Samstag den 5. Dezember M W iW lFortfetzung.) (Nachdruck verboten.) Lause Friedel hervorgegangen war, und die bösesten Verdächtigungen. Friedel halb-süß. Noman von FedorvonZobeltitz^ Links war die Gemarkung von Hautvillers liegen geblieben. jener alten Abtei, deren Pater Kellermeister dermaleinst das Geheimnis des Gärprozesses im Wem entdeck« hatte, und dann ging es durch den Foret de Retms auf Schlängelpfaden rechts ab und ein Stückchen zurück auf gelben Wegen zwischen Wiesengrün, wo Gras Alired Hochö eine niedliche Bieierei gegründet hatte, in der ihm ein Glas Milch teurer kam als eine Flasche Miquelon. Nichtsdestoweniger ließ Andrse halten, der Schweizer mußte ein paar Glas" dieser kostbaren Milch präsentieren, die man denn auch mit Genuß trank, da sie wundervoll gekühlt war und der Durst sich meldete. Und wieder ging es weiter. Ta- kokette Idyll, das einem hübsch hingestellten Bühnenbilds glich, blieb zurück; von neuem begannen die Weinberge, die von Chigny, Lndes und Mailly-, und dann lenkte das- Gesährt dem Orte Verzenay zu, wo das Rebengelände zn Ende ging. In der Ferne tauchte das Dörfcken Sillery auf, der alte Besitz des Marquis de Sillery, der dem ersten Champagner den Namen gegeben hatte — ein Name, der auf späteren Marken immer wieder kehrte —, und nun fuhr man in weitem Bogen ostwärts, sah am Horizont die Türme der Kathedrale von Reims und lenkte wickder zurück in das Waldesgrün. Hier gehörte eine Enklave dem Hause Miquelon: ein Stückchen Forst mit sorglicher Schonung, ein Stückchen Sumpf mit vielem Geschnatter am Schilfufer, ein Stückchen Höhenland, das parkartig gehalten war und auf dem Jagdschloß La Vitrine sich erhob — das Buen Retiro der Komteß, wenn ihr einmal der Sinn nach noch größerer Einsamkeit stand. In La Vitrine war schon das Frühstück bereitet. Tetz Koch war mit zwei Dienern von Epernay vorangefahren, das Kastellanspaar paradierte beim Empfang. Fritz bewunderte die Einrichtung des Speisezimmers, an dessen Wänden hunderte von Geweihen prangten. Wer es waren keine aus heimischer Forst; man sah im Gegenteil titel Gehörne von fremdländischem Getier, und Fritz merkte sofort: die ganze Kollektion war en bloc angekauft worden. Das tat jedoch seinem Appetit keinen Abbruch und noch weniger seiner guten Laune. Mehr als das Milieu entzückte ihn seine reizende Begleiterin. Erst am Spätnachmittage traf man in Epernay ein, Fritz mußte noch zum Diner bleiben, dem wieder Madame Bailloud die Weihe gab, und kehrte frohen Herzens in seinen Gasthof zurück. Er gestand es sich zu: diese Sorgenreise in das Herz Frankreichs war zu einer reizvollen Episode geworden. Aber er mahnte sich nicht mehr: Nu« nicht verlieben! Er fühlte sich gegen neue Torheiten gefeit. Die Konferenz am nächsten Vormittag sand im Geschäftshause der Firma Miquelon statt, das sich auch durch den Park der Villa erreichen ließ: ein langweilig« quadratischer Bau im sogenannten Präfekturstil des zweiten Kaiserreichs. Die Komteß war bereits anwesend und stellte Fritz dem gefürchteten Prokuristen des Hauses, Mr: Herrn Die Komteß wies auf die Weinberge zur linken Hand, wo Miqnelonscher Besitz zum Teil mitten in den des Hauses Most et Chandon hineingesprengt war. Die Herren Chan- don successeurs hätten gar zu gern ihr Gebiet arrondiert; Wgesandte der Firma waren schon bei ihr gewesen, um ihr Kaufvorschläge zu unterbreiten. Aber sie wollte nicht. Sie trotzte. Das alles interessierte Fritz natürlich ungemein. Es war so charakteristisch, daß Neid, Bosheit und Schmähsucht hier genau die gleiche Rolle spielten wie auf dem andern Ufer des Rheins. Es berührte Fritz aber auch seltsam, daß die Komteß sich so ganz ohne Rückhalt ausplauderte. Lag es vielleicht nur daran, daß sie selten in die Lage lam, einmal ihr bedrängtes Herzchen öffnen zu können? Spielte eine unbewußte Sympathie mit, oder war biefe anscheinende Offenherzigkeit auch nur diplomatische Klugheit, den Gegner von drüben für die Vergleichst! erhand- vmgen freundschaftlich zu stimmen?' — Sie plauderte mit Fritz ganz unbefangen über dies Und das. Nach dem plötzlichen Tode ihres