Montag den 7. November LLL2-. ß u iguiüiir. Friedel halb-süß. Roman von Fedor von Zobeltltz. ^Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Daß der Water nicht mit nach Uttenhooven kommen wollte, war Fritz ganz lieb. Es war zwecklos, vielleicht auch störend. Fritz hatte mit Feßler (der in Wiesbaden wohnte) verabredet, daß er ihn am zwölften mit dem Ein- uhrzuge auf dem Schrattsteiner Bahnhofe erwarten wollte. In Koblenz wollte man den Schnellzug nehmen und war dann gegen sechs Uhr in Uttenhooven. Wer am Zwölften früh fand Fritz unter der Briefschaft auf seinem Arbeitstische ein Schreiben, das alte Pläne und Verabredungen ins Schwanken brachte. Es war ein kleiner mattgelber Bogen englischen Papiers, der in ein gewöhnliches Hanfknvert gesteckt war. Auf der Adresse schien die Handschrift verstellt zu sein; auf dem Briefbogen zeigte sie große, steile und energische Schriftzüge in dem unverkennbaren Duktus, der der englischen und amerikanischen Frauenhand eigen ist. Und Fritz las: „Ich muß Sie morgen, Donnerstag abend, sprechen. Bitte seien Sie punkt zehn Uhr an der rückwärtigen Gartenpforte meiner Weinbergsvilla, wo meine — unbedingt zuverlässige — 'Zofe Sie erwartet und führen wird. Schon diese Zeilen altern sind Beweis dafür, daß die Rücksprache dringend ist rmd unverschicbbar. Es handelt sich um meine ganze Zukunft — und nicht weniger um die Ihre. Ich bitte Sie herzlich: lassen Sie mich nicht im Stich. Maud." As Fritz das Briefchen gelesen hatte, erblaßte er. Er hätte nicht erwartet, daß Maud noch nach neuer Anknüpfung suchen wurde. Auch die Fassung ihres Briefes beunruhigte ihn. Sie schrieb, um ihre ganze Zukunft handle es sich und Um die seine. Was sollte das heißen? —. Er kannte sie. Hinter der stolzen und amazonenhaften Herbheit ihres Sichgebeus verbarg sich eine starke Leidenschaftlichkeit. Gegen die fühlte Fritz sich gewappnet. Er fürchtete weder ihre sengenden Blicke, noch den Reiz ihrer schönen Stimme, noch das Lächeln ihrer roten Lippen: zwischen ihr und ihm lag als unübcrsteigbare Scheidemauer das Grab ihres Mannes. Auch ihr Jähzorn, der, sie einstmals vor die Richter getrieben hatte, schreckte ihn Nicht. Wer etwas anderes fürchtete er: die Möglichkeit einejs neuen Skandals, der gerade jetzt unter allen Umständen vermieden werden mußte. Er überlegte lange und reiflich. Die Brieswendüng, daß es sich bei der Unterredung nicht nur um ihre, sondern! auch um seine Zukunft handeln solle, machte ihn stutzig. Abenteuerliche Vermutungen stiegen in ihm auf. Schon damals im Helldorfschen Parke hattesie ihm Mgeflüstert: »-Es gilt uns beiden. ., “ Mas wollte sie?, Er stützte den Kopf in die Hand und sann nach. WaÄ wollte sie? Sie schrieb von dringender und unverschiew» barer Rücksprache; es eilte ihr also. Es mußte so sein; sie hatte recht: ihre Zeilen allein waren Beweis dafür. In seiner quälenden "Sorge beschloß Fritz, der Auf« forderung Folge zu leisten. Er sorgte sich mehr um sie als um sich selbst. In seiner Erregung fürchtete er alle« Ernstes, sie könne sich mit Selbstmordgedanken tragen. Der Besuch in Uttenhooven mußte olfo fortfallen. war das ja mich nur eine Formsache, die der Vater ebensogut erledigen konnte. Wer eine Notlüge mußte ersonnen wer» den. Sie war nicht schwer zu finden. Er ging zu seinem Vater und bat ihn, an feiner Stelle nach Uttenhooven gat fahren, da ihn ein Telegramm in seine Garnison berufe« habe: die Möglichkeit liege vor, daß er jetzt schon sein« Festungsstrafe antreten solle, und sei dies der Fall, so wolle er persönlich um Verschiebung bitten, die ihm zweifellos gewährt werde. Wer dem Kommerzienrat paßte diese unvermutet« Reise ins Holländische gar nicht. Er schimpfte. WaS solle er denn in Uttenhooven!? Für die Aeronautik interessiere er sich herzlich wenig, und im übrigen sei ja alles ixt schönster Ordnung. Außerdem — ja, mein Gott, der Feßler vertrete doch die Firma! Ob es nicht vornehmer und diskreter sei, wenn man nicht in ganzer Kompagnie erschein — ob es nicht richtiger sei, jedes .Bordrängen ängstlich zu vermeiden? — Fritz sah sofort: der Bater wollte nicht. Ein bittere» Empfinden stieg in ihm auf. Der einst so arbeitsfreudige Mann Ivar wirflich nur noch eine Null im Hause. Aber eS war nicht zu ändern: Feßler mußte allein fahren. Jedenfalls konnte man sich auf ihn verlassen. — Zum Einuhrzuge war Fritz auf dem