Montag den <■ Juli M0 M W MU» MMM MM g» M üso*l Das schlafende Heer. Roman von Clara Vie big. (Fvttstiuing.) (Nachdruck verboten.) Es verging fast kein Vormittag, an dein Pani Kestner nicht in Niemczyce erschienen wäre. Dann frühstückte er Mit den Doleschals, und tv-enn Hanns-Martin zu tun hatte, Web er bei Helene fisten. Wenn sie nähte oder strickte — die WeihnachtSarbeiten für die Leutekinder fingen jetzt schon tot —, guckte er unverwandt auf ihre schönen, schlanken Finger, die den dickwollenen Strickstrumps hielten. Und beim Rasseln der groben Nadeln kam fein leicht entzünd-- liches, alle paar Wochen neu entflammtes Herz zur Ruhe. Bor diesem Klappern und den friedlichen Augen dieser Fran flüchteten alle Gedanken, die nicht schneeweiß waren, wie Lämmchen auf der Weide, sagte er lachend selber. Hier war er ganz der gute alte Freund — den flotten Husaren hatte er in der Garnison gelassen —, der mit Hanns-Martin einst Habichte in den verkrüppelten Akazien von Przyborowo gejagt und den Sandbuckel des Lysa Gora gegen die anstürmende Meute der Polenjungen verteidigt. Sie hatten mit» einander im See getaucht und zu gleicher Zeit die Schul- banl in der Kreisstadt gedrückt. Der Aeltere, Doleschal, war zuerst fvrtgekommeri in die Welt. Sie hatten nichts Direktes voneinander gehört, Knabenfreundschaften pflegen sich nicht tut Briefschreiben zu äußern, aber als spätere Jahre den Gardekürassier und den kleinen Husaren ans der benachbarten Garnison wieder zusamme»führten, hatten sie stundenlang oft nichts anderes getan, als hon „damals" und von „5» Hanse" erzählt. Als Hanns-Martin den Dienst quittierte, das väterliche Erbe übernahm und Helene, die Tochter des Herrn pvn Reder auf Klein-Höfchen freite, war Paul der erste Brautführer gewesen, der hinter dem schönen Paare zum Mltar geschritten. Doleschal trug damals noch den Trauerflor tun den Arm für den verstorbenen Baier, seit! „Ja" hatte sehr ernst geklungen, und der damals überschlanken Braut waren Tränen tiefster Bewegung auf den Myrtenstrauß .geflossen. Donnerwetter, wenn man doch auch eine solche Frau kriegen könnte! Aber eine zibeite solche gab's eben nicht mehr! Die Mutter, die gern Heiratspläne für ihren Paul schmiedete und nicht verfehlte- sämtliche erreichbare Töchter oes Landes — vorausgesetzt, daß sie vornehm oder reich genug ivaren — ihm vörzuführen, hatte bis jetzt kein Glück gehabt. Wozu heiraten?! Der Rittmeister fühlte sich ja äußerst wohl in seiner Haut: .Laß doch Papa mit Kornelia erst mal den Anfang machen! Ich habe noch Zeit!' Tie Vierzehnjährige ivar in dem letzten halben Jahr gehörig in die Höhe geschossen. Em, allerliebster Racker! Der Bruder zog sie schäkernd am langest Zopf, der ihr noch nach Kinderart über den Rücken hing. Ein allerliebster Racker war aber auch die Gouvernante, das Fräulein Wollenberg, trotz der etwas verdächtig geformte» Nase und der zu gescheitelt Augen. Der Rittmeister verschmähte es nicht, mit dem Fräulein oft und lange im Garten auf mtb ab z'u promenieren und angelegentlich Konversation zu machen. r c Kornelia hatte infolgedessen gute Zeit. Zit bett Mahlzeiten brachte sie einen ganz intensiven Stalldnft mit herein, immer steckte sie im Pferdestall; und wenn sie sich vor der Mutter Augen ganz sicher wußte, ritt sie sogar, ein Bein hüben, eilt Bein drüben, die Pferde zur Schwemme in den Hofpfuhl. Tas gab mal eine tüchtige Landwirttn! Kestner bedauerte es aufrichtig, daß die Tochter nicht ein Sohn ttitb zlvar nicht gleich der älteste lvar; dann würde er doch vielleicht nicht an Verkaufen denken. Aber so —?! Er ant- mterte deit Sohn ztt Besuchen itt Chwaliborczyce. ,/Jch mag nicht," sagte der Rittmeister. „Die Garczynska erwartet immer, daß man ihr die Cour schneidet. Und der Bitar, der immer da herumsitzt, ist mir unheimlich. Potz Kuckuck, so ’n junger Kerl muß doch auch tioch Wünsche haben! Und er — Garczynski selber — na, weißt du, Papa, denk traue ich erst recht nicht! Die einzig nette ist die kleine Stafia, die Zofe — wirklich ein allerliebstes Mädel!" Der Baier überhörte das letzte. „Ein sehr intelligenter Mensch, der Garczynski — und so zuvorkommend! Kein Wunder, daß er diverse Orden hat! Ich mutz gestehen, mir sind die Polen noch immer lieber als diese — nun, dieses Leute, die sich jetzt auf einmal bernfett fühlen, hier die