mo Donnerstag den 7. Juli fI Das schlafende Heer. Roman von Clara Biebig. (Soi'tfebiing.) (Nachdruck verboten ) «... - ... . 7. ..r TreükKwski.Hatte cheut viel zu tun, darum war f,hJt.ntori;C!' Weib, das gegen sieben Uhr früh ihn wrcken kam, ward angeschnauzt: wie, war sie toll, mitten in der Rächt sollte er schon aufstehen?! Darin ähnelten er und seine Tochter Stasia sich, sie schliefen beide gern bis in den hellen.Tag. . Gähnend walzte der Mann, der noch in den besten Jahren war, fernen starken Wrper und drohte seiner Jozefa, als sie zum zweiten Mal unter der Tür erschient *,ut bem Revolver, der immer geladen am Haken über dem Bette hing. Er riß ihn herunter und legte auf sie an. Mit lautem Aufkreischen entfloh die Geängstigte, er aber lachte dröhnend hinter ihr drein: das war einmal ein seiner Spaß gewesen, so gut wie lange keiner! Verdammt, daß der Schnee auch dieses Jahr schon so früh gefallen war! Daß sie alle zusammen eine Ladung Schrot an die Beine kriegten, diese Sonntagsjäger, denen zunöb er heute so früh aus dem Bette mußte ! Hörster Zrelikowsli machte sich sein Amt nicht schwer, J^e ift uvch ein paar Jagdbnrschen unter sich, den Feldschütz und auch noch einen Waldhüter —• mochten die sich doch plagen! —; aber heute galt es zu repräsentieren. Seine Frau, die soiO nicht gerade die pünktlichste wag, hatte heut schon alles zurecht gelegt; sich duckend vor der schweren Hand, die an solchen Tagen immer bereit wart rnederzufalleu, half sie ihm in die beste Montur. Er sah sehr schmuck aus, fast vornehm) in fernem grünen Jägerrock mit den Hirschhornknöpfen, auf den der noch nicht üngegraltte, rotblonde Bart laug herabhing, in der Mitte Seine stämmige Figur aufreckend, trat er endlich Vordre Tür. Da harrten die Treiber, alte Männer und halbwüchsige Buben, schon seit ein paar Stunden; „beim ersten Tageslicht" war ihnen anbesohlen worden. Am Rand der Sumpfwiese, die sich vom Waldsaum gegen die Flur zog, lungerten sie in Trüppchen; es hatten sich ihrer welche, trotz der Kälte, Platt auf die Erde gesetzt. Gern hatten sie eirr Feu-erchen angemacht — trockenes Reisig lag genug: herum — aber sie fürchteten den Förster. So hatten sie sich nur an der.Schnapsflasche gewärmt. Ein schneidender Wind ging. Wenn er ein paar Augenblicke gerastet hatte, nahm er die Backen doppelt voll und pustete über die Leere der Mecker. Schnee flog, dessen Mocken hart waren tvie Eis. „He, he!" schrie Frelikowski und klatschte in die Hände: waren sie alle da? Er ließ zählen: wie viel Stück? Ein Jägdgehsi'fe trieb sie, immer zehn und zehn, an ihm vorüber. r Hehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, siebzig, achtzig, neunzig — so! Das waren ihrer nicht zu viele, der Kessel war weit, sie würden tüchtig rennet« müssen. „Hundeblut, was lungert ihr?! Soll ich euch Mine machen? Dales, dalej! lind die Mäntel ab! Das wäre so was, Hasen drunter verstecken! Diebsgesindel, verfluchtes!" Mit scheuem Blick, die Mantel abwerfend und den Kopf ztvischen die hochgezogenen Schultern duckend, passierten die Treiber. Unter ihnen war auch die Ciotka. Ihre Hütte war eiskalt, im Krug gab's keinen Schnaps umsonst, Lustbarkeiten, bei denen man der Baßgeige bedurfte, waren jetzt rar — warum sollte sie sich nicht die paar Groschen veri dienen?! Sie hatte dem Förster Frelikowski wohl zehnmal bittend und winselnd den Rockzipfel gefügt. Run flog ihr armseliger Lumpenrock — ihren Mantel hatte sie abtun müssen — frei im Wind. Einen alten ^chalsetzeii hatte sie über die Haube geknüpft, darunter glühte ihr pockennarbiges Gesicht, auf dessen klobiger Rasa eine Riesenwarze hockte, in blaurotem Feuer. Mn paar Kesseldeckel batte sie mitgebracht, rasselnd schlug sie diese zusammeil: bas war Musik, die die Hasen schreckte. Die Alte war fett, trotz ihrer Armut. Frelikowski