Donnerstag den 8. Dezember m LLLLL- W iiü:« TÖbTH M ffl te;jfc Hk 8M Friedel halb-süß. Vornan von Fedor von Zobeltitz. lFortsetzung.) (Nachdruck verboten.) In der Tat rumorte der Wein gewaltig. Es waren Waldstücke, die aus Temperaturgründen nicht in den „Celliers", sondern hier unten in den „Caves" dem letzten Gärprozeß ausgesetzt wurden. Der Wein pochte und gluckste; bald hörte es sich an wie Stimmengemurmel) bald wie .ein rieselnder Bach, bald wieder wie sich trich- terndes Gefälle. Ein Paar Weinstimmen schienen durcheinander zu sprechen: eine feine, zarte, silbrige, eine polternde, eine sehr hastige voll lauten Eifers. Die feine war wie die eines niedlichen Mädchens, dem die hastige zuredete, während die polternde wütend dazwischen fuhr. Dann ließ sich ganz hinten ein näselndes Postorenorgan hören, salbungsvoll unb gleichmäßig. Rechts sang ein quickes Stimmchen, und ein ungestümer Flegel rief unausgesetzt „Gluck gluck gluck". Die Komteß sand das hübsch. Noch war ihr der Humor Nicht ganz verflogen. Sie plauderte viel, um sich in Stimmung zu erhalten, und Fritz, der wohl ahnte, daß bald ein Umschwung erfolgen würde, ging darauf ein und regte sie durch Zwischenfragen zu neuem Erzählen an. Bon ihren Eltern hatte sie nur den Bater gekannt; die Mutter, aus einem belgischen Adelsgeschlechte stammend, hatte sie bei ihrer Geburt verloren. Der Großvater war erst vor einigen Jahren gestorben; aber er hatte ihrem Herzen ziemlich fern gestanden. Bon ihrer Konfirmation ab hatte er sie mit seinen Heiratswünschen verfolgt; der Makel der bürgerlichen Abstammung sollte durch die Vermischung mit reinstem blauen Blut endlich gelöscht werden. Ganz anders als der frömmelnde, zum Zeremoniösen neigende und sich ungemein feudalistisch gebärdende alte Herr war der Vater gewesen: eine sorglos offene, freimütige Natur, ein Mann, der bet seinen sozialpolitischen Arbeiten das ungeheuer Lächerliche eng abgesonderten Kastengeistes, dem in diesem Falle auch noch die Berechtigung adliger Extraktion fehlte, doppelt empfand. Da Andree, als sie mit großer Liebe von ihrem .Vater sprach, auch wieder der von ihm verfaßten „Chronik des gräflichen Geschlechtes Hoche" (schon in dem Titel lag eine leise Ironie) Erwähnung tat, sagte Fritz bittend: „Da wir grade Zeit haben, Komteß, und das läßt sich doch sicher nicht leugnen — wollen Sie mir Nicht etwas aus dieser Chronik erzählen? Wenigstens das, was für mich von Interesse ist: also die Beziehungen, die Ihre Familie mit der meinen verknüpfen, und von denen Sie glauben, daß sie mir unbekannt seien." „Es liest sich besser, als ich es erzählen kann," antwortete Andröe. „Ich kann die Stimmung nicht wiedergeben, die mein Bater in seine Aufzeichnungen hinein- zutragen verstand: dtze glotze Herzlichkeit des. Empfindens und das eigentümliche Gemisch von gutmütigem Spott und. scharfer Satire — ich will einmal sagen: den Gesinnungs- zauber, der dieser Familiengeschichte gewissermaßen höhere Absicht verleiht. Aber das für Sie Interessanteste ist in wenigen Worten gesagt. Mein Urgroßvater trat bei der Firma Miqnelon ursprünglich als erster Kellermeister ein. Es steht nicht fest, obwohl die Chronik es andeutet, was ihm die Neigung meiner Urgroßmutter eintrug. Jedenfalls bevorzugte sie ihn außerordentlich und ließ ihn rasch avancieren. Er kam in die Bureaus, wo er gar nicht hingehörte, und wurde bald Prokurist der Firma. Wahrscheinlich zufolge seiner Unkenntnis des rein. Kaufmännischen, vielleicht awch durch die nicht nachweisbaren Veruntreuungen eines Angestellten, kam es zu Fehlbeträgen, die er decken mußte, wenn er nicht in peinliche Situation geraten oder gar das Odium der Unredlichkeit auf sich laden wollte. In seiner Verzweiflung wendete er sich an sein altes Haus, und Ihr Urgroßvater — ja, der muß es gewesen sein — stellte ihm auch ohne weiteres die gewünschte Summe zur Verfügung. Sie wurde späterhin ! natürlich mit Zins und Zinseszins zurückgezahlt — abeL aus den hinterlassenen Aufzeichnungen des alten Herrn geht doch hervor, welche innige Dankbarkeit er dem Hause Friedel bewahrt hat. Und sehen Sie: das ist der Grund, weshalb ich so empört über den unsinnigen Streit lvar — ist auch der Grund dafür, daß ich Sie keinesfalls als; Feind und Fremden