Vaters hatte sie einen förmlichen Sturm auf ihre Hand abwehren müssen. Um der immer mehr anschwellenden Flut von Heiratsanträgen zu entgehen, war sie schließlich genötigt gewesen, sich von aller Welt zurückzuziehen. Das Wettkriechen vor ihren Millionen wurde ihr schließlich widerlich. Und nun begannen die Angriffe gegen sie von neuem. Es hatte den Anschein, als stehe em Lump mit vornehmem Adelsnamen dahinter, dem sie einst in nicht mißzuverstehender Weise die Tür gewiesen hatte. Unsagbare Abscheulichkeiten wurden verbreitet; zuweilen war ihr schon in den Sinn gekommen, das Geschäft zu verkaufen und ihre zweite Heimat, die man ihr gründlich verleidete, zu verlassen. Aber sie wollte nicht feige erscheinen. Es war ja ein ebenso alberner wie niedriger Kampf, den man gegen sie führte. Auch auf den Geschäftsgang blieb er nicht ohne Folgen. Anonyme Zirkulare kursierten, in denen davor gewarnt wurde, die Produkte der Firma Miquelon zu kaufen, die „deutsche Schaumweine erwerbe, um sie unter der Flagge des alten französischen Hauses abzusetzen". Bei dem Streit mit den Friedels hatte die große Pariser Presse sich anfänglich bemüht, die Angelegenheit zu einer nationalen Ehrensache aufzubauschen; dann aber waren ihr die kleinen Blätter in die Seiten gefallen und hatten nachgewiesen, daß die Besitzer der Firma Miquelon Deutsche seien; man hatte sogar berausgebracht, daß der Gatte der berühmten alten Veuve Miquelon aus dem ! wieder hagelte es . _ _ 764 — ötomatb', einem großen Mann mit feisten Wangen, spitz gedrehtem Henriquatre und scharfen grauen Augen. Herr Clamard eröffnete ohne Umschweife die Berhand- krmgen. „Ich bin vollständig orientiert, Herr Friedel," sagte er. „Der letzte Brief Ihres Herrn Vaters ist kassiert, seine Vorschläge gelten nicht. Wollen Sie die Güte haben, uns Hielte zu unterbreiten." „Ich bitte im Gegenteil um Ihre Vorschläge," erwiderte Fritz. „Das ist nach Lage der Sache nicht angängig, mern Herr". Die Bittenden sind nicht wir." „Ich taxiere doch. Wir sind allenfalls die Gewährenden." _ , „Olala, mein Herr — wenn Sie sich auf diesen 'Standpunkt stellen, wird, fürchte ich, eine Einigung unmöglich sein." Er sagte das in so scharfem Tone, daß sich die Komteß ins Mittel legte. Sie saß auf einen Rohrstuhl unter einer Wanduhr und wippte nervös mit den Füßen. „Keine Aufregung, meine Herren," bat sie; „beide Teile haben den besten Willen. Wir wollen nicht in neuen Streit geraten." Herr Clamard schlug die Akten auf, die vor ihm auf dem Tische lagen. „Ich halte mich an die Gerichtsentscheidung," erklärte er. „Abgelehnt wurde eine Beweisführung darüber, auf welche Art unser Haus zu der .Bezeichnung der Marke Excelsior gekommen sei —" „Was auch in der Tat unerheblich ist," warf die Komteß ein. „Ein Zufall hat uns auf die gleich gute Idee gebracht, die Sie hatten, Herr Friedel. Aehnliches ereignet sich zuweilen; ich könnte Ihnen entsprechende Fälle ans dem literarischen Leben nennen." „Wgelehnt wurde ferner eilte Untersuchung der Frage, tob Direktor Lesson gewisse Vergünstigungen für seinen Vertrag mit dem Grafen Eldringen zu gestanden worden seien — „Was unsrerseits nicht bestritten wird," fügte die Komteß abermals ein. „Es ist kaufmännische Usance." „Vergebung, wenn ich dem widerspreche," entgegnete Fritz. „Es mag dies die Ansicht des Herrn Clamard sein, die eines ehrenhaften Geschäftsmannes ist es zweifellos N i ch t." Nun fuhr Herr Clamard auf. „Mein Herr, ich muß mir auf das dringendste diesen beleidigenden Ton verbitten," sagte er. „Komteß, ich erkläre mit aller Bestimmtheit, von jeder weiteren Verhandlung zurückzutreten, wenn ich mich nicht gegen Insulten schützen kann." Andrse warf Fritz einen bittenden Blick zu. „Können wir nicht in Ruhe miteinander sprechen, Herr Friedel?" fragte sie. „Pardon, Komteß, ich bin nicht heftig. Ich wehre mich nur gegen eine Auffassung, die kaufmännischer Ehre nicht entspricht. Jede Vergünstigung in dem erwähnten Sinne ist eine Bestechung. ' Eine Bestechung kann straflos fein, bleibt aber immer ein unlauteres Mittel zum Zweck." „Was streiten wir!?" rief Herr