hob den stiefel und gab ihr lachend einen Tritt gegen die breite Kehrseite. „Da hast du einen Gruß, Alte, von deinem Liebsten mit dem Pferdefuß!" Meckernd nahm sie den Spaß auf. Wenn sie trunken über die Dorfgasfe trudelte, die ganze Jugend mit Ge- ivhle hinter ihr drein, regnete es noch ganz andre Späße, ,,Sehe, der Herr Förster," griente sie, „Panie Frelikowsksi ich falle zu Füßen, Hetze!" Sie schielte ihn an. „Schönes Herrchen mit dem schönen Bart, Ziegenböckchen, lv-ilM du mit mir tanzen?! „Podkoziolek, schönes Herrchen, Mußt du geben, mußt du geben" ~ begann sie mit überschnappeuder Stimme zu üräheu uB die Deckel zusammenschlagend, sich tvie ein Kreisel vor sinn herumzudrehen. Seht, die Ciotka war am frühen Morgen schon vollk Die Manner lachten. . , Des Försters Hunde, die hinter ihrem Herrn herliefen, fuhren ihr an die Waden, über die die blauen Strümpfe halb hernntergerntscht waren. „Apport! Faß - kß, « kß!" Mit wütendem Gebelfer faßten die Tiere den verlumpt ten Kattun des armseligen Rockes zwischen die Zähne. „Dann wirst du das ganze Jährchen Ohne Armut glücklich leben!" sang die Ciotka und sprang immer toller und schlug ihrs Becken. Tie Teckel, die nicht losließen, schleifte sie mit sich im Kreise herum. Ter Förster hielt sich die Seiten. Schon hundertnüch hätte er's erlebt, daß sie tanzte, bis sie umfiel, Mr ßg — 414 — Ferrit. — * :fe Furchen und legte den ße Nase; wenn der Freli- Erlebnisie eines heW im spanischen Aldzug. Ein Freund unseres Blattes hat uns das Tagebuch seines! , Oheims, der den spanischen Feldzug in dem Regiment Große i und Erbprinz mitgemacht hat, zur Verfügung gestellt. Regiment u ar auf französische Anordnung aus der Brigade Groß- und Erbprinz vor dem Uehergang über den Rheni s gebildet worden, uttd zwar mit 23. August 1808 auf dem Felde bei Groß-Gerau. Die Führung des Regiments, das! [' über 40 Offiziere und 1630 .Unteroffiziere und Mannschaften den schlechten Zeiten! Er seufzte und sah bekümmert in die lviutergraue Weite. Gar keine Aussichten mehr! Bor zwanzig Jahren war's anders hier gewesen und vor fünfzig erst, recht. Ta waren die „Faktors" gefahren von Gut zu Gut, und man hatte sie in die Stube geführt und hatte sie auch wieder hinausbegleitet und hatte ihnen die Hand gereicht. Kein Kaudelchen war gemacht worden ohne einen jüdischen Mann, kein großes und auch .kein kleines. Jetzt besorgten sie's alle alleine! „Ei weih!" Ta Ivar die Madatne Kestner auf Przy- Korowo, eine reiche Dame, eine vornehme Dame, aber handeln konnte die — Gott soll hüten! Die redete mit1 einen Groschen und um ein Biertelpsündchen, was am Gewicht fehlte — nein, um zehn Gramm stritt sie, als ging's mit einen Ochsen! Löb Scheftel seufzte tief und fuhr sich mit dem Aermel des Flanschrocks unter der schnüffelnden Nase her: es war ein Elend mit der Konkurrenz! Und daß dem Leiser Hirsch, seinem Schwiegersohn, dem einzigen Warenhaus- Inhaber im Städtchen, sich jetzt auch noch einer aus den Hals aeseßt, der eine große Spiegelscheibe int Ladenfenster hatte und Nepomuk mit Bornamen hieß, wie der Heilige, zu dem sie hier beteten, das war gär nicht zu verwinden. Ehe der seinen Laden eröffnet hätte, war der Herr Propst um den Ladentisch geschritten und hatte feinen Segen gesprochen und mit dem Weihwedel die Wände angc- spritzt. Wer konnte da noch tonturrieren?! Und war auch her Kleiderstoff bei Leiser Hirsch drei Groschen billiger, der Kaffee das Pfund fünf Pfennige billiger, der Sirup süßer, das Petroleum heller, der Schnaps stärker, der Hering salziger, kostete die Hose auch nur einen .Spott- Ein schlimmer Tag war es heute für die Hasen von Chwaliborczyce. Löb Scheftel- der in respektvoller Entfernung von der Schußlinie mit seinem Wägelchen hielt, sagte zu Isidor, seinem Sohn: „Gott soll hüten,'ich rechne gn