empfangen habe. . . Sie schrie leise auf. „Herrgott, war das eine Ratte?!" rief sie und zog die Beine an. „Ein Mäuslein, so schien mir's," entgegnete Fritz; „es huschte etwas vorüber, aber es war nur ein kleines Getier. Uebrigens habe ich mich an die Dunkelheit gewöhnt. Ich sehe jetzt nicht mehr in die Nacht hinein, sondern in die Dämmerung. Ich kann die Formen der Fässer genau unterscheiden." „Würden Sie sich wohl getrauen, einmal zu untersuchen, ob Sie auf den Bankbrettern zwischen den Fässern nicht eine.Laterne finden? Gewöhnlich stehen in den Kellern so eine Art Grubenlichter umher — und vielleicht sind auch Zündhölzer dabei, ..." / Fritz hatte sich bereits erhoben und tastete sich vorsichtig an der Fässerreihe entlang. Um vergnügt zu erscheinen, pfiff er dabei leise ein Studentenlied vor sich hrr. Andree verfolgte ihn mit den Augen, so lange es möglich war. Allmählich aber begannen sich die Umrisse seiner Gestalt zu verwischen. Dann sah sie ihn überhmcht nicht ineÄD. !Sie empfand eine starke Müdigkeit. Der Weindunst umnebelte ihren Kops und lullte langsam ihre Sinne ein. Sie senkte das Kinn, und ihre schwer werdenden Lider fielen zu. Aber sie reckte rasch den Kops wieder hoch unÄ zwang sich, wach zu bleiben. Sie wollte nicht einschlafen. Gewaltsam riß sie die Augen auf. Wo war denn Herr Frre- del? Auch fern lustiges Pfeifen war verstummt Be hört« — 766 Vicht einmal mehr seine vorwärts schlürfenden Schritte. Ein Gefühl leiser Bangigkeit ging durch ihr Herz. Das ar- verte fte; sie fand das albern. Trotzdem rief! sie mit halblauter Stimme: „Herr Friedel —?!" Ein Klirren antwortete; bann sagte Frch: „Sa, ÄWV’ teß! Hier bin ich. gierst habe ich mir eine Beule gestoßen i— aber es traf keinen edlen Teil. Dann habe ich ein GW zerbrochen. Eine Laterne ist nicht zu finden, aber em kleines Flaschenlager habe ich entdeckt. Dabei ein halb Dutzend Gläser. Einen Pfropfenzieher habe ich an meinem Taschenmesser. Sind Sie durstig?" „Sehr. Mir klebt die Zunge am Gaumen. Das liegt an der Kellertemperatur." „Warten Sie. Ich schleiche mich vorsichtig zurück . . . Schlürfen, Rafcheln und' Tasten kamen näher, dazu em feines Klingen: der Anschlag von Glas auf Glas. Andrse sah die dunkle Gestalt Fritzens wieder auftauchen, ^etzt stand er vor ihr. , _ . r . „Habe die Ehre," sagte er. „Zwei Flaschen bringe ich mit: eine Bordeaux-- und eine Champaguerflasche. Aber nur ein Glas." „Wir teilen redlich und christlich." „Gut. Was soll ich öffnen? Ich glaube, der «ekt erfrischt uns mehr." „Einverstanden." , Es währte geraume Zeit, ehe der Pfropfen 1 prang. Dann füllte Fritz das Glas und reichte es Andree. .„Der Blume nach tadellos. Kosten Sie und sagen Sie mir dann, welche Marke das ist." Andree leerte das Glas in langsamen Zugen. „Ex- eelsior," antwortete sie. „Aber es soll das letzte Mal sein, daß ich ihn trinke. Bon morgen ab verschwindet die Marke aus unfern Kellern und Preislisten." „Denken Sie nicht mehr an die dumme Geschichte, liebste Komteß," bat er. „Was Sie mir vorhin von Ihrem Und meinem Ahn erzählt haben, hat mich weich gestimmt. Es ist wie ein kleiner Roman aus einer unmodernen Zeit." „Und es ist zuweilen so hübsch, auch einmal unmodern sein zu können," sagte Andree. Und nut zager und müder Stimme fügte sie hinzu: „Wie viel Uhr ist es wohl, Herr Das Repetierwerk der Uhr Friedels schlug sieben! Mal an. . ' . „Erst sieben!" rief die Komteß. „Herr Friedel, ich schlafe ein. Ich schlafe durch bis morgen früh. . . . Aber die fitzende Lage ist so wahnsinnig unbequem!" „Ich schaffe Abhilfe. . . ." Er zog nun auch seine: Weste aus und legte sie wie ein Kissen zusammen'. . . . „So, Komteß — nun strecken Sie sich bitte der Länge nach aus. . . ." Sie tat, wie er sagte, und er half ihr dabei. . . . „Das Kleid >vird schmutzig werden, es geht den Weg alles Sterblichen. Es hilft nichts. Auch -die Konfektion muß verdienen. Legen Sie Ihren Kopf ruhig auf meinen Schoß — ich schiebe Ihnen ein weiches Kissen unter, oder wenigstens den Ersatz eines solchen — und rühre mich nicht. Mir tut es nichts. Ich bin ganz frisch. . . ." Nun fühlte er beit Kopf des Mädchens über der M- sammengerollten Weste auf seinem Bein. Andree sprach nicht mehr; sie war wohl schon eingeschlafen. Der Wein- dunst im