Excclsior- täufe vorüber ist?" „Ohne weiteres. Nnr die Etiketts fehlen noch. ■ -Heßler soll sich beeilen. Aber ich möchte gern erst seine Entwürfe sehen." \ „Versteht sich." - „Ist bie Eintragung der Marke erfolgt?" „Vorgestern. Zugleich find die Meldungen an bie Patentämter des Auslands ab gegangen. . . ." Ein schlaues Lächeln flog über sein Gesicht. . . . „Uebrigens hab. ich mich vorgesehen. Schlägt der Excelsior ein, so werden wir das Lager im Handumdrehen verdoppeln können. Und das beste ist: meinen neuen Likör ahmt man mir nicht so leicht nach. Auch bei dem Nachschub sind wir mit der Dosage fast fertig. Für bie nächsten Jahre ist also gesorgt." „Gut. . . ." Fritz überlegte einen Augenblick unb schaute nochmals auf seine Uhr. . . . „Ich setze euch telegraphisch von dem Beschluß bes Ehrenrats in Kenntnis. Möglich- daß ber Divisionskommandeur Untersuchungshaft anorbnet. Mer ich glaube es nicht. Jetzt möchte ich dir Vollmacht tzur Erhebung meines Vermögens geben." „Es hat ja noch Zeit, lieber Junge!" „Doch nicht. Mir eilt es. Ich will gebunbeit sein. Können wir in dein Arbeitszimmer gehen?" i Der Kommerzienrat schritt schon voran. Nur ber Opa blieb zurück. Er saß noch am Tische unb lauschte auf das Verklingen des Sporenschritts. Nun wuchtete er sich in bie Höhe und ging schwerfällig in die Ecke, in der sein Krückstock lehnte. Daneben stand ber Säbel Fritzens. Er nahm ihn in bie Hand, ließ' seine Finger über die Scheide gleiten und stellte ihn wieder hin. Dann setzte er seine Mütze auf: ein Unding aus schwerem Wollstoff, ohne Rand, aber mit breitem Schirm, und fiing auf die Veranda. Sein Stock klang metallisch 631 Vogelsberger Uunjt und Handwerk aus drei Jahrhunderten. erworben werden konnte. ein Teufelsgesichi zu erkennen; bic guten Leute zeigten dem schlimmen bösen Feind einfach verächtlich den Rücken! sehr hübsch ist auch die in einem eingelegten Rahmen angebrachte ausklappbare Schiefertafel, aus der der Bauer der guten alten Zeit, als es noch keinen Laudkalender gab, seine Notizen machte, Acußerst farbenprächtig nimmt sich! eine .Hutschachtel aus, auf der das Andenken an den Friedensschluß 1763 verewigt ist: „Friede, Friede ist uns beschert und der Krieg von uns gekehrt mit beit Bildern von Friedrich dem Großen und Maria Theresia. Eine kleine bemalte Truhe ist in diesem Jahr von Baurat Dichm-Gießen in den alten Farben prächtig aufgefrischt und mit einem originellen Spruch versehen worden. Mehrere feste Truhen mit Kunstschlösiern seltener Art leiten unsere kurze Betrachtung zweckmäßig auf das Gebiet des Hand- - - ■ - ' ' !r\ Die alten Zünfte! lich geordnet. Einen Hauptteil davon bilden geschickt geordnete Zimmereinrichtungen: Bürgerstuben aus der Rokokko-, der Emprre- und Biedermeierzeit, sowie verschiedene Bauernstuben. Es wurde zu weit führen, aus Einzelheiten näher ettizugehen, zumal das geschriebene Wort nicht entfernt imstande ist, einen Begriff von der Fülle und Formenschönheit der zusammengetragenen.Schatze zu geben. Nur auf einzelne besonders hervorragende Stucke ser kurz aufmerksam gemacht. In der R o k o kk o stn b e finden wu a eine wundervolle Metalluhr aus dem 16. Jahrhundert, einen hübschen Bauernschrein aus Bannerod, einen prächtig ge- schnitzten Holzstuhl aus Herbstein, einen Metallspiegel und Wandleuchter. Die E m p i r e st u b e zeigt verschiedene Möbelstücke nut den für die Empirezeit charakteristischen Bronzeplatten und eine stattliche Sitzbank. Das Biedermeierzimmer entgalt cm hübsches altes Spinnet, eine Zupfgeige und alte Noten, eine Wiege, ein „Stefchen" (Wärmbänkchen) und euren handge,takten