die zweihundert! Was rechnest du?" „Bin ich allwissend?!" Der Sohn zog die Schultern hoch. „Wer' ich der schon sagen wieviel, wenn ich wer' gezählt haben de Fellcher!" . Löb Scheftel hatte sich eingefundcn, lveil er ein Ge- fchäft zu machen hoffte. So viel wußte er, hätte er vorher um die Ehre ersucht, von den zu erlegenden Hasen welche erhandeln zu dürfen, wäre er rundweg abschlägig beschieden Wörden: der Herr von Chwaliborczyce machte keine Geschäfte mit Juden. Aber sein Förster nahm's nicht so genau. Nun, und was wußte denn der gnädige Herr davon, ob fünfzig Hasen mehr oder weniger an den Wildhändler Jauis- zewSki nach Posen abgingen?! Scheftel zog die Stirn in tiefe Furchen und legte den Zeigefinger bedenklich an die große Nase; wenn der Freli- kowski nur nicht gar so teuer mit seiner Ware wäre! Wer konnte dann an einem Hasen noch etwas verdienen bei preis, verloren buch die Kessel nicht gleich die Böden und, die Kärtoffelhacken nicht gleich die Stiele, sie liefen doch! alle zum Nepomuk Wisniewski, denn der Herr Propst hatte gesprochen: „Kauft bei dem!" . „Isidor," sagte Löb Scheftel und kraute sich nachdenklich den spitz zugeschnittenen, von den Ohrläppchen in! schmalen Streifen nach dem Kinn ziehenden Bart, „wirste sehen, wird er mir nich verkaufen die Hasen, nich einen! einzigen. Wird er mer nehmen so hoch, daß es geht über meine Kraft. Nix mehr zu wollen, nix mehr zu handeln! Seit der Herr Probst hat's Geschäft eingeweiht, können! wir gehen mechulle." vv, . „Nu, mer hofft doch!" Der junge Mann blickte seinen Pater verweisend au. „Wenn du tust deinen Mund immer zum Bösen auf! Ich zieh nach Posen, ich wer' mer nich! ärgern hier alle Tag!" , „Gott soll hüten, in die große Stadt?!' Aengstlichs sah der Alte seinen Sohn an, als wollte er ihn mit den! Augen festhalten. , m , Mer Isidor lachte. „Bin ich 'n Schlennehl?! Werden! se mer anfesscu, de Posener?! Wer versteht's Geschäfts, kann d!a machen auch seins. Ich bin nich meschugge, es, fällt mir nich ein, zu warten, bis der Propst! auch wirii weihen 'nen Fleischer. Daun werden se dem verkaufen, 's Rindvieh, und du kannst wieder laufen nach Hasenfcllcher!" „Tu du deinen Mund nicht MM Bösen auf!" Ganz, erschrocken duckte Löb Scheftel den Kopf zwischen die Schultern und hob abwehrend beide Hände: „Gott der Gerechte wird's nicht leiden, daß er mer ruiniert auch mein Geschäft! Soll mer jedes Pfund Fleisch auf die Seele brennen, was ich je hab' zu spitz gewogen!" „Nu nu!" Isidor fing leise au zu pfeifen, und danU machte er eine weite Handbewcguug: „Ich wer' der sagen', Vater, mir is es miet) in Posen zu eng. Ich wer' lieber gleich ziehen nach Berlin. Da kann mer inachen noch e besseres Geschäft. Und wenn ich heirate 'ne Frau nnb Mesummes, wer' ich der lassen kommen nach. Nn meine Söhne wer' ich lassen .studieren Rechtsanwalt!" „Wie heißt?!" Der Vater sah ganz! verdutzt drein. „Du wirst heiraten 'ne Frau mit Mesummes?! Tu, dem LM Schestel sein Sohn aus Miasteczko?! Tu wirst.studieren lassen de Herren Söhne Rechtsanwalt?!" I „Nu, mer hofft doch! Nu, un waruiu nich?! Der junge Mensch mit dem intelligenten Gesicht lächelte siegesgcwiß. „Was ich jetzt noch nich kann, werk ich schon lernen nach und nach. Was meinste, bin ich der erste, der zieht nach Berlin? Der Naphtalt Cohen, mit dem ich hab'' aus der Schulbank gesessen, und mit dem ich hab' Makkes gekriegt von den andern Jungens der soll schon gehen an de Börse für eigne Rechnung^ Und der Salomon Jtzig, der gewohnt hat zuerst In der Straße, die se heißen Rosental, die aber teius is, der jvvhnt jetzt im Tiergarten, soll fahren auf Gummi und hat I 'ne Frau aus ’n er seinen Meschboche. Bin ich n Ehanrmer- I daß ich soll bleiben noch länger in Miasteczko?!" ; 1 " , Isidor" — der Alte sah ihn an mit. einer gewissen! Bewunderung - „du bist 'n Chochnm! Tu hast recht, j 's Geschäft ist zu mies!" Er gähnte mit) horchte danm „Gott der Gerechte, se knallen noch immer! Was I nieiiiste, ob er mer wird lassen de Hasen zu zivilem Preis?!" „Nu, mer hofft doch!" sprach Isidor. _ . Dann schwiegen sie beide und harrten fröstelnd. Es war sehr rauh geworden. Den ganzeii Tag halte I sich keine Sonne vorgewagt, jetzt mit Nachmittag kam die I Dämmerung noch früher geschlichen als sonst. Wie ent I Rauch stand die Luft über den Feldern. Ter Atem der Kälte legte sich über den Waid in zuckrigem Guß; das! I struppige Kieferngebüsch am Rand zeigte jede Nadel besetzt I von weißen flimmernden Härchen. (Fortsetzung folgt. komisch luie heute mit den rasselnden Deckeln und den Hunden, die ihr am Rock baumelten, hätte sich's noch nie Ungesehen! „Haha, hoho ho!" Er feuerte sie noch an: „He, Ciotlä, dälcj! Tanze, mein Täubchen, tanze! Faß, mein Hündchen! Ei, schönes Hündchen — faß, kß, kß, kß!" Und die Hunde belferten und verbissen sich von neuem, schäumend vor Wut, in die flatternden Röcke. Tie Fetzen flogen, die Ciotlä quirlte herum, immer toller, immer wilder, wie behext, wie besessen. „Podkoziolek muht du geben — mußt du — geben " Ter Atem war ihr ausgegangen, keuchend lallte ne nur noch abgerissene Worte. Pardauz, jetzt lag sie da, die Breite Kehrseite in die Höhe gereckt. Tas Lachen .der Männer stieg wie ein Brüllen zum winterlichen Himmel, „Will sie wohl aufstehen, psia krew!" Ein Tritt und ein Zerren brachten das Tantchen wieder auf die Beine. Bon fernher war jetzt ein Rollen gekommen, ein Dröhnen über holprigen Sturzacker. Aha, da waren schon die ersten Jagdwagen! „Wollt ihr wohl das verdammte Lachen las,en, chr Hunde! Schweine! Achtung, aufgepaßt!" Mit abgezogeitent Hut, respektvoll zur Seite stehend, die Brust, auf der die Kriegsmedaille und das eiserne Kreuz von 1870 prangten, vom langen Bart überwallt, begrüßte Förster Frelikowsli die Gäste seines gnädigen --S 415 Verfügte, übernahm Oberstj Freiherr v. Leb ehur. Einen > nun diese Mer das Verdeck, daß sie WZ nicht stören konnhe.i Teil der meist traurigen Erlebnisse, die das Regiment in I Das erste war nun, die drei Anker, mit denen das Schiff angeankert! dem Feldzug machte, schildert das Tagebuch cm den Schick- war, cm stech zu lassen Der Wind war uns günstig imd ging salen des Jost Freund von Men-Buseck in den folgenden M°n «?' Ä Je Jen* feilen. Wir haben daran nur insoweit Aenderungen vor- I Das Schiff stellte sich auf eine Sandbank und blieb hier stehen.: genommen, als es bie Verständlichkeit erheischte, und uns I Das war für uns ein großes Unglück, denn wir hatten noch l1/?1 auch Dabei — irv es augeng — lediglich aus eine Verschiebung I Stunde bis ans Land. Jetzt richteten die, Spanier ihre Kanonen! der Satzzeichen beschränkt, um die Urwüchsigkeit des Aus- I puf unser Schiff und jeder Schuß traf. Nun hatten wir zu druckes in keiner Weise zu verletzen. Fost Freund schreibt: I sorgen, daß das Schiff nicht in Brand geriet. Die Franzosesns , ~ , , „ . v. ~ I kamen mit kleinen Nachen, um uns zu retten. Bis gegen abend! Die Erfahrung aus dem unglücklichen Feldzüge gegen Spanien I)Qttert löir 200 Tote in unserem Schiff liegen. Die Gesunden ans den Zähren 1808 bis 1811, welche ich erlebt habe. I hatten sie zum Abholen geschickt. Unser Glück war, Miß die Spa- Jch, Jost Freund von Alteu-Buscck, war zum Militär ein- nier die Nacht über nicht mehr schossen. Ich mußte als Kranken getreten im Jahre 1807 im Alter von 18 Jahren und! wurde auf den: schifte liegen und konnte mir mcht helfen, ich verbarg, 1808 dem Regiment Groß- und Erbprinz in das 2. Bataillon mich im.Verdeck. Da kam eine Kaiwnenkugel.und schftig gegen ,1. Kompagnie Herrn Hauptmann Königer als Füsilier zugeteilt, I den Mastbaum, so daß nur em strick Holz das Bem zerschmetterte^ Md hatte das Los, gegen die unglücklichen Spanier in den Krieg I 'wußte ruhig liegen blechen,. 