Vorsehung zu spielen. Alle Welt stoßen sie vor den Kopf, ihr Deutschtum tragen sie in geradezu herausfordernder Meise zur Schau!" Das ging auf Doleschal! Paul klapperte ungeduldig mit seinen langen, spitzelt Nägeln auf den Tisch. Sie saßen int Studierzimmer des Vaters. Draußen auf dem Hof kommandierte Kornelia, man hörte ihre spitze Jungmädchenstintme; sie ließ die kleinen Schecken anspannen, um zur Post nach Miasteczko ztt fahren. „Es ist ekelhaft," grämelte der Vater weiter, „wozu das Geschrei? Wir sollen uns keine Wanderarbeiter aus Russisch-Polen mehr kommen lassen?! Das lväre ja noch netter! Da könnten wir ja bald tiuter Armenlasten und bet» gleichen ersticken! So, iuettit einer seine Arbeit getan hat und seine Bezahlung gekriegt hak, geht er eben wieder. Deut Doleschat werden sie schon noch die Haare vom Köpfe fressen — na, mir kann's gleich sein! Nur uns soll er ungeschoren lassen!" „M-r, Papa!" Der Ritinteister «initiierte sich über feinen alten Herrn. -Hanns-Martin tritt dir doch wirklich nicht zu nah, du siehst ihn ja kaum!" „So, so — was du weißt! Ich sehe thn nicht — ganK recht .— aber ich höre ihn destv mehr. Er verdirbt alles —. *06 — hier! Rein alles! Ich bin wahrhaftig ein Reichsgetreuer und gut protestantischer Christ — unsre Familie hat seit Generationen den Protestantismus hochgehalten in der Provinz — aber warum denn dieser Trara mit Sedan? Das ist ja schon so lange her! Und was hat das mit hier zu tun? Er soll übrigens an dem Tag grade eine höchst taktlose Rede gehalten haben; der Propst von Pociechg war tief verletzt. Und mit Recht. Ich sprach ihn kürzlich. Wir spielen manchmal 'nen Skat zusammen — ein ganz gemütlicher Herr! Das geht nicht, hier immer den Deutschen 'rausbeißen! Hier haben Polen und Deutsche mitsammen auf der Schulbank gesessen, hier können wir keine Hetzer brauchen. Und noch dazu sind wir ja auf die Leute angewiesen! Ich habe mich aber amüsiert, die Fahne auf dem Lysa Gora haben sie ihm 'runtergerissen und in tausend- Stücke zerfetzt!" „Lassen wir das, Papa!" Des Sohnes lachendes Gesicht wurde ernst, und er runzelte die -Brauen. Was ihm Helene erzählt, ganz im geheimen — sie hatte ihn dringend- gebeten, bei Hanns-Martin nichts davon zu erwähnen, durfte der doch gar nicht ahnen, daß sie darum mußte — das, was sie ihm mit bebender Stimme, Tränen des Zorns und der Mmmer- nis in den schönen Augen, anvertraut hatte, das wurde nun schon öffentlich bespöttelt! „Ich innsi doch sehr bitten!" Er sprang aus, wie hie Herren im Offizierskasino aufzuspringen pflegen und hielt sich sehr gerade. „Freiherr von Doleschal ist mein Freund. Kein Wort mehr auf ihn. Adieu, Papa,!" Er ging steif zur Tür und machte sie unsanft hinter sich zu. „Ra, na!" Ganz verdlltzt sah ihm der Vater nach. Aber dann ärgerte er sich: was war denn das für eine Manier? Und das alles wegen Doleschal?! Er trat ans Fensher und sah Paul auf den kleinen Wagen klettern, den Kornelia eben vom Hof herunter kutschieren wollte. Wahrhaftig, da fuhr der Junge mit, und sie harren sich doch verabredet, zusammen zu den Fohlen zu gehen! Noch schöner, nun hatte man schon mal endlich den Sohn hier und hatte doch nichts von ihm! Ein heftiger Zorn gegen Doleschal erhob! sich in ihin: wäre der" doch, wo der Pfeffer wächst! — Tie Geschwister fuhren gen Miasteczkö. Kornelia hatte sich die Ziigel nicht nehmen lassen. Der Husar fand rasch seine gute Laune wieder. Die Keine fuhr ja wie ein Daus, immer auf dem Strich, trotz des miserablen Weges! Er fragte sie aus nach Fräulein Wvlleuberg: wie alt war die eigentlich, noch unter zweiundzwanzig? „So sagt sie!" Die Kleine lachte verschmitzt. „Weißt Hl, die, die ich voriges Jahr hatte, sagte zwar auch so, aber ' ie war viel älter; so gräßlich alt ist die jetzige nicht. Panienka Ist ganz nett, was, Pawelek?" Die Augen halb schließend, so »aß die langen Härchen der Wimpern sich goldig auf die eicht hesommersproßte blühende Wange legten, blinzelte ie den großen Bruder au. Ter Rittmeister hatte sich selten so gut amüsiert wie auf dieser Fahrt mit der kleinen Schivester. War die ein gescheites Mädel! Ueber alles wußte sie Bescheid: was dieser Acker einbrachte und jener, wie der Roggen gelohnt uns wie hoch die Weizenpreife, und daß Papa verkaufen wollte — an die Kommission natürlich, wer sollte sonst so hoch