Donnerstag den 6. Januar MW «OB V ■>- - W Sommerseele. Von Helene Böhl au. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung-! Laß er abends unter den dröhnenden Bäumen und hörte auf den Gesang der Mädchens so rannen ihm vor Seligkeit die Tränen über die Wangen. Älma, das wundervolle, blonde Mädchen mit den dunklen, geheimnisvollen Sommeraugen, der sehnsuchtsvollen Stimme, hatte in den Sommerwochen einen Anbeter, wie ihn sich ein Götterbild nur hätte wünschen können, und er duftete sogar wie Weihrauch, nach Lorbeer, Kaffeepulver, Zitronenschale und Kardamom. Er trieb tatsächlich einen verschwiegenen Gottesdienst mit ihr. Er betete an, er kniete nieder. Freilich nur in seiner Vorstellung, denn nie hätten seine steifen, spießbürgerlichen Glieder, die ihm die schönheitstrunkene Seele zusammenhielten, sich zu solchem Götzendienst hergegeben. Sie war für ihn die Blüte des Sommers oder dessen Frucht. Im Winter war es ihm, als schliefe sie, als wenn Man sie nicht wecken dürfte, da hatte sie etwas so tief Sehnsüchtiges — Wartendes, daß sie ihm immer zu Herzen ging. Ihm war's, als stürbe sie jedesmal mit dem Sommer. Sie blieb dann sein Sorgenkind; aber er sah im Herbst Ulrikchen zu einem rotbackigen, köstlichen Herbstapfel werden. Das übrige Jahr stand er mit ihr auf Kriegsfuß. Utzrle kam schwer aus seinem Seelenfrieden und hielt wohl für das wichtigste Gesetz, Frieden zu halten rnit sich selbst; so hatte er sich auch mit dem wunderlichen Schicksal, sich in vier Frauen zu verlieben, kunstvoll abgesundeu. Im Grund seiner Seele liebte er aber auch noch die zarte, sanfte Mutter der vier Mädchen. An ihr hing er Frühling, Sommer, Herbst und Winter und wurde nicht müde, der alten, lieblichen Frau zu dienen, wo und wie er konnte. So hatten die Frauenzimmer auf dem Horn wirklich einen erprobten Freund, auf den sie bauen und dem sie trauen konnte. So verschwiegen Uerle auch seine vierfache Liebe hielt, so lebten die Mädchen doch ln der Sonnenwärme dieser Liebe und gediehen in Weltfremdheit und Einsamkeit gar Herrlich. Es war an einem Sommerabend, da kam Freund Uerle und sah feierlich aus. Er trug auch sein Feiertagsgewand und hatte in der Brusttasche einen kleinen, literarischen Auswuchs. , , . , „Er hat etwas in der Tasche," sagte Alma, „er bringt etwas Schönes." r . .... „Ja," sagte Uerle bewegt, „die Jungfern werden Augen machen. Wir setzen den Tisch unter die Linden, und den bc- quemen Stuhl der Frau Mutter tragen wir hinaus, ^ch werde beim Bieneugesumme etwas lesen, wie wir alle, alte noch nichts gehört haben. — Wollte Gott," setzte er hinzu, „ich dürfte niederknieen und dem herrlichen Menschen die Hände küssen. „Und noch eins: ehe ich anfange, wäre es sehr schön, wenn die vier werten Jungfern" — die junge Witwe wurde dabei nicht weiter berücksichtigt — „ein Lied zum Besten geben wollten. „Meinen guten Rock hab' ich.schon angezogen: aber die Seele mutz auch rein werden von allem, was ihr an- hängt." Die Mädchen waren gern bereit und sangen, und er saß unter den Linden. „Herr Gott," sagte er, „was für ein glücklicher Mensch bin ich doch! Wissen Sie noch, Frau Pfarrerin, wie ivir einander kennen lernten, — wie ich Ihnen den Kaffee, Zucker, Reis und Mehl selber herauftrug/ lveil ich mich hier oben gern auskennen wollte mib wie nnr's gleich so sehr gefiel? Sie setzten mir damals em Schälchen Kaffee für den langen Weg vor, und