MV Montag den 9. Mak ■Ei™ I^W WÄ WwKj WW'JÄä jriktMWwy M^WUuöü W^fl l}^ SW ^•»SÄrara Av>An WH Ihres Vaters Tochter. Noman von Lulu von Strauß und Torney. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Eine hilflose Minute schwindelnden, besinnungslosen schreckens. ^>ch beuge mich vor. Drei Schritte vor mir, w..,r, ist der Weg auch zu Ende. Blaugrünej, gerflupftete Eismassen, steil vom oberen Rand der Klamm vis in die Partnach hinunter. m. ,®a' wo der Boden weggerissen ist, sehe ich die Bruchstelle. Nichts als uberh-angende Eiskruste der ganze Weg. Den Tod unter bett Füßen sind wir gegangen. Der Schnee, auf dein ich stehe, hat auch schon eine breite Spalte. Wenn die werterreißt! Wenn! jenseits der Lücke sehe ich die anderen drei, aufgeregt, mir Zerchen machend. Georg kommt dicht an den Rand, Mrnkt und ruft. Ich begreife, daß er zurück will, Ulfe holetr. Ich soll warten, mich nicht rühren. Ich nicke mechanisch zu ihtn hinüber und lehne mich an die Schneewand neben mir. Wie im Traum sehe ich dte drei umkehreu, gehen. Lotte sieht sich noch einmal um und nickt. Sie hat ganz weiße Lippen. Oder macht das das wunderliche Schneelicht? Ganz allein bin ich dann. Eine sonderbare eiskalte Beklommenheit legt sich über mich. Es ist, als ob ein eiserner Ring fest um meine Strrn liegt. Zn den Ohren immer nur das Getöse des Wassers, endlos. _ Zrh starre wie hypnotisiert auf die Spalte unter meinen Füßen. Wrrd sie nicht breiter? Ist dies denn das Ende? fährt es mir durch den Kopf. Sterben? - In meinen Schläfen klopft es auf einmal. Ich denke sprunghafte Gedanken. Ich flehe Gesichter, halb schattenhaft. Seppl. Bernhardt. Meinen Vater. Sterben. Sterben, wie mein Vater gestorben ist. Ausgelöscht feilt. Nichts mehr sein. Du hast es dir doch oft gewünscht, sagt eine Stimme. Keine Not mehr, keine Unruhe, nichts. Nur Stille. Nein, nein, nein, schreit es plötzlich in mir auf. Herrgott, nicht sterben! Jetzt nicht! Ich kann nicht! Ich habe ia noch nicht gelebt! r schüttelt mich förmlich Eine heiße, feige, würde- sind Wie ein Tier sie hat, hinter dem die Hunde Ich klemme die Hände zusammen. Was ist denn das bißchen Not, das einem so gewaltig dorkommt? Mchts, gar nichts! Kein Wort wert! Nur atmen, die Sonne sehen! Nur leben, leben! Äch weiß nicht, wie lange ich so gestanden habe. Ich Wie auf, als ich etwas Dunkles den Weg Herkommen sah. Mensche«, Männer mit .Holzäxten und Stricken -z voran Georg. In einem sonderbar traunthaften Zustand sehe ich alles« Wre fle stehen bleiben, sich kurze Worte zuschreien, beraten', Erner der Holzknechte spuckt tu die Hände, nimmt sein Beil und fängt an, in das Eis zu hauen, daß es splittert. Ich verstehe: einen schmalen Weg längs der Kante des W sturzes wollen sie machen. Lieber Himmel, wie langsam! Ich bin wie im Fieber. Ist die Spalte nicht schon breiter? Ich kann es nicht mehr ertragen, ich mache die Augen fest zu. Eine eisige Starrheit kriecht mir langsam den Rücken herunter. Zch fahre erst auf, als jemaud mich am Arm faßt, Georg. Wir verstehen uns stumm. Ich versuche, einen Schritt vorwärts zu machen, aber meine Füße sind ganz ohne Kraft. Da bückt er sich und hebt mich auf. _ , Sein Gesicht verschwimmt mir, ich kann nicht atmen. Ich fühle fein stoßendes Keuchen bei jedem Schritt. Einmal gleitet er und findet doch wieder Halt. Noch ein paar endlose Angstsekunden, dann ließ et mtä) auf die Füße. Die Männer drängten sich an di« Schneewand und rückten dte Hüte, wie sie uns vorbei- ließen. Georg führte mich. Wir haben kein Wort gesprochen! den ganzen Weg. Ein Dank wäre banal gewesen, verletzend. Es gibt Dinge, für die sich nicht danken läßt. Aber wie eine tiefe, stumtne Andacht ist das Bewußt» sein in mir, daß er sein Leben für mich eingesetzt hat! Daß ich's ihm danke, dies Wunder aller Wunder! Da« liebe Leben, mein Leben! Partenktrcheti, 3. April. Leichtsinniges Menschenvolk! Gestern haben sie mW ms Bett gepackt und mir Glühwein gebraut. Heute wollten wir zurück nach München. Mer die Sonne scheint wie im Sommer, die Bergs stehen ff ar und weiß gegen den blauen Himmel, und die Kamzenfranzwirtin erklärt: „So treffe Sie's net wieder, Sie müsse noch zum Eibsee auf und zum