Bahnhof. Feßler winkte ihm schon aus dem Küpeefenster. „Kommen Sie, kommen Sie," rief er, „es ist gerade noch ein Eckplatz frei!" Fritz gab ihm die Hand.! „Passen Sie auf, lieber Freund," sagte er, „wir haben nur drei Minuten Zeit. Ich bin telegraphisch in die Garnison beordert worden und kann nicht mit. Entschuldigen Sie mich bei dem Herzog und vertreten Sie bte Firma würdig. Haben Sie Ihre« Kodak zur Hand?" „Ales da. Herrjeh, das ist aber schade, daß Sie mcht mitkommen!" ..... „Es ist leider unmöglich '— und schließlich auch unnötige Je weniger Trara wir machen, um so besser. Der Trara soll Nachkommen, wenn der Herzog gesiegt hat. Depeschieren Sie uns über den Erfolg. Hauptsache für Sre ist bei Anblick des Gesamtbildes — verstehen Sie, Feßler — für die Reklamezeichnung. Vielleicht benützen wir sie dann auch für eins unsrer Plakate. Nun addio und all Heil!" Der Zug fuhr weiter und Fritz ging langsam nach Haus«., Es hatte stark geregnet, nun aber schien wieder die Sonn«. Die Erde dampfte förmlich, es war drückend schwill. Fritz um so kräftiger in die Saiten." „Hat auch etwas für sich," sagte Kesfelholz Und ntdte. — Mit dem Abendzuge -fuhr Fritz nach Geltheim. Es war nur eine Fahrt von kaum zwanzig Minuten; dann sah er am Kupeefenster die langgestreckten Baulichkeiten der Spannuthschen Fabrik mit ihren riesigen Hellen Firmen- schildern vorüberstreichen. Der Zug hielt, und er stieg aus. Gr hatte den Magen seines Paletots hochgeschlagen und neigte etwas den Kopf, wie einer, der auf verbotenen Wegen wandelt und nicht erkannt werden will. Er beeilte fli^ vom Bahnhofe fortzukommen. Er wußte: links unten, in der Nähe der Fabrik, lag das bescheidene Wohnhaus Otto Spannuths. Um zu dem Chalet seines verstorbenen Bru- ders zu gelangen, mußte man den Weg zwischen den Schuppen hindurch bergan steigen. m ... . Das Herzklopfen und das Hammern per Pulse war Une- dergekommen. Gottlob stand der Mond hinter Wolken, und aus dem Woge brannten nur einige Gaslaternen.. Miß Mich sich längs der Schuppen entlang. Ein paar singende junge Leute begegneten ihm, dann ein alter Arbeiter. Aber er an die Weinbergsmauer kam, bei welcher der Weg sich trennte, starrte ihm fast das Blut. Da schritt ihm Otto Spannuth mit noch einem Herrn entgegen, beide in reger Es waren zunächst Taxushecken; Bosketts von Goldlack, Beigelien und Mahonien folgten, endlich Gruppen von Palmen und Rosaceen. Sinn mußte man über den hellen Kiesweg; dann stand Fritz unter einem niedrigen Portal und schritt der Zofe nach, eine Treppe hinauf in euren dreieckigen Borraum, in dem ihm aus einem Sockel eine große Pagode aus Porzellan auffiel. , „Bitte," sagte die Zofe abermals und öffnete eme Tur. Fritz trat in einen mit Möbeln fast überfüllten Salon, in dem unter einem rosenfarbigen Schirm nur eine einzige Lampe brannte. Er hatte noch nicht abgelegt und zog nun erst seinen Paletot aus. Es tropfte von seiner Stirn. Er fuhr mit dem Taschentuch über sein Gesicht und fühlte, tote dies Gesicht glühte. „ r, ,, , .., . Plötzlich hörte er ein lenes Geräusch hinter sich, und da er sich umwandte, sah er Maud in der Tür zum Nebenzimmer stehen. . Eins fiel ihm sofort auf: sie war nicht tn Trauer. Sie trug ein phantastisches Hausgewand aus amaranth- farbenem Libertyatlas mit goldenen Guipurinotwen inkrustiert und in dem nur locker gerafften Haar eine Kette aus kleinen Perlen. Sie sah wunderschön aus — aber gerade dies immerhin auffallende Kostüm, das ihre prachw volle Gestalt zu voller Geltung brachte und sicher auch bringen ollte, war für Fritz eine Mahnung zur Vorsicht. Er verneigte sich kurz. „Gnädige Frau haben befohlen, sagte er. Eine Phrase wie viele; aber es war. besser, er leitete die Unterredung mit einem Gemeinplatz ein, um abwarten zu können, wohinaus sic wollte. Sie reichte ihm die Hand. „Ich danke Ihnen. Doch ich b a t nur, Herr Friedel. . . ." ©ie ließ sich ut halb ruhender Stellung auf der Chaiselongue nieder und wies auf den Stuhl daneben: einen Lehnstuhl von alter Arbeit, mit geschnitzten Chimären an den Armseiten und hölzernen Schlangen als Beine. Ein wasserblaues Seidenkissen lag auf dem Sitz. , Fritz nahm schweigend Platz. Eme kleine verlegene Pause folgte. Er sah, wie ihre Hände das Spitzentuch zerzupften, das sie zwischen den Fingern hielt; es schien, als suche sie nach Worten. Und dann begann sie nut einer