Mttwsch den 6. Juli :?’h in 19(0 — Nr. M l|d| irSyrSfr^- hTEbPW y jwM, ilm lÜFM : Das schlafende Heer. Ronmn von Clara Vie big. lFortsetzung.) (Nachdruck verboten.) .., Mit einem verdüsterten Blick sah der alte Mann um sich: da war der Acker, den er nun elf Jahre bestellt hatte, ms fei er ihin selber zu eigen. Wenn man nichts Teures KUf. der Welt hat —die Eltern längst im Grab, Frau und Ä'md nre besessen, nichts, für das man zu sorgen hat, und Ktr bruen sorgt —, dann hängt man sein Herz, an ein Stirckchen Erde. Und es war ein dankbares Land, dieses Lana von Przyborowo. Nie hatte es ihn enttäuscht. Wo gab cs Io schweren Weizen, so zuckerhaltige Rüben? Keines der Güter, ringsum konnte konkurrieren, und wenn Herr - Kestner ewig klagte, so geschah das mehr aus Angewöhnung. Der Inspektor bückte sich und raffte eine Handvoll Erde vom nächsten 'Acker. Tas war schwarze, gut gedüngte, schwere .Krume., Den Schweiß, der auf sie niedertrofs, zahlte sre reichlich wieder. Und hier sollte er nun nicht mehr herumwandern — wenn es auch oft mit müden Füßen geschehen, — hier diese Wintersaat sollte er nicht mehr auf- gehen, nrcht mehr fett grünen sehen unterm Schnee?! Ein Schmerz ohnegleichen bewegte sein einsames Herz, und zugleich übermannte ihn die Bitterkeit. Er haßte den Besitzenden — wußte per denn eigentlich, was Liebe ist? Ja, wenn hineinstecken, um doppelt herauszupressen, wenn das Liebe ist, dann liebte Herr Kestner in der Tat sein Przyborowo. Mit einem tiefem Seufzer setzte sich Hoppe auf den nächsten Grenzstein. Er fühlte sich auf einmal so müde; dre Füße waren ihm dick geworden in den schweren Schmierstiefeln. Nun merkte er's erst, daß er schon viel zu weit gegangen war; der Gutshof von Przyborowo lag ihm bereits tm Rücken. Nur Hahngekräh schrillte noch von dort bis hierher. Hier fing schon Niemczyce an. Niemczyce — hm, auch ganz nett! Der Niemczycer plagte sich redlich, das mußte man zugeben. Die Brache War auch schon umgebrochen, — da stand eine Drill-- Maschine aber — aha, der säte jetzt erst ein! Mit liebendem Stolz vergleichend, blickten des Inspektors Augen K^"""^er und herüber: mit Przyborowo wac's nicht in einem zu nennen! Dort, mitten im Acker, lüg ein Luch! Ja, Niemczyce mar etwas naß — schade, trotz allen Drainierens entschieden zu naß — und sieh, wie unvermittelt, gleich neben dem schweren Land wieder ein Sandstreifen! Hm, komplizierte Bestellung! wär H oppe aufgestand en und nieder- ZeMegen zum umbuschten Tümpel. Nun stand er an dessen Man-, zwischen dem Weidengestrüpp, und guckte ins Wasser. Schnitter und Schnitterinnen ba-eten hier am heißen K-M; es war zwar verboten — der Luch war tückisch, in per Mitte stieg er einem ausgewachsenen Mann bis unters' Kinn, eine ungeschickte Bewegung nur, und, schwupp, chatte man den Milnd voll Wasser — aber die leichtsinnige Jugend badete doch und lag dann 'in den Büschen, wo die Störche spazierten. Jetzt waren die Störche auch schon fort, fort wie alle Freuden! In tiefer Niedergeschlagenheit ftfaitb der müde Mann. Ach, wäre man doch auch erst fort! Mer nicht wie .jench um nächstes Jahr wiederzukommeu — nein, ganz fort! Wohin — wohin?! Der Winter war vor'der Tür! Wie lange noch, und dieser Kopf beugte sich schneeweiß?! Eine plötzliche Verzweiflung packte den Heimatlosen. Schweiß trat ihm auf die Stirn, sein Gesicht verzerrte sich wie im Krampf. „Siehe, ich .stehe Gor der Tür und klopfe an," hatte Herr Kestner gestern als Text der all-, abendlichen Betrachtung gelesen — wer tat ihm, ihm denn aus?! Niemand! Er hatte keine Stelle und würde auch keine mehr bekommen, er war ja alt! Immer heftiger