Samstag den 8. Oktober >V H» «W MWW WM. Friedel halb-süß. Moman von Fedor von Zobeltttz. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Meder schleifte er seinen kranken Fuß ein paarmal durch das Zimmer und abermals blieb er stehen. „Ein Feind gefallen," fuhr er fort, „gleichgültig wie — er stört uns nicht mehr." Seine Hand berührte die Schulter des Enkels. „Dafür dank ich dir, Fritz." „Danke mir nicht, Opa. Ich wollte, ich könnte ihn wieder lebendig werden lassen." Der Alte setzte sich neben ihn. „Entsinnst du dich, wie vor zwei Jahren das Gerücht aufkam, in unfern Kellereien wiirde unmäßig gepanscht? Zuerst in vagen Andeutungen, dann in bestimmterer Form, bis der „Bote aus dem Rheingau" die Sache aufnahm und Einzelheiten auch in die Fachblätter übergingen? Düs Dementi folgte freilich auf dem Fuße, und die Blätter mußten zu Kreuze kriechen. Mer etwas von dem Schmutz blieb doch an uns hängen; aus unfern Lagereien in Panama und Tampico und Madras, von weit her kamen die Anfragen: was ist an der Sache, und warum klagt ihr nicht? «— Wir wollten nicht klagen, weil wir der Ueberzeugung waren, daß ein Gerichtsspektakel noch mehr Aufsehen gemacht haben würde. Damals war ich rüstiger zu Fuß als heute und versäumte Nie meinen abendlichen Spaziergang. Und eines« Abends traf ich unversehens auf Herrn Jacques Spannuth, der aus der Villa Helldorf kam und zum Bahnhof wollte. Da stellte ich ihn denn — und da habe ich gewußt, daß auch diese niederträchtige Lüge von seiner Geiferzunge kam! Ich hatte den 'Knotenstock bei mir, der da drüben in der Ecke steht *— und wie ich fein weißes grinsendes Gesicht so vor mir sah, da hob ich den Stock und hätte ihm kalten Blutes den Schädel zerschmettern können. Es kam nicht dazu; der Mann hatte einen Revolver bei sich, den hielt er Mir unter die Rase und sagte: „Notwehr, alter Herr — sie ist nicht strafbar." Und dann gingen wir aneinander vorüber. Ich habe nie über diese Episode gesprochen, und er — er ganz gewiß nicht. Heute erzähl ich sie euch. Mit Msicht. Notwehr ist menschlich." Er nickte und leerte ruhig sein Glas Milch. „Freilich," sagte er, >,ich verkenne nicht, daß deine Duellaffäre böses Mut machen wird. Und grade im Augenblick wäre es «zweckmäßiger gewesen, wenn die allgemerne Aufmerksamkeit sich nicht so intensiv auf uns gelenkt hätte. Wir haben die Nacht hindurch über den Büchern gesessen, Fritz fc- aber es gibt schöne Frühlingsüächte." „Eine vorübergehende Stockung," warf der Kom- merzielirat erklärend «ein. „Ich weiß es, Papa. Ich traf Kesselholz in der Allee. Plötzlicher Mangel an Betriebskapital." Der Opa lachte grimmig auf. „Richtig, mein Junge! Plötzlicher Mangel. Das passiert K. A. Friedel. Es ist zum Beinausreißen. Es ist beinah ein Karnevalsscherz. Ueber Nacht sind die Quellen versiegt. Nein, nicht über Nacht: langsam und allmählich, aber man achtete nicht darauf. Weißt du, wie es gekommen ist? Laß dir von! deinem Vater die Bücher vorlegen. Der Verbrauch in den letzten Jahren war höher als der Reingewinn. Wenn mast hunderttausend Mark einnimmt, darf man nicht hundertund- fünszig verausgaben. Mer ich kenne eine Perlenkette, dre allein sechzigtausend gekostet hat, und kenne eine Schneiderm, für die es eine Kleinigkeit ist, jährlich an dreißigtausend. Mark zu liquidieren. Stelle Pferde, Automobil und Dienerschaft in Rechnung und überschlage den Verbrauch in diesem armen, aber ehrlichen Hause, in dem die Not Livree trägt und die Sorge in Seide rauscht: dann wirst du dir denken können, wo das Geld bleibt." Der Alte sprudelte, wenn «er in Aerger geriet, die Sätze stoßweise hervor. '9hir vereinzelte Worten klangen scharf, und jedesmal, wenn er einen Ausdruck besonders wuchtig hervorhob, blitzte in seinem dunklen Auge eine FlamMY auf, und die buschigen Brauen schoben sich zusammen. Dem Opa gegenüber verlor der Kommerzienrat leicht seine Ruhe. Gewöhnlich versuchte er, abzulenken und zu begütigen, denn er wußte: steigerte siü> der Zorn des Altem so konnte er schreien, daß man es bis zum Rhein hinab hörte. Diesmal aber hielt er eine Zustimmung für zweck-, mäßiger: sie war zugleich die beste Verteidigung für ihn selbst. „Du bist bitter, Papa," sagte er, „aber du hast auch recht. Margot hat nie rechnen können." „Da hättest du eben für sie rechnen sollen!" rief der Alte. Wieder fuhr er vom Stuhle auf und blieb stehen, die Knöchel seiner Hände auf den Tisch gestützt. „Eines! verschwenderischen Weibes wird ein Mann doch noch Herr zu werden wissen! Wer du bist ja auch kein Kaufmann! .