bezahlen?! Tas Verkaufen war Körnelia unangenehm. Sie wollte gern auf dem Lande bleiben — was sollte man in der Sticht? Wie ein Stoßseufzer klang's: wenn doch einer käme und sie heiratete, der ein recht großes Rittergut hätte! AM schönsten wäre schon eine Herrschaft. Schade, daß der Boleslaw von Gvrczyusli erst fünfzehn war — Papa würde gar nichts gegen den haben! Angeregt plauderte sie weiter: imißte der Bruder schön, daß der Inspektor ging? Mama konnte jhn nicht mehr schen. Es hatten sich schon andere gemeldet, aber Papa hatte sich noch zu keinem entschließen können; im Winter war ja so wie so faule Zeit, vielleicht, daß Papa einen dann ganz sparen wollte! Wenn doch ein recht netter genommen würde, ein junger, nicht so ein alter Knopp! Sie sagte .Knopst, nicht .Knöpft, und beide Geschwister lachten herzlich darüber. Der leichte Magen flog lustig dahin. Weiße Fäden flogen auch lustig wer das Land. Altweibersommer. Aber heute merkte man es der Natur gar nicht an, daß sie traurig war über ihre scheidende Jugend. Die Sonne lachte noch! einmal freundlich, nicht wie im Sommer — da tat sie weh w, Wer wie in einem guten April., Klar wie reines Mas wär die Luft. Mau könnte noch weiter sehen als sonst, als fei der Horizont in ewige Fernen gerückt. In den Akazien von Przhborowv flüsterte ein Windchen und schaukelte die reifen Fruchtschoten. Der See von Miasteezko, an dessen Hinterem Sand- zipsel sich das kleine Städtchen mit der großen Kirche um den freistehenden Glockenturm scharte, wurde gekräuselt von Wellen und Wellchen. Milchiges Weiß schwamm auf dem heut tiefblauen, himmelfarbenen Becken; der mutwillige Wind hatte darin Schaum geschlagen. Kräftigen Odem hauchten das letzte Grün der Raine und die schon wieder neu eingesäten, feingedrillten Aecker aus. Der Abdecker, der sonst, dicht beim Städtchen, die Luft verpestete, hatte heute nichts in Arbeit. Ganz oben auf der Himmelsbahn tummellen sich unzählige runde, .weißwollige Wölkchen gleich Lämmern, die aus der Weide springen; und wie ein Aufpasser stand schon der blasse, schmalumngige Halbmond bei ihnen. Es wär wirklich schön. „Hui, het!" Mit dem gellenden Zuruf, den sie vielhundertmal im Felde gehört hatte, feuerte Kornelia ihre russischen Schecken au. Fast wäre Inspektor Hoppe überfahren worden, der vom Städtchen her dem Wagen entgegen kaut. Er war auf der.Post gewesen und so vertieft in die Briefschaften, die er sich abgeholt hatte, daß er gerade vor die Pferde rannte. Kornelia riß sie noch eben zurück. „Psia trete!" und brummte dann ein „Dämelak" bei seinem Gruß. Er war in den Waggraben gesprungen; mit trübem! Ausdruck fah er dem Wagen nach, dann ging er langsam weiter wie einer, der müde ist Der Briefbogen, den er entfaltet in der Hand hielt, zitterte — oder war es der Wind, der ihn knisternd schwanken machte? Der letzte Brief — wieder eine Absage! Und aus jo viele Annoncen hin hatte er sich gemeldet, selber so und so viel Offerten eingerückt! Einen Inspektor, der den Fünfzigen nicht mehr viel näher ist als den Sechzigen, den nimmt man nicht; warum blieb der nicht auf der Stelle, auf der er elf Jahre lang gewesen? Ein unendlich bitteres Lächeln verzog das wetterzer-- gerbte Inspektoren gesicht. Ja, wenn er noch jung wäre, frisch und kräftig wie der Herr Rittmeister dort auf dem Wägen, oder wenigstens noch um zehn Jahre jünger !vie jetzt, da käme er wohl schon an! Damals, als ihn das! Mißgeschick getroffen, als er, kein weiteres Vermögen im Rückhalt, sein Gütchen nicht hatte halten können, als alles unter den Hammer gekommen, ihm nichts zu eigen geblieben war, als der Stock in der Hand und der Rock aus dem Leib, damals war er nicht so unglücklich gewesen wie heute. Er hatte rasch eine Stelle gefunden, trotz seines Bankerotts — vielleicht gerade darum: man denkt, so einer macht wenig Ansprüche! Auch Herr Mstner hatte sich vor elf Jahren nicht daran gestoßen, jetzt aber hieß es immer: „Schlechte Wirt- schäft!" Grämlich tourt) e es ihm zum Anhören gegeben, alle Tage — das eigne Unglück. Und so hatte er selber gekündigt, überwältigt von seinem Gekränktsein, .fortgerifsen von einer Empfindlichkeit ohne Besinnung, wie ein Jüngling. Er war dem Herrn damit entgegengekommen, das fühlte er wohl. Herr Kestner hatte zwar verwundert getan, geradezu gekränkt, aber dann die Achseln gezuckt: „Wenn Sie denn durchaus wollen, lieber kloppe! Ich denke, wir haben lange genug Zusammen gewirtschaftet, um,zu wissen, was wir aneinander haben. Wer jch lvill Ihnen nfcht im Wege sein!" Wohin — wohin nun?! (Fortsetzung folgt.) Was ist hysterisch? Ein psychologischer Erklärungsversuch. Von Dr. van Troy. Kinberfragen geben den Erwachsenen, Laienfragen den Fach!