Clamard erbost. „Ich berufe mich auf bett Beschluß, des Wiesbadener Landgerichts- Die gewünschte Beweisführung ist abg.l.hut worden." „Kann bei der nächsten Verhandlung aber trotzdem gestattet werden. Und wenn dann nicht, so doch bei der Revision. Wer ich will die Sache nicht aufhalten. Mollen Sie bitte fortfahren, Herr Clamard." Der Geschäftsführer sah wieder in die Akten. „Es wurde Beweiserhebung gestellt," fuhr er fort, „über die Fragen: ob Beklagter mit dem Herzoge von Abeelen das behauptete Abkommen wirklich getroffen hat; ob der Herr Herzog geschäftskompetent war, ein solches Abkommen zu vereinbaren; ob der Herr Herzog dem Direktor Lesson die bestimmte Weisung erteilt hat, bei dem Taufakt Excelsior Friedel zu verwenden. Bis heute ist diese Beweisführung nicht erbracht worden. Und von diesem Standpunkte aus beurteile ich die Angelegenheit. Ich habe nichts gegen eine Einigung, aber nur unter für uns günstigen Bedingungen. Ich proponiere: wir ziehen die Klage zurück und verzichten auf eine Buße. Dafür zahlt die Firma Friedel die Inseraten- und Prozeßkosteti und verpflichtet sich, ihre Marke Excelsior löschen zu lassen." Die Kmnteß hatte sich erhoben und legte ihre Hand «us den Arm des Herrn Clamard. „Ich wünschte, daß die Zahlung der Jnseratcnkosten gestrichen werde," sagte sie. „Wir haben da- doch nur ans eigener Initiative unser Konto belastet." „Aber in der Abwehr, Komteß. Und es ist nur recht und billig, daß der Unterliegende die Kriegskosten bezahlt. Ich muß darauf bestehen, daß mein Vorschlag akzeptiert wird ober die Klage ihren Verlauf nimmt." Nun batte auch Fritz seine Aktenmappe geöffnet. ^Zunächst, mein Herr Clamard, setzt eine Einigung weder Sieger noch Besiegte voraus. Wer wenn Sie auf Fortsetzung des Prozesses drängen, soll es mir recht fein. Wir stehen nämlich nicht mehr auf dem Standpunkt, den Sie eintiehmeu: das Protokoll der Aussagen des Herzogs von Abeelen ist inzwischen eingetroffen. Ich habe mir die Mühe gemacht, es in das Französische zu übertragen Gestatten Sie mir, es Ihnen vorzulesen, indes gnädigste Ktomteß die Güte haben, die notarielle Kvpie mit meiner Uebersetzung zu vergleichen. ..." Er begann. Während Herr Clamard zuhörte, kaute er an seinen zwischen die Zähne gezogenen Schnurrbart- spitzen. Sein Gesicht verfärbte sich; auch das der Komteß, Heißes Rot stieg ihr in Die Wangen, indes Herr Clamard fahl wurde. 1 , Fritz endigte. Kaltblütig faltete er das Papier wieder zusammen. „Glauben Sie, baß nach» Wiederholung dieser Aussagen vor dem Wiesbadener Gerichtshof Ihr Sieg noch immer feststehen würde, Herr Clamard?"- fragte er. Clamard blies aus den Mundwinkeln auf seine Schnurr- bartenden. „Es sind einseitige Aussagen," rief er. „Man müßte Herrn Lesson dagegen hören." „Wird man Herrn Lesson mehr glauben als dem Herzog von Abeelen?" fragte Andree. Sie war sehr ernst geworden. „Der Herzog spricht von einer „Unterschiebung^. Genau dieselbe beleidigende Wendung hat die Firma Friedel in ihrem ersten gegen uns gerichteten Inserat gebraucht. In der ganzen Angelegenheit fungierte Graf Eldriuguen als unser Mittelsmann. Er tonnte Aufklärungen geben. Aus der Prozeßverhandlung geht aber hervor, daß er sich beständig hinter der Austastung versteckt hack, Geschästsgehemt- itisse gehörten nicht vor die £)ef|entliehteit. Wenn unfere Ehre angegriffen wird, gibt es keine Geheimnisse. Er soll sprechen — und auch ich, Herr Clamard, auch i ch will ihn hören. Telegraphieren Sie ihm, er möchte unverweilt hierher kommen. Herrn Lesson können wir nicht vor unser Privatgericht zitieren; aber der Herr Graf steht ja noch in unfern Diensten und wirb uns bei den Ekmguugsverhcmd- lungen von Nutzen sein. . . ." Der Heuri-quatre zerfaserte und zerzwirbelte unter den Fingern des Geschäftsführers. Sein Blick bohrte sich in die Augen Andrees; man sah: eine grimmige Wut verzehrte bett Mann. „Was wünschen Komteß von ihm zu hören? Er kann doch nur wiederholen, was er als Zeuge zu Protokoll gegeben hat." „Er soll uns sagen, was er verschwiegen hat. Uns faun er ja die „Geschäftsgeheimnisse des Hauses Miquelon'* getrost