Stimme, die weich und pastös klang und alles Herrische verloren hatte. . „Es mag Ihnen seltsam erscheinen, daß ich eie zu mir bitten ließ, Herr Friedel. Aber ich hatte keine Ruhe — mich verlangte nach einer Aufklärung. Zunächst — M zunächst lag mir dararh Ihnen zu versichern, daß die xw, schritt in schweren Gedanken daher. Zweifel drängten sich in ihm auf, ob er nicht besser tun würde, den Brief Mauds au ignorieren. Noch war es Zeit. Wer seine Angst, daß die leidenschaftliche Frau sich zu einer Unüberlegtheit hin- reißen lassen könne, war groß. Er wollte ruhig, vernünftig und zweckmäßig mit ihr sprechen, wollte auch die Gelegenheit zu einer Erklärung über seinen Zweikampf mit Span- nuth benützen. Das war ja zweifellos: daß die Aussprache nur nützlich sein konnte. Freilich, kaltes Blut muhte er dabei behalten. Er ging in sein> Bureau und zwang sich zur Arbeit. Wer es ging schlecht. Er war froh, daß Kesselholz bei ihm erschien und eine Wwechslung brachte. Er hatte bereits von dem Kommerzienrat erfahren, daß Feßler allein nach Utten- hooven gereist war, und wollte sich bei Fritz erkundigen, ob ihn nicht etwa Unannehmlichkeiten in der Garnison erwarteten. Doch Fritz beruhigte ihn. Gott bewahre, der Prozeß war ja vorüber und keine Revision gegen das Urteil eingelegt worden! Vielleicht wollte man sich nur liebenswürdiger Weise bei ihm erkundigen, wann ihm die Verbüßung seiner Festungshaft am gelegensten komme. Man nahm bei derlei gern gewisse Rücksichten. „Die wird auch Ihr Schwiegersohn noch schätzen lernen, Kesselholz, sagte er heiter; „es wäre doch unangenehm, wenn ihn die Einberufung nach Memel oder Glogan mitten in den Flitterwochen träfe." Aber von der Hochzeit seiner Tochter wollte der Prokurist vorläufig nichts wissen. Nun ja, er hatte sich mit der Verlobung schließlich einverstanden erklärt, obwohl die Sache eigentlich ein Unsinn war. Auf Nichts plus Wenig baut sich keine verständige Ehe auf. Jedenfalls konnten die beiden ruhig noch ein bißchen warten. Es eilte gar nicht. Der Feßler hatte Lust, wieder zur ,großen KUnsck 'zurückzulehren, zu Porträt und Genre. Das hielt aber Kesselholz für ganz töricht. Die „große Kunst" war doch pur ein Luxusartikel und nur für die Reichen da. Aber das Kunstgewerbe brauchte man. Dann sprach er von der Vertretung der Firma in Uttenhooven durch seinen künftigen Schwiegersohn. „Hören Sie, Herr Friedel," sagte er, „unter uns: das Hann eine schöne Vertretung werden. Der Feßler hat ja seine ganz prächtigen Seiten — nun ja, alles was wahr ift —, aber vom Kaufmännischen versteht er so viel wie eine Katze von der Dosage. Und wie es mit seinem sogenannten Repräsentieren werden wird, das weiß ich auch nicht so recht. Er macht keine schlechte Figur, er quasselt nur zu viel. Gott, was redet der Mensch zusammen, wenn er mal aufgezogen wird!" Fritz lachte. „Schadet nichts, Kesselholz. Es ist besser, Äs wenn er sich stumm herumdrückt. Wenn er Spektakel macht, wird er wenigstens einen guten Platz bekommen. Das mit der Vertretung der Firma ist schließlich nur fecon de parier. Unser Sekt ist angekommen und wird bet bei’ Taufe des „Excel; kor" verwendet. Die Hauptsache, Kesselholz. Der Papa hat gar nicht so Unrecht, wenn er meint, eß sei besser, wir hielten uns vorläufig noch ein wenig ckirück Dann sind wir gedeckt, falls der Ballon Abeelens wider Erwarten versagt. Andernfalls greifen wir nachher Unterhaltung, Und es schien fast, als kämest sie aus dem Chalet. In der engen, von Feldsteinmauern eingefaßten: Gasse war ein Ausweichen unmöglich; Fritz mußte erkannt werden. Rasch bückte er sich, schob mit schneller Bewegung einen weichen Filzhut tief in die Stirn uttb tat so, als wollte er sich die Beinkleider auskrempen. In diesem Augenblick gingen die beiden Herren an ihm vorüber. Sie sprachen sehr lebhaft miteinander, vom Ankauf oder Berkaus irgend eines Grundstücks, und beachteten Fritz gar nicht. Hochaufatmend schritt er weiter. Noch fünf Minuten, und er sah die dunklen Umrisse des Gartens der Billa vor sich auftauchen. Sie lag so hoch, daß man von hier ans das ganze Städtchen mit seinem Lichtergewirr übersehen konnte. Nur im Komplex der Spannuthschen Fabrikgebäude leuchtete eine regelmäßige Reihe von elektrischen Kugeln. Der schwarzf- liche Strich unten war der Rhein; auch über ihn zitterten hin und wieder vereinzelte Lichtpunkte. Fritz zog