Nr. 190 e> m LL 9 Ma Iw WA I* .fesBS^Bw^ffgääft >4i=Jfi7r| -M?! SÄ Friedel halb-süß. Roman von Fedor von Zobeltitz. lFortsetzung.) (Nachdruck verböte».) Herr ClaniLrd zog die breiten Schultern hoch. „Kom- teß — Vergebung, aber es hat mir den Anschein, als liege Ihnen ungemein viel air der Einigung — auch unter für uns demütigenden Bedingungen. Ist dies der Fall, so uitte ich: lassen Sie mich abtreten." Das Auge Andrees sprühte auf. „Das wäre ein feiges Zurückziehen, Herr Clamard. Allerdings liegt mir an eurer Einigung. Und wissen Sie, weshalb? Weil ich von Anbeginn an bas Gefühl nicht losgeworden bin, daß wir mit nicht ganz blanken Waffen in den Kampf gezogen sind. Als der Streit begann, war ich nicht hier. Ich telegraphierte Ihnen aus Montreux, den Zwist einzustellen; mich bewegte damals lediglich ein gewisses unangenehmes Empfinden, gerade mit jenem Hause in Krieg zu geraten, dem mein Urgroßvater angehört und dem er viel zu danken hatte. Sie schrieen mir zurück, die Kugel sei nun einmal im Rollen Und nicht mehr aufzuhalten. So mußte ich mich fugen. Mer die Gerichtsentscheidung machte mich stutzig. Sie gaben aus meine Frage bereitwillig zu, daß Lessou durch den Grafen Eldringen in der Dat eine Gratifikation erhalten habe Bei Ihren umfassenden Vollmachten konnten Sie eine solche ohne weiteres gewähren, und mir erklärten Sie das Verfahren als „kaufmännische Usance". Ich habe, erst heute durch Herrn Friedel gehört, daß das GegenleU wahr ist. Würden Sie es verantworten köinren, wenn gertchtlichersetts konstatiert würde, daß das Haus Miquelon sich durch eine Bestechung den Taufchampagner für das Fest von Uttenhooven gesichert hat?" Herr Clamard stand wie ein gescholtener Schuljunge vor der kleinen Komteß. Die Muskeln seiner fersten Wangen zuckten nervös, er war aschfarben tm Gesicht. „>zch habe nichts mehr zu erwidern," sagte er, „wenn Komteß dem Vertreter der gegnerischen Firma mehr Glauben und Vertrauen schenken als einem verdienten Beamten Ihres Hauses. Selbst zugegeben, daß sich über die Berechtigung einer Gratifikation sirr Herrn Lesson streiten, ließe: tatsächlich ist sie doch nur un Interesse der Firma Miquelon erfolgt. . . ." Er atmete rasch und stabt auf, pustete wieder aus den Mundwinkeln über seinen Schnurrbart und fuhr fort: „Komteß wissen, daß zufolge mancherlei Intrigen, über die ich mich nicht auszulassen brauche, ein Rückgang des Geschäfts zu beklagen war. Namentlich der Absatz in9Frankreich selbst hatte sich erheblich verringert Da hielt ich es für zweckmäßig, durch em kräftiges Mittel uns wieder eine erhöhte Beachtung zu sichern und akzeptierte demzufolge den Vorschlag des Grafen Eldringen mit Freud ein" „Eldringen?" wiederholte die Koniteß fragend. „So ging die Idee, Herrn Lesson auf dem Wege emer „Ehrenprämie" für uns zu gewinnen, also von ihm,aus? „Ich sage das nicht, um mich selbst zu saldieren, sondern nur zirr Klärung der Angelegenheit. Wir hatten unfern bisherigen Agenten für den Rhein und siir die Rw verlande, Herrn Lichtenberger, nach Rewyork geschickt. Graf Eldrmgen hatte dies erfahren und sprach persönlich bei mit vor, sich um die vakante Stellung zu bewerben. Er hatte bereits Jrroy und Soutaine vertreten, kannte also die Branche; was mich aber vor allem veranlaßte, ihn zu engagieren, war seine Bekanntschaft mit Direktor Lesson und der Vorteil, der uns daraus erwuchs." . , In diesem Augenblick rief Fritz, der sich bis dahin schweigsam verhalten hatte: „Vergebung, Komteß, wenn ich mir einen Einwurf erlaube. Darf ich Sie bitten, Herrn Clamard auf Ehre und Gewissen zu fragen, ob er Nicht erst durch Eldringen davon in Kenntnis gesetzt worden ist, daß die Firma Friedel eine Marke mit dem Namen des Abeelen- schen Luftschiffes in Vorbereitung hatte." Andree erhob den Kopf. „Bitte um Antwort, Herr Clamard: ist es so?" — Ihre Stimme zitterte em wemg; sie war in starker Erregung. Auch Fritz schaute den großen Mann festen Blickes an. Nun war er seiner Sache sicher und spielte den letzten Trumps aus. Er schlug mit der flachen Hand auf seine Aktenmappe und rief: „Leugnen Sie, wenn Sie können, Herr Elamard! Meine Beweise sind stichhaltig!" . Da zuckte Herr Clamard wieder mit feinen breiten Schultern und entgegnete ohne weiteres: „Also