— oder höchstens ein Kaufmann jenes Schlages, wie die moderne Gesellschaft ihn gern hat! Diese verdammte Gesellschaft Mrd uns noch gänzlich« zugrunde richten! Ist es «denn nötig, sich ihren blödsinnigen Ansprüchen anzupassen?! Ist es nicht tausendmal vornehmer, sich seine eigenen .Wege zu suchen, als den übrigen nachzulaufen?! Aber nein — Helldorf und Wolfrad ließen sich Schlösser bauen, und da konntest du nicht nachstehen! Spannuth mußte sein Auto haben — da brauchtest du notgedrungen auch eins!" , „Es war Margots Wunsch," sagte Karl August uw- fid^CE. 7 „Hattest du ihm nicht ein kräftiges Nein entgegensetzen können?! Mein lieber Sohn, an der Verfahrenheit unsrer Verhältnisse bist im letzten Grunde du allein schuld. DU ganz allein! Du Hast dich in die Rolle des Gentleman! hineingespielt und darüber den Kaufmann vergessen." Der Kommerzienrat errötete. Nun stieg anch in ihm der Aerger auf. „Erlaube, Papa — du Wertreibst. Ich bin nicht anspruchsvoll. Ich habe nichts weniger als luxuriöse Bedürfnisse. Aber ich bin zuweilen gezwungen, ans Geschäftsinteresse mit beit Wölfen zu heulen. Aus Geschäftsinteresse — jawohl! Wir haben der Zeit Rechnung fcu tragen. Es ist notwendig, daß man von uns spricht. Die beste Reklame war von jeher die, die von Mund zu Mund geht. Als Graf Wolfrad das alte Schloß der Greifenecks nach den Wünschen des Kaisers restaurieren ließ, erzählten alle Blätter davon — und im Handumdrehen wuchs auch die Nachfrage nach den Kabinettsweinen des Grafen. Und als Spannuths Auto in der Herkomer- Koukurrenz siegte, war ihm auch der Sieg seines Schwarz- Etiketts sicher. Ah bah >— man muß selbst den Matsch in seine Dienste zu stellen verstehen!" „Narrheiten," grollte der Alte. „Das ist die Weisheit der neuen Zeit, für die nicht die Qualität der Ware gilt, sondern der Erfolg der Reklame." „Bitte: hast du nicht selbst deinen Widerstand gegen die Reklame überwunden, als ich dir von der Idee des Herzogs von Äbeelen erzählte? — Fritz, wie steht es damit? Hast du neuere Nachricht?" Es war wieder Zeit zur Ablenkung. Mit dem Streit her Worte kam man nicht zum Ziel. Das Auge des Kommerzienrats heftete sich auf Fritz; es lag eine heimliche Aufforderung in seinem Blick, dem nutzlosen Zank ein Ende zu machen. Fritz nahm einen Brief aus der Tasche. „Es ist alles tn Ordnung," sagte er. „Äbeelen hat sich in unserem Jn- teresse telegraphisch mit unserem'Gesandten int Haag wie auch mit dem Zeremonienmeister der Königin in Verbindung gesetzt. Von beiden Stellen ist die Antwort eingetroffen, daß dem Herzog die Wahl des Tauschampagners überlassen bleibt." „And wann soll die Probefahrt stattfinden?" fragte der Kommerzienrat. „Am ersten Juli. Vielleicht ein paar Tage später. Aber sicher nicht vorher." „Zeit genug für uns, fertig zu werden." Da rief der Opa mit seiner schallenden Stimme: „Wenn deine Kassen gefüllt wären, Karl! Sonst kann der erste Jü'li ein böser Dag für dich werden." Mr Kommerzienrat fuhr mit dem Zeigefinger rings UM seinen Kragen. Er zupfte an seiner Weste, er stäubte ein Brotkrümchen von seinem Rock, er befühlte jeden ein- toesneu Knopf. Er wich dem Blicke des Alten aus, der seine Verlegenheit erhöhte, und wandte sich an Fritz. „Die Sache liegt so," sagte er, „daß der tote Punkt in der Tat überwunden werden muß. Das ist eine Kleinigkeit, wenn wir den Plan ausführen, mit dem ich mich schon sänge trage und über den ich mit dir auch bereits andeutungsweise gesprochen habe: die Umwandlung unseres Hauses in eine Gesellschaft." Her Alte lachte dröhnend auf. Aber da verlor der tomcherzieural die Geduld. „Ich bitte, laß mich aüs- rechen!" rief er. „Wir stehen zweifellos an einem Wende- tnkt unseres Geschicks, Und da wehre ich mich energisch gegen die Sentimentalitäten, mit denen du meine Absichten Ku zerstören versuchst. Du bist aus Traditionsrücksicht g e - tzen die geplante