Keller und der rasche Trunk hatten sie gewissermaßen umgeworfen. Sie spürte nichts mehr von der Eigenart der Situation. Sie atmete ganz ruhig. Fritz verharrte unbeweglich in seiner sitzenden Lage. Um so lebendiger sprangen seine Gedanken, um so stärker pochte sein Herz. Nur nicht verlieben! — Das hatte er sich in den letzten Tagen oft genug zugerufen und hatte sich gefeit gefühlt. Er war keine Natur voller Probleme. Ererbtes steckte freilich auch in ihm. Der praktische Sinn des Großvaters, des Vaters geschäftliche Tüchtigkeit und seine leichte Lebensauffassung, der Mutter hysterischer Romantizismus: alles das verband sich in ihm auf einer ursprünglich gesunden Grundlage. So hatte das Element des „Halbsüßen" sich schon in dem Knaben entwickelt und war durch die Erziehung genährt worden, bis das Schicksal an ihm zu modeln begann und mit seinen stärkeren Ansprüchen kam. r— Die physische Lage, in der er sich befand, begann immer imbequemer zu werden. Seine Glieder waren wie erstorben, und das harte Gerüst des Fasses, gegen das er sich lehnte, verwundete feinen Rücken. Auch das leichte Köpfchen An- hrßes Wen schwerer und schwerer zu werden. Er schaute auf sie herab, und es durchrieselte ihn wundersam. In einen fröhlichen Jugendjahren hatte er sich wenig mir moralischen Skrupeln geplagt. Run aber umfing chu bet Zauber der Keuschheit, und wenn er den holden Kutderkopf ah, der aus seinem Schoße ruhte, schlich auch ein zartes! Gefühl der Rührung durch sein Herz. Das war es, was ihn feite. Aber die vorsichtige Mahnung: Nur nicht verlieben — die wurde nicht mehr kant. Unwillkürlich dachte er an Maud zurück. Ein Spiel des Traumgotts hatte sie ihn noch gestern nacht sehen lasten. Und doch war ihm, als liege diese Episode weit, weit zurück. War sie denn mehr als ein Aufflammen der Leidenschaft gewesen? Als ein Stimmungsrausch, über dessen Flüchtigkeit ihn auch die unleugbare Poesie des Augeu-i blicks nicht hatte hinwegtäuschen können? Das, was er heute empfand — das fühlte er: e» tarn aus allen Tiefen. Es war hundertmal anders als die stürmische Episode mit Maud und die hübsche Liebelei Mit der blonden Mieze. Es war eine große Wärme, die nicht nur sein Herz, auch seine Seele füllte. Es war wie stiller Frohsinn und auch wie ein unbeschreibliches leises Leid: das Unbekamite, das sein ganzes Sein beherrschte — diese erste reine und innige Liebe, vor der er sich vergeblicy ge-i warnt hatte. , . ., Nun mahnte keine Stimme ihn mehr. Er war auch nicht mehr tu Sorge ob der Nebenbuhlerschaft aus dem Adel Frankreichs, die mit Wappenschild und Ritterschwert in das Industriegebiet der Champagne ritt, sich da ihre Beute zu holen. In ihm selber mürbe die Lust au der Eroberung wach. Teufel, wofür war er jung und hatte jahrelang den bunten Rock der traditionellen Unwiderstehlichkeit getragen!? — Zwischen allen Kümmernissen der letzten Zeit sand er. nun einmal ein hell leuchtendes Glück. Und das wollte er festhalten. Es ruhte auf feinem Schoß. Aber es war schwer geworden. Der Kopf Andröes verwandelte sich gleichsam tn Blei. Seine körperliche Lage wiirde immer tinerträglicher; sie wurde rasend schmerzhaft. (Fortsetzung folgt.) Das schmeM-. Eine erlebte Geschichte von Josephine Diebitsch Peari}.j Tie Gattin des Nordpolfahrers Peary hatte ihren GatteU guf einer seiner Forschungsreisen, die der Entdeckung des Nordpols viorausgingeu, begleitet, und sie schenkte während ihres! mehrjährigen Aufenthalts in den Eis- und Schneeregionen ememl Kinde das Leben. Tas junge Wesen erscheint den Eskimos' Wie ein Wunder. Das Leben in der armseligen Hütte gerade vor Eintritt der vier Monate währenden Winternacht, dann das Auswachsen des Kindes in der ftemdartigen Umgebung imd unter den sonderbaren Menschen, ihre Lebensgewohnheiten und An- schttuuugen — das alles wird uns von der jungen tapferen! Mutter in schlichten Worten geschildert. Die Wiedergabe von, 95 photographischen Aufnahmen erhöht noch die Anschaultchleit! dieses ganz modernen „Kinder-Polar-Buchs", aus dem !vir hier eine Probe geben. Das Buch, das bei H. u. F. Schvffsteiu in Köln erschienen ist, schildert gerade das, was ans das .Kindern sgemüt Mn druck mackch: die Erlebnisse eines Kindes in einCd märchenhaften fremdartigen Umgebung, märchenhafter, wie