wurde das jähe, schreckliche Gefühl, das ihm so -am Herzen riß, daß dieses zitterte und alle Glieder mitzitterten, ohne Kraft zum Widerstand. Das Maß war voll bis zum Rand, voll wie der tiefe Luch hier, den der Herbstregen geschwellt — nur ein Schritt tat Not! „Hoppe! Pst, Herr Hoppe.!" Eine Stimme rief aus den Büschen, ganz leise, doch für den Zusammenschreckenden überlaut. Hinter einer Strauchweide richtete.sich der MemezpeeU auf. Dort hatte er auf den Knieen gelegen, das Gewehv im Anschlag. „Aber, bester Hoppe, pst — gehen Sie weg, weg da!" Er winkte. „Sie Verscheuchen mir ja alle Wildenten! Husch, — da haben wir's!" " Ein kleines Volk der buntschillernden Vögel ivar aufgeschwirrt; der Schuß knallte zwar, aber unverletzt fielen die Enten an einer entfernten Stelle des Röhrichts wieder ein. Mit einem unbefangenen Lachen kam der Niemczyce^ auf den Erschrockenen zu. Ter stand da wie ein ertappter Knabe. Doleschals Augen blieben, trotz des Lachens, ernst; sie forschten in dem zerwühlten Gesicht. „Hören Sie mal. Hoppe, meine Frau wird Ihnen sehr böse sein, wenn ich heute, ohne was geschossen zu haben, nach Hause komme; sie ,rechnet aus ein paar Enten. Gehen Sie mal hier weg, mein bester Inspektor! Zum Kuckuck, was haben Sie denn au meinem Luch zu suchen?!" Das klang alles sehr scherzhaft. „Herr Baron, Herr Baron," stotterte der sehr Blaßz gewordene. Weiter brachte er nichts heraus. Die Kntee knickten ihm ein. Sein Gesicht verzog sich, wie bei eineich der weinen möchte. Es war ein kläglicher Anblick. .. „Hören Sie," sagte Doleschal und drängte den andern leicht vor sich her, die Böschung hinaus aufs Ackerlanch „hätten Sie jetzt vielleicht ein wenig Zeit für mich? IW Der alternde Mann und der auf der Höhe des Lebens stehende gingen miteinander über den Acker. Ringsum wav die große Ebene. Nichts Ragendes wert und breit als dev schwarze Kirchturm von Pociecha-Dorf und der Schäfer kuv^ Dudek in seinem schmutzigen, einst! weißen, sttzr aun) Wy Der^Schäfm smnd bei seiner Herde, seltsam groß und hager, auf seinen langen Stab gestützt und schaute auge-i strengt hinüber zn den Ztveien, die da so ganz vertrest mtte einander redeten. Mas sie sprachen, verstand er nicht, auch Menu er cs hätte.hören tömicii — die sprachen jo deutsch^ Er machte eine Faust hinter ihüen: dort, der Niem-i c-vcer, der dem Land auf den Nacken iritt, der Teufest der allerschlimmste! Und neben ihm der andere, mit wirrem! ^aar und bösem Besicht, einer wie der Räuber Zagach N im Lrn ranbt! ' Ei' er, Kuba Dudek, der schon cm laustes Leben gesehen, wußte gar ivohl, was das für Logei, waren, wenn sie auch ein gar feines Lied Mitscherteist Polen in betören — aber nein, das ivürbe ihnen nicht gelingen i .Der Alte öffnete seine kleinen, sonst immer.von dcnl schrumpligen Lidern, halb verdeckten Augen mit einem innigen, sehnsüchtig-tranrigen Aiisdruckchveit. Er1"chke dem Perg dorr am Rande des eeey, der alle Tage schonte, weis der "Böse trieb — jenen Berg der Verheißung, darinucns ^underttaufendE' Ritter und noch Diele Mehr, eist ganzes großes Heer, schlafen tief in, Lysa Gora. Mar es noch nicht an der Zeit?! Würden sie noch nicht bald erwachen^ aufstehen zu Polens Befreiung?! , .. , Lorch! Ach, noch rührte sich lern Masfengeltirr rml Lina Gora' Noch tlang nicht Komniandornf und Marn schieren im Takt! Noch war die Zeit nicht da! Zitternd vor Inbrunst ließ der Alte fernen Steckest fahren; das Gesicht zum Berge gekehrt, streckte er bittend! die Hände aus. Halb singend, halb sagend, ohne Meirdie! in eintönigem Rhythmus klagte er den Wmd: .,,O, mein Polen, wann wirst du vom Schlaf.auferstehen?! „Wann, mein