MiMs M y, Wruar ZRZ W — Nr. 22 S^^WW§ZNlw'/D MM ■ÄhfT Ml- n. MMWMLM ^irkZWsLrrürtt 1{«s LMMWAUkM asHMMl »Mi W seiner Iran: — Valy, d» bist die älteste Schwester. Die Prinzessin schüttelte den Kops: — Jetzt soll ich entscheiden«? Fällt mir gar nicht ein! Die alte Gräfin blickte sich in komischer Verzweif- Jetzt sollte aber wirklich zu Bett gegangen werden. Gräfin Lindenbach rief: — ^Scrutine! Alles schwieg. Sie ging zur Mr, die Prinzessin folgt- neugierig, dann der Prinz und Agathe mit ihrem Verlobten. Sie sahen Gräfin Patsch und Gras Regnier Wange an Wang« so vertieft, daß sie die Anwesenheit der Zuschauer nichr bemerkten, bis die alte Dame die rechte Hand hob und, in dr» linke klatschend, rief: — Patsch! , r _ Der junge Offizier ließ das Mädchen erschrocken los. Die Gräfin hielt die Lorgnette an die kurzsichtigen Augen: — Ah , . . darum, und ich schreie mir die Seele MS dem Leibe. Graf Regnier sagte irgend etwas von: er wolle, M dächte. . . Mäfin Patsch nahm das Wort: — Liebe Tante, wir wollten es dir längst mitteilen, aber es sollte erst alles klag' fein. Tie alte Dame drehte sich um zu ihrem Neffen Hohen- gart: — Run, Chef des Hauses, Mann in der Familie, Hoch- zeitsausrichter, bitte... , Doch der Prinz konnte seine Entfchlossenhelt nicht wiederfinden, Pauline gegenüber schon gar. nicht, und sagt« hntß-Um «« ^„er zu haben. Ihr seid eine Gesellschaft! ' Gräfin Patsch rief: — Der Vormund wird schon einverstanden sein. Und wenn nicht, dann gehe ich durch! Die alte Gräfin nahm ruhig ihren Arm, zog sie von den übrigen fort in das Zimmer, aus dem sie gekommen waren, und sagte mit der überlegenen Ruhe ihres selbstsicheren Charakters und ihres Alters: — Ich mische mich nicht in Dinge, die mich nichts au« gehen. Trotzdem habe ich deinem seligen Vater die Wah^ heit gesagt.. Und das geschah zu einer Zeit, als an dich noch gar nicht gedacht wurde. Ich möchte dich auch nur versichern, daß er ein Wort von mir angenommen hat. Und dein Papa war ein höllischer Kerl. Ich möchte mal wissen, wenn er hier stünde, ob du so geantnwrtet hättest. Ra, nun mach nicht so ein Gesicht, ich gönne dir ja den jungen Mann von Herzen. Aber ich kenne Regniers Verhältnisse mcht. Hoffentlich brauchtest du, wie Baly sagen würde, ihr nrcht auf der Tasche zu liegen! Den Kopf so hoch tragen kann nur der, der die anderen nicht braucht. Ob du uns alle nicht brauchen würdest, kann ich nicht sagen. Vergiß jedenfalls nicht, daß die Tage der fröhlichen Jagden, tvo du dernen Vater und den lieben Herrgott sorgen lassen konntest, vorbet sind Die Sache würde anders Kegen, ivenn du drr dem Droesigl. Roman von Georg Freiherrn von Omptedck (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Da nun niemand sprach, kam der Prinz sich selbst ein wenig merkwürdig vor, schob- sich zu dem Stuhl, den er eben verlassen, und sagte wieder in seinem gewöhnlichen, bescheidenen Ton: — Mer . . . wie ihr meint. Damit hatte die Prinzessin Oberwasser: — Ach, nach unferm dummen Haddensen! Da kommt ja keiner hin, da am Ende der Welt! Sie schien in ihrer Phantasie schon eine pomphafte Hochzeit zu erblicken, wo sie eine herrliche Toilette tragen und wunderschön stehen, fitzen und aussehen könnte. Gräfin Lindenbach sagte: — Liebste Valy, vergiß nicht, es ist Trauer! Wer soll denn da groß kommen? Als nun Herr Droesigl meinte: — Ich habe nur meinen Vater — fiel ihr ein, was ihr Bekannte an der Riviera Mer den Geheimen Kommerzienrat beigebracht hatten: der alte Herr sei ein Rauhbein. Dann war es allerdings besser, wenn man kein Aufsehen Mit der Hochzeit machte, und sie stimmte plötzlich ihrem Manne zu, fühlte sich als Hausfrau, und es fehlte nicht viel, so hätte sie von dem sonst verhaßten Haddensen angefangen zu schwärmen. Nun trat Herr Droesigl zur Prinzessin, seinen Dank auszusprechen. Agathe wollte die Hand ihres Bräutigams suchen. Er sollte aus ihren Augen die Freude darüber sehen, daß der Augenblick -näher und näher. . . Sie blickte traurig auf ihre schöne Schwester, der er Artigkeiten sagte. Die ließ sie zwar an sich herunterrinuen, aber es tat ihr doch wohl. Und da stammelte Herr Droesigl etwas von: ob er sich wohl gestatten dürfe. . . er hoffe, es würde nicht übel genommen werden ... die Prinzessin habe, ehe sie abgereift sei, geäußert, zu den Drauerkleidern besitze sie keine Brosche, die