Gesellschaft, ich bin aus praktischen Grün- vtzn dafür. Es stehen sich also zwei Anschauungen gegenüber, für die eZ keine Einigung gibt. Und da möchte ich einmal die Meinung Fritzens hören." „habe nichts dawider," brummte der Opa, lehnte sich im Sessel zurück und legte vorsichtig das kranke Bein über das gesunde, liebet sein hartes Gesicht ging ein höhnisches Lstcheln. „Fritz ist ja eine ausgezeichnete kaufmännische Kapazität," fuhr er mit zuckenden Mundwinkeln fort; „er wird dir sicher einen trefflichen Rat geben können — tritt dielleicht auch selbst mit an die Spitze der neuen Gesellschaft und teilt dann seine Zeit zwischen seinen Pferden, seinen Geliebten, seinem Dienst und seinem Kontor. . . ." Karl August zuckte wieder leicht mit der rechten Achsel. Dieser störrische alte Manu fiel ihm auf die Nerven. Es. war zum Rasendwerden. Auf der einen Seite die Launen einer hysterischen Frau, auf der anderen den Dickkopf des Opas: es war ein Vergnügen. Aber der Kommerzienrat bezwang sich. „Setz dich zu mir," sagte er zu Fritz. Er legte seine große fleischM Hand auf bie seines! Sohnes'. „Mich! zwingt keineswegs die Verlegenheit des Augenblicks. Mein Plan ist alt. Ich erwog ihn schon, als "du Offizier wurdest. Wenn ich sterbe, hat das .Geschäft keinen Nachfolger. Dann würde die Firma doch in eine Gesellschaft verwandelt werden. Warum soll das nicht schon zu meinen Lebzeiten geschehen? Der einzige Grund, der mich bisher zögern ließ, war eine gewisse Sorge vor den Manipulationen Jacques Spannuths. Die fällt nun fort. Wie stellt du dich zu meiner Idee?" — Der Opa war, während der Kommerzienrat sprach, an den Rauchtisch gehumpelt, wo der Kasten mit seinem Tabak und die Fidibusse standen. Vorsichtig stopfte er seine Stummelpfeife und zündete einen Fidibus an. Während er das brennende Papier über die Pfeife hielt, schielte fein schwarzes Auge mit ironischer Neugier zu Fritz hinüber. Wenn der! Junge ehrlich war, mußte er antworten, daß er von der Sache rein gar nichts verstehe. Aber Fritz sprach anders. Er sagte kurz: „Ich teile den Standpunkt Opas, Vater." „He?!" rief der Alte. Er pustete auf den Fidibus; fast hätte die Flamme ihilr die Finger versengt. „Was! war das, Fritz?" — Und er trat wieder näher, interessiert und erstaunt. „Du teilst meinen Standpunkt? Bist nicht für eine G. m. b. H.?" „Nein, Opa." „Und willst du mich gütigst belehren, weshalb nicht?" fragte der Kommerzienrat gereizt. „Weil deine Prämisse in Fortfall kommt. Die Firma soll ihren Nachfolger erhalten. Ich habe die Absicht, den Dienst zu quittieren Und bei dir einzutreten." Rechts neben Fritz stand der Alte und starrte ihn an. Links saß der Kommerzienrat, gleichfalls mit großen Augen, kopfschüttelnd, gänzlich aus der Fassung gebracht. Fritz lächelte schwach. Er verstand die fragenden Blicke. „Das kommt euch überraschend," fuhr er fort. „Ich begreife es. Ich bin mir auch erst in letzter Stunde schlüssig geworden. Das Duell gab den äußeren Anstoß. Ich zweifle nicht daran, daß das Kriegsgericht meinem Worte Glauben schenken und mich milde beurteilen wird. Aber der Knax in der Karriere bleibt mir doch nicht erspart. Und wäre das auch nicht der Fall: der Kaiser hat viele Soldaten, die Firma aber nur einen einzigen Erben. Natürlich: das wußten wir bereits, als ich mein Ossiziersexamen machte. Aber damals hat mau mich nicht viel gefragt, ich war auch noch .überlegungsloser. Heute sehe ich, daß das Geschäft mich braucht. Da bin ich denn bereit, abermals umzu- satteln." „Es fragt sich nur, ob es dem Geschäft von Nutzen ist," sagte der Kommerzienrat Mit gerunzelter Stirn. „Probiere es aus, Papa!" Karl August erhob sich stracks. „Unsinn, Fritz! Ich will gar nicht von der Mama sprechen, die außer sich sein würde bei dem Gedanken . . . hier handelt es sich zunächst um dich selbst. M wäre ein Frevel, dich aus einer Karriere herauszureißen, in die du mit Leib und Seele hineingewachsen bist — in der du dich ivohl fühlst. Probiere es aus, sagst du. Auch wieder Unsinn. Das wäre ein gefährliches Experiment. Wir brauchen keinen wackeren Reitersmann, sondern einen tüchtigen Kaufmann." „Erlaube, Vater: woher weißt du, daß ich das nicht bin?" Der Opa ließ sich schwerfällig