sei.esi H ich gebe mich gefangen. Ich bekenne auch bereitwillig, daß ich Ihnen, Komteß, absichtlich die Wahrheit vor enthalten habe. Im kaufmännisch en Leben ist's tote in der Politik: man muß die Situation auszunutzen verstehen, ohne sich durch Seiitiments beirren zu la,sen. Gras Eb, dringen hatte durch einen Zufall erfahren, vielleicht auch durch Herrn Lesson — ich weiß es nicht —, daß die Flrmch Friedel ihre Marke Excelsior zur Versendung vorbereite. Er kam in Eilzügen hierher, um uns den Vorsprung zu sichern. Da griff ich zu." „Wodurch erwiesen ist," ergänzte Fritz, „daß die von uns tote von dem Herzog von Abeelen ausgestellte Behauptung einer „Unterschiebung" und eines unlauteren Wettbewerbs auf Wahrheit beruht. Herr Clamard, wurde Ihnen eine Fortsetzung des Prozesses immer noch senchm fern . Aber Herr Clamard antwortete nicht. Die Komteß kam ihm zuvor. Einem raschen Impulse folgend, steckte sie Fritz ihre Hand entgegen. „Ich bitte Ste aufrichtig um Verzeihung, Herr Friedel," sagte sie in bewegtem Tone, dast mein Haus dem Ihren em so bitteres Unrecht zu- aefüat hat, und ich freue mich, daß ich Ihnen diese Eni- Mildigung persönlich aussprechen darf. Selbstverständlich bin ich bereit, Ihnen jede Genugtuung zu geben, die Sie wünschen. Herr Clamard, ich ersuche Ste, die gegen hie 768 Firma Friedel angestrengte Klage zurückzuzieheu und em Inserat Eszuarbeiten, in dein wir unserenr Bedauern Ausdruck geben, durch die Schuld eines Angestellten unseres Hauses in die Lage gebracht worden zu sein, die gegen Uns gerichteten Vorwürfe der Firma Friedel als berechtigte ' anerkennen zu inüssen. Wir verpflichten uns zugleich, die Marke Excelsior snperior Dry aus dem Handel zu ziehen und löschen zu lassen, und tragen die etwaige Butze, die das Haus Friedel uns auferlegt. Dem Grafen Eldringen bitte ich, unter Auszahlung seines Jahresgehalts die Kündigung znstelleu zu wolle,,." Herr Elamard verneigte sich steif. „Die Erklärung, zu der Komteß sich verstehen wollen," sagte er, „ist eüt Mißtrauensvotum gegen mich. Durch eine unglückliche Verschiebung der Umstände ist unsere Operation verunglückt. Der Fehlschlag beweist aber noch nicht, daß ich mich gegen die Interessen des Hauses vergangen habe. Da Komteß dies anzuuehmeu scheinen, so möchte ich um meine Entlassung ans Ihren Diensten bitten." Andröe nickte. „Sie ist Ihnen gewährt. Melden Sie sich an der .Hauptkasse und übergeben Sie Ihre Bücher Herrn Mgneau. . . . Kommen Sie, Herr Friedel!" Sie ging voran, und Fritz folgte. „Ich bitte Sie herzlichst, Komteß," sagte er, als man draußen ivar und den Weg nach dem Park einschlug, „sich die Torheit Ihres Prokuristen Nicht nahe gehet» zu lassen. Mir scheint, der Mann ist keine Leuchte in Zion, und Woringens Ueberredungslunst mag das übrige getan hoben. Ich sehe jetzt ziemlich klar, tvie die Fäden laufen. Eldringen ist der Freund einer Frau, die mich haßt. Ihr Haus ist ohne Zweifel der Ausgangspunkt «ller Intrigen." „Lieber Herr Friedel," entgegnete die Komteß, „ich habe unter Elamard so viel leiden müsset», daß ich froh bin, ihn losgeworden zu seit,. Seine Stellung war eine Ungemein selbständige, und er hat sie dazu ausgenützt, mir mit einem Gefühl der Freude entgegen zu arbeiten. Diese Freude entsprang einen, Rachebedürsnis; er hat sich mir gegenüber einmal respektlos benommen, und da habe ich ihn energisch in seine Schranken zurückgewiesen. Mor allem in den, Streit mit Ihrem Hause hat er gerade das getan, was ich nicht wollte. Er wußte gana genau, daß wir der Firnia K A. Friedel gegenüber gewisse moralische Verpflichtungen haben, ni,d die suchte er dt,rch einen brutale», Llngriff tot zu inachen." „'Komteß sprachen schon einmal von derlei Verpflichtungen. Bezieht sich das, wenn ich fragen darf, lediglich truf die Tatsache, daß Ihr Herr Urgroßvater einmal meinem Hause ängehört hat?"' „Nein — auf mehr. Ich bin bereit, Sie die Chronik meines Vaters lesen zu lassen. Sie wird Ihnen Auf- Närung geben. Vorläufig bitte ich Sie, Ihre Abreise noch ein weina aufzufchieben und sich zu überlegen, ivie Sie Unseren Streitfall in juridischem Sinne beigelegt haben wollen und welche Buße Sie wünschen." ,Mon einer Buße kann gar keine Rede sein. Ich will auch keine Erklärung so demütigender