ihr wirklich gefiele. Und er überreichte ihr eine kleine Lederkapsel, die er mitgebracht, für den Fall, daß er seiner zukünftigen Schwägerin begegnen würde. Als sie das Kästchen öffnete, erblickte sie einen Kranz fast schwarzer Perlen. Sie strahlte vor Freude, sah sie lange an, wollte sie nicht annehmen, war trotzdem entschlossen und dankte schließlich, dem zukünftigen Schwager dreimal die Hand drückend, die er jedesmal mit einer kleinen, fmniliären Verbeugung an die Lippen zog. Der Prinz schien erstaunt. Die alte Gräfin runzelte die Stirn und blickte Agathe an. Die jedoch freute sich für ihre Schwester, und ein Wunder geschah: Prinzessin Hohengart gab Agathe einen Kuß. 86 Brot allein verdientest, Ob du das könntest, liebes Kind? Ja, ich weiß schon, was du sagen willst: Es ist,eine Kleinigkeit, sein Brot verdienen. Ich weiß das alles. Hab's nur nock nicht erlebt. Na, wenn Graf Regniers Vater, der das Geld geben muß, einverstanden ist--- Gräfin Patsch unterbrach sie mit stürmischer Leidenschaft : — Aber er hat ja mit seinem Vater gesprochen! Es ist alles in Ordnung! Ach, wenn Papa noch lebte! Gräfin Lindenbach ließ ihren Arm los: — Der würde gesagt haben, wenn eine von euch hinter seinen Rücken was gemacht hätte: Ten Rotz sollen die Pferde kriegen und alle Köter die Räude. Wer nicht pariert, fliegt raus! Sie ließ Gräfin Patsch liehen und ging hinüber zn Graf Regnier. Er nahm die Absätze zusammen, während sein braun gebranntes Offizier-Gesicht sich leise färbte. Doch ehe er ein Wort sagen konnte, meinte die alte Dame freundlich: — Ich höre, Sie haben mit Ihrem Herrn Vater schon gesprochen? — Jalvohl, Frau Gräfin, er ist einverstanden. — Vielleicht reden Sie dann auch mit meinem Sohne. Sie wissen, er ist der Vormund. Der junge Offizier blieb noch immer mit geschlossenen Wsätzen stehen: — Ich werde sofort Urlaub nehmen, Frau Gräfin. — Und nicht wahr, dann erst wird verlobt. Jetzt wurden des jungen Mannes Wangen fast dunkel: — Jawohl, Frau Gräfin, ich bitte auch um Verzeihung, wenn.... Wer die alte Dame streckte ihm freundlich ihre schöne Hand entgegen: — O, für den Fall, daß er zustimmt, woran ich keinen Mrgenblick zweifle, schon von vornherein meinen herzlichsten Glückwunsch. Das junge Paar stand in einer langgestreckten Galerie mit einer Reihe weißumrahmter Fenster, durch die man einen weiten Blick über noch winterlich graubraune Rasenflächen gewann, die von breiten Kieswegen begleitet, von hohen, kahlen Buchen umrahmt, in der Ferne sich zu verlieren schienen. Dort ahnte man in unsicherer Weite etwas Wesenloses, das, wenn einmal ein spärlicher Sonnenstrahl durch eine Lücke der schraftreibenden Wollen schoß, glitzerte und glänzte: das Meer. Ludwig Droesigl trug einen kleinen Myrtenzweig im Knopfloch. Die Schleppe der Brant lag int Halbkreis um seine schwarze Gestalt. Er stand aufgerichtet da. Sein Auge glänzte. Sein Anzug war ohne Tadel. Er sah stolz und glücklich aus. Sein Blick schoß hinüber zu der Hochzeitsgesellschaft, die im bunten Schmuck der Uniformen und schönen Kleider — denn für heute war die Trauer abgelegt — eben aus der Halle eintrat. In der Galerie hing zwischen jedem Fenster ein hoher Spiegel, und auf der entgegengesetzten Seite liefen Bilder in Räumen verschiedener Zeiten an den Wänden hin. Es war ein seltsames Gegenspiel: in der Halle das auf und nieder flutende Tageslicht, weil bei den jagenden Wolken matte Beleuchtung mit Plötzlichem Sonnenglanz wechselte, gegen den gelben Schein der Kerzen, der aus dem geöffneten Speisesaal fiel, luo inan hinter der gedeckten Tafel die glatten Gesichter der Dienerschaft sah. Ludwig Droesigl zog, als die Hochzeitsgesellschaft näher kam, die Hand seiner jungen Frau yn die Lippen. Es waren kaum dreißig Personen. Und sie verloren sich ein wenig in der langen, leeren Galerie, in der nur unter den Bildern hin schmale Sofas des 18. Jahrhunderts auf ihren zierlichen Füßen standen. Es war fast nur Familie. Die Hohengart und Lindenbach, dazu die Regnier, denn Gräfin Patsch und der junge Offizier ivaren glücklich verlobt. Der Chef des Hauses Hohengart, der Fürst, führte Gräfin Mguier. Mit seinem Bruder hatte er kannr eine Aehnlichkeit. Er war von so hoher, schlanker Gestalt, daß er unter den nicht eben kleinen Leuten doch auffiel, mit dem einzigen Stern auf der linken