- leuten harte Nüsse zu knacken. Die Antworten fallen! selten W friedigend aus, selten sind! sie dabei aber auch ganz korrekt. So geht es auch mit der Mlerweltsfrage: Was ist hysterrftch? oder in einer die Bestätigung in sich schließenden Modiftkatwnt Halten Sie mich für hysterisch? Der Laie, der die eine oder die andere Frageform wählt, tut dies nicht aus reinem Wissensdurst. Er ist eigentlich recht klar darüber, was er unter „hysterisch" zu verstehen hat. Man kann ihm nur das sagen, was er schon lange! weiß. Natürlich nur fo 407 lange der einfachere hysterische Charaktertypus gemeint ist; die komplizierten und schweren Ki'ankheitsbilder entziehen sich seiner Kenntnis. Er hält eine Person für hysterisch, die über einen ihm gleichgültigen Gegenstand in „Exstase" gerät, die durch ein Kunstwerk so in Bewunderung versetzt wird, daß sie vor Aufregung nicht mehr schlafen kann. In denselben Ruf kommt, wer launisch ist, seine Stimmungen ohne sichtbare Motive plötzlich und unvermutet wechselt; bald himmclhochjauchzend, bald zum Tode betrübt ist. Man könnte beguemerweise sagen, alles, was der schöne Satz: „La dönil-a! e mobile" in sich begreift, gehöre hierher, wenn nicht auch ein recht hoher Prozentsatz des starken Geschlechtes dem schwächeren hierin nichts nachgäbe. Zerlegt man derartig als hysterisch bezeichnete Temperamente in ihre seelischen Elemente, so findet man zunächst eine durchaus Normale Intelligenz, ein fehlerfreies Auffassen der Reize, die aus der Außenwelt -»fließen, und ein gedankliches Verarbeiten und Verknüpfen derselben. Nur der Gefühls ton, der den Erlebnissen anhaftet, ist abnorm und in seiner Stärke verändert. Gleichgültige Erlebnisse lassen den normalen Menschen im allgemeinen kühl, nur außergewöhnliche erregen ihn heftig. Zwar ist jede Vorstellung mit einem Gefühl für un§| verknüpft, aber! dieses ist in seiner Stärke variiert, und es überwiegen dabei die mittleren Intensitäten. Lust und Unlust empfinden wir gewöhnlich in ihren mittleren Lagen, Entzücken und Abscheu, Freude oder Leid, Liebe oder Haß bleiben aufgespart für seltene, besondere Ereignisse. Das hysterische Temperament verfügt nicht über diese Skala, es kennt nur die aller stär ksten Gefühlsäußerungen, mit denen es seine Erlebnisse und Vorstellungchr überflutet. Ein Mord wird nicht mehr als angenehm, sondern als entzückend, eine Dissonanz nicht als unangenehm, sondern als widerwärtig, fcheuK- lich empfunden. Die Gefühle überdauern auch die Ereignisse^ mit denen sie geboren werden. Wenn das Erlebnis schon lange verblaßt ist, wirkt noch das Gefühl nach. Es entstehen aus der Emotivität dauernde Stimmungen, die autokratisch das ganze Seelenleben beherrschen. So können durch diese affektiven Nachwirkungen nun Erlebnisse zn ganz falschen, nicht zugehörigen GeftihlStönen, die einst an früheren Erlebnissen hafteten, kommen. Gewissermaßen tritt dadurch eine Verkehrung — eine Perversion — des Gefühles ein. Eine durchaus genießbare Speise wird als widerlich -»rückgewiesen, während unangenehme Dinge, wie Essig, als angenehm und wohlschmeckend bevorzugt werden. Wo nun ein und dasselbe Gefühl nicht als Stimmung eins lauge Reihe von Erlebnissen in sich schließt, da kann merkwürdigerweise im Gegensatz ein äußerst rascher Wechsel der Stimmung zustande kommen. Ein unmotiviertes Hin- und Herfallen aus einem Gefühl in das entgegengesetzte, das wiederum in der Eigenart der Objekte nicht genügend begründet ist, scheucht die Traurigkeit und Lustigkeit, oder häufiger wohl umgekehrt, hinüber. Mit elementarer Gewalt und Plötzlichkeit kann ein solcher Umschwung sich vollziehen, Begonnene Fäden jäh abreißen. Manchmal scheint es fast, als käme es überhaupt nur darauf an, daß, den Dingen ein Gefühl anhafte, gleichviel welches es sei. Gefühl wird alles, die Sache Schall und Ranch. Geftlhle sind es, die dem Leben des Einzelnen den Reiz der individuellen Eigenart geben. Ohne sie wäre uns die Wahr- nehmnngstvelt ein