Wandschirm. Unter den die Wände zierenden Bildern ist namentlich ein Bild des Lauterbacher Kasinos von 1887 erwähnenswert, das manche auch heute noch in Hessen bekannte Persönlichkeit erkennen läßt. Sehr reich sind die Bauernstuben vertreten. Wir findelt in ihnen alle für die hessischen Bauernstuben bezeichnenden Möbel in prächtigen Stücken. Bor allem sind darin die Truhen bemerkenswert, die auch in Einzelstücken reich vertreten sind. So sind z B drei stattliche geschnitzte und eingelegte Truhen aus dem ersten Anfang des 17. Jahrhunderts vorhanden, , die offenbar von demselben Meister herrühren, aber alle verschieden sind. Dann finden wir stattliche Himmelbetten mit bunten Furchecktüchern, geschnitzte Sitzbänke, Sessel, Stühle usw. Vielfach sind bei den Verzierungen religiöse Motive verwendet, tote denn überhaupt die Lauterbacher der vergangenen Jahrhunderte vor allem religiöse Dinge dazu verwendeten, die Gegenstände beS täglichen Gebrauchs auszuschmücken. Manches .zeigt uns den naivew vumor her alten Zeit. So ist in den Rücklehnen der HvlzstÜhle deutlich Um das zukünftige Museum noch bekannter und volkstümlicher zu machen, wurde in diesen Tagen eine A u s stell n n g .Knust und Handwerk aus drei Jahrhunderten" veranstaltet, die noch bis Donnerstag, den 11. Oktober, geöffnet ift Neben den eigenen Beständen des Museumsverems enthalt die Ausstellung zahlreiche Leihgaben aus den Kreisen der Bürgerschaft, so daß sie ein ziemlich lückenloses . Bild von Lauteroachs Kunst nud Kunstgewerbe von etwa 1600 bis heute bietet. ®ie im Saalban zu Johannisberg ilntergebrachte Ausstellung wurde von den Herren Com ound Jockel mit Fleiß und .Geschick ubersicht- Auf dem Impfgegnerkongreß, der anfangs des Monats in Dortmund tagte, verösfeutlickW Herr Dr. med. Win sch aus Halensee bei Berlin einige Tatsachen, die für die weiteste Oeffentlichkeit von größtem Interesse sind: 1. Die Pockenepidemien sind an Umfang und Intensität bereits Jahre vor der Erfindung Zenners im Rückgang begriffen gewesen, insbesondere nachdem man das sog. Pvcken- belzen aufgegeben, zum Teil verboten hatte und vernünftiger« Maßnahmen bei der Behandlung traf, vor allem die allgemein-, hpgienischen Verhältnisse besserte. „ ,, v m , 2. Nur diesen sanitären Maßnahmen ist die langsame Besserling, die wir zn verzeichnen haben, zu danken; dre pi p inng haben "ihre Zunftladen und' Zunftbricfe zur Schau gestellt, die. für den Kenner viel Beachtenswertes bieten. Die vornehmste Zunft in Lauterbach war die der Weber. Von ihrem Handwerk, gibt ein von Hopfmannsfeld stammender, schön geschnitzter W eb- stuhl von 1760 Kunde, ferner kunstvolle Webereien aus alter und neuer Zeit; denn auch heute ist die Weberei in Lauterbach noch nicht ausgestorben und manches schöne Stuck neuerer Ar« beweist, daß auf diesem Gebiet die jetzigen Meister ihren Vorgängern nichts nachgeben. Sehr hübsch sind die gedruckten. Stoffe. Die Kunst des Stoffdruckes wird heute nt Lauterbach! nicht mehr geübt und die alten Druckformen sind nur noch in spärlichen Resten vorhanden, da Unverstand vor wenigen Jahren erst die meisten vorhandenen Formen verbrennen ließ. Dagegen sind noch zahlreiche geschnitzte L eü knch ens or m en zn sehen, die meistens religiöse Szenen enthalten. Wie man mir nutteUt,- - , Hestedt die Absicht, die Lauterbacher Lebküchlerei wieder ins Lebest - zu rufen, ein Vorhaben, dem von Herzen Erfolg zu wünschen ist. Nur summarisch seien die alten kunstvollen Schlosser- und ^other- (Spengler)-Arbeiten erwähnt. Auch die Kunst der Wasfen- schmiede stand in Lauterbach in voller Blute, wie