Brust. Der Geheime Kömmerzienrat Droesigl würde ihn aber noch überragt haben, hätte er sich aufrecht gehalten. Doch |o glitt er, Gräfin Lindenbach am Arm, den Kopf mit dem wüsten, weißen Haarbusch vorgebeugt, im einfachem Mvarzen Frack über daK spiegelnde Parketts als fürchte er jeden Augenblick auszurutschen. Als man um das junge Paar herunchand, Glück zu wünschen, erzählte er mit dröhnender Stimme, etwa luie er damals int Hotel „Herein" gerufen, irgend etwas von einem Schacht, der wegen eines Grubenbraudes hätte ersäuft werden müssen. Dabei bewegte er heftig die Arme, und bei jedem „denken Sie in al" tippte er der Gräfin ans die Schulter, daß sie einen Schritt zurücktrat. Graf Lindenbach, der Vater des Leutnants, führte eine alte Dame^init weißem, etwas spießbürgerlichem Madonnenscheitel. Sie trug prachtvollen Schmuck und mußte einmal schön gewesen sein. Frau vom Platz Ivar die einzig« Dame Droesiglfcher Seite. Auch Herren waren nicht vertreten, da es keine nähere Verwandtschaft gab. Tie beiden Busenfreunde des Herrn Ludwig Droesigl aber, Fürst Fraisheim Fraisheim und Lord Fitzvenor, hatten zu ihrem lebhaftestem Bedauern nicht erscheinen können. Ter Engländer, weil er eine Jacht, die in Spanien stand, begutachten mußte, der Oesterreicher, da er in Ungarn notwendig Pferde zu kaufen hatte. Mer Frau vom Platz aus Köln am Rhein ersetzte die beiden durch ihr Aussehen und Benehmen einer Dame von ~ Sie sind müde, — sagte sie und zog den Grafen Lindenbach: zu einem der Sofas an der Längsseite der Galerie. Sein Sohn kam mit der jungen Gräfin Mguier von der Mittelgruppe der Glückwünschenden herüber und wollte besorgt wissen, ob es seinem Vater etwa nicht gut ginge. Doch der meinte nur: — Die gnädige Frau ist: so liebenswürdig, mich zum Ausruhen zu nöligen. Ich nehme es an. Frau vom Platz fragte Gräfin Mguier: — Sind die Regnier Refugies oder Emigranten? Die Gräfin, schmal und schlank, beinahe ebenso groß wie ihr Herr, erzählte etwas von ihrer Familie, und Frau vom Platz, die mit einer französischen Marquise de Mguier einmal verkehrt, erwähnte dies flüchtig, daß man sah, wie ihr die Bekanntschaft mit solchen Leuten nichts besonderes war. Dann fragte sie den Kürassier-Lentnant, wo er in Garnison stünde. Sie hatte einen früheren Kommandeur seines Regiments gekannt, von dem sie sagte: „Er war einer meiner Tänzer". Das a.les geschah mit ruhiger Selbstverständlichkeit, nicht um Unterhaltung zu machen, sondern durchaus ungezwungen. lFvrtsctzimg folgt.) Mein erster Theater-Sommer. Skizze von Wvlfgang Leßler. (Nachdruck verboten.) Da die Zahl der. besseren Sommer-Theater eine sehr geringe ist, sehen sich nach Schluß der Winter-Saison gar manch- Mitglieder guter Provinz-Bühnen genötigt, zu privatisieren, oder ~ Wem# sie dies nicht können — Mr Schmiere zu gehen. Zu ihrem Glück nur für kurze Zeit, denn wer hier layge bleibt,,.fommt.nie wieder» heraus. Man braucht nicht die traurige Lage der Schntieren-DirÄ- loren und -Schauspieler zu cerfeinten,, wenn man über sie lackst. Das teilte Renommieren dieser Leute.tote ihre Erfindungsgabe, die ihnen aus jeder Verlegenheit Hilst, fordern die Satire geradezu heraus. Ta ist ein Direktor, der es vom Theater-Arbeiter zum Schmiereuhäuptling gebracht Hai und der sich nun seiner Vergangenheit schämt. An seiner Seite steht ein alter Regisseur mit jugendlich-braunem Toupet, das aber die grauen Haare nicht verdecken kann. Er hat unsere großen Schauspieler in ihren A'w- stingerjahren gekannt und stellt nun die kühne Behauptung auf, alle berühmten Darsteller Berlins und Wiens seien seine — natürlich undankbaren Schüler. Unter den jüngeren Mitgliedern stillt ein zukünftiger erster Held auf, der sich bei jeder Gelegenheit! brüstet, 3 Semester Jura studiert zu haben. In wenigen Wochen wlt er zum Militär und es will ihm nicht gelingen, seine Erregung darüber zu verbergen, daß „Juristen!" auf 3 Jahre der Kavallerie zuerteilt werden. Wie wird so ein Schmieren-Engagement abgeschlossen? Auf ein Darsteller-Gesuch in einem Fachblatte sendet man seine Bewerbung ein. Eine Postkarte mit Angabe der bisherigen Engagements und des Faches genügt vollständig; Bild und Repertoire! werden nicht verlangt. Eintreffen sofort, 14 tägige Kündigung. __Mein erstes Sommer-Engagement war W„ ein Ort von 8000 Einwohnern in der Nähe Berlins. Ich