Art, wie Sie sie vorgeschlagen haben. Mr genügt die Zurücknahme der Klage ohne eine Begründung vor der Oesfentlichreit. Die Sache mag dann einschlafen." „Eine Ritterlichkeit, die Ihnen ähnlich sieht. Mer wir sprechen uns darüber noch aus. Darf ich Sie morgen Um zwölf zum Frühstück erivarten?" Fritz perbeugte sich zusagend. In, Hotel fand er neue Briefe aus der Heimat vor, die zugleich eine weitere Bestätigung für die Schwindeleien des Herrn Lesson brachten. Kesselholz hatte einen Ausschnitt aus der „Kölnischen Zeitung" beigelegt, die das plötzliche Verschwinden des Direktors her Deutsch-niederländischen Lnftschiffer-Gescl.schast meldete. Es war eine Flucht, die ohne Zweifel in ursächlichem Zu-- sammenhang mit der unerwartet schnellen Rückkehr des Herzogs von Abeelen stand. Man vermutete, daß einer» der Aufsichtsräte Unordnungen in der Geschäftsleitung aus die Spur gekommen ivar und darüber an den Herzog telegraphiert hatte. Mer auch Kabalen besonders niedriger Art schienen hinter der Flucht des Direktors zu stecken; der Korrespondent her „Kölnischen Zeitung" ließ durch- Wcken, daß die rätselhafte Zerstörung im Steuersystem des „Excelsior" nur auf ruchlose Menschenhände zurückzuführen Jein konnte; man hatte Verhaftungen vorgenommen, durch iie Herr Lesfon abermals schwer belastet wurde. Das »alles war,.für Frjtz sehr interessant, aber es kormte seiner Sache nicht weiter dienen. Die Komteß hätte sich zu einer ehrenvollen Beilegung des Streits bereit erklärt, und er war fest gewillt, dabei von jeder harten Bedingung abzusehen. Er telegraphierte vorläufig nur nach Schrattstein, daß die Ordnung der Angelegenheit in günstigstem Sinne in naher Aussicht stehe und daß er im Laufe der Woche Heimkehrer, werde. Beim Frühstück in der Villa Hoche am folgenden Tage fehlte Madame Bailloud. Sie hatte wieder ihre Migräne und mußte sich im verdunkelten Zimmer halten. So waren Fritz und Anoröe allein am Tische und sprachen Deutsch miteinander, un, von den servierenden Dienern nnver- staudeu zu bleiben. „Mein lieber Herr Elamard hat bereits eine neue Stellung gefunden," erzählte die Kvmteß. „Der zweite Prokurist, Herr Migneau, iveiß Bescheid: Elamard ist bet Most und Chandon eingetreten." „Etwas plötzlich," entgegnete Fritz lachend. „Auch meine Ansicht. Ich taxiere, die Chandons haben längst ein 'Auge auf ihn geworfen. Sie 1,offen noch immer auf einen Ankauf meines Hauses und werden durch Elamard den Geschäftsstand zu erfahren suchen." „Ist der Nachfolger Clamaros eine tüchtige Kraft?" „Herr Migneau? Stein. Ein guter Mensch, aber ein schlechter Musikant. Es ist für mich sehr schwer, einen! geeigneten Geschäftsführer zu finden. Ich Habe ja selbst versucht, mich einigermaßen hinein zu arbeiten; aber du lieber Gott, ich bin nicht die alte Benve Miquelon, die keine anderen Jnterefsen kannte als die ihrer Kellereien und über deren legenoären Geschäftssinn noch heute allerhand Anekdoten kursieren." „Darf ich die Kälter eien nicht einmal besuchen, $‘oui.tcj3 „Mer natürlich! O — da fällt mir ein: ich will Siö sogar auf eine originelle Art einführen. Ich habe einen besonderen Zugang, der noch dazu den Reiz des Historischen hat. Und nun lassen Sie uns nochmals mit drei Worten auf unseren glücklich begrabenen Streit zurückkommen. Wolle,, Sie wirklich auf eine öffentliche Erklärung unserer-, seitS verzichten?" „Ja, Komteß. Nicht nur Ihre Liebenswürdigkeit hat mich bestochen; es spricht auch ein gelvisses Gerechtigkeits- Sl mit, das sich mit dem Ihren begegnet. Sie find' los an der unangenehmen Episode und haben ohne Rücksicht aus den Ruf Ihres Hauses für Aufklärung gesorgt. Da wäre es schlecht von mir, wollte ich Ihre Notlage ausnützen. Ich sagte Ihnen schon, daß ich mich mit der Rücknahme der Klage begnüge." „Das ist bereits gestern geschehen. Ebenso ist der Auftrag ergangen, die Excelsior-Marke zu löschen. Das noch vorhandene Lager wird neu etikettiert. Nun geben Sie mir noch ^einmal Ihre Hand: tausend Dank, Herr Friedel!" (Fortsetzung folgt.) von gorm und Karbe im Bilderbuch ffir kleine Binder- Viele glauben, ein Bilderbuch fei schon. kiudertümkich, wenn seine Gegenstände dem Erfahrungs- unb Interessenbereiche des! Kindes entnommen sind. 