cmvertrcyten!" (Fortsetzung folgt,) Gespräche mit Tolstoi. Gerade in diesen Tagen, da der Dichter von Jasnaja Poljana zur ewigen Ruhe gebettet ist, werden die nachfolgenden Zeilen besonderes Interesse finden, die uns 1' aus einem neuen Buch „Gespräche mit Tolstoi" mit dem Klang des unmittelbaren Erlebens entgegen« '* tönen. Dies Werk, das im Verlage von Erich, Reiß deinnächst erscheint, ist aus Unterhaltungen entstanden- die Teneromo in den Jahren 1885—1908 mit dem Grasen! über die wichtigsten Fragen seiner Weltanschauung nnb| seiner Kunst geführt hat. Wir sind schon heute in der Lage, einige der bedeutsamsten dieser Gespräche unfern, Lesern vorzulegen. Die Schriftl. Wie „Die Macht der Finsternis" enkstand. Eines Tages kommt zu mir nach Jasnaja Poljana ein altes Bäuerlein, bleibt im Türrahmen stehen, stützt sich aus seine Krücke nud sucht in den Augen. „Also, scheint es, am richtigen Platz . . . Nimm dich feiner an, lieber Mensch. Ich war beim Grasen. Er schickt mich zÄ dir. Um den Sohn handelt es sich. Es ist darüber viel zu sagens aber wenig zu hören. Ja, ja!" . . . Und er verstummte, „Worum handelt es sich eigentlich?" 765 -Km Nichtsnutz, eilt NichtSntltz, ja, ja. Das ist alles. Man Müßte zum Amrs Vorsteher, daß er ihu durchprügelt, aber es geht nidjt. Ich 6in nicht dazu gemacht. Ich habe ihm ins Gewissen geredet und wieder ins Genüssen geredet, alle meine Worte Habe ich ansgebrauchl, unb er, wie die Wand: Steht und glotzt!" „Will er auf Sie nicht hören?" »Ja, ja. . . Marinia ist ein schönes Mädchen und buS! Unserem Dorf. Er hat ihr einen großen Schimpf angetan. In Koslowa dient er, mein Sohn, auf der Station in der Werkstatt«. Und Marinia Hut dort gekocht. Sie ist als Köchin angestellt. Nun, hatten die etwas miteinander oder hatten sie nichts miteinander, höchst wahrscheinlich hatten sie ja etwas miteinander — bloß daß Marinia schwanger ins Dorf zurückgekommen ist. Nikophor, so heißt er, mein Sohn, Hal ihr die Ehe versprochen. Sie muß bald ims Wochenbett, aber er kommt nicht. Das ist es. eben. Darum bandelt es sich..." . I „Nun, was soll da geschehen?" „Tas Mädel hat man aus der Scheune herausgeschleppt. Eine lSchlinge hat sie sich um den Hals gegeben. Mit knapper Not bat man sie wieder zum Leben gebracht. Ich war bei ihm, hab' tont ins Gewissen geredet. „Heirate sie," sag« ich, und er wackelt nicht einmal mit den Ohren. Zum Grafen hab' ich Ihn gerufen — er will nicht gehen, wenn man ihn auch mit Hundert Pferden schleppt. „Nikischa," sage ich, „o, es ist eine Sünde!" Und er glotzt mich an und brummt: „Eh, Sünde." Es ist mit ihm nichts zu machen! Da bin ich znm Grafen gegangen, und er sckstckt mich zu dir. . ." Am selben Abend noch führ ich mit Lew Nikolajewitsch nadj: Koslowa. „Wie gefällt Ihnen dieser Alte?" sagte unterwegs Lew Nikolajewitsch. „Es ist alles ihm so angenehm, auch die Sprache, er spricht stets unabgeschlossen, abgehackt . . . Und das ist viel fdjihter an einem Menschen, als die geseilte Klarheit und unsere totelligente Abgcmessenheit in der Sprache. Ich kannte noch einen solchen Alten aus Mjassojodow — er ist ein Verwandter Von der Greisin, die miir Märchen erzähl en kommt. Er spricht ebenso Ivie der, der heute war, ist ebewso gottesfürchtig, ebenso sanft. Er war eine Zeitlang KanalraNmer in Tula und erzählt darüber so schön, ohne sich zu genieren, ohne Geringschätzung. Die Arbeit verschönert alles. Hier sehen Sie, wer Buddhas? „Liebet die ewige Schönheit!" erfüllt. Man muß sich dazu! Miausschwingen., Und die Arbeit ist der Lift, der uns zn dieser Höhe erhebt. Wir suchen Sujets, wir haben das ganze herrschast- liche Leben mit allen seinen unscheinbaren Kleinlichkeiten durchs wandert und es in dünnsten Staub zerrieben . . . Ich empfand es selbst an mir und empfinde es auch an den anderen Schriftstellern, wie hohl, wie kurzatmig es ist. Man fühlt, daß man hier das Thema anseinanderzieht, anssangt, wie manche sagen, weil ihr ganzes Leben klein, die Handlungen, die Aufregungen, Und alle Erlebnisse der Menschen aus» diesem Kreise so nichtig, so unnatürlich sind, daß es einer