Mittwoch den S. Januar 19(0 — M. 2 IMmI u'NM^W WMKÄZUsUU U’/rrrT-u n « vei ganz verschiedene Arten von Dasein führen und in jedem sich ausleben, wie ein Kind am Vormittag Pfarrer und am Nachmittag Räuber spielen kann, beides mit der vollen Kraft seiner Seele. Nur der Duft des Kolonialwareugewölbes, der war nicht zu vertreiben, der hing sich auch dem Schöngeist an. So saßen sie, und Uerle kam, mit Büchern gepolstert, die hagere Gestalt hatte allerlei Auswüchse, und jeder Auswuchs war literarisch bedeutungsvoll. Des alten Musäus Märchen hatte er unter seinem Rock daher gebracht, Wielands Werke, was nur irgend Neues und Altes für ihn erreichbar war. Das war eine gar wunderliche Sache zwischen Uerle und den Pfarrerstöchtern. Wie mit Stetten hing sein Herz an ihnen. Er wohnte als ihr Wächter und Freund da oben auf dem weltverlassenen Horn, und sie waren ihm alte vier in die Seele hineingewachsen . Im Winter ivar es ihm, als stände er Lieschen, der Aeltesten, am nächsten. Die liebte das stille Daheimsitzen, die langen, gemütlichen Abende. Die Bratäpfel legte stets sie ins Rohr. Tas Feuer schürte sie. Die Lampe putzte sie. Sie war, so schien es ihm, im Winter besonders liebenswert. Anne, die blutjunge Witwe — als er dies sanfte Wesen mit ihrem Kindchen im Frühjahr auf der Bank unter den Linden einst sitzen sah, die ersten Stare pfiffen in den Wipfeln, da rührte ihn das sanft sich lösende Weh, das aus den jungen Augen sprach, und die Liebesfrühlingsregung der jungen Mutter zum Kinde und das Frühlingslallen des Kindleins und das zarte Knospen um sie her, und bewegten Herzens verband er sie wieder mit seiner Liebe zum Frühling. Der Sommer zog herauf, die Felder dufteten, die Mohnblumen standen wie Blutstropfen im blühenden Korn, die Rosen, die Kirschen und alle Sommerblumenlim . arten glühten. Die Linden vor dem Hause trugen ihre goldene Vlutenlast und dufteten Sommersicherhsit.; • Mächtige Bienenvölker sogen an den abertausend Blüten, und die vollaubigen, dunklen, goldüberstäubteii Bäume dröhnten wie zwei Orgeln, so gewaltig war das Summen der Bienenvölker in ihren Kronen. Und abends klang aus den offenen Fenstern des Häuschens unter den dröhnenden Bäumen Musik und Gesang. Vier Mädchenstimmen sangen zu Spinett und Laute Sommersehnsuchtslieder. Die schwachen Mauern des kleinen Hauses konnten kaum der Töne Uebcrschwall fassen. — Das war ein Duften und Dröhnen und- Klingen zu Ehren des Sommers, und wer vorübergiug, sah und hörte mit Staunen die dunklen Baumorgeln vor dem singenden Haus, das seine Klänge nicht zu fassen wußte. Nerle liebte die dritte Schwester Alma wie ein geheimnisvolles Sommerlied, das so schön und tief war, wie es keines auf Erden gibt, das gesungen und gebetet wird. Da war nicht eins, das er so aus vollem Herzen, vor sich hin hätte singen können, wenn er an Alma dachte und au die Sommerherrlichkeit um sie her. Am ehesten noch das: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud' In dieser schönen Sommerszeit. An deines Gottes Gaben." Tas Lied des alten Paul Gerhard. Uerle war kein Dichter, er kannte die Todesnöte der Dichter nicht, ihre Kämpfe nicht und ihre Qualen nicht. Er pflückte nur ganz friedlich die Schönheiten, die aus diesen Qualen und Seligkeiten wuchsen, und wenn er Schöngeist wurde, wurde er Tichtersreund, so rückhaltlos und hingebend, wie die Dichter wahrlich wenig Freunde auf Erden gehabt haben. tFortsePmig folgt.) Ehemalige Adelsgeschlechter in nächster Umgebung von Gießen. Eines der ältesten Adelsgeschlechter der Grafschaft Nassau-Weilburg, zu der auch das Amt Gleiberg,- der Hüttenberg und ein Teil von Cleeberg gehörten, war das der Lösche von Mühlheim. Die Lesche führten den Beinamen von Mühlheim nach dem ehemals bei Wetzlar gelegenen, jetzt ausgegangenen Orte M öl n heim oder M u l e n h e i m (Hermannstein). Um die Mitte des 13. Jahrhunderts war die Familie Lesch eine der angesehensten Patrizierfamilien in Wetzlar. Hier wird von 1240—1252 ein Gerlach Lesch erwähnt. 