leeres Nebeneinander, wenn nicht Durcheincm- der; im besten Falle diente sie zu einer logischen Abstraktion. Die begleitenden Gefühle akzentuieren, unterbrechen, heben das Besondere heraus, unterscheiden Wesentliches von Unbedeutsamen, Sie stellen die Erlebnisse unter die Oberherrschaft des Werturteiles, In den gemäßigten Zonen eines stabilen Charakters ist dieser Ausleseprozeß zweckmäßig. Gewinnt er über die unumschränkte Gewalt, so wirkt er nur einschränkend und beengend. Dabei ist es, tvie wir sahen, weniger die Vorstellung an! sich etwa eine! Slnneswahrnehmung, welche die Aufmerksamkeit und mit ihr das Interesse auf sich zieht, als das Gefühl, das sie erweckt. Man spricht von dem Persönlichen in den Dingen, und man meint damit cen je i n e n Teil der komplexen Erscheinungen, der unsere Person -um Mitschwingen bringt. Die Sache wird mit der Person verwechselt; nur was diese noch interessiert, wird ausgenommen und verarbeitet. Die Dinge verlieren ihre organische Gliederung, sie Werden halb und schief gesehen. Die /egoistische Hinlenkung der Aufmerksamkeit ausschließlich auf das, was der Anteilnahme wert scheint, bedeutet eine Einengung des Bewußtseins und damit gewisse Minderleistungen. Die Welt der Erscheinungen ist ja nicht nur angefüllt mit Diftgen, die in dem Beobachter eine starhe! Gefühlsreaktion hervorzurufen vermögen, im Gegenteil, die meisten tragen den Stempel mehr oder minder großer Indifferenz an sich. Die Wahrnehmung einer Anzahl dieser .Dinge entfällt dem Hysterisch eingeengten Bewußtsein. Dadurch entstehen in der zeitlichen Folge der Wahrnehmungen und Vorstellungen Lücken, die fast wie Jn- telligeiizdefekte sich ausnehmen, während, wie schon oben gesagt, tatsächlich die Intelligenz normal ist, sehr häufig aber sogar den Durchschnitt überragt. Diese Lücken entgehen der Denkarbeit nicht. Sie trachtet sie auszufüllen. Aber die Füllsel sind nicht die realen Erlebnisse gewesen, sondern sie stellen fiktive Elemente wtr. Dadurch wird der ganze Vorstellungskomplex verfälscht. Das äußert sich am häufigsten im täglichen Leben in einer mangelhaften Reproduktionsfähigkeit von Erlebnissen, im hysterischen Lüg c n. Das Individuum ist dabei sich durchaus nicht bewußt, Me Fälschung zu begehen, es hält seinen .Bericht, etwa eine Zeugenaussage für wahrheitsgetreu; besonders bann täuscht es sich über: die Tauglichkeit feiner Erinnerung, wenn es sich vorher den Gang des Ereignisses „zurechtgelegt" hat. Auch hier ist die Intensität des Geftihles während des Erlebnisses für die Repro- ■ chuktionsunfähigkeit so maßgebend, daß der Satz fast Gesetzcsuorm erlangt: Je stärker das Gefühl während des seelischen Erlebens war, um so eher fällt dies dem Vergessen anheim. Dabei ist Voraussetzung, daß der Gefühlston des Borstellungskomplexes negativ war. Das heißt, das Erlebnis hinterließ einen unangenehmen Eindruck. Lustbetonte, angenehme Erinnerungen zu verdrängen, liegt bei der oben erörterten exzentrischen Einstellung des hysterischen Charakters kein Grund vor. Auf der anderen Seite besteht nun das Streben, sich möglichst viele angenehme Eindrücke zu sichern. Nicht in der Realität, denn über diese ist man nicht Herr genug, sondern in der Fiktion, der Vorstellung. Das sind die Wünsche. Man gibt sich ihnen hin, um über das Peinliche einer gegenwärtigen Situation hinweg- zukommen. Sie haben gar nichts gemein mit Wallungen und Strebungen, die auf ein sichtbares und erreichbares Ziel zeigen, sie haben auch nicht die Aktivität in sich, die zur Ncalisiernuig führen könnte, sondern sie gehen eher ins Maßlose, Unwahrscheinliche, Unerreichbare über. Um sich ihnen hingeben zu können, muß die bessere Einsicht ausgeschaltet sein, der Intellekt schweigen, wo diese Gefühle reden. Eine solche Bewußtseinseinengung ist das Träumen der Hysterischen mit wachen Augen. (Vielleicht aber lassen überhaupt die Träume aller Menschen eine Deutung als Wünsche zu.) Daun wird der ganze Wohlgeschmack der nun verwirklichten Situation ausgekostet; man ist kein armes, unansehn- liches Mädchen mehr, sondern eine schöne Prinzessin, um die ein Fürst freit, fein schwacher Stubenhocker, sondern ein kraftvolles Staatsmann und Redner, dem die Völker lauschen. Die phantastischsten Geschichten, die einem nüchternen Beobachter als Heller Unsinn erscheinen mürben, werben