Polen, zerbrichst du das Eis und stehst wieder) Hü schon liegst unter Schiiecdlt und schlnnnncrch „Wann steht der Sturzbach der Luge still?. Wann straft Gott EWann erhellt sich dein Angesicht, Polen, Miste Mutter?! „Wann wirst du dich setzen mit deinen Kindern! zur Hobeck f "o wann? ! Gib Mitwort — Werde auch 1-ch dich noch sehen a • (Fortsetzung folgt.). nicht zu lauste währt bis dahin —. und dann MK Begrabene werden würd's nun vielleicht reichen. Mer leben ohne den! Acker, ohne das hier" — er breitete beide Arme gegen das! Land — „Herr Baron, das kann ich nicht! Gott fei und gnädig, ich kann's nicht, Herr Baron!" , . Der belle Tag hatte sich verdunkelt; über dre ireund-i liche Sonne waren Molken gezogen, und sie zeigte sich auch nicht mehr. . . Toleschal fühlte den winterlichen Hauch, der rhnFtrers.^ Eine Sehnsucht überlaut ihn nach Helene, nach den Mnderm nach seineur ganzen Glück, aber zugleich auch em,k.ctllew^ das ihn, jede weitere Ueberlegung raubte. Nein, dieser acke Manu sollte nicht von hier gehen ! Er zauderte nicht; wie ein edles Pferd, das dem »eifesten, Sporn gehorcht, gehorchte er einer ritterlichen Regung. „Herst Hoppe, wie wär's, wenn Sie bei mir einträten? Bis letzt habe ich mich auf dem Borwerk mit einem einfacheren Inspektor, sagen wir Wirtschafter, und auf Teutschan selber mit Vögten beholfen, aber es wäre doch ganz gut — eöf wäre wirklich wünschenswert, ja, ich — Wr nach einem glaubhaften Vorwand, und plötzlich stel s ihm ein: „ich könnte dann so viel mehr sur die Allgemcum heil leisten!" Mit e,iner aüfguellenden Freudigkeit sagte er das, der Geda.lt- war ihm gekommen wte IN. schnellest Lobli für eine freundliche Tat, Fast W Ton em.es Bittenden wiederholte er noch einmal: „Wie war s st Und als der andere ihn.mit großen ungläubigen Bstcken, in denen es aber doch wie voll aufsteigender HoffnunA glimmte, anstarrte, nickte er lächelnd: „Helfen Sw mir, damit Mio.Zeit bleibt, auch noch einer anderen Plicht zu aedenkcu! Deutschwerden, aber auch deutschbleiben, das dünkt mir ein Ziel, ans allen Kräften anziistreben. UW sollte cS auch Opfer kosten!" , Sie hören doch, ich finde nichts! Ich bin vierundfunsziig I IMste — noch älter, denn ich bi.it verbraucht!" Hastig riß der Inspektor seinen Rock auf und suchte mit zitternden Händen stach- der Brieftasche. „Hier: cms, Swet ~ sieben, acht Briefe!. Da H da — da, —. Lesen-Sie. >>mnwst abschlägig beschieden! Und inehr als sunstig Pchew W fche hab' ich noch zu Hause! Auf jedes „Infpekwr gesucht/ habe ich mich gemeldet, gleichviel wohin. Und selber 'Nserwot r~ ivie oft! — mehr als ein ganzes Monatsgehalt hat v mich gekostet... Fmurer. umsonst. ’ Jmnier: Ul alt, zu alt, zu alt ich kann's ,licht mehr hören, ich känn's sticht mehr ertragen. O, Herr Baron" — ein trockenes Schluchzen erschütterte die Gestalt des Mannes, der zermürbt war wie erst von Gewürm lind Wettermibill ausgehöhlter Akazienstamm an der Straße von Przyborowo —.„Ijätteii Sie mich doch ruhig Massen! Mit mir ist's doch vorbei!" , Eine Klage tönte ans der rauhen ©tonnte, die.Dole,chal erschütterte. Wie, hätte cr's nun doch wieder nicht recht gemacht?! Zurechthelfen hatte er doch gewollt! Hätten Sie mich gelasseil" — eine Verantwortung für dieses Leben legte sich plötzlich auf feine Seele. Seme Hand hatte diescil vom Tode zurück gehalten, ferne Hand mußte diesen nun auch stützen! Inspektor Hoppe nahm die Mütze ab und fuhr sich durch sein ergrautes Haar. „Ein, paar Groschen habe ich mir erspart," sagte er tonlos, „viel ist's nicht. .