1269 begegnen wir einem Gerhard Lesch v. Mühlheim als Burgmannen zu Kalsmunt bei Wetzlar. Die Würde eines Burgmannen der Reichsfeste Kalsmunt war eine höchst angesehene und wurde bisweilen vom deutschen König selbst verliehen. Ob der erwähnte Gerhard Lesch, wie der Beiname von Mühlheim vermuten läßt, der Erbe des Kals- munter Burgmannen Milchling von Mulenheim war, bleibt ungewiß. Die Würde eines Burggrafen zu Kalsmunt wurde 1292 vom Kaiser Adolf von Nassau dem Grafen Gottfried von Merenberg verliehen, dem bekanntlich auch die Herrschaft Gleiberg gehörte. Durch Merenberg kamen auch die ehemals Kalsmunter Burgmannen Lesch in das Gleiberger Gebiet. 7 1322 finden wir einen Hermann Le sch von Mühlheim !als „Ritter" in Glerberg. Der bederttendste der Lesche tvar Marx Le sch von Mühlheim. Er war 1538 Vogt in Wetzlar, auch hessischer Oberst und später Amtmann in Königsberg. Vermutlich war dieser Marx Lesch derselbe, der vom Grafen Philipp III. von Nassau den ehrenvollen Auftrag erhielt, zur Tagung am 7. Februar 1537 nach Schmalkalden zu reisen, um dort vor dem Landgrafen Philipp von Hessen wegen des Beitritts des nassauischen Grafen zum Schmalkäldischen Bund zu verhandeln. Bei der Berufung des Magister Kaspar Golt- wurm int Jahre 1546 als evangelischen Hofprediger nach Weilburg hat Marx Lesch gleichfalls mitgewirkt. Lesch hatte den Magister schätzen gelernt, da er Hofmeister seiner Söhne in Marburg war. Der Vertrag, demzufolge der zu berufende Hofprediger jährlich 50 Gulden als Besoldung, die Kost am gräflichen Hofe und vom Hofschneider zwei Sommer- und Winterkleider erhalten sollte, wurde in Gegenwart des Marx Lesch in der Wetterau abgeschlossen. Auch der erste evangelische Geistliche, der 1546 nach Krofdorf kam, Justus Brrieüus (Bruel) wurde auf diese Stelle von Marx Lesch präsentiert. Die Lesche von Mühlheim bekleideten angesehene Stellungen im Militärdienst und im nassauischen Hofdienst. So finden wir das Testament des Fürsten Karl von Nassau-Weilburg vom Jahre 1779 neben anderen auch von einem Zeugen Georg Lesch von Mühlheim unterzeichnet. Bei einem Kodizill von 1787 war Zeuge Karl Christian von L e s ch. Wie die Kalsuiuitter Burgmanuen überhaupt, so waren auch die Lesche bestrebt, Grundeigentum zu erwerben. Daneben erhielten sie von ihren Landesherren Lehnsgüter und den Zehnten in mehreren Dörfern des Kreises Wetzlar. Die Lesche waren ansässig in Rodhetm „auf der Schmitte" (jetzt Besitztum der Herren van der Hoop), in Königsberg, in Vetzberg, Gleiberg, und besonders in Krofdorf. Sie gehörten zu den Gawerben bmt Vetz- berg (Voitzberg), die 1456 nicht weniger als 27 Mitglieder zählten. Jin Laufe der Zeit gingen viele ganerbschaftliche Familien ab oder starben aus, so daß 1765 nur noch vier übrig waren, nämlich: die von Lesch zu Mühlheim, von Sch wal bach, von Schenk zu S ch w eins b er g und von Nord eck. Diese traten ihre Rechte gegen eine Summe von 2000 fl. an ihren Landesherren, den Fürsten von Nassau-Weilburg ab. Wann die Lesche zuerst nach Krofdorf gekommen sind, bleibt ungewiß. Krofdorf ist ein sehr alter Ort