Badersee. Der Weg is net weit, und's Fräule schaut auch heut wieder aus wie's Leben selber!" Also — wir gehen! Ich stehe jetzt erst auf, um Mittag. Nach Tisch geht's los. Ich habe Georg heute noch nicht gesehen. Nur diese Nacht: ich fiel im Traum tief, immer tiefer in die eiskalte Klamm. Und mitten in der schwindelnden Angst sah ich sein .Gesicht und fühlte, wie er mW aufhob und hielt. Und alles war gut! Und ich lebtek 3. April, abends^ Liebster! Liebster! Nicht mehr Freund, Kamerad ti tausendmal mehrt — 282 Ich kann nicht schlafen, ich muß mit dir reden, diese stanze Nackt — dir sagen, daß ich dich lieb' habe, daß ich selig bin, oah ich nichts denke als dich! Kann es denn wahr sein, was ich erlebt habe? Was wir erlebt haben? Es ist ein Wunder geschehen! Die ganze Welt ist neu geworden! Heute erst geschaffen! Liebster, wie ist es denn möglich, daß Ivir fo blind Waren, daß ivir nickt tvußten, diese stanzen langen, öden Monate schon, was doch kommen mußte? Ich hab dich ja lieb, seit ich dich kenne! Ich hab dich lieb, seit ich denken kann! Was vor dir war, ist ansgelöscht. Ich lebe erst seit heute! Dir, dir, dir gehört dieses Leben, das du gestern gerettet hast, Liebster! Run weiß ich, warum ich leben wollte Nnd mußte, nichts als leben! Gestern Tod und Eis und weißer Schnee! Und heute 'alles nur Leben, Sonne, rote, blühende Heide! Wenn ick die Augen zumache, sehe ich nichts als diese rosenrote, blühende Bergheide, tausenvmal tausend Glocken 1 O dieses goldgesegnete Stück Tannenwald unr den Badersee, wo die Wege im kniehohen Moos so schmal Nnd so viele sind, daß man irre gehen muß! Wo die Felsblöcke den Ausblick versperren und der: Stimmenschall fangen, daß man ruft und sucht und ruft und niemals findet! Ich vergeß das nie. Die Dannen mit den langen grauen Bärten, und oben die abendrote Luft, und die rdte Heide unten. Wir standen und horchten auf die paar warmen, sausenden Föhustöße in den Dannen nnd sahen Nus an. Ich hab deine Augen auch da noch nicht verstanden, Liebster. Und meine eigene Seele auch nicht. Ich dachte nur laut: „Ich wollte, wir fänden die andern nicht. Wir sind Brüderchen und Schwesterchen, im Wald verirrt." Du rührtest dich nickt. „Brüderchen und Schwesterchen?" fragtest du nur. Dein Ton war so sonderbar. Er ärgerte mich, ich weiß nicht, warum. „Mögen Sie keine Märchen?" fragte ich etivas scharf. Dü lachtest kurz. „Vielleicht bin ich für diese Rolle nicht geeignet." „Georg! Soll das Scherz sein oder Ernst?" Du kehrtest dich schroff weg und knicktest heftig den iZweig in Stücke, den du in der Hand hieltest. „Kommen Sie, Agnes. Wir können uns jetzt nicht Mt kindischen Wortklaubereien abgeben. Ich bin nicht in der Stimmung dazu. Und es wird spät, die andern ängstigen sich." Hatt ich das verdient, Georg? Den harten Ton? Mich würgten auf einmal die Tränen in der Kehle. Ich blieb stehen: „Wenn Sie heute wieder sein wollen, warum haben Sie mich dann gestern nicht in der Partnach gelassen? Das wäre mir tausendmal lieber —" Was ich in meiner Not sonst noch gesagt habe, weiß ich nicht. IN der nächsten Sekunde: „Herrgott, ich kann Nicht mehr! Ach kann nicht! Agnes! Du weißt ja nicht, was du tust! Liebling! Liebste!" Deine Arme um mich, deine Lippen auf meinen, deine Seele bei meiner, ganz nahe, eins! Liebster! Geliebter! Ich küsse meine Hände, die du geküßt hast! Hast du auch den Buchfinken gehört, der da über uns in der Daune einmal schlug? Mit geschlossenen Augen hört ich ihn, mitten in unsere stumme Seligkeit hinein. Es war, als ob die eine Stimme bekomme:: hätte und in die Sonne jubelte. Ich hör ihn noch ! Lachst du mich aus, daß ich! dir alles erzähle, was du schon weißt? Wer kann mau denn etwas so Süßes, Heiliges zu oft hören? Tausendmal kann ich mir's vorsagen! Was wir nachher für liebes, sinnloses Zeug gesprochen haben, weiß ich nicht mehr. Nur noch eins oder das Ändere — Also das war's, was dich drückte? Gewehrt hast, du dich gegen mich diese ganzen Monate? Darum die unpersönlichen Briefe! Ach Gott, warum sich wehren gegen das Schicksal — gegen das Stärkste, Beste, Twsitc in unserer Eigenen Seele? Wie ich den Doktor segne! Weil dir's durch ihn erst klar geworden ist, daß bit