'Aber n i ch t b l o ß d e r St o f f, sondern auch die Form soll der Anschauungsweise! und der Fassungskraft des Kindes entsprechen,» I. Braucht das Kind überhaupt besondere Ausdrucksformen2 Braucht es in bildlichen und plastischen Darstellungen (Bilderbuch, Spielfiguren) einen Stil für sich? Die Natur nimmt doch auch Teilte Rücksicht auf den geistigen Standpunkt des Menschen und trotzdem spielen die Kinder so leidenschaftlich gern mit den! Dingen, die sie ihnen bietet. — Das ist! richtig. Aber dem! Kinde ist beim Spiel int Freien die Möglichkeit geboten, auH dem unerschöpflichen Reichtume der Statut sich das zum Spiels zu wählen, was fernem Entwicklungsstandpunkte am besten entspricht. Außerdem kommen Sand, Steine und Wasser, HoU und Rinde, Früchte und Blumen gerade durch ihre E i n f a ch h e i i den natihlidjen Bedürfnissen des Kindes weit tnehr entgegen! als' alle künstlich hergestellten Dinge. Die Kunstfo rm en' bieten wir deut! »Kinde, meist ohne es $u». fragen. Wenn U seinem Geist und Gemüt nahegebracht werden sollen, wenn tute damit das Kind in seiner' Entwicklung wirklich fördern wollen» -so müssen wir Mese künstlichen; Dinge auch»/ feinen besonders Bedürfnissen anpassen. Mas haben nun die, die Kleinkinderbücher Herstellen vdÄ! kMm ivollM, nach fciejex RiMM M M beMM? H t, it X ie te n H c-- te te et it er sbi ?" in it 'ft >11! ie it r-> n, iS !N !1t It 11. r- ctt tb' ne e-- 'V lit te rr r- nitj «a X» fÄ m; ft? ch, -eit en! mtl uA eU it«* it en! rill w Dtfl flV w 759 sind erst die körlicheu E x - toenii tonnen. Nun ist zwar der Geschmack der Erwachsenen durchaus noch nicht der richtige Maßstab für das, was den Kindern gegeben werden soll, aber auch diese verhielten sich meist ablehnende Sie waren zunächst verblüfft und dann auch enttäuscht, im Bilder-, buche Formen zu finden, die zu zeichnen sie beinahe selbst imstande waren. Die Bestrebung, die zeichnerische Ausdrucksweise der des Kindes selbst soweit als möglich zu nähern, war eine „kunst- erzieherische" Verirrung. Gewiß kann sich der Künstler bei der Gestaltung des Bilderbuches wertvolle Anregungen ans der freien Kinderzeichnung selbst holen, aber die zeichnerische Form muß trotz- dent ins echt Künstlerische emporgehoben werden. Gemachte, künstliche Einfalt wirkt meist mehr kindisch als kindlich. Von diesem! Kinderstil gilt meiner Ansicht nach dasselbe, was Otto Anthers im Klmstivart einmal von der Anwendung der sogenannten Aliers- muudart hn Kinderbuch sagt: „Die kindliche Aufnahmefähigkeit ist der Ausdrucksfähigkeit immer um einige Nasenlängen voraus; Kinder verstehen also weit mehr, als sie ihrerseits auszudrücken! vermögen. Wer ihnen Kunstformen bietet, die sie selber schon an- wenden, der hält sie künstlich auf einer tieferen Entwicklungsstufe! (Eine Philippika gegen die moderne §rau. Der Kampf um die Frau und ihr Wesen, der in dein Lande der Frauenrechtlerinnen besonders heftig tobt, ist tjt eine« neuen Abschnitt eingetreten. Hat sich kürzlich em verbitterter, grämlicher Bureaukrat mit den Frauen als Postbeamten beschäft tigt, so ist es diesmal ein Gelehrter, der gegen das „weibnche Wesen" angeht und dann zu dem Schlüsse kommt, daß die Männer nicht über den Frauen stehen, 'Zunächst müssen sie sich' der, Tatsache WMßt sein, datz der scheinbar so einfach« Vorgang des Sehens in Wirklichkeit kehr Msaiumengesetzter und schwieriger Natur ist. Das A ü g c selbst vermittelt eigentlich nur Licht- und Farbeneindrücke, nicht dber die Größei eüteS Dinges- seine Tiefe, seine Enfferuuug, seine Bewegung int Raume. Diese Vorstellungen Hub erst die' Ergebnisse vielfacher Erfahrung infolge unaufhörlichen Expertin entierens mit dem gesamten Sehapparat, zu dem auch eine Menge Muskeln zu zählen sind. Aus der Größe her Blicklinien und Sehwinkel, aus dem Maße der Kraftaustrengung! aller bei Sehen tätigen Augen-, Hals- und Kopfmuskelgruppen, schließt der Mensch erst anfangs meist mit Hilfe des Tastsinnes! pl Fingern und Hände — aus Größe, Tiefe, Entfernung und Be- toegung der Dinge. Dieses Schließen wieder und fein Ergebnis, das Urteil ist eine g eifrig e Tätigkeit. — Ganz wahrscheinlich! sieht das Kind anfangs nur flächenhaft und entwickelt sich erst pack und nach zum körperlichen Sehen. Das kleine Kind hat poch fehle Vorstellung von den Entfernungen, von