UW -M LLLLL. ;'d. MMM w; M «Wk8^W8! Bhil L.MW M Samstag den S. November WMMülipntz >5N MechaltunKbliÄMMießmer^elgerGeuttlä-AilzöZei'). w(t,' 1910 — m. ,73 Friedel Halb-M. Moman von Fedor von Zobeltitz. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) Dora ärgerte sich über die „Fachsimpelei". Kesselholz schwieg auch plötzlich, denn unweit im Gebsch begann laut eine Nachtigall zu flöten. Das war die Stimme der Poesie, die sich in das Loblied der Materie mischte. Nein wirklich, man konnte nicht weitersprechen — man mußte diesem Sange der Sehnsucht lauschen. Dora schlich fort. Dann Hub auf einmal eine zweite Nachtigall an. Einen Augenblick verstummte die erste, gleichsam erstaunt über den Nebenbuhler. Der sang weiter. Es war ein süßes Locken, Werben und Rufen, ein holdes Fordern, ein schmelzendes Adagio, das wie eine Frage klang. Sofort antwortete die erste Stimme, und nun entspann sich ein Zwiegesang von seltsamer Schönheit: zwischen leisen Klagetönen und'schluchzenden Geständnissen schwollen Lustschreie zu schmetternden Fanfaren an; dann erklang wieder ein zartes Fragen und Antworten, ein schelmisches Duo, ein lyrisches Capriccio, und schließlich begann von neuem das Schmettern und Jubeln, ein stürmischer Hochgesang, der nicht enden wollte. Kesselholz hatte kein Empfinden dafür. Derartige „Naturgeräusche" behagten ihm nicht. Doras merkwrdiges Nachahmungstalent war eine brotlose Kunst. Aber Fritz versank in stilles Sinnen. Diese Sehnsuchtsrufe trafen sein Herz: nicht gar so leicht ließ das Halbsüße sich- zwingen. Eine Weiche Stimmung kam über ihn, eine Ablösung vom Sichtbaren, das Gefühl, als tue sich ihm im harten Drange der Wirklichkeit eine seelenvollere Welt auf. Feßler hatte sich erhoben und die Lichter in den Papierballons gelöscht. Sie störten ihm den künstlerischen Genuß. So aber war es famos. Schon stand der Mond am Himmel: groß, gelb und glänzend. Sein Widerschein fand Spalten und Löcher im lebendigen Geflecht der Laube, und da drang er hindurch und verstreute sein Gold über den Tisch und warf in das Opal der gefüllten Gläser glitzernde Funken. Ganz famos! Noch immer sangen die Nachtigallen. Aber nun schwieg die eine: es war wohl die mit dem Menschenkerzen. Ein Fröschlein begann zu quaken; ganz leise und zach. Es mußte ein Froschkind sein. Kesselholz erschauerte. Seine Idiosynkrasie wurde wach. „O, diese Göre!" stöhnte er; „Feßler, das halt ich nicht aus!" Lauter quakte der Frosch, diesmal in Alt: es mußte der Froschvater sein. Quarrend und wimmernd antwortete das Froschkind. Die Nachtigall sang nicht mehr. „Halten Sie ihr den Mund zu, Feßler!" rief Äesselholz erbost. Fritz lachte. Feßler aber war schon fort. Er suchte Dora und fand sie. Sie stand hinter der Fliederhecke und quakte. In der Hecke gegenüber flatterte die Nachtigall scheu von einem Zweige zum andern. „Fräulein Dora," sagte Feßler, „das ist unerlaubte Realistik." Dora schaute ihn mit mondhellen Augen freundlich an und quakte mit schiefem Munde weiter. „Fräulein Dora," sagte Feßler wieder, „Befehl deI Vaters: die Amphibie schweige." Dora war jetzt auf einen neuen Ton gestimmt: sie kopierte einen Froschsäugling, der erst quaken lernt. EI klang schaudervoll. Aber die Gebärde dabei, die fand Feßler ganz reizend. Wie sie das Mäulchen verzog und die hübschen Lippen rundete und dann wieder ihre gesunden Zähne zeigte, und wie das Grübchen im Kinn sich vertiefte und mählich flacher wurde. Und tote die Augen glänzten im lieber mut — das war gar zu niedlich. „Fräulein Dora," begann Feßler zum dritten Mak, „Befehl des Vaters: ich soll Ihnen den Mund schließen." Das sagte er, und er tat es auch schon. Er umfaßte sie und drückte einen herzhaften Kuß auf ihre Lippen. „Hast du mich lieb, greulicher Qnakefrosch?" fragte erleisc. Sie umschlang seinen Hals und küßte ihn wieder, „ö Gott," stammelte sie, „ach Gott — Erich . . ." Es war keine ordnungsmäßige Erklärung. Aber er hielt das runde warme Mädelchen in seinen Armen und war zufrieden mit dieser Ordnung der Dinge. Kesselholz trank sein Glas aus. „Na Gottseidank," sagte er, „nun hat der Feßler denk Gequäke ein Ende gemacht." 