seine Taschenuhr. Er war pünktlich. Der Zeiger wies auf fünf Minuten vor Zehn. Nun versuchte Fritz sich zu orientieren. Gerade vor sich hatte er den durch zwei Laternen bezeichneten Haupteingang. Er umschritt also das schön geformte Eisengitter des Gartens, der ein ziemlich gleichmäßiges Viereck bildete, und beobachtete dabei die rm Dunkeln liegende Billa mit ihren erloschenen Fensteraugen. Doch nun flimmerte es hinter zwei Fenstern: ein ganz mattes rötliches Licht. Das war die Rückseite. Hier sand Fritz im Gitter eine kaum sichtbare Tür. Wer sie war verschlossen. Er wartete geduldig, die Uhr in der Hand, den Blick auf das Zifferblatt geheftet. Und Punkt Zehn wurde euie Frauengestalt sichtbar; sie tauchte plötzlich auf, nickte ihm zu und steckte einen Schlüssel in das Türschloß. „Bitte," sagte sie leise, „und halten Sie sich dicht am (Fortsetzung folgt.) , , durch meinen M lassen, ob einer meiner Angestellten beteiligt habe, und er hat mir gemeldet, dM ganz ausgeschlossen sei," vrrriMehter. * Die Haustiere a l s K r an k h e i ts v er m i t t l er. Es kann nicht genug davor gewarnt werden, daß Personen, diean einer ansteckenden Krankheit leiden oder in der Genesung begriffen sind, sich viel mit Haustieren zu schaffen machen. Tie Eriabr- ungen sprechen unwiderleglich daiür, daß aus diesem Wege K r an k - heitskeime verbreitet werden. Es ist ja auch nichts natürlicher, als daß ein Kranker bei Liebkosungen einer Katze oder eines HundeS den Krankheitskeim aus das Fell des Tieres übertragt und industriellen Interessen der Tinge stech stilisierte. Dieses Spielzeug setzt seine Kunst fort. Es stilisiert die innersten spielerischen! Eigenschaften der Dinge und trifft damit eine Karikatur auch der ernstesten Beschäftigungen, wie sie nur ein intelligenter Großer fertig bringt, der sich von dem Pathos des Lebens auf einiges Kinderstunden erlösen will. Die Abbildungen aber werden gefüllt von den weisesten pädagogischen Aufsätzen, die dieses Pathos nicht überwinden dürfen, sollte ihr guter Zweck nicht in die Brüche gehen. Oder etwa spiegeln auch sie oft das Kind unfreiwillig im Autor?, Doch davon will ich nichts sagen. Ich möchte mit all diesen schönen Kindersachen spielen luitti mich in ihnen vergessen, um mich zu entdecken. Was der kleines Rudi neben mir daz-n sagt, ist mir nicht gleichgültig. Ich brauche ihn ja, um durch ihn ntzir diese Kunst zu sanktionieren. Sollte er Gefallen daran finden, es wäre nur zu meinem Vergnügens Darum verehre ich ihn, richte mich ganz nach seinen Orakelfis und mache ihm ordentlich die Kur; tvie die Inschrift laute«, die über dem modernsten Kinderbasar Europas, den Hallen des belgischen Seebades Westende zu lesen ist: O Patents, soyez faibles envers les enfants! - , Ach ja, ich möchte mit all diesen Sachen spielen. Da ist! das große Kriegsschiff, es ist ein Japaner und geht gegen Port! Arthur, das trotzig auf einem Felsen liegt, mit Erbsenkanonaden vor. Dichte Soldatenkarrees stehen auf dem Lande. Von Zeit zu Zeit knallt eine Tischplatte, hebt sich dampfend hoch und dia Soldaten fallen alle um, daneben fitzt ein Automat, der einens Wnstler mit Samtjacke und Haarlocke vorstellt, und immer wenn die Tischplatte sich hebt, sagt er: „Das ist großer Stil". In Port Arthur selbst aber sind viele schöne Häuser, die von Puppens bevölkert sind. Da sieht man einen Mann, der etwas betrunken ist und immerfort aus seine Frau schimpft, weil sie ihm nicht gut ist. Daun zwei Leute, die sich an einem Brunnen entsetzlich verhauen, bis der eine hineinfällt und unten in einer Schublade! wieder herausgezogen werden kann. Dann wieder einen Mann, fier meiner.Frau immerfort nachläust, aber sie drehen sich ununterbrochen int1 Kreise herum. Ein Dichter sitzt daneben und schreibt das alles auf, weil er ein Theaterstück daraus machen I will. Dann sieht man das Rathaus mit einem prächtigen Saal, fii dein die freie Gemeinde aus niedlichen, kleinen Ledersesseln! eine Beratung pflegt. Da es nicht genug Puppen im Talars gMt, fiijmNit (man einige denkende Pferde von einer Kanon« weg und setzt sie daneben. Alle sitzen ganz still und denken übe« die Zukunst des Staates Lippe nach. Nebenan ist der Palast mit einem herrlichen, reichgeputzten König, der soeben von einem Segelboot abgestiegen ist und jetzt einen Mann im Gehrock empfängt, der ein Kunsthistoriker ist. Dieser hat