besonderen Anstrengung der Schöpferkraft (Lew Nikolajewitsch lächelte bei diesem Worte) bedarf, um etwas, was dem Leben ähnlich sehen könnte, zu schaffen Und Illusionen von Haitdlnugen, Aufregungen und Erlebnissen hervorzurufen. Und hier, versuchen Sie alles das zu umfassen! Eine mächtige Eiche . . . Ich schreibe diesen Sommer nichts wehr. (Es war im Jahre 1886.) Sie haben mich ganz in die Arbeit hineingezogen, aber ich fühl«, daß sich etwas auf der Seele ablagert, daß sich dort ein Verlangen, zu schreiben, anwandelt. Uber nicht Wr die Intelligenzler, nein, mit ihnen, will mir scheinen, habe ich mich schon über alles ausgesprochen. Ich will aus dem Volksleben und für das Volk schreiben, Tas ist ein Auditorium!" Emen Monat später komme ich zu Lew Nikolajewitsch. „WjUen Sie," sagt er, „es war bei mir dieser Alte, ddv Kater vom Nikophor. Es wird doch Hochzeit sein. Er ist so froh darüber. Er hat auch seine Alte mitgebracht. Die hat ein Mündchen! „Ich sehe," sagt sie, „einen Meter tief unter die Erde". Und dem Alten hat sie tüchtig den Kopf gewaschen? „Und der Schlag soll dich treffen, und Zuchthäusler, und Trunken- bvld, und den Magen soll sich dir umdrehen" . . . Sie will Nicht, daß der Sohn die Marinia heiratet." Und der Alte lacht bloß dazu: „Ein Plappermaul," sagt er. „Sie stirbt schon so, da hilft fein Teufel!" Ein wundersamen Greis! „Ja," erinnert sich Lew Rikolajewftsch, „vor einigen Tagen War bei mir Davido ans Tula, er erzählte mir einen erschütternden Fall aus der Gerichtspraxis, wie ein Bauer fein Kind, das ihm |eine Geliebte geboren hatte, erstickt hat. Entsetzliche! Ich er» zähle es Ihnen nächstens ausführlich . . . Auch ein Drama! , ." Es verging der Sommer. Lew Nikolajewitsch erkrankte, hatte Fieber, war aber bereits auf dem Weg« der Besserung. Ich kam Mr besuchen, lieber seinem Bett war ein Brett schief angebracht, daraus einige beschriebene Seiten und Schreibzeug. „Ich habe mich nicht zurückhalten können," sagte mir Lew Nikolajewitsch lächelnd, „ich schreibe etwas. Sie werden Bekannte finden. Erinnern Sie sich an den Burschen ans Koslowska? Das Drama wird ein Drama werden. Ich weiß nicht, wie es *nir gelingen wird: aber ich berausche mich förmlich daran, kann Kisch nicht davon abreißen. Ich fündige, scheint es". „Nock) ohne Titel?" fragte ich. „Wird schon einen Titel bekommen. Ter Gang des Stückes totrb beit Titel bestimmen. Die Personen benenne ich mit dest Namen derer, die ich beschreibe. Da sehen Sie, da sind unfern) Bekannten: Nadjeschda, Nikophor, Marinia. Es ist so leichter, sie zn zeichnen; ich habe sie stets vor Augen und kann nun leicht vorstellen, wie sie in dieser oder ber anderen Situation sprechen unb handeln werden. Später werde ich felbstverstimd- lich alles um arbeiten unb ihnen aitbere Namen geben. Ich sage Ihnen, baß etwas Großes herauskommt, das, wenigstens mich, in großem Maße ergreift." . . . Ein sonderbares Gefühl. Ich schreibe zmu erstenmal ein größeres Theaterstück und empfiube bei weitem nicht das, was! man gewöhnlich darüber erzählt. Ich schreibe nicht, ich zeichn« nicht, sondern — wie kann man sich deutlicher ausdrücken? —, ich meißle es. Es ist eine Arbeit mit hem Meißel. Ist der! Romanschriftsteller ein Maler, so ist der dramatische Dichter ein Bildhauer. Er hat nicht diese Licht- unb Schattennüancen, diese! Uebergangsstadien; er hat bereits fertige Momente, Reliefe, und tritt scheint es, ahsj gäbe es nichts Langweiligeres in einckm Drama, als bieses Werden, dieses Anwachsen von Ereignissen vor den Augen des Zuschauers. Die Ereignisse müssen schon Hinte« der Szene reif werden, sie müssen bereits fertig he raus kommen und im Kampf, im Zusammenstoß mit anderen Ereignissen das Drama entwickeln. Dies erschüttert. Dies ' ist interessant, es bringt uns in warme! Nähe zum Sujet unb zu dem, der dieses Sujet bearbeitet. Ja, da sage ich es Ihnen und mir, aber das bedeutet noch lange nicht, daß ich es' auch so machen werde. Erscheinen die Ereignisse! und die Personen einmal durcheinandevgewürfelt auf dem Papier, so beherrschen sie dich, und nicht du sie. Es ist so, wie