der Tiefs des Raumes und der Dinge. Es greift hinauf an den Himmel! Nach Mond und Sternen, es will vom Garten aus der Mutten die Hand reichen, die zwei Stock hoch über ihm zum Fenster heransschaut. Das Gröbste der Sehtechnik eignet sich das Mud rascher an —. etwa innerhalb der ersten Monate —, Seite als auch in l______ kindertümlichste Ausdrucksweise bezüglr-, T- -s Nebeneinander und der Flächenstil; nur sollen die Flachen möglichst gleichmäßig beleuchtet sein, nicht wie int Plakatstil scharfe An- einauderstellung von Licht und Schatten aufweisen. Endlich muß bei der Darstellung eines Dinges — das gilt auch vom plastischen Spielzeug dieser Stufe — alles Nebensächliche vermieden und nur das Wesentliche in großen Zügen gegeben! werden. Dadurch werden die Dinge klar und einfach in der Form', wirksam im Ausdruck. Sie prägen sich auch! dem noch unentwickelten Formensinne rasch ein und haften fester int Formengedächtnis. Bei den bis in die Einzelheiten naturgetreu gemalten Figuren, ist das nicht der Fall. In der Menge der Einzelheiten verschwindet das Wesentliche mit, und die Vorstellungen von den Dingen werden! unklar und verschwommeit. Naturtreue, die sich bis ins einzelne! und nebensächlich)« erstreckt, geht noch über die Fassungskraft des kleinen Kindes hinaus und bildet den Sinn für die Form zu! Bilderbuch für kleine Kinder macht sich also eine Stilisierung der Dinge aufs Typische hin notwendig. Ja das Wesentliche kann in manchen Fällen noch ganz besonders betont mm heransgehoben werden, auch auf die Gefahr hin, daß der Schein der Karikatur entsteht. Die Zugbewegung des Pferdes, das Ducken des Häschens, das Schleichen der Katze, den Buckel de« Hexe, das Maul und die Zähne des Menschenfressers darf der Künstler getrost übertreiben, das Kind wird ihn schon verstehn. Das Kind braucht eben kräftigere Ausdrucksmittel als der Er- wachsene, wenn die Bilder kräftige Eindrücke hinterlassen sollen, (Aus der Dürer-Bnndes-Korrespondenz.) Max Brethfeld. zurück." ■ , Nicht weniger schwer ist auch die Anpassung der Perspektiv«! an das Verständnis des Kindes. Vor allem gilt es, getuiffoil Feinheiten und Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen: großen Tiefenwirkungen, der Einteilung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund, und starken Verkürzungen. Ich zeigte einem kleinen KiirdS einmal ein Herbstbild. Vorn saßen zwei Hasen im Kraut, weiter in der Tiefe war ein pflügender Bauer dargestellt, im Hinter-! gründe sah man weidende Kühe. Dieses Bild erregte den Widerspruch des Kindes: Die Kühe wären doch kleiner als die Hasen; so kleine Kühe gäbe es gar nicht. Daß sich im Raume die Größen- verhältuisse dem Auge wirklich so darstellen, hatte das Kind noch nicht gesehen und erlebt, und so glaubte es auch dem Bilde nichts Man wird also im Kleinkinderbuche die Dinge nicht hintereinander darstellen, sondern, wie das Kind selbst, mehr neben-. einander. Das kleine Kind empfindet die hinten befindliches Gegenstände wirklich als kleiner, Erfahrung und Bewußtsein sinh noch nicht imstande, den Augeneindruck ohne weiteres zu berichtigen. Auch für starke Verkürzungen und Betonung des Körperlichen durch feine Schattierungen und Abtönungen hat das Kind auq dieser Sttlfe noch kein Verständnis. Es ist ja auch gar nicht noch wendig, schon hier dem Kinde im Bilde eine Anschauung des rein Körperlichen zu vermitteln, dieses körperliche Sehen lernt das Kind viel besser in der Natur und am plastischen Gegenstände selbst- wo das Auge unter freier Kontrolle des Tastsinnes arbeiten kann. Hier genügt es vollständig, eine klare, deutliche Anschauung des Tinges nach Umrißform und Farbe zu geben. — Das, Pferch die Kuh, beit Hund usw. wird man also stets von der Sette, itiei aber von vorn gesehen darstellen, weil das Auge für Verkürzungen und Abstufungen der Farbe noch nicht reif ist. Dinge aber, deren beide Längsschnitte von oben nach unten in den. Maßen nicht allzu sehr voneinander abweichen — der Mensch, der Storch, die Katze in sitzender Stellung usw. —, können sowohl von de« ' ' Vorder- oder Hinteransicht gezeigt werden. DiÄ lusdrucksweise bezüglich der Perspektive ist das die Entwicklung ins Einzelne und Feine aber erstreckt sich über einen langen Zeitraum. Zum