am rechten A-rms einen Draht, mit dem man ihn aufziehen kann. Damit zeigt er immerfort auf den Fries mit der Arche des Noah, der oben! rings um das Zimmer läuft und den ganzen zoologischen Garten darstellt. Aber der König schüttelt (mit dem Kopf und ist so I böse auf den Kunsthistoriker, daß er den Saal verläßt. Vier Menet in Livree bücken sich hinter UM bis ihnen die nemefrt Hosen platzen. Doch das macht nichts, Mama näht sie wieder und hängt sie fein an Bügeln auf, in dem großen sezessionistischen Schrank drüben in der Puppenstube, wo alle Schlipse. Stiefel- I böcke und Hemden mit festen Manschetten sauber geordnet find. Es ist eine ganz moderne Puppenstube mit Miniaturmöbeln I neuesten Stils, bürgerlichen Empiretapeten und Bildern von Schwind. Im Papierkorb liegt der Struwelpeter, auf dem Kauapeetisch die Neue Rundschau. Eine entzückende Versammlung modischer Puppen in den Kostümen aller Zeiten ist darin aufgestellt und wartet auf mich, da ich mit ihulM am liebsten spiele. Ich spiele „Kultur". Die Kavaliere müssen über das Parkett gleiten, die Damen graziös lächeln, ferne Zärtlichkeiten schweben von, dein einen zum andern hinüber, einige sind von jener müden Zart- Wt, wie sie sich bei vornehmen Geschlechtern in den letzten Erben vorfindet, andere hab eil bewegte Gesten, in denen d as „Leben" fit, einige zeigen die blasierte Linie der perversen Schamhaftigkeit von Prärafaeliten fiitd die buntesten erinnern an die revolutionärem romantischen Jünglinge, wie sie Theo Gautier schildert. Man kann sich tagelang mit ihnen amüsieren. Endlich aber schlagt die Stunde für Port Arlhur, dessen Erbsen verschossen sind. Ditz Japaner erobern die Stadt und ziehen durch die Siegesalle« bis Europa. In Europa ist ein großes BarietÄheater, tni I dem die siegreichen Japaner jeden Abend als Seiltänzer find Akrobaten auftreten, dein Lulu mit den durchbrochenen Strümpfen, ! Schigolch mit dem gelben Ueberrock, Rodrige Quast mit den geschwollenen Muskeln und der Privatdozent Hilft mit dem großen Kalabreser — bis es Zeit zum Schlafengehen ist. Der Schutz- | mann kommt und steckt sie alle in die Pandorabüchse. Kind und Kunst. | Von Professor Oskar Bie. I f Das beim Herannahen der Weihnachtstage besonders wich»- I tige Thema „Kind und Kunst" ist in diesen Wochen wieder I her Inhalt zweier vielbesuchter Berlin er Ausstellungen I gewesen. Aus diesem Anlaß darf wohl eine nachdenksame Plan- I derer des bekannten feinsinnigen Aesthetikers Professor Oskar I Wie auf allgemeines Interesse rechnen. Die Arbeit entstammt I einem demnächst im Verlage von Erich Reiß erscheinenden I Buche, in dem Bie unter dem Titel „Reise um die Kunst" 1 eine Auswahl aus seinen reizvollen Betrachtungeng über Fragen I (unserer ästhetischen Kultur darbietet. Die Schriftl. | Wie ist das eigentlich mit der neu erstandenen Kinderkunst? I Seien wir einmal ehrlich. Das Kind ist das einzige Wesen unter I all den Individuen, die man mit der neuen Kunst bedachte, I welches sie nicht gewünscht hat. Die Kunst des Kindes ist viel I ewiger und viel zeitloser als diese kleinen Moden, die uns Er- I wachsene beschäftigen. Das Mud hat eine unermeßliche Pham- I tafle, wenn es ein Messerbänkchen für eine Eisenbahn, einen I Stuhl für einen Luftballon nimmt, ein Waschbecken für den Schlachtensee und zehn Stricknadeln für den Grünewald. Das j Kind hat nicht den geringsten Stil nötig, um sich seine Illusionen I schmackhaft zu machen. Es hat eine Kunst, die älter ist als 'Homer Und länger dauern wird als die Märchen des Andersen und die I Essais der Keh. Es bekam diese neue Kunst aufgedrängt von den wankelmütigen und beschrankten Großen, die jetzt, nachdem sie I die Stile der Vergangenheit auf ihrem Kunsttheater erledigt I haben, anfangen, die Stile des Lebens in derselben unterhaltenden I Manier durchzuführen: den Stil des Reifen, der sich alle Kulturen I zurückgewinnt, den Stil des jungen Mannes, der für frische Persönlichkeiten schwärmt, den des Mädchens, das für zarte und abgestimmte Harmonien eingenommen ist, und den des Kindes, das I die Wirklichkeit unter einem breiten, fast plakatmäßig stilisierenden Schema und mit dem offensten Eingeständnis jeder Phantasieregung genießen soll. Unter diesen Stilen des Lebens ist der! Kinderstil der freimütigste. Kaum kontrolliert vom Kinde selbst, schafft sich der Erwachsene in ihm eine Welt