zu mir mußtest, daß tvir M sammeugehörten! „Erwürgen hätt ich ihn können! So ein hergelaufener impertinenter Mensch darf es wagen, die Hände nach dir auszustrecken. Und ich, ich durfte dich nicht für mich nehmen und festhalten!" Liebster! Meiner! Wie ich dich lieb habe, Imin du mir solche Dinge sagst! Mich so ansiehst mit deinen lieben Augen! Ich sehe sie vor mir, jetzt, in der Nacht! Aus dem offenen Fenster sehe ich in die Dunkelheit und horche aus den Föhn, der jetzt stark und warm um das Dach geht. Vorn Kirchturm im Ort schlägt es zwei. Ich kann nicht schlafen. Wer jetzt dichten könnte, irgend ein großes Hohelied der Liebe! Ich sage deinen Namen laut vor mich hin. Ter ist mir ein Hohelied! Die Bergwand zackt sich schwarz und riesig in den Nachthimmel und die Sterne herein. Irgendwo nah höre ich ein Brunnenrohr gehen, unaufhörlich. „Nacht ist es, Nacht. Nun reden lauter alle springenden Brunnen. Auch meine Seele ist ein springender Brunnen. Nacht ist es. Nun werden lauter die Lieder der Liebenden. Auch meine Seele ist das Lied eines Liebenden —" Mas eigentlich nachher war? Ich weiß nicht mehr.. Scheltende Stimmen, Vorwürfe, Dillas verstimmtes Gesicht, ein schweigsamer Rückweg. Ach, was geht's mich an? Ich sah nur die paar Zweige Bergheide an deinem Hut, die ich dir daran gesteckt hatte! Liebster, ich weiß, es ist kindisch: aber ich will dir diesen Brief morgen heimlich geben. Du sollst wissen, daß ich an dich gedacht habe diese ganze lange, süßeste Nacht meines Lebens! Daß ich gewartet habe, brennend gewartet auf den Morgen und dein liebes Gesicht! Daß ich nur lebe, wenn ich bei dir bin! Du, du, du! Mein Liebster! Mein alles! Dem ich mehr danke als mein Leben! Ich hab dich lieb! Meine ganze Seele ist in -einen Händen! (Fortsetzung folgt.) Vie vadenbrirg bei Eichen und ihre ehemaligen Besitzer. Von einer bewaldeten Anhöhe am linken Ufer der Lahn unweit des Ortes Lollar lugen ins Land die Trümmer der Baden-, bürg, des einstigen Edelsitzes der Herren von Weitolshausen, genannt Schrautenbach. Auf dieser Höhe, den einstigen stolzen Ritterburgen Gleiberg und Vetzberg gegenüber, erbaute sich int Jahre 1359 Ritter Johann von Weitolshausen einen Herrensitz. Dieser war mit einer festen Mauer umgeben/ die heute noch zu sehen ist. Die vorhandenen Ueberreste -er Badenburg weisen aber nicht auf die Anlage einer Burg, wie man gewöhnlich annimmt. Innerhalb der Mauer befand sich ein berr- lichcr Park, der noch in einer alten Kürte von 1832 als Lustgarten bezeichnet wird, und der heute von dem Schicneugeleise der Main-Weserbahn durchschnitten ist. Ritter Johann v< Weitolshausen muß sich besondere Verdienste, mutmaßlich wahrend der Fehde mit dem „Sternerbund", um das landgräfliche Haus erworben haben; denn im Jahre 1385 befreitet ihm Landgraf Hermann der Gelehrte (und nicht wie angenommen! wird, Heinrich III.) sein Haus und belehnte ihn mit 5 Hnfenj Landes (150—200 Morgen). Die Geschichte der Badenburg und ihrer ersten Besitzer läßt sich aus Mangel an urkundlichen Nachrichten während der ersten 300 Jahren nicht näher verfolgen.? Erst vom Jahre 1673 gibt uns das älteste Kirchenbuch von! Wißmar Nachricht über das Adelsgeschlecht v. Weitols- h aus en auf der Badenburg. Die Herren v. Weitolshausen besaßen Ländereienl diesseits und jenseits der Lahn, gegen Süden und Südosten, nach Wieseck und Wißmar hin. Sie hatten besondere Berechtigungen! in dem Lollarer und Wißmarer Wald. Bis zum 30 jährigen Kriege war der Pfarrer von Wißmar „Burg-Caplan" zN Badcnburg: er hatte jeden zweiten Sonntag in der dortigen Kapelle zu predigen und die pfarramtlicheu Geschäfte daselbst zu! verrichten. Diese Verpflichtung trat außer Kraft, als die Kapelle vom Feinde zumteil zerstört wurde, und die Familie v.Schran- tenbach nach Darmstadt und Pirmasens flüchtete. Nach der Rückkehr der Familie auf die Bndenburg mußte immer erst besonders der Pfarrer von Wißmar oder auch der von Staufenberg (bezw. Kirchberg) zum Badenburger Hausgcistlichen berufen werden. Pfarrer Stumpf von Wißmar, ein geborener Gießener/ berichtet im Kirchenbuch: „Am 3. Juli 1673 bin ich'von Jhra H o ch a d l. Strengheit Ludwig Balthasar v. Wcr - tolsHausen, gen. Schrautenbach