nieder. Er warf kein Wort dazwischen; auch der höhnische Zug um seine Lippen war nicht mehr sichtbar. Sein Auge schien zu fragen: Teufel, ist das da denn unser Fritz?! — Der Kommerzienrat war nicht weniger verblüfft. „Seltsame Frage," antwortete er. „Weil du es bis dato noch nicht bewiesen hast," „Nicht beweisen ko n n t e, Papa. Aber es drängt mich darnach. Meine Vorbildung habe ich bei Brissonet freies, bei Castaneiro und Sonnois und Mignvt gefunden. Habe auch nichts vergessen. Bin, noch nicht zu alt. Und vor allem: spüre die Lust in mir, mich dem Geschäfte zu wid- men. Um kurz zu sein: es ist mein fester Vorsatz, den Abschied einzureicheu, sobald mein Prozeß entschieden ist. Vorher darf ich es nicht. Aber ich darf Urlaub nehmen — und das werde ich tun. Nun verfügt über mich!" (Fortsetzung folgt.) - "^g!ü"at — 627 rkapitän Lroker. Ein Detektivabenteuer von Conan Doyle. (Schluß.) iJch hörte eine Stimme draußen, die Zimmertür tat sich auf und herein trat eine so stattliche Erscheinung von einem Manne, wie selten einer unsere Schwelle überschritten hatte. Es war ein sehr großer jüngerer Herr mit goldblondem Schnurrbart, planen Augen und einer Gesichtsfarbe, welche die Spuren der tropischen Sonne erkennen ließ. Er hatte einen elastischen Schritt, der geigte, daß fein mächtiger Körper ebenso gewandt wie kräftig war. Er machte die Türe Hinter sich, zu unt> blieb mit geballten! Fäusten und heftig aus- und abgehender Brust vor uns stehen; xx kämpfte offenbar eine gewaltige Erregung nieder. „Setzen Sie sich, Herr Kapitän. Sie haben mein Telegramm erhalten?" Unser Besucher ließ sich in einen Lehnstuhl niedersinken und sah uns nacheinander fragend an. '„Ich habe Ihre Depesche empfangen und bin um die an- aegebene Stunde hierher gekommen. Ich habe gehört, daß Sie drunten im Bureau gewesen sind. Da gab's kein Entrinnen mehr. Sagen Sie nut gleich, was Sie mit mir machen wollen, und wenn’s auch das Schlimmste ist. Wollen Sie mich verhaften? Reden Sie, Mann! Sie können nicht da sitzen und mit mir fielen wie die Katze mit der Mans." „Gib ihm ’ne Zigarre," sagte Holmes. „Rauchen Sie, Herr Kapitän, und lassen Sie Ihre Nerven nicht mit sich durchgehen. Lch Würde nicht so gemütlich hier meine Pfeife schmauchen, wenn sch Sie für einen gewöhnlichen Verbrecher hielte, dess' können Sie versichert fein. Seien Sie offen und frei gegen mich, bann werden B'r’s schon fru einem guten Ende bringen. Machen Sie aber Ge- ichtcn, dann vernichte ich Sie." „Was verlangen Sie von mir?" „Einen wahren Bericht über die Vorgänge der letzten Nacht in Abbey Grange — einen wahren Bericht, wohlverstanden, ohne etwas hinzuzusetzen oder wegzulassen. Ich weiß schon soviel, daß, wenn Sie auch nur zollbreit von der Wahrheit abweichen, ich mit dieser.Pfeife zum Fenster hinaus der Polizei ein Zeichen geben werde, wodurch die Sache dann für immer aus meiner Hand genommen fein wird." Der Seemann besann sich eine Weile. Dann schlug er sich mit seiner sonnengebräunten Hand auf den Schenkel. „Ich werd's versuchen," ries er aus. „Ich' halte Sie für einen Mann von Wort, für einen anständigen Mann. Ich will Ihnen den ganzen Hergang der Sache erzählen. Aber eins will ich Ihnen gleich zuerst sagen. Was mich anbelangt, ich bedauere nichts und fürchte nichts, und ich würd's noch 'mal machen nird stolz darauf sein. Dieser verdammte Schurke, und wenn er so viele Köpfe Hätte wie die Hydra, ich- würde sie ihm alle einschlagen! Aber bid Frau, Mary — Mary Fraser — denn ich will sie nie bei diesem verfluchten Mannsnamen nennen. Wenn ich daran denke, daß ich sie in Unannehmlichkeiten bringen sollte, ich, der sein Leben bingeben würde, um ihrem teueren Gesicht ein Lächeln abzunötigen, das macht mich weich! und traurig. Und doch — und doch — was könnte ich dagegen tun? Ich will Ihnen die Geschichte er- frählen, meine Herren, und Sie daun fragen, Mann gegen Mann, was ich hätte tun sollen. „Ich muß etwas weit ausholen. Sie scheinen von allem unterrichtet zu sein, bann werden Sie wahrscheinlich auch wissen, daß sie als Reisende an Bord, des „Gibraltar", war, dessen erster Offizier ich war. Vom ersten Tag an, als ich sie kennen lernte, existierten die anderen Damen für