wir kamen ins Plaudern. — Wie die Zeit dahingeht, Frau Pfarrerin!" — Als der letzte Ton des Liedes verklungen war, und die Mädchen heraustraten, holte Uerle den Stuhl für die Frau Mutter, setzte sich au den Tisch, brachte weihevoll und langsam ein Büchlein aus der Tasche und sagte: „Das tJtJ von einem geschrieben, gegen den alle andern bisher gar nichts sind — aber auch gar nichts!" „Das hat er schon so oft gesagt!" meinte Ulrtkcheir und lachte. „Und hat er nicht recht gehabt, war nicht eins schöner wie's andere?" meinte die kleine Witwe. „Ja," sagte die Mittler, „zu Dank sind wir dein guten Uerle verpflichtet." , „Werteste Frau Pfarrerin, der Dank ist ganz aus meiner Seite." r Wenn Uerle höflich wurde, stand es bedenklich um ihn, da brannten auch seine Ohren, und wenn die Ohren ihm brannten, stand das Herz ihm in Feuer. Und die Höflichkeit war geivissermaßen das Ventil für seine Leidenschaften. Seine Glieder, seine Stimme, seine Beivegungeu, alles lag bei dem armen Menschen in Fesseln und Bauden und Steifheit. — O, hätte er die Höflichkeit nicht gehabt, so wäre er gewiß vor Ekstase schon zersprungen. „Ich bitte," sagte er gemessen, „die liebe Frau Pfarrerin und die verehrten Jungfern, ganz andächtig züzu- böten!" Er schlug das Buch auf und las: „Des jungen Werthers ßcibcn// Die Bäume dröhnten vom Summen der Bienenvölker. Im Himinelsblau jubilierten die Lerchen ihr Mendlied, und das Korn duftete den großem Opferduft der weiten Ebene. . r „Des jungen Werthers Leiden," las er noch einmal und machte wieder eine Pause. „Nun?" fragte Ulrikchen. 10 „Verleihen Sie wenn Sie wüßten. Wissen Sie, Laß Dausende von jungen Sger^eii jetzt in ganz Deutschland hingerissen sind, daß mau nicht ein und aus weiß unter der Jugend vor Begeisterung? — Unten in Weimar hörte ich, daß es schon Jünglinge gäbe, die sich ganz so kleideten, tote in diesem Buche der junge Werther es tut. Ja, so etwas geschah noch nicht. Heute nacht hab 'ich gelcfeit und gelesen und gelesen- uild wenn es die Schicklichkeit erlaubt hätte, wär' ich da schon herübergelaufen und hätte vor dem Fettster im Mondenschein das Wundervolle Ihnen allen vorgelesen/' . „Run, so beginnen Sie doch!" meinte Ulrikcyen. „Ich habe immer gedacht," sagte Alma ruhig und sinnend, „es müßte einmal etwas Wundervolles geschehen. Ein Tag ist wie der andere, und cs muß doch einmal etwas geschehen, daß man vor Wonne sterben könnte." „Du mein Gott, Kind," sagte die Pfarrerin, „versündige dich nicht! Danken muß man Gott, verlaust ein Tag tote der andere. Gutes kommt selten, und vor dem Bösen möge der Herr uns behüten." „Ich meine," sagte Alma, „ein jeder Mensch mußte <«iiimal blühen wie ein Rosenstrattch oder wie unsere Lindett- bäume." Ulrilchett lachte. „Und die Bienen müßten einem dann um den Kopf sumnrcn ivie hier." „Nein," erwiderte Alma ernst/ „die. müßten einem int Herzen summen, in der Seele, es müßte alles Hingen und schwirren vor Seligkeit. Ich weiß getviß," sagte Alma ganz feierlich, „ich Ivar einmal ein Rosenstrauch, ehe ich der Mutter Tochter wurde, der hat ungezählte Rosen getragen, Ungezählte — ist ganz zu lauter Rosen geworden — und • ist so selig gewesen. Und der Duft aller Rosen war die große, große Freude seines Herzens." „Ach, Alma," meinte Ulrikcheu, „so red' nicht so dumm Und stör' nicht!" „Jungfer Ulrikcheu," sagte Uerle erbleichend, „Sie müssen die Schwester reden