zu einem Haußpredigev in seinem Erbhanß Badcnburg vvcirt vndt zu einem Beichtvater - 283 — rauten- hat am 20. Sonntag nach Trinitatis das Erste mahl daselbst I gepredigt." Vor der Berufung des Danbert mutz der Pfarrer von I Staufenberg Hausprediger auf der Badenburg gewesen fein; denn, I die Urkunde erwähnt, das; bei der Taufe einer Tochter des Haupt- I manns Magnus Reinha r t S ch r a u t e n b a ch Pfarrer I Trhgophorus von Staufenberg sich anfänglich geweigert habe, I den Taufakt vorzunehmen, weil die Paten der „reformierten I Religion angehörten, weshalb der Pfarrer von Witzmar zugezogen I wurde. Aus der Badenburg mutz auch nach dem 30 jährigen Eege I noch eine Hauskapelle gestanden haben; denn es heitzt iMiKircheu- | buch: „Des Schrautenbachschen Hoffmanns Tochter wurde tn I der Hauskirchen zu Badenburg coprilirt." Taufen, Trauungen, Abendmahlsfciern wurden auf der Badenburg, tote oft bet den Einträgen bemerkt wird, in der „Hauskirchen" oder im „Saal" I (Betsaal) vollzogen. Das Erbbegräbnis der adeligen Familie v. Schrautenbach befand sich in der alten Kirche zu Witzmar. Die Toten wurden von der Badenburg von dem Pfarrer, den -,Gemeindtleuten" von Witzmar, dem Lehrer mit den Chorschülern I unter Gesang nach der Sahn gebracht und bann in «einem Nachen iiber den Flutz geführt. Bon dem jenseitigen Ufer aus «ging es Unter Gesang nach der Witzmarer Kirche, wo unter Fackelbeleuchtung und gewisseil Zeremonien die Beisetzung erfolgte. Die Schrauteilbachsche Familie hielt sich einen eigenen Lehrer. 1673 wird im Kirchenbuch die Taufe einer «Tochter des Praeceptors Rempelius erwähnt, bei Gottfried von Weitolshausen Cmiles) der Pate war. 1696 vertritt Paten- Stle bei einem Kinde eines Bedienstetei, auf der Badenburg 1 oerandcr, Praeceptor zu Badeuburg. Das Eigentum der Badenburger Herren stellte einen Fidei- ko m m i tzbe si tz bar; er umfasste ein großes Gut nnb ein ansehnliches Walbgebiet. Die Gebäulichkeiten waren umfangreich; denn nutzer dem jeweiligen Majoratsherrn und seinen zahlreichen Verwandten, die vorübergehend oder dauernd sich auf der Badenburg aushielten, beherbergten sie den Hofmann (Gutsverwalter), den Müller, den Jäger, die Hirten, Kiiechte mit ihren Familien. Mit den adeligen Familien bete Nachbarschaft, mit denen von Lesch zn Krofdorf, von R e i tz e n st e i n auf der „Witzmarer | Bach", von Dernbach zu Salzböden, von Wrede, von Schmalbach zu Gietzen, von B n s e ck, genannt Brand zu A l t e n b u f c ä, von Cratz zu Staufenberg, von Nordeck zu Rabenau, standen die Schrautenbachs in freundschaftlichen und verwandtschaftlichen Beziehungen. Die Herren von Rabenau (von Rodheim und Nordeck), später v. Grolmann, ...... waren Gutsnachbarn der Badenburger und besatzen den östlich I mit Ä des Dorfes Witzmar gelegenen, hauptsächlich aus guten Wiesen I , ,Vi Nordecken zu Rabenau. 1688 wurde auf der Badenburg konfus I miert: Magdalena v. Weitolshausen; ste wurde 1699 I angetrant dem münster'schen Dragonerhauptmann Christoph I Ad. v. Trilitz. 1691 ist Patin bei des Hofmanns Sechs I Tochter: Fran LoYfa Schrautenbachin. 1704 wurde I Agnes v. Schrautenbach getraut mit Herrn v, W a l d- hei in. 1704 wurde „copulicrt" Frl. Cathari na E l i s a b et h I v. Schrautenbach mit dem Obristen de Wreden. Bei I dieser Gelegenheit entstand ein Streit mit dem Konsistorium zn I Gietzen, „welches denen v. Schrautenbach einen Nassauischen Pfarrer eigen mächtig pro lnbitn zu halten nicht gestatten wollte . I 1709 wurde „der wohlg. Ernst Gottfried Balthafaa mit Frl. Juliane Dorothea v. Wreden copnliert". 