mich nicht mehr. Ich habe sie alle Tage während der Reise lieber gewonnen und manche Nacht auf den Knien gelegen und das Deck des Schiffes geküßt, das ihr teurer Fuß betreten hatte. Sie war nicht mit mir verlobt. Sie behandelte mich so artig, wie ein Wejb einen Mann nur behandeln kann. Ich klag« nicht. Die Liebe war nur auf meiner Seite, aus ihrer war’s nur Kameradschaft und Freundschaft. Als Wir uns trennten, war sie ein freies Weib, aber ich war kein freier Mann mehr. „Als ich das nächstemal von der Reise zurückkam, Hörte ich von ihrer Verheiratung. Gut, warum sollte sie nicht nehmen, wen sie wollte? Sie war zu allem SchöniN und Feinen geboren. Sch nahm ihr's nicht übel. Ich war nicht fo’n selbstsüchtiger chuft. Ich freute mich vielmehr, daß sie Glück gehabt und ihr Ziel erreicht hatte, und daß sie sich nicht an einen armen Seemann weggeworfen Hatte. So liebte ich Mary Fraser. „Nun, ich dachte nicht, daß ich sie je Wiedersehen würde; aber nach der letzten Fahrt wurde ich befördert, und das neue Schiff war noch nicht vom Stapel gelassen; ich mußte also ein! paar Monate mit meinen Leuten in Sydenham warten. Eines Tages traf ich draußen auf einem Feldweg Theresa Wright, ihr« 'alte Magd. Sie erzählte mir von ihr, von' ihm, von allein. Ich kann Ihnen sagen, meine Herren, es brachte mich bald von Sinnen. Dieser versoffene Kerl, der sollte es wagen, die Hand gegen sie zu erheben, der er nicht würdig war, die Schuh- riemen zu lösen! Ich traf Theresa wieder. Dann traf ich Mary selbst — und traf sie noch einmal. Daun wollte sie nicht mehr mit mir frusammenkommen. Aber neulich bekam ich die Nachricht, daß ich ich eijtej Woche anslansen müßte, und ich beschloß daher, | st« vorher noch 'mal aufzusuchen. Theresa war mir immer zugetan gewesen, beim sie bebte Mary und haßte diesen Schuft fast ebenso sehr wie ich. Von rhr erfuhr ich die Gepflogenheiten des Hauses. Mary pflegte aufznblerben und unten in ihrem Zimmer zu lesen. Ich schlich mich die vergangene Nacht heran und klopfte leise ans Fenster. Erst wollte sie Mir nicht öffnen, aber daß sie mich! wtzt herzlich liebt, weiß ich, und sie konnte mich nicht in der Frostnacht draußen stehen lassen. Sie flüsterte mir zu, an das große Fenster an der anderen Seite zu kommen, und ich fand es offen, um ins Speisezimmer zu treten. Wieder hörte ich von ihren eigenen Lippen Dinge, die mir das Blut in den Adern stocken ließen, und ich verwünschte diesen Unmenschen, der das Weib mißhandelte, das ich liebte. Ich stand gerade mit ihr am Fenster, m aller Unschuld, der Himmel soll mein Zeuge fein, als er wie! ein Wahnsinniger ins Zimmer stürzte, die häßlichsten Schimpfreden gegen sie ausstieß, die ein Mann einem Weibe gegenüber nur anwenden kann, und sie mit dem Knüppel, den er in der Hand hielt, ins Gesicht schlug. Ich hatte den Ofenhaken aufgehoben und es war ein schöner Kampf zwischen uns. Sehen Sie hier auf meinen Arm, wo mich fein erster Schlag traf. Dann kam ich an die Reihe. Ich Hieb auf ihn los wie auf einen! verfaulten Kürbis. Glauben Sie, daß es mir leid tat? Durchaus nicht! Es Handelte sich darum, ob er am Leben bleiben sollte! oder ich, aber noch mehr darum, ob er am Leben bleiben sollt«! oder sie, denn wie hätte ich sie in der Gewalt dieses Wahnsinnigen lassen können? So ist er von mir getötet worden., Hatte ich unrecht? Was würde jeder von Ihnen getan haben, meine Herren, wenn Sie an meiner Stelle gewesen waren? „Sie halte geschrien, als er sie geschlagen hatte, und dadurch! kam die alte Theresa von pben ’runter. Auf dem Anrichtefl tisch an der Seite stand eine Flasche Wein, ich machte fie auf und goß etwas davon auf Marys Lippen, denn fie war halbtot; vor Schrecken. Danir nahm ich selbst einen Schluck. Theresa! war so kalt ioie Eis, es war ja ebenso gut ihr Anschlag wie! meiner. Wir mußten den Anschein erwecken, als ob's Einbrecher petan hatten. Theresa wiederholte unsere Geschichte ihrer Herrin immer wieder, während ich mich hinaufschwang und den Klingelzug abschnitt. Daun band ich sie auf dem Stuhl fest und franste das Ende des „Taues" etwas aus, damit es natürlich, d. H. wie abgerissen aussehen sollte, weil man sich sonst wundern würde, wie ein Dieb hatte