traf pünktlich ein und stellte mich meinem neuen Direktor vor. „Ta. ist er," brummte dieser zu ieinem Regisseur — das war die ganze Begrüßung. Nach emer Weite lud mich der 'Direktor zu einigen Schnäpsen ein! und schließlich würde ich sogar einiger Worte gewürdigt, d. hl Wern neuer Chef begann auf mMm Minter-Direktor kräftig M — 87 — ■ Wuchsen. Tann erhielt ich Meine Rokke rind durste nach Hanse Men. Ich lernte gar bald den Geschäftsbetrieb der Schmiere kennen. Ante männliche Nullen — gleich ob .Heldenväter, schüchterne Liebhader, Bonvivants, Helden irnb Komiker — spielte der.Herr Tirektor; die Fran DireUvr dagegen beschränkte sich noch immer ans die Naiven. Sie verstand cs, sich vorteilhaft zu kleiden; er sah stets wie ein Metzger ans. Daran konnte selbst sein Smoking nichts ändern, den er fast, jeden Abend anzog. Ter Smoking war ein elegantes Kleidungsstück: viel zu kurz, Adrmel desgleichen und die Breite der Hose- tarn der Länge des Fußes gleich. Brauchte ich Regnisiten und fragte: Herr Tirektor, haben Sie vielleicht einen, Tolch für mich? so erhielt ich die Antivortr „In, ich hatte-«neu silbernen, der ist mir gestohlen worden"; Herr Tirektor, haben Sie eine schwarze Kniehose? — „ich hatte ein« reinseidene, sie ist mir gestohlen worden"; haben Sie eine langhaarige Perücke für mich? „ich hatte eine wunderschöne, blonde', leider ist sie mir gestohlen wvrden". Ter Aermste! Zur Ergänzmia des Fundus kam in W. eine Kiste von Tietz in Berlin an: 2 Leuchter und eine Standuhr, die natürlich ist .jedem Stücke und jedem Akte aus die Szene mußten. Und wie verstand es der Herr Tirektor für Abwechslung zu sorgen!: im •1. Akt 2 Leuchter, im 2. die Uhr, im 3. 1 Leuchter, im 4. 1 Leuchter und die Uhr und im 5. die beiden Leuchter — da weiß, man nicht mehr, daij eK im 1. Akte ebenso war. Ist Stücken, die ein größeres Personal verlangten, mußte jeder zwdi Rollen Spielen. Dienstboten und Schutzleute kamen in diesem vdrmehnien Rahmen natürlich stichst aus: die Bühne, sie Mußten draußen n,arten.' InWirklichkeit ist es ja auch so, doch soll, es Spötter geben, di» behaupten, das geschähe nur, weil für die kleinen Rollen keine Tarsteller vorhanden seiest. Mar eist Diener unentbehrlich und nicht auszntreiben, daun wurde einfach aus dem „Wilhelm" eine „Wilhelmine", aus dem „Franz" eine „Franziska" gemacht. Täglich wartete der Tirektor vergeblich Ms die Ankunft 6on TekoratiDNen im Werte von 300 Mark, die er mehrere Wochen vorher bestellt haben wollte in den sechs Wochen, die ich bei ihm! war, blieben sie aus. So mußte die offene Trhorativn des Wirtes — eine Seite Zimmer, umgedreht: freie! Gegend — benützt werden. Ter Tirektor war absoluter Herrscher in seinem kleinen Reiche, er kontrollierte sogar die Post ! Widerspruch gab es bei ihm nichjt stnd so hatte ich mich bereits' auf der ersten Probe mit ihm verkrachst. Da kam ein großes Fest: Geburtstag des Herrn Chef! Die Bvrmittags'pvobe würde auf bett Nachmittag verschoben und an ihrer Stelle gab es einen Frühschoppen. Ter Direktor komtz Mandierte: 1 großes Bier, 1 Kümmel; l Bier, 1 Kümmel üsw. Tas mag manchem ganz gut bekommen, ich bin es aber nicht gewöhnt und daher stab ich nach dem fünften Glase Bier das Rennen auf. Mit Würde bemeisterte der Herr Direktor seinen Zorn über meine Weigerung, mehr zu trinken. Auf dem Gebiete^ des Kneipens wie ans der Bühne gingen unsere Ansichten auseinander, Ständal folgte auf Skandal, und schließlich wurde mir gekündigt, so daß ich Ende der Nachsaison das Ensemble Verlassen mußte. Viel schlimmer als mir erging' es dem Bonvivant, obwohl dieser bei der erwähnten Geburtstagsfeier derjenige war, der nächst dem Tirektor am meisten vertragen konnte. Der Tirektor förderte die Zeitungen auf, keine Hinweise für das' Benefiz dieses! Kollegen auszunchmen und da er nicht den Mut zum Kündigen; hatte, sandte er ihm eine Aufforderung, doch seine Eutlassungj zu nehmen. Tie Nachsaison in W. ging zu Ende. Da der Tirektor nun' fünf Wochen aussetzte, gab's jetzt „Ferien".. Einige Kollegen wollten diese Zeit in W. verbringen. Auch ich blieb dort, da. ich noch kein neues Engagement hatte. Wir beschlossen auf eigene Rechnung weiterzuspielen. Nur -wenige Personen. standen zu unserer Verfügung, doch genügte -unsere Zahl, um eine „Heirat auf Probe" — in Wirklichkeit ein altes abgespieltes