1714 I wurde Albertine, Tochter der Frau Maiortn,v.Schrau- I tenbach, getraut mit Eqnes Sil cf ins Kchichenbahr, 1710 fand die Trauung der Frl. Sabina v. Weitols-, Hausen mit Ulrich v. Hill statt, Seutnant „un roten Rc- I giment" zu Darmstadt. Von befreundeten und verwandten pa- I milien wurden als Patinnen genannt: 1685: Frau Lohsat H I Philipptna Christianav. Nordeck zu Rabenau,Frau laden- Christine v. Rodenhanf en, Capitäns-Lieutenantin, ge6( abcn 1 v. Buscck, gen. Brand; 1683: Fran Anna Agathe v. Bnseck, geb. v. Holtz heim, „Wittve zn Altenbufeck"; 1715 « „Witwe v.W a l d enh e i m, wohnhaft zn Södel, m der Grafschaft Lich , Die Schrautenbachsche Familie gehörte ehemals zu einem der angesehensten Adelsgeschlechter unterer Gegeiid; versahen doch der Graf von Nassau-Saarbrücken, -gerr zu Weilburg und der Erbprinz Ludwig von Darmstadt Patenstellen in der Badens bürget Familie. Der schöne Hetreiifitz wird wohl gar ost,das Stelldichein bet adeligen Familien der Umgegend gewesen.sein. angenommen worden." Am 23. Oktober 1674 wurde Pfarrer , was jedoch noch nicht beweist, datz dieser auch noch auf bet Baden- Henricus Daubert von Witzmar von dem Herrn v. Weitols- I bürg gewohnt hat. 1765 wird im Kirchenbuch erwähnt Andreas Hansen „zum Hantzprediger und Beichivatter angenommen vndt I Freytag, „der zeitige adeliche v.Schrautenbachsche Hosf- - ■ ~ *■-" m-n- --■'•* 1 mann", durch den die Familie das BadenburgischeGut verwalten ließ. Daher erklärt sich auch, daß der Herrensitz von dieser Zeit an immer mehr in Verfall geriet. 1820 wurde die Badenburg mit einem Teil des Gutes, das damals 600 Morgen umfaßte,! an die Gemeinde Wiesest verkauft, die es parzellieren ließ. Spätere! Besitzer der Gebäulichkeiten, des Parkes und der anstoßenden Ländereien touren Herr Tusch«, dann Herr Ludwig Ferber von Gießen, Hirsch Lötoenstein von Daubtingen. 1863 erkaufte die Badenburg HerrJ.Duill, von dem sie sein Solm,der jetzigeBesitzer,1878übernahm. Zahlreiche Mitglieder bet Schrautenbachschen Familie standen im Militärdienst. 1683 tvird als Pate genannt bei «der Taufe eines Zwillingspaares von Balthasar v. Weitolshausen der Ob r ist wacht meist er Jörg Friedrich Baltzer von Weitolshausen. Seine Witwe wsar Majoratsherrin auf der Badenburg. 1677 wird als Pate erwähnt: Ma gnnsRein- h a r t v. Schrautenbach, Hauptmann. Er rückte zum Obrist- wachtmeister in den Chur-Mainzischen Truppen in Gernsheim auf und starb 16 9 6 auf der Badenburg. Er wurde auf Befehl des Konsistoriums in Weilburg in der Stille begraben, „quuM fuerit ay oft ata et eontemptor nostrae ecclestae! et verbi divini" (Abgefallener und Verächter unserer Kirche und des göttlichen Wortes). 1678 wat Pate auf der Badenburg t Ludwig Schrautenbach, Hauptmann in Darmstadt. 1686. wurde mit seiner Schwester Magdalena auf der Badenburg lon- firmiert und „ad coenam sacram admittiert": Ludwig Reinhart, Sohn Balthasars v. Weitolshausen; er starb 1702 als „Leutnant in dem fürstl. Hess, darmstädtischen Regiment des Herrn Generalmajors v. S ch r a u t e n b a ch" infolge einer „Blessur, die er am rechten Schenkel bei Landau" erhielt und wurde in Darmstadt „im Gewölb mit brennendeii Fackeln, adelichem Gebrauch nach" beigesetzt. 1685 war Pate: Philipps Gottfried Balthasar v. Weitolshausen „Fehndrtch". Erstarb 1691, 37 Jahre alt, und wurde in der Witzmarer Kirche beigesetzt. 1693 wird genannt: Görg Ludwig Wilhelm v. Weitolshausen, Fähnrich. 1707 starb auf der Badenburg: Wilhelm August Balthasar v. Weitols- Hausen, „Bnrgmaun zu Gietzen und Staufenberg, Obermarkep allhier, getvesener Fehndrich unter den herzoglich Württemberg,, Trouppen, welcher in der Campagna am hitzigen Fieber erkrank« vndt von da naher Badenburg gebracht". Gr wurde begrabest abends „bei Fackeln und gehaltener Leicheiiseremon nebst Lautung der Glocken". 1707 wird als Pate bei Jäger Nickels -Lohn erwähnt: Fähnrich Ernst v. Schrautenbach. Er wurde 1709. Juliane Dorothea o. Wreden getraut. oes -A10ITC5 Wigmar- gelegenen, yamniuu/uu, au» guien . Bon weiblicheli Mitgliedern der Schrautenbachschen iza-. und Gärten bestchendm Teil der Gemarkung, von der Dorsstratze milie mögen unter anderen folgende genaimtwerden.1682, bis zur Lahn. Die Herren v. Grolniaun hatten auch noch | Fra n A g n e^s Cath n^ui a v. ^S chr a^ut tvn b a “L J'eetioii später einen Teil des Zehnten von Wißmar. Eiste Frau von! Rabenau und eine Frau v. Br in ck lebten als Witwen auf der Badenburg. Frau Anna Elisabeth v. Briuck war eine geb. v. Nordest zu Rabenau und „gewesene Hof- meisterin am herzogl. Hoss zu Stuckard, itzo (1700) zu Badenburg lvohnhast." Sie stirbt 1709 zu Badenburg „allwo sie sich bei ihren Verwandten aufgehalten und ist nach Witzmar ins adl. Schrauteilbachsche Begräbnis gelegt worden» alt 79 Jahre." Der erste bekannte Majoratsherr auf Badenburg war Ludwig Balthasar v. Weitolshausen, gen. Schrauten- h a ch. Er beruft 1673 den Witzmarer Pfarrer zum Haus geistlichen. Er starb 1693 im Alter von 75 Jahren und wird als „Ober- einnehmer" bezeichnet. Bei seinen Lebzeiten ging das Majorat auf feinen Sohn Balthasar v. Weitolshausen über, der 1678 erwähnt wird. Er starb 1694, 45 Jahre alt. Ihm folgte im!Majorat FrauO b r istw a cht m eist er in v. Schr ante n b a ch, Gemahlin des Jörg Friedrich Balzer von Weitolshausen, Obriftwachtmeister bei den Chur-Maiu- zischen Truppen, gestorben 1694. 