Samstag den 5. Kebruar «88 H in W>!WW i iFM - Droesigl. LToman von Georg Freiherrn von Ornptedat (Nachdruck verboten.) kForu'esung.j Agathe ivar ängstlich zumute, als sie das Hotel betraten. Wre die drei nun im Aufzuge am ersten und zweiten Stock vorüberglitten, sagte Louis Droesigl, gleichsam das hohe Wohnen seines alten Herrn entfchuldtgend: — Mein Batch liebt nicht den ßärm. Endlich standen sie vor der Wr. Herr Droesigl klopfte. Eme mächtige Stimme rief: — Herein! In einem keineswegs großen Zimmer saß am Schreibtisch einer mit buschigem, weißem Kopf und schrieb. Er warf unter langen, struppigen Brauen einen Blick auf die drei Eintretenden, ließ sich aber nicht stören, sondern sagte nur dröhnend: — Einen Augenblick! Herr Louis Droestgl errötete, indem er Gräfin Linden- hach zuflüstexte: — Es ist wahrscheinlich etwas sehr Wichtiges. Sie hob ihre Lorgnette und betrachtete' mit einem humorvollen Blick tsen alten Herrn, der zwei Damen, deren Besuch angekündigt war, warten ließ wie Kontvrbocen. Endlich warf der Geheime Kommerzienrat Droesigl seinen Gänsekiel fort, räusperte sich gewaltig und trat hinter dem Schreibtisch hervor. Bei den ersten Schritten richtete ex sich auf zu gewaltiger Größe. Ein langer, weißer Bart fiel ihm bis auf die Brust. Er machte eiire Bewegung, wie Um die Manschetten herauszuziehen, blickte sich nach dem Schreibtisch um, und einen Augenblick war es. als dächte er daran, dorthin zurückzuktchren, wo an der Ecke die be.den „Röllchen", von zwei schwarzglänzenden, rieschen Manschettenknöpfen zusammengehalteu, standen. Herr Louis Droesigl uahm die Absätze zusammen: — Mein Vater — Grästn Lindenbach — Agathe. Der alte Herr musterte die beiden Damen. Die Braut wurde purpurn. Die Gräfin aber unterbrach die schweigende Begutachtung, indem sie der Wahrheit gemäß begann: — Es interessiert mich sehr, Sie kennen zu lernen. Ter Geheime Kommerzienrat sagte mit einer gleichsam Angelernten Redensart, indem ein freundlich fein sollendes Grinsen über sein Gesicht lief: — Ganz auf meiner Seite. Bitte, ivollen Sie Platz nehmen. Etwas schwerfällig trat er zu einem Tisch, um den ein Sofa und ein paar Lehnstühle standen. Da Herr Droesigl Vater schwieg, sagte die alte Gräfin, unmer mit einem Lächeln, der Herr Geheimrat habe wohl sehr viel zu tun, sie wolle ihn auch durchaus nicht lange aufhalten, möchte nur die Bekanntschaft mit der vermittel«» die feinem Sohne das Jawort gegeben habe. Der alte Herr antwortete kurz: — Und mein Sohn ihr. Tie Gräfin hob ihre ßorguette: — Na, erst mußte er sie doch.fragen! Der Geheimrat richtete sich in seinem Stuhle auf und sah sie an mit seinen klugen, scharfen Angen, wie einer, der Widerspruch nicht verträgt: — Mußte? Wenn er 'nicht gekommen Wäre, könnt« sie auch nicht ja sagen. — Hätte aber, als er ttim, ebensogut nein sagens können. Herr Droesigl senior sah sie wie einen Feind an. Doch sie lächelte nur, wie sie vom ersten Augenblick an gelächelt hatte . Da unterbrach Agathe die Gräfin: — Tante, das 'hätte ich nie gesagt. Nun musterte der alte Herr feine zukünftige Schwiegertochter von oben bis unten. Dann entfloh ihm eine Art billigendes Brummen. Sein Sohn aber rückte auf dem Stuhl hin und her, biß die Lippen aufeinander und bewegte den Zylinder zitternd in den Fingern. Endlich sagte der Geheime Kommerzienrat: —Freut mich, freut mich für Sie. Louis Droesigl aber wendete sich wie entschuldigend! zu Gräfin Lindenbach: — O, wie bin ich glücklich, gnädigste Gräfin, ich fürchtet« nur.... Der Geheimrat polterte los: — Ich begrüße Sie als Schwiegertochter. Hoffe, tote werden miteinander auskommen. Wie mein Sohn vielleicht schon gesagt hat, ist das nicht immer leicht mit mir. Ich mache mich nie besser, als ich bin. Bin schwer zu verdauen, aber wer offen ist, der ist mein Mann. I h kann das Wesen hintenrum nicht leiden. Also wollen wir gleich reinen Tisch machen. Ist vielleicht nicht sehr artig, was ich Ihnen jetzt sagen weroe, und wenn Sie albern sind, nehmen Sie's krumm, aber wenn Sie vernünftig sind, werden Sie's ein- sehen. Ich wollte nur sagen, Sie sollen nicht etwa denken, daß mir s Eindruck macht, daß Sie Gräfin Kölln heißen, Nun ward Gräfin Lindenbachs Lächeln fast zum