LuMyiel' mit anders lautendem Titel — ausführen zst können. Tas gab eine „Sonder-Abschiedsvorstellung! des Saisontheaters in W.". Der' künstlerische Erfolg war ein recht zweifelhafter, der materielle ein völlig negativer. Wir hätten, noch zuzahlen müssen, um die Unkosten zu decken, wenn der Wirt uns nicht schließlich die Saalmiete erlassen hätte. Ter Kunst- Hunger der Bewohner von W. war also gesättigt, hier war nichts mehr zu holen. Verhandlungen mit einem Wirte in Güstebiese an der Oder führten zum Ziel, mit ihm wurde ein zweimaligeÄ Gastspiel vereinbart. Schnell.waren die Zettel gedruckt und in R. verteilt; in den umliegenden. Ortschaften ließen wir die Bvr- stellung ausllingcln: Hierdurch wird bekannt gegeben. Ter Tag des ersten Gastspiels kam, wieder sollte die „Heirat auf Probe" gegeben Werden. Eine zweistündige Wagensahrt, dann mir einer Kettestfähre über die Oder und wir waren in Güstebiese angelangt. Mit uns fuhren zwei. Schüler der Musikerrschule in W„ die unsere Gesangseinlagen begleiten und Nach der Vorstellung Tanzmusik machen sollten. Tie Aufführung begann. Das Publikum hatte sich in ansehnlicher. Zahl eingefunden und nahm jeden Scherz mit Begeisterung a,Us. Der Vorhang fiel gerade nach dem ersten Akte — als das gesamte Publikum in großer Hast den Znschauerraum verließ, Inr ersten Momente fragte ich mich, habe ich wirklich so gut gespielt, dH — da drangen einige dumpfe, langgezogene. Signale an. mein Ohr: cs WM Zetteriarm! Wie ich bald erfuhr, bräunte in der Mhe ein Ziegenstall. Ta: auch nicht ein einziger Mensch mt saald blieb, zogen wir den Vorhang wieder hoch, sprangen Wit der Bühne hinunter, eilten durch das Lokal, stolperten Ater die finstere Steintreppe und liefen in Kostüm und Maske zup Brandstätte. Rach einer Stunde war das Feuer gelöscht und sitz herausziehcudes Gewitter trist! alles wieder ins Theater zurück. Wir hatten I.1/4 Stunde Pause gemacht und nun mußten wir weiter-- spielen, als ob inzwischen nichts geschehen wäre. Nach der Vorstellung war Tanz. Wir forderten von jedem Tänzer 1 Mark Tauzgeld- und die so eingenommenen 5 Mk. waren,' ein willkommener Zuschuß für unsere Kasse. Tann wurden Kutscher und Fährmann geweckt und- sw machten wir uns auf' den Heimweg. Um halb 4 Uhr morgens kamen wir wieder in W. an. Am Pfingstmontag, sollten wir in Ait-Welin und am dritten Fingstseiertäg nvchmäsK in Güstebiese spielen. Wir hatten also iwch große Pläne, und begierig Warteten wir jeden Mittag vor der Post auf die neuesten' Wetterprognosen. „Scheint an Pfingsten die Sonne, dann geht niemand ins Theater, aber wenn xs' Regelt gibt. . .", und in Gedanken teilten, wir schon das Geld. Da! brach plötzlich in unseren Reihen Streit aus, der alles in Frag« stellte. Erst nach vielen. Anstrengungen, - ich habe an einem Tage bei meinem Kollegen F. fünf Besuche, und, bei R. sechs BesitcH gemacht - gelang es mir, die Parteien so weit zu versöhnen, daß sie wieder miteinander spielen wollten. Aber nun ein. anderes Stück, das man mit wenige» Perftmeik geben kann! Unser Liebhaber besorgte einen Schwank „unsere Soldaten", dies sollte ein für uns geeignetes Stück sein. Dich Material kam an -- cs kostete 13,50 Mark! — und als ick das Buch erhielt, schlug ich natürlich zunächst das PersonenverzerchnD auf: 17 Solo Rollen, außerdem Bauern, Biiuerimten, SoldatÄNj, ja, Militär sollte mit klingendem Spiel über die Bühne ziehen. Wir waren drei Hsrven und- eine Dame, und da. ließ der Mensch dieses Stück kommen! Ja, Ich- Regisseure von besseren Theatern', hier hättet Ihr Euch sicher nicht helfen können, in solchen V«c> hältnissen zeigt es fick- erst, im ein Stück „einrichten" kann. Zunächst wurden die entbehrlichen. RLpcäsentations- und Episoden'-- rvllen. gestrickten. Und müssen denn die beiden Töchter durchaus zwei Lmtnants beüonwueu, es genügt doch vollständig, wenn Leide einen haben! Tann übernahm jeder von. wnS zwei Rollen, auch die Frau des Liebhabers, eins völlige Dilettantin, mußte zwei Rollest spielen, eine Rolle erhielt ein talentiertes Mhmadcheit — und nun ging cs ans die Suche Nach einem Vertreter der Komischen! Hauptrolle. Ein berühmter Mann auK W. — der Star sämtlicher dortigen Titettantenvevetn» — gab schließlich seine Einwilligung, Ans den Proben war er aber stark angetrunken, daß er nicht «in» mal lesen konnte. Ich