dort hinauf kommen können, um es abzu- schneiden. Daraus suchte ich ein paar silberne Schalen und Teller zusammen, um den Gedanken an einen Einbruch nahe zu legen; und bann verließ ich die beiden mit dem Befehl, wenn ich eine Viertelstunde fort wäre, Lärm zu schlagen. Ich versenkte' die Sachen im Teich und machte mich in der Richtung nach Sydenham aus deut Staube; ich hatte das Gefühl, daß ich wenigstens einbnal in meinem Leben eine wahrhaft gute Nachtarbeit geleistet hätte. Tas ist die Wahrheit, die volle Wahrheit, "Herr .Holmes, und wenn's den Kopf kostet." Holmes rauchte eine Zeitlang, ohne ein Wort zu äußern. Tann stand er auf, ging auf unseren Besucher zu und schüttelte ihm die Hand. „Tas ist meine Meinung auch," sagte er zu ihm. „Ich weiß, daß jedes Wort wahr ist, denn Sie haben kaum ein Wort gesagt, das ich nicht wußte. Niemand außer einem ?l fr o baten! oder einem Seemann konnte an den Klingelzug dort oben kommen, und auch nur ein Seemann konnte die Knoten gemacht Haben, mit denen das Seil am Stuhl befestigt war. Tie Dame war nur! ein einzigesmal im Leben mit Seeleuten in Berührung gekommen, das war auf ihrer Reise gewesen, und der Täter mußte ihrer eigenen Gesellschaftsklasse angehören, weil sie ihn hartnäckig zu decken suchte und dadurch ihre Liebe verriet. Sie sehen, wie leicht es für mich war, Sie ausfindig zu machen, nachdem ich einmal die Sache richtig angefaßt hatte." „Ich glaubte, die Polizei würde niemals hinter unsere Schliche kommen." „Tie Polizei ist ja' auch nicht dahinter gekommen und wird's auch nie, wie ich sicher glaube. Aber sehen Sie, Kapitän Croker, es ist eine sehr ernste Sache, wenn ich auch gerne zugebe, daß Sie so stark gereizt waren, wie ein Mann nur gereizt sein kann. Ich weiß nicht genau, ob Ihre Tat als Notwehr angesehen werden würde. Doch das ist vom Gericht zu entscheiden. Auf alle Fälle Habe ich soviel Sympathie mit Ihnen, daß, wenn Sie innerhalb! vierundzwanzig Stunden verschwinden wollen. Sie niemand daran' hindern soll, das verspreche ich Ihnen." „Und dann soll alles an den Tag kommen?" ^Genüß wird's bekannt werden." Ter Kapitän wurde rot vor Wut. „Was ist das für ein Vorschlag für einen Mann? Ich verstehe soviel vom' Gesetz, lunt zu wissen, daß Mary der Beihilfe! angeklagt werden würde. Glauben Sie von mir, daß ich sie allein hier im Gefängnis schmachten lassen würde, während ich mich dünn machte? Nein; sie mögen mit mir machen, was sie wollen, aber ums Himmels willen, Herr Holmes, finden Sie einen Ausweg, daß Meine arme Mary nichts mit dem Gericht zu tun bekommt." Holmes schüttelte zum zweiten Male denr Seemann die Hand. „Ich wollte Sie nur prüfen; aber Sie bleiben stets wahr. Ich Mhm'e zwar eine große VeraiilN'oriilng auf mW, doch ich! habe Hopkins jÄ tziwenj guten Wink gegeben, tvetttt erchn nun Nicht aus- zunützen versteht, kann ich ihm weiter nicht helfen. Nun, Herr Kapitän, um der Form des Gesetzes zu genügen, wollen totr folgendes tun. Sie sind der Angeklagte. Watson, du Ht ent britischer Geschworener, und ich kann mir übrigens kerne passendere Persönlichkeit zu dieser Würde vorstellen. Ich selbst werde ben Richter spielen. Nun, Herr Geschworener, Sw kennen dre Beweisaufnahme. Halten Sie den Angeklagten sirr schuldig oder -hren Sie in einem Jahre zu dieser Dame zr Und möge uns Ihre beiderseitige Zukunft beweisen, da» heute abend ein gutes und wahres urteil gefallt .haben. Nichtschuldrg?" , „Nicht schuldig!" lautete mern Wahrspruch . „Des Volkes Stimme, Gottes Stimme! Sie sind frelge- sprochen, Kapitän Croker. So lange das Gesetz ttt der Sache kein unschuldiges Opfer verurteilt, haben Sie von mir aus nichts zu befürchten. Kehren Sie in einem Jahre zu dieser Dame zuruck, vevmrschtsS. » Die Frauenarbeit in Post- und Telegraphen- ä in t e r n war in den „Berliner Neuesten Nachrichten" in einem hier auszugsweise mitgeteilten Aufsatz recht gering geschätzt worden. In Nr. 153 haben wir bereits die günstigen Erfahrungen des Telegraphendirektors Dr. Hagemann veröffentlicht und erwähnen heule noch, daß die „Berliner Neuesten Nachrichten" selbst neben zustimmenden auch lebhaft widersprechende Zuschriften bekommen haben. Dagegen spricht sich ein Telegraphendirektor, der