ausgesponnen. Wie sehr derartige Konfabulationen erlebt werden und in. Erfüllung gehen, kann man dem Träumer aus dem Gesichte ablesen. Eine Thea- tralik der Gebärden und Haltung beherrscht sein Aeußeres. Er spielt, ein Schauspieler, seine eigenen Stücke. Aber der echte Schauspieler schminkt sich ab und geht in die Wirklichkeit zurück« Nicht so der hysterische Mensch. Er kann schließlich Natur irret Einbildung nicht mehr unterscheiden, et legt seinen Truggespinsten den Wert von wirklichen Erlebnissen Bei. Die abenteuerlichsten Phantasmen werden aufgetischt, nicht Einzelheiten, die Lügen marschieren in dichten Zügen vor dAst Zuhörer auf: Man ist in Indien gewesen und hat Tiger getagt; Aber nicht auf gewöhnliche Art von einem sicheren Elefanten mit einer guten Büchse. Nein, auf die allein edle Art, mit dem auf einem pfeilschnellen Rosse. Natürlich hat der erste PW sofort den Tiger tödlich getroffen, ins Herz mitten im Sprunge, ast möchte zu verstehen gegeben werden: alles ging so schnell,, daß die springende Bestie nicht einmal Zeit hatte, ans der Luft auf die Erde zu fallen. Doch das Erlebnis wird noch weiter gedichtet. In den Dschungeln hat sich der Erzähler das Fieber zngezogeu, das höchste Fieber, das jemals Bei Menschen beobachtet worden ist, 45 Grad Celsius. Und mit dieser zehrenden Krankheit ist die Reise fortgesetzt worden, zwei Tage und zwei Nachte lang. Auch ein geschulter Beobachter weiß häufig nicht, wo absichtsloses Lügen und hysterische Lügen, die Pseudologia phantastica, miteinander sich mischen, so einheitlich wirkt der Vortrag, so stark ist feine Lebenswärme. Seines Publikums ist der Phantast sicher, um so sicherer, je zahlreicher es ist. 'Denn die Massenpsyche überläßt sich mehr und williger dem Ansturm der Geftlhle als bet Kühle logischer Deduktionen. Bei biefer Stimmung der Mengs fallen kritische Geister dem allgemeinen Mitleiden, der Vev-, achtung anheim. Zudem, die Hysterischen ziehen einander an.; der hysterische Hörer" wird von dem hysterischen Sprecher mit» geriffelt, er läßt sich von diesem alles mögliche einreden, „suggerieren". Vielleicht fühlt er die erzählte Geschichte als fein eigenes Erlebnis und gibt sie nächstens als solches zum besten. Auch diese ins Wttvrme gesteigerte Suggestibilität, d. i. die vermehrte psychische Bereitschaft, den Eindrücken der Außenwelt zu unterliegen, erwächst unter der Suprematie des Gefühlslebens auf dem Boden der Willensschwäche. Die Wirkungen her Suggestion sind vornehmlich durch die hypnotischen Phänomeite bekannt geworden. Bei diesen handelt es sich, nur nm die extremsten! Falle seelischer Passivität, die möglich werden durch eine künstliche Einengung des Bewußtseins, durch Versetzen in bei: hypnotischen Schlaf. Der hypnotische Seelenzustand ist wahrscheinlich nur eine quantitative Steigerung des hhsterischen. Auch der scheinbar wache Hysteriker — wir haben oben gezeigt, daß dieser. Wachzustand nur scheinbar besteht — ist Einreduttgen und Vorspiegelungen von außen auf das Leichteste zugänglich. Vieles beeinflußt ihn, was auf den normalen Menschen gar nicht wirkst. Besondere Kuriositäten und Absonderlichkeiten, die er beobachtet und die seine Gcftihle in Wallung Bringen, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, daß er sie wirklich wiedererlebt. So kommctst Imitationen von Erlebnissen zustande: Krampfanfälle, die tut irgend einem Kranken beobachtet worden sind, werden nachgeahmt,- oder, ein harmloseres Beispiel, Gebärden, Haltung, Ausdrucksweise, Stimme, Tonfall eines imponierenden Menschen- werden angenommen. Vorbedingung ist immer nur, daß die auslösende Vorstellung gefüblsbesetzt war. Wenn auch all diese Sonderbar- 408 — leite» int Benehme» des Hysterikers beit Eindruck tum Urteils- schwäche machen, so findet man diese Amrahme doch nur selten bestätigt. Biele, wenn nicht die meisten Erlebnisse außerhalb dieser Komplexe sind durchaus intellektuell verarbeitet und m das Gesamtbewutztsein ausgegangen, nur die assektbetonten Bor- stellnngen führen eine Sondereristenz und sind vom Bewiißtsem abgespalten. , z „ Aus dem Ziisammentreten all der einzelnen Zuge und Erscheinungen ergibt sich ein Bild, dessen charakteristische Zetchen auch dem Laien nicht zu entgehen pflegen. Nur, daß der mcht geschulte Beobachter sich weniger Reserven auszuerlegen braucht