gabelte rasch einen Ersatz für ihn auf — doch da erklärte unsere mit Mühe gefundene Souffleuse, wenn bet betreffende Herr mitspielen sollte, erlaube ihr Verehrer nicht, daß, sie mitfahre. Also noch Familienangelegenheiten! Was' tun? Tas Stück einrichten!! Es' wurde so bearbeitet, daß jeder der beiden anderen Herren eine Rolle von mir zuspielen konnte, also drei Rollen hatte, und ich übernahm, die Komikerrolle. TaS Buch forderte 17 Personen usw., aus dem Zettel standen 10 Personen, in Wirklichkeit waren wir sechs, davon zwei Dilettanten. Was noch aus unserem Wagen stieg, das waren die erste Verkäuferin' ans dem Käiser'schen Kaffeegeschäft in W. und die zweite ans der gegenüberliegenden Kvnkürrenz, die wir mitgenommen hatten, um den Bewohnern von Mt-Weliu durch unsere Zahl zu imponieren; auch hatten wir vor dem Wirte Furcht, dem wir mehr Tarsteller versprochen hatten, Der Besuch-unserer Vorstellung ließ trotz des schönen Wetters nichts zu wünschen übrig, nach Abzug der Kosten kamen auf jeden 24 Mark. — Am folgenden Tage spielten wir dass Stück in Güstebiese, wo 10 Mark ans den Teil tarnen; fo standen wir uns in den 14 Tagen, in beiten mir auf eigene Rechnung spielten, ebenso wie vorher in Gage. „Unsere Soldaten" gefielest in beiden Orten außerordentlich. Zu jedem Aktschlüsse gab es' einen Chorgesang von sämtlichen Mitgliedern. Schade, daß, vor der letzten Strophe intimer einer ab gehen mußte, um den Vorhang hernnterzulafsen. Dieser eine war gewöhnlich ich. Am folgenden Morgen fuhr ich in mein neues Engagement: T. in Pommern. Dieser Ort von 3000 Einwohnern nennt sich Lnftkurvrt 1. Ranges — als ich ihn am 16. Juni verließ, war noch kein einziger Kurgast da. Ich war hier bei einem sächsischen Familiendirektvr. Ter Komiker war seit 20 Jahren Tuzfrennd des Direktors, ich ttiot fremd und alle übrigen Mitglieder — etwa 10 an der Zahl — waren mit dem Direktor verwandt ober verschwägert. Hier wurden auch Ausstattungsstücke gegeben wie „Der Verschwender". Da sah man offene Verwandlungen: Ter Direktor ließ mit Donnergepolter einen Prospekt fällen. Da stand die Fee Chcristane, sie beschwör ihren dienstbaren Geist Azur — der, da wir keine Versenkung hatten, sich unter einem Tische verbergen müßte -- jetzt kroch, unser Azur aus seinem Verstecke hervor und sprach sächselnd: Tu! Die du mich durch Zaubermachk geboren, gebietest du mir Segen oder Fluch? Ter Azur war betrunken und stockheiser. Sein Lied würde hinter der Szene vvm Direktor gesungen und auf der Szene gröhlte er in doppelt beschleunigtem Tempo. Znm Schlüsse- gab es ein lebendes Bild: Glaube, Liebe, Hoffnung- — mit bengalischer Beleuchtung natürlich, d. h. der Direktor stand in der Kulisse und zündete eilt büttteA 88 Streichholz nach bem andere u an: abtoMelud rot und grün, Wi« Mr Vie HKtzer in sie Kinger kamen. Ich vertrug mich mit dem Direktor M»z gut. Er erzählte mir irid von den Tranten, bte er geschrieben hat. Im vorigen Jahve fiott in T. bte Uranfführnng seiner „Salome" mit »ait ErWge Mttgchntden haben. „Eine wirklich klassische Sprache/' febte er hinzu, der Darsteller des „Königs" Wtto dies bestätigt, er Witte seine Rolle nickt in den Kopf bekommen. Daan zeigte er mir beit Theaterzettel dieser Uraufführung. Oben in .fetten. Lettern: „Nickt zu verwechseln mir der einaktig«» Oper „Salome" von Rickard Strauß!" Ich fragte: Wanbeit Herr, Direktor, daß das MlMkitm von T. etwas über diese Oper weiß? „Das ist ja ganz nebensächlich, ich Will nur darauf Hinweisen, daß meine Sa'Lome 8 Bilder Hai, in einen Einakter wie die Straußsche Oper geht hier kein Mensch." Ich las weiter: „Salome, b’fe Tochter der Hewdias, echt biblischer Stoff, bsarbeitet in 8 Bildern von Direktor X. Y," Darunter: „Auch für Leute, die Trauer haben." Da hat er recht —- wenn in T. jemand stirbt, hat gleich , dis halbe Eini- wohnerschast Trauer. Später erfuhr ich, daß dieser Zettel im Briefkasten des „Kladderadatsch" abgedruckt worden ist. Mein DireÄor hat wohl keine Ahnung davon gehabt, sonst hätte er mir den Zettel sicher nicht gezeigt. Uebrigeus hat wohl schon jeder Schmierenführer Komödien geschrieben. Wenn nichts mehr zieht, dann holt er aus seinem SchreibpM sent bestes Werk: Die Geheimnisse des Klosters Von . . . — hier wird ein in der Mhe des Ortes gelegenes Kloster genannt — nach alten Chroniken, die