iveaym man bergab fährt. Der Wagen läuft. Nicht du lenkst jetzt diel Pferde, sondern die Pferde lenken dich. Als du bergauf fuhrst Tonntest du leichter umwenden, stehen bleiben und alles nach deinem Willen tun. Ich fühle z. Ä., daß die Monologe nicht gut sind, daß dies im Leben nicht so vorkommt, sie gehen aber immer durch, bergabwärts . . ." Eine Woche später waren noch zwei Akte fertig, und als ich einige Tage darauf wieder kam, lief mir G« entgegen und erzählt« andächtig, flüsternd: „Ich trete heute zu ihm ein, ganz leise, in der Meinung, er schläft, unb will ihn nicht stören, da öffne® er die Augen, zeigt auf das Geschrieben«. „Soeben habe ich es beendet!" Und zog mich an sich heran, „Wie wohl ist mir!" sagte er. , So ist „Die Macht der Finsternis" entstanden. Wie T o l st o i das Rauchen a u f g a b!. „Es war," erzählte Lew Nikolajewitsch, „in der Eisenbahn, auf dem Wege nach Kiew. Gegen Abend füllten sich die Waggons mit Wallfahrern. Jeder zog aus seinem Bündel ein karges Nachtmahl, unb nachdem sie sich Halbwegs gestärkt hatten, suchten sie sich so gut es ging eine Lagerstätte zu errichten. Da hörte ich, wie ein mir gegenüber sitzender ungezwungener Mann mit einem! breiten Bart seinem Nachbar spöttisch zurief: „Tu solltest deinen Geldbeutel mehr zusammenziehen. Und versteck ihn besser!" Dieser betastete nervös seine Tasche und machte sich in betf Tat ziemlich lange mit [einem Gelbbeutel zu schaffen. „Sv seid ihr alle, ihr Betbrüder. Unterwegs zittert ihr übe« jede Kopeke wie dlie Türglocke in einem besuchten Lokal und kommt ihr nach Kiew, so zerfließt alles auf einmal. Kaum daß man sichs versieht. Da, sitz uh! vorigen Herbst in meiner Bud« unb verkaufe Kwas, als da plötzlich auch so ein schnauzbärtiger! Betbruder, wie du einer bist, halb tot, halb lebendig, gelaufen! kommt. Bleich, di« Hände zittern, die Lippen blau, wie vor dcntz Sterben, die Nase laug wie eine Dachrinne. „Geh, Landsmann, spendier mir einen Kwas!" Und atmet kaum. „Ta hat man mir soeben," sagt er, „auf ber Frühmesse int! Kloster das Geld abgezwickt. 18 Rubelchen und Klekngeld. Barmherziger Gott!" ... Ich seh«, der Mensch lügt nicht und schütte ihm ein Glas Kwas voll. „Trink," sag ich, „und spuck bann aus". Er leerte das Glas mit einem Zug. Ich gofß ihm ein zweites ein. Er stürzte auch dies bis auf den letzten Tropfen herunter. „Wisch dir jetzt die Schnauze ab," sage ich, „unb tummkcl dich ans Ufer, dort sind Holzflöße angefummen. Man nimmt Träger auf. Wirst für bie Rückfahrt verdienen und marsch nach Hanse. Woher bist du?" frage ich. „Aus Wenewa," sagt er. „Nun, da bist du bis hierher gekrochen gekommen, UM vop Gott nieberzuknieit? Wie wenn in Wenewa der Himmel zu schmal! wäre, wie wenn dort die Sonne nicht aufginge, das Wasser nicht! fließen, bie Menschen nicht sterben würden, tote wenn dort nicht berselbe Gott wäre. Ach, ihr! . . . Tausend Werst mußt M dir die Fuße ablaufen, um hierher zu kommen und dich mit dem Volke in engen Tempeln, dir unb den anderen zum Spott, herilm- hudräugen. Ist hier etwa ein anderer Gott, mit anderen Heiligtümern, mit anderen Gesinnungen zu dir? Jetzt hat er dir eine Lehre erteilt, durch einen Langfinger. Ja und tote mochte es mn$ 756 ihn b'ettt Gebet bestem seilt; Veit Kopf Voll Sorgen, hast äuich sicher bi der ganzen Zeit diesen deinen Geldbeutel von allen Seiten! betastet und an ihn gedacht. Bist aber hereingefallen, Freundchen, es hat sich em Klügerer gefunden. Sie stehen hier, diese Erzengel, und bewachen euch, ob ihr nicht die Augen verdreht. Fahr nach Hause und rede dort auch den anderen Die Lust aus. .Ja, es ist bl oh eine müßige Spielerei, ein Herumsanlenzen und kein Gott gefälliges Werl. Beten kann und muß man auch daheim Nnd soll nicht, nachdem man sich zu Hause beschmutzt hat, hierher kommen, sich reinzübeten „ . Ich hörte neugierig zu. So eine sprühende, wahrhaft vernünftige Rede hatte ich schon .lange nicht gehört. Auch mein Nachbar hörte mit Aufmerksamkeit zu. „Also nach deiner Ansicht ist es bloß eifte Faulenzerei?' fragte er nachdenklich. „Jawohl, nichts anderes," In demselben