sia nup ein Dichter ersinnen kann. Hier in diesem wunderbaren Lande des Eskimos, in einem? kleinen schwarzen Haus am Fuße eines großen braunen Berges/ lunrbe an einem hellen Septembertag ein kleines schneeweißes! Kindchen, ein Mädchen mit großen blauen Augen, gefunden. Und ein ganz sonderbares Haus wars, wo das Kindchen gesunden wurde. Es war nur einstöckig, die Außenwände waren! mit schwarzer Teerpappe bedeckt, die Wände waren mehr wie? einen halben Meter dick, und imi Verhältnis zur Größe des Hauses! waren eine ganze Menge Fenster darin, und ein ganz großes lief über das Dach luiie bei einem Treibhaus. Dies hatte man! so gemacht, damjst die Einwohner den Sonnenschein so langer genießen könnten, wie er da war. Rund herum war eine geschlossene Veranda, bereit Wände aus großen leeren Zinndosen erbaut waren, die Nahrungsmitteß wie Zwieback, Tee, Kaffee und Zucker enthalten hatten. Denn hiervon konnte man in der Tat in diesem Lande nichts kaufen, nur allein Fleisch. . Ter kleine Jnnenraum des Hauses, wo das Kindchen gesunden, wurde, war mit weichen warmen Decken aus gepolstert, und ein heller Teppich lag auf dem Boden. Tann waren da aber noch sehr viele Bücher, eine Nähmaschine und Bilder an den Wänden» Alle diese Sachen, auch die , Zinndosen draußen, waren von dem! großen Schiff, welches auch den Vater und die Mutter des Kindchens gebracht hatte. Ms die Sonne ziun erstenmal in die Stube guckte, schließ Hein Ah-Ni-Ghi'-To gerade, nach einigen Minuten erwachte siet aber, unb als der Raum hinreichend warm geworden war, um! ihr ein Sonnenbad zu geben, nahm die Mutter sie aus ihrem! Meinen Nest und setzte sie ganz! weiß und nackend in den, Sonnen-, schein auss Bett. Wie die großen Walten Augen sich öffneten bei dem iremd- artigen Anblick! Wie sie lachte und hüpfte und- ihre Jnetncni Händchen nach dem gelben Licht ausstreckte, gerade so-, als- ob sie in duftendem goldenen Wasser gebadet hätte. Ties war das erstemal in ihrem Leben, daß sie die Sonne sah! Von nun an hatte sie an jedem sonnigen Tag ihr Sonnenbad, wenn sie versuchte, die durch den Raum huschenden Sonneit- Mahlen -zU ergreifen oder, wenn ihr das nicht gelang, feie Sonnenflecken auf dem Bett aufzunehmen. Mn jedem schönen Tage würde ihr der kleine Pelzanzug ungezogen, dann würde sie in den Renutierfellsack gesteckt und! hinausgetragen. Weißt dU, wie die Tulpen-, die Hyazinthen- und Narzissen- zwiebeln wachsen und Blüten treiben, nachdem sie aus dem kalten; dunklen Keller an das warme sonnige Fettster gestellt toarbeit Klein Ah-Ni-Ghi'-To war gerade so eine menschliche Knolle, die fünf Mjouate hindurch in Kälte und .Dunkelheit gehalten! Und jetzt ins hellste Sonnenlicht gebracht worden war. Unei sie wuchs wie eine Tulpe, und ihre Augen wurden glänzende''- Und blauer, und ihre Backen glichen den Pfingstrosen. Geisterkult in China. Die Lehre des großen chinesischen Weltweisen Konfutsc, di« für die Entwicklung des himmlichen Reiches so bedeutsam geworden ist, begnügt sich mit einer praktischen Ergründung irdischen Verhältnisse und gibt keine Kunde vom Jenseits, vom Leben der Seele nach dem Tode. Als einst sein Lieblingsschüler M-Lih den Weisen fragte, >vas wohl aus der Seele nach dem Tods werde, antwortete er: „Teurer Bruder, wie sollten wir wagen, die Geheimnisse des! Todes zu ergründen, wir, die wir noch nicht einmal eingedrungen sind in die Geheimnisse des Lebens?/ Und als ein anderer Schüler Se-Kou wissen wollte, pb di« Geister der Abgeschiedenen sich noch um die Vorgänge der Erde kümmerten, rief der Meister aus: „Wozu frag*! du mich nach etwas, das du eines Tages sicherlich selbst wissen wirst?" Wit dieser Ablehnung aller überirdischen Spekulationen war aber dem! Voll nicht gedient. Vielmehr trug gerade die Ungewißheit und der Zweifel, die aus Konfntses Lehre in die Gemüter eindrangew dazu bei, einem schrankenlosen Geisterglauben, einer phantastisch ausschweifenden Verehrung der Dämonen Tür und Tor zu öffnen^ Von diesem Geisterkult, der auch heute noch im modernen Ehtnaj die wichtigste Triebkraft in den Vorstellungen des Volkes bildet, entwirft Paul d'Enjoy in der Revue farbige Schilderungen. Die Geister luerbcn nach der Bedeutung, die man ihren Taten zuschreibt, in sünf Klassen geteilt, von