6u deir anderen ^.ag mittags zu. marschieren. Am 10. August ging unser Marsch über Mainz I die Nachen kamen und die Franzoien uns holten Auf den Härmen durch Frankreich nach Spanien zu, und anr 4. Oktober waren wir bm rch hmanfgekommen Mch habe gewartet, bis wieder em Nachen bis Bajonne, der letzten Stadt Frankreichs, cm der Grenze Spaniens I kam, ich erhob mich und stürzte muh ui ihn. .®«rumere Wat ettj marschiert. I Deutscher, der sprach : „Junge, setze dir hier bei mich! , Es waren Am 5. Oktober sodämr marschierten ivir über das hohe Gebirge I sechs an der Zahl, die in dem Nachen saßen, und so ging es dein der Pyrenäen bis an das Hauptlager und Vorposten der Spanier. Lager zn. Zuletzt konnte nicht mehr gefahren werden, weil das Am 8.- Oktober kamen wir ins Gefecht und marschierten vorwärts I Wasser den Nachen nicht mehr tragen konnte. M tz"^m Mi ss bis vor Bilbao; die Franzosen waren schon in Bilbao eingezogen, I der Deutsche auf den Nucken und trug mch vor das L g x-i und wir standen vor demselben im Lager. Des anderen Morgens I ÄH lag hier halb tot imd sah, wie dmFrans0ie>i. die Omni i > ging es durch Bilbao vorwärts, zwei Stunden weiter war das I Verwuiideten und Kranken aus demPlockschiffeherausholtrn,, .■ Städtchen Reinosa, welches von den Franzosen in Brand gesteckt I Ich war so entzückt, daß ich noch an Emen Fremr Fr 1 « worden war, weil die Spanier int Jahre 1807 durch Retourmarsch I Der hatte ferne 9tdBeoacki"^ina^äbü die Franzosen mit kochendem Oele überschüttet hatten. Hernach I unten un Plockschift und war totlrank. Als ich ««) H ltz hatten wir keinen weiteren. Widerstand mehr, und in 4 Tagen I Wer Kunden im Lager war, sah sind wir in dem höheren Gebirge vorwärts marschiert bis nacy I stand es m Hellen ^^''Istw"h,'ahmeinen ^reundF . der Stadt Valencia. Da kamen wir aus dem Gebirge in einet Wammen verbrennen. Ware ich M sehr schöne ebene Gegend, alsdann haben wir noch 4 Tage mar- I Schiff geblieben, dann >v>,rde mich easselbe Los b N ). «, schiert bis nach der Stadt Segovia, hier kamen ivir nun ins I Es waren auf unserem schim noch niigc,ahr c m cm i Winterquartier/ Im Jahre 1800 kam ich ins Hospital zu Segovia. Monat Dezember porigen Mhres Es kamen nur noch Zwei Monate lag ich da .krank und nachdem ich wieder gesund I Maim, hMen, mit dem Leb • | war und aus dem Spitale .kam, wollte ich meinem Regiments I "udereu MmgaiS kan^u^ ms ÄW«. w« f 1 en u , . Nachfolgen, tvelches an die Grenze Portugals marschierte. ! krank und.verwundetwar, nach der ^-tadk,Lt. ), ,,-ji Sechs Stunden von Segovia, in einem Orte namens Soca-Dover, I schon vorbereitet war. >'w.^vsvttal war g U 1 kämm wir des abends am 27. April an, wir untren 20 Mann ttMtmem ataffet ^mt,MftttS^pmw^un8au0a^^ juitä ein Korporal namens Brenkmann. ■_ In dem Ort war noch I wir wurden gereinigt, iwin w ein bann S ~ ) Oll 8 * ein Kommando vom Regiment. Den anderen Morgen mußten | Mren Mckt. ^b^nn Sv - hgrae»! wir mangels an Lebensmitteln auf einen anderen Ort mit Namen | Bett Mkwlesen und unsere a . Ivurde 'für uns arm« Gocka-Neuba marschieren, um Lebensmittel zu holen. Kaum ivareir I lcshe .Uccdimg eif)ulten nu. j JSl . .„L.. lmK nka wir eine Stunde im Orte, so ivar es umstellt von '300 Macht «ÄrteHt ffsierttfiflBr mufiß Insurgenten nebst einem Kommandeur, Namens Medieo, und! ^ ^ s^r Kr icke i mrickicren^vier Wocheii ivar ich iin Hospital wir gerieten in Gefangenschaft. Der Jnsurgenten-Kommandcnr sch mr e ner Krückemar icheren, ver WEN war rm ■ 'S Lfeln'Ä'Utte Ä iulmmbiÄS ’ä wärts^um'WnÄia^U Sin fynfui9cntc,l'Son’mnnbcui nti I gut? Malaea-Wciir hatte mich wieder gesund gemacht *”dr§ 61«« «in« m- in d°° Tasche. Ei,.« .