und hatte schon im Mittelalter zwei adelige Höfe im „Bangert" und „in der Kadenbach". Um 1550 waren die Lesche jedenfalls schon in Krofdorf ansässig, wie schott aus dem vorher erwähnten ausgeübten Prasentatiottsrecht des Marx Lesch her- vorgehett dürfte. In einer Hofreite tn Krofdorf, am Ende des Dorfes an der Kittzenbacher Straße, heute noch „der Lescheu Hof" genannt, befindet sich an einem alten Nebengebäude, angeblich an einem früheren „Brennhaus" eine kleine Tafel mit der Jahreszahl 1569. Die Tafel enthält außerdem die Aufschrift: Malum. M. L. C. B. D., darunter das Leschische Wappen: je 2 Kleeblätter auf jeder Seite. Eine Deutung der Aufschrift ist nicht möglich; vielleicht soll sie auf den Zweck des Gebäudes (Apselmichle?) Hinweisen. Nach den Tauf-, Konfirmanden-, Trauungs-und Sterbe- registern des alten Krofdorfer Kirchenbuchs von 1629 konnten, allerdings unter Schwierigkeiten, da. oft die Vornamen nicht angegeben sind, emzelne Glieder der Le sch i sch. en Familie in nächster Umgebung von Gießen festgestellt werden. Wertvoll sind in diesen Registern die Angabe der Pateit, die uns von einer Reihe adeliger, jetzt nicht mehr vorhandener, Familien aus unserer Gegend Kenntnis gibt. Unter den „Defundis" (Verstorbenen) zu Krofdorf wird aufgeführt 16 29: Junker Bulzer Lesch „ist begraben in der Croftroffer Kirch vorm Stuhl der n. (nobilium, Adeligen). 1631: „Junker Iohattn Moritz Lesch in der Kirch gen Croftrof begraben worden." In der alten 1513 erbauten Krofdorfer Kirche befanden sich die Erbbegräbnisse und Epi- taphiett der ehemaligen Ganerben von Vetzberg, einiger Beamten von Gleiberg und de/ Ortsgeistlichen. Bei den „Baptisatis" (Getauften) in Krofdorf wird 16 30 und 1631 als Taufpate erwähnt: „Junter Philippst Lesch". Dieser Philipp Lesch muß in RvdHeim „auf der Schmitte" gewohnt haben; denn bei bett Getauften in Kinzenbach wird als Patin 1630 „Philippst Lesch uxor zu Mdheim" erwähnt. Philipp Lesch war 1633 verstorben, denn 1633 wird als Patin bei „rad Leipen" Töchterlein in Krofdorf „Junker Philippst Leichen s. Witwe" aufgeführt. Unter den Katechumenen von Krofdorf des Jahres 1642 befindet sich Felicitas Agnes, „Junker Philippst Leschen auf der schmitten nach- gelassette Tochter". 1640 ist Patin in Gleiberg bei einem! Töchterchen eines Einwohners „von der Biber", „alß die Rodheimer wegen der Kriegsvölker hier gelegen", Junker H e r m a n n L e s ch e n Hausfrau zu Rodheim. 1645 und 1646 wird als Taufpate erwähnt: Job. Balzer Lesch, Sohn des 1629 verstorbenen Balzer Lesch. Diesem Joh. Balzer Lesche der eilte „Wolfskelin" von Vetzberg zur Frau hatte, wurde 1659 ein Sohn geboren. 16 61 ist als Taufpatin verzeichnet Frau Margarete L e s ch i n zu Königsberg. Diesem Joh. B. Lesch wird 1661 ein Sohn geboren, bei dessen Taufe Patin war eine Frau Ursula Lesch. 1685 tritt Augustus Lesch, Junker Lescheu zu Krofdorf, auf. A. Lesch wird 16 93 zu Gleiberg getraut mit einem Fräulein v o n Dörfel d. Dieser A. Lesch wird auch auf Gleiberg gewohnt haben, wo die Familie Lesch gleichfalls begütert war. 1695 wird im Gleiberger Tausregister erwähnt: „Junker Leschen" ein Töchterlein getauft, vermutlich ein Kind des A. Lesch. Taufpaten waren die gnädige Frau Gräfin Marie Polixena von Nassau-Weilburg, Herr Joh. Friedrich Lesch, die Fräulein von der Schmitt Loysa! Dorothea. 1657 war Taufpate: Christoph Losch, Keller (Renntmeister) zu Gießen. 1694 wird Gottfried Lesch: getraut mit einem! Fräulein v. Habel von Litzelweg. Gottfried Lesch stirbt 1730, seine Frau 1731, 69 Fahre alt. 1711 tritt Friedrich Lesch als Taufpate auf. Gr wird weiter erwähnt 1716, 1729. 