mehrerse! prächtige Gewehre bezeugen. Die - ehemalige Lauterbacher Glockengießerei ist durch eine 1840 gegossene Glocke vertreten, die früher die Kirche in Landenhausen schmückte. IW Meister hieß Daniel Hardt. Alte und neue Töpferwarest zeigen neben dem Wandel des Geschmacks manche originelle Gegenstände. So ist z. B. ein Totenschüsselchen von 1639 zu sehen- wic man sie früher den Toten unter den Kopf zu legen pflegte. Unter den neuen Stücken fällt uamentli.ch eine originelle Darstellung des Volksliedes „Zn Lauterbach hab ich ntcut Strumpf i erlern" auf. Alte Trachten, Stöckelschuhe, Abendmahlstucher usw. vertreten in Umfassender Weise das Bekleidungsgewerbe., Erwähnt sei noch die hübsche ans dem Hohhaus stammende Sanfte (Port- chaise), die Spinnräder,, die alten Schützenketten für den Schützenkönig'und den Schwarzritter, die Schützen- oder Zunftpokale und die originelle Nachtwächterausrüstung aus Wallenrod. . , , Den Glanzpunkt der Ausstellung bilden die auS der si'ibrigens im ursprünglichen Modell zn sehenden) Pfarrkirche stammeudest ' religiösen Gegenstände. Neben beachtenswerten altstst Bibel- und Gebetbuchausgaben, sowie Abendmahlskelchen enthalt sie einige hervorragende Bildtafeln. Es sind Stücke eines! Altarbildes aus dem 15. Jahrhundert, das Leben der Mar,« darstellend Sic sind teils unmittelbar ans Nolz, teils auf Leinwand, die dann auf Birubaumholztafeln geklebt wurden, gemalt. Wundervolle Komposition, geschickte Technik uiid prächtige H-arben- gebung zeichnen die Bilder aus, bereit Meister unbekannt ist. Der Gießener Gelehrte R a it ch ist bet Ansicht, daß he um 1410 gemalt sind, während Como glaubt, daß he aus 1470 stammen und von einem örtlichen Meister gemalt sind. Jedenfalls wird sich die Kunstgeschichte noch eingehender mit dem Lauterbacher Altarbild zu beschäftigen haben. Zum Schlup seien noch die ausgestellten Photographien von hervorragenden .Bauten aus Lauterbach und Umgcgcitb, sowie von einzelnen Bauteilen erwähnt. Besonders zahlreich sind dabei die kunstvollen Haustürew vertreten, an denen ja Lauterbach besonders reich ist. Auch die Originale der bekannten Postkartenserien von Ubbelohde (hessische Trachten) und Lanzendors (Hessische Burgen), sind in der Ausstellung zu sehen. , ... ..., . So gewährt denn die Ausstellung enteil hübschen Einblick ttt Lauterbachs Kunst nud Handwerk der letzten drei Jahrhunderts und zeigt reiche Schätze deutschen Volkstums und deutscher Volks- krast Sie zu hüten und zu bewahren sollte allezeit eine Ehrenpflicht der auch heute noch gewerbfleißigen und kiliiflsinnigeN! alten Hessenstadt sein. '©• - In vielen Gegenden hat man von unserem Vogelsberg nicht die beste Meinung. Man hält ihn für ein tristes Bergland, dessen spärliche ärmliche Bevölkerung mit vieler Muhe ihre kärgliche Nahrung dem unwirtlichen Boden abgewrnne. Aber der Vogelsberg ist viel, viel besser als sein Ruf. Nicht nur landschaftlich, tote ja dank des verdienstlichen Wirkens des Vogelsberger Nohenklubs - mehr und mehr anerkannt wird, sondern alieft in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Der Boden ist reich genug, nm den fleißigen Bewohnern ein gutes Auskommen zii gewahren, mtb. in den zahlreichen Landstädtchen sitzt eine sewerbfleißtge Be- Unjere fOTje Betrachtung zweamapig aut oas volkerung, deren Erzeugnisse sich aetrost neben denen größerer ! ? s über, das sehr reich vertreten ist. Städte und reicherer Gegenden sehen lassen können. Die Vogels- P ™ - - -1 ■ - - — ■ " berg er Kultur ist uralt und hat vor den vieler anderer Gegenden, das voraus, daß s'ie im.besten Sinne des Wortes einheimisch! und