10. Da der Herzog von Abeelen nichts weiter von sich hören ließ, so wandte sich Fritz in den ersten Julitagen nochmals an ihn mit einer Reihe von Fragen. Daraufhin traf das folgende lange Selegromm ein, dessen Absender sich auch die sonst üblichen Abkürzungen geschenkt hatte: „Sitze so wahnsinnig in der''Arbeit, daß ich Sie herzlich bitten muß, mit dieser Eilpost vorlieb zu nehmen. Angelegenheit Excelsior ist vollständig geordnet. Allerschönsten Dank für den Präsentstoff, der meinen Gästen hoffentlich ebenso gut munden wird wie mir. Selbstverständlich sind Sie, lieber Friedel, wie auch Herr von Feßler zur Kuf- stiegsfeier geladen, auch Vater, Mutter, Großvater und wer sonst noch Ihrem Herzen nahe steht. Das Bureau hat Auftrag, Ihnen Plätze zu reserviereu. Den Taufsekt samt Hülse und Emballage bitte an Direktor Henry Lesson zu senden, der auch zu jeder weiteren Auskunft bereit ist und Auftrag hat, Sie hier zu empfangen. Es bleibt also 6et Freitig dem Dreizehnten, vormittag elf Uhr, doch hoffe ich, Sie schon am Wend vorher zu sehen. Die Hotelgesell» 690 um die Ueber Windung der Schmierigkeiten, die sich wachsender Größe des Ballons und gesteigerter Geschwindigkeit der Fahrt vor allem hinsichtlich der Stabilität bemerkbar gemacht hatten. Der „Excelsior" war das umfangreichste der vorhandenen Luftschiffe, und in der Fachwelt war man sich längst einig darüber, daß die Zukunft der Aeronautik dem großen Rauminhalt gehörte, den Riesenballons, die die stärkste Widerstandsfähigkeit und zugleich die energischste Schnelligkeit zu entnickeln vermögen. Die strage war nur die, ob die neuen Slabilisationsflächen, die Abeelen erfunden hatte, sich bewähren würden. Man hatte für den „Ausstieg" absichtlich keine Zielreise, sondern eine bisher un- erhört große Schleifenfahrt in Aussicht genommen, weil auf einer solchen die Gegnerschaft der Winde sich naturgemäß am kräftigsten bemerkbar macht. DK rätselhaften Organe des Menschen, Von Dr. van Troy. Roch bis vor zwei Jahrzehnten beherbergte der menschliche! Körper m seinem Innern Organe, von denen man nichts weiter wußte, als daß sie eben vorhanden seien. Sie galten weder als notwendig für den Körperbestand noch überhaupt als zweckmäßig., Es mag erinnert werden, daß Haeckel in diesen rätselhaften Organen den Ausdruck einer Unzweckmäßigkeit ,,D y st e l e o l o g i c" der Natur sah, die er der von ihm bekämpften Nalurausiafsung entgegenstellte. Systematische Forfcherarbeit der letzten Dezennien hat zu anderen Ergebnissen geführt. Es zeigte sich, daß es Organ« von lebenswichtiger Funktion waren, die nur deshalb so lange unerkannt geblieben, weil die Wissenschaft in harter Arbeit erst die gröberen, mehr im Lichte stehenden Funktionen des lebenden Organismus wie Stoffwechsel, Atmung, Verdauung, Zeugung u. a. m. in ihren Grundlinien erkennen mußte, ehe man sich zu den feineren und feinsten Regulierungen wenden durfte. Zudem bot die anatomische Untersuchung gar keinen Fingerzeig für die Erkenntnis der Leistungen, man wies wohl aus die mehr als zufällige reichliche Gefäßversorgring und die aus ihr entstandenü stärkeren Durchblutung hin, die diesen Organen den Namen der Blutgefäßdrüsen eintrug; man erkannte wohl ihren drüsigen Bau, aber, das Spezifikum jeder Drüse, der Ansstihrungsgaug. durch sich mit ihrer Idee, ihre neue Marke unter tem Statuten Luftschiffes einzuführen, begraben lassen. In der Tat, wenn Abeelen nicht glänzend siegte, waren die Hoffnungen schwach. Kesselbolz hatte wieder bange Stunden. Er hatte sich plötzlich mit Eifer auf das Studium der Aeronautik geworfen, durchstöberte das Konversationslexikon, kaufte sich Broschüren, las aufgeregt alle Zeitungsnotizen, die sich auf die Frage der Lenkbarkeitsmöglichkert bezogen, und war in sichtlicher Unruhe. Auch Fritz über- schlichen dann und wann gewisse Zweifel. Allerdings galt Abeelen seit langem als eine Autorität auf dem Gebiets der Luftschifsahrt. Ludwig der Flieger" war in aeronautr- schen Kreisen ein bekannte Persönlichkeit und war derzeitig wirklich der einzige, von dem man eine wenigstens annähernde Lösung der großen Probleme erwartete, schon deshalb, weil es seiner Unermüdlichkeit und freilich auch dem gesellschaftlichen Glanze seines Namens gelungen war, reiche Mittel zu finden, nm unbeirrt seine Wege verfolgest und bent gewaltigen Anprall von Unglauben, Unverstand und Uebelwollen standhalten zu können. Tatsächlich war es ihm als erstem auch