>)ch habe noch lange Zeit Schulden nachgeschleppt. Und wenn man auch freie Station hat, Kleidung und Stiefel müssen doch fein — anständige Kleidung, man kann nicht wre ein Bauer zu Tisch kommen, wenn die Herrschasreil befehlen, — nW ein Pfeifchen und 'ne Zeitung find doch nicht geram Luxus, und über landwirtschaftliche Neuerungen soll man doch auch informiert sein. Zum tzinfristen bis zum eterben — wenn ». würde gern über einiges Jhst.c Meistustg höstell.. Sie sind eist so gewiegter Fachmann!" , , ,, 1 „Ich — ich?! O, Herr Baron!" .Ist einem' harten Lachen rang die Bitterkeit nach Ausdruck. „Zchi verstehe nichts, gar nichts! ; Fragen Sie Herrn Kestner - M MN M also darum das fuhr, Toleschal so wider Willen heraus, er versteckte es unter erstem Räuspern, und dann sagte er, hinter einem harmlos glenggulttgem Ton sein Mitgefühl verbergend: „Wenn ich bitten darf, hwr entlang! So — bitte, nach meinem. Gerstschlag zu! , . Er ließ den andern vor sich her durch drc Acker,urche schreiten, blieb ihm aber immer dicht auf deii Fer,en. „So — also Sie gehen von PrWborowo fort?! 'Fa, ich gehe!" Ter Inspektor sah nicht den ihm dicht'Folgenden, er hörte nur eine Stimme im Murd, wie ; einen freundlichen Klang aus besserer Zeit, Und er redete, gleichsam zu sich selber, immer vor sich hm, m ven enker hinein: „Ich habe Unglück gehabt — ich have mein Gut verloren. Ich habe eine gute Stellung, gehaot m) haoe sie verloren; mein Prinzipal starb, die Erben verkaufen. Ich habe eine schlechte Stellung gehabt — elf Jahre bm ich bei Herrn Kestner gewesen, — ich habe auch die verloren. Ich habe Unglück gehabt — unsereiner hat immer Unglück —, Wer keinen Geldsack hinter sich hat, der D-- rechiigung zum Glück! Krepieren sollte er lieber fiLtai, der Hund!" Er schrie das letzte heraus. . Sichtlich unangenehm berührt furchte der NiemcMcr die Stirn: wär das ein gehässiger Mensch, . der. reine -«oMl^. demokrat! Aber es war doch ern Unglücklicher! Und so. blieb fein Ton freundlich, wenn er auch nm' eine Nuäme kühler wurde. „Seien Sie außer Sorge, Herr Hoppe, für Sie findet sich leicht etwas!" ., „Für mich — für mich? Haha! Für mich findet sich Nichts ' Ich weiß das jetzt besser. Hab'S auch, gedacht unol habe geküildigt — ich selber Herrn Kestner! Und doch, wenn er jetzt sagen würde: wollen Sie bleiben? — 1$ weiß nicht ph — i" Er stockte und drehte sich dann plötzlich jäh nach dem! hinter ihm Schreitenden um. „Sehen Sie, HervBaron, solch ein Hund wird man. Aber" — er lachte wieder auf, daß es dem' Hörer weh tat — „er gagt s )ä gar nicht. Er ist ja froh, mich los Ui sein. Zeh bin ihm. Ui alt. Und sie, die Gnädige, die mag mich nicht leiden, die — „O bitte sehr, Herr Inspektor, lassen wir das! Dev Memczhccr machte eine abwehrende tzaudbcwegung. „i^s interessiert mich nur, was Sie hetzt zu tun ^denUn Werden Sie nach Posen ziehen, Mo der Witwen und der Waisen/ Ö der armen Eltern nun! Und immer noch darf das Eisen/ Das blutige, nicht ruhü."- 'Jst den Chorus der deutschen 'Sänger wischen sich auch die Dciitsch-Oesterreicher hinein, die an dem Kampf der Brüder heißen Anteil nehmen und die neutrale Stellung ihrer Regierung mit Bitterkeit empfinden. Die beiden Deutschböhmen Alfr e d.M ei ß n e r und Alfred Klaar sprechen .dies Gefühl in leidenschaftlichen! Versen, aus, und der Tiroler Ad o lf Pich ler ruft: . „Te Deuni laudamüs.! — doch leider mW Beim Jubel ich heimlich grollen: Nicht darf. Tirol, beit Brüdern zinst Wüst/ Die Falstie Hofers entrollen." - In Tcutschtauds Gäuen selbst vereinest sich Dichter jeden Alters und! jeder politischen Gesinnung MM begeisterten Preise der deutschen Siege. Als' A'eltester. tritt Karl von .Holtet ans den Plast, der 72jährige, der als Kiiabe die Schmach von 1806 miterlebte und als Freiwilliger 1815 gegen den ersten Napoleon gefochten. Sein Ruf „Seid einig!" wird! mächtig getragen durch diese Resonanz der Erinnerung:. „Vor 'vierundsechzig Jahren, Von kindischer Wut durchbebt'.