1700 wird Jörg Philipps Schmid von Wiesest als „adelicher Hoffmann bei) der F ' O b ri st w a chtm e ist e r in v. Schrautenbach" zu Bc..... barg erwähnt. Fran Maj otin Anna Ursula v. Schtante n b a ch war eine geborene v. Winter von Bromskirchen und starb 1717, 79 Jahre alt. Die Schrautenbachsche Familie war auch im Hinterland bei Battenberg begütert, allwo fie mehrere Höfe besaß. Der Fran M a j o r i n S ch t a n t e n b a ch folgte der Wohlgeb. Herr E r n ft G o 11 f r i e d Balthasar v. Weitolshausen, vermutlich der vorigen Sohn und der 1730 erwähnte Haupt- manil v. Schrautenbach. Majoratsherrin war 1730 die I Daß in alter^Borzett die'Badenburg ost die Rstt'er zum Tournier „Frau HauptMänuin v. Schrautenbach ; denn unter j ™ b^^olksniuiidsicherzählt, ist wohl ins Reich der den Baptisatis Badenburgicis" ist als Täufling eine Tochter des Ee m verwesen Pietät osenveise ließ man ben stolzen Herreu- Schäsers bei der „Fran tzauptmännin" eingetragen. Nach 1734 ^u ?erwenen. pieiarw,e^^ ein „mit schönen fünft- wird die Familie v. Weitolshausen int Witzmarer Kirchenbuch I LxJÄLj unf) JAdfchlachten geziertes Hans" bezeichnet, nicht mehr genannt, 1740 wird aus der Badenburg eine Tochter k mitdrei Reihen Fenstern verschone Mauer, des M a) o r s v. H i l k konfirmiert, der eine v. Schrautenbachs JX’SS LZ bem einzigen stolzen Bau. Dank des Ent- zur Gemahlin hatte Es läßt sich annehmen, daß um diese Zeit ^komu eus des Oberhessischen Vereins für Lokalgeschichw die Schrauteilbachsche Familie auf der Badenburg aus gestorben I aegen o oes ^adeuburger Vergangenheit Ker verzogen war. In einem Fenster im oberen Stocke des I flan$Ii(beit Verfall gerettet. —ks Wohngebäudes des jetzigen Besitzers Herrn Duill findet sich vor dem ganziteyen J ilvar eingraviert der Name I o h v. W e i t o l s h a n s e n. 1 7 9 0, ! ---* 284 Böhmisch-Schilda. Böhmisch-Schilda liegt, wie in der „Köln. Ztg." sehr humorvoll ausgeführt wird, an der Moldau. Es ist eine Stadt mit hundert nnd mehr Türmen und führt auf den offiziellen Landkarten den Namen Praha, zu deutsch Prag. Ehemals war es eine deutsche Stadt unb erwarb sich als solche den Ehrentitel des goldenen Prags. Seit einem Menschenalter aber oder etwas länger ist es eine tschechische! Stadt, MfitiN seitdem ist es ein Böhmisch-Schilda; denn au unfreiwillig Erheiterndem, das darin geschieht, ist kein Mangel. So zeigen die Böhmisch-Schildaer eine ergötzliche Großmannssucht. Nichts tut ihnen Wohler, als wenn die Generalkonsuln fremder Mächte, die bei ihnen „akkreditiert" sind — in ihrer Vorstellung sind sie das nämlich — sie behandeln wie die Häupter einer Großmacht Böhmen. Sie empfangen ausländische Stadträte und Turnvereine wie Abordnungen befreundeter Rationen, die beabsichtigen, mit der großen tschechischen Nation in ein enges Bundesverhältuis zu treten, unb entsenden zu diesen! Nationen ans ihrer Mitte Abordnungen, die vor fremden Bürgermeistern und Turnvereinen auftreten wie diplomatische Missionen. Besonders sind sie darauf erpicht, die Gunst der grande uationi gu gewinnen, deren Beistand gegen beit gemeinsamen deutschen Erbfeind zu erwerben ihnen kein Opfer zu gering erscheint. Im vorigen Jahre haben sie zu diesem Zwecke eine runde Million geopfert. Denn um der schönen Augen der grande nation willen haben sie die Lieferung der Röhren für die städtische Wasserleitung, die sie nun endlich doch Zeit finden zu bauen, einem französischen Werke in Pont-L-Moussou auvertrant, trotzdem sie aus dem eigenen Lande ein Anerbieten hatten, daS um fast eine Million niedriger war. Dieses Anerbieten hatte allerdings