ihm von einer hochwohllöblichen Behörde zur Verfügung gestellt wurden, bearbeitet von Direktor 'Soundso. Da stürmen die Leute das Theater. Rach wenigen Tagen erhielt ich einen Kontrakt an das Ute» Si eröffnende Sommer-Theater in E., einer Stadt von 25 000 (!) inwÄhnern. Ich wußte, daß es Usus ist, in solchen Fällen nachts «uszirrücken. Das tat ich Nicht, sondern suchte in dieser Angelegenheit meinen Direktor auf, den ich beim dlngeln traf. „Morgen müssen Sie mir noch spielen, dann können Sie fahren." Ich spielte denn am folgenden Tage in der „Wilden Katze" im ersten Akte die drei Liebhaber und in den übrigen den „Jim-bo". Dann erhielt! ich meine Gage — das Wenige, das ich noch- zu verlangen hatte, tont ich hatte in 11 Tagen dreimal Vorschuß erhalten —, wies dem Direktor auf sein Verlangen nach, daß ich keine Schulden in T: hinterließ und reiste ab. • In E. war alles da. Die Bühne sah ganz nett aus, ein Megan des Personal, gute Soufflierverhältnisse, genügende Protor — ach, was soll ich noch alle weiteren Vorzüge aufzählen — sie haben ja nichts genützt — einem Mangel gegenüber, dem Mangel an Publikum. Der Direktor hatte zwar des öfteren erklärt, er wolle 2000 Mark anwenden, um sich hier durrhzusetzen. Da er aber die 2000 Mark nicht hatte, löste er nach 4 Vorstellungen das Ensemble entfach auf. Der Direktor rief: „Ich finde in E. Mn Entgegenkommen, kann mir jemand erklären, wie so etwas in einem. Kulturstaate tote Deutschland möglich ist?" — Das ifomtte ihm niemand erklären. Mein nächstes Engagement toar G. in Posen. Ich suchte den Direktor auf. Dieser sagte mir in ausgesprochen österreichischem Dialekt: „Ihre Gage ist bei mir natürlich goldsicher." Herr Direktor, ich bitte um 15 Mark Vorschuß. Er sah mich groß an, zog sein Portemonnaie heraus, nahm ein 2-Markstück — warf noch einen musternden Blick auf mich, holte noch 1 Mark hervor — und überreichte mir dann' die 3 Mark. Am folgenden Tage sprach ich ihn wieder wegen Vorschuß an. „Ja, ich kann Ihnen wirklich Nichts geben, ich habe nichts — wir essen daher heute im Theater- Lokal, da brauche ich erst nach der Vorstellung zu bezahlen." Ich sah, daß ich ein nach den. Worten des Direktors „goldsicheres" Engagement hatte. Dabei waren Direktor und Direktorin sehr von oben herab: er brüstete sich, der beste „Wurzelsepp" zu sein und auch sie befaßte sich mit künstlichen Erzeugnissen: sie war die Fabrikanttn des heften Haarwassers. Der Direktor war ein alter Don Juan, keinen Pfennig in der Tasche, aber immer den Zylinderhut auf dem Kopfe und ttotz seiner Jahre furchtbar spiel- wütend. Das Repertoire bestand aus' alten österreichischen Komödien, die einem norddeutschen Publikum nicht gefallen. Das kümmerte meinen Direktor nicht, ihm war Hauptsache, daß er seine LiebkingK- Mten spielen konnte. Ich hatte in G. mit 70 Mark monatlich die höchste Gage int Ensemble, sogar Bonvivant und Soubrette hatten zusammen nur 100 Mark. Die Direktoren lieben die Doppel-Engagements, da sie diesen--weniger zu zahlen brauchen. Daher kommest die vielen Verhältnisse unter den Mitgliedern der kleinen Bühnen. Roch schlechter stehen sich bisweilen die Darsteller der sogenanntest Tei'kungsschmieren, da kommen Manchm-al nur wenige Pfennigs auf einen Teil. Der Theaterbesuch in G. war sehr schlecht und so ntußte ich für die Sicherheit meiner Bombengage fürchten. Da erhielt ich auch schon einett Brief vom Direktor mit der Anfrage, ob ich Kündigung oder 50 Mk. Gage vorzöge, 70 Mk. könne er nicht zahlen. Ich wühlte die Küitdigung. Da 4 Mitglieder sich nacheinander! aus dem -staube machten, mußte der Direktor schließen. Er zahlte uns die ganze 'Gage aus, tvas hier als eine völlig unerwartete Ueberraschung! erwähnt werden muß. Mein jihtfte» Sominter-EngWeUtent WaV M. in Schlesien. Gin ängstlicher, abergläubischer Direktor. Ich setzte mich während der ersten Pwbe in die vorderste Wiße des Pahketts, Sogleich unterbrach der Direktor den .Diachg auf der Bühne und bat mich dringend, doch in einer anderen Reihe Watz zu .nehmen. Durch meine Unwissenheit soll ich ihm das Geschäft in M. verdorben haben und mußte daher vor der' Vorstellung den Vorhang herunterlässM, was eine Besänftigung der bösen Geister bewirken sollte. lieber schlechte Beschäftigung tonnte ich mich hier nicht to tagen. Ich mußte mich als Schnelllerner