schon gelungen, Luftschiffe unabhängig von der Windrichtung vorwärts zu treiben. Benn „Excelsior" aber sollte es sich um wichtigeres handeln: ..... . I . <1- i:x bei schäft Holst hat Baracken erbauet: kaffen, so daß S '. immer Unterkunft finden. Auch können Sie nötigenfalls in meiner Bude tarieren. Mit herzlichen Grüßen Ihr ergebenster Abeelen." Das Telegramm sagte genug. Es war auch ganz m )er Art Abeelens gehalten, der den. vermittelnden Funken brieflicher Nachricht vorzog. Fritz kannte den Mann: er war zu jeder Gefälligkeit bereit, aber wenn er den Kopf voll hatte, wälzte er gern alles Nebensächliche auf die Schultern seiner Leute ab. Das war übrigens durchaus verständlich: handelte es sich in diesem Falle doch um einen weltbewegenden Vorgang, dem auch die Regierungett mit gespannter Aufmerksamkeit entgegensahen. , 'Amsterdamer Blätter brachten die ersten Nachrichten Über die $u erwartenden fürstlichen Gäste. Der Prinz der Niederlande als Protektor des Unternehmens hatte die Ein- ladungen ergehen lassen und außer dem Kaiser und den deutschen Bund/sfürsten auch seinen Nachbar, den König von Belgien und den Gxoßherzog von Luxemburg zu Gaste gebeten. Dazu kam eine ungeheure Menge von bedeutenden Persönlichkeiten aus dem hohen Adel, der Diplomatie und Gelehrtenwelt, so daß man auf eine kleine Völkerwanderung gefaßt sein konnte. Ursprünglich war geplant worden, die Einladungen noch iveiter auszudehnen, aber zum Seibtoefen des Prinzen, der mit wahrem FeuereifM bei der Sache war und am liebsten die ganze Kulturwelt! an dem Schauspiel hätte teilnehmen lassen, war das eine Unmöglichkeit. Es sagten ja eine ganze Menge ab; immerhin war hie Schwierigkeit groß, schon die Fürstlichkeiten «nterKubringen, und auf den Hofämtern im Haag gab es deshalb seit Wochen fieberhaft erregte Nerven. Glücklicherweise lagen in der Nähe der Wiesen von Uttenhooveu din paar königliche Jagdschlösser; in Beerdooren stand noch eine alte, ganz wohnliche Burg, und auch einige reiche Grund- besitzer der Umgegend hatten ihre Herrensitze zur Ver- Ülgung gestellt. Die hohen Fürstlichkeiten sollten natürlich im Haag, in Loo unb in den Schlössern zu Amsterdam, Soest- dijk unb Sawerd Quartier finden, während für bie übrige Gesellschaft auf den Geländen von Uttenhooveu ungeheure Barackenlager errichtet wurden, bereit Verwaltung bie Holst- Compagnie übernommen hatte. Wenn man den holländischen Blättern Glauben schenken konnte, war auf den be- rühmten fruchtreichen Wiesen bereits eine ganze Stadt entstanden, die nur noch auf ihre Bevölkerung wartete |tnb bie in weitem Bogen das Aerodrom umgab. Am 8. Juli sollte die silberne Hülse für bie Flasche tnit dem Taufchampagner fertig sein. Aber der Goldarbeiter hatte sich infolge einer Verletzung an der Hand ein wenig verspätet, und so konnte die Arbeit erst am zehnten abge- jiefert werden. Sie war übrigens außerordentlich geglückt, ein Schmuckstück ans duftig feinen Fiftgranornamenten: in» einandergreifende Weinranken, zwei pausbäckige Putten umschlingend, die eine Banderole mit der Inschrift „Excelsior" trugen. Dazu gehörte ein kleines silbernes Beil zum Kappen des Flaschenhalses und eine Kassette aus geflochtenem Leder, bie oben in schöner Punzarbeit die Wappenschilder jder Niederlande und des Geschlechts Abeelen trug. Die Sendung ging sofort unter Versicherung unb durch Eilboten an bie Adresse des Direktors Henri Lesson nach Uttenhooven ab, mußte also noch rechtzeitig eintreffen. Bisher hatte man das Geheimnis der neuen Marke zu hüten verstanden. Aber obwohl Feßler den Juwelier Unb Lederarbeiter in feierlicher Weise beschworen hatte, reinen Mund zu halten, mußten sie doch wohl nicht ganz diskret gewesen sein, denn schon auf der Versteigerung be,i Nidderkovp hatte der Weinhändler Kothe eine nicht nnßzu- verstehende Anspielung gemacht. Nun wurde Fritz mit Fragen bestürmt, wenn ein Geschäftskollege ihn traf. Genaueres wußte man ja nicht; man ahnte nur. Aber man ahnte doch das Richtige, unb der Konkurrenzneid regte sich wieder. Sehr erbost war der dicke Kupka, der die Lieferung hes Tcmfsekts für die Schiffe der deutschen Kriegsmarine hatte; er hatte das Gefühl, als wolle K. A. Friedel seine Kreise stören. Man hatte ja hin unb wieder schon davon gehört, daß Ballons mit flüssiger Luft getauft