einen bitteren Beigeschmack: es kam von einer Gruppe heimischer Fabrikanten, die vorwiegend deutsches Kapital vertrat. Unb mochte auch ein gut Teil der Fabrikanten dem eigenen Volke mtgehöreu, mochten auch alle zusammen dein eigenen Lande die höchsten Steuern zahlen und dem eigenen Volke die wichtigsten Arbeitgeber sein, die Förderung der tschechisch-französischen Beziehungen erheischte das Opfer: Pont-ä-Mousson bekam den Lieferungs-Auftrag. Damit aber hatte die Weisheit der Böhmisch-Schildaer eine Meisterleistung vollbracht. Denn das französische Werk in Pont-ß-- Monsson entpuppte sich bald danach als ein Aktienunternehmm, dessen Aktien sich in den.Händen reichsdeutscher Kapitalisten befanden. Ein anderes Schildbürgerstückchen der Böhmisch-Schildaer ist der Bau eines stolzen Reprüsentationshauses. Ein solches war unbedingt notwendig, um der Großmacht Böhmen eine Stätte zu bieten, wo sie die Vertreter fremder Mächte würdig empfaugeir könnte. Ursprünglich sollte dieses Repräsentationshaus nur 3y8 Millionen kosten. Es ist aber jedes Jahr des Banes eine neue Million hinzugekommen, und jetzt ist schon beinahe der doppelte! Betrag erreicht, ohne daß das Ende abzusehen wäre. Es findet sich nämlich immer noch etwas, was man dem ursprünglichen. Plaue glaubt hinzufügen zu müssen. Und schließlich bat sich her- ausgestellt, daß nmn, wenn auch nicht wie beim Rathausbau der Schildbürger im Märchen die Fenster, so doch eine andere wichtige Einrichtung vergessen hat, wo gewisse reinmenschliche Bedürfnisse befriedigt zu werden pflegen. Noch ist das homerische Gelächter über diesen Streich nicht verhallt, da liefert Böhmisch-Schilda schon wieder Stoff zu neuer Heiterkeit. „Zeppelin 3" plant einen Besuch der Kaisetstadt an der Donau als Huldigung für den numnehr 80 jährigen Monarchen Franz Josef. Die Rückfahrt sollte über Böhmen und Ostdeutschland ausgeführt werden. Das wäre eine Gelegenheit gewesen, auch dem goldenen Prag einen Besuch abzustatten. Die Zeppelin-Gesellschaft fragte nun, wie wenigstens tschechische Blätter erzählen,, bei der Prager Handelskammer an, was sie über eine Landung des Luftschiffs in Prag dächte. Die Prager Handelskammer gab die Anfrage an den Prager Stadtrat weiter, und dieser erwies sich seines alten Schildbürgerrufs würdig. Andere Stadtväter würden den Besuch mit Freuden willkommen geheißen unb alles zugesagt haben, was bett Luftschiffern die Landung hätte empfehlen können. Die drolligen Vertreter von Böhmisch-Schilda sahen aber in dem Besuche eines Luftschiffes, das den glänzendsten Triumph menschlicher Technik, darstellt, nicht die Gelegenheit, der Leistungsfähig- reit des menschlichen Geistes ihre Reverenz zu machen, sondern vielmehr so etwas tute den Einbruch eines Feindes. Denn der Erbauer dieses Luftschiffes ist ja ein Angehöriger der feindlichen deutschen Nation. So setzten sich.denn die wackeren Prager Stadträte an den grünen Tisch und faßten folgenden weisen Beschluß: es sei der Zeppelin-Gesellschast, aber selbstverständlich in der tschechischen. Weltsprache, zu schreiben, daß die Landung des Zeppelin 3 in der Kuchelbader Rennbahn erfolgen könne, meint der Lenker Graf Zeppelin erstens eine tschechische Ansprache des Bürgermeisters entgegennehmen, zweitens jede großdeutsche Kundgebung verhindern und drittens die Erhebung eines Eintrittsgeldes zugunsten der Prager Stadtarmeu gestatten würde. Begründet wurde die Zulässigkeit des Besuches an sich mit den stolzen Worten, die Prager Stadtvertretung habe ja auch andere fremdländische Besuche empfangen, so russische und französische, es könne deshalb auch einmal ein reichsdeutscher empfangen werden, aber selbstverständlich unter Wahrung der Würde der tschechischen Magisches Dreieck, In die Felder uebensteheilder Figur sind die Buchstaben adeeeelllloosss derart einzutragen, daß die einander entsprechenden wagerechten und senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bedeuten; 1, Griechische Insel. 2, Gutmütiges Tier. 3. Biblischen Namen. 4. Teil von Oldenburg. 