der Rückerinnerung, die nicht so seh,-- der Spiegel des Kindes, als vielmehr der Spiegel der Meinung über das Kind ist. In dieser Kunst schafft er sich eine Art praktischen Paradieses ober pädagogischen goldenen Zeitalters, das er selbst mehr braucht als das Subjekt, dem er es einrebet. Man barf bas nicht als einen Vorwurf verstehen, sondern finr als eine sehr interessante, ja wichtige Erscheinung. Wir lesen im „Jerusalem" der Selma Lagerlöf mit Entzücken, tote der Bauer Bo und bie Schulmeistertochter Gertrud im Heftigen Lande nach des Heilands Wunsch „zu Kindern werden" und sich einen Bezirk der Illusion schaffen, der sie wieder lebensfähig macht: so daß Gertrud, indem sie die Erzählung Bo's vom Brunnen des.Paradieses für Wahrheit nimmt, ihr Fieber mit einem Schluck desselben gewöhnlichen Wassers stillt, das sie in nüchternem Zustande verschmähte. Jetzt ist es für sie das Wasser des Paradieses Jetzt ist für uns alle, indem wir neue Märchen erdichten, neue Spielzeuge schaffen, neue Kinderfriese zeichnen und mit Machintosh aus den phantastischen Dachkammern Kinderstuben mit mysteriösen Balken und Beleuchtungskörpern im Stil der Telegraphenstanaen bauen, die Möglichkeit gegeben, an der Wurzel her neuen Kunst unsere Einbildungskraft zu verktndlichen und mit dem Kinde in uns selbst paradiesisch zu spielen. Das ist ein. Vorteil für die Großen und jedenfalls kein Nachteil für die K^Man wirb uns erlauben, unter diesem Gesichtspunkte alle die neuen Zeitschriften zu begrüßen, die als literarisches Produkt aus der weitverzweigten Kinderkunstbewegung hetvorgegangen sind. Ta gibt'es Wilder mit Familienleben, Lithographien mit Sonntagskindern, Madonnen und Rübezahle, Brunnen und Schaukeln, Kinderzimmer und Engel, die aus Gießkannen regnen, Marchen- silhouetten und Tierzeichnungen, rustikale Stickereien und Buchstabenbücher, Photographien, illustrierte Erzählungen und die famosen Spielzeugfiguren der Dresdener Werkstätten, aus denen sich die Arche Noah, die Schwarzwälder Mühle, ein Dorfidyll mitsamt Automobil, das Märchen von Hänsel und Gretels ein ganzes Theaterstück zusammensetzen läßt. Wie reizende stilisierte Tiere haben diese Kinderkünstler geschaffen, wie nette Dampfschiffe und Segelboote und Rokokodamen. Das Plakat brachte einst die gesamte Wirklichkeit aus eine Reklame spräche, bie bie innersten same Zerstörung Ihres Weinberges nicht Don meinet Seite aus veranlaßt worden ist. Ich weiß, man hat versucht, es hier und da so zu deuten — sogar die Polizei hat bei mir Recherchen veranlaßt, vielleicht auf Grund irgendeiner Denunziation. Ich habe aber schon am selben Tage, da ich von dem abscheulichen Streiche hörte, Inspektor nachsorsch " sich an der Roheit b 696 versteckratsel. Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgend«, Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in .Wanderer'. Marienwerder — Feuerversicherung — Gründerperiode — Ohnmacht - Ardennen - Stoftrester — Rosenstrauß — Studienfreund — Zielen,ig - Regenwasser. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wer mutterlos die Kindheit hat verbracht, Zur Jugendzeit gekühlt der Armut Macht, Und wem in seinem Alter fehlt der Sohn, Dem ist das Leben, ach, umsonst entflohn. Ersparnis an Heizmaterial. Deim wie die „Schutz-Luftschicht" denl Eindringen der äußeren Kälte wehrt, so hält sie auch selb sh, verständlich die Wärme in der besten Weise im Zimmer zuruck. daß wiederum der Keim durch das Tier auf die Hände einer I anderen Person gelangt, wonach deren Erkrankung nur noch von I einem Zuiall abhängig bleibt. In einer amerikanischen GrogNadt j ist kürzlich ein Gesiindheilsbeamter in BerückNchNgimg dieser Lat- l fachen bei einer Pockeuepidemle so weit gegangen, die Lotung I sämtlicher Hunve und Katzen in der ganzen Stadt zu fordern. I Tas hätte nun allerdings kaum einen Zweck gehabt, denn man I hätte ja aus den gleichen Gründen auch die Kühe und Pferde I töten müssen. Der Gedanke war aber durchaus nicht neu. Ler I berühmte Bakteriologe P a st ent war in seinen Maßnahmen zwar I weniger mörderisch, aber ennemte aus seinem Hause doch alle I Haustiere, einschließlich der Vögel, weil er bet Semen oteleu I bakteriologischen Untersuchungen eine zusalltge Krankhettsuber- I tragung durch diese Tiere befürchtete. Am besten wird man sich I freilich dadurch schützen, daß es Kranken zum Gebot gemacht