Lachen, Louis Droesigl aber entfärbte sich, doch Agathe antwortet« wie au,s der Pistole geschossen: — Ich werde mich schon an Droesigl gewöhnen! Der Geheime Kommerzienrat sah sie mit finsteren Augen an, doch sie hielt seinen Blick aus, während sein Socha nicht zu atmen wagte. Mit einem Mal stand der alte Herr auf und streckte feiner zukünftigen Schwiegertochter eine große, unberingte Hand mit kurzgeschnittenen Nägeln entgegen. Agathe legte ihre kleinen Finger hinein, und der Geheime Kommerzienrat sagte mit dumpf grollender Stimme: — Na, wir werden schon gute Freunde werden. Sorgen Sie man dafür, daß die Droesigls nicht aussterben. Der aber es sagte keine ihrer einen Als die Damen nach Kölln zurückgekehrt waren, Gräfin Patsch mit geringschätziger Miene: — Bei einer unverheirateten Dame gibt Man Karte ab. Das war das einzige, das sie über das Schicksal Schwester äußerte. Als Gräsin Lindenbach ihr darüber Er wandte sich wieder zu Gräfin Lindenbach: — Was wallte if Nur eine Schwester der Mutter des Bräutigams lebte noch, hieß, sie sei auf Reisen. Ein Nachspiel gab es insofern, als am Tage darauf im Hospiz zwei Karten des Geheimen Kommerztenra.s Droesigl abgegeben wurden, freilich durch einen Boren ans dem Hotel gebracht. ch denn sagen? Ja, ich wollte Ihnen nur sagen, daß, als ich ans allerhöchstem Vertraue,: ins Herrenhaus berufen worden bin, mir das,große Freude — Was soll ich denn weiter sagen? Ich gönne ihr j« ihren Droesigl. /.Fortsetzung folgt.) gemacht hat, nicht nur als überzeugtem.Monarchisten — verstehen Sie, das bin ich —> sondern als Anerkennung des Prnrzipes der Arbeit. Er hielt inne, und in diesem Augenblick, als er von der Gnade der allerhöchsten Person sprach, hatte er eine gewisse Aehnlichkeit mit.seinem Sohne, im Tonfall, in der Haltung, sogar im Ausdruck des Gerichtes. Dann '„mb er sich aber zu sich selb/ zurück und ftreute der alten Gr-,in die Hand entgegen, otjite abzuwarten, daß sie ihm geboten würde: — Empfehle mich. Agathe klopfte er freundschaftlich die Wange, seinem Sohn reichte er ein paar Finger, dann wendete er sich ein wenig schwersäl.ig, ein bißchen gebeugt, zum Schreibt.sch. Sie waren gewiüermaßen entlassen. Draußen stand der Herr, der gemeldet worden, im schwarzen Rock, den Zylinder in der Hand. Wahrend die drei die Treppe hinab,biegen, meinte die alte Grä.in zu Agathe: — Siebst du, Agathe, die Audienz ist überstanden. Herr Louis Droesigl versuchte seinen Vater zu entschuldigen, doe'> Grä,in Lindenbach sagte: — Bitte, I r Herr Vater hat mir ganz gut gefallen. Mir gefällt überhaupt jeder Mensch, der etwas leistet. Und wenn er gegen Damen anders ist, als wir es gewohnt sind, nun, so liegt das wohl daran, daß er offenbar keine Zeit gehabt hat, sich um uns zu bemühen. Aber was sage ich denn. Als er dich umarmte, Agathe, und dann dein Verlobter an die Reihe kam, hätte ich beinahe auch einen Kuß abbekommen. Na, was will man denn.mehr! — Die neuen Beziehungen der beiden Familien hatten damit ein Ende erreicht, denn andere Droesigl gab es nicht. Hochwasser - Uatastrophen. Von Dr. Curt Rudols Kreu schurr (Friedenau)', Der in seinem bisherigen Verlaus durchaus anormale Winter hat nach fast frühjahrSmäßig warmen Tagen um die Weihnachtsund Neujahrszeit seinen unberechenbaren Launen die Krone mit einer Hochwasserkataftrvphe höchst seltener Art aufgesetzt. Während bei 10 bis 15 Grad Wlte über' England, das durch sein gemäßigtes Wintertlima bekannt ist, wirkliche BliMrds dahinrasten, die binnen: wenigen Stunden dm Eisenbahn? und Tramwätzverkehr lahm legten, während die den Verkehr über den Aermelkanal besorgenden Dampfer die lieber fahrt nicht wagen durften, während in der Nordsee unerhörte Stürme tobten, setzte von den rheinischen Mittelgebirgen und von der Nordseescheide Mischen der Rhone einerseits! und. Lotze und Seine andererseits bis zum atlantischen Ozean w© Name ist zwar von gestern,, aber . ich. habe ihn gemacht und möchte, daß er auch morgen bleibt. Sein Sohn schlug bei diesem Zusammenbruch der Baseler Mittelalter-Herrlichkeit die Augen nieder. Der Geheime Kommerzienrat aber fragte mit einem Blick zu Gräfin Lindenbach: Ra, mau nennt sich nun wohl „du"? Dis alte Dame lächelte: — Sie