als der Arzt. Und das soll noch betont werden, daß nicht der eine oder andere Zug, so charakteristisch er auch sei» mag, allein genügen kann, um für sich schon die Bestimmung der Hysterie zu- zi,lassen. Es kommt nicht auf die Einzelheit, sondern auf das Ganze an. P. I. Moebius, einer der beste» Kenner der Hysterie, hat einmal mit Recht gesagt: „In irgend einem Grade ist jeder Mensch hysterisch." Das Fremdenbuch ist int Aussterben. Mehrere weite Reise» durch entlegene Teile Deutschlands habe» mich belehrt. Wie alle von der Zivilisation überwundenen oder überbotenen Einrichtungen findet mau's nur noch da, wo der Wellenschlag modernen Lebens int Verebben ist. Liib doch war's so lustig. Zu sehen, wer vor zehn Jahren in meinem Zimmer gehaust, welche Glücklichere» den Blick aus die See, die Aussicht auf schneegekrönte Berge länger als ich genossen: zu erfahren, das; Freunde hier einen Becher geleert und Fremde eine Freundschaft geschlossen: und !vie reizvoll war es, die Schriften zu sehen, den Schriftsteller, der im Uulesarltchen 'Meister war, den Pädagogarchen, der feilte Angabe versäumte, den stolzen Sextaner mit eckig-deutscher Schrift, den Primaner, mit lateinischer kühn sich als. stud. litt, bezeichnend, bett Schwung des „Reisenden", die Würde des Forschenden, die Lehrerin- die ihren Gefühle» keine» Zivaug antat („es war schön!"), eine Familie, Glied für Glied, eingezeichnet, verwandt und verschieden in den Schristzeichen; die Zeichnungen und endlich: bie Verse, die abgeschmackten, bie dürftigen, bie holperig-rührenden, bie sentimentalen, bie schwärmerischen. Schwärmen wir ruhig selbst ei» bißchen von dieser Unterhaltung stiller Negenabende! „Es war Heute empfängt mich der Zimmerkellner. In der Hand den .Block. „Bor- und Zuname", „Stand", „Tag der Ankunft", >,. . . der Abreise", „Alter (Jahr und Tag)", Orte woher und wohin des Wegs. Also ich schreibe, ivas mir gleich einfällt, das übrige dem Zimmerkellner (ich wiederhole mit Grimm diess Mistbildung!) überlassend. Aber schon kommt er, verlegen- verbindlich lächelnd, noch einmal. „Ich must bitten, alles auszufüllen ..." Ich weigere mich. „Lieber Freund, es kann ja doch niemand interessieren, wie alt ich bin. Lesen kann's auch niemand. Ich bin Schriftsteller!" „Aber die Polizei!" Also ich schreibe. Geboren 18 . . „Und noch bitte sehr, wohin reisen Sie?" Nun wird's mir zu bunt. „Das weist ich selber noch nicht!" „Aber, verzeihen Sie, die Polizei. . Nun, ich «weist wohl, der Kellner, der Wirt, der Portier, sie alle sind unschuldig. Die Polizei gebietet. Man kauft Blocks, »birst das Fremdenbuch weg, und die Gäste stehen zwei Tage nach der Ankunft im Tageblatt und eilten vorher schon in beö Polizeiliste. Man sollte sich strikte weigern, diese schikanöse Inquisition jeden Abend durchzumachen. Das ist meine ernstliche Meinung: auch hier ist eine „kleine Freiheit" zu verteidigen. Wozu mein Alter, mein Reiseziel, meine Zimmernummer? Warum nicht gar die Zahl der mitgebrachten Gepäckstücke, Unter-. beinkleider, Kragenknöpfe? Wen schiert das alles? Warum macht man mir, dem Kellner, dem Wirt, dem Registrator die Kosten, die Mühe? Glaubt man, wer was verheimlichen will, wird teilten Weg zum Verheimlichen finden? Er braucht ja nur zu schwindeln! Vielleicht sieht das auch eine hohe Obrigkeit hin, und wir erreichen's, den Block mit seiner Lächerlichkeit Wieben los zu werben und einen alten Reisefreund wiederzusehen mit feinen unendlichen Ergötzlichkeiten: das Fremdenbuch. Ezard N idde n. Vermischtes. Wohl b e in, ö e r ’ S g (e i d; versteht! Die „Welt der Technik" erk! rie auf Grund des Deutschen ReichSpätentS Nr. 173 378 kürzlich in einem Aufsätze „Der Streit um die Wrightfchen Patente" die technisd)e Borriehtung eines Fliegers solgenderrnasten: „Mit wagerechtem Kopfruder und senkrechtem Schwanzruder versehener Gleilflieger, bei welchem die beiden übereinander ungeordnete» Tragflächen an entgegengesetzten Seiten unter verschiedenen Winkeln niin Winde eingestellt werden können, dadurck) gekennzeichnet, das; Die Tragflächen biegsam gestaltet sind, behufs schraubensörmigen, initlels einer Stellvorrichtung zu bewirkenden Verdrehens um eine quer zur Flugrichtung gedachte Achse, derart, daß die entgegen gesetzten Seiten der Tragstächen sich in der Flugrichtung unter verschiedenem Winkel