richtigen körperlichen Sehen kommt der Mensch erst im Laufe der Jahre, und! zwar teils durch fortwährende unbewußte Hebung, teils durch planmäßige Erziehung des Gesichts. Damit hat die Schule noch viel zu tun-, ja sogar beim Militär wird die Erziehung zum guten und richtigen Sehen noch fortgesetzt. Manche Menschen. Würden einfach staunen, Weiun man ihnen durch allerlei Experimente zeigte, wie schleckst sie trotz guter Augen bewußt sehen können. Gerade das Bilderbuch, das sich doch in erster Linie an das Auge wendet, darf diese Entwicklung des Sehens picht Unbeachtet laffen. Das Kleinkinderbuch hat aber noch eine zweite Entwicklungstatsache zu berücksichtigen: die Nnvoil kommenheit der kindlichen Fassungskraft. Diese Beschränktheit des Fassungsvermögens ist eine Notwendigkeit und eine Wohltat sür bas Kmd. Mü ungeheure Menge der aus der Umwelt xm- stürmenden Eindrücke würden den kleinen Geist erdrücken oder verwirren, wenn er nicht die wunderbare Fähigkeit besäße, nur' auf gewisse kräftige Reize zu „reagieren" und alles das abzn- elfen, wofür feine Aufnahwewerkzeuge und das Gehirn noch zu! schwach sind. Erst wenn die stärksten Eindrücke bis zu einem1 gewissen Grade verarbeitet („mechanisiert") und die SinneSwerk- äeugc gekräftigt sind, wird für die Aufnahme neuer und ferneren siatz in der Kindesseele. Dabei kräftigt sich das Auffassungs-- vermögen und die Vorstellungen von den Dingen nehmen immer wehr Einzelzüge an. — Beim kleinen Kinde sind Anschauungskraft! Sind Formensinn noch unentwickelt, sie sind noch oberflächlich- lüchttg zufammenfasseiid („impressionistisch^. Das kleine Kind siimmt an den Dingen meist nur das Auffälligste, Hauptsächliche-' Typische wahr. Die lurterscheidendeil Merkmale der Dinge werden entweder gar nicht aufgefaßt oder nur so flüchtig, daß si« dem wenig entwickelten Formensinn bald wieder entschwinden, Deshalb hält das Kind alle Vierbeiner im Bilderbuch zuerst für Kerbe, Hunde oder sonstige Tiere, die ihm gerade bekannt sind st nach und nach lernt es die Tiere voneinander unterscheiden!; bald geht das rascher, bald langsamer, je nach der Veranlagung. Es dauert oft langes, sthe ein Kinidi leiste! Gans und eine Esttck puseinanderhalten kann. Also auch diese allmähliche Entwicklung der kindlichen Fassungskraft und des Formensinnes ist M berücksichtigen. Wir dürfen überhaupt nie vergessen, daß Kinder Menschlein im Zustande her Entwicktnng sind, daß sie die Erscheinungen der Außenwelt in vieler Beziehung ganz anders ausnehmen und auch ihr, KMenMen anders äußern als wir Erwachsene. II. Welche praktischen Folgerungen ergeben sich daraus sür dis «Wen Bilderbücher des Kindes? In bezug auf die Farbe ist zu forderst, daß nur kräftige, Keine, ungebrochene Töne verwendet, alle feineren Abstufungen! Und Zwischentöne dagegen vermieden werden. Früher wünschten vranche Padägogen nur schwarzweiße Darstellungen für die ersten Bücher; aber die Erfahrung hat im Gegensatz zur Theorie bewiesen, daß gerade die lenchtkrästigen Farben eine ungemein große Anziehungskraft auf die Kinder ausüben. !Die Lust der Kinder! W Der Farbe berücksichtigen fast alle neueren Bilderbücher. Bei weitem nicht so günftig, aber auch nicht so einfach liegen die Verhältnisse auf dem Gebiete der Fo r in. Da finden wir selbst Hei guten Bilderbuchkünstlern noch "allerlei Unklarheiten und Irrtümer, vor allem in bezug auf die Zeichnung. Als unsere^Bilder- Rnchkünstler ansing cu, neben dem Stofs der Form mehr Sorgfalt U, widmen und auch sie dem geistigen Standpunkte des Kindes mehv »«Kipassen, glaubten einzelne von ihsten, sich möglichst eng an die Kmderzeichnung selbst anlchüen zu inüssen. Auf diese Weise bekamen wir Bilderbuchzeichuungen, die znist Entsetzen aller Väter totl) Mütter einen so gewollt ursprünglichen Eindruck machten, daß jHÄft sie M Zej.chMyigen des „nehM selbst hätte halten 760 — Gewappnet Wit teilt RliMeug ter motemen, Wissenschaft HÄ es ter amerikanische Psychologe Dr. Max Baff, Professor an der Clark University, unternommen, eure „fürchterliche Abrechnung" mit ter modernen Frau zu halten. Im „American Magazine" veröffentlicht er seine Untersuchungen, tee in herbe Borwürfe gegen das weibliche Geschlecht von heute ausklmgen. „Wie würden wir einen Mann