wird ja Ihre Tochter. Der Hüne mit dem wilden, weißen Kopf blickte uustcher von einer zur andern, als sei dies der Beginn gesellschaftlicher Veranstaltung, bei bereit Drohen allein er einen Teil feiner Kraft zu verlieren schien. Es glänzte in seinen Augen. Plötzlich öffnete er beide Arme, und Agathe bekam auf die Stirn einen Kuß, der nur so knallte. Dann umarmte der alto Herr auch seinen Sohn. Als er nun aber einen Schritt gegen Gräfin Lindeubach tat, wich diese zurück, und es endigte damit, daß die beiden einander die Händje schüttelten. Geheimrat Droesigl wollte Anteil an Llgathe zeigen, so begann er, seinem Wesen entsprechend, von pekuniären Verhältnissen, vom Schlosse Kölln. Sein Sohu bemühte sich, ihn auf einen anderen Gegenstand zu bringen, doch Agathe gab ruhig Auskunft. Nun fühlte der alte Herr Boden unter, den Füßen, holte vom Schreibtisch einen Pack Papiere und erklärte, er habe sich nach dem alten Besitz ihrer Familie erkundigt. Da lag ein Plan, da gab es Grundbuch- und Hppothewn-Auszüge. Ihn "schien nur das Geschäftliche zu interessieren. Es klopfte. Der Liftjunge wollte jemand melden, doch der Geheimrat schrie ihn an: Ich weiß; reden Sie nicht unnütz! Dabei erhob, er sich, und damit war gewissermaßen dis Sitzung aufgehoben. Gräfin Lindenbach reichte ihm die Hand und sagte freundlich: — Ich kann Ihnen meine Nichte nur ans Herz legen. Sie verdient es. — Das müssen wir erst mal sehen. Die Gräfin verlor ein wenig die Geduld: — Na, jvenn ich's Ihnen sage, können Sie es ruhig glauben. — Ach, was wird einem manchmal versichert! Tie alte Dame gewann ihr Lächeln zurück: — Sie haben wohl nur mit Leuten zu tun, die Ihnen gegenüber ihren Vorteil suchen? Der große Mann strich sich durch seine weiße Mähne: — Dazu ist man auf der Welt. — Gott sei Tank, denkt nichlt jeder so! — Dumm genug. >— O bitte, Egoismus erhält uns nicht allein. Uns nicht, ein Gemeinwesen nicht, ein Volk nicht. Wer nur den auf feine Jahnen schreiot, der erlebt früher ober später feinen Niedergang. Der G-Heime Kommerzienrat musterte die Dame, von der er nichr einmal recht wußte, wer sie sei, denn der Vollbeschäftigte hatte den Brief seines Sohnes,.der den Besuch ankündigte, nur flüchtig gelesen, und machte ein Gesicht wie: „sieh mal an, du kannst ja auch reden !" In ihm erwachte der Debatter aus dem hohen Hause: — Sie sagen da ganz vernünftige Sachen. Die kurzsichtige, alte Gräfin sah ihn, hier wo man Rücksicht, wie es schien, nicht zu nehmen brauchte, durch ihr Augenglas an: — Das passiert mir bisweilen! — So; nun, es gibt Leute, denen passiert's nie. Aber wir sollten das mal. erörtern, was Sie oa vorhin sagten. Er steckte beide Hände in die Hosentaschen und hockte auf der Lehne eines Fauteuils: — Man opfert sich allerdings für das Gemeinwohl. Jeder hat sogar die Verpflichtung dazu. Ich kann mir schon denken, was Sie glauben. Sie glauben, der alte Kerl hier — und er deutete mit beiden gekrümmten Händen auf seine Brust — sackt nur ein, um seine Tasche zu füllen. O, ich wäre nicht in Berlin, wenn ich es nicht für meine! Pflicht hielte, beizusteuern zu dem, was der Staat an Werten schafft. Aber das Gemeinwohl fängt schon bei kleinen Verhältnissen an. Bei jedem Betriebe. Ich habe bei mir Wohlfahrtseinrichtungen gehabt, ehe es Unfallversicherung und Ärbeitersürsorge gab. Die waren für mich gar nichts Neues. Das kommt daher, weil ich Verständnis habe für den kleinen Mann, denn ich bin selbst mal einer gewesen. Ich habe als Kbhleuzieyer angefangen . . . Herr LouiI Droesigl trat einen Schritt zurück, als wolle er sich der Tür nähern — und hätte mir nicht träumen lassen, daß mein Sohn mal ite Mäfiu heiraten würde. Was mir ja übrigens wurscht ist Er wendete sich zu Agathe: — Ich weiß schon, was Sie sagen wollen: „Mir auch!" Ach so, wir nennen uns ja du. Also, das gefällt mir gerade an dir. Obgleich ich von dir noch nicht viel weist denn ivir müssen uns erst kennen lernen. Du mich auch. Da ivirst du sehen, daß es schwer ist mit nein alten Dickschädel wie ich. Jawohl. Drum bin ich auch nicht immer mit meinem Sohn einverstanden gewesen. Ruhe, Lo is, ich weiß, deine Wege sind meine Wege nicht, aber wir haben Frieden gemacht. Na, kurzum-- 7N >ter Nordsee ein inächÜgeS Tariwetter Äst, das did ist einem Suherft ttieterschlagsreichen Winter im Berg!- und Hügelland mifgefpeicher- t-en Schneemassen reisend $irn» Schmelzen brachte und namentlich Wer Paris ein HvchSrasser heraufbesemvor, wie es die Geschichte der allen Lutetia Parisivrum seit mehr als einem Biertel-Aahv- Imrsend nicht attszuweiscu vermag. ■ Hochwässer gehören im März und April! zur Zeit der Früy- iahrsschneeschmelze oder ini Hochsommer, wenn nach langer Trockens «eitSperiode in cmsgedchtrten Gebieten unter weit ansgebreitetcnt Gewittern kolossale Niederschlagsmengen als Wolkenbrüche niedev- gehen, zn den mit einer gewissen Rc-gel'mäßigkeit wiederkehrenden Naturerscheinungen. Mitten im Winter sind sie eine große Sekte«- heit, die mir bei dem unglücklichen Zusammentreffen mehrerer Umstände zur schireckvollen Wirklichkeit wird. Es müssen im Verlaufe von Wochen und Monaten große Schneemengen sich übereinander abgelagert haben, die in den Tiefländern vielfach durch Schmelzen wieder gänzlich verschwinden können, so daß der städtische Bewohner des Flachlandes nichts von der drohenden Gefahr ahnt, während in den etivas höheren Lagen, denen auch eine entsprechend niedrig«« Turchschnittstemperatur zulommt, kein Abschmelzen statt- findet und deshalb eine Schneeschicht nach der anderen sich! üb« dem Erdboden anhäust, lute die • Jahresringe eines Baumes. Gestaltet sich dann über West- und Mitteleuropa die Verteilung und Veränderrmg des barometrischen Druckes, so, das?, große aus Südwest anrückende Zpflüne üb« . Mitteleuropa Hinwegstreichen, so ist 'die Ursache, zur Entstehung wärmer und anhaltender südlicher oder südwestlicher Winde gegeben, die binnen wenigen Stunden eine tagelang anhaltende Erhöhung der Temperatur nm 10 bis 15 Grad des hundertteiligen Thernionrcters hervorbringen können. Nur unter diesen Umständen ist eS möglich,, daß in den unter hohen» Druck stehenden, nördlichen Gegenden Europas, bei Haparanda,. dem in Finnland gelegenen Kältepol Europas, in Sanft Petersburg oder in Wilna m Lithauen polare Temperaturm von 20 • und mehr Grad Kälte h«rschen können, während in ckiner End- fernung von 40 bis 50!Bahnstunden in südwestlicher Richtting aus- gesprvckfene Frühjahrswärme austritt. Am auffallendsten tritt das Hereinbrechen warmer Luftströmungen mitten, imi Wiiiter in Innsbruck nördlich vom Brenner in Erscheinung, wv zuweilen am Abend streng« Frost mit 10 bis 12 Grad Kälte herrscht, während am nächsten Morgen, noch »richt 12 Stunden spät«, bei 8 Grad Wärme alles in den zergehenden Schncenrassen schwimmt. Tast nut« diesen Umständen die Berge bis zur Höhe von 1500 Metern binnen kürzester Frist schneefrei werden und ihren Ueberschuß an Niederschlägen in reißenden Wildbäche»» den großen Heerströmen des Lauchs zuführen, bedarf keines weiteren Beweises. Ganz bcp . sonders kritisch aber wird die Wetterläge, wenn bte Wärmewellen das Flußgebiet eines Stromes treffen, dessen Nebenflüsse, wie es bei der Seine b« Fäll ist, mit annähernd gleicher FluUänM! von verschiedenen Seiten konzentrisch wie die Radien eines Kreises oder die Sektoren eines' Fächers einem Mittelpunkt zueilen. Wen»» man einen Blick auf die physikalische Karte von Mitteleuropa wirst, erkennt man sofort, daß gerade die Seine ein Heerstrom in diesem typischen Sinne ist, bei dem unmittelbar oberhalb Paris und wenige Meilen Iveiter sttvmaustvärts bei Fontainebleau und Mvnterear» die Mar»»e mit dein Grand Morin, der Loing und die Norme mit ihren zahlreichen Nebenflüssen ihre von den Monts du .Morvan, den» Plateau de Langres und der Cote d'or kommenden Wassermasse»» mit denjenigen des Hauptstrvmes vmeinigcn. Sv viel zur Erklärung, der französischen Katastrophe der letzten Tage, die ein echtes Schnlbeifpiel einer winterlichen ä&iifmuot . ist »mb — nebenbei gesagt — nie einen so großen Ninfaug angenommen haben würde, wenn man sich in Frankreich zur rechten ..Zeit zur Anlage großer Talsperren bequemt hätte, die sich mehr und mehr als das einzig wirksame Mittel gegen unberechenbare Wassernöte Herausstellen. Es ist heute Mode gewvrden, der fortschreitenden Abholzung der Wälder an allen Hochirasserkatastrophen de»» größten Teil her Schuld zuzuschreiben, ohne ineilte genauL Kritik der ursäckr- lichen Momente einzittreten. Demgegenüb« kann, so sehr die arü»»dliche Entwaldung eines Landes auch das Eintreten tonl Uebersck-wemmungen begünstigt, nicht der Hinweis darauf untev- lassen werden, daß auch in Zeiten, »vo vor» einer unlsangreickLN! Zerstörung der Wälder noch nicht die Rede sein konnte, wahre Sintfluten von Ueberschiwemmungm eiirgetteten sind. Es sind sichere Beweis« dafür vorhanden, das; schon im alten Germanien' zu Eäsars Zeiten die Gegenden des Unterrheins, also hauptsächlich daö Gebiet des heutigen Hollands, das schon damals von de»» Batav«n durch Seo- und Flußdeiche geschützt war, häufig von Ueberschwemmungen Heimgesucht wurden, die wenig« durch die Sttlru»fluten d« Nordsee als durch bat wild gewordenen Strom h«beigeführt wurde»» »mb von der sagenhaften Sintflut in Baby- llmien, die Unziveifell-aft auf einem geschichtlichen Ereignisse beruht, wissen wir heute durch die topographischen Forschnnge»» des Engländers William Willcvck so viel, daß sie nicht eingetteterp wäre, wenn Noah nicht den Kartal. Wie z»» Grmtte gehen lassen, durch den in urältester Zeit die überschüssigen Geivässer des Euphrat den Niederungen des Pison) des ersten der vier Flüsse der Genesis, einer von der Natur 'geschaffenen, großartigen Talsperre, zugeführt wurden. . _ Freilich, »vo Hochwässer der Ströme sich mit den Springfluten des Meeres, namentlich mit den ungeheueren Mutwellcn komi- hmieren, tote sie durch Ätt unterseeisches Erdbeben. tzerborgernfeuj Uwrden, ist alle wert schliche Mühe am Ende ihres Köttnens. Eine d« ältesten bekanntgewvrdeiten Katastrophen dies« Art fällt irr das Jahr 873 vor Christus, in dem die alte Hauptstadt d« Joni«, Helike, mit fast sämtlichen Einwohnern vom Meere verschlungen wurde. Ein Seebeben hatte die Fluten des Golfes vo»» Korinth so hoch aufgeflaut, daß der Wasserschwall bis in die »nehr als zwei Kilometer vom Strande cntfmnte Stadt »mb in die Rachbarstadt Bnra eindrang und sämtliche Gebäude einschließlich des herrliche»»! Tempels des Poseidon zerstörte. Tie damals z»»r Hilfsaktion ent- smtdten 2000 Achäern »taten nicht im stände, die Leicheit imt« den Trümmer»» hervvrzuziehat und trugen obendrein auch noch di« Keime d« an der ttnglücksstäü« ausbrechenden Pest in ihre Heimat. Die gleichen Ursachen liegen bei der furchtbaren Ueberflutung Konstantinopels vor, die fast bis aus den Tag genau vor 400 Jahren mehr als 100 Moscheen und 1100 Wohnhäuser in Trümmer legte, während 8000 Menschen ihren Tod in den 'Gewässern des Bosporus fanden. Noch weit gräßlicher aber »vareit die Verl- Wüstungen der große»» Meeresflüt, die gelegentlich des gewaltigeir Erdbebens in Pern im Jahre 1746 Callao, die Hafenstadt der Hauptstadt Lt»na, vor» Grund aus zerstörte. Am 28. Ollober! des genannten Jahres traten gleich bei dem erste»» Erdstoß auf einer mehrere hundert Meilen langen Linie an der Westküste Süd>- amerikas die Gemäss« des Stille»» Ozeans viele Kilometer weit vom Strande zurück, um sich »tach wenigen Minuten als ein! 30 Meter hoher Wasserwall auf dei» entblößten Strartd zu stürzen, »vv Callao, Cavallos, Chiircha, Huacho, Camana, Pacocha, Guanape und »mch manche andere blühende Hafeirstadt so gründlich zerstört tvNrden, daß man den Ort, wo sie gestanden, nur mit Mühe triederfinde»» Bannte Mas das Wasser in Lissabo»» gelegentlich des großen Erdbebens vom 1. Novemb er 1755 au richtete, ist allbekannt, es wird ab« noch üb«tvoffen von der unbeschreiblichen! Katastrophe, die über di« Küsten des Sundaarchipels hereinbrach, als in der Nacht von» 26. zum 27. August 1883 der 822 Meter hohe Vulkan der 16 Quadratkilömeter großen Insel Krakatau, des Pic Perbuatan explodierte und mit dem größte»» Teil der; Insel in die Tiefe sank. Die Flutwelle, die damals über alle Küsten in der Nähe d« Sunbastraße hinwegging, erreichte eilt« Höhe bis zu 60 Meter und testete nachweislich auf Java, Sumatra und Bormo mehr a s 150 000 Menschen im Verlauf von nur »wenigen Minuten das Leben. Verheerungen von gleichem Umfange sind bei durch Flüsse im Biuneulaude verursachten Ueberschwemmungen wenigstens in Europa kaum je denkbar, man müßte denn eine innnerhin nicht ganz unmögliclw Zerstörung voir Budapest oder Szegedii», wo ähnlich s sich ja schon einmal, am 11. und 12. Biärz 1879, ereignet! hat und 5300 Häuf« zusammenbrachen, während 2000 Menschen «tranken, durch ein neues, gewaltiges Hochwasser der Donau! und Theiß in Betracht ziehen. Weit drohender liegt die Ueber- schwemmungSgesahr bei den großen chinesischen Strömen, dem! Hncmgko und Dang-tse-kiang, bei denen ähnlich wie beim Po nt Oberitalien nicht nur der Wasserspiegel, sondern der Boden des Flußbettes bedeutend höh« liegt als das benachbarte Twf- laud, so daß ein Deichbruch zn ein« nach Hunderten von Kilot- Metern in die Breite rechnenden Ueberschwemmung des reich de- völkertey Flußtales führt. In diesen Niederungen, namentlich östlich von Kai-suug finb deshalb bei den großen Neberschwem- mungen der Jahre 1868, 1869, 1872, 1874 und zuletzt 1889 Millionen von Menschen zu Grünte gegangen und angesichts d« Sanfffant&it fc« chinesischen Behörden ist nicht daran zu zweifeln, daß bis zu der in weit« Zukunft stehenden Vollendung moderner! FlUßtemektureu »wch »vrit«e Millionen an gänzlich unberechenbaren Terminen «trinken und Neptun, dem Wassertenset, einen! große»» Schmauß b«eiten werden. Äitch am Ganges walten ähnliche Verhältnisse ob, und.wenn im Mai die jährlich wiederkehrendä Hochflut, d.s heilige»» Stromes einsetzt, gleicht das untere Bengaleil an der Mündung des Ganges »mb Brahmaputra einem toeneii See, aus den» nur die Dörfer und Bäume und manche durch Deiche geschützte Landstriche hervvrragen. Unter den deutschen Strömen sind die Oder und die Weichsel diejenigen, die am häufigsten ungeheure»Ueberschwemmungen tervor- gerufen haben. Tas 33 Kilometer breite Weichfeldelta tauch Werder genannt) zwisckwn Danzig und Elbing war seit Jahrhunderte»» den furchtbarsten UeberWvemmungeu hauptsächlich aus dem Grunde» ausgesetzt, »veil auf russischem Gebiete nichts gefckmh, um die Vorflut zu verbessern. Wahrend des Eisganges int Jahre 1840 bahnte sich nun d« Strom am 2. Februar noch eine neue Müit- dung, intern « bei Neufähr die schmale Nehrung dnrchriß unts zwei Meilen östlich von Danzig der Ostsee znströmte. Vmgeblich waren alle Versuche, dem Fluß seine»» Raub wieder zu entreißen. Dagegen gelang es mit einem Kvstenausw'aud ton 20 Millionen! Mark in den Jahren von 1888 bis 1896 die Binnennehrung! von Siedlerssähre bis SchieirrnHerst zu durcWechen und dem! Stwm statt ter bisher »tordwestliche»» Richtung einen neuen, 6 Kilometer langen, nördlich gerichteten Lauf aufzuzwingen, wodurch die Gefahr ter Ueberschwemmungen int Werder »vesentlich herab gemiitdert »vurde. Zu unzähligen Malert hat auch die Oder Berterben über ihre | Flußtäler gebracht, weil die von den schlesisch-österreichische»» Grcnz- I bergen des SndetenzugeS herabtemmenden, linken Nebenflüsse ihren i WasserübersclNtß bei der Schneeschmeszei und bei sommerliche»» Hochs- 80 Kitten ziemlich gleichzeitig dem Haupt ström zu führen. Als tut Jahre 1897 wieder einmal eine gewaltige Ueberschwemmung ganz Schlesien heimgesucht hatte, entschloß man sich endlich zu dem einzigen, wirklichen Schuh gewährenden Abhilssinittel, indem man mit dem Bau der 3 MÄlimwn Mark kostenden Talsperre im Queistäl bei Marklissa begann, die ungefähr 15 Millionen Kubikmeter Wasser aufzunehmen und später allmählich aHzugeben vermag. Inzwischen sind auf den Bau anderer Staubecken in SchleskM ungefähr 20 Millionen Mark verwendet worden, andere Talsperren sind zur Ausführung bestimmt und so ist die Aussicht! vorhanden, daß Schienen m einer nahen Zukunft vor den großen Ueberschwemmungen geschlitzt fein wird, von denen ost eine einzige BermögensverlUste ton solcher Höhe verursachte, daß man dafür das ganze Sckmtzshstem von Talsperren hätte bauen können. Allerdings bergen auch die Talsperren trotz ihrer zweifellos segensreichen Wirksamkeit insofern eine gewisse Gefahr in sich, als auch ihre gemauerten Staudämmü einmal unterwaschen werden können, ivorauf sich dann unfehlbar sintflutgleiche Ueberschwemmung über das weiter abwärts gelegene Flußtal ergießen muß. In Nordamerika ist auch wirklich einnml am 31. Mai 1889 bei Jvhnstown im Staate Pennsy'lvanien der 33 Meter hohe Damm eines großen Staubeckens geborsten, wobei 5000 Menschen und 10 Millionen Dollar an Werten zugrunde gingen. Die Theorie dis Talsperrenbaues ist aber heute derartig verv-ollkommilet, daß nach menschlicher Voraussicht ein ähnliches Unglück ton gleichem Umfange sich nur dort wiederholen kann, wo sträflicher Leichtsinn und Gewissenlosigkeit das Szepter führen. Wenn nach einer großen Ueberschwemmung die Wasser sich Verlaufen haben und menschlicher Fleiß, das .Zerstörte wieder her- zusteklen beginnt, sind die Gefahren des Hochwassers noch keineswegs am Ende angelangt. Tausende von menschlichen und tierischen Leichen beginnen der Verwesung anheimzufallen, in den Keilern tmb anderen tiefgelegenen Hausräumen fault das stagnierende Wasser und auch die ländlichen Brimnen sind allenthalben durch Krankheitsbakterien verunreinigt. Nun beginnt zu all dem! übrigen Unglück auch noch die Gefahr einer Typhusepidemie oder einer anderen ansteckenden Krankheit ihr dränend Haupt zu erheben. Da eS ganz unmöglich ist, in einem Ueberschwem nrungs- gebiet mit der notwendigen Schnelligkeit cinwandsfreies Trinkwasser zu schaffen, bleibt also nichts übrig, als alles zu Trink- zwecken bestimmtes Wässer vor hem Genuß abzukochen und sich des Essens roher Gemüse zu enthalten. W«m es bekannt ist. Wie schwer den großen Massen des Kolkes solche nützlicl-e hygienische Grundwahrheiten zum Verständnis zu bringen sind, wird nicht daran zweifeln können, daß auch in Paris, das nie ein Muster von Reinlichkeit gewesen ist, der Wassersnot sehr bald der Typhus Nachfolgen wird. Aus Otto Julius Vierbaums Lebenseriunerungen. Otto Julius Bierbaum, der bekannte Dichter, der nun durch des Todes unerbittliche Hand mitten aus einem reidjen Schassen herausgerissen worden ist, hat selbst des öfteren aus seinem Leben erzählt: er hat sogar in den letzten Jahren an einer ausführlichen Selbstbiographie gearbeitet, aus der er in dem Verlags- katabog von Georg Müller einen interessanten Abschnitt mitteilte. „Mittwcgs" betitelte er diesen „Orient,erungsversuch", den er von seines Lebens Höhe für die Anfänge seiner Entwicklung an- stellte, um dadurch Klarheit für ein künftiges Weilerschreiten zu erhalten. Er plaudert hier von dem frühzeitigen Bedürfnis, das er in sich fühlte, dichterisch zu schaffen. Mit zwölf Jähren machte er bereits den toten Hohenstaufen Konradin zum Helden eirto T-ramas. „Da ich mich in meinem dreizehnten Jahre (nicht zum ersten Male, aber zum ersten Mate unglücklich) grausam verliebte, erfolgte gleichzeitig eine lyrische Explosion von ungemeiner Hoftigh Beit. In dieser Zeit war ich Realist. Ich besang die Sommersprossen meiner Geliebten, die fünf Jahre älter wär als ich und mich nie eines Blickes gewürdigt hat. Hätte sie es erfahren, daß ich von ihrem Antlitz gesagt hatte: die Sonne habe es mit Zimmt bestreut, so würde sie mir die lyrischen Ohren langgezogen haben." Als ihm sein Deutschlehrer nach einem gelungenen Aufsatz auf den Kopf zusagte, er wolle wohl Dichter werden, da „schlug dieses Wort gewaltig bei mir ein, und ich glaube, daß ich seit jenem Tag! so unverschämt gewesen bin, mir einzubilden, ich könnte einmal ein Dichter werden. Daß ich es ton da ab bewußt werden wollte, ist gewiß." Fe weiter er langsam auf der Staffel der Schulklassen in die Höhe stieg, desto stärker wurde der literarische Trieb in ihm. Als Sekuudanrr macht er keine Verse mehr und las sie auch nicht: die Russen Gogoll und Turgenjesf waren fein dichterisches Ideal. Tie Eigenheiten seines Stils waren schon damals ausgeprägt: „Es ist sonderbar, wenn ich meine Schul- äussätze durchlese, die ich damals (immer in der Nacht vor der Ablieferung) geschrieben habe, so finde ich alte meine heutigen Nterartschen Unarten bereits vor, und mein damaliger einziger Kritiker, der die Majestät der roten Korrigiertinte für sich halte lwrr nannten ihn respektlos „die Funzel"), hat sie gleichfalls schon damals als solche erkannt. Wie oft, wenn ich heute gewisse Antiken über meine Arbeiten 'lese, denke ich gerlchrt: Sieh du, die Fnitzckk . . , Einstweilen wurde ich wt ein immer schlechtere« Gymnasiast und fing an, auch in dem, was ich geistig ans eigene! Faust trieb, immer wahlloser zu werden, lind bald begann das, was ich