worden waren — über eine Luftschifftaufe mit Schaumwein war in den Augen von Kupka Söhne ein Konkilrrenznianöver ganz niedriger Art. Der lange Rickert hielt die ganze Spekulation jfür verfehlt. Er wollte gehört haben, daß der Ausstieg des Mbeelenschen Ballons sich zu einem ungeheuren Reinfall gestalten werde —i NG und bann konnten auch bie Friedels Merkwürdig war, daß der alte Opa, obwohl er Abeelen gar nicht kannte, mit fester Zuversicht an das Gelingen des Unternehmens glaubte. Das Interesse des Kvmmerz.en- rats für die Angelegenheit Ivar dagegen sichtlich gesunken. Von dem Tage ab, da Fritz in das Geschäft eirigetreten) war, schien bei ihm die Freude an der Arbeit erlahmt zu sein. Er führte das bequeme Dasein eines Privatiers der von seinen Renten lebt, stand spät auf, zeigte sich nur vorübergehend in den Bureaus und fuhr gcw.hiuich schon in den Nachmittagsstunden nach Wiesbaden, um erst in der Nacht wieder heimzukehren. Es widerstrebte Fritz, ihn beobachten zu lassen, obwohl er es gern getan hatte, denn er war überzeugt, daß der Alte auf nicht ganz lichten Wegen wandelte. Feßler hatte nicht herausbekvmmen können, ob der Kommerzienrat für das Leben der Gräfin Orczelska sorgte. Sie bezahlte ihre Rechnungen im Nassauer Hof selbst; bas stand fest, wollte aber nichts sagen. Der Kommerzienrat konnte mit seiner Börse trotzdem gefällig hinter ihr stehen. (Fortsetzung folgt.) 691 Seit die abgesonderten Erzeugnisse au Sie Oberfläche befördert zu werden pflegen, fehlte bei allen. Da begann von einer anderen Seite her das Licht zu dämmern. Die Erkrankung wurde zum Ausgangspunkt des Studiums, besonders als die Chirurgie dank der Einführung der Anti- und Asepsis stark genug sich fühlte, «m jeden Eingriff wagen zu dürfen, und derartig an und für sich schon überflüssige, durch die Erkrankung aber nun für den ganzen Körper gefährliche Organe vollständig zu entfernen versuchte. Vor allen anderen war die Schilddrüse (Thyreoidea) Gegenstand der chirurgischen Eingriffe. Es dürfte wohl allgemein bekannt sein, daß „Kropf" eine krankhafte Entartung dieser Drüse ist. Hatte man den Kropf und damit also auch die Schilddrüse entfernt, so begann sich bald darauf der Körper des Operierten in ausfallender Weise zu verändern. Die Haut schwofl teigig an, die Gesichtszüge bekamen einen blöden Ausdruck und auch die geistigen Fähigkeiten sanken unter das Mittelmaß des Normalen. Da alle diese Erscheinungen auf das Fehlen der Schftddrüse zurückzuführen waren, wurden sie als Ausfallserscheinungen bezeichnet. Nun waren aber derartige Krankheitsbilder an Menschen, die Überhaupt nicht operiert worden waren, bekannt. In gewisserr Berggegenden gibt es nämlich — und viel zahlreicher als im Flachlaich — Blödsinnige mit eben dieser Gedunsenheit der Haut. Man spricht von Kretinismus und Myxödem. Bei diesen Kranken fehlt die Schilddrüse oder sie ist verkümmert. Nicht mit Unrecht -schrieb man dem G e b i r g s w a s s e r die Schuld Jur die Erkrankungen zu. Untersuchungen ergaben, daß es jod- irmei sei als das Wasser der Flachländer. Von jeher waren auch rein erfahrungsgemäß Kröpfe mit Jod behandelt worden. Das noch fehlende Bindeglied aber fügte fich ein, als es in der Tat gelang, Jod in der normalen Schilddrüse in einer Menge von 21/2—61/2 Milligramm auszufinden. Wie fast alle anorganische Substanzen geht es im Tierkörper Verbindungen mit Eiweißstoffen ein. In der Jodeiweißverbindung — dem Thyreoidtr» oder Jodothyrin — liegt das wirksame Prinzip der Schilddrüse. Mit chm vermag man auch die Ausfallserscheinungen nach vollkommener Entfernung der Schilddrüse — die übrigens nur noch ganz selten ausgeführt wird — aufzuhalten. Jod für sich ist dazu nickt imstande, der Organismus bedarf wohl seiner für die Funktion der Schilddrüse, allein es muß zuvor in einer organischen Form aufnahmefähig gemacht werden. Bevor es gelungen war, das Jodothyrin aus der Schilddrüse rein dar- zustellen und zu Heilzwecken zu benutzen, hatte man sich mit dem Extrakte aus tierischen Schilddrüsen, dem Thyreoidin, das natürlich auch das wirksame Jodothyrin enthielt, zu behelfen versucht. Welches also ist die Funktion der Schilddrüse? Ans den obenerwähnten Ausfallserscheinungen lvird es am deutlichsten. Sehen wir beim Mangel der Thyreoidea das Nervensystem