Ä'ÄÄl* d« änsnraente« iaallte s.e ihm nehmen. Schnur «tet VMHU I ™ ,0]„cn |U,r „ach Andnga, von da nach Karosime, sich, die Uhr abnehmen zu lassen, worauf ihm der ^usurgeiit den I Karolina nach Bajelina, welches die letzte Stadt von Andas-. Kopf,aufhieb. Als der JnsUrgenteit-Kommandeur dieses erfuhr, er- I . ... * foenui(6 kamen ivfr durch die Schwarzberge nach derj kündigte er sich nach dem Täter und erstach ihn mit seinem I ~, . ->■ . „..r... Ppgiment stand Wie freute ich, mich/ Schwerte, auch UOf ihm -wS eine Kugel in den Kopf, sft.nf Eage, datierte unser Transport bis Rodrigo, einer ^fftnng. Bon I t flCWetett- ,„,tz hatte die unglückliche Gefangenschaft erlebt« Rodrigo aus wurden wir vom ..lcilitar begleittt, um von den I Neider konnte ich nicht eintreten wegen körperlichen Gebrechens« Spaniern selbst. Nicht Mißhandelt ztt werden. Der Marsch ging I — «eftiment marschierte indessen aus nach Badajoz, wo ich mich durch Portugal nach Patagos, Von da aus wurden wir trans- ftXWMrf in das Hospital zu Toledo, dort Iortcert bi» Sevilla. .. , ■ t™ ■ , *v~.• I mürbe mir vom Arzte ein Schmu ansgrfertigt als untauglich znnt n„ Von sevilla hatten ivir noch sechs stiinden bis Portc-^ainte- I cMlitärdienst. Die Marschroute wurde bis Bajonne ausgefertigtl Marie, hier wurden wir eiitgeschifft und tourtien nach Gadiz auf I ;;..k m mJ «hip wurde sie mir durch Frankreich bis in meinck , I । r i tcfin cb:, iy,.. ...c I Heftnat MsgesersigtSo hatte ich iiun meine Heimat wieder erreicht/ waren; ailf scdem Schiffe, lo00 Mann. Dre Oftmme wurden auf I ® g tiic(c Lebensgefahren in dem spanischen Kriege durchgemacht.: ein Extraschiss geladen, sie erhielten Mch bessere Pflege als wrr I a((= !vLr ftin ]8 Upril 1809 in die Gefangenschaft der In-. gemeine Soldaten. Durch die große Masse Kriegsgefangene ivar I s^g^cn gerieten, waren ivir 21 Mann, und sind nur drei Mannj sehr ost Not; einmal an Wasser, das andere Mal an Brot, oftmals I ^cni vv(1flI au§ der Gefangenschast herausgekommen^ ■ fehlte alles. Alle ziver Tage wurde Ärot. gebracht und alle ~. «was d»>». w«,m — 416 — eZ seinen Lieblingett dort noch schlechter als im Zimmer ergeht. Tatsächlich sind für Balkons in Durchschnrttslagen Nur recht wenige Pflanzen wirklich geeignet! Lnfr und Licht genießen die Balkonpflanzen freilich rn Sülle und Fülle. Dafür hapert's bei ihnen aber m anderer Beziehung, nämlich mit der Wasserversorgung. Sonne und Wind entziehen ihnen zeitweise so viel Wasser, daß aus dem «kleinen Wurzelballen nicht rasch genug Ersah kommen kann. Wie stark der Wind die Verdunstung befördert, das weiß jede Hausfrau, die int Freien ihre Wäsche trocknet. Recht eindringlich kann -auch folgender B'erfiich belehren: man stellt an einem warmen, windigen Tage einen Blumentopf mittlerer Größe mit Erde gefüllt morgens auf den Balton- rano, nachdem man ihn tüchtig gegossen hat. Schon nach wenigen Stunden kann man sich davon ttberzeugen, dag> die Erde völlig ausgerrockuet ist. Sonne und Wtnd nehmen ebett nicht nur von der Oberfläche her, sondern auch durch vte porösen Topfwände hindurch die Feuchtigkeit rasch weg, cruch wenn keine Pflanze davon zehrt! Dabei ist gerade die Austrocknung von den Seiten her die gefährlichste. Rings an der Topfwand liegen nämlich als dichter Filz die eigentlichen Saugwucheln. Es nützt also selbst smrtpfartrge Feuchtigkeit in der Mitte des Ballens der Pflanze so gut tote Nichts, wenn die Saugwurzeln trocken liegen. Nitn wird ja nicht dilrch jedes Anstrocknett der Erde und durch jedes Welken das Leben der Pflanze,t tn Frage gestellt. Die Gewächse leiden aber dabei und werden vor altem nicht schöner dadurch! In der Dnrstnot schreiten viele von ihnen dazu, sich wie der Fuchs tn der Falle der gefährdeten Glieder selbst zu entäußern. Sie werfen nämlich von unten her die Blätter