1735, 1739, 1745 kommt Philipp Wilhelm Lesch von Mühlheim vor. Er stirbt 1766. 1 7 4 3 ist Taufpate ein Georg Lud - wig Lesch, Page am Nassauer Hof. 1 736 und 1738 läßt Fähndrrch Lesch von Gießen einen Sohn, bezw. eine Tochter, taufen. 17 47 wird Fähndrich Adolf von Lesch erwähnt. 1 7 46 wird August Ernst! Lesch, Leutnant, „unter den Holländern" in Langen, wo feine Frau auf der Reise nach Krofdorf nieberEam, ein Sohn getauft. A. E. Lesch trat in holländische Militärdienste, da das Haus Nassau- Weilburg mit Nassau-Oranien iu Holland verwandtschaftliche Beziehungen hatte. Fürst Karl von Nassau-Weilburg bot selbst seine Dienste beit Generalstaateu an und erhielt am 29. Oktober 1756 das Patent eines Generalmajors der holländischen Infanterie. A. E. Lesch wohnte mit feiner Familie meistens in Krofdorf, da der militärische Dienst in Holland ihn nur vorübergehend in Anspruch nahm. 17 5 2 läßt er als holländischer .Hauptmann in Krofdorf eine Tochter taufen. Er starb 1761, 54 Jahre alt, und wurde in der Familiengruft in der Krofdorfer Kirche beigesetzt. 1736 wird Fr i edrichv. Les ch von Mühlheim, Fähnrich in Gießen, erwähnt; vielleicht ist es derselbe, der 1749 als Kapitän und 1752 als Waldeckischer Hauptmann aufgeführt wird. Auch zwischen Nassau-Weilburg und Waldeck bestanden nähere Beziehungen. Friedrich v. Lesch nahm später seinen dauernden Wohnsitz in Krofdorf. Man muß ihn als Majoratsherrn der Familie betrachten. Friedrich v. Lesch starb 1763. Es würde zu weit führen, alle in den Registern aufgeführte Namen der Leschischen Familie zu erwähnen; so wären mindestens noch 50 männliche und weibliche Glieder zu nennen. Die Familie von Lesch stand in freundschaftlichen und verwandtschaftlichen Beziehungen zu mehreren anderen ehemals in unserer Gegend ansässigen, zum Teil jetzt nicht mehr bestehenden adeligen Familien, zu denen von Wrede, W o l f s k e l von Vetzberg, von D e r n b a ch zu Rodheim, von Der sch zu Salzböden, von Bus eck, von Nord eck zu Rab e n au, v o n W eit er s h au s en, von Hill zu Bad enb ur g, von C r aß zu St au f en b e r g, von C o r f f z u W i e s e ck, von S ch e n k z u Schweins- berg zu Gießen, von Schwalbach zu Gießen, von Spiegel zu Gießen, von Reitz en st ein auf der „Wißmar er bach". Die Adelsfamilie v. Wrede stammte aus Westfalen. Wir finden Glieder derselben in Württemberg, Bayern, Hessen und Nassau Sie bekleideten meist höhere Stellen im Militärdienst. Gin v. Wrede war es, der mit 30 000 Mann Bayern nach der Schlacht bei Leipzig Napoleon bei Hanau den Rück- 8 zug verlesen wollte, wodurch es am 30. und 31. Oktober 1813 bet Hanau -zur Schlacht ton, in der General b. Wrede beim Sturm auf die Kinzigbrücke schwer verwundet wurde. General v. Wrede wurde später in den Fürstenstand erhoben. Ein Zweig der 'Familie t>. Wrede war in Klein-Linde n*) ansässig. " Am Ende des Dorfes steht das Gasthaus „Zur Burg", das der einstige Herrensitz der hessischen v. Wrede war. Der letzte dieser Herren v. Wrede zog um 1800 nach Westfalen in die Gegend von Karlshafen an der Weser; der Klein-Lindener Stammsitz verfiel, die Ländereien wurden von der Gemeinde angekauft. Schon 167 8, den 28. März, begegnen wir in den; Krof- dorfer Kirchenbuch bei der Taufe eines Soldatenkindes in Kinzenbach einem hessischen Obristen de Wrede. Es heißt dort: „Herrn Johan F-riedrich Bremern, Corporal unter des Hr. Obristen de Wrede Leib Compagnie, ietzo in Kintzenbach im Winterquartier liegenden, ein Töchterchen getauft". 