ernstesten, und daß das Schwanzruder mit der Stestvorrichtimg derart gekuppelt ist, dass es dem Winde mit derjenigen Seite dargeboten wird, welche den unter dem kleineren Winkel eingestellten Tragflächenseiten zugekehrt ist, zum Zweck den ganzen Gleilflieger um die in der Flugrichtung liegende Mittelachse zu drehen, ohne das; eine gleichzeitige Drehung des Apparates um seine senkrechte Mittelachse erfolgt. Wer nun noch nicht weiß, was eine „Verwindung" ist, heißt es dazu in der Zeitschrift deS Ast- gemeinen Deutschen Sprachvereins, dem ist nicht zu Helten. * D i e E n t st e h u n g der E i s e n b a h n f a h r k a r t e n. In der ersten Zeit der Eisenbahnen behalf man sich mit Fahrtausweisen nach Art der Fahrzettel der Post, die nach Eintragung des Reiseziels, der Platznummer und des Fahrgeldes unterschriftlich vollzogen und mit Schwarzstempel versehen wurden. Als die Beamten bei dem Andrang zum Schalter damit nicht mehr fertig wurden, griff man zu vollständig vorgedruckten Schemen auf dünnem Papier, die nur noch mit der Platznummer zu versehen waren. Erst 1841 wagte der Engländer Edmondson den Vorsd)Iag zu machen, den Text der Fahrkarten in kleiner Schrift auf handliche viereckige Papierkarten zu drucken, die der zufälligen Vernichtung besser standhielten und in der Westentasche oder in der Börse bequem unterzubringen waren; sie gelangten zuerst ans der Strecke von Manchester nach Leeds zur Einführung. In Deutschland und Oesterreich hatte, wie in so vielen anderen Fällen, Sankt Bürokratius die schwersten Bedenken, dem in England eingeschlagenen Wege nachzufolgen. Den Eisenbahngewattigen erschien namentlich die Verwendung des teueren Kartcms und die Möglichkeit des Nachdruckes zum Zwecke von Fälschungen in höchstem Grade anstößig, und noch 1849 konnte sich die in Wien tagende Generalversammlung des Vereins deutscher Eisenbahnen nicht zur Einführung entschließen. Es mußten noch 17 Jahre bis zum Jahre 1866 vergehen, ehe die ietzlen Zettel aus dem deutschen Eisenbahnverkehr verschwanden. Eine teilweise Auferstehung haben sie allerdings in den einzelnen. Blättern der zusannnenstellbaren Fahrscheinhelte gefunden, weil sie hier eben sehr zweckmäßig sind, ferner in den im Zuge Jelbfi zu bezahlenden Fahrscheinen tmb in den Ausweisen jener Glücklichen, denen die Direktioiien der Eisenbahnen in Turistenländern freie Fahrt gewährten. * Brasilianischer Hochzeitskaffee. Gine eigenartige Voltssitte besteht in verschiedene» taffeebauen- ben Ländern, besonders in Brasilien. Wird ein Kind geboren, dann stellt man dort einen Sack vom allerbesten Kaffee beiseite als ein Geschenk für das Neugeborene, das den Kaffee aber erst bei seiner Heirat empfängt. Gewöhn» sich ist dieser Sack Kaffee eine Gabe von nahen Freunden oder Verwandten und wird mit größter Sorgfalt ausbe- wahrt, wie weint er kostbare Schätze enthielte. Nichts in der Welt könnte brasilianische Eltern dazu bewegen, von denk Kaffee zu nehmen, der ihrem Kinde bei seiner Geburt geschenkt wurde. Der Sack ist von dein Geber versiegelt und gewöhnlich mit einer Karte versehen, auf der die besondere Art und das Alter des Kaffees angegeben ist, Einzelheiten aus dem Leben des Kindes werden von den Eltern hinzu- gefügt. Zum erstenmal geöffnet wird der Sack, wenn das Kind heiratet. Dann wird der Hochzeitskaffee aus diesen, so bedeutungsvollen Bohnen bereitet und mit großer Feierlichkeit getrunken. Der Sack wird nach der Hochzeit wieder geschlossen und dem jungen Paare in sein neues Heim gebracht. Die Eheleute decken nun in ihrem ersten Ehejahr ihren Kgfsebedarf ans diesen dem Kinde gespendeten Bohnen. * O we h! Mutter: „Schorschl, is bet Baier immer noch int Wirtshaus?" — Schorschl: „Nee!" — Mutter: „Na, Gott sei Dank! Wo ist er bett»?" — Schorschl: „Im Chausseegraben!' [V ❖ O Q Q Q e> Q Skat-Uufgabe tb ö N Q Q Q Q ♦ ♦’ * ♦ Obgleich ein Wenzel und ein Aß im Skat liegen, geht bas Spiel verloren. — Wie saßen bie Karlen und wie wurde gespielt? Auslösung tu nächster Nummer. Auflösung deS Tauscbrälsels iu voriger Nummer: Afd)e — fljonb — Hab — Wichel — Huber — 1'ops — iiachs — O()r — Wegen — Trituf — Lahn — Km — Neff — Lladel: A l b e r t L o r tz i n g. Nedaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl' scheu Universitäts - Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dießen.