Moment knarrte etwas Unter der Bank, etwas bewegte sich dort und, den Hals vorstreckend, schaute ein Mensch jnit verschlafenem flehendem Gesicht hervor. „Bitte, Väterchen, ist die Kontrolle schon vorübergegangen?" fragte er rasch, flüsternd. „Nein, noch nicht," antwortete der Kwasverkäufer, seine! lispeliche Stimme nachahmend. „Spielest wohl den Hasen (Haien nennt man in Rußland die Passagiere, die ohne Billett reisen), Väterchen, vom frühen Morgen schon lieg ich hier auf dein Bauch." t _____ Und sein Kopf verschwand unter dem Sitz. „Zur Wallfahrt?" neigte sich der Kwasverkäufer zu UM. „Nein, Arbeit suchen. Wir krepieren zu Hause Hungers. ,^Hörst du?" wandte sich der Kwasverkäufer zu ieinem Nachbar, der gleichfalls bat Kopf geneigt hatte und unter die Bank S'te, „wenn du reich bist und in deinem Beutel Geld hast, so dock) einem Menschen bei." , Gleichzeitig hörte man unter dem Wagen die Bremsen klirren Knd auf der Lokomotive ertönte die Pfeise. Der Zug nahert-e sich einer Station. ... ~ , Ter Wallfahrer erhob sich, stöberte m seiner Tasche herum ioib sagte: „Kriech hervor, kauf dir ein Billett!" und reichte ihm eins Fünfrubelnote. , ,, Tann schnürte er rasch sein Bündel, huckte es auf nnd machte sich ächzend aus den Weg zum Ausgang. „Wohin?" fragte ihn der Kwasverkäufer. „Nach Wenewa. Zurück nach Hause. Leb wohl. Gruß Kiew von mir!" , . . Und er ging hinaus. , Später kam auch ich mit dem Kwasverkäufer ins Gespräch!. Er hieß Jefim. ... ,, ..... „Eben davon," sage ich, „wird auch in dar Evangelien erzählt. Auch Christus führte mit einem Weib ein,Gespräch darüber, Wolman zu Gott beten müsse, daß eine Zeit kommen werde, wo man überall, allerorts vor ihm niederknien werde" Und ich zitierte! ihm die Stelle aus den Evangelien. , Jefims Augen leuchteten und er lauschte mit offenem Mund. „Bitte noch!" . . . sagte er, als ich M Ende war. „Ich könnte es immer und immer wieder hören. Wie ist das nun, Herr, du weißt alles auswendig?" . . . Ich zog aus der Tasche ein Evangelium, das ich bei mir hatte, um ihm aus dem Buche vorzulesen. In der Hand hiel-I ich eine angezündete Zigarette, die ich öfters zum Munde führte imb eifrig rauchte. Ich blätterte das Buch und rauchte weiter, Der Rauch schlängelte sich auf den aufgeblätterten Seiten des Buches und ballte sich z>u kleinen Wölkchen, wenn ihn die Seit« xudeckte. Jefim neigte sich ein wenig vor, um auch in das Buch bineinzuschanen, obwohl er nicht lesen konnte und mehrer« Male bemerkte ich, tdie er sich, das Gesicht verziehend, vom! Rauch abwendete. „Hast es gar nötig, diese Saugtet r$e zwischen den Lippeni zu halten. Kennst dich so gut in den Heiligtümern ans und räucherst dich mit diesem Gestank." . , Er wendete sich ab und spuckte durch ine Zähne zischend aus. Dies war so treffend gesagt, so zur rechten Zeit und Ja «unaussprechlich wahr, mit solcher vorwurfsvollen überzeugenden Stimme, daß ich mich ganz besiegt und vernichtet fühlte. Ich sah nun so deutlich) den groben Widerspruch zwischen einem reinen Gespräch und dem schmutzigen Ruß vom Ranch im Munde; Nnd der bläuliche mit schwülfeuchtem Atem vermischte Ranch, der sich über die Seiten des Evangeliums schlängelte, erschien mir fat der Tat so entweihend, daß mich der Ausdruck Gestank nicht nur nicht beleidigte, sondern geradezu zur Verrinnst brachte. Mir selbst erschien es jetzt, daß wirklich etwas Schmutziges und Stinkendes daran sei und seine laute zischende Spucke schien auf mich gerichtet, und fiel auch wirklich tief, tief in, mich hinein. Ich wurde rot, beschämt und sagte ihm: „Du meinst also, man müßte bidfen Unflat wegwerfen?" „Freilich, freilich," antwortete er, „aber du wirft eS nicht tun. Klebst an ihm und kommst nicht los." 