ab und stehen dann >als hochbeinige Jammergestalten mit kleinem grünem Schopf da; wahrlich nicht als Zierden des Balkons. Wir müssen deshalb danach trachten, ein Austrockneni der Erde zn verhindern. Das ist in Einzeltöpfen schwer Möglich. Man ist also in der Praxis der -Balkongärtnerei dazu übergegangen, die Pflanzen in geräumigen Holzkästen au kultivieren. Tonkästen bringen wenig Vorteile, wert ihre Wände ebenso wie die der Blumentöpfe vom Winde durch- Aasen werden. , , Durch die Verwendung von Holzkästen gewtnnt unsere Balkonbepflanzung auch an Ansehen; denn die massigen Msten wirken besser als die unruhigen Topfreihen, dre bei Stürmen sogar im wahren Sinne des Wortes sehr „unruhig" werden können. Wir nutzen durch die Kästen ferner den Raum gut cuts, können z. B. die Bepflanzung in doppelter Reihe vornehmen, nach außen zu mit hängenden, nach innen zu mit aufrechten Pflanzen., Selbst in den geräumigsten Kästen und bei bester Pflege lassen sich aber, wie schort gesagt, durchaus nicht alle Pflanzen .auf Balkons ziehen! Mele werden durch den Wind mechanisch beschädigt; er dreht ihnen die Blätter ab, reißt die Blätter vom Rande her ein, knickt sie in beu Mittelrippe oder bringt jd-as Laub durch das fortgesetzte Schütteln und Zausen zum Absterben. Bei vielen Pflanzen tritt noch etwas anderes hinzu: sie sterben auf den Balkons an Selbstvergistmtg! Das geht so zu: mit dem Wasser werde,t durch die Wurzeln fortgesetzt salzartige Stoffe, die sogenannten Nährsalze, in den Pflanzenkörper gebracht. Mrd nun durch Sonne und Wind die Wasserverdunstung sehr gefördert, so werden mehr -Salze ausgenommen, als durch das Wachstum verbraucht werden können. Es kommt zu Anhäufungen von Salzen im Pflanzensaft und zu richtigen Pergiftnngserscheinungen. Die Hauptsache bleibt deshalb eine geeignete Auswahl der Pflanzen. Es kommen vor allem Gewächse in Betracht, die mit Schutzmitteln gegen übermäßige Verdunstung ans- gestaiiet sind.' Dabei ist es ganz gleichgültig, ob die Anpassungen in dicken, fleischigen oder tn lederartig derben -Blättern liegen, ob Haarüberzüge oder lackartige, fettige oder flüchtige Ausscheidungen die Pflanze schützen. Wir haben im speziellen Teil die Art der Anpassung bei den einzelnen Pflanzen stets kurz gekennzeichnet. Hier mögen dem Neuling für die Auswahl einige Fingerzeige gegeben werden: Wir empfehlen ä. für die laub enartig e G est al- tung eines Balkons: von holzigen Kletterpflanzen: 1, den wilden Wein, 2. den Efeu; von krautigen Kletter- Manzen: 1. den japanischen Hopfen, 2. die Feuerbohne, 3. die kanarische Kapuziner-Kresse, 4. die kletternde Glocke, 5. die Trichterwinde. B. für die Bekleidung eines! h a l b h o h e n S p a l ie r s: die wohlriechende Wicke. Oats Behang für die Balkonbrüstuug: 1. die Efen- wlargonie, 2. die große Kapuziner-Kresse und Lobb's Kapu-i zinerkresse, 3. die Petunie. D. als stehende Rand-, b e p f l a n z u n g: vor allem die Gürtel-Pelargonie, * Geschichten vo n W b i st l e r. Der seltsame Zauber, der von der Persönlichkeit des grostett amerikanischen: Malers auf alle ansging, die mit ihm in Berührung kamen, klingt retwoll wieder in einem fesselnden Aufsatz, in dem der bekannte englpchö Maler Williatn M. Chase seine Erinnermtgen an Whistler zu- fanuuengefdßt und der int „Century Magazine" veröffentlicht lmrd, Whistler malte ein Bild von Chase; als Maler war er em unerbittlicher Tyrann, Rücksicht auf das Modell kannte er tn feinem Amtseifer nicht, und wenn nach stundenlangem Sitzen Elmse unwillkürlich eine Bewegung machte, bamt klang stets von der Staffelei das befehlende: „Nicht bewegen! Nicht bewegen!" Nur wenigen ist es vergönnt gewesen, den ganzen Whistler kennen zu lernen, denn für die Anßenivelt trug er stets eine Pofe zur Schau, die sorgsam vorbereitet war; ja die meisten seiner schlagenden Apercus und die treffendsten, bissigen Epigramme wärest vorher znrechtgelegt und wurden mit unnachahmlicher Lässigkeit wie zufällig ins Gespräch geworfen und wirkten dann oft geradezu tote Bomben. Er wusste, daß sein exzentrisches Wesen Nußehen machte, er freute sich darüber und sann stets auf neue verblüffende Einfälle. Aber im Atelier, da ivar Whistler ein anderer. Er, der stundenlang vor dem Spiegel stehen konnte, um die Locken zu brennen, wenn er in Gesellschaft ging, kannte im Atelier nur ein Evangelium: die Kunst und die Arbeit. Bor der «tanelet wich jeder Gedanke an Aeusterlichkeiten, die ZeUvorsteltungM waren ausgefchaltei, er tonnte zehn Stunden lang arbeiten, ohne an Nahrung zn denken, und wunderte sich, wenn es andern anders ging. Als Chase nach langer Sitzung Whistler dann an die Euw ladnng erinnerte, die er vorher angenommen hatte, dann kant stets dieselbe Antwort: „Was? Man sollte das Vollbringen cmev schönen Sache unterbrechen wegen eines ordinären Diners l Einmal kam er zu einer Gesellschaft zwei Stunden zu spat. „Wie merkwürdig," ruft er kopfschüttelnd und blickt mtt blitzenden Augen auf Wirt und Gäste, „weist Gott, ein wenig hätten eie doch noch warten können. Ihr seid genau wie eine Herde -schwetne tmt eurer Esserei." Eines Abends ist er mit Chase bei einem Diner. Nach Tisch hört Whistlers Nachbar plötzlich, wie der Maler neben ihm schnarcht. Chase gibt ihm einen Puft: „Whistler, sagt er eindringlich, „Sie müssen hier nicht schlafen." „Lassen Ste mich in Ruhe, ich habe alles gesagt, was ich sagen wollte. Was Sie und Ihre Freunde sagen, interessiert mich absolut mcht. In seinem Atelier verkehrte damals auch Oskar Wilde. Whtstler fand, daß Wilde viele der glänzenden Whistlerfcknn Epigramme, die er hier hörte, später in seinen Werken benutzte. Die beiden! sitzen eines Tages zusammen, und plötzlich sagt Whistler ein geist- svrühendes Paradoxon. „Ach Whistler," sagt der Dichter traurig, „warum habe ich das nicht gesagt?" Whistler siebt ihn kurz an und sagt nur trocken: „Trösten Sie sich, Sie werden es sagen."' Er hatte damals wirtschaftlich schwer zu kämpfen, und alle Augenblicke klopftett Gläubiger an die Tür. Eines Morgens ertönt ein Pochen. „Pscht," flüstert Whistler Chase zu, „das ist eins und zehn." Eine halbe Stunde spater klopft es wieder, diesmal leiser. „Zwei und sechs," sagt Whistler, „pscht!" „Was zum Teufel memen Sie denn mit diesen Zahlen?" fragt Chche schließlich. „Ein Psnnd zehn Schilling: zwei Pfund sechs Schilling. Gemeine Kaufleute mit ihren Reckntungen, Oberst. (Er pflegte Chase! „Oberst" zu nennen!) Sie wollen Geld" und dabei,wandte ev sich wieder der Staffelei zu. Bald darauf klopfte es wieder, diesmal ganz zart nlnd vorsichtig. „Weist Gott," flüstert Whistler, „das ist zivanzig. Armer Kerl, ich muß wirklich etwas für ihn tun. Es tut mir wahrhaftig leid, daß ich iticht zu Hanse bin." Eine Schülerin begrüßt ihn eines Morgens mit der Rede: „O, Mr. Whistler, heute morgen der Zug in der Landschaft; alles in einem zarten, herrlichen Nebel, wohin ich blickte, ba_ war es mir, als sähe ich eines Ihrer herrlichen Bilder." Whistler blickt sie spöttisch an; dann sagt er mit komisch übertriebenem Aplomh.- „Ja, ja, die Natur macht sich, so kommt langsam nach,"- Ldgogriph. Nimm ein Getreide zur Hand, sein „a" mußt in „o" du verwandeln; Siehe, nun wird es ein Held, der für die Freiheit einst starb. Auflösung in nächster Nummer, Auslösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: lieber ein Kleines, o zürnender Freund, Scheidet der Tod, die noch heute vereint. Gib mir die Hand, eh' der Abend vergeht, Neber ein Kleines — so ist es zu spät. Gero?, Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UuiversttäiS-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießest.