Samstag den q. Juni B eM \C: < Ct 7 W jiiSffliiiiili Ihres Vaters Tochter. Roman Don Lulu von Strauß und Torney,, (Nachdruck verboten.) Fortsetzung.) 13. September. Der Professor ist da. Und es ist alles so gekommen, tvre ich gefürchtet hatte. Nein, schlimmer noch! v-r. '®.clttt mein Seppl wüßte, toas er in seiner Ahnungs- wslglelr üngerrchtet hat! ' ... ksanzel! Morgen schon wie im Fieber, wollte AAch sruy seril Sonntagszeug anhaben, mochte kaum seine Milch trinken und wartete ruhelos. 6alb"^gelt?"^°mmt ^eV ^"^r, Aga? Konnnt er jetzt? Aber Mir war unbehaglich zumute, ich scheue jede Aufregung für den nervösen Jungen. Aber mein Zureden half nichts. Er hat in den letzten Wochen wirklich gelernt, ein paar r ■e bbii gestern das Telegramm kam, , feuten Baler anmeldete, hat er nichts anderes gedacht, ?“ß er ihm entgegengchen will, wirklich gehen, zwei Schritte oder drei, so weit er kann, Zenz und ich an fernen Verden satten. Zwei Stunden stand ich schon am Fenster und wartete, immer den ungeduldigen kleinen Frager Himer mir, als ich endlich, endlich beit Professor kommen sah. v " Es mußte alles im Flug gehen, in ein paar Sekunden, der Junge zitterte und fieberte vor Ungeduld. Wie die Gartentür klang, hatten wir ihn kaum aus dem Fahrstuhl °en Fußen, er drängte aufgeregt vorwärts, daß das rranke Bern nicht nut konnte und einknickte. Aber er achtete gar nrcht auf den Schmerz. „ , Weich darauf war der Professor in der Haustür, groß und brerr die Türöffnung füllend. Er blieb wie angenagelt stehen. a a „Seppl! Bub! Was soll das?" 3* weiß nicht, ob die Aufregung der letzten Minuten . $■ wite,^ oder ob die laute, derbe Stimme ihn er- ZEppl starrte einen Augenblick mit zitterndem den Peofessor groß und fremd an, dann warf er Aufschrei den Kopf herum, versteckte ihn in meinem Kleid und klammerte sich an mich. „Nem, nern, weg! Er soll weg! Aga, nein!" , krankes Bein glitt, er wäre gefallen. Ehe ich ihn ^st^b^n komrce, hatte der Professor ihn in den Armen. Mter? W ' toaä denn? Komm, ich bin's ja, der ?ber das erregte Kind schlug schluchzend wie sinnlos Mir den Armen um sich und stemmte sich gegen ihn. i W' Äch will KU Aga! Laß los, weg!" „Hiev Men Sie den Jüngen," u Er sagte das kurz Und hart. Ueber das Kind weg trafen sich unsere Augen. Und ich wußte auf einmal, was er dachte: du hast schuld. Du hast mir mein Kind entfremdet Ich hatte Seppl auf dem Arm, er duckte seinen Kopf an meine Schulter wie ein gejagtes kleines Tier. Ich fühlte, wie das Schluchzen noch den kleinen Körper stieß, als ich ihn die Treppe hinauftrug. Ein paar Minuten blieb ich bei ihm, bis er ruhiger wurde, .dann ließ ich ihn bei der Zenz. Ich wußte, jetzt? half.alles Gutzureden noch nichts. Aber ich hatte förmlich Furcht vor dem Professor. Ich traf ihn noch unten in der Borhalle, wo er mit starken Schritten auf- und ablief. Er blieb! erst stehen, als ich dicht vor ihm war. „Es tut mir so leid, Herr Professor! Seppl wird den unartigen Empfang später nachholen. Er hatte es sich so hübsch ags gedacht, Sie mit dem Gehen zu überraschen, Dre Aufregung ist ihm wohl zu viel geworden, Sie wissens ja, wie zart und reizbar er ist. Vs wird bald besser." „Mag sein." Er nickte, aber seine Augen behielten den gleichen Ausdruck. „Jedenfalls ganz gut, baß er mich nicht zu viel zu sehen bekommt, dann kann er sich ja langsam an den schwarzen Mann gewöhnen." Ich kannte diesen harten Ton gar nicht an ihm. Ich blreb noch vor ihm stehen. „Ich glaube im Gegenteil, er wird sich gleich gewöhnen, sowie er länger mit Ihnen zusammen ist. Herr Professor, das wollen Sie mir doch nicht antun, daß Sie im Gasthof blechen? Ich hübe mich darauf gefreut, daß Sie mein Gast sein würden." „Nein. Es ist besser so. Ich bleibe ja auch Nur eins paar Tage Ich will nur gleich mit dem Zweck heraus!