- Hab' ich schon mit erfahrest,- > Hab' ich schon miterlebt, Im teuren Heimatlands Die Schmach, den tückischen Hohst,- Die nie vergessene Schände, Die uns Napoleon i Voll,W eltbezwi itge r-Wahn ,Tyrannisch angetan Das künstlerisch Bedeutendste der siebziger Lyrik Naben -dich Söhne der auf Holtet folgenden Gene? ration, die schon 1848 ihre Stimme hätten erschallen lassen, geschäfsen. Herwegtz freilich verschloß sich als einziger deutscher Dichter in gänzlicher Vev- blendung gegen die großen Ereignisse; aber Fr eili graths wurde zum Herold des deutschen Ruhmes, den er in herrlichen Strophen feierte. Auch andere demokratische Dichter, ivie Rudolf Gottschall und Julius Grosse, würden durch Napoleons III. despotische Herrschaft zu pathetischen Gedichten gegen den „Zwingherrn"begeistert. Den höchsten Aus-» druck jedoch fand die Kriegslyrii neben Freiligraths Strophest vor allem in den herrlichen Liedern Geibels, der als ein würdiger Jünger Ernst Moritz Arndts das Herannäh'est einer neuen Leipziger Völkerschlacht vorausverkündet hätte/ Seine „Heroldsrufe" sind erfüllt von heißestem Dank ast das Schicksal, das so wunderbar gewaltet und allen sehn-» süchtigen Hoffnungen Erfüllung gespendet: „Preis dem Herrn, dem starken Retter/ Der nach wunderbar em Mat Aus dem Staub' uns hob im Wetter' lind uns heut im Säuseln naht." Andere Dichter der Zeit um 1848, die 1870 freudig in den Jubel einstimmten, sind der schlichte, manchmal derb humoristische Karl Sim rock, der pathetische Wilhelm Jordan, George Ludwig Hesekiel, der seins Kriegslieder „Gegen die Franzosen" betitelte. Den frommest Weiheton des Propheten, den Geibel angeschlagen hatte/ nimmt Friedrich Karl Gerok in seinem „Deutschen! Ostern" auf. Er hat schöne Beschreibungen einzelner Kriegs- szenen geliefert und auch die Heldentat der „Fahne dest Einundsechziger" geschildert, die I u l i u s W o l f f in seinem bekanntesten "Gedichte preist. Wolff zeichnet sich in seinem Versband „Aus dem Felde" durch frische, lustige Beobacht tungen aus, die die Stimmung der Soldaten wiederspiegeln.' Volkstümlich humoristische Lieder sind auch aus dem Kreise der Kämpfer selbst hervorgegangen, so das berühmte! „Kutschke-Lied" oder andere spaßhafte Verse, wie: „Gambetta, halt' das große Maul! Inwendig ist der Appel faul." Mit lustigen Gedichten wartete auch der Kladderadatsch auf, in dem Johannes Trojan und Julius Lohmeyev künstlerisch gelungene Merkchen veröffentlichten. So schildert z. B. Löhmeyer in den „lyrischen Patronenhülsen eines gefühlvollen Landwehrmannes", „lvie wir Metz, erobern".? „Es is eine schöne J'ejend Um diese Festung hier Und wenn's manchmal nich rejeuk,- Dvnn sieht mau was von ihr - , ä Im Halse bin ich heiser Hoch seit verwichne Nacht; So wird der Deutsche Kaiser Im einzelnen jemacht." Eine der schönsten poetischen Gaben hat Wilhelm J'ensest in seinen tief empfundenen „Liedern aus Frankreich" oev Lyrik von 1870 geschenkt. An seine Gedichte könnte man die wuchtigen Kriegsepen Wildenbruchs und die anschaulichen! Schlachtenbilder Lilicncrons anschließen; doch sind-die Leidest letzten Werke nicht unmittelbar, während des Krieges/ sondern erst später entstanden. Der Mund der Rauchers. Einen energischen Fürsprecher hat der Tabak und das Rauchest .jüngst in dem italienischen. Professor Dr. Giuseppe Cavallaro! gesunden, der im königlichen Institut für