nennen, ter sich mit Federn bedeckt, sein Gesicht mit Farben und Puter bemalt, langes Haar trägt, ter sich mit buirten Steinen bchanO und seinen Körp^i Mit einer Kleidung bedeckt, die in allen Regenbogenfarben schillert, was würden wir zu einem solchen Manne sagen, wkMi er heute in dm Straßen einer modernen Stadt auftauchte? Würdm wrr ihn einen modernm Kulturmenschen nennen, dessen Geisteskraft wir ter unseren gleich setzen? Oder würden wir in, ihm niM einen tiefstehendm, un-ivillsierten Barbarm sehen? Das ist die Fragestellung des amerikanischen Gelehrten, tee tee Richtung seiner Ausführungen bezeichnet, wobei allerdings n>.cht gesagt wird, daß es scheußlich wäre, wenn die Farblosigkeit der Männertracht auch auf die Frauen Übergriffe. , _ „Die arme wie die reiche Frau, sie alle lechzen danach, sich Mit Federn zu schmücken, gleichviel, welcher Rasse und welcher Zivilisation sie anqehören. Die Amerikanerin, tee, Pariserin, die deutsche Dame, die Schlvediu, alle, alle zeigen diese charakteristischen Merkniale unserer primitiven Borfahrm. Bor unserem Blicke ersteht wieder die Zeit unserer Urväter, als tee Männer noch Federn anlegten, um schön zu erscheinen, ^n Paris trägt man in diesem Jahr Nachtigallm und Lerchen auf den Damenhüten, der Chantecler-Hut der eleganten Frau von heute zeigt eine verblüffende Verwandtschaft mit dem Federschmuck des Jndianerkriegers. Fedeni und Farben, Gesichts- Malerei, das allein würde dem Historiker genügen, um tee Diagnose eu stellm: Wilde. Dies Urteil wird noch bestärkt, wenn wir tee Mengen von bunten Steinen und Metallteilm betrachten, mit denen die Frauen von heute sich zu schmücken lieben. All das tst ein Symptoni für die ununterbrochene geistige Konzentration auf die Freuden ter persönlichen Ausschmückung, eine Geistes- konzentration, die gewiß viel beigetragen hat, um den Fortschritt der Frau zu verlangsamen. Der Wilde gibt bereitwillig em Pferd, um dafür ein rotes Tuch einznhandeln, tee moternet Frau zahlt Unsummen ftir eine lustige, bunte Toilette. Was längst entschwundene Völker in abergläubischer Scheu furchtsam anbeteten, Schlangen und Reptilien, das liebt die mteerne Frau und schmückt sich mit Nachbildungen dieser abstoßenden Tiere." Doch der Gelehrte stützt seine Argumente nicht nur auf Reußer- lichkeiten. „Die psychologischen Merkniale sind noch stärker ausgeprägt. Farbenblindheit bei Frauen ist eine Seltenheit, genau wie bei den Wilden. Unzählige Forschungen und Versuche haben bewiesen, daß in der Frau die primitiven Rasseninstinkte stärker fortleben wie im Manne, und darum sträuben He sich auch hartnäckiger gegen das Aufgeben alter Denkweise. Sie träumen lebhaft, stellen das größte Kontingent der Nachtwandler, spielen die Hauptrolle bei hypnotischen Ereignisseit, in der Reihe ter Trancezustände und Ekstasen, sind für Halluzinationen empfänglicher und liefern weitaus die meisten abnormen psychologischen Phänomene. Wie die Wilden neigt auch die Frau von heute zur hysterischen Religiosität, Mr religiösen Hysterie, und ihre Suggestibilität ist größer als die des Mannes. Uich tee Suggestion ist die Schwelle zur Tat. Die Suggestibilität der Fran bei öffentlichen oder religiösen Bewegungen ist leicht zu erkennen. Sie begehren etwas, weil andere sie dazu drängen, und wie ein Kind oder ein Wilder können sie den Wert tes Ersehnten, nicht abschätzen, sonderil nur die Tatsache, daß sie es haben möchten." ' Prof. Baff schließt dabei auf dis Bewegung ter Frauen-, rechtlerinnen, die er auf eine Massensuggestion zurückführt. Diese hysterische Seuche wird nach ein paar Jahren schwinden, aber wenn man inzwischen den Frauen das Stimmrecht gewährt haben würde, so würde die Mehrheit nach einen! Jahr aufhören, das Recht auszuüben. Die. Gewährung ihres Wunsches wäre das beste Heilmittel gegen diese Epidemie. Aber der Gelehrte, der das schöne Geschlecht so wacker schmäht, tritt zugleich mit aller Energie denen entgegen, die aus seinen Feststellungen den Schluß ziehen Möchten, daß der Mann über der Frau stehe. „Es wäre absurd, darum zu denken, daß das eine Geschlecht dem anderen überlegen ist. Die Geschlechter halten sich gegenseitig das Gleichgewicht, sie ergänzen einander und können nicht miteinander verglichen werden. Auf seine Weise st ehtje des vostihne st über dem anderen," vorficht — Nikolaus! In unserer übernervösen Zeit ist vielleicht die Mahnung eines Mitarbeiters tes Türmers nicht von der Hand M weisen, der schreibt: Nervös läuft die kleine .