wird, I während der Zeit ihres Krankseins die Berührtmg mit Haustieren | zu veriiietdeii. • Geprellte Theaterdi r eck toren. Eine ganze Reihe bekaiinter Londoner Theaterdirektoren haben ,etzt Gelegenhett. sich in ihren Direktionssessel zurückzulehnen und nachzngrubeln. ob ,ie Wohltäter der Menschheit sind oder nur die naiven Opfer eines schlauen Tricks. Anr Samstag abend spielte sich am Sch ußder Vorstellung im Vorra nm eines Theaters an der Shaktesbury I Avenue eine kleine Szene ab. Der Direktor stand m sorglosem Geplauder mit einem Kollegen von einem benachbarten Kirnu- I institut und schaute mit vergnügten <5innen auf d>e Lchar der Besucher, d,e nach ihrem Kunstgenüsse das Theater verlietzen. plog- lich sah man eine hübsche und geschmackvoll gekleidete Dame mtt einem reizenden Toque an den Billetschalter herantreten; m den anmutigen Zügen las man Kummer, Sorge und Verlegenheit, und flüsternd gestand fie dem Kassierer: .Ich bin in emer unangenehmen Lage, ich muß oben im Rang mein Portemonnaie verloren haben, tarnt nicht eüi Logenschließer einmal nachsehen?' Man verständigte I den Direktor, der verbeugte stck mit der ganzen pilisberettschaft eines Bewunderers des schönen Geschlechts vor der Dame. .Aber, I gnädige Frau, ich werde sofort nachsuchen, bitte nur einen Ungen« I blick Geduld!' und schon war der galante Direktor mit Riesen- I schritten enteilt. Ter Kollege, mit dem der Direktor sich vorher unterhielt, hatte die Szene nicht weiter beachtet; nun aber fiten et beim Auk- und Abgehen mit der jungeit Dame zusammen, ein höfliches Lächeln des WtedererkennenL huschte über seine Züge, und mit eleganter Verbeugtntg grüßte er „Guten Al end, gnädige tzrau l" Aber die gnädige Frau erblaßte, machte Kehrt und ivmc etnen Augenblick später den Blicken entschwunden. 9iad> einigen Minuten tarn der eine Direktor ivteder zurück: nun stellte sich heraus, daß die Tarne bei dem Kollegen just am Tage vorher dasselbe Malheur gehabt und von dem galanten Direktor sieben Schilling erhallen halte, damit „gnädige Frau mit einem Automobil nach Hause fahren könnten". Telephonische Verstand,gunaen mtt anderen Theaterdirektionen brachten die überraschende Kunde, daß die Dame jedenialls eine eitrige Theaterbesucherin war, denn in den letzten vierzehn Tagen hatte sie in einer ganzen Reihe von Bühnenhäusern oben im Rang" ihr Portemonnaie verloren und von den liebens- f würdigen Direktoren überall das Fahrgeld nach ihrer stets schrecklich abgelegenen Wohnung erhalten. * Doppelfenster. Das „Prinzip des Doppelfensters" läßt sich kurz erläutern: Schutz gegen die kalte Lust durch eine Zwischenschicht von — Luft. So paradox das klingen mag, es ist buchstäblich richtig. Viel mehr als Glas und Rahmen der beiden Fenster selbst schützt gegen das Vordringen der kalten Außem- temperatur die zwischen den Fenstern erngesperrte Luftschicht Die Luft ist nämlich ein schlechter Wärmeleiter und sie gibt demzufolge die Temperaturveränderungen nur sehr langsam weiter. Interessante Experimente über den wirflichen Kälteschuh der Doppelfenster stellte insbesondere der bekannte Naturforscher »enrt Dufour in Genf an; er kam dabei zu folgenden Ergsttnissen. Betrug die Temperatur der äußeren Luft z. B. minus 7 Grad, so hielt sich die Lustschicht zwischen den Fenstern auf plus 5 Grad, die Temperatur im geheizten Zimmer auf Plus 14 Grad. Wettere Ergebnisse waren: Aeußere Lust minus 3,8 Grad, 5 Grad, 8 Grad; Temperatur int Doppelfenster Plus 3 Grad, 2 Grad, 0,7 Grad; Lust im Zimmer plus 13,5 Grad, 15 Grad, 14 Grad — die Schwankung also nur IVi Grad. Diese Ergebnisse änderten sich selbst bei starkem, das Doppelfenster treffendem Nordwind nur unwesentlich. Wurde dagegen eines der Fenster entfernt, so sank mit dem Fallen der äußeren Temperatur auch die Temperatur jnt Zimmer sehr rasch, z. B. einmal innerhalb von 8 Stunden um volle 7 Grad. — Man hat nun eingewendet, daß Doppelfenster für die Gesundheit nachteilig seien, da sie die Ventilation behinderten. Damit ist es nun nicht so schlimm bestellt. Selbst verhältnismäßig dicke Mauern lassen eine Ventilation infolge Durchdringens der Lust in noch weit höherem Maße zu, als gemeinhin angenommen wird. Sodann ist ein zeitweiliges kurzes, dafür aber völliges Oeffnen der Fenster als Ventilation jeber anderen Methode vorzuziehen. Die Anwendung von Doppelfenstern aber