das große Träumen nennen möchte. Groß, weil es ein unausgesetztes und erstaunlich lang anhaltendes Träumen war. Ich träumte in der Schute, bei den heimlichen Zechereien, in dey Tanzstundechei den anderen Mädchen: überall und immer. Selbst wenn ich las, träumte ich, und am meisten wenn ich schrieb. Und das mären nun wieder Verse. Gar nicht traumhafte übrigens) vielmehr von höchst sinnlicher Natur. Aber hinter ihrer Sinnliche keil vibrierte eitle wahrhaft nachtwandlerische Sehnsucht nach Idealität. War ich früher zerrissen, so war ich jetzt zerweicht." Es beginnt nun ein Herumziehen auf allerlei Gymnasien, auf denen der Gymnasiast reichen Stofs sammelte, der später in mehreren seiner Werke, in „Pankratius Graunzer", im „Stilpe", im „Prinz Kuckuck", einen dichterischen Niedensck/lag gefunden hat. Aus seiner lebensfremden Traumexistenz ward er tn einen derben! Realismus hinein gerissen. Als er endlich mit Note 3 sein Abi- turientenexamen bestanden hatte, ging er nach Zürich, um möglichst fern von den Städten feiner Gymnasiastenknechtschaft bitt Freiheit des Studentenlebens zu genießen. „Auch der demokratische Staat hockte mich, denn ich war natürlich Republikaner. Ferner riefen mich die Alpen und die rusfischeu Studenten und Studentinnen in Zürich. Ich war fest entschlossen, russisch zu lernen, denn ich hatte Dostojewskis Raskolnikow gelesen. Dieses Buch trägt die Schuld daran, daß der französische Naturalismus (Flauberts Madame Bovary ausgenommen), daß insbesondere dis Romane Zote.s wenig Wirkung bei mit gemacht! haben. Heute noch gilt mir Dostojewski als das größte dichterische Genie unserer Zeit neben Nietzsche." In Zürich kam wieder eine „Zeit des großen Träumens", die ihm ein reiches unerschöpslitos Reservoir von Eindrücken und Erinnerungen hinterließ. Während er, Ivie efl tn einer selbstbiographischen Skizze amüsant schildert, in einem Kolleg über Logik einMief und dann in einem Kolleg über protestantische Theologie wieder erwachend, fluchtartig den Schauplatz seines Träumens verließ, hörte er beim alten Johannes Schorr begeistert zu: „Erstens, weil er, der halb taub war, seine Auffassung von der deutschen Kaisergeschichte mit der Tonstärke eines verwundeten germanischen Helden verkündete, und zweitens, weil es mich seht amüsierte, seinen Grobheiten zu lauschen." Er. sah auch mit Ehrfurcht Gottfried Keller und Arnold Äocklin beisammen, wie sie „hinter Kellers staubigen Weinflaschen sich an» scl-weigend" bei der Mittagstafel saßen. „Ich, bildete mich habet zu einem guten Ausnähmeapvarat aus, der um so sicherer funktionierte, als keinerlei Wille hineinsprach Nämlich: ich „be-obach' tete" keineswegs bewußt, sondern erlebte einfach Gesichte, genau so wie es uns im Traum geschieht. Auch Gedichte erlebte ich so. Sie kamen, und ich schrieb sie — manchmal nieder. Ich habe nie so lebhaft geträumt wie damals, und yie ist die Faulenzerei eims ersten Semesters so reich beschenkt wovdm wie die meine." Aus diesem genießenden Hindämmern, das freilich schon! in Leipzig durch den Eintritt in das Korps der Thüringer und dann durch das Dienstjahr unterbrochen wurde, schreckte ihn die bittere Notwendigkeit auf. Die Eltern konnten ihn nicht mehr, wie vorher, unterstützen, und er mußte sich nach einem Bvotstudium umsehen Er kam auf Yen Gedanken, sich für den Konfulatsdienst in Persien auszubilden; er lernte Persisch. „Man verstehe: Firdusi!" Dann aber lockte ihn die Sprache des großen Lyrikers Li-tai-pe und er versuchte es mil dem Chinesisch, gab aber schließlich alles Studium auf, „weil ich mit einem Male ganz auf mich und meinen J-edeo- halter angewiesen war, der nun meine Eltern mitunterhalteni sollte." Bier bau nr wurde zunächst Journalist, trat zu den Führern der damaligen Literaturbewegung in Beziehung und entwickelte, sich nun in wechseltollen Schicksalen zum wirklichen Dichter. Bilderrätsel. Auflösung in nächster Nummer^ Auflösung des Arithnwgriphs in voriger Nummer: Alma — Don — Olm — Lanze — Fee — Vandalen — Olak — Radel — Mandel — Gurina — Rönne — Zala — Edda — Lodz! Adolf v o ii M e n z e l. Redaktion! K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Umversitäls-Buch- und Skemdrnckerei, R. Lange, Gieße«.