so schwer geschädigt werden, daß der Erkranke verblödete, so dürfen toir annehmen, daß die Schilddrüse vermfttelst ihres Sekretes ftir die Reinheit des Nervensystems zu sorgen hat, indem es giftige Äbbauprodutte unschädlich macht. Auch für den Äesamtstoffwechsel jst sie von erheblicher Bedeutung; sie steigert ihn und verhindert f) die Ablagerung jenes überschüssigen schleimigen Gewebes, das ie Haut aufschwellen läßt. Die Erkeimtnis dieses großen Ein- Äauf den Stoffwechsel legte den Gedanken nahe, die Schildsubstanz überhaupt zur Erhöhung des Stoffwechsels, besonders zu einer Entfettung dickleibiger Menschen, zu benutzen. Obwohl derartige Entfettungen auszuführen sind, ist man von dieser Methode mehr und mehr abgekommen, da der übermäßige Gebrauch von Schilddrüsen-Präparaten öfters Bergiftungserschei- nuugen nach sich zog. Diese erklären sich dadurch, daß die Leute ja ihre normale Schilddrüse besaßen, die das für den betreffenden Körper zulässige Quantum wirksamen Sekretes schon lieferte. Da die Substanz ohnehin in kleinsten. Mengen stark werkend ist, und, wie man aus Tierversuchen weiß, neben den oben beschriebenen Wirkungen auf Stoffwechsel und Nervensystem auch den Blutdruck verändert, wird bei fteberschreitung der natürlichen Menge der Körper aus seinem Gleichgewicht gebracht. Ms das zweite unter den rätselhaften Organen ist der H irn- anhang, die tzypophysis, zu nennen. Er liegt an der Unterseite des Gehirns, mit dem er durch einen Siel verbunden ist und besteht aus zwei Lappen. Das ganze Organ lagert auf dem sogenannten „Türkensattel" der Schädelbasis. Lange blieb es als Anhang auch von den Fachleuten wenig beachtet, und noch heute sind wohl die meisten Laren von seinem Dasein nicht unterrichtet. Gewiß istl der Hirnanhang nicht so wichtig wie die Schilddrüse, insofern wenigstens, als diese häufiger erkrankt. Auch konnten wegen der versteckten und unzugänglichen Lage Erkrankungen so lange nicht bestimmt werden, bis es Der» mittelst einer vervollkommneten Röntgentechnik gelang, den Schädel zu durchleuchten und nach dem Auftreten von Schatten, die in normalen Fällen fehlten oder kleineren Umfang zeigten, Krankheitsherde genau zu bestimmen. Auf diese Weise wurde der schon vorher vermutete Zusammenhang zwischen der Entartung des Hirnanbangs und der sog. Akromegalie festgestellt. Dies ist eine seltene und seltsame Erkrankung: einem bisher gesunden, erwachsenen Menschen, der gewöhnlich schon über das Alter des zunehmenden Längewachsüims hinaus ist, beginnen aus imbekannter Ursache eines oder mehrere feiner Gliedmaßen ins Uwgemessene hinein zu wachsen. Der betreffende Körperteil bekommt dadurch ein groteskes Aussehen und fällt um so mehr auf, da er unsymmetrisch zu den anderen normal gebliebenen Partien gewachsen ist. (Im Gegensatz zu dem wahren Riesenwuchs, bei dem alle Knochen gleichmäßig stark wachsen I) Die an Akromegalie Erkrankten können dabei im übrigen gesund sein. Dies« Vergrößerungen der Glieder sind zurückzuführen auf Vergröße- rilngen des oben erwähnten vorderen Lappens des Hirnanhanges, wie man aus Röntgenphotographien sehen kann. Mit diesem krankhaften Wachstum ist eine krankhafte Wirkung verbunden« Je größer eine Drüse ist, um so größer ist auch ihre Absonderung. Da es sich bei allen Blutgesäßdrüsen nicht um echte Drüsen handelt, die einen Ausführungsgang besitzen, durch den das Sekret an die freie Oberfläche gelangt, muß man annehmen, daß vermittelst einer „inneren Sekretion" ihre Stoffe in die Blutbahn gelangen. Wird nun das Zirkulationssystem mit dem Drüsensekrete gewissermaßen überschwemmt, so sind die Reize, die es ausübt, auch viel stärker wirksam als normalerweise« Da die Reize, die von dem Hirnanhang ausgehen, im wesentlichen Wachstumsreize sind, so ist das Ergebnis einer tzypophyseir- vergrößerung erklärlicherweise ein ungeheuerliches Wachstum des Organismus; warum freilich in so unsymmetrischer Weise, bleibt dunkel. Ist diese Hypothese von der Funftion des Hirnanhanges richtig, so müssen umgekehrte Krankheitsbilder entstehen durch Wachstumshemmung und mangelnder Funktion desselben Organs, Wirklich sind derartige Erscheinungen bekannt. Wo der Hirnanhang fehlt oder nur wenig entwickelt ist, bleibt auch der übrig« Körper in seinem Wachstum und seiner Emwicklung zurück. Er bewahrt sein kindliches Aussehen auch nach den Entwicklungsjahren. Besonders ermangelt er der das Geschlecht charakteri- fterenben, von Darwin als sekundäre Geschlechtsmerkmale bezeichneten Veränderungen, die in der Pubertät sich auszubilden beginnen. Beim Mädchen bleibt die stärkere EMwicklung der Brüste und des Beckens aus, der Knabe macht weder den Stimmwechsel durch, noch zeigen sich Ansätze für die dem männlichen Geschlecht eigentümliche Behaarung am Rumpfe und im Gesicht als Schnurrbart. Alles dies weist auf nahe, für uns nickt immer übersehbare Beziehungen zur Geschlechtssphäre hin. Auch die an Stell« des Wachstums in diesen Fällen tretende übermäßige Fettansammlung unter der Haut spricht dafür. GleiMeitig mit den körperlichen Mängeln geht auch eine geistige Minderwertigkeit einher, entstanden aus der Emwicklungshemrnung des Gehirns« Ganz anderen Bestimmungen scheint der Hintere, wenige« feste Lappen des Hirnanhanges zu dienen. Seine Produkte kursieren nicht in der Blutbahn, sondern fließen Hirn und Rückenmark zu. Aehnlich der Schilddrüse übt dieser Teil einen Ein- Kfluf den Stoffwechselumsatz und die Blutdrucksregelung aus. ) an nervösen Mechanismen scheint er beteiligt zu fein, wie Versuche an Tieren zeigen, bei denen der eingespritzte Extrakt des Hinteren Hypophysenlappens Pupillenerweiterungen erzeugt«. Als Dritter im Bunde gesellen sich zu „Thyreoidea" und „Dypophysis" die Nebennieren, kleine Körperchen, die den Nieren aufsitzen. Die alten Anatomen schrieben ihnen die merkwürdige Eigenschaft zu, die schwarze Galle im Gegensatz zu de« aus der Leber stammenden grünen abzusondern. Mit dieser schwarzen Galle wurde dann eines der vier Temperamentes zusammengebracht und als Melancholie (Schwarzgalligkeit) benannt. Wie man aber aus jedem Scheffel Unfinn noch ein Körnchen Wahrheit herausklauben kann, so auch hier. Zwar hat noch niemand schwarze Galle in der Nebenniere entdecken können, wohl aber gibt es in ihr Substanzen, die dunkeln Farbstoff enthalten oder erzeugen. Und wiederum ist es eine Krankheit, di« die Aufmerksamkeit auf die Nebennieren lenkte. Im Jahre 1855 entdeckte der Engländer Addison einen Symptomenkomplex, der sich in einer abnormen Pigmentierung von Haut und Schleimhäuten äußerte. Diese Krankheit, den „bronzedakin", de« unter Stoffwechselstörungen und zunehmender Muskelschwäche mit dem Tode endete, führte er auf eine Veränderung der Nebennierensubstanz zurück. Auch im Tierversuch zeigte sich bald, daß man es mit lebenswichtigen Organen zu tun habe, die man nicht ungestraft ausrotten Dürfte. Wie bei der Schilddrüse versucht« man nun Tiere ohne Nebennieren baburch am Leben zu erhalten, daß man ihnen Nebennierenextrakte bot. Und auch hier ersetzten diese das Fehlen der Organe. Die wirksame Substanz — das Adrenalin — wurde später gesunden. Mit ihr konnte man viel stärkere Wirkungen erzielen. Insbesondere ist es der Blutdruck, der durch Adrenalin bedeutend verstärkt wird, indem die Blutgefäße durch die Wirkung von Nervenreizen, die ihrerseits durch das Adrenalin gelöst werden, sich verengere, Wegen dieser gefäßverengernden, anämisierenden Eigenschaft ist es zu einem nicht mehr zu missenden Heilmfttel in der moixrnenj Medizin geworden. So dient es als Zusatz zu allen Loläl- anästhetica wie Cocain u. a. m„ um die zu durchtrennenden Gewebe blutleer zu machen. Neuerdings ist es sogar gelungen, bas Adrenalin oder Suprarenin auf chemischem Wege zu gewinnen. Im tierischen Körper wird es dauernd von der Nebenniere hervorgebracht und durch die Blutgefäße der Niere fort* geführt. Sein letzter Ursprung aber scheint wo anders zu liegen L nämlich in der Muskulatur. Wenn diese durch Arbeit ermicket, Hilden sich in ihr Giftstoffe, Vermutlich fällt nun den Neben« 692 niere» die Aufgabe zu', diese kreisenden.Giftstoffe aufKunchmen, unschädlich zu machen und schließlich in einer für den Organismus wichtigen unb nützlichen Form abzugeben. Man sieht, daß zwischen de» drei hier besprochene» Blut- gefäßdrüsen, der Schilddrüse, dem Hirnanhang und den Nebennieren, gewisse verwandtschaftliche Beziehungen und Aehnlichkeite» bestehen. Es sind Sicherheitsorgane, die über den Giftschutz wachen, unt> weiter feinste Regulatoren für die komplizierten Mechanismen des Stoffwechsels, der Blutverteilung und des Wachstums. Wenn auch noch nicht in allen Einzelzügen genügend bekannt, sind sie doch des Rätselhaften völlig entkleidet. An Stelle des Bestaunens eines Rätsels ist das Staunen über die technische Vollendung dxs lebenden Körpers getreten,. Adam Struth. 1810—1910. . ■ Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß eine große Zahl her Leser des Gießener Anzeiger sich fragen wird: „Wer ist Adam Struth?" Und doch gibt es so manchen im Hessen- lande und viele weit darüber hinaus in ganz Deutschland zerstreut, die sich seiner Klavierwerke zuni Unterricht mid zur Unterhaltung unfreiwillig, aber mich ohne Zwang bedienten, seine Kinder- und Jugendlieder sangen; nicht zu vergessen seine Flötenschule, die viele Orchestermusiker als erste Stufe für ihre Laufbahn benutzten und nach) der noch heute der junge Nachwuchs mit Vorliebe greift, Struth war in den sechziger Jahren ein beliebter Komponist, die ersten Verlagsfirmen in Mainz, Offenbach, Wien und namentlich Leipzig edierte seine Werke, einige Tonkünstler-Lexikas nahmen von ihm Notiz. Als aber die Wiederkehr seines 100. Geburtstages sich nahte, da stellte sich heraus, daß von allen diese» Seiten verabsäumt war, den Lebensgang dieses nicht unbedeutende» Mannes, vor allen Dingen das Todesjahr zu registrieren. Der Versuch einen Lebenslauf zu bringen, den am 100. Geburtstag eine Tageszeitung seiner Vaterstadt „Lauterbach" veröffentlichte, konnte daher nut mißglücken, denn das fast gänzliche Fehlen von Zahlen wies auf. Gedächtnisüberlieferunge» aus Freundeskreisen hi». Mit vielen anderen Verehrern von Struth hatte auch ich die verflossenen 100 Jahre verpaßt, denn ein sonst zuverlässiges, sorgfältig ergänztes Lexikon versagte hierbei nicht nur vollständig, sondern gab auch als Geburtsjahr 1830 an. Da wurden mir, von drei verschiedenen Seiten, die unter sich kein« Beziehungen habe», fast gleichzeitig der Auftrag zu teil, nach Struth zu forschen. Aber gleich auf den ersten Fühler, de» ich ausstreckte, der sich selbstredend nach Leipzig richtete, erhielt ich die Weisung „Laß alle Hoffnung schwinde»". Das tat ich nicht, ich holte mir Mair hier und da noch leere Körbe, in, manchem lag dann aber doch ein brauchbarer Brocken, diese benutzte ich und so kam ich langsam aber sicher zum Ziele. Mit Ausnahme einer Zahl, die ich kenntlich machte, such alle übrigen authentisch, da aus amtlichen Berichten stammend. Daß irgend Noch eine Lücke zu füllen wäre, stelle ich nicht in Abrede, es ist aber ebenso unmöglich, wie zwecklos jedes Nest eines solchen Wandervogels, wie Struth es war, auszuspionieren. Uud nun das Resultat: Struth, Adam, geboren 2. Juni 1810 zü Lauterbach in Hessen, gestorben zu Darmstadt 5. März 1895, Flötist und Komponist. Nack) Unterricht im Flötenspiel durch Rauschenbach in Lauterbach ging St. 1824 nach Gießen zu Dr. Gasfuer und H. Hofmann und wirkte auch als 1. Flötist in der Kapelle bei Konzerten der damaligen „Musikalischen Gesellschaft", des heutigen Konzert- Vereins, der jetzt im 120. Jahre sich befindet, mit. 1829 fiedelte St. nach Koburg über, genoß unter Gaspar Kummer im Flötenspiel und in der Harmonielehre weiter Unterricht, reiste dann mehrere Jahre als Virtuos in Deutschland umher; 1830 war er vorübergehend zur Musterung, die ihn als unbrauchbar für den Militär- dieust bezeichnet, in Lauterbach und kehrte zirka 1834 nach kurzem Aufenthalt in Gießen nach Lauterbach zurück. Hier wendete er sich, da durch Entbehrung seine Gesundheit gelitten, der Komposition zu, das Flötenspiel gab er ganz auf. 1838 traf er zu dauerndem Aufenthalt in Darmstadt ein, erhielt dort als Nachfolger Ehr. Riucks die Stelle als Musik- und Gesangslehrer. 