bodenständig ist. Nicht in dem Sinne, daß der Vogels- herger Chatte sich den von außen kommenden Neuerungen eigensinnig verschlösse. Er nimmt das Neue willig auf und verarbeitet es nach seinem Geschmack und seinem Bedürfnisse, ohne deshalb das von den Vätern. Ererbte leichtsinnig aufzugeben. So finden wir denn auf Schritt und Tritt Wahrzeichen seiner Eigenart, Zeugen altheimischer Kunst und Gewerbes. Der große Weltverkehr ist noch nicht so sehr in unser Gebirge gedrungen^ um seine kulturelle Eigenart zu verwischen und so begegnet auch heute noch der kundige Forscher originellen Formen in Handwerk und Kunst, die zn erhalten und der Nachwelt zu überliefern eine heilige Pflicht der lebenden Generation ist. Zu den alten Kulturstätten des Vogelsberges gehört das in einem bekannten Volkslied besungene alte Städtchen Laut e r - bach In den alten behäbigen Bürgerhäusern birgt sich eine Fülle köstlicher Schätze aus älterer und neuerer Zeit und es ist eilt verdienstliches Unternehmen, diese zerstreuten schätze zn sammeln und der Mit- und Nachwelt nutzbar zu machen. Äl^ vor einigen Monaten der Gedanke auftauchte, ein -auter- b ach er Heimatmuseum zu begründen, fand er freudige Zustiimunng. Namentlich zwei Männer wirkten in dieser Richtung, Oberlehrer Como und Kreisstraßenmeister I o ck e l. Ein jetzt bereits über 200 Mitglieder zählender Verein wurde gegründet und von allen Seiten flössen tue Gaben, die den Grundstock des Museums bilden sollten. Auch die auswärts wohnenden Lauterbacher geizten nicht mit Beiträgen rn klingender Münze lieber 1000 Mark flössen zusammen, so daß schon manches Stuck 682 hat diesen Fortschritt nur gehemint ynb" aufgehäMi! And vermochte die großen Epidemien zu Anfang der 70 er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die im Gefolge des Krieges austrateu, Richt zu bannen. 3. Die Pocken sind bei richtiger Behandlung absolut ungefährlich: von vielen Hunderten Pockenkranker in den Reihen her in der Nähe von Colberg gefangen gehaltenen französischen Soldaten ist nicht ein einziger gestorben, als man sie einfach täglich in der Perfante baden ließ. 4. Trotzdem wird auf denj Universitäten eine geradezu lächerliche F u r ch t vor den Pocken grobgezogen. Pockenkrank«! nur hinter Glas oder in einer Athmosphäre von Karbol vorgeführt, Ün der ein Gesunder zu Grunde gehen muß, geschweige denn ein armer Pockenkranker. 5. Die Pocken sind trotz Impfung in Deutschland nicht verschwunden: aber wo Begriffe fehlen, da stellt ein leeres Wort zur rechten Zeit sich ein und so dürfen echte Pocken Nicht erscheinen: man nennt sie drum Windpocken, vermag aber die Disferentialdiagnose so wenig zu stellen, daß der berühmte Kinderarzt Heubner ein Kind als an den Windpocken erkrankt angab, das nach daran erfolgtem Tode von R. V irchow in Unkenntnis der von Heubner gestellten Diagnose untersucht wurde, worauf dieser berühmte Gelehrte die echten Pocken feststellte. Beide Gelehrte haben sich bis zum Tode darüber nicht geeinigt! Treten Pocken nach dem Impfung auf, was in zahlreichen Fällen geschieht, so sind das beileibe keine Pocken, fonberiit: „generalisierte Vaccine". Auch hier isst eine Disferentialdiagnosg nicht möglich! 