TabaksuntersnchunA in Seafati an Menschen und Tieren Untersuchungen über die Wirkung des Tabaks auf die Mundhöhle ausgesührt hat. Seine; Ergebnisse veröffentlicht die italienische Tabaksregie in einem' kleinen Buche unter dem Titel „Der Tabak, in der Prophylaxe! des Mundes". Sehr bemerkenswert sind die Wirkungen des! Rauchens auf den Bakteriengehalt des Speichels, die Cavallaro! kestgcstellt haben ivill. Seine Untersuchungen beziehen sich auf 18 verschiedene Bakterienarten, die in der Mundhöhle häufig sind« Es wurde die Wirkung des Tabaks in verschiedener Form era probt, nämlich die Wirkung des Rauches von Zigaretten und! Zigarren, sowie die einer dreiprozentigen Nikotinlösuiig. Zst allen drei' Versuchsreihen wurden die Bakterien im Speichel! durch die Produkte des Tabaks völlig abgetötet. Cavallaro zielst hieraus den Schluß, daß das Tabakrauchen ein Vorzügliches Mittel zur Keimfreimachung der. Mundhöhle ist. Weiter beziehen Nch Cavallaros Untersuchungen auf die Wirkung beim Tabakrauch oder Nikotinlösung aus die Schleimhaut und auf tue Speicheldrüsen,. Hierbei sind die Ergebnisse nicht ganz so günsttg. Cavallarä muß zugeben, daß die Schleimhaut sowie die Speicheldrüsen euteä Gewohnheitsrauchers sich dauernd in einem Zustande der Reizung! befinden. Das Rauchen befördert gewöhnlich, die Absonderung, des Speichels, in manchen Fällen aber geht die Mittung weiter! -und es tritt die entgegengesetzte Wirkung ein, nämlich Bei liegen 412 — des Speichelflusses, so daß der Raflcher schließlich dauernd jetrt »tnangenehmes Gefühl der Trockenheit int Munde hat. Die Reizrutg ider Schleimhaut erfolgt nach Cavallaro nicht 'etwa durch die chemische Beschaffenheit des Tabakrauches, sondern sie ist Haupt-- sächlich auf die hohe Temperatur des Rauches und seinen Gehalt an Ammoniak rind anderen Berbrennnngsprodukten znrück- gnftihren. Daß die immittelbare Aufnahrne des Nikotiils durch die Schleimhaut ins Blut nicht günstig wirkt, räumt Cavallaro ein; dagegen bestreitet er, daß krankhafte Veränderungen bert Schleimhaut, wie z. B. Leukoplasie, die viele Gelehrte auf den Tabak zurückführeu, durch das Rauchen verursacht werden. Der Einfluß des Rauchens auf die Zähne ist gewöhnlich sehr deutlich Ku erkennen; Menschen mit ganz festen und gesunden Zähnan tragen nur ganz geringe Spuren des Rauchens in Gestalt kleiner schwarzer Pünktchen davon; gewöhnlich aber wirkt dauerndes Rauchen ziemlich stark schwärzend auf die Zähne und so bildet sich eine Schicht schwarzer Flecken, die sich nicht auf die Schmelz- ichicht beschränkt, sondern tiefer in die Gewebe des Zahnes ein- vringt. Diese Färbung wirkt zwar ästhetisch nicht schön, hat jedoch i-ach Cavallaro für die Gesundheit des Zahnes keine weitere Bedeutung. Auch am Zahnfleische ruft der Tabaksräuch Veränderungen hervor; sie sind auf den Nikotingehalt zurück-' zuführen und üi den meisten Fällen bedeutungslos. Rur durch sehr starke Rikotiudosen werden Beräudertmgen hervorgerufen, die als krankhaft anznsehcn sind. Dirrch konzentrierte Nlkotin-f lösnngen erreichte Cavallaro bei seinen Versuchstieren Anschwel- lungen deS Zahnfleisches und zuweilen Blutungen, so daß das Kauen und Beißen schmerzhaft winde. Was soll man nun zu diesen Ausführungen Cavallaros sagen? Obgleich sie augenscheinlich das Interesse der Tabaksregie vertreten, enthalten sie doch manches Wahre, so daß sie nicht etwa als bloße Reklame an-, zuseheu sind. Allerdings geht Cavallaro auf einige wichtige Fragen durchaus nicht ein. Daß Tabaksrauch die Bakterien des Mundes tötet, kann man ihm ohne weiteres glauben, jedoch gibt es be-- kanntlich verschiedene andere Mittel, die Mundhöhle zu reinigen. Wie der Tabak auf andere Körperorgane wirkt, insbesondere ob er die Verdauung beeinflußt, hat Cavallaro, als nicht zum LhrmA gehörig, übergangen^ Vermischtes. * Wettlaufen und Gesundheit. Als im Sommer vorigen. Jahres in Helsmgfors ein großes Sportfest abgehalten wurde, hat ein finnischer Arzt, Dr. Taskincn, Untersuchungen über di? Folgen des Wettlaufs für den menschlichen Organismus angestellt. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der „Zeitschrift für physikalische und diätetische Therapie" veröffentlicht. Demgemäß erforderte schon eine Strecke von 400 Metern eine äußerst große Anstrengung, die sich sowohl in der starken Beschleunigung der Atmung wie in der Steigerung der Herztätigkeit erkennen ließ. Obgleich die Strecke von allen Teilnehmern in nicht ganz einer Minute zurückgelegt wurde, waren auch bereits Störungen in der Tätigkeit der Nieren nachweisbar. Auf mittellangen Strecken von 1500 und 2000 Metern, die ungefähr 4—6 Minuten beanspruchten, waren alle Merkmale der Neber - ianstrengung viel.deutlicher, namentlich war die Ausscheidung Von Eiweiß anr stärksten. Die Erwartung, daß der sogenannte Marathon-Lauf, bei dem 42 Kilometer durchlaufen werden müssen, die ungünstige Einwirkling auf den Körper im höchsten Grade. Sn Ausdruck bringen müßte, hat sich auffallenderwei.se nicht tätigt, sondern die Störungen in der Tätigkeit der genannten Wichtigsten Organe waren nach dieser Leistung im ganzen geringer Als bei den Wettläufen auf kürzere Strecken, obgleich die all- Gleine Ermüdung weit größer ist. Dr. Taskin en schlägt er vor, bei ähnlichen Veranstaltungen die Wettläufe auf 1500 bis 5000 Meter ganz fortzulassen und außerdem den Schnellauf tauf eine kürzere Strecke als 400 Meter zu beschränken. Andern-! falls würde es sich nicht vermeiden lassen, daß die Teilnehmer der Gefahr eines bleibenden Schadens an ihrer Gesundheit ans- gefeht sind. Dr. Task inen geht sogar so weit, von einer eigentlichen Lebensgefahr zit sprechen, die nicht gleich nach Vollendung des Laufs zum Ausdruck zu kommen braucht. Es kommt aber nun darauf an, die lvissenschaftlichen Untersuchungen so MszunlOen, daß der an sich schöne Sport ohne solche Befürchtungen weiter gepflegt werden kann. Im allgemeinen ist das Laufen ein vorzügliches Mittel zur Entwicklung der Organe des Atmens und deS Süftekreislaufs. Die beideit Arten des Schnellaufs und des Dauerlaufs aber sind auch in ihrer Wirkung M linterscheiden und für sich zu beurteilen. Beim Schnellauf kommt es sehr wesentlich auf Schnelligkeit des Denkens und Handelns an, also auf eine Steigerung der Herrschaft des Willens über den Körper, beim Dauerlauf dagegen mtf Kraft und Ausdauer. Den Schnellauf will Dr. Taskinen auf eine ganz kurze Strecke von etwa 100 bis 150 Metern beschränkt sehen, und für den Dauerlauf hält er eine solche von wenig mehr als 10 Kilometern für genügend, wie sie von einem geübten Läufest in einigermaßen gleichmäßigem Takt und' infolgedessen ohne Ge- sundheitsgefahr überwunden werden kann. * Ein B l u ni en - B a r oin e k e r. Daß es ein regelrechtes Blumen- und Pflanzenbarometer gibt, dürfte Wenigen bekannt sein. In einem Büchlein, das viel Merkwürdigkeiten aus der Pflanzenkunde enthält, „Das Leben der Blume uttb der Frucht", von Dr. Karl Löffler (Berlin 1862), werden darüber folgende Angaben gemacht: Regen: Wenn der Klee die Stengel empor- richtet, die Birken stark duften, die Conferven sich mit grünsh Haut beziehen, der gemeine Sauerklee (oxalis acetosella L.) sein« zusammengesetzten Blätter faltet, das Frühlingshungerblümchen, (Draba Verna L.) die