1854 begab er sich nach Wien, Mai bis Juli 1855 lebte er in Leipzig, kehrte bann wieder nach SBicn zurück, ist aber bereits! im Juni 1859 abermals in Darmstadt. September 1859 verzog er nach Lauterbach, im Januar 1866 nach Plauen i. V., ist im Juni 1869 wieder in Darmstadt, wo er bis zu feinem Tode verblieb. Struth war, trotzdem' er Junggeselle blieb, ein großer Kinder- freuud, unter feinen zahlreichen Liedern befinden sich 186 Jugend- limb Kinderlieber. Hierzu kommen über 100 Klavierstücke, die zum größten Teil für Ungeübtere bestimmt finb und seine bereits erwähnte Flötenschule, die bereits 25 Auflagen erlebte. Sei» erstes Werk war eine Sammlung Jugendlieder, erschienen vor 1844 in einem längst verschollenen Frankfurter Verlage. Die Hauptschafftingszeit lag in den Jahren 1852 bis 1859, nach 1867 sind, als gedruckt, keine Arbeiten mehr nachweisbar. Zwei ungedruckte Opern, die aber, wie mau erzählt, durch Intrige» nicht gilt Aufführung kamen, soll Struth ebenfalls geschrieben hab'eiL, Daß meine heutigen Ausführungen dazu beitragen werden die Werke Struths der Vergessenheit zu entreißen, halte ich für ausgeschlossen, für einen gemütvollen Tondichter verflossener Zeiten ist kein Platz in dem trommelnden zwanzigsten Jahrhundert. Aber ein Unrecht, was die Mitwelt einem hochbegabten, strebsamen Künstler zugefügt hat, das können meine Nachforschungen vielleicht doch wettmachen, Ernst Challier fen, verin»?cbtes. * Wat der Mann verdehnt, versöfft dat Wlef. Das ungalante Sprichwort, das auf rheinischem und zwar speziell kölnischem Boden Wurzel geschlagen hat und ans Johann Fischart zurückzuführen ist, der an den Frauen so mancherlei auszusetzenf hatte, erweist sich im Lichte der Statistik zwar für die Gegeir- wart als arge Uebertreibung, hat aber in vergangenen Jahvi Hunderten auch in den privilegierten Ständen viel Berechtigung gehabt. Zum Beweise dafür möge an jene Stelle der Chronik von Schwäbisch-Hall erinnert sein, wo berichtet wird, daß nach Johanm 1532 drei Damen adligen Geblüts nach Untermncken- heim gekommen seien und dort 32MaßerlesenstenWeineK getrunken und auch richtig bezahlt hätten, worauf sie vor Anbruch der Nacht, als ob nichts besonderes geschehen, wieder nach Hall zurückgewandert seien. Herzog Ernst von Sachsen-Gotha befahl in einer aus dem Jahre 1648 stammende» Hoftrinkordnung, baß „vors gräfliche und adelige Frauenzimmer vier Matz Wei» unb Abends zum Schlaftrunk zwei Ma tz" ausgesetzt seien. Auch von ber Ahnfrau des früheren österreichischen Landesverteidigungsministers Welser von Welsersheimb, ber schöne» Augsburgerin Philippine Welser, die Kaiser Ferdinand I. 1557 in heimlicher Ehe heiratete, iutrb übereinstimmend berichtet, daß sie in vorgeschrittenen Jahre» an argem Weindurst gelitten hab« und auf Schloß Ambras unb in Innsbruck einen Willekumb von; drei Maß Wein ohne böse Folgen sehr häufig geleert hab«. Daß es auch in neuester Zeit a» hochgeborenen Danien mit erstaunlichem Durst reicht gemangelt hat, beweist unter anberem das Beispiel ber Trägerin eines in Deutschland und Oesterreich ansässigen fürstlichen Geschlechts, die vor 25 Jahren in Graz die Anstalt eines sich mit Mädchenerziehung beschäftigenden Frauen- ordens leitete unb unter 4 Liter Wein im Tage reicht 'auszukommen pflegte. Die aus »ergangenen Jahrhunderten überlieferte» Zahlenangaben erregen nm so mehr Erstaunen, als ei» Maß in de» meisten deutschen Landesteileir etwa 1,8 bis 2 Liter» entsprach. * Ein Praktikus. Bürgermeister: „Das Schloß an bet Arresttüre sperrt schlecht. Was sollen wir nun machen, daß »ns der Arrestant nicht über Nacht ausbricht?" — Gemeinbediener L „O, der geht uns nicht durch! — Ich hab' das Arrestlokal seht schön warm angeheizt!" vüchertlsch. — Felix Salten: Olga Frohgemstth. Rom'a», gisckers Bibliothek zeitgenössischer Romane, Bd. 9. (S. Fischer, erlag, Berlin.) — Olga Frohgemuth ist ein echtes Wiener! Kind, heiter, wonnig, liebevoll unb Schauspielerin. Das Schicksal gab ihr einen pedantischen Gymnasialprofessor zum Batet, der sie mißverstehen funb verstoßen muß. Dasselbe maliziöse Schicksal gab ihr einen Prinzen zum Geliebten, den sie echt und! unbeugsam liebt, unb der sie verläßt, da er gegen sie anfgehetzL wird. Olga gibt sich einem schlimmen Wetter preis nach einem Souper, dessen Sekt der Galgenhumor ist, unb stirbt. Ganz Wie» feiert sie. Der Vater beginnt sie zu begreifen, wie er eine Griechin auf ber Schule begriffen hätte. Die Erzählung ist flott unbj empfindrmgsvoll unb fesselt bis zum Schluß. NSssrlsprung. roent denr um gesuhlt in leben mut der fügend sohn sonst hat ter und ist ach wer verbracht zeit der bas feinem los zur armut fehlt kindhrit ent macht alter die floh» Auflösung in nächster 'Nummer. Auflösung der altägyptifchen Hieroglyphen in voriger Nummer: Wer gar zu viel bedenkt, ivird wenig leisten. Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Gießet