6. Bei der Begründung des Jmpfgesetzes von 1874 hat der Hauptsachverständige wider besseres Wissen geleugnet, daß die Impfung mit Gefahren für Leben und Gesundheit verbunden fei! Nur auf diese Versicherung hin fand das Gesetz Annahme! Heutzutage geben die amtlichen Behörden und die eifrigsten Jmpf- anhänger Tausende und Abertausende von Jmpfschädigungen zu Und viel Hundert Todesfälle und jede Woche mehrt sich die Zahl der Jmpfschäden, darunter zahlreiche Erblindungen, Syphrlis- iibertragungen, Lähmungen, Genickstarre u. v. a. m. Dr. Fürst (Jmpffreund) zählt in seiner Schrift weit über Hundert Krankheiten aus, die im Gefolge der Impfung auftraten, und die lAerzte Döres, Landmann und von Niesen haben imchgewiesen, daß die Lymphe unserer staatlichen Anstalten, von allen Arten Pathogener Bakterien usw. wimmelt! Nach weiteren Verhandlungen wurde ein intern Ration ater Jmpfg egnerbund gegründet, an dem beteiligt sind: Italien, England, Bereinigten Staaten von Amerika, Oesterreich, Holland, Schweiz, Frankreich, Rußland und Brasilien« Die Arbeiten wurden dem internationalen Bilrean übertragen, das besteht aus Prof. Dr. Molenaar-Percha-Starnberg, Gott- getreu-Hannover, Hanne-Köln, Emshaar-Elberfeld, Mirus-Dort- mund und Dr. med. Luise Appel, englische Aerztin, Wörrishosen. Auf Antrag des Jmpfgegnervereins München wurde ausdrücklich festgelegt, das Parteipolitik und konfessionelle Dinge bei Erörterung der Verbandsangelegenheiten ausgeschlossen sind. Bei der Besprechung des Jahresberichts, der eine Stärkung des Verbandes in allen Teilen Deutschlands zeigt, teilte Darwitsch- ,Chemmtz mit, daß allein in Sachsen 60 neue JMpsgegnervereiich gegründet seien. Der Verbandstag beschloß weiter eine Unterstützung des Jmpf- gegners Wohngemuth-Bielefeld, dessen Kind von der Polizei zur Zwangsrmpfung aus der Wohnung geholt wurde. Die Polizei ergriff bet dieser Gelegenheit ein falsches Kind, an dem dann die 'Zwangsimpfung vorgenommen wurde. Mer nächste Berbandstag findet iit Frankfurt a. M, statt. Vermischtes. eintnis des Münchener Bieres. Anläßlich des Münchener Oktoberfestes, das in diesem Jahre zu Ehren seines lOOiahrlgen Bestehens besonders reichlich mit Bierströmen begossen wird, sind neuerdings unternommene Untersuchungen Uer das Geheimnis des Münchener Bieres besonders aktuelly Es ist bekannt, daß — .abgesehen von den absichtlich minderwertiges Rachahnnlngen als Ster „nach Münchener Art", meistens aber als echt Münchener Bier mit ungeheurem Nutzen verkauft werden Atu Mittel unversucht geblieben ist, anderswo, besonders aber ,tn Berlin, dem einheimischen Bier die besonderen Eigenschaften zu geben, die das im Bannkreise der Münchener FrauentürMei erzeugte Gebräu aus der ganzen Welt so beliebt machen. Zunächst glaubte man, daß diese Eigenschaften von dem in München verwendeten Malz und Hopfen abhängig seien, ließ diese von dort kommen und erzielte ein Bier, das — nicht nach Münchener schmeckte. Als vor einer längeren Reihe von Jahren das Studium der Garungsptlze zur Erkenntnis des Bestehens verschiedener Heserassen und zur Reinkultur dieser Rassen führte, glaubte man dem Geheimnis auf der Spür zu sein, züchtete die Münchener Wiener) Hefen trt Reinkultur Md erhielt wiederum ein Getränk, das an seinen süddeutschen (und böhmischen) Vetter nicht 8eranrermte. Das Geheimnis konnte also nur in der besonderen Beschaffenheit des Wassers liegen, was hm so gewisser zu sein schien, als man damals schon wußte, daß die Eigenart des Pilsener! Urquells damit zusammenhängt, daß das dort zum Brauen verwendete Wasser ans Teichen stammt, in denen die aro- Malischen Kalmus Pflanzen in Menge gedeihen. Man verfrachtete also mehrere tausend Hektoliter Münchener Wasser Nach Berlin und braute daraus ein Bier, das zwar sehr schmackhaft war, dem Münchener aber doch nicht in allen Stücken glich. Die Biergelehrten Und die aus München 'eigens verschriebenen Braumeister Und Gehilfen waren Nun mit ihrem! Latein zu Ende, bis §ch durch die kürzlich bekannt