denen die beiden wichtigsten) die guten Genien Tschen-Sien und die bösen Dämonen Knai-Se) Sind. Die Tschen-Sien sind selige, göttliche Wesen, die „von! allem Erbenlos befreit, in einem fernen Paradiese wohnen und im Dust der Blumen, im Wogen des frischen Aethers mit be- glückendem Anhauch die Menschen umschweben. Sie wohnet! auf den drei chinesischen Inseln der Seligen," die 700 Meilen von der. Küste des Himmlischen Reiches entfernt mitten im Gelben Meer, liegen sollen und in ewiger Schönheit, ewigem Frühling, ewiger! Wonne strahlen. Ein Zauberer Sun-Tsche soll einst einen guten, Geist/ 'der ihn besuchte, das Geheimnis entrissen Hadem toa diese Inseln liegen. Er enthüllte das große Rätsel dem Kaiser; Tsche-Huan-Ti, der 219 Jahre vor Ehr. regierte. Da fuhren! die edelsten Jünglinge und die schönsten Jungfrauen des Himmlischen Reiches aus, das Paradies zu suchen, und plötzlich, siehe! da tauchte e» auf am fernen Horizont, von Rosengjuten verklärt. Doch ein furchtbarer Sturm' trieb die sehnsüchtig Dahinstrebendeni mit roher Gewalt hinweg, und seitdem hat kein MenscheuaugU wieder die seligen Inseln geschaut. In süßem Wohlgernch, gebadet, von unvergänglichen Freuden umgeben, wohnen hier die Tschen-Sien, die gütigen „Schützer". Ein Lufthanch nimmt sie! auf seine Flügel und trägt die leichten Genien nach China, so den Schützer des Herdes, einen kleinen, strahlend heiteren Zwerg, dessen breiter Mund im einigem Lachen auseinandcrklasft und, dessen groteskes Bild den Frieden des Hauses gewährleistet. Zu, den Tschen-Sien gehört auch die Göttin Ma-Bn, die den Töchtern die Treue und Hingebung stir ihre Familie ins Herz legt. Aber diese freundlichen und lieblichen Genien spielen nur eute ganz geringe Rolle neben den scheußlichen und furchtbaren Knai-Se, die in entsetzlicher Geschäftigkeit und nimmermüder Unrast alle! Leiden und Qualen ins Leben tragen. In zahllosen Gestaltet bieten sicki diese Dämonen dar, die geschaffen sind- aus bent Elementen des Weltalls und daher überall weilen im Am her, in'der Erde, im Wasser, im Feuer, im Donner, Blitz und ©türm; Im Brüllen der iuilbcn Tiere droht ihre Stimme: ihr uiuu'il- volles Krächzen tönt aus den Lauten der Nachtvögel. Wenn, die Finsternis mit ihren schweren Schleiern das liebe Licht erstickt, dann recken sie sich auf in all -ihrer Schenßttjchkett, Lek große weißtz Teufel Tschan-Pinkna.i mit feen tunfeen, blutigW Das Bettche'n, darauf das Kindchen lag, wär mit weichen warmen Renntierfellen bedeckt, welche selbst vor der schrecklichen Kälte der langen dunklen. Nacht schützten. Ein Fenster von Kindchens Zimmer guckte auf einen großen! Gletscher »der Eisfluß, und das andere auf hohe, rote nitbi braune Berge. Diese umgaben eine Meeresbucht, worin eine Unmenge Eisberge in so sonderbaren und schier märchenhaften! Formen umherschwammen, daß du glauben könntest, einige wären Paläste des Frosttönigs, andere weiße Schiffe, und aus wieder änderen schaute dich der grausame Frostkönig selber an 'mit fernem weißen Eisgesicht. . Als das seltsame Völkchen hörte, es sei in dem Haute ein Kindchen gefimbeit, das, o Wunder, ganz weiß sei, da kamen sie, Männer, Frauen und Kinder, gewiß htinderte von Kilometern iwest, auf Schlitten, die von wilden, zottigen Htlnden, die wie Wölfe aussahen, gezogen wurden, um den kleinen Fremdling zu sehen. Diese Settie sind braun mit schwarzem, strähnigem Haar stufe ganz in Pelz gekleidet, sowohl Sommer Ivie Winter. Sie sagten: „Ow-Nciy" und „ÄMNan-Nan" zu ihm, wobei das Kindchen sie mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Und da wollten sie cs berühren, um zu sehen, ob es warm wäre und nicht äus Schnee gemacht, da es so weiß sei. , sind wenn es esneu von ihnen ansah und- dabei zufällig küchelte, dann war großer Jichel, denn das galt als glückbedeutendes Neichen. ~, Sie nannten es: Ah-Poo-Mik'-A-NinNy" (das ©chneekind- chen) und brachten ihm Geschenke wie Fausthandschnhe aus Pelz Und Stiefelchen aus Seehundfell, Walroßzähne, Pelze von kleinen. .Bären und Seehundfelle mtb noch viele andere Sachen. Der Gchueelandfommcr war bald zu Ende, als das.Kiiidchen geboren wurde, und sechs Wochen darauf ging die Sonne unter, um für die ganze lange Winternacht von vier Monaten zu verschwinden. Noch bevor