Blätter herabneigt, die SumpsdotterbinMH (Ealtha palustris L.) die Blätter zusammenzieht, die Blüten des im Schatten getrockneten Waldmeisters (Asperula odorata L.h, in Linnen eingenäht, stark riechen, das tvahre oder gelbe Labkraut (Galium verum L.) sich aufbläht und ebenfalls stark riecht, das gemeine Drehmoos (Fnnaria hygronietriea) seine gebogenen Kapselstiele streckt. Heiteres Wetter: Wenn der Hühner- odev Mäusedarnl (Stellaria media) unb der gemeine Bibernell (Pinm pinella saxifraga) des Morgens gegen 9 Uhr seine Blüten in die; Höhe richtet, seine Blätter entfaltet und bis Mittag wachend bleibt, wenn sich der Blütenkopf mancher Arten der Gattung SonchuA abends vorher bei Anbruch der Nacht geschlossen hat; das Busch- wnidröschen oder die Buschanemone (anemone nemorosa) die Blüteiz aufrecht trägt. Trübes Wetter: Wenn die Buschanernon« ihre Blüten nickend trägt. Beständig: Wenn die Regenringel-, bluure (Calendula pluvialis) ihre Blüten zwischen 6 und 7 Uhk morgens öffnet und bis gegen '4 Uhr nachmittags wach bleibt;, schläft sie aber nach 7 Uhr morgens noch fort, so ist noch von Einbruch der Nacht Regen zu erwarten. Kälte und Frost: Wenn die Farbe der Ellern (alnas) lichter als geivöhnlich ist. Tai!wind: Wenn die Farbe der Ellern dunkler als gewöhnlich ist. Gewitter: Wenn die gemeine Robinie (Robinia fpen- dacacia) und einige Lnpinus-Arten ihre Blüten schließen. * Kindlich. .Elschen; „Was trägt denn der Mann dort?" — Mutter: „Das ist «ine Heugabel." — Elschen : „Wird denn! das Hen von den Pferden mit der G ab el geg e sse n?" * Fra u B r o w n (ihren Mann bei Tagesaichruch will-, kommen heißend): .„Die ganze Nacht wieder aufgewesen, wie?" Herr Brown: „Ja, Schatz. Ick bin mit Mister Wright ist seinem Aeroplan gestern abend anfgestiegen, und er konnte nicht wieder 'xunterkommen." (Puck.) * Auf de r S eku ndärb'ahn. „Ja zum Donnerwetter, Schaffner, warum hält dünn der Zug auf dieser Station nicht?" — „Ja fchaun'A, der Lokomotivführer ist dem Bahnhofsivirt scch Vierzehn Tagen immer noch die Zech' schuldig." vüchertisch. — Grieb e n s R eis e f ü h r e r. Band 36. Der Schwarzwald. (2,50 Mk.) Kleine Ausgabe. Band 87. (1 Mk.) Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin W. Dieser Führer zeichnet sich sowohl durch ungemein klare und übersichtliche Anordnung der Darstellung des Schwarzwaldgebietes als mich durch eingehendste Berücksichtigung der praktischen Bedürfnisse des Touristen aus. Die neue (16.), von E. Wöhrle-Baden-Baden bearbeitete Auflage! ist einer umfassenden Durchsicht unterzogen worden. Mancherlei hat gegen die frühere Auflage eine neue Anordnung erhalten^ Neben der großen Ausgabe hat der Verlag noch eine kleine Ausgabe zum Preise von 1 Mk. herausgegeben, die für kurzen Anfeirt- halt ausreicheu dürste, NSjselsprMg. Auflösung in nächster Nummer. ein zur Zergeht schei i so die mir i heute abend freund kleines ein die vereint ist ■ tob o \ über nen : eh' j det zu lisch gib der: der kleines spät über Hand der cS Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr — Treff, p — Pique, c = Coeur, car — Carrean, trB — Treff-Bube, pA — Pique-Ast, cD Coeur-Dame u. s. f, Im Skat lagen trB und trA. Mittelhand erhielt trZ, trK, tr9, trT, pZ, pD, p8, p7, earZ, car9, Hinterhand die übrigen, -r, Verlauf des Spieles: 1. V. c9 M. trZ H. carB = — 12 2. H. pA V. p9 M. pZ = - 21. 3. H. carA V. car7 M. earZ — — 21. Den nächsten Stich nimmt Vorhand, muß aber noch einen Trumpsstich mit 6 Augen abgeben (V. e8, M, trK, H, pB = — 6), so daß die Gegner insgesamt 60 erhalten. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R, Lange, Gieß««-