1779 finden wir in Krofdorf bei der Taufe einer Tochter des „Großbritannischen Hauptmann Georg Schneider uub dessen Frau Ehetiebsten Carolina Louise, einer gebohrenen Fräulein v. Lesch" als Patin neben Fräulein v. Wrede von Merlau, dermahlen wohnhaft zu Löhnberg, „des Herrn Major v. Wrede unter den Russen Frau Ge- mahlin". (Schluß folgt.) Skizze. Weiße Nebel walle» In dem Tal am Fluß, Gelbe Blätter laben Bon der Sonne Kuß. Sommer ist geschwunden, Meiner Liebe Glück; Trübe, bange Stunden Bleiben mir zurück. Scheidens tiefes Sehne» Birgt sich doch in dir, — Tort em freudig Wähnen, Heiße Tränen hier. Dort ein Jrühlingsahnen Junger Herrlichkeit, Hier ein stilles Malmen An entschwundene Zeit. Ein Spätherbstnachmittag lag über Wald und Feld, als ich diese Berse uicherschrieb. Es war die Zeit des großen Sterbens in der Natur. Leise rieselte, gleich Tränen, das gelbe Laub der Mmne zur Erde und durch die halbentlaubten Aeste ging ein Unheimliches Aechzen und Stöhnen: sie klagten um verlöre;« Svmmerpracht. Und drunten im Tal am Fluß wallten die Nebel ans und ballten sich zusammen und stiegen herauf und stiegen über die Stadt und zu mir und hüllten alles in eine weiße, dunstige Masse. Wo vorhin das trunkene Auge noch Licht und Schatten int wechselnden Spiele erblickt und sich an tausendfachen Gestaltungen ergötzte, wo es der Menschen geschäftiges Treiben mit all seiner Lust »nd all ferner Qual wahrgenommen, da wogte und wallte jetzt ein gewaltiges Nebelmeer. Und leise regten sich in meiner Seele die Gedanken. Erst Verworren, dann immer klarer und deutlicher und hafteten schließlich an dem chaotischen Bilde vor mir. Sollte das der Zweck sein: ein Chaos am Anfang, ein Chaos am Ende? Und dazwischen ein Uusvollen farbenprächtiger, glühender Bilder, dazwischen ein Schassen schönheitstrotzender, liebebedürftiger Gestalten, dazwischen eine stetige Wiederkehr all der Lust und des Schmerzes, all der Qual und der Pein? Kein Ende? Zwecklos alles ? Sinnlos die Liebe, sinnlos der Haß? Ver- geblich die Arbeit, umsonst das Streben? Alles ein ewig sich wi-eÄerholendes Spiel der kleinsten Teile, der Atome? Keine Gerechtigkeit, keine Barmherzigkeit, keine Freiheit? Alles Spiel des Zufalls? Und mächtig regt« sich in meinem Innern eine Stimrne und rief: genieße, genieße! Wozu doch, nimmt es nicht auch ein Ende mit Schrecken? Entsetzlicher Gedanke! Es überlief Mich ein kalter Schauer, — es fröstelte mich. Und eine namenlose Angst erfaßte mich und schnürte mir die Brust zu. Halb willenlos, fast instinktiv lenkte ich meine Schritte zur Höhe: ich fühlte, daß nur von dort Befreiung kommen konnte. Höher steigend, merkte ich bald, daß der Nebel dünner und immer dünner ward. Schon sah ich in fahlen; Lichte den Gipfel. Mit ein paar eiligen Schritten hatte ich ihn erreicht. Und nun ich oben war, bot sich dem erstaunten Auge ein entzückendes Schauspiel: ans dem dunklen, zerrissenen Gewölk — meine Seele jauchzte ihr entgegen — trat in sieghafter Schöne und wunderbarer Pracht die Sonne hervor uird tauchte den Horizont, die fernen Höhen rmd die Zinnen der Burgen in slammdnchchk Purpur. Auch die Nebelntassest im Tale verdrängte sie allmählich, Und bald trat auch die Stadt übergossen vom Abendsomrenscheist, wieder sichtbar hervor. Und während meine Seele das wundervolle Bild entsag rmd dem Abendläuten lauschte, klangen von dem nahen *) Siche Näheres „Gieß. FaMilieiM." 1906, Nr. 127. Gasthaus auf der Höhe aus jungen BurschenkehlM d« herrlichHtz SÄNtnscheu Verse in die Luft hinaus: Seid umschlungen Millionen, Diesen Kuß der ganzen Welt. Brüder! tiberm Sternenzelt Muß ein lieber Vater ivo&iteit! Unwillkürlich richteten sich meine Blicke nach vberi — ich empfand das Walten der Gottheit. Ludwig Uhl. Vermischtes. * höfliche und unhöfliche Erwidern nae«" nennt die „Pall Mall Gazette" eine Reihe von Anekdvtest aus Alt-England, die durch die Rücksichtslosigkeit des! Scherzes, der sich in diesen Ueberlieferungen spiegelt, interessierten : Zur Zeit Karls II. von England war der verkrüppelte Earl von Shaftesbnry seiner Schlagfertigkeit lvegen berühmt nnb gefürchtet. Der König sagte einst zu ihm: „Ich glaube, daß Ihr der schlimmste Hund in meinem ganzen Reiche seid!", woraus der Angeredete ruhig erwiderte: „Unter den Untertanen, gewiß!". Ebenfalls zu den Witzbolden seiner Zeit gehörte der bedeutende irische Rechtsgelehrte Curran. 33ei einer Gerichtsverhandlung lächelte er einst so lange, bis er den Richter dadurch zu der Frage veranlaßte: „Sehen Sie denn ettvas besonders Lächerliches an meiner Perücke?" „Nur Ihren Kopf, mein Lord", versetzte Mr. Curran. Einst ritt er mit Norbory, der, und nicht ohne Grund, als der „Hänge-Richter" bekannt war, an einem Galgen vorüber. Norbnry ze-gte aus diesen und fragte: „Wenn dort hinge, Iver dahttr gehört — wo »vürdeu Sie bann sein?" Ohne eine Miene zu verziehen, erwiderte der Advokat: „Ich würde dann allein reiten." Nicht weniger Gereiztheit verrät die Antwort, die der gleiche Advokat demselben Richter gelegentlich einer Gerichtsverhandlung zuteil iverden ließ, Norbury bückte sich während einer langen Rede Cur raus zu feinem Huirde nieder, dem ein Platz neben dem Sitz seines Herrn eingeräumt worden war, nm den Vierfüßler zu streicheln. Der Redner hielt, als er dies bemerkte, in feinem Bortrag, inne. „Aber, bitte sprechen Sie doch weiter, Mr. Curran", sagte der Richter, „wir hören ja zu!" Ich wollte nur warten", versetzte der Rechtsanwalt scharf, „bis die Konferenz der beiden Lords beendet ist." — Ein Pastor fühlte sich dadurch gekränkt, daß einige seiner Gemeindemitglieder während der Predigt ihres Seelenhirten an einem heißen Sonntage eingeschlafen waren, und begann eine gehörige Strafpredigt. „Wenn selbst", rief er den Schuldigen zu, „diese arme Seele, der närrische Willie, wie Ihr ihn nennt (damit wies er aus den Dorfidioten) sich wachhalten konnte, so werdet ihr doch erst recht nicht einzufchlafen braucheri!" Der Irre fühlte, daß, man von ihm sprach, verstand aber beit ©tun nicht und glaubte, sich gegen einen Vorwurf verteidigen zu müssen — laut rief er daher dem Geistlichen zu: „Ich kann nicht dafür, wenn ich nicht Idiot wäre, hätte ich ja mich geschlafen!" * Enfant terrible. „Bitte, nehmen Sie Platz, verehrt« Frau Baummeier, meine Fran wird sich sehr freuens —■ Karl, hast du denn Mutter gesagt, daß Fran BauMmeier da ift?" — „Ja, Papa." — „Nun, kommt sie denn bald; was sagte sie?" — „Mama sagte: Ist denn das alte Klatschmaul schon wieder da?" Einen Kousonanlcu Flinkes Tier. Französischen Badeort. Einen Opernkomvomsien. Kostbares Gewebe. Mythologischen Namen. Einen Bokal. senkrechte und wagerechts Mittelreihe ergeben das Gleiche. Auslösung in nächster Nummer-. 1. S, 3. 4. 5. 6. 7. Die Diamanträtsel, In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben abbdeeeeh i i ii i 1 1 1 n n oisann derart einzutragen, daß die r echten Reihen folgendes bedeuten: . uug des magischen Dreiecks in voriger Nummerr UBIER BERN IRA. E N R Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, M. Lange, Gießen.