ein großes Fernsprechamt mit 400 weiblichen Beamten leitet, durchaus zufrieden mit seinen Erfahrungen der Frauenarbeit aus: „Ich kann nur aus voller Ueberzeugung sagen, daß ich unter keinen Umständen an deren Stelle 400 männliche Beamte haben mochte. In gleicher Weise verteidigt ein Postdirektor aufs wärmste die weiblichen Beamten. Er führt aus: Die angehenden Beamtinnen treten fast niemals wie die männlichen Beamten unmittelbar von der Schule in den Dienst. Oft sind sie jahrelang ohne regelmäßige Beschäftigung im Elternhause gewesen und haben alle Freiheiten genießen können. Das muß man berücksichtigen und bedenken, daß deshalb die Dienstanfängerinnen zum Dienst meist erst erzogen werden müssen. Solche Erziehung fällt allerdings manchem Vorgesetzten schwer. Auch die männlichen Beamten, die mit den weiblichen zusammen arbeiten müssen, sind manchmal schwer an solch Zusammenwirken zu gewöhnen. Aus viele Beamte, das will ich nebenbei erwähnen, übt aber die Mitarbeit von Beamtinnen einen sehr günstigen Einfluß aus: die Beamten werden oft ruhiger, höflicher, sorgsamer in Aeußer- lichkeiten (Kleidung usw.) und auch sorgfältiger in ihren Arbeiten, da sie sich von den weiblichen Amtsgenossen nicht überflügeln lassen wollen. Zugegeben wird ohne weiteres, daß nicht jedes Mädchen, auch wenn sie die „höhere Töchterschule" dnrchgemacht hat, sich zur Beamtin eignet. Aber wenn Elemente, die den Anforderungen nicht genügen, oder der Dsiziplin, die für den Beamtenstand nun einmal unerläßlich ist, sich nicht fügen wollen, rücksichtslos und beizeiten entfernt werden, dann kann wohl ein weibliches Beamtenpersonal herangebildet werden, das den Vergleich mit m ä n n- l i ch e m Personal — natürlich in gewissen Grenzen — wohl aus hält. In dem mir unterstellten Amte müssen, namentlich während der Urlaubszeit, vielfach rechnerische Arbeiten von männlichen und von weiblichen Kräften ausgesührt werden. Dabei haben die Beamtinnen den besten Beweis erbracht, daß sie, was Genauigkeit, Schnelligkeit und Sauberkeit im Arbeiten betrifft, Mindestens das leisten können, was viele männliche Beamte leisten. Im Gegensatz M dem Herrn Verfasser des Artikels stelle ich aber auch bat, Beamtinnen; das Zeugnis aus, daß sie es an Interesse !und Eifer nicht fehlen lassen, und auch stets dienstfreudig und dienstwillig geblieben sind, selbst wenn sie zur Bewältigung dringendem Arbeiten weit über ihre eigentlichen Dienststunden hinaus haben arbeiten ntüssen. Mit Bureaukratismus und Schroffheit wird man allerdings bei Beamtinnen wenig erreichen; aber gerechte Anerkennungen der Leistungen, eine freundliche, wenn auch strenge Behandlung wird den Berufseifer und damit die Leistungsfähigkeit der Beamtinnen außerordentlich heben. * Die Bedeutung des Wortes „Bauer".- Das Wort „Bauer", das uns heute als Standesbezeichnung für den selbständigen Landmann so selbstverständlich erscheint, gehört dennoch zu jenen zahlreichen Wörtern, über deren ursprüngliche Bedeutung sich die Gelehrten noch keineswegs einig sind. Das deutsche Wörterbuch der Gebrüder GriMM saßt es gleichbedeutend Mit ,,Landmann" auf, was indessen zweisellos keine genügende Erklärung bietet; andere wollen es als „Dorfgenosse, Mitbürger, Genossenschafter einer Ansiedlung" U. s. f. deuten, ohne indessen ihre Deutungen näher und zwingend begründen zu können. Im letzten Heft der bei Karl Winter in Heidelberg erscheinenden Zeitschrift „Wörter und Sachen" hat nun Professor Friedrich Kaufmann in Kiel in einer größeren Abhandlung über „Altdeutsche Genossenschaften" eine Erklärung des Wortes gegeben, die vermutlich die endgültige Lösung dieser Frage darstellt und darum in weiteren Kreisen bekannt zu werden verdient. Auch Kauffmann faßt das Wort „Bauer" als Genossenschaftsbezeichnung auf, leitet les aber mit dem gleichbedeutenden Wort „Gebauer" von dem altdeutschen Worts bür — Haus äb, das auch wir im Bogel« bauer noch besitzen, unb deutet demzufolge die Wörter „Bauer" und „Gebauer" als „Hausgenosse" in dem Sinne, daß damit jene Insassen einer Hausherrschaft gezeichnet wurden, die nicht zur Familie, sondern zum weiteren Ingesinde des Hausherrn! gehörten und dessen Hufe zu bewirtschaften