sie tmterging, mürbe Schneekindchen zu feinem! ersten Ausgang herausgenommen. Es war sehr, sehr kalt, das Thermometer tief unter dem Gefrierpunkt unti der Boden hoch knit Schnee bedeckt. Aber Schne-ekinbchen war in einem Sack tokm Remitierfellen gesteckt, und nur das Köpfchen mit einer Mütze ans Fuchsfell guckte heraus. Mitsamt dem Sack wurde Schneekiudcheu nun noch in die stordamerikamsche Flagge, das Stern- und Streifenbanuer, ciu- gewickelt und ins Freie getragen. Daun ging die Sonne unter und alle die Tage und Wochen lebte das Kind in dem kleinen Raum, wo eine Lampe Tag und Nacht brannte. , _ Hier hatte es fein tägliches Bad, hier schlief es Und hier krähte es vor Freude über die Lampe und die Bilder an den Wänden und wurde dicker und weißer von Tag zu Tag. Welche Freude hatte es an dem Bad, als es etwas älter geworden Ivar, wenn feine Mutter jede Tür in dem Raum schloß, einen Sei- vielt zwischen den fest zngezogenen Bettvorhängen aufftelltc und mit Schwamm und warmem Wasser das Kind abwusch, Und, wenn es trocken war, eine Zeitlang auf dem Weichen, warmen Haarpelz. von Bären- und Renntierfellen aus dem Bett mnher- pollen ließ. Seine Eskimosreuude tarnen immer wieder, um es zu sehen, so oft sie nur konnten, doch wurden sie nicht immer hineingelasseU, fea sie nicht reinlich waren. Rach langen, langen Wochen und Monaten begann die schreckliche Nacht ihrem Ende entgegen zu gehen, und an jedem klaren Tage war mittags ein oder zwei Stunden Tageslicht. Es wurde Nun beschlossen, daß Schueckindchen jeden Tag ansgehen solle, sobald die Sonnc tviederkäme, ganz gleich, wie kalt es fei. Eine Eskimofrau mußte ihm daher aus Pelzen einen Eskimoanzug bnachen; der bestand nur aus zwei Stücken, einer Jacke mit Kapuze und einer Hose mit Stieftlchcil daran. Knaben und Mädchen, Männer und Frauen, alle tragen; Hosen in diesem Schneelande. Die weichsten und wärmsten Fell« itilon Füchsen und Reuntierkälbchen wurden ftir diesen Anzug ausgewählt. Die kleinen Höschen, Nannookies genannt, hatten feen Pelz nach außen und reichten »Ion den Hüsten, wo sie mit einem Zugband befestigt waren, bis zu den Knöcheln, >vo ein Pelzschuh aus demselben Fell, aber mit dem Pelz nach innen, an jedes Hosenbein angenaht wurde. Das inachte es der kalten Lust Unmöglich an ihre kleinen Füße zu kommen. Die Kapeta'hl feder Fuchsfelljacke war wie eine gestrickte Jacke vorn und hinten Mi, und am Hals war eine runde Kapuze angenäht, in bereit Oesfnuug das Gesichtchen gerade hineiupaßte. Diesen Rock zog! ’ feie Mutter über Kindchens Kops und noch ein Stück üben feas Höschen herunter, so daß auch hier die falte Lust dem kleinen Mädchen nichts anhaben konnte. Um die Handgelenke und rund um die Gesichtsöffnung per Kapuze herum waren Fuchsschwänze genäht, welche sehr viel dazu beitrugen, Gesicht und Hände warm zu halten. Die Frau, feie diesen Anzug gemacht hatte, hieß Ah-Ni-Ghi'-To; darum wurde das Kind bei belr Taufe auch Ah-Ni-Ghi'-To genannt., Dazu bekam es noch den Namen Marie nach! ihrer einzigen Tante, feie in dem fernen Heimatlande darauf wartete, ihre kleine Nichte begrüßen zu können. Endlich, eines Tages Mitte Februar, ging feie große gelbe) Wonne über den Gipfeln der Berge auf und übergoß alles mit feem hellen Sonnenlicht. 768 «Augen, die aus den Höhlen hervorgnette,r, mit den such ringelnden Schlangenhaaren, der lechzenden, weit hervorhüngenden gierigen Zunge, der Heilte schwarze Kobold Ai-Pakuai, der nitgestalte, ganz behaarte Zwerg, dessen spitze, haarschvase Zunge tote die Schlange hervorschnellt und das Gift unzähliger Krankheiten verbreitet, und all die anderen tollen Ausgeburteti jener grandios grotesken Phantasie, die dem Chinesen eigen ist und sich m seiner Kunst so wundersam auslöst. Himmel, Erde und Meer find mit diesen graneuhaften Dämonen bevölkert, den tausendköpftgen Schlangen, den ungeheueren Elefanten, den tigerköpfigen Drachen und den buntschillernden Niesenvögeln. Gehetzt, gemartert und gepeinigt von diesen Dämonen lebt der Chinese in ewiger Angst Und in beständigem Ringen, durch Zaicherkünste die unheilvolle Wut dieser bösen Mächte zunichte zu machen. Er bringt de» Dämonen Opfer dar, er schützt sich mit Amuletten und Segens- sprüchen; er erfleht die Hilfe der Hexenmeister. Alle