5. Einen Buchstaben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Charade in voriger Nummer k Florenz (Flor, Enz). Nation. Der Heiterkeitserfolg, den dieser Beschlttß erzielte, itAtr um so vollkommener, da er von seinen Urhebern gar nicht! geahnt worden mar. Natürlich wird Zeppelin 3, da er Bedingungen so wunderlicher Art nicht annehmen kann, auf denj Besuch Prags verzichten, und die Böhmisch-Schildaer sehen sich durch ihre Weisheit um ein Schauspiel gebracht, das der übrigen, lebenden Menschheit als eines der größten erscheint, die die Welt je gesehen hat. VsvmiyckLsS. * Bartmarken. Zar Peter I. hatte im Jahrs 1699, einen Befehl erlassen, wonach den Russen verboten mürbe, einen! Schnurrbart oder sonst einen Bart zu tragen, obgleich diese Verfügung im schroffsten Widerspruch mit der Sitte staud. Der Zar stieß auf heftigen Widerstand und sah sich gezwungen, um seins Verfügung zur Geltung zu bringen, mit seinen Untertanen einen! Vergleich abzuschließen. Wer also den Bart behalten wollte, mußte eine Steuer bezahlen (100 Rubel bis 30 Kopeken jährlich) unb bekam als Quittung eine Kupfermünze von ungefähr bet Größe eines heutigen Kvpeken. Auf der Vorderseite war die! untere Hälfte eines Gesichts mit Bart und Schnurrbart abge-. bitbet; darüber die Inschrift: „Das Geld ist bezahlt". Die Prägung der Rückseite zeigte einen zweiköpfigen Adler unb die Jahreszahl 1705. Bis jetzt ist nur eine golbene Bartmarke! dieser Art bekannt: sie befindet sich in der Eremitage. Der Moskauer Sammler P. I. Schtschekin besitzt ein silbernes! Exemplar. Die letzten Bartmarken, die in Rußland geprägt worden sind, tragen, wie die „Internationale Friseur-Zeitung" mitzuteilen weiß, die Jahreszahl 1725. Sie sind viel größer als die des Jahres 1705 und besitzen eine rhombische Form. Das Material ist ausschließlich Kiipfet. Die Inschrift auf der Vorderseite lautet: „Die Steuer für den Bart ist erhoben". Obgleich seinerzeit 2600 Stück dieser Gattung geprägt worden sind, gehörest sie heute zu den sehr seltenen lleberrefteit eines barbarischen! Zeitalters, da 1728 eine Umprägung der nicht im Verkehr befindlichen Bartzeichen zu gewöhnlichen Kopekenstücken erfolgte^ * Tönende Namen. Daß ein deutscher Dichter Klop- stock heißt oder Schultze, will uns nicht richtig erscheinen. Mast würde dem Verfasser des Messias ober ber bezauberten Rose einen weniger prosaischen Namen wünschen. Anderen Völkern! geht es aber ebenso, nur, daß uns Deutschen solche Namen wegen des Wohllautes der betreffenden Sprache poetisch klingen. Cal- beroit de la Barca heißt zu deutsch „Schiffskessel", Torquato Tasso der „angekettete Dachs". Dante ist soviel wie Hirsch ober Hirschfell. Boeeaecio würbe sich in deutscher Sprache kaum anders denn als „Großmanl" wiedergeben lassen und Bramante als „Winsler". Silvio Pellico, der Märthrer vom Spielberg, hat einen Namen, bet „(cbern und rauhhaarig" bedeutet. Max Pieeo- lomini mürbe viel verlieren, wenn man die richtige Uebersetzung „Zwerglein" ober „Knirps" bafüt gebrauchen würde, und Verdi hat heu italienischen Ausdruck für „Kreuzschnabel" unsterblich gemacht. _____________ vüchertisch. — Helt 3487 ber 3(1 u ft vierten Zeitung, Verlag von I. I. Weber, Leipzig, enihält: Ernst Kießling 1. Leipziger SezefsionSausstellung, Gustav Levering Franz v. Defregger. Die Hcmptereigntsse der letzten Woche werden in vorzüglichen Bildern wiedergegeben: da ist ein großes Bildnis von Mark Twain, drei Bilder der eigens nach Brüssel gesandlen Zeichner der I. Z. E. Limmer und I. Matania von der Eröffnung der Weltausstellung, Bilder von der Landung der Militärlnitschiffe iil Homburg, von der Unglücksstätte bei Weilburg. Bilder aus der Luitschiffahrt und ans dem Sportleben schließen 'sich an. Der Emzng des Großl>erzog- paares in Weimar, die Jubelfeier des 1. TrainbatciillonS in Dresden, die Landsgemeinde in Appenzell, und die Toten Juliiis Kühn und Gral Oriola im Bilde seien noch hervorgehoben. Ein zum Teil bunt illustrierter Aufsatz schildert den Plan einer allgemeinen ständigen Lehrausstellung für Maschinentechnik in Dresden, ein reich illustrierter Beitrag gibt Retseskizzen aus Sardinien, und der Unterhaltung dien! u.a. der Roman „Eva Göimeborg" von Fel ixHübel. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch« und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.