hätten. Diese gesellschaftliche Rangstellung der „Bauern" würde genau derjenigen entsprechen, die nach Tacitus im Haushalt der deutschen Hofbesitzer! die coloni einnahmen, und tatsächlich wird in den althochdeutschen Glossen das Wort coloni durch „Gebauern" (gabüro oder kapüro) wiedergegeben. In der späteren Entwicklung hat sich dann der hausherrschaftliche Verband mehr Und mehr zersetzt und dw „Kolonen" wurden nun aus unfreien Hausgenossen zu mehr oder minder unabhängigen Landleuten, die mit ihren ehemaligen Herren und deren Nachkommen neue Verbände gründeten, ist denen sich nicht mehr Herren und Hörige, sondern mir noch gleichberechtigte Genossen gegenüberstanden. Diese Verband« waren die „Nachbarschaften", die ursprünglich nichts anderes als diese freien oder doch nur von einem größeren Grundherrn, abhängigen Bauerschaften oder Dorfschaften bezeichneten. Di« Wörter „Nachbar" und „Bauer" sind daher nicht nur verwandt, sondern im Grunde gleichbedeutend; entstanden aber ist,diese Bezeichnung wahrscheinlich während der Bölkerwanderungszeit int vormals römischen Gebiet, wo solche zum alten Sippendorf iN Gegensatz stehende „Bauerndörfer" in großer Zahl angelegt wurden. * Sie kennt ihn. Schwiegersohn (zur Schwiegermutterik „Mein innigster Geburtstagswunsch für Sie, teuere Mama,, ist« der Himmel möge Sie „erhalten"!" — x,Danke bestens; vorläufig möchte ich aber noch 'n bißchen auf Erden weilen! Logogrlph. Es ist mit „e" aus Fleisch und Haut Gar zart und künstlich aufgebaut. Glückselig, wem Metall drin wohnt, Als Münze, die das Prägen lohnt! Doch hüte dich, trifft dich's mit „ü", So ist umsonst des Lernens Müh'; Meist kommt er her vom rauhen Norden Und krank ist mancher dran geworden. Schnell mußt du's dann mit „o" entzünden, Das wärmt, du wirst Genesung finden. Auflösung in nächster Nummer: Auflösung der Königspromenade in voriger Nummert Ein ungestörtes Glück verlangen, Heißt Mondeslicht mit Netzen fangen, Den Sonnenstrahl mit Ketten fesseln, > Und Rosen fordern von den Nesseln. vüchertisch. — Die Frauen-Nummer der „Illustrierten Zeitung"^ Verlag von I. I. Weber, Leipzig, ist eins der trefflichsten Sonderhefte dieser vornehmen Zeitschrift! Geschmückt mit der technisch meisterhaften Wiedergabe eines eigens für diese Nummer geschaffenen Porträts der Kronprinzessin von Prof. Julius Kraut, ist das Heft ein mit sorgfältigster Auswahl zusammen- qestellter und mit zahlreichen hochinteressanten Bildern ausgestatteter Ueberblick über das Wesen, die Entwicklung und die Tätigkeit der modernen Frau, sowie über die ganze Frauenbewegung. In kurzen Artikeln, hie von genauen Kennern der einzelnen Gebiete, Meist von Frauen, geschrieben find, werden die verschiedenen Themata gleichwohl erschöpfend behandelt und vermitteln so das Wissenwerteste über »Die historische Entwicklung der Frauenbewegung in Deutschland (Dr. Elis Altmanu- Gottheiner), „Die ethische Seite der Frauenbewegung (Dr. Kat« Schirmacher), über „Den Einfluß der Frauenbewegung auf bte gesamte Kultur" (Bertha von Suttner), über „Die Pau als Hausfrau und Helferin ihres Gatten (Llsbeth Dill), .Stellung und Beruf der Frau" (Dr. Käthe Wmdscheid),, „Die Pau als Künstlerin" (A. Hirsch), „Die Frau als Gattin und- Mutter (Dr. Jenny Springer), „Mutterschutz" (Dr. Helene Stöcker, „Die Frau in der Weltgeschichte" (Prof. Dr. Theo Sommerlach, „Die Schönheit des Weibes im Spiegel der Antike" (Dr. G. Biermann), „Die soziale Lage der Schauspielerin" (Rosa Bertens), „Das Schaffen der Frau in der modernen Literatur (Dr Ella Mensch), „Die Bedeutung der Frau m der WohlfahrtsPflege (Mervarid) und „Die deutsche Frau m der Karikatur" (Ed. Fuchs), um nur die wichtigsten dieser reich illustrierten Artikel herauszugreifen. Novellen, Gedichte und Aphorismen unserer namhaftesten Dichterinnen mit deren Bildern zeigen die deutsche Frauenlfteratur im Hellen Spiegel. Außer erner ganzen Porträtgalerie berühmter Frauen aus alter und neuer Zeck bringt das Heft eine große Anzahl von Farbendrucken und sonstiger .Reproduktionen von Kunstwerken in technischer Boll-, endung. ___________ Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brtthl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.