Krankheiten werden auf den Einflust der Kuai-Se zurückgeführt. Leise Und unbemerkt gleiten sie in die Körper der lebenden Wesen und richten hier Unheil an. Blutarmut entsteht dadurch. Vast ein Dämon das Mut aussaugt, Fieber durch eine Flamme höllischen Feuers, die ein Kobold im Innern des Kranken ent- Wndet; für die Epidemien gibt es besondere Krankhetlsstmer, Der Zauberer kann aber, wenn er Wacht hat und der Dämon nicht zu widerstandsfähig ist, den Bösen aus dem Körper heraus- treiben. Er versetzt sich in einen Zustand der Ekstase und ward so von einem Dämon besessen, der den Kampf mit dem Unhold des Kranken ausnimmt. Er stöstt unverständliche Sprüche aus; hie Hände krampfeit sich zusammen, die Zunge hängt herauch «und plötzlich versetzt er sich mit einem Säbel einen Einschnitt in die Zunge. ' Das fliehende Blut ivird in einer Schale aufgefangen und mit diesem ganz besonderen Saft als Tinta schreibt er nun Zaubersprüche auf, die verbrannt und dem Kranken als Ascha %ti einer Meditzin zu essen gegeben, werden. !Dcg> Zauberer selbst springt in wildem Paroxismus um den unbeweglich daliegenden Kranken herum und stöstt grelle Schreie aus, wozu Tamtams und Gongs die unheimliche Begleiluitg schlagen. End- liich bricht er ntit einem Aufschrei erschöpft zusammen. Hat fein Zauber nichts geholfen, so war der Dätnon stärker als er; hie Prozedur must Äotz Neuem beginnen, und so kämpft der Hexenmeister mit dein Krankheitsgeiste einen erbitterten, wenn auch zumeist aussichtslosen Kampf. Bei grostm Epidemien werden großartige, prunkvolle Zeremonien veranstaltet in denen man die Geister feierlich einlädt und durch, allerlei Gabe» und Opfer zu versöhnen sucht. Vermischte». * Der Kampf gegen die Tuberkulose im Kine- ma togr aph en. Aus Newhork wird berichtet: Der von den Verteidigern der „echten" Theaterknnst so viel geschmähte Kine- Matograph wird von Mitte Dqzentber ab in Amerika seine propagandistische Macht in den Dienst der Volksgesundheit stellen: über 7000 amerikanische Kinenmtographentheater haben sich bereit erklärt, die Bestrebtutgen der Nationalgesellschast zur Bekämpfung der Tuberkulose tatkräftig zu unterstützen. Sie werden bei den Aufführungen in lebenden Photographien dem Publikum veranschaulichen, wie die Tuberkulose sich ausbreitet und durch welche Methoden sie bekämpft werden kann. Auf den Bildern sieht man! zuerst ungesunde Wohnungen, die Brutstätten der Krankheitskeime, die im Schmutze und im Dunkel gedeihen. Dann sieht man Krankenschwestern, die diese Wohnstätten säubern und desinfizierens und schließlich wird das Leben und Treiben in den großest Krankenhäusern für Lungenkranke vor Augen geführt. Schriftliche Erläuterungen sind auf die Platte gebannt und werden vor denl Bildern eingeschoben. Die Aufnahmen sollen eine Zeit lang vorgeführt werden, dann aber ist ein Wechsel vorgesehen, durch den man das Interesse des Publikums wach zu halten hofft. Nach der Anzahl der Theater und ihrer bisherigen Besucherzahl kann man berechnen, daß täglich 10 Millionen Menschen diese Propaganda gegen die Tuberkulose im Bilde an sich vorüber ziehen' sehen werden. * W oz-N der M ensch gut wäre. Der Mensch ist, tote es die Bibel verbindet, nur Staub. Woraus besteht aber eigentlich dieser Staub? Ein englischer Chemiker, der ihn analysiert hat, hat gesunden, daß er dieselben Stoffe enthält, wie ein Hühnerei, Und daß 1000 Eier an chemischer Substanz gleich sind einem Menschen von mittlerer Größe. Es ist in jedem von uns genug Sauer-. toff, Wasserstoff und Kohlensäure, um einen Ballon zu füllen, !>er groß genug wäre, einen Menschen in die Luft aufzuheben odey Nm einen ganzen Abend eine Straße von 500 Meter Länge zu beleuchten. Würde der Kohlenstoff, den jeder von uns enthält, zu Graphit umgeformt, so könnte man davon 65 Groß oder 780 Dutzend Bleistifte fabrizieren. Aus dein Eisen, das unser Blut enthält, könnte man sieben Hufeisen schmieden. Unser Körper besitzt weiter 600 Gramm Phosphor, eine Menge, tue genügen würde zu 820 000 Streichhölzern, oder tun damit, wenn man eine andere Verwendungsärt Vorzüge, 500 Personen zu vergiften. Wir enthalten außerdem. 