gewordenen Untersuchungen des ärnngschemikers Dr. Emslander herausstellte, daß dabei doch alles auf das Wasser und auf seinen Gehalt an Kalk und Kohlensäure ankommt. Bei der Bereitung des Gerstenmalzes und dessen Einmischung bilden sich Nämlich außer der Malzlösung aus den Eiweißbestandteilen der Braugerste noch beträchtliche Mengen sogenannter „Kolloide", d. s. Körper, die dem Seim und der Gelatine nahestehen, nicht kristallisierbar sind, Und dem Getränk, dem sie eigentlich beigemischt sind, die Geschmackseigenschaft der „Vollmundigkeit" verleihen. In jedem reichlich Kalksalze uiti> Kohlensäure enthaltenden Wasser, wie es auch das oberbayerische ist, bleiben die Kolloide aber in' Lösung, während sie in dein Wasser der Tiefebene gerinnen Und ausfallen, wodurch das Bier, auch wenn es sonst genau nach der Münchener Methode gebraut ist, als das schmeckt, was der Brauer als „leer" bezeichnet. Daß aber auch mit dem ans München gebrachten Wasser kein tadelloses Bier zu brauen war, liegt einfach daran, daß bei dem Transport viel Kohlensäure entwich, nach bereit Verlust auch der Kalkgehalt verloren ging. I * Whistlers A ut o g r a m m. Der berühmte amerikanische Maler pflegte seine Werke statt mit seinem Namen stets mit einem Schmetterling zu zeichnen: aber dieser Schmetterling war nicht nur künstlerisches Abzeichen, er war auch die formelle Unterschrift. Auch seine Schecks signierte er mit dem Schmetterling, .und die Bank wußte, daß dies als Whistlers einzige Unterschrift zu gelten hatte. Sein Namenszug war eine Seltenheit, Eines Tages empfängt Whistler im Atelier beit Besuch eines Autographensammlers, ber eilten Scheck von Whistler über 32 ,Frs. in ber Hand hält. Der Scheck hat keine Unterschrift, nur den Schmetterling. Ziemlich grob fährt ber Fremde den Künstler an: er wolle einen anständig unterzeichneten Scheck haben, nicht diesen Wisch. Whistler ist beleidigt, baß ber Fremde seinen Schmetterling nicht kennt und will ihn bestrafen: er unterschreibt einen anderen Scheck und freut sich bei dem Gedanken, daß die Bank ihn nicht eiitlöst. Mit ärgerlichem Staunen mußte er am nächsten Tag erfahren, baß ber Herr den Scheck nicht präsentiert, sondern als Whistler-Autogramm für — 1150 Frs. sofort verkauft hatte. * Ever ready. Alles mögliche Gebrauchsfertige wird heutzutage in Deutschland von deutschen Herstellern mit dem wundervollen Namen Ever ready bezeichnet. Natürlich haben 80 v,H. aller Käufer keine blasse Ahnung, was das eigentlich heißt, denn so sehr verbreitet ist die Kenntnis des Englischen in Deutschland noch nicht. Und ausgesprochen wird es natürlich Ewerreadie. Man muß immer wieder den Spieß umkehren und diesen Kauderwelschlern Vorhalten: Denkt nur einmal nach, was die Franzosen oder Engländer für ein Hallo machen würden, wenn .'einer ihrer Landsleute sich ierb'retftete, eine inländische! Ware unter beut Namen „Stets bereit" anzUpreisen. Die allgemeine Verachtung würbe ihn treffen, t— Das neueste Evsrrsady-Erzeugnis heißt „Ever Ready Papier poudrö" — man denke! 2 Wörter englisch, 2 französisch — herrlich! Und was ist bas boch für ein Unschätzbarer Segen, daß das Papier int Französischen papier heißt und nicht etwa colier ober rumier ober ähnlich, sonst wüßte ja kein Mensch, w a s ba eigentlich angepriesen wirb: beim die einzige heut sche Erläuterung der Ware bezeichnet sie ganz unklar als eist „unentbehrliches Mittel zur Modernen Hautpflege", > *• Bilderrätsel. Auflösung in Nächster NumMer. Auflösung des LogogriphS in voriger Nummer: Kehle, Kühle, Kohle. vredaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gießens