lassen! — Ja, um Gotteswillen, lassen Sie sie reden! Reden Sie, Jungfer Alma, das wird Ihnen wohltun! Es ist eine heilige Stunde jetzt, und das, was Sie sagen, weiß ich ja, weiß ich ja längst." „Run hört sich aber alles auf!" rief Ulrikcheu. „Ja, was ist Ihnen denn?" fragte die Frühlingsliebe, die blutjunge Witwe. „Nein — nichts — nichts!" sagte Uerle verwirrt. „Ich erschrak nur, daß sie es auch weiß." „Aber was weiß?" meinte die Pfarrerin. „Träumt ihr beim?" „Nein, nein," sagte Uerle, „es ist auch gar nichts — Gott möge die liebe Jungfer Alma behüten!" „Na, der Wunsch wäre am Platz gewesen, damals, als sie gar so ein schöner Rosenstrauch gewesen ist, da hätte man einen Stadtsoldaten davor stellen müssen, denn ich hätte mir auch einen Arm voll gelangt," sagte Ulrikcheu. Uerle kam aber nicht leicht aus seiner Verwirrung, denn Alma hatte ausgesprochen, was er dunkel gefühlt. Sie empfand wie er selbst, daß sie gar eng und geheimnisvoll mit dem Sommer zusammenhing. Es überschauerte ihn! Er suhlte sich ihr nah. „9(111 vierten Mail Wie froh bin ich, daß ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des Menschen!" begann er zu lesen und las weiter. Und zuviel hatte er nicht gesagt. Sie waren, als er für dieses Mal das Buch schloß, jedes in seiner Art davon benommen. — Sogar Ulrikcheu, die einen losen Schnabel der Literatur gegenüber hatte, gab sich drein, es sehr, sehr reizend zu finden. Alma war ganz still. „Nun, und Sie, Jungfer Alma, was sagen Sie?" Cis sah ihn bittend au. „Man bringt ihn ins Gered' mit dem Sprechen darüber. Er hat sich das nicht gedacht, als cr's schrieb, daß so viel fremde Leute es lesen würden." Uerle sagte etwas lächelnd: „O nein, Jungfer Alma, -er hat ein großer Dichter damit werden wollen." „Nein, gewiß nicht!" sagte sie hastig. „Aber nein, so eine Idee! Meinen Sie, die Dichter schreiben und dichten nicht für die Menschen und für den Ruhm?" „Ja, die anderen; aber das sind ja doch dann wohl auch keine Dichter, das sind Krämer." „Ich bin müde," sagte sie, stand langsam auf, nickte allen eine Gute Nächt zu, küßte die Mütter auf die Stirn und trat ins Haust „Sonderbares Frauenzimmer," meinte Ulrikcheu und gähnte. Uerle verabschiedete sich auch. Als sie unter sich waren, meinte die junge Witwe: „Der Uerle. scheint sich in unsere Alma verliebt zu haben." „Nee, das hat ec. nicht," antwortete Ulrikcheu, „der Uerle liebt uns alle ein für allemal miteinander und damit basta!" (Fortsetzung folgt.) Ehemalige AdelZgeschlechter in nächste? Umgebung vsn Sichen. (Schluß.) Die Familien v. Lesch und v. Wrede standen durch Heiraten in verwandschaftlicher Beziehung. Herren v. Lesch heirateten Fräulein v. Wrede, Herren von Wrede Fräulein v. Lesch. 1719 wird bei der Taufe der Tochter von Friedrich Lesch v. Mühlheim als Pate erwähnt: „Juncker Wrede von Gießen. Dieser Friedrich Lesch, der spätere Waldeckische Hauptmann, hatte eine geborene v. Wrede zur Frau. Sie stirbt 1749 und wurde „vor des Herrn Rennthmeister Medicus Kirchenstuhl in der Kirchen zu Croffdors begraben". Töchter des Friedrich Lesch hatten Herren v. Wrede zu Ehemännern. Bei der Taufe eines Sohnes von dem „Wohl- geborenen Her: > Ludwig v. Wrede, Leutnant" stand 1736 Taufpate „fein Schlviegervatter, der Wohlgeb. Herr Friedrich Lesch v,. Mühlheim". Dabei war . auch Patin „die Frau Obristin v. Wrede aus Linnes". Diese wird ebenfalls schon 1735 genannt, als Philipp Lesch ein Sohn getauft wird. Die älteste Tochter von Friedrich Lesch, Fräulein Wilhelm i n a v. Lesch wird 1 736 zu Krofdorf mit dem Wohlgeborneu Herrn C h r isto p h W i l h e l m von Wrede getraut. Dieser Wrede muß wahrscheinlich später in Krofdorf gewohnt haben; beim daselbst wird ihm 1743 eine Tochter getauft; Pate war sein Bruder, der oben erwähnte Ludwig v. Wrede, „Hess.-Darmstädtischer Leutnant zu Gießen". Ehr. Will), v. Wrede, der ebenfalls Leutnant war, wird in Krofdorf ein „Fräulein" getauft; Pate war Frau Sophia v. Wrede von Lindes. Diesem ward 1746 ein Sohn getauft; Pate war: Frl. Christiane Friederica v. Wrede, ohne Angabe, woher sie war. Hieraus sowohl, wie auch daraus, daß schon vorher 1744 bei der Taufe eines Sohnes von Philipp Lesch als Patin Fr a u von Wrede zu Crofdorf genannt wird, folgt, daß einige Wrede nicht bloß in Klein-Linden und Gießen, sondern auch in Krofdorf gewohnt haben. — Unter den: „Confirmati Crofdorfienses" wird genannt 1757: „Fräulein von Wrede, des Herrn Hauptmann v. Wrede Tochter", ebenso 1758: „Wilhelmina Carolina Loisa", des Herrn .Hauptmanns, v. Wre b e Tochter, 17 61: Fri.edrich Wil- h eint, dessen Sohn. Patenstellen bei Kindern derer v. Lesch vertraten Angehörige der Familie Wolfskehl von Vetzberg. 1659 waren bei Junker Balthasar Loschen Sohn Paten: „Frau Elisabeth Leschiu v. Mühlheim, geb. v. Wolfskeliu, Frau Felicitas Agnes Wolfskeliu, geb. Leschiu v. Mühlheim. 1662 wird „die Adeliche Frau Felicitas, Juncker Wolsskel sel. Wtwe." in der. Krofdorfer Kirche beigesetzt. Auch später werden die Wolfskehl bei der Leschischen Familie erwähnt. Ten Namen v. Wolfskehl führte die Familie nach ihrem Stammschlosse bei Darmstadt. Dort tritt heute noch der Name auf, zum Teil ohne Adelsprädikat. Den Beinamen v. V o i tz b c r g (Vetzberg) führten die Wolfskehle nach der Burg bei Gleiberg. Sie hatten in Vetzberg Lehen von Nassau-Saarbrücken und gehörten zu den Gauerben dieser Burg. Neben den v. Wolfskehl werden auch die vonHolz - appel genannt. Sie waren ebenfalls Ganerben von Betzberg, von welcher Burg sie auch den Beinamen angenommen hatten. Bei des Leutnants v. Wrede Sohn stand 1 7 3 8 Patin „die Wohlgeborene Frau von Dernbach zu Rodheim". Schon früher, 1646 bei der Taufe eines Bürgerlichen, des Sohnes von dem Oberförster Lißberg, wird ein Junker Hans Jörg v. Dernbach erwähnt. Die Familie von Dernbach benannte sich nach einem bei Wetzlar, in der Gegend von Altenberg, gelegenen ausgegangenen Orte Dernbach. Sie war reich begütert und hatte Besitzungen im Nassauischen, im Kreise Wetzlar, in Aßlar, LützeUiudcu, in 11 Rodheim lind in Krofddrf. Dis Familie Mr weit verzweigt und zählte 22 Glieder. Ritter v. Dernbach sollen im Kahre 1255 den Ketzer meister und Beichtvater der h. Elisabeth, Konrad von Marburg, totgeschlagen haben. — 17 4 9 wird bei der Taufe des Ludwig Helmuth Friedrich von Wrede als Patin erwähnt: „Die Wohlgeborene altrste Fräulein v. Der sch zu Salzböden". Adelige Herren von Salzböden gab es schon im 13. Jahrhundert. Die bekanntesten waren die Herren v. Rolsh ausen von Salzböden, die mit denen von Buseck verwandt waren. Sie haben in der Kirche zu Salzböden schöne Epitaphien. Die Dersche von Salzböden stammen aus jüngerer Zett. 1732 lebte eine geborene v. Ratshausen, die mit einem Christian von Der sch von Viermünden verheiratet war. Auch die Familie von Bus eck stand der Leschischen Familie nahe; Glieder derselben kommen bei den Leschen als Taufpaten vor. 1660 wird bei der Taufe der Tochter des Oberstwachtmeister Steinhoff zu Gleiberg eine Frau Anna Sophie Münch v. Bus eck erwähnt. Die Herren v. Bnseck waren Burgmänner von Kalsmunt bei Wetzlar. Tas Adelsgeschlecht der v. Buseck wird schon 1152 genannt. Sie hatten Besitzungen in Atzbach, Dorlar, int Hüttenberg Und im ,,Busecker Tal". Später teilte sich die Familie in die Linien: Buseck-Buseck, Bufeck-Rüscher oder Rässer, Buseck-Miinch und Buseck-Brant. Sie ernannten vier Vorsteher aus ihrer Mitte und nannten sich Vierer oder Gan- er'ben des Busecker Tals. Die Familien Rässer und Münch sind jetzt ausgestorben; es bestehen nur noch: Buseck-Buseck Hub Buseck-Brant. Die Herren v. Buseck gehörten gleichfalls zu den Ganerben von Vetzberg. Weiter vertraten Patenstellen in der Familie Lesch 'Glieder der Familie Nord eck zu Rabenau, so 1.6 5 9 bei Junker Joh. Balthasar Leschen Sohn Jünker Reinhard v. Rabenau, 16 66 „bei Junker Leschen Sohn" Knicker Philipp v. Nordeck zu Raben an, Jungfer Marie v. Nord eck zu Rabenau, 1698 bei Gott- sried Leschen Sohn Frau Sabina v. Rabenau. Die Herren von Rabenau waren ein altes hessisches (kurhessisches) Ildelsgeschlecht. Ihre Stammburg.Nordeck stand bei Marburg. Sie waren in Salzböden begütert, von wo sie auch den Zehnten bezogen, und waren auch Ganerben von Vetzberg. 17 38 stand als Patin bei der Taufe der Tochter des Fähndrich v. Lesch „in der Bürgerwehr zu Gießen" Frau v. Schwalbach, 1 7 44 bei Junker Philipp Leschen Sohn war Pate Kapitän v. Schmalbach zu Gießen; 1752 wird bei der Taufe eines Sohnes von dem Waldeckischen Hauptmann Friedrich v. Lesch als,Patin erwähnt die Großmutter des Kindes, Frau Sophia v. Schmalbach, geb. v. Bnseck. 1759 wird wieder diesem Herrn Hauptmann Diedrich v. Lesch ein Sohn getauft; dabei war Pate „Frau Carolina de Schmalbach, nee de Lesch". Das Geschlecht v. Schwalbach benannte sich ■ nach einem Dorfe Schmalbach im Solms-Braunfelsischen oder nach der Burg Schwalbach bei Dietz. Sie waren Bu.rgmanuen in. Gießen lind Ganerben zu Vetzberg. 1736 war Patin neben Herrn von Corff, wohnhaft zu .Wieseck, Fräulein von Reitz e nstei n „aus der Wißmarer- bach". In dem Wißmartal, unweit des Dorfes Wißmar, lag ehedem der „Wißmarbacher- oder Reitzenfteiner Hof", den dis Gemeinde nach dem Tode des letzten Herrn v. Reitzenstein erwarb. Ein Teil des Wißmarer Gemeindetvaldes heißt noch der „Reitzenfteiner" Wald. Nur vereinzelt treten in dem Krofdorfer Kirchenbuch auf die Herren v. Craß zu Staufenberg, die Herren v. Corff zu Wiesest, die Herren von Weitershausen und von Hill zu Badenburg, die Herren v. Schenk zu Schweinsberg zu Gießen. Die Herren v. Weitershausen waren ein altes hessisches Adelsgeschlecht, das über 17 Glieder aufwies. Johann v. Weitershausen wird 1358 vom Landgrafen Heinrich II., dem Eisernen, von Hessen mit der Badenburg bei Gießen belehnt. Der in dem Kirchenbuch erwähnte v. Hill wird der spätere Besitzer der Badenburg gewesen sein. Er wird 1719 genannt. Ein Herr v. Schenk zu Schwein s b e r g, „Obrist zu Gießen", war 17 30 Pate bei einem Sohne von Friedrich v. Lesch. Den Namen v. Schenk trug das Geschlecht, Weil seine Glieder bei den Kaisern und den Landgrafen von Thüringen das Amt der Schenke verwalteten. Die Herren von Schenk hatten von Solms Lehen in Hessen. Ritter vou Scheu? zu Schweinsberg gehörten um 1300 neben den Herren von Schwalbach, Btünch von Buseck, von Dernbach, von Rols- hausen, von Weitershausen zu den Burgmannen Von Gießen. Sie hatten ihre Häuser in der Schloßgasse und hinter dev Kirche am Burggraben. Die Schenke waren auch Ganerben von Vetzberg. Heute liegt die ehemalige BUrg Vetzberg in Trümmern; die Ganerbschaft ist schon seit dem 18. Jahrhundert aufgelöst. Außer den Herren v. Buseck und Nordeck zu Rabenau kennt und nennt nran in unserer Gegend kaum noch die Namen der einstigen Vetzberger Ganerben. Nachkommen der Herren von Lesch von Mühlheim gibt es in Rodheim, Königsberg und Krofdorf nicht mehr. Nur in einigen Bezeichnungen lebt die Erinnerung an ihre Anwesenheit in Krofdorf noch fort. Die Wiesen an der Kinzenbacher Straße werde:: noch die „Leschischen" Wiesen genannt. Ein Teil des Krofdorfer Gemeindewaldes sowie des Staatswaldes heißt heute noch der „Leschen"-Walö. Der ehemalige Herrensitz der Familie Losch, jetzt Eigentum des Herrn Landwirts und Maurermeisters Schneider in Krofdorf, wird noch als „Leschen"-Hof bezeichnet. Wie Herr Schneider mitteilte, hätte sein Großvater mütterlicherseits, Herr Euler, von Karl Eduard Lesch in Krofdorf vor etwa 68 Jahren den Hof auf 3 Jahre gepachtet und dann für 1265 Taler käuflich erworben. Das Leschische Haus ist noch gut erhalten und zählt 12 Wohnräume. Nach Mitteilungen Gießener Bürger soll hier, Käiser- Allee 30, beim „alten Schützenhaus" vor mehr als 50 Jahren! noch ein H er r vo n L esch gewohnt haben, der ein Sonderling gewesen wäre. Ein Nachkomme eines Herrn von Lesch ist der Taglöhner Wilhelnt Lesch> hier wohnhaft in der Erlengasse. Er ist der Sohn des Johann, genannt Jörg von Lesch, der aber 1862 sein Adelsprädikat „verschleudert" habe. Jörg v. Lesch war Gepäckträger am hiesigen Bahnhof und ist vor etwa 7 Fahren verstorben. Er wird noch manchem Gießener Einwohner in Erinnerung sein. Das ist her Wechsel der Zeiten; Geschlechter kommen und gehen -6- Vermischtes. * Das W interleb eu der Schnecken. Die Uebcr- winterungl derjenigen Tiere, deren eigne Körperwärme nicht beit WärmeverlUst wett machen kann, der durch die Erniedrigung den Temperatur eintritt, geht in verschiedener Weise vor sich. Höhere Tiere verfallen in einen Winterschlaf, niedrige, deren Lebensdauer sich auf eine Wachstiimperiode beschränkt, überwintern im Eier- oder Larvenstadium. Zn den'Tieren, die sich in keiner Weisei vom Winter beeinfknssttl' lassen,, gehören die Muscheln, sie leben! Und wandern fort, wie imi Sommer, ja die Gattung Cykläs hat das ganze Jahr hindurch Brat. Anders verhalten sich nach beit Beobachtungen T.r. Seligers über das Wassertierleben im Winter die Schnecken. Mit den Resten der Vegetation sinken sie int Herbste ans den Ufergrund hinab, suchen dann aber mit Vorliebe Wasserst rö-nnmg ans, so die Zuflüsse und Abflüsse der Seen oder größere Seebecken mitt reichlichem Pflanzenwuchs. Lier findet man namentlich die kleineren Arten der Schlammschnecken in größerer Zahl hernmkriechend. Wie diese, bleiben die kleineren Tellerschnecken und Btasenschnecken beweglich, Tie große Tellerschnecke hält dagegen unzweifelhaft einen Winterschlaf. Man findet sie stets weit in das Gehäuse zurückgezogen, so daß nur etwa eine Viertc'üvindung gefüllt ist. Vor deut Tiere liegt dann ein starker Schlammpfropfen in dein Gehäuse. Ter Herzschlag, der bei gewöhnlicher Zimmertemperatur 25 bis 30 mal in der Minute beobachtet worden ist, ist bis auf 3- bis 4 mal in der Minute! gesunken. Im schmelzenden Schnee rühren sich die Tiere nicht; erst bei StnLcntcmperatur kommen sie hervor. Noch tiefer ist der Winterschlaf der Bithtznicn. Sie liegen inv Grundschlamin vergraben mit selbstverschlvssenem Teckel und kommen auch bei Stnbentemperatur nicht hervor. * Bon Ex Sultan Abdul Hamids Leben in der Gefangenschaft berichtet ein Korrespondent des Piccolo aus Saloniki einige merkwürdige Einzelheiten. Abdul Hamid lebt in der Billa Allatini nicht allein; bei ihm sind seine beiden Söhne Abdul Rahim Effendi und Abid Effendi, drei Töchter, elf Frauen seines Harems und 14 Bedienstete und Eunuchen, im ganzen 31 Personen. Eine Kompagnie Infanterie, die von 100 Mann gebildet wird, gegen 50 Polizeibeamte, 3 Polizeikommissare und 12 Offiziere bewachen den Gefangenen. Rings innerhalb der Billa zieht sich ein Cor- don von Schildwachen hin, die je 15 Meter voll einander entfernt stehen. Abdul Hamid ist also gut überwacht, aber trotzdem verdroß es ihn, daß. er bei seinen Spaziergängen int Garten gesehen werden konnte, und er forderte, daß um die Billa eine Mauer von 3 Meter Höhe aufgeführt wurde — ein Wunsch, der mit besonderer Freude erfüllt wurde. Der Ex-Sultan hat während seiner Gefangenschaft 12 bereits sehr verschiedenartige Gemütszustände durchlebt. Zunächst batte er fortwährend Zornansbrüche und.Angstanfälle. Dann sah er ein, daß die Jungtürken nicht dre Msicht hatten, sein Leben zu verkürzen, er beruhigte sich und suchte nach regelmäßigen Beschäftigungen, um über die Langweile der erzwungenen Muße Hinwegzukommen. Dabei bat er, daß man ihm Tischlerwerkzeuge und Romane bringen möchte; auch dieser Wunsch wurde bereltwuligst erfüllt, und so versenkte sich Abdul Hamid trt die Lektüre. Seht bringt er ganze Tage damit zu, Romane von Gaborrau uird Ponson du Terrail, die ins Türkische übersetzt sind, förmlich zu verschlingen. Macht er eine Panse, so geht er in den Garten hinab oder beginnt mit der Tischlerei, m der er es zu großer Fertigkeit gebracht hat. Ein oder zweinial iit der Worbe empfängt er den Besuch von höheren Offizieren, mit denen er sehr höflich, ja sogar übertrieben höflich ist. _______________ Unser Weihnachts-Preisrätsel hat bei den Lesern der „Gießener Familienblätter" allem Anscheine nach starken Anklang gefunden, denn nicht nur die Lösungen gingen sehr zahlreich ein, sondern auch Briefe, die sich mit großer Freude über das gewiß eigenartige Rätsel äiißerten. Es sind im ganzen 236 Lösungen Angegangen, von denen 111 richtig und 125 falsch waren, denn bei einen, großen Teile war übersehen worden, daß das erste und in der zweiten Strophe in falschen Lettern gesetzt war, um das an sich sehr leichte Rätsel in etwas zu erschweren. Ein Teil der Lösungen war von netten Berschen begleitet, von denen wir eine kleine Auslese folgen lassem wenn wir auch nicht alle mit einem Preis bedenken konnten. Der Rütselmaun sitzt srol, zu Harrs Beim Frauchen und beim Weihnachtsschmaus. Ich aber schwitz am Arbeitstrsch, — — O du verwünschter Zwiebelfisch! — Doch als ich es herausgebracht, Da hat mein Herze stitl gelacht. Ich fühl' es wohl, für diesen Fleisi Erhalt ich wohl den ersten Preis. E r w i n S u n t ♦ Ach, Onkel Karl, du böser Mann, Ich muh dir's sehr verdenken, Daß du in dieser schönen Zeit Nur ..Zwiebelfisch" kannst schenke». Warum nicht Frost und Schnee unb Ei§ ? Da würd' das Herz rrns lachen! Dein Freund, der Peppler, sagt man doch, Ter könnt' das Wetter machen. Doch iveil's nun halt nicht anders ist, So null ich dir's verzeihen, Ich hoffe aber ganz bestimnrt, Drr wirst ’nen Preis mir weihen. H a r t m u t F u »k. * Ich habe mich nicht laug' besonnen; Die Lösung hab' ich rasch bekommen Beim ersten ist wohl „C h r i st" gemeint. Beim zweiten „K i n b" doch, wie eS scheint. So hat man auch das Ganze schon, „Christkind" ruft man mit frohem Ton, Wenn zu der lieben Weihnachtszeit Die Gtocken läuten weit und breit. Solch Rätsel kann mir Freude machen, Weil eS gehört zu leichten Sachen; Ich hoff' darauf auch nächstes Jahr, Sei's schwerer noch wie dieses war. Helene Krüger, Gießet,. * Großmütterlein hat mir ost erzählt Von den ersten Christen au! Erden, Wie sie wurden von den Heiden gequält, Wenn sie sollten ungläubig iverden. Aber ich bin noch ein Kind gar klein Und hör’ die Geschichten nicht gerne. Biel lieber h.ör' ich von Großuüitterletn Von, Christkind im Himmel ferne. Hermine S ch m t b t in Lich. Heute ist der Tag gekommen, Wo von federn Menschenherz' Alle Trauer ist genommen, Aller Kummer, aller Schmerz. „Christkind" kommet aus die Erde, Zieht in alle Hütten ein, Daß uns Allen beute werde Eine Freude schön tmb rein. „Christkind" ist der Kinder Freude, Ist des Aermsten Glück und Heil, Hilst dem Menschen ans dem Leide Bietet uns nur Gittes seil. Johanna Röhr, Gießen. « Das Rätsel war sehr leicht zu raten. Man brauchte nur die Worte bet einzelnen Schriftarten — mit der ersten beginnend — strophenweise aneinander zu reihen oder jede Schrift für sich in der Strophe mit vier auszuzählen. In richtiger Reihenfolge ergab dies: Lösung des Zwiedelfisch-Rütsets, DaS Erste lebt an! der ganzen Welt schon beinahe seit zweitausend Jahren, und mancher starb als ein Glaubensheld in Not und in Drang unb Gefahren. Das zweite ist ein jedes von euch: und bleibt es im Herzen auch immer t das ganze kommt aus dem 'Märchenreich mit Kerzenglanz und mit leuchtendem Schimmer. Christkind. Es erhielten: Anton Engel V., Hörnsheim: Goethe-Gespräche, Gebrüder Funk, Gießen: Aus Goethes Prosa, Willy Jordan, Gießen: Einsüliriutg i'k die Chemie, Heinrich Bausch, Watzenborn-Steinberg: Die WiesenMcrg'e, Otto Pf ass, Lannsbach : Niedere Pflanzen, Willy Arnold, Gießen: Tie Heide, Karl Kurz, Gießen: Krastmaschmen, Helene K r ii ger, Gießen.: Jvgendkiang, "Johannes Kollmar, Pyhl-Mns: Kaliforniens SoNnenkönigi«, Tora Wissenkann, Lollar: Uhlands Balladen und Romanzen, Ottilie Fuchs, Stumpertenrod: Frau Rat Goethe, Hermine Schmidt, Lich: Das Märchen vom Sandmann lein, Paula Böhm, Gießen: Ter Berwandlmigskiinstler, 5) Jäger, Mendorf a. d. Lahn: Dis Feinbäckerei, August B e z, Gießen: Blumengrüße. Die Gewinner aus Gießen können ihre'Preise in der Geschäftsstelle unseres Blattes abholen. Den auswärtigen Gewinnern werden die Preise zugestcllt. voriger Rumme Atiflösung des Diamanträtsels in i i- a s i bi Seide Ino B R e A II 1 Bell besitzen ein im Herzen eigen das und ist sei's Trost ein zu Hause zu der in neuem allen Keim Mut in isl's zen gut im es Leben Leiden allen Schm«. sei es Nummer. Auflös'.mg in nächster Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Bet lag der Brühlsichen Universitäts-Buch- und Sleindruckerei, R. Lange, Gieße».