bringt, abgesehen davon, daß sie eine stets gleichbleibende und daher für die Gesundheit zuträgliche Temperatur des Zimmers gewährleistet, den nicht zu linterschätzenden Vorteil einer großen vücherttsch. — Neuerscheinungen der „Bereinigung, ae« Kunstfreunde". Reich und mannigfaltig, wie in jebem Jahre, ist auch diesmal die Liste der Neuerscheinungen, so daß -ede.Geschmacksrichtung, jedes persönliche Kunstempfinden bann seine Rechnung finden dürfte; 29 Blätter — und zwar durchgängig Wiedergaben anerkannter Kunstwerke allererster Meister — werden den Mitgliedern in diesem Jahre geboten und zwar in lener allem von der „Vereinigung Ider Kunstfreunde" erreichtet« Farbentechnik, die dem Laien das Unterscheiden zwischen Original uw Wiedergabe fast «zur Unmöglichkeit macht. Besonders zahlreich und abwechselungsvoll sind die Meister der L a nd sch ast %• mal er ei berücksichtigt, von der chavakterijksche Beispiele geboten werden. So ist Oswald Achenbach mtt dem schönen . „Gols von Neapel" hervorragend gut vertreten. Ebenso typisch und farbenecht ist die Bachmühle des Andreas Achenbach. Von Ludwig Richter, dem uns durch setn« Zeichnungen und Holzschnitte jo vertrauten, gemütvollen Schck- derer deutschen Landes und deutschen Volkes, wird eine seh« charakteristische, etwas romantisch anmutende, sonnendurchlenchtebS Landschaft gebracht, an der sich wandernde Pilger an einer steinernen Brunnensäule, unter hundertiährigen Linden zu erquickender Rast niedergelassen haben. Als Gegensaß zu diesen Landscl-astsbildern wirkt eine öde, felsblockübersäte Strand Partie der Insel Rügen, in der der Düsseldorfer Meister Eugen Dücker das Gefühl absoluter Einsamkeit urch menschenleerer Unendlichkeit festzuhalten gewußt hat. — Carl C. Schirms „Sonnige Heide" überra cht durch die hohen malerischer Qualitäten, mit denen eine an und für sich unscheinbare Landschaft zu großer poetischer Wirkung und reizvoller Stimmuwgl gesteigert erscheint. Vor allem aber sind es auch unter den diesjährigen Veröffentlichungen der Vereinigung wieder dre Nach, bilbtmgen Böcklinscher Gemälde. Noch vor kurzer.Zeit toürbe man es für eine Unmöglichkeit gehalten haben, die phanbastisch- schillernden, märchenhaft bunten und feenhaft verträumten Farben Böcklins in all ihrem Prunk, Duft und Zauber so origmalgetml wiedergegeben zu sehen. Wieder sind es e l s W e r k e des Meisters, die den Mitgliedern der Vereinigung in diesem Jahve Mr Wahi gestellt werden, so daß — Msammen mit den früheren Beröffent» lichungen - bald das Gesamtschafsen Böcklins - tn seinen Haupt- schöpfungen wenigstens — vollständig tiorhegen durfte Es ftnv bies: „Villa am Meer", „Schweigen im Walde , „Anachoreten", „Zentaur in der Schmiede , „Tritone n f a m il ie", „Die Mandolinensptelerin , „Berit as" und „Pan erschreckt einen Hirten seien nur kur» erwähnt. Das Gebiet der religiösen Darstellungen eröffnet gleichfalls ein BöcklinscheS Gemälde, nämlich die berühmt« I g I Bon Fritz von Uhde sehen wir,ein Werk der Wiener Gv- mäldegalerie „Weib, warum weinst du?" als äußerst be- i zeichnende Probe Uhdescher Kunst. Aber m dem Bestreben, ledern etwas zu bringen, hat die Vereinigung der Kunstfreunde auch an die Anhänger einer humorvollen Genremalerei gedacht r Claus MeyerS „Lustige Musikanten" und Karl Kr on b er g e rs „P ri se". Von Fritz Auw v. Kaul b ach liegt ein Blatt, „Kinder im Früchtekranz", drei allerliebste Kindern typen, vor und Anhänger des Waidwerks werden an einem! Brunsthirsch" und „Rehbock" des beliebten Tiermaler« Carl Friedr. D e i k e r ihre Freude haben. Den Freunden vaterländischer Malerei endlich dürfte ein Gemälde von Ge o r g S ch ve- | Bet willkommen sein, das Friedrich den Großen im Gesprächs mit Voltaire in der Spiegelgalerie des Schlosses von Sanssouci! darstellt. So läßt es also auch die diesjährige Veröffentlichung der Vereinigung der Kunstfreunde an Mannigfaltigkeit nicht fehlen« I Um aber auch den Verehrern der Schwarz-weiß-Kunst noch etwas Besonderes zu bieten, bringt die Vereinigung in diesem Jahre zum ersten Male noch vier Gemälde in einfarbigen Heliogravüren, Zwei Gemälde von Hermann Koch, „Hangen und Bangen'' und „Im Torgarten", Ludwig Willr oider, „Miesenbach" unä | Weder M ousted, „Waldteich". Redaktion: K. Neurath. — Rolationsbruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und ©teinbruderei, R. Lange, Gießen.