oder richtiger als .Improvisator produzieren. Nach.Schluß der Vorstellung erhielt sch umfangveichr Rollen, die ich. am folgenden Abend spielen mußte. Und wenn ich 'fernen wollte, da kam ein Kollege, der verbummelte Sohn von reichen Eltern, mir auf die Bude gewückt und begann, mir sein Leid zu klagen. Der Unglückliche war verliebt! Er hatte der Frau Direktor seines vorigen Engagements W tief in die Singen gesehen und mit ihr die Flucht beschlossen. Beide nähmest in M. ent Doppdl-Enga-gement an, er war vorgereist, schickte, seiner Liebsten nochmals das Reisegeld — aber sie kam nicht. Er sandte eine 'letzte Dapeschp ab — sie geriet unglücklicherweise in die Hände des Gatten. Nun fürchtete mein .Kollege, wegen Ehü° brucl)s verfolgt zu werden, er wollte sich dttrchaus erschießen und — was ich am Unangenehmsten empfaitd — er mußte sich! gerade mir anvertrauen und mich beim Lernen stören! Er hat sich schließlich! nicht erschossen, ist nicht wegen Ehebruchs angeklagr worden und ich habe von meiner großen Rolle nichts gewußt. In M. blieb ich 14 Tage, bis ich an ein gutes Sommer-Theater kam. Dies war mein sechstes Engagement. 6 Engagements in einem Sommer: ich glaube, das genügt! Vexm??ehLes. * Wie Napoleon getraut wurde. Interessante M Einzelheiten über die Form, in der sich dir erste Eheschließung Napoleons vollzog, bringt ein lmveröffeutlichtes Manuskript, mit denr sich Gabrielli in einem fesselnden Aufsatz im „Mäomento" beschäftigt. Bei der Trauung des Generals Boitaparte mit Joseph ine Beautzarnais würben sowohl Won den beiden Brautleuten, wie von einem der Zeugen falsche Angaben gemacht. Um seine rasch? Ernennung zum General zu rechtfertigen, gab Napoleon sein Alter 18 Monate höher an, als es Wirklich war, wlkhrend Jvso» phine ein Geburtszeugnis vvrtegte, das sie vier Jahre jüngep machte. Zugleich schwor Napoleons Adjutant Leptarois einen Meineid, indem er sich entgegen der Wahrheit für großjährig em klärte, da er sonst als Trauzeuge nicht hätte fungieren können. Am Abend des 9. März 1796 wartete die Braut zusammen mit Barras und Ta'llieu im Saale des Rathauses auf Napoleon. Zvsephitte saß schweigend in einem Winkel des Zimmers. Durch die Stille hörte man, tote die Uhren die neunte Abendstundse schlugen. Die Braut wurde unruhig, sie sprang auf, schritt dann zum Fenster, schaute hinaus und murmelte: „Bonaparte verspätet sich." Dann, zu tot Zeugen gewandt, blickte sie auf Barras, der sie lächelnd fragte: „Fürchten Sie, daß er nicht kommt?" Josephine antwortete: „Dieser Mensch ist die wert* körperte Ueberraschung." Dabei wandte sie sich ab und setzte sich wieder auf den Sessel. Kurz nach zehn wird die Tür hastig aufgerissen und in Begleitung seines Adjutanten Lentarois eilt Napoleon ins Zimmer. Er kommt voller Hast, grüßt niemand und eilt sofort auf den Standesbeamten zu, der in der langen! Wartezeit, von langer Weile und Müdigkeit übernumnt, sanft eingeschlummert war. Napoleon packt ihn an .beiden Schulterst, schüttelt ihn und mit kurzem, befehlshabertschein Tone fährt er ihn an: „Auf, Herr Standesbeamter, trauen Sie uns, aber schnell." Nachdem die Trauung vollzogen war, gingen alle Teilnehmer für sich allein nach Hause. Bonaparte fuhr mit -seiner Braut in ein elegant ausgestattetes kleines Haus', das Josephine! eingerichtet hatte. Als Napoleon die Schwelle überschritt, war er von dem Luxus' überrascht. „Du beurteilst mich falsch," sagte er zu seiner jungen Frau, „zu viel Luxus und zu viel Begüemi- kichkeit! Ich bin daran nicht gewöhnt und darf mich daran nicht gewöhnen. Ich bin ein Mann des Krieges und der Schlechten." Und in der Tat, er hat sich, nicht daran gewöhnt. Zwei Tagd später, am 11. März, eilte Napoleon bereits auf tot italienischen Kriegsschauplatz und ließ seine junge Frau in Tränen zurück. Charade. Wer sich als Ems erblicken läßt, Den pflegt man bestens zu empfangen. Das Zweite liegt am Hause dicht, Mit Leichtigkeit kann man's erlangen. Wer müh’ und hungrig wird vom Wandern, Der eilt vergänglich in das Ganze. Und wer ein Freund von Scherz und Spiel, Kann dort sich fiöhlich dreh'n int Tanze. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Zitaten-Rätsels in voriger Nummer: Alle? i st verloren, nur die Ehre tt t d) t. und Steindruckerei, R. Lange, Gietzew Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch-