Samstag den 6. August W LHÜdfl 1 I W TsSt S?r^ kIMMWW fSSN.iÄL«LMN^M Das schlafende Heer. Roman von Clara Viebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) 14. Peter Bräuer — der „große" Ansiedler, wie sie ihn in Pociecha-Dorf nannten — suchte eine Magd. Die Frau konnte die Arbeit nun wirklich nicht mehr allein schaffen. Reinlich war sie's gewöhnt, reinlich mußte es um sie sein; so war sie eines Tages beim Scheuern der Dielen, die all die kotigen Füße, die vom aufgeweichten Frühlingsacker her- eintappten, immer wieder und wieder beschmutzten, zusammengebrochen. Der besorgte Ehemann lief ins Dorf, um eine Hilfe zu suchen. Aber da konnte er lange reihum gehen und hier und dort auklopfen. Im Winter vielleicht, da könnte er ja nral wieder anpochen! Jetzt würde sich kein Mädel bereit finden lassen, jetzt ging inan in die Ernte und hatte weit größeren Verdienst. Ani Osterfeiertag hatte der Agent, der Meir Götz aus bet Kreisstadt, im Kruge beim Eiweih gesessen nnd Burschen und Mädchen angeworben nach Sachsen und Anhalt zum Schnitt und für die Rüben nach Hala*). Ganz verzweifelt kam Bräuer Heim. Dieses gottverlassene Land, nicht einmal für sein gutes Geld konnte man eine Hilfe kriegen! Er machte sich selber an die Hausarbeit, denn die Frau lag im Bett, hatte das .Gesicht gegen die Wand gekehrt und wimmerte leise., Verschüchtert drängten sich die kleinen Mädchen in einer Ecke zusammen, es war ihnen so ungewohnt, daß die Hand der Mutter nicht für sie sorgte. Am Abend half zwar Sei ich en den jüngeren zu Beit, aber am Morgen konnte fie mit dem Zöpfeflechten nur langsam fertig werden; aus Furcht, zu spät in die Schule zu kommen, machten sich alle drei heulend auf den Weg, und das Kleinste, das seine Milch nicht zur gewohnten Zeit bekommen hatte, schrie daheim Zeter. Die heiße Stirn gegen die Scheibe gedrückt, starrte der Ansiedler hinaus ins unwirtliche Land. Der Regen troff, der Wind peitschte ihn gegen Fenster und Hauswand, und die Weite war grau verhangen. Aus dem Stall tönte das hungrige Brüllen des Viehs. „Peter," rief schwach die Fran vom Bette her, „hat dat Vieh dann noch nix?" „Ne." „Uni) sind die Kuh dann noch nit gemolken?" „Ne." „Ach Jesus!" Frau Kettchen seufzte; mühsam richtete sie sich auf und guckte nach ihrem Mann hin. Der stand in verbissenem Trotz. ■*) Halle, Als er gleich danach hinausgegaugen war — sie hörte ihn draußen mit den Melkeimern rasseln und dazu laut auf deu Valentin, den Bummler, schelten — raffte sie sich doch wieder auf. Es half ja nichts, ganz allein kam der Peter nicht zustande! Ja, wenn der Valentin noch so wäre wie früher! Aber der hatte jetzt gar keine Augen, keine Ohren, keinen Sinn für seine Eltern. Immer war er hinter dem polnischen Mädchen her. .Alle Abend bis spät saß er in der Försterei. Und heute, statt bert_ Stalldünger auf den Schlag fürs Wickengemenge zu schaffen, hatte er den Braunen angespannt und war nach der Kreisstadt gefahren: er müsse notwendig den Chilisalpeter holen für den Gerstenschlag. Gewiß hatte er sich mit ihr verabredet, mit der Tochter des Frelikowski, denn er hatte lange am Pferd geputzt, auch das neue Korbwägelchen genommen, trotz des schlechten Wetters; und als er dann in die Stube hinein- genickt hatte zum Adieu, war er selber so schmück anzusehen gewesen iuie ein Bräutigam. Die Mutter hatte recht vermutet. Während sie sich daheim plagten — was.half's Bräner, er mußte nun doch die kranke Frau sich allein überlassen nnd hinaus aufs Feld gehen —, fuhr Valentin mit Stasia zur Kreisstadt. Gestern, als er nach Feierabend bei ihr gesessen, hatte sie den Wunsch geäußert, doch auch von der Ostermesse auf dem Domplatz noch etwas zu feheu zu kriegen. Sie hatte ein Mäulchen gezogen: wie lauge noch, nnd die Buden, die vom Fest her noch standen, wurden abgebrochen, und sie hatte nicht einmal ein Stück Honigkuchen gekauft! Dröhnend hatte der Förster bei ihrem seufzend.herausgebrachten Wunsch gelacht, und die Försterin hatte dem jungen Mann zugenickt. Ei ja, wozu hatte man denn zu Haus Wagen und Pferd? Aber offen darum zu ersuchen, hatte der Sohn sich nicht getraut. Wenn der Vater es wußte, daß es sich um die Försterstochter handelte, würde er den Wagen sicher nicht bekommen. War er doch böse, ja geradezu wütend geworden, als er, Valentin, sich auf des Frelikowski Seite gestellt hatte. Und Frelikowski war wirklich ein ganz umgänglicher Mensch, man mußte ihn nur zu nehmen wissen. Jetzt hing freilich des Vaters Gewehr in der Försterei, aber daran war er selber schuld — warum gleich so grob?! — eilt gutes Wort ist keine Schande. Hatte Frelikowski nicht auch jetzt zu verstehen gegeben, daß er die Sache gern vergessen sein lassen würde? "Eine Anzeige mußte er also doch noch nicht erstattet haben. Ueberhaupt, daß der Vater immer auf den „Polacken" schimpfte, war hier, ganz und gar nicht angebracht! Der Förster konnte so gut deutsch, hatte den großen Krieg mitgemacht, hatte ebenso gut den Franzosen gegenüber gestanden wie der Vater, war sogar ausgezeichnet worden durchs Eiserne Kreuz! Förster Frelikowski hatte dem aufhorchenden jungen Mann viel von Siebzig erzählt und von jenen Tagen, in denen er seine Zeit abgedient hatte bei den Breslauer Jägern. Und Valentin war ganz umsponnen worden von 482 -ent Reiz, den die Försterstube auf ihn ausübte, die, einsam im Milden Wald gelegen, voll war von Gewehren und aus- gestopften Vögeln und allerlei Gehörn, und in der das hübscheste Mädchen fast, das er je gesehen hätte. Lange hatte der junge Bursche die Försterei umkreist und sich nicht hineingetraut. Recht erbärmlich war das Häuschen von außen anzusehen, ziemlich verwahrlost; ein 'großes Einkommen niußte die Stelle nicht abwerfen. Also doppelt war's anzuerkennen, daß die Stafia immer so sauber ging! Acht Tage waren verstrichen seit jenem Abschied von ihr beim Dornbusch am Moorrand, und Valentin hatte sie immer nod) nicht wiedergesehen. Wer die Erinnerung an sie hatte ihn nicht verlassen; die neckte ihn, verfolgte ihn, zerrte ihn immer wieder zum Moorrand, daß er dastand und hinüber- gurfte, wo hinter den Kusseln der dünne Rauch der Försterei ich kräuselte. Endlich hatte er sie wieder getroffen — ob ourch Zufall, ob durch Absicht? Jedenfalls hatte sie sich ge- 'reut, ihn zu sehen. Sie hatte gelächelt, daß die Grübchen in ihren Wangen tief wurden. Als sie lange miteinander geständert, hatte sic ihm beim endlichen Lebewohl fest die Hand gedrückt: „Komme doch zu uns, wenn du magst! Ich werde meinen Eltern von dir sagen!" Und er war gekommen. * „Wenn ich nur müßt', wie ich dich zur Frau kriegen könnt'," sprach Valentin zu Stafia, als sie miteinander von der Ostermesse zurückkehrten. Es wär sehr schlechtes Wetter. Sie hatte einen Schleier um' ihren Hut gebunden und duckte sich unter ihrem Regenschirm dicht an ihn. Er ließ das Pferd gehen, wie es wollte. Tief aufseufzeud schlang pr den Arm um ihre Schulter: „Wie krieg ich dich nur!" „Bist du noch nicht mündig?" sagte sie und lächelte. „Dat wohl — gerad' eben! Aber" — er schob den Hut, den er keck auf ein Ohr gesetzt hatte, nach hinten und ließ den Wind die erhitzte Stirn kühlen — „mer will doch nit Uneins mit ihnen werden! Wat sollt' ich auch machen, wann der Vater die Hand von mir abzieht?!" Sie, die sich eben noch so innig an ihn geschmiegt hätte, zog sich langsanMurück. „Da müßt' ich auch danken," sprach sie kühl. „Ich schwöre dir, ich werde nichw eher unter dein Dach eingehen, als bis dein Vater mich will- rom'Meu heißt! So müssen wir eben warten." „Aber ich kann nit warten!" Trunken vor Liebe riß er sie an sich und küßte sich satt und wurde doch nicht satt. Er war ganz unglücklich, all sein Frohmut hatte ihn verlassen. „Ich muß dich zur Frau kriegen," stöhnte er, „un dat bald, sonst — och, sonst lauf' ich weg von hier, weit weg!" Da bekam sie bod} einen kleinen Schreck nein, fort durfte er nicht, hier bleiben mußte er, ein solch hübscher Freier war so bald nicht wieder bei der Hand! Pan Szulc war wohl ebenso hübsch — ach nein, der war doch noch hübscher! Stafia fühlte ihr Herz klopfen, wenn sie an den gedachte, an all die lustigen Stunden, die sie mit ihm verlebt, und schloß die Augen, ganz schwach, in einer ihr sonst nicht eignen Willenlosigkeit. Aber sie bekam den Inspektor ja jetzt gar nicht mehr zu sehen, seit sie beide Ehwaliborczyce verlassen hatten, und — heiraten, nein, Heiraten wollte der sie nicht! So klang ihre Stimme jetzt sehr betrübt: „Wenn du fortgehst, so gehe auch ick). Was werde ick) beginnen ohne dich?! O, Walek, bleibe dock) bei mir!" Sie schmiegte sich an ihn, so fest, daß er bei Gott und allen Heiligen gelobte, es durchzusetzen, daß sie zusammen kämen. „Aber nicht böse werden mit deinem Vater, o, nick)t böse!" bat sie wieder. Rein, da könnte sie ruhig fei», er würde Nicht böse werden mit seinem Baier, dazu hatte ihn der viel zu lieb! Und der junge Mann verfiel in ein Nachdenken, in dem er immer wieder nnd hin und her überlegte, wie es anzustellen sei, den Vater für Stasia zu gewinnen. Auch sie dachte nach. Wenn sie es nur fertig kriegte, daß der große Ansiedler sich mit ihrem Vater aussöhnte! Wenn es erst so weit war, daun war halb gewonnen, denn der Vater mit seinem langen Bart konnte viel ausrichten. Uber wie eine freundliche Begegnung zuwege bringen? Da konnte niemand helfen, als der Herrgott und der geistliche Herr zu Pociecha. Morgen schon würde sie beichten gehen! Als sie an das Heiligenhäuschen hinterm Dorf kamen, lenkten sie ab, denn burd) die Ansiedlung wollten sie lieber jetzt noch nicht zusammen fahren, des wären sie überein- gekömmeu. So kutsdjierten sie seitlings über Ehwaliborczyce nach der Försterei. Seit ihrer Entlassung war Stasia nid)t mehr in Chwali- borczyce gewesen; sie hatte es vermieden, denn schadenfrohe Augen hatten ihr nachgeschant, als sie damals betrauten Gesichtes abgezogen war. Nun fuhr sie stolz, wieder ein. Aus den Hütten der Komorniks guckten neugierige Weiber, als das Wägelchen vorbeirasselte. „Fahre langsauter, fahre langsamer," bat Stasia ihren Liebsten. Sie wollte den Moment des Triumphs ganz auskosten. An der letzten Hütte stand Schäfer Dudek aus der Schwelle, seinen Urenkel aus dem Arm. Er war barhaupt und sah nach dem Wetter: drüben übernt Lysa Gora stand ein lichter Streif, es würde fick) hellen, morgen schon schien die Sonne, daß er die Schafe treiben konnte! Noch peitschte der Regen; der Wind zerwühlte sein langes Haar und warf es mit den wehenden Härchen des Kindes untereinander. Als er Stasia auf dem Wagen bemerkte, hielt er die Hand über die Augen, damit ihm der Wind nicht das Wasser hineintrieb und so den Blick trübte: he, wo ferne denn die her und mit ween?! Stasia nickte ihm zu, übermütig lachend: „He, weiser Dudek, guten Tag! Erlaube, daß ich dir meinen Liebsten zeige! Ich werde ihm keinen Erbsenkranz geben, wenn die Druschbas*) ihn mir zuführen!" Der Alte trat näher zum Gefährt; sie hatten gngc- halien. Mit bedeutsamem Kopfnicken sprach er: „Ackerers Leben ist allezeit, Wie der Biene Leben, voll Emsigkeit, Und der Ehestand ist insonderheit, Wie der Biene Honig, voll Süßigkeit! Wer ist der Bursche, den im dir erkoren hast? Laß mich sehen!" Ehe Valentin wußte, wie ihm geschah, hätte des Alten hagerer Arm ihm den Hut vorn Kopf gezogen. Musternd sah ihm Dudek ins Gesicht; starr, fast drerchbohrend wurde der Blick. Mit einem unzufriedenen Murren schüttelte der Schäfer den Kopf: „Ich kenne ihn, er ist ein Niemiec, einer von denen, die da wohnen auf gestohlenenr Acker. Schäme dich, daß du daran denkest, diesen zu freien!" Aber Stasia luchte leichtfertig: „Aergere dich nicht, Väterchen!" Schmeichelnd klopfte sie dann bent Burschen, der kein Wort verstanden hatte, die Wange: „Walek, mein Lieber, sage, werden wir nicht ein schönes Pärchen abgeben? Hihi, hihi, er gefällt mir nun einmal! Hihi!" Zornig sprühten des Alten Augen. „Lache nur, lache du nur! Ich sage dir — ich, Kuba Dudek, der vieles sieht, was andre Augen nicht sehen — nicht lange wirst du lachen!" Sprach's urtb1 ging, das Köpfchen des Kindes an sich pressend, als wolle er das bergen vor nähendem Unheil, in seine Hütte zurück. Was der immer faselte! Ein rechter Wichtigmacher! Stasia schrie ihm nach: „Alter Esel!" und dann noch eine ganze Menge wenig schmeichelhafter BemeriUngen. Da öffnete fick)! das niedrige Fensterchen, hinter dem der Rosmarin stand, und ein brauner Mädchenkopf guckte über den Blumentopf weg: „Wer schilt das Großväterchen?" „He, Michalina!" Stasia winkte. „Stasia, du bist es!" Die Braune guckte ganz verblüfft und wurde dann brennend rot, als sie auch den Burschen erkannte. Fragend glitten ihre Blicke von der einstigen Schulgenossin zu dem deutschen Ansiedlerssohn. (Fortsetzung svlgt.) velasqusz an seinem 250. Todestage. (Gestorben am 6. August 1660.) Bon Dr. Panl Landau. Ein Vierteljahrtausend ist im Zeitenstrome dahingerollt seit jenem Freitag, dem 6. August, im Jahre natl; der Geburt des' Heilands 1660, da der Palastmarschall seiner katholischen Majestät, König Philipp IV. von Spanien, der Ritter des hohen Santiago- Ordens, Diego de Silva Velasquez, „nach Empfang der heiligen Sakramente, um zwei Uhr nachmittags, int 61. Lebensjahre, seine Seele dem gab, der sie zu solcher Bewunderung der Welt geschaffen hatte, alle in großer Trauer zurücklassend, und nicht am wenigsten Seine Majestät, die, als das Leben in Gefahr sck)webte, zu verstehen gegeben hatte, wie sehr sie ihn lieb nnd wert hielt", Der *) Brautwerber, 483 getrennt Raums, „Maler, nichts als Maler!" In diesem Wort liegt eine gewisse Erklärung für die einzigartige, unvergängliche Wirkung seiner Kunst, sür den unerklärlichen Reiz seines Genies. An Titian, an Rubens sällt neben ihrer rein künstlerischen Größe der Reichtum ihrer Bildungen, ihres Gestaltungsvermögens auf, an Dürer, an Rembrandt die Mannigfaltigkeit ihrer Phantasie, die Tiefe ihrer Ideen, ihres Weltgefühls. Velasquez hat nie etwas „erfunden", wie aufgeregte Schemen eines Traumes, im Geiste erschaute Fabelbilder aus die Leinwand gebannt. Wo er mythologische Stoffe behandelt, überträgt er sie in die harte Wirklichkeit, die er mit den nüchternen klaren Augen genau beobachtet, fetzt feilten Bacchus, einen weichlich fetten Lebemann, unter sonnengebräunte, echt spanische Picaros und Vagabunden, macht aus der Schmiede des Vulkan ein streng naturalistisches Bild, aus deut Mars einen schnauzbärtigen Landsknecht. Tas Hauptwerk seines Lebens aber bestand darin, immer wieder die wenig anmutigen entarteten Mitglieder dieses Königshauses in seiner Kunst zum Leben zu erwecken, sich in die schwamtnigen Gesichter, in diese düsteren Männertrachtcn und geschmacklos grotesken Frauengewänder zu vertiefen. Er wollte selbst nichts als Erfassung des Sichtbaren, nichts als Wahrheit: ihm schien es das Höchste, als die römischen Maler von dem Bilde seines Knechts Juan Pareja sagten: „Alles Übrige, altes und neues, sei Malerei, dieses Bild allein Wahrheit!" Und doch gab er mehr als eme Wiederholung der Natur, gab das innere Leben seiner Mensthen, erfaßte sie im charakteristischsten Augenblick ihres Lebens. Wie hätte ein kalter Realist seinem königlichen Herrn, den er durch fast 40 Jahre hin gemalt, am Schluffe jene großartige Majestät, jenen bedeutenden Ernst geben können, wie Velasquez auf dem Madrider Brustbild Philipps! Es klingt in diesen ohne jede Schmeichelei durchgcführten Bildnisse des Königs itrtb seiner Kinder die tiefste Liebe des treuen Spaniers zu seinem Herrscher- hause an, der unerschütterliche Glaube an das Gottesgnadentüm der Fürsten, an die Macht des reinen Blutes, an die pnserwählte Mensch, dessen irdisches Teil damals mit allen Ehren bestattet wurde, ist heute noch unter uns lebendiger und wirksamer, als Ull die Großen und Mächtigen, denen er mit bescheidenem Stolz gedient. Philipp IV., der Beherrscher zweier Welten, sein mächtiger allgebietender Günstling Olivarez, die Jnfanten und Prm- zessinncn, Admiral und Feldherr — sie alle haben für uns nur noch Seele, haben Sinn durch ihn. Nur weil ihr menschlich tiefes Mbbild uns im Innersten ergreift und fesselt, haben wer auch Interesse für das, was sie tvaren, was sie erlebten. Während die Taten der Politik längst verklungen sind, vergessen die Gestalten; der Geschichte, die dem Maler den Stoff für seine Bilder boten, sind alle die hohen Werke seiner Hand „Herrlich wie am ersten Tag". Wohl nirgends in der Kunst tritt uns die Göttlichkeit und Größe des Genies so eindrucksvoll vor die Seele, als wenn wir des Velasquez gemalte Schönheitswunder, ihren magischen Zauber, ihre geheimnisreiche Vollkommenheit, ihre unendliche Wirkung betrachten und erwägen. Mögen sich auch Herostrate gegen die Unverletzlichkeit seines Namens vergangen haben, ste beweisen nur die ganz unvergleichliche Stellung dieses „alten Meisters .. in der modernen Kunst, die Magie seines Schaffens, die so gegenwärtig, so völlig neu uns berührt, daß sie bekämpft und geschmäht wird wie die Arbeit eines „Jungen", eines Künstlers, der mitten innen steht im Getriebe der Meinungen und Stile. Velasquez ist der ;,Seelenführer" gewesen, den die Impressionisten und Freilichtmalerei sich zu ihrem Gott erkoren; sein Vorbild, sein Muster hals die wundervollen Kräfte entbinden, die in der herrlichen Kunst des 19. Jahrhunderts zum Licht und Leben drängten. So ward plötzlich um die Mitte des Jahrhunderts ein neuer „Klassikerk entdeckt, einer, der ebenbürtig in den scheinbar längst geschlossenen Kreis der Maler allererster Ordnung trat, der mit Jan van Eyck um den Gipfel der Naturwahrheit, mit Holbein um die Scharfe der Charakteristik, mit Titian oder Rubens mit die Schönheit der Farben, mit Rembrandt um die Tiefe der Auffassung rang. Und dieser Klassiker war der modernste; er bot ferne kühlen. blonden Harmonien in all der strahlenden Reinheit und Fülle, wie sie ein Manet oder Whistler erträumten; er enthüllte die weiche wogende Lust und die silbrige flimmernde Lichthelle, dre die Figuren umspielen uiid in den Raum einbetten. Seine außerordentlich knappe, in flüchtigen Andeutungen alles erschöpfende Pinselführung, wie sie seinen sogenannten „dritten Stil' charakterisiert, erschien als das Ideal impressionistischer Darstellung, In seinen Landschaften, sowohl in den weit sich dehnenden Hintergründen der Reiterbildnisse als vor allem in den von.silbrig- grünen Lichtflecken durchwogten Skizzen der Villa Medici, ist der Eindruck der von Helligkeit erfüllten, die Natur umgoldenden Luft bewußt gegeben. Von blendendem Glanz ist in den sog. „Meninas", der Familie Philipps IV., das volle Sonnenlicht, das ein Diener durch die geöffnete Tür in mächtigem, grellem Strome hereinsluten läßt; das in Dämmerung versinkende Zmimerlicht, das den ganzen Raum leise durchzittert,. umkost mit seelisch sprechender Zartheit die Farben und Linien. „Alles ist m freier Luft modelliert, hell hebt sich ab auf hell, blonde Farben stehen auf silbrigem Himmel, zwischen deut Braun in der Ecke des Vordergrundes und der Ferne ist kein Unterschied der Töne." Velasquez ist, wie ihn W. Bürger-Thors genannt hat, „der Maler, der mehr Maler gewesen als irgend ein andrer." zerlegen. ' Tie Anfänge in Sevilla stehen ganz unter dem Einfluß der damals „modernen" naturalistischen Malerei eines Caravaggw und Ribera. Diese „Küchenstücke" haben etwas Starres, etn plastisches Hervortreten der Linien, sind im scharfen Gegensatz von Licht und Schatten gearbeitet; die schwere, erdig braune Färbung paßt zu der scharfen Betonung der Rchefwirüing. Das erste Bildnis des Königs, in dem Philipp an einem Tisch in ganzer Figur steht, zeigt den Maler schon auf einem neuen Wege, der sich allmählich als stärkster Gegensatz zu der bisherigen Mamer erweist. Das grelle Licht und die tiefsten. Schatten weichen einer gleichmäßig hellen Behandlung; an die Stelle der steinernen Starrheit tritt eine bewegte Lebendigkeit und die start herausspringende Plastik der Figuren wird von einer rein malerischen Einbettung der Körper in dem lusterfullten Raum aufgelöst. Der teilt lineare Ausbau, der großartige Gesamtclndruck leidet sogar manchmal unter dieser Betonung, der schonen Harbe des über die Stoffe hinspielenden Lichts. Die reifste Zeit, jetn sogenannter „dritter Stil" bringt nun die Synthese der beiden ersten Manieren, die Vollendung seiner Kunst. Tie oreite flächige Maliveise mit ihren vollen koloristischen Akkorden, wie sie etwa die ruhige Pracht der „Nebergabe von Breda" wundervoll darstellt, wird aufgegcbcn zu Gunsten einer viel unruhigeren, vielfach Unterbrochenen fleckigen Technik, die der unserer Modernen so nahe steht. Die farbigen Akzente treten zurück; als Grimdton wird ein delikates Grau vorherrschend, das von silbrigen bis zu blaugrauen Tönen alle Skalen durchläuft. Wo aber nun rn diese neutrale Harmonie farbige Akzente eingefugt sind, da leuchten sie hervor wie die Lebenspulse des ganzen Bildes, zittern in vibrierender Bewegung. Nun erst wird in den „Meninas den „Hüan- deras", im letzten Philipp-Portrat jene körperliche Rundung, jenes Freistehen der Gestalten in Raum erreicht, das der junge Maler durch schwere Schattenwirkungen erzwingen wo tc; aber seine Menscheii stehen nun da, ganz umflossen von Licht und^uft, ■ und doch verbunden durch die großartigste Erfassung des rein malerisch zur vollsten .Körperlichkeit erweckt. Tie Stellung des Adels, dem er selbst angehörte. Und dieser unendlich zart und leise, aus der Tiefe eines verschlossenen Innern emporsteigende Gemütston, der mit seiner warinen Herzensgute den kalten Ernst des Beobachters, die trockene Sachlichkeit des Hof- manncs und Beamten überwindet, waltet auch in den religiösen Gemälden, die nur ein frommer Christ in ihrer, bei aller edlen Vornehmheit erschütternden Glut malen konnte. So ahiien wir hinter dem Schöpfer dieser scheinbar so unpersönlichen Werke den treuen, stolzen, geistreich korrekten und doch warm mitfühlenden Menschen; aber wir ahnen ihn eben nicht aus Bekenntnisten irgend welcher Art, aus individuellen Zutaten zu seinen stoffen, in denen andere Künstler uns ihre Geheimnisse, ihre Wunsche und Hoffnungen verraten, sondern nur aus einer malerischen Behandlung seiner Themen, aus dem Seelenklang der Farben. dem jauchzenden Farbenjubel in dem Reiterbild des kleinen Jn- santcn Balthasar Carlos fühlen wir die Freude des Wieners, dessen Glück das Glück seiner Herrschaft ist, ahnen hinter der braunen Lockenflut, die das Antlitz seines Gekreuzigten nnt. einem melancholisch düstern Schimmer bedeckt, die verhaltene Rührung des in Anbetung versunkenen Künstlers. Alles führt bei diesem Meister wieder auf das Malerische zurück, auf seine Farbe, seine Technik, die den spezifischen Zauber seines Genies umschließen und darum unergründlich sind, immerdar werden sich Künstler und Laien die Köpfe zerbrechen über diese luftige, leichte Untermalung auf dünnem, grauem Grund, die z. B. auf dem unfaßlich schönen Männerbildnis der Dresdener; Galerie wirklich nicht mehr als ein duftiger Hauch ist, über die sichere rasche Art, mit der ein paar Deckfarben die Bewegung des Lebens hineinbringen, mit der sich auch spätere Aenderiin^en dem Gesamteindrnck einfügen. „Dieser Künstler , hat der ferne Kenner Burger gesagt, „ist ein Zauberer, der alle Erscheinungen augenblicklich zum Leben erweckt, aber nach mysteriösen Beschwörungen, deren Geheimnisse niemand kennt. Man hat dieses Geheimnis mit dem Rezept der „drei Stile" erklären wollen, einer Einteilung, die schon sehr früh auftritt Und bis heute beibehalten ist, obwohl doch das im Prado befindliche Männerbildnis der Sevillancr Zeit trotz seiner AnUänge an den Greco bereits den ganzen Zauber der Spätkunst entfaltet und manche Werke der reifsten Zeit, wie der Bildhauer Montanes, tn der starken Betonung des Plastischen sich mit den Jugendbildern berühren, jedenfalls legt diese Gliederung seiner Werke nach Stilen gewichtige Abschnitte in der Entwicklung des Valasquez fest. Ter erste stil umfaßt seine Jugendzeit in Sevilla, wo er realistische Genrebilder, un Still- lebencharakter malte mit erstaunlicher Naturtreue und einer starken Verliebtheit in alles Stoffliche. Der zweite Stil hebt langsam in Madrid an, wo er schon 1623 Hofmaler des Königs wird, er endet etwa vor Begimi der zweiten italienischen Rene 1649 die in dem Meisterbildnis schlechthin des Papstes Jnnocenz IV, sogar einen Höhepunkt dieser „dritten Manier zeigt. Solche scharfe Abrenzuug mag ihren praktischen Wert haben, ist aber bei der beispiellos logischen, in einer unablässigen Folge sich vollziehenden Entwicklung des Meisters unhaltbar. Man kann höchstens in dieser „dreifachen Manier' etn Sinnbild der m seiner Schöpfnngswclt mächtigen Grniidtrlebe sehen.und sw nach dem Schema Hcgelscher Philosophie in These, Antithese und Synthese 484 Entfernung der einzelnen Personen in bett „Meninas" von einander kann inan mit dem Meterstab nachmessen; „die voll- kommenste optische Täuschung, die wahre Kunst je hervorgebracht hat", nennt sie Karl Boll. Wahrlich: „Der Maler, der mehr Maler war, als irgend eilt anderer!" , Mit seinem rein malerischen Stil hat er nun Wunder der Schönheit vollbracht, die in der Geschichte der Kunst emztg dastehen. Nicht nur den König, seine Familie und die Großen hatte er ja zu malen, sondern auch seine Narren, seine Zwerge, seine Idioten, die den melancholischen Herrscher mit ihrem fratzenhaften Lachen erheitern sollten. Aus diesen dünionischen Hanswursten und kläglichen Kretins hat er die herrlichsten Werke geschaffen, ein Fest den farbenfreudigen Augen und Sinnen. Der „Bobo von Coria" ist eigentlich ein grausiges Bild des Blödsinns und leeren, idiotisch grinsenden Lachens. Aber er erscheint wie eine bezaubernde Synlphonie in Dunkelgrün und. Grau. Und das „Kind von Vallecas", der scheußliche Wasserkopf mit den Glotzaugen, ver- schwindet vor dem wundervollen Gelb und Grün, in das er gekleidet ist. Nie hat ein Maler häßlichere Modelle gehabt als Belasguez in dieser traurigen Galerie der Spaßmacher, Lumpen und Blödsinnigen; aber nie hat die Kunst auch einen grogartigeren Sieg errungen, einen stolzeren Triumph des Schönen. Diese sieghafte Wirkung seiner Kunst, die göttliche und geheimnisvolle Leichtigkeit seines Schaffens, dieses rätselvolle Verschwinden seiner Persönlichkeit hinter seinen Werken, dies doch zugleich deutlich spürbare Walten seines Geistes, diese heute «och ungeschwächte Bedeutung seines Einflusses als einen lebendigen, bestimmenden — all das läßt uns Belasguez an seinem 250. Todestage als einen jener höchsten schöpferischen Genien erscheinen, deren Können unbegrenzt, deren Vollbringen unerreicht, deren Wirken unendlich ist. i VeLinncbtes. * P e r l e n s i s ch e re i mit Röntgenstrahlen. Tie Perlenfischerei in Zeylon war, wie sie bisher betrieben wurde, ein ziemlich umständliches und primitives Verfahren, da man sämtliche heraufgeholten Muscheln erst ansbrechen mußte und dabei hnndert- tansende von Schattieren unnötig töten und verfaulen lasten mußte. Ein rationeller Betrieb ivar dabei überhaupt ausgeschlossen. Prof. Robert v. Lendenfeld vom Zoologischen Institut in Prag, eine bekannte Autorität auf dem Gebiete der Tiefseeforschung, hatte deshalb schon vor süns Jahrein empfohleti, die Muscheln mittels Röntgenstrahlen aus ihren Perlengehalt zu prüfen, und wie derselbe Gelehrte im „Wissen sür alle" mitteilt, ist man jetzt endlich daran gegangen, diese Idee zur Ausführung zu bringen. Es wurde ein Apparat konstriiiert, womit man gegen hundert Aiuscheln in der Minute ans ihren Perleniiihalt prüfen kann. Dieser Apparat wirb auf einem Dampfer aufgestellt, die Muscheln werden zuin Teil von Tauchern in Taucheranzügen, zum Teil mit Hilfe von Scharrnetzen in Bord dieses Dampfers gebracht. Hier werbe« sie untersucht. Die ganz perlenlosen werben ins Wasser zurückgeworfen, wo sie, ba ihnen bas Herausholen nicht schabet, iveiterleben. Die kleine Perleit enthaltenden iverden ebenfalls ivieder ins Wasser gebracht, aber an besondere bekannte Stellen. Hier leben sie weiter, während die in ihnen befindlichen Perlen sich vergrößern. Man kann sie jederzeit herausholen und prüfen imb immer wieder zurück ins Wasser iverfen, bis die Perlen in ihnen hinreichend groß imb wertvoll geworben sinb. Nur die größere Perlen enthalteitben Muscheln werben geöffnet imb ihres kostbaren Inhaltes beraubt. * D i e T a s ch e n s ch r e i b m a s ch i n e. Währenb der Reisende es früher für selbstverstänblich hielt, daß er währenb seiner ganzen Tour den gewohnten Bedürfnissen entsagen mußte, mag er bas heute nicht einmal im Eiseubahneoups, im'Dampfschiff, im Automobil tun. Das Reisegepäck soll zwar klein sein, aber dennoch alles enthalten, ivas er braucht, sogar die — Schreibmaschine. Und, o Wunder, die Industrie kommt seinen Wünschen entgegen, sie beschert ihm einen allerliebsten Apparat, nicht umfangreicher, als eine große Herrenuhr und einer solchen äußerlich täuschendähnlich, vermöge dessen er ohne jegliche Vorbereitungen, ivo immer er sich befinden mag, seine Gedanken auf daktylogiaphischem Wege zu Papier bringen kann. Die Herren tragen ihre Schreibmaschine in der Westentasche, die Damen in ihrem Handtäschchen und so sehr ist der moderne Nomade an die Tatsache ihrer Existenz gewöhnt, daß er, falls er zufällig doch keine besitzen ober die (einige zu Hanse gelassen haben sollte, sich ohne Zögern an seinen Mitpassagier tueitbef, ihn bitteub — mit der gleichen Selbstverstänblichkeit, mit ber er ihn um Feuer für seine Zigarre ersucht — ihm für einen Moment seine Taschenschreibmnschine zu leihen. Und bies Maschinchen ist wirklich ausgezeichnet, es fungiert tabellos, die Schrüt sieht aus wie klarste Druckschrist imb nebenbei stellt sich auch sein Preis sehr nichtig, nur einen Fehler besitzt es — nämlich beit, daß die daraus hervorgehenben Schriftstücke die Form schmaler Bänder besitzen. Aber warum soll man seine Briefe nicht auf solchen verfassen? Es fragt sich nur, wie die Redaktionen sich dazu stellen, wenn die Schriftsteller ihnen die Manuskripte mit ihren Reisefeuilletons in Banbwiirmform schicken. Aber schließlich kommt auch liier alles auf Gewohnheit an! * Die Marseillaise als Tanz. Die Marseillaise, die Nationalhymne der Franzosett, wird künftig nicht nur von den Patrioten gesungen werden; sie soll sich auch den Salon und daI gesellschaftliche Leben erobern, sie soll künftig auch getanzt werden. Der 14. Juli, der Nationalfeiertag der Franzosen, hat der getanzten Marseillaise das Leben geschenkt. Ihr Vater ist der Präsident der nationalen Akademie der Tänzlehre, M. Lefort. Die Tanzmeister waren sich schon lange darüber einig, daß ihre Kunst, die am 14. Juli auf allen Plätzen und in allen Straßen Triumphe feiert, dem Nationalfeste eine nette Gabe darbringen müßte. In der Stille kamen sie zusammen, und nach langen heimlichen Beratungen Wurde der Beschluß! gefaßt, dem französischen Volke einen Nationaltanz zu schenken, der nach den Klängen _bet Marseillaise getanzt werden muß. Der Absicht folgte die Tat auf dem Fuße; allein die Absicht genügte, um M. Leforts Phantasie! zu befruchten, und wenige Tage später war der neue Tanz ersonnen, entworfen und bis zu den kleinsten Einzelheiten ausgestaltet. Er beginnt mit 6 Marschschritten-vorwärts, mit dem rechten Fuß wird angetreten, dann folgen sechs weitere Schritte, bei denen der linke Fuß den Bortritt hat. Die Fortsetznngj ist eine Reihe von Figuren und Gruppierungen, die sehr geschickt dem Rhythmus und der melodischen Linie der Marseillaise angepaßt sind. Die Tänzer reichen sich des öfteren die Händel, Wendungen nach der Seite geben der choreographischen Struktur des Tgnzes Leben, Bewegung und Frische, die 6 Marschschritte als Grundmotiv kehren immer wieder. Die Touren sind verhältnismäßig leicht zu erlernen, und unter der Anleitung von Lehrern wurde die Marseillaise in allen Quartieren von Paris mit Enthusiasmus getanzt. Nun ist der Plan aufgetaucht, auch die Schulkinder im Marseillaise-Tanz zu unterrichten, innerhalb eines Jahres werden die Kinder die Erwachsenen lehren können, imb dann wird ganz Frankreich, auf dem Parkett der vornehmen Ballsäle wie auf den schlichten Dielen vorstädtischer Tanzlokale, Patriotismus ünd Vergnügen verbinden und eifrig die Mar- seillaise tanzen. * Was die F i n g e t u ä g e l e t z ä h l e n. Tie Charakter- benter, die aus allen geringfügigen Aenßerltchkeiteii das Wesen und Temperament eines Menschen erkennen wollen, haben mm die Fingernägel in den Stets ihrer Betrachtungen gezogen. Lange schmale Fingernägel, so weiß eine französische Wochenschrift zu berichten, sind das sichere Anzeichen eines guten Naturells, sie verraten großes Selbstvertrauen imb zugleich Mißtrauen gegen die anderen. Wer breite Fingernägel hat, kann mit Gewißheit als ein schüchterner imb zartfühlender Mensch angesehen werben. Vor ben kurzen runbeit Nägeln aber mag man sich Hütten, sie vertaten ben Choleriker imb ben Intriganten. Blasse Nägel lassen auf ein melancholisches Temparament schließen, auf eine bcfonbcre Neigung zu wissenschaftlichen ©tiibien und philosophischen Betrachtungen. Rätsel. Mit T kannst btt mich täglich sehen, Benutzest selbst mich manches Mal, Doch kann ich leicht in Stücke gehen, Drum gib nur acht fein jedesmal. Mit H war ich in frühsten Zeiten Berühmt, bock; jetzt ist bies vorbei. Ich muß sogar es ruhig leiben, Sagt man, daß abgetan ich sei. Mit K bin fast in jedem Hause Zn finden ich, doch gib nur acht, Suchst du mich wohl nach einem Schmause, Daß bu nicht gehest unters Dach. Mit W nennt es gar viele Namen, Vielleicht ist es bet beine gar. Schon manche bnnüt zu mit kamen, Er ist auch hier gar nicht so rar. Setz' mm am Kopf für beibe Zeichen Ein anbtes — hast ’nen Fluß im Land, Doch wo? — Das kannst geschwinb bu zeigen, Wenn dir die Sache wohlbekannt. Davor nun noch einmal eins füge, Tu hast ’nen Mann, ber zeugte frei In manchem schön gefaßten Siebe Für bas, was hier fein Glaube sei. . Jetzt wiederum zwei Zeichen merke, Dann hast bu sicherlich geschwind Den Dichter, gegen dessen Werke Die meinen mit noch Stückwerk sind. E. I. Auflösung in nächster Nummer: Auflösung bet Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz. 1) 8 d 3 — e 5 T d 5 n. b 5 f; n, d 6 f; — c 5; n. e 5. 2) S a 3 n. b 5; T a 7 n. d 6; 8 e 5 — f 3; L h 2 n. e 5 4 und Matt. A.) l >........ K d 4 — e 4 ober aubets. 2' c 2 — c 3; D a 8 n. d 5 ober T b 5 n. b 4 f unb Matt. Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sehen Universitäts-Bnch. und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.