'Ich legte das Evangelium beiseite, zog tofS der Tasche dH Tabakdose, die Zündholzschachtel, neigte mich zum offenen Fenster, durch welches ein frischer Nachtwind eindrang und schlendert«! die Tabakdose mitsamt den Zündhütchen hinaus. Ich sah, wis dtie silberne Dose auf den zweiten Scknenenweg fiel, an eins Schiene anschlug, wodurch sie sich öffnete, und wie der ganz« Tabak mit dem Zigarettenpapier vom Wind weit weit zerstreut wurden. Ich fühlte eine große Erleichterung, wie lvenn plötzlich ei« hohler Zahn zu schmerzen aushören würde. Seit damals habd ich zu rauchen aufgehört. ..." ' ' Vermachtes. * Das Ehrenbegrabnis eines Polizeihundes^ Me Pariser Polizeibeamten sind in Trauer versetzt: Leo, dep Polizeihund, der treue Gehilfe und Liebling der Beamten, ist itri Kampfe gegen die Apachen gefallen, ein Opfer feines scküwerew Berufes und ein Held seines Amtes. Eine Revolverkugel traf! Leo, als et bei einer nächtlichen Razzia zwischen den alten Festungswerken von Paris einem Uebeltäter auf der Spur war. Dis 17. Polizeibrigade von Paris, der Leo angehürte, will dem tapferen Hunde ein feierliches Ehrenbegräbnis stiften, und all« dienstfreien Beamten werden dem treuen Hund das letzte Geleit« Seben. Leo mar der erste Polizeihund, der in Erfüllung feines .flicht sozusagen auf dem Schlachtfelde einen ehrenvollen Tod fanbt * Das Märchen vom giftigen Menschenfleis chb Es waren einmal im Lande der Tungnsen im östlichen Sibirien! viele sehr tüdjtige Jäger, die recht gut mit der Büchse umgehe« tonnten. Die wurden eines Tages sehr übermütig und rühmte« fid), daß sie jeden Vogel auf den ersten Schuß ans der Luft herunterholen könnten. Der Geist der Steppe war sehr erzürn« darüber und dachte daran, sie zu strafen. Er kam zu den Schütze« und sagte zum Vesten von ihnen: „Ich will glauben, daß du! das sicherste Auge hast, aber du mußt es wahr madjen, dessen d« dich gerührt. Du sollst eine Schwalbe im Fluge auf den erste« Schuß treffen, fehlst du aber, dann werde ich dich ob deines! Prahlens strafen." Die Schwalbe flog auf, der Jäger schoß, aber siehe da, die Kugel traf nur den Schwanz. Von der Stund« an behielten denn auch alle Schwalben den gegabelten Schwanz, die übermütigen Jäger aber wurden zu Murmeltieren oder Tat- baganen, von denen der Geist alles zu essen erlaubte, nur nicht die Stelle unter dem Schulterblatt, denn die ist Menschenfleisch geblieben. Soweit das Märchen. Noch heute ver- Öen, wie dem „B. B. C." geschrieben wird, die Tungnsen jene Partie, die stark mit fettigem Zellgewebe durchsetzt ist, denn sie glauben, daß dieses Menschenfleisch giftig sei. Wer es doch ißt, der erkrankt au heftigen Fieber, hat starke Kopfschmerze« und erbricht fid) häufig. Zugleich treten Beulen in der Achselhöhle ober in der Schenkelbeuge auf, die mit großen Schmerze« verbunden sind. Ter Kranke stirbt meist schon am zweiten Tag« und es ist sehr gefährlich, solche Patienten zu besuchen, denn all« Gäste und die, die sie berühren, erkranken bann auch. Deshalb sondern die Tungnsen diese Kranken ab und verlassen ihre Jurten, wenn sie den ersten Fall erfahren. — Die Tungnsen haben hie« nur teilweise ridstig beobachtet; es ist nicht an jedem Murmeltier das weißliche Fleisch unter dem Schulterblatt giftig, abe« umgekehrt ist, wenn bas weiße Fleisch giftig ist, das ganze Murmel-, tier gefahrbringend. Es ist krank gewesen. Jin Sommer, wen« die Sträucher verdorren und das Gras vertrocknet, dann werde« Murmeltiere oft von der nach ihnen benannten Tarbagankrankheitj befallen. Sie werden matt und schwach und können leicht erjag« werden. Wer ein solches Tier näher betrachtet, der sieht, daß unter seinen Achselhöhlen — dort, wo der Tunguse das Menschen- fleisch sieht ।— eine feste Geschwulst bemerkbar ist und leicht« Blutungen auftreten. Diese Fleischpartie allein crfdjcint de« Tungnsen alsdann gefährlich, obwohl natürlich das ganze Murmeltier 'voll von Jnfektionsstoff ist, denn die Krankheit ist, wie in der „Ethnologischen Abteilung" der Internationalen Hygiene-AnA- stellung Dresden 19.11 gezeigt werden wird, bie —Pest. Scherzrätsel. Sechs Zeichen nennen Dir einen Fisch, Er ist aui des-Armen und Reichen Tisch. Steck ihm an den Kopf ein halbes Ei: Kein Mann bleibt — Junggeselle dabei. Auflösung de» Leiterrätsels in voriger Nummer r C 8 H A L E C R H ISCHL 8 0 TITUS 0 S PUPPE H R Redaktion: K. Neurath. — Rolationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität»-Buck;- und ©teinbrutferet, R. Lange, Gieße»