-? rucken. Ich will mir den Seppl holen." Also wirklich! Ich sagte kein Wort. Mer auf einmal tiefen nur die Tränen übers Gesicht. har'^^ Professor sah es, sein Ton wurde etwas weniger! „Aber Kind, was soll denn das? Seien Sie nur ruhig, ein bißchen muß ich Ihnen den Störenfried schon noch da lassen. Ich wollte jetzt nur nach ihm schauen rmd fahre dann erst vierzehn Tage ins Gebirge. Will nrir die Steife hert aus den Gliedern und die Stadtluft aus dem KVpf kraxeln. Nachher komme ich und hole ihn mir." Ich nahm mich zusanimen. ™ „Mir müssen über Seppl noch näher sprechen, Herr Professor. Der Herr Medizinalrat will auch —" Ich brachte es doch nicht weiter. Bielleicht war es für den Augenblick auch besser. Hat denn Seppls schlimmer Empfang die Stimmung so ganz und gar verdorben? Früher hätte ich den Pro-, fes,or doch offen um alles gefragt. Aber ich kenne ihn gqr nicht so, wie er heute ist! i Mein weißes Kleid, das ich Unserm Gast zu Ehren trug, und mein festlicher Tifchschmuck vM rotem WeinUuK 338 und weihen, großblütigen Anemonen an schlanken Stengeln waren wie Spott dieser Stimmung gegenüber. Der Professor versuchte ein paarmal, Seppl Mer den Tisch herüber zu necken und anzureden, aber der Junge hatte nur einen scheuen Blick aus verweinten Augen für ihn. Da lachte er auf und ließ ihn in Ruhe. Gleich nach Tisch ist der Professor gegangen. Er käme erst morgen wieder, erklärte er, heute wolle er eine Wanderung in den Wald machen und sein Skizzenbuch mitnehmen. Ich sah ihn an wie einen Fremden, als er da vor mir stand uub sich so förmlich verabschiedete. Ich mußte auf einmal an die Tage im Frühling denken, als er mir Seppl brachte. Das Lachen, das das ganze Haus lebendig machte, und die frische, gutherzige Teilnahme für alles um ihn herum, auch für mein eigenes, ganz verfahrenes Leben, die mich beinah quälte! Wider meinen Willen hat er mir damals ja geholfen! Ich habe ihm so viel zu danken. Ich hätte so vieles mit ihm durchsprechen mögen, was sich nicht schreiben ließ. Ich hatte mich auf ihn gefreut! Jetzt ist das vorbei. Es ist überhaupt alles vorbei, was mir das Leben wieder lieb machen wollte, wenn er mir den Jungen nimmt! Er darf es nicht, er soll's nidy f Wie bringe ich es nur fertig, es ihm zu sagen? 16. September. Ich werde selbst nicht klug aus Seppl. Ein paarmal schon habe ich ihn ins Gebet genommen und ihn gefragt, was er gegen seinen Baier hätte. „Hast du ihn denn nicht lieb, Seppl?" Er nickt. „Doch." „Warum bist du denn nicht gut zu ihm? Was soll denn das? Hat er dir etwas getan?" Aber ex schüttelt nur den Kopf und versteckt ihn an Meiner Schulter. Es ist nichts aus ihm herauszubringen. Mit mir ist er zärtlich und zutraulich tute immer. Wer wenn sein Vater da ist, dann ist der Junge scheu wie ein verprügelter Hund und sieht ihn nur mit ängstlichen Augen von fern an. Drei Tage ist der Professor nun schon da. Er kommt zu Tisch, sitzt nachher mit uns eine Stunde oder zwei im Garten, macht in einer kurzen, knurrigen Weise Konversation oder schweigt ganz, fühlt sich sichtlich unbehaglich Upd geht, sobald es mit Anstand möglich ist. Des Abends sst er trotz meiner Aufforderung nicht ein einziges Mal gekommen. Ich weiß nicht, wo er daun ist, Es ist Überhaupt wie ein heimlicher Kriegszustand Mischen uns. Wir haben noch kein uns naheliegendes Thema berührt, weher meines Vaters Briefe noch die Frage Seppl. Um die gehen wir beide herum lote die Katze um beit heißen Brei. Was ich an Seppl tue, kann jede tüchtige Pflegerin auch tun, sagt der Medizinalrat. Ja, körperlich wohl. Mer was der Junge braucht: Liebe, stündliches Eingehen aus seine grüblerische kleine Seelenwelt — laßt sich das auch kaufen und bezahlen? Nein, ich weiß, daß er mich nötig hat! Ich muß es durchsetzen! Aber den Mstt dazu habe ikh nur, .wenn ich allein in meiner Stube bin. Aus des Professors Augen und aus dem Ton jedes Wortes fühle ich noch das gleiche heraus wie im ersten Augenblick: du hast mir mein Kind entfremdet! Und wenn ich auch weiß, daß es nicht wahr ist — es verschließt nur doch den Münd, wenn ich mit ihm zusammen bin! 18. September. Manchmal kommt mir ja der Gedanke: der Junge ist nicht allein der Grund seiner veränderten Stimmung. Es muß da noch etwas anderes sein, das tiefer liegt. Ich beobachte ihn, wenn er im Garten sitzt, sich mit der großen Hand durch ben roten Bart fährt mit einer langsam nachdenklichen Bewegung und, die Brauen zu- fammengezogen, vor sich hinsieht. Wenn mir die Pause zu lange dauert und ich ihn anrede, hebt er zerstreut desii Ävpf und gibt irgend eine gleichgültige Antwort. Unds wenn er sich dann hastig verabschiedet, möchte ich ih!n sefftz- halten, ihn fragen, warum er nicht er selbst ist. Und habe doch Angst vor einer kurzen, schroffen Antwort, wie ich sie dieser.Tage schon ein paar MW bekommen habe! 19. September. Eine Viertelstunde laug habe jch gehofft, es könnte alles wieder wie früher werden. Ich glaubte, ich hätte den Faden gefunden, an den sich wieder anknüpfen lieh! Es regnete, wir konnten heute nach Tisch nicht int Garten sitzen. In der großen, Hellen Gartenstube ist es dann so behaglich, wenn der frische Geruch der feuchten Erde und des nassen Laubes durch die breite Glastür kommt. Der Professor lies im Saal auf und ab — er hat noch kein Wort darüber gesagt, daß wir ihn jetzt täglich bewohnen — und rauchte seine Nachtischzigarre. Ich bin seine Schweigsamkeit jetzt schon so gewohnt, daß ich ganz erstaunt aufsah, als ich ihn reden hörte. „Holla, was ist denn das?" Er stand vor den Bildern, bem' meines Vaters und der Zeichnung meiner Mutter, die er selbst gemacht hast Ich kam rasch zu ihm hin. „Kennen Sie das Bild noch, Herr Professor?" Er war auf einmal ganz der Mte, mit lebhaften Augen. „Das ist brav, daß Sie die Bilder hierhergehängt haben, sehr brav!" Ich stand einen Augenblick neben ihm und sah die Bilder an. Und auf einmal kam es mir heiß und stark zum Bewußtsein, was sie mir bedeuteten, und was ich dem da neben mir zu danken hatte. Ich konnte es nicht lassen, ich streckte ihm die Hand hin. „Herr Professor, ich wollte, ich könnte es Ihnen sagen, was Sie damals an mir getan haben!" „Ich? Au Ihnen?" Sollte das Abwehr fein? Ich wurde unsicher. „Natürlich, ich weiß ja, daß Sie es ipeines Paters wegen getan haben, aber —" „Da sind Sie doch etwas im Irrtum, Kind!" Er wandte: sich rasch zu mir herum. „So hoch mir das Andenken, meines guten Freundes stand, dem schadete oder nützte es nichts mehr, was wir hier von ihm dachten. Aber ich sah, daß Ihnen der Konflikt innerlich Schaden tat, und deshalb wollte ich Sie herausreißen. Vielleicht habe ich in meinem guten Willen ein bißchen derb zugefaßt, das müssen Sie einem grob zugehauenen Kerl wie mir zugute halten." „Nein, nein, es war gerade gut so!" Ich sah ganz glücklich, zu ihm in die Höhe, es kam mir vor, als ob diese letzten Tage ein häßlicher Traum gewesen wären. Ich hätte den Augenblick, die Stimmung mit beiden Händen festhalten mögen, Fortsetzung folgt.) Aus dem (eben Julins Vsiffs. Julius Wolfs hat nicht von Jugend auf in der Laufbahn des Dichters seine wirkliche Bestimmung erkannt; als feilt erstes Werk erschien, der Till Eulenspiegel redivivus, der ihn mit einem Schlage zum berühmten Dichter machte, war er ein gereifter Mann von 40 Jahren, der auf reiche! Erfahrungen zurückblicken konnte und das Leben kennen gelernt hatte, inmitten des prächtigen Harzes, in einem alten, von dem Schimmer der Historie ummitterten Giebelhause Quedlinburgs hatte er au einem Septembertage des Jahres 1834 das äicht der Welt erblickt, als der Nachkomme einer alten Familie, die seit Jahrhunderten in der Stadt Till Eulenspiegels das ehrbare Tuchmachergewerbe ausübte.- In dieser Tradition wurde auch Julius auferzogen, aber sein frisches, wirklichkeitsfrohes und unverwüstlich heiteres Temperament bewahrte ihn davor, in der Vorbereitung für, seinen neuen Beruf feinen einzigen Lebensinhalt zu sehen. Schon als Knabe war er ein leidenschaftlicher Freund ben Natur, auf den grünen Matten des Harzes, im Schatten der Wälder, an plätschernden Bächen beobachtete er mit kindlicher Neu gier die Tierwelt, daheim in feinem Stübchen hat er eine ganze Sammlung von gezähmten Waldtieren und wenn er der Unterhaltung mit diesen Spielgefährteri müde ward, dann ging er in den Dachkammern des alten! 'Vaterhauses auf die Mausejagd. Er scheint in seinen Kiuder- jahren ein guter Mäusefänger gewesen zu sein, er, dech später mit feinem Rattenfänger von Hameln fo viel Ruhm! ernten sollte, denn mehr als eine Maus hat er daheim mit der Hand gefangen. Bei einer dieser Jagden war es auch, daß er in einer Bodenkammer eine verwitterte alte Ausgabe der Schillerscheu Gedichte ausstöberte. Fortan blieb! dies Buch! sein treuer Begleiter; wenn er hinauszog in 389 — die Felder, trug fr (einen Witter in der Rocktasche, im Walde liegend las er Gedichte und diese Lektüre' war es auch, die aus der noch schlummernden Poetenseele die ersten und harten Knospen jugendlicher Lyrik emporsprießen ließen. Mer die Wirklichkeit mit ihren Forderungen zog die Grenzen dieses kleinen Tummelplatzes dichterischer Freuden immer enger, der künftige Tuchfabrikant mußte an die Aus dem Ohmgebiet. Beschäftigung der Bewohner. Welch ein Jagdgebiet für einen tatendurstigen Nimrod wäre eine so wald- und wildreiche Gegend! Leider aber ist der Wald! im Ohmtale ausgerodet, und lachende Fluren, Aecker und Wiesen, sind an dessen Stelle getreten, was freilich auch nicht zu ver^ achten ist. Bringt auch die Feldjagd nicht überreichen Gewinn, so entschädigen jedenfalls Ackerbau und Viehzucht durch gute Erfolge vollkommen. Am ausgezeichnetsten sind, wie wir schon hörten, die Gemarkungen von Roßdorf und Mardorf; letzterer Ort hat auch ausgedehnte Waldungen. Die Schafzucht ist zurück^ gegangen, dagegen wendet man sich mit Sorgfalt der Ziegen- und Hühnerzucht zu, und die Rindvieh-, Schweine- und Pferdezucht befinden sich'auf der Höhe, wovon erstere wieder ihre Grundlage in den üppigen Wiesen hat. Der gesegnete Ackerbau im Ohmtale beruht aus dem vortrefflichen Boden und der günstigen Lage. Gegen die rauhen Nordwinde ist das Tal einigermaßen geschützt durch den Burgwald und das Äilserberger Gebirge. Je mehr wir uns der Ohmquelle nähern, umsomehr nimmt die Kälte und Unfruchtbarkeit zu. Gedeihen noch am Fuße beäl Vogelsberges Getreide und Obst ausgezeichnet, so wachsen wohl auch noch bei Ulrichstein Apfelbäume, aber nur die Zwetschenj kommen noch in dieser Höhe zur Reise. Der Ohmgrund hat fast überall tiefgründigen Lehmboden; dazu kommt noch in den übrigen Teilen des Ohmgebietes, namentlich am Vogelsberg, der Basalp-, boden. Selbst wenn dieser mit Steinen vermischt ist, zeigt er große Fruchtbarkeit, wie er denn überhaupt die größte Mannigi-i saltigkeit und Ueppigkeit der Vegetation hervorbringt. Darum beteiligt sich auch nicht nur der Dorfbewohner an der Ausbeutung der Fruchtbarkeit seiner Fluren, sondern auch in den Städten über--, wiegt die Landwirtschaft. Und in Kirchhain ist ein „Korn-, haus" eutstaudcu, welches zu Tagespreisen hie ihm aus der Umgegend zugeführten Bestände von Getreide aufkaust und in größeren Lieferungen wieder abgibt. Kirchhain hat ferner bedeutende monat-i Buch zurück. Es hätte Aussicht auf Annahme, doch einige' Mängel müßten apsgefeilt werden. „Mit heller BegeisA rung und einem Herzen voll Hoffnung fiel ich über mein Werk her, flickte und seilte mit fliegender Feder daran herum und noch nicht zwei Wochen später war Till Enlen- spiegel zum zweitenmal in Stuttgart. Aber da kam ein strenges „Oho!" von Freiligrath. Was ich mir denn eigentlich einbildete; ich wäre verfahren wie ein Schneider, der einen verschnittenen Rock in ein paar Tagen wieder zurechtmeistert." Die Herren vom Verlage in Stuttgart wärest verschnupft und lehnten das Buch ein für alle mal ab. Wer die Enttäuschungen begannen eigentlich erst jetzt: er, dessen Bücher in einer Auflage von einer halben Milliost verbreitet worden und der wenige Jahre später der Lieblingsdichter Deutschlands werden sollte, fand und fand keinen Verleger. Ueberall wurde der Eulenfpiegel abgelehnt. Bis endlich in Detmold sich ein Verleger freiwillig meldete. Als das Buch ausgedruckt war, kommt plötzlich ein neuer Schicksalsschlag: die Druckerei brennt ab und mit ihm die ganze erste Auslage. Doch dies blieb das letzte Mißgeschick: der Till Eulenfpiegel redivivus ward neu gedruckt'; was die Verleger gesündigt hatten, machte die Kritik einstimmig wieder gut und wenige Monate später wär Julius! Wolff in der vordersten Reihe der meistgelesenen Schrifk- steller seiner Zeit. liche Rindvichmärkte, so daß von hier Extrazüge mit Vieh nach den Großstädten abgehcu. Von größter Bedeutung ist die Lage der Stadt an der Main-Weser-Bahn, deren hiesiger Bahnhof in den letzten Jähren bedeutend erweitert worden ist; dazu, mündet hier die Ohmtalbahn, welche die Orte Amöneburg, Rüdigheim, Schweinsberg, Niederofleiden und Homberg a. O. berührt und bei Nieder-Gemünden die Bahn Gießen—Fulda erreicht. Durch zeitgemäße Einrichtungen, wie elektrisches Licht und Wasserleitung', ist Kirchhain, 1885: 1796, 1895: 1958, 1900: 2017, 1905? 2334 Einwohner zählend, in der Lage, den meisten LandstädtD würdig an die Seite treten zu können. Wesentlich anders snid die Verhältnisse in dem nahen Amöneburg, vornehmlich ist bezug aus die Landwirtschaft, da hinsichtlich dieser die erhabene Lage des Städtchens wahrlich keine „angenehme" ist. Dem gab auch ein Landmann Ausdruck, der, im Scherze gefragt, warum sie so hoch da hinauf gebaut hätten, antwortete: „Hätten wir eA noch 'einmal zn tun, dann täten wir cs nicht mehr." Frühest trieben die Bewohner neben Ackerbau und Viehzucht auch etwas! Gewerbe, während heute letzteres kaum noch vertreten ist und die Amöneburger von ihrem hoch gelegenen, unregelmäßig und schlecht gebauten, mehr einem Dorfe als einer Stadt gleichenden Wohnorte aus die Felder zu Füßen des Berges bebauen. Gärten und Terrassen haben erst tiefer ins Leben gerufen werden können und bringen hier vorzügliches Obst hervor. Zwischen Wort 'für hi? QrtiMAfÜMo 7V“U I dem Schlosse und dem Rathause der alten „Stadt des heiligen verstrichen• hn emzulegeir. Wochen Bonifatius" lag einst ein tiefer Teich, der jedoch verschüttet und- v ijtrtgien. da mm eines ä.ages oom Eottaschen Verlag, tm» 1 in, einen Garten umgewandelt ist. Seitdem wurde Kum Schuhe Zukunft denken, er mußte lernen und arbeiten. Zwischen' den surrenden Webstühlen Und den rasselnden Maschinen der väterlichen Fabrik lernte er die Fäden ineinanderspinnen, aber wie eifrig.die Hände auch arbeiteten, seinem Geiste ward die Prosa des Tagewerks zum Gedichte und er fand die Wunder der Poesie in der Arbeitsstube nicht weniger mächtig als in Gottes freier Natur. Eine fröhliche Berliner Studentenzeit mag feine poetische Sehnsucht noch erweitert und gestärkt haben, denn als er nun heimkehrtä luub aus feinen dreibeiuigen Drehsessel Zahlen addierte, iund Rechnungen schrieb, da schnürte ihm die Luft des Bureaus doch die heiterkeitsbedürftige Seele zusammen unb manchmal seufzte er bitter auf, wenn die Zahlen kein Ende nahmen und die Arbeit wuchs. Seine schüchternen poetischen Versuche wurden zum Spott der Angehörigen, die den dichtenden Tuchfabrikanten herzhaft verulkten und die ihn schließlich dazu trieben, nur noch heimlich im trauten Kämmerlein stille poetische Andachten zu halten. Aber aus die Dauer litt es ihn nicht in der nüchternen Enge bet' väterlichen Tuchfabrikation. Er gab schließlich die große Fabrik auf, begründete im Jahre 1869 die „Harzzeitung" Und hatte nun int Journalismus ein Arbeitsfeld, das zum Bindeglied zu seiner spateren schriftstellerischen Laufbahn wurde. Die Arbeit war nicht gering, denn Julius Wolff war der einzige Redakteur und zugleich noch der einzige Mitarbeiter seines täglich erscheinenden Blattes, aber die i Bürde der neuen Pflicht ward seinem Wesen zur Freude. I Albert Träger, der bei der Rückkehr Freiligraths aus der Verbannung in Bielefeld und Detmold den jungen Julius Wolff kennen lernte, hat das lebensfrohe Wesen des neugebackenen Redakteurs und Zeitungsherausgebers in jenen Julitagen des Jahres 1869 geschildert: „In nächster Nähe des Gefeierten (Freiligraths) hielt sich stets ein junger Mann, blond und schlank, mit blauen, klar und treuherzig blickenden Augen und von schlichtem, gewinnendem Wesen." Niemand kannte ihn damals; fein Onkel, der „alte Wolff", hatte ihn als seinen Neffen vorgestellt. „Seine umfafiende Bildung lag offen zn Tage unb der unerschöpfliche Schatz feiner Kneiplieder in traulichen Kreisen vervollständigte den Beweis, daß er die Hochschule mit glänzendem Erfolge j besucht hatte. Alles gewann den wackeren Gesellen lieb. | Freiligraths hatte eine besondere Zuneigung für ihn ge- | faßt, und als die festlich Vereinten allzu schnell sich wieder trennten, da schied ihm in jedem ein wabrer Freund." Doch der Harzzeitung von Julius Wolff war nur ein kurzes Dasein beschieden: als im Juli des Jahres 1870 der Krieg ausbrach, da eilte Wolff zu den Fahnen, nachdem er sich mit I einem schwungvollen patriotischen Abschiedswort von feinen Lesern verabschiedet hatte. In der Armee des Kronprinzen I machte er den ganzen Feldzug mit, vor Tont errang *er das eiserne Kreuz und bald ward er auch zum Offizier befördert. I Die wechselvolleu Bilder des Feldzuges stärkten.seine poe- I tischen Neigungen und unmittelbar nach dem Kriege 'erschienen auch seine Kriegslieder „Astis dem Felde", ein dünnes I Heftlein, das seinen Namen zum ersten Male in alle deut- I scheu Gaue trug. Aber von den Erfolgen, die ihm später I in so reichem Maße befchiedeu wurden, war er noch fern. I ^chon 1869 hatte er int Stillen an seinem Till Eulenspiegel 1 begonnen; er selbst hat geschildert, wie fröhlich er cknfiug: I „ßfinc mir vorher mit dem Ausspinnen einer Fabel und I Handlung lange den Kopf zu zerbrechen, schrieb ich drauf | los, was mir grabe einfiel, und die Verse slossen mir so I leicht und rasch aus der Feder, als diktierte sie mir — I "scht der Heilige, sondern ein recht weltlich gesinnter | . . Mir war nun zu Mute, als hätte ich mir in I leichtfüßigen Versen etwas von der Seele heruntergeschrie- I ben, das mich unwillkürlich zum Anssprecheu gedrängt I oatte. Aber an Veröffentlichung dachte er nicht; erst nach I dem Kriege tauchte der Gedanke auf, „ob mir die praktische I 6? der Dichtkunst nicht auch zur Erwerbsquelle werden I konnte . Der ^.ill Eulenfpiegel ward hervorgefucht unb' I taun Freiligrath gesandt mit der Bitte, bei Cotta ein gutes I — 340 Bebattion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steinbrnckerei, R. Lange, Gieße»». Logogriph. Oft steh ich bei dem Freudenmahl Bereit, Erquickung dir zu spenden; Vergessen ist des Lebens Qual, Doch Täuschung hast du nur in Hände»;. Dem; ich bin es, der Schmerz und Weh Dir reichlich bringt in schweren Tage»;. Wenn ich an dir vorüber geh, So kannst du wohl von Glücke sagen. Nimm nur das Haupt und alsobald Hast du ein mächtig Wild aeümbeu; Es hauste einst inr 'tieisten Wald, Nun ist's vom Erdkreis längst verschivtlnden. Auflösung in nächster Nummer: Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nununerr Gelsenkirchen — Elfe« — Robbia — Harmonium — Ararat — Rapp — Diu — Hora: Gerhard H a u p t >n a n n. ve»m!?chtss. * Kälteindustrie und Volkswirtschaft. Mair kann häufig der Annahme begegnen, daß die Kälteindustrie in Knstralcen und Neuseeland entwickelter sei als in andere,; Teilen dtzr Welt, »veil von dort aus riesige Menge»; name»;tlich von Hammelfleisch in Kühlschiffe,; nach London und anderen englischen Häfen versandt werden. Indessen ist tatsächlich die Entwickelung der Kälteindustrie auch in den Vereinigten Staaten in der letzten Zeit eine ganz hervorragende geworden. Die Gründe dafür sind genau dieselben, wie sie für Australien und Neu- seeland vorlregen. Eine große Zahl wichtiger Lebens,nittel wird in Yen Bereinigten Staaten an Stellen erzeugt, an denen die Bevölkerung nur schwach ist, während andererseits, namentlich in der Umgebung der ausgedehntesten Großstädte, die Lebensmittel- Erzeugung mit Ausnahme des Gemüsebaues und der Molkerei- betriebe keine ausreichende ist. Lebt doch bei weiten; der grösste Teil der Bevölkerung der Vereinigten Staaten in dem östlichen Drittel, -wahrend namentlich Obst und Früchte aller Art viel- fach mr äußersten Westen erzeugt werden, wo sie ganz besonders» «prächtig in Kalifornien und an der Küste des Stillen Ozeans ÜLdecheu. Man hat daher in Nordamerika, sobald die landwirt- schaftuche Erzeugung der westlichen Laudesteile einen größeren, »Auf,chwung nahm, Tausende von Kühlwagen bauen lassen, um dm Möglichkeit zu gewahren, daß. z. B. kalifornische Apfelsine»; d-e d-xh mindestens eme Woche in Anspruch nehmende Fahrt uack den oltlichen Landesteilen, wo sie auf die Märkte der Groß- städte Newport, Philadelphia, Boston usw. geworfen werden, gut überstehen. So gibt es heute in den Bereinigten Staaten viele» Tausende von Kühlwagen, die zusammen die riesige Fassungskraft von etwa 1 200 000 Tons besitzen (1 Ton = 1016 Kilogramm) «Auf diesen Kühlwagen werden landwirtschaftliche Produkte befördert, die lahrüch einen Wert von fast 10 Milliarden Mark darstellcii Außerdem gibt es in der Union 187 Kühlschiffe, die .wtitanbe sind, gegen 12 Millionen Schafe zu befördern. Die »eisgekühlte»! Lagerräume, die an verschiedenen Punkt«», der Ber- Ninigten Staaten hergestellt sind, vermögen 4 800 000 Zentner «iw Milliarde Gier und nrehr als 2»/2 Millionen Tonnest (125000 Zentner) Früchte aufzunehmcn. Auch in anderen Teilen» der Welt hat sich die Kälteindustrie kolossal entwickelt. In Argentinien z. B., das 1893 erst für etwa eine Million Mar« eisgekühlter Fleischprodukte ausführte, hat sich diese Zahl bis znm Jahr« 1903 fast verzehnfacht. Dec beste ausländische Abnehmer von eisgekühlten! Fleisch ist bekanntlich England, dass la für feine Bevölkerungsernährung auf diese Einfuhr von Süd- und Nordamerika, insbesondere aber von Australien und Neu- seeland» angewiesen ist. Großbritannien empfängt jährlich etwa für 72»/. Milliarden Mark eisgekühlten oder gefrorenen Fleisches. Auch von Neuseeland, das als Beispiel für die Südseegegestds (Australien eingeschlossen) dienen ,nag, hat sich die Verschickung» gefrorenen oder eisgekühlten Fleisches, nachden; die» Erfindung 1879 gemacht worden war, schnell entwickelt. Die erste Ladung gefrorene» Fleisches ging 1882 von der neuseeländischen Hafenstadt Dunedin ab. In jenem Jahre verschiffte man 1707 000 Pfund Fleisch. Dann ging die Ausfuhr mit Riesenschritte,! Vvr- svarts» 1893 z. B. betrug sie 1839 000 Schafkörper, die durch 366 dazu eingerichtete Schiffe verfrachtet wurden. Und tvenn anch den Viehzüchtern in den Kaninchen, die man trotz aller» Anstrengungen und riesiger Ausgaben noch nicht hat loswerden können, eine arge Landplage erwachs, so hat doch der Betrag des verschifften Fleisches so große Mengen erreicht, daß er durchschnittlich nicht weniger als 200 Millionen Pfund jährlich betragt. 1903 Ivar er sogar auf 266 408 800 Pfund gewachsen, dl« einen Wert von etwa 60 Millionen Mark verkörperten. Es sei bei dieser Gelegenheit envähnt, daß die Kältetemperaturen/ unter bi« man die verschiedenen Lebensmittel stellen muß, verschieden sind: Aepfel gefrieren bereits bei —0,5 Grad Celsius/ während Weintranben eine Temperatur bis zu —3 Grad aus- halten. Fleisch hält sich bei einer Temperatur von —2 Grads vis —4 Grad mehrere Wochen lang. Wird es aber tüchtig durchgefroren, d. h. wird es unter ein« Kälte von —9 bis — 12 Grad gestellt, so hält es sich zivei Jahre lang. E. S. * Die Hyg iene der Briefmarke. Metall- nnd' Papiergeld Haden sich schon oft den Bvriburf gefallen lassest müssen, wegen der Möglichkeit, Krankheitskeime zu übertragen, sehr gefährlich zn sein. Ein englischer Arzt weist nun darauf hm, daß dieser Vorwurf für die Briefmarke in viel höherem Grade zutrifft. Im Auftrage des „Dailtz Mirror" hat er hierüber eingehende Untersuchungen ausgeführt. Er hat auf einem! Postamt« eineu Bogen Briefmarken gekauft. Hiervon wurden einige sofort in Glasröhrchen gesteckt, die verschlossen auf eist paar Tage beut bakteriologischen Brutofen anvertraut wurden,' der Rest wurde vier Stunden lang an einem feuchten Tage in einem Zimmer bei offenen Fenstern ans einem Tische ausgebceitet und darauf ebenso behandelt, wie die ersten Briefmarken. Dann wurden beide Proben unter dem Mikroskop sorgfältig auf Keimes hui untersucht. Alle Briefmarken enthielten nachher große Mengen mikroskopischer Lebewesen, jedoch enthielten die int Zimmer der feuchten Luft ausgesetzten fünfmal so viel als die anderen. Allerdings waren die meisten der gefundenen Bakterien harmloser Natur, jedoch fanden sich massenhaft Staphylokokkest (Eiterbakterien), und daß in einen; Zimn;er, in den; Menschen verkehren, auch Tuberkeln und Erreger anderer Krankheiten auf di« Briefmarken gelangen, versteht stch vor; selbst. Der englische» Arzt gibt daher den wohlverständlichen Rat, nie Briefmarke^ durch Lecken mit der Zunge aiizufeuchten, nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern anch aus Hhgienischeu. In Geschäften, die» große Postsendungen zu erledige» habeu, geschieht das Anfeuchten der Briefmarken gewöhnlich mit Anfenchtern, wassergetränktäst Schwämmchen oder feuchten Filzplatten. Auch in diesen finden, sich allerhand Keime, die beim Anfeuchten einer Briefmarke danst auf die Hand, und anf diesen; Wege später in den Mund gelangest können. Es ist daher zu empfehlen, solche Briefrnarkenanfeuchtev nicht mit reinem Wasser zu tränken, sondern irgend ßiritz a.nti,; septische Flüssigkeit zu wählen. gegeit Feuersgefahr das Regenwasser in sechs großen Behälter»; gesammelt. Außer einer großen Zahl voi; Felsenbrunnen, die tu, der heißen Jahreszeit oft austrockneten, fand sich in der Stadt kein Quelkbrunnen, weshalb bis zu»; Jahre 1903, in welchen» «eine Wasserleitung angelegt wurde, das Wasser aus dem Tale heraufgeholt »verden mußte. Eine Stunde »vestlich von Amöneburg liegt der Hof R a d e n h a u s e», ursprünglich zwei Witec bildend, tiou welche»; das eine dem hessische»; Landgrafen, das a»;dece dem Erzstift Mainz unb danach dem ausgestorbenen Geschlecht „von Rüdenhausen" gehörte, während der Hof gegenwärtig im Besitze der Fainilie von Milchling sich befindet, die denfelbeu . verpachtet hat. Molkereien, deren Zahl in unserem Regierungs- Bezirk 60 betrügt, fi»;den »vir in Kirchhain, Schweinsberg und Rauisch-Holzhausen, letzterer Ort mit dem 1000 Kasseler ®Mer nmfasseuden Gut und den ausgedehnte»; Waldungei; des Freiherrn vo»; Stumm. Etiva die Hälfte jener 60 Molkereic»; sind i»t Privat-, die andere Hälfte in Genossenschafts-Besitz. Eine bessere Verwertung der Milch ermöglichend, verarbeiten sie zusammen jährlich etwa 52 Millionen Liter. Nach den; Statut der hessischen Ritterschaft vom Jahre 1835 gab es i»; Hessen 347 geschlossene Rittergüter, und unter diese»; 153 ritterliche Familie!»! »als Besitzer. Die Rittergüter sind größere oder kleinere Güter nnd berechtigten de» zur hessischen Ritterschaft gehörige» Besitzer, an de» Vorteile» der ritterschaftlichen Stiftungen Oberkaufungen Ni!d Wetter Anteil zu haben. Ein Hof zu Schön stad t ist das Rittergut des Herrn von Lucius. Dem Obstbau, der längere Zeit vernachlässigt »oorden war, hat man sich wieder mit größere»» Eifer zugewandt. Bekannt »vegen ihres Obstreichtums sind u. a. Reddehausen, das „Hotzeldorf" genannt, und Bauerbach, ton Ostabhang des Lahnberges gelegen. Neben Ackerbau und Viehzucht sind die Gewerbe, anßer in den Städten, auch in den Meisten Dörfern vertreten. I»; S ch w e i n s b e r g , wo die Bewohner besonders Viehzucht treiben, blüht noch ein verdrängtes Gewerbe, die Drechslerei, durch deren Erzeugnisse eine dortige Familie an in- und ausländischen Fürstenhöfen Anerkenunstg! gefunden hat. Die Bewohner Amöneburgs finden teiliveise Beschäftigung in den Basaltsteinbrüchen des Städtchens. Auffallend viele Handwerker hat Schönstadt aufzuweisen, denn dort sind ansässig 10 Schuhmacher, 8 Schneider, 6 Schreiner/ 3 Küfer, 2 Sattler, 2 Schmiede und däzn eine Musikkapelle. Ziegeleien findet man in Niederklein, Mardorf, Klein- f e e l h e i in, Schönstadt, eine Bierbrauerei in Erfurtshansen, «tue Seifensiederei in Niederklein. Die Fischerei in dec -Ohm »uns deren Nebeirbächest gehört großenteils de»! Freiherren Schenck zu Schweinsberg, so in dem Sembach (Mück e) bis zu dessen Mündung in die Ohm bei Merlan, sowie in der Ohm zwischen Nieder-Ohmen und Burg-Gemünden, wo Hechte gefangen »verden; auch an Forellen sind die Wasserläufe reich. Noch immer sammeln sich im Ohmgrund viele Wasservögel. Kraniche und Störche Jwtttnen hier beim Beginn der Reise zusamme»!: auch Wildschweine, wüttfe u, -Enten, sowie Trappen u. Fregatten sind keine Seltenheit.