- . . hin und her, bald sitzt sie auf dem Stuhl, bald steht sie. Ihr sonst so frisches, gesundes Ansehen hat einer auffallenden Blässe Platz gemacht, und oft entringt ich ein Seuszer ihrer Brust. Ach ja! Nikolaus will kommen. sie war immer so brav, der Lehrer hat sie so gelobt, und wltt heute morgen war sie ein wenig Märtkg gewesen. Und nstst mußte gerate Nikolaus kommen! Mntter, Bruder und Schwester« sie alle hatten nur ein Lächeln für ihre bangen Fragen, und an« den halben Worten konnte sie schon herausfrnden, daß NikolauH den Sack mitbringen würde! Und sie war doch immer so braps gewesen! Da wird hastig und kurz geschellt! Alle rufen in bange-, machendem Tone: Nikolaus kommt, und ihr .geheimnisvolles Lächeln kündet nichts gutes an. Da wälzt sich's schon herein! Bebend hält sich die Kleine am Tisch und beantwortet zitternd! die Fragen des Nikolaus. Jetzt erinnert er tee Kleine an drei Ungezogenheit von heute morgen und öffnet den Sack!! Wey vermag die Szene zu schildern, die nun folgt? 'Das sich trt Todesangst windende Kind und die kaltlächelnden Eltern urch Geschwister. Welch ein Gegensatz!!! Meine Versuche, tee pernz liche Szene zu verkürzen, scheiterten an der Hartnäckigkeit M Nikolaus, der immer neue Mittel fand, die Ängst M steigern^ sei es, daß er die Geschwister in den Sack stecken wollte, oder datz er neue Gründe fand, die Kleine mitzunehmeii. Dre Angstschreis tes Kindes und das Gelächter der Erwachsenen: ich zitterte vo« Zorn und Aufregung! Fast eine halbe Stunde dauerte die Folter« dann verschwand Nikolaus, nachdem er seine Gaben ausgeteilt, uns ließ ein zitterndes Geschöpf zurück. Mit solchen Mitteln geht man heutzutage bei den schon nervösest Und überreizten Kindern unserer Zeit noch vor, um Herne Ulfa arten auszumerzen und — um ihnen eine Freude zu machen!« . . . Stellen wir uns vor, daß das Kmd tatsächlich meint« hier sei es der Macht eines Wesens in die Hände gegeben, das auch über Vater und Mutter stehe, und daß angesichts des Sackes allä die Vorstellungen früherer Schaudergeschichten in ihm lebendig werden: stellen wir uns dies recht lebendig vor, so muß uns dch furchtbare Angst tes Kindes verständlich werden. Zweifelsohne werden die ansgenommenen Vorstellungen das! Seelenleben des Kindes noch lange beeinflussen. Mißtrauen gegen-. Über Eltern und Geschwistern, die keinen Trost, wohl aber eist Lächeln für die Not haben, ist die erste Folge, wenn sich auch das Kind dessen nicht bewußt wird. Wie oft klagt spater die Mutter! über Verschlossenheit des Kindes und ahnt Nicht, daß durch den, geschilderten Vorgang und ähnliche Vorkommnisse die verpöntg Eigenschaft künstlich gezüchtet wird. Als weitere Folge solcher) Affekte wird die Schreckhaftigkeit nicht fehlen. Jedes kurze, hastig« Schellen wird die Angstvorstellungen reproduzieren, ebenso rede! Gestalt, die an den Nikolaus erinnert; es wird sich furchten, m; die dunkle Kammer zu gehen, es erschrickt, wenn es angerufen« und wird überempfindlich gegen jeden Tadel. Und ist das Nerven-, system erst einmal an starke Reize gewöhnt worden, so Erlangt es später immer stärkere. Launenhaftigkeit und Unzufriedenheit dep Töchter, wenn der Alltag nichts Neues bringen will, ist auch eist Schmerzensgeld, das die Mutter früher oder später zahlen muß. Jeder Tag muß etwas Neues bringen: und sei es eine Angst, und! sei es ein Hinabsteigen in Schmutz und Verderben —- gleichviel« neue Reize muß das Nervensystem haben. Mit tausend Zungen möchte ich allen Eltern zurufen: Bewahrt eure Kinder vor solchen! Affekten! Könnt ihr auf die Nikolausfreuden nicht verzichten, so vermeidet doch solch starke Erregungen, die auf alle Falle! Schaden bringen. Schachaufgabe. Von y. Elson. Schwarz. 8 7 6 6 4 3 2 1 b d 8 7 6 6 4 3 2 1 Weib. Weib setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auslösung in nächster Nummer r Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nuiiimer: Hering (7, E i = E); Ehering. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und ©tcinbructerci. N, Lange, Gießen.