6 Kilo an Fettstoffen, wovon man 60 ausgezeichnete Lichter machen könnte, die vollständig unser«! Stearinlichte ersetzen würden. Das Salz in unserem Körper würde hinreichen, um 20 Teelöffel zu füllen. * Der Auferstehungsknochen. Nicht geringe SorgS bereitete sowohl der Medizin tote der Theologie des Mittelalters! die Frage, in welchem Teil des menschlichen Körpers der geheimnisvolle Auferstehungsknochen, auch vs Luz genannt, denn eigentlich fitze. Schon die althebräische sakrale Literatur kennt diesen Knochen, der das Zentrunt ist, um das bei der Auferstehung der ganze Körper rekonstruiert wird, und die Literatur des Mittest, alters ist voll von Ueberlegungen, die sich auf die Identität des Auferstehungskiwchen mit irgend einer Partie des menschlichen Knochengerüstes beziehen. Wie man selbst in medizinischen Kreisen noch zu Ende des 17. Jahrhunderts darüber dachte, mag ein Passus aus dem 1691 zu Frankfurt a. M. erschienenen Theatrum Anatomicum des Caspar Bauhinus zeigen. Dort wird! der mysteriöse Knocheit folgendermaßen beschrieben: er tarnt weder durch Feuer noch durch Wasser zerstört werden, noch kamt ihm irgend ein anderes Element etwas anhaben, auch vermag keine Gewalt ihn zu zertrümmern. Uebrigens sitzt er im Rückgrat und zwar zwischen dem achtzehnten Wirbel und dem Schenkebknochen. Dagegen ist Hieronoydus Magus der unumstößlichen Ueberzeugung, daß der Knochen Luz in der Hirnschale sitzt, aller«! dings vermag er den eigentlichen Punkt nicht anzugeben. Der berühmte Anatom Vesalius (so genannt nach seiner Vaterstadt Wesel) läßt es dahingestellt sein, wo der Knochen sich befindet, weiß aber dafür, daß er an Form und Größe einer Erbse gleicht. Andere Anatomen und Mediziner erheben die im Volk herrschende Meinung zur Gewißheit, daß der heilige Knocheit identisch sei mit dem Steißbein, — eine Anschauung, die von den Arabern! überkommen ist, denn Mohammed hat den al ajb (das Steißbein) als unzerstörbar bezeichnet. * A-B-C-Schutzen im Mittelalter. Das Studium des deutschen Schulwesens im Mittelalter wirkt eigentlich nicht gerade erheiternd. Aber trotz der vielen traurigen Zustände, von denen wir da ersahren, fehlt es doch auch nicht an drolligen Momenten. So sind z. B. die sogenannten „Tafeln", Handbüchlein, in denen man durch allerlei bildliche Darstellungen den Schülern das A-B-C zu veranschaulichen suchte, von unfreiwilliger Komik. Neben dem Buchstaben A sehen wir z. B. den Kopf eines Kindes mit weit ansgerifsenem Munde. Darunter kann man lesen: „Dieses Kindlein reißt das Maul auf und jenet und schreyt a a a, alsdann soll man auf den Buchstaben deuten und sagen, siehe hier, dies heißet a. Zum anderen soll man das Kind fragen, wo das a sey" ufw. Der Buchstabe W wurde besonders drastisch veranschaulicht — nämlich durch die Abbildung einer Frau, die auf ihrem Schoße ein Kind festhielt und ihm aus den dazu bestimmten Körperteil Schläge verabfolgte. „Dieses Kind", stand unter dem Bildchen, „hat nichts gelernt, darum wird es geschlagen und schreyet weh, hier mutz man gleich auf das w deuten." Was für originelle Blüten dieser eigenartige Anschauungsunterricht mitunter trieb, davon zeugt ein „Geschichtsbuch" des Magisters Johann Buno, das dieser als Rektor des Gymnasiums zu Lüneburg im Jahre 1672 herausgab. Damit nämlich die Schüler die Namen Sem, Ham ffrüher Cham geschrieben) und Japhet leichter behalten sollten, wurde der eine mit Semmeln, der andere mit einem Kamm in der Hand, der dritte gar als Fettsüchtiger (ist „ja fett") dargestellt. Dieses eine Beispiel charakterisiert wohl hinreichend die damals so hochgeschätzte „sokratische Method'". * Aha! Kürzlich wurde für einen wohltätigen Zweck eine Sammlung veranstaltet. Als die Liste an den Veranstalter wieder! zurückkam, hatte einer der Nichtzeichnenden seinem Namen deitz Vermerk hinzugesügt: „Bin, bereits Kommerzienrat." Gitter-Rätsel. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a aa, d, eeee eeeeeeee, g, h h, iiiiii, 1111, n h n n, sss, tttttt, z z derart einzutragen, daß die senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben: 1. Einen Baum. 2. Beliebten Vogel. 8. Eine Redefigur. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Teutonen — Hoangho — Dchs — Moroni — Armband — Sprotte; Thomas Edison. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Nniversttäts-Buch- und Steiiidruckerei, R. Lange, Gießen.