Mittwoch den 3 August SM IjUlmr K ÄS SB Das schlafende Heer. Roman von Clara Viebig. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) . hiltte Doleschal doch tiefer gegriffen, als er es Zeigen mochte. Dieses: „denn durch dich, bin ich elender geworden tote ein kriechender Wurm" hielt ihn gepackt, ^enn er srch auch zwingen wollte, nicht mehr daran zu deuten, er riß sich nicht los davon. Wem hatte er denn so viel Leides getan, daß der ihn dafür mit solchem Haß bewerfen konnte?! Grübelnd rührte er in der Tasse Tee, die ihm seine Frau eingeschenlr hatte. Helene saß ihm gegenüber am Frühstückstisch. Ein wenig blajser und ein-wenig schmaler hatte der Winter sie gemacht. Sie ivar jetzt selten herausgekommen, die tlnaben hatten die Masern gehabt und die Mutter ganz und immerwährend beansprucht. Aber ihr zartes Gesicht hob sich lieblich über der dunklen Hausbluse, lieblicher noch, als es gewesen war mit der Sommerröte auf den runderen Wangen. Ein wenig die Brauen hochziehend, sah sie ihren Mann beobachtend an: was hatte er nur? Die nervösen Fältchen um seine Augenwinkel zeigten sich heute tiefer als sonst, und eut bitterer Zug war uni seinen Mund. Er hatte Merger gehabt und eben erst, des war sie sicher, denn beim Aufstehen war er noch vergnügt gewesen, hatte, was er selten tat, sogar gescherzt wie ein ganz Junger. Geräuschlos stand sie auf, stellte sich hinter ihn und legte ihre Wange auf seiueu Scheitel. „Woran denkst du? Haben sie draußen Dummheiten gemacht?" „Wieso — wieso?" „Mein Gott, wie du auffährst! Ich. fragte ja nur!" „Du sollst mich nicht fragen, du Iveißt, ich kamt es nicht Vertragen, ich — ich — es macht mich ganz, rasend!" „Verzeih!" Es lag keine Verletztheit in ihrer Stimme, aber eine stille Trauer in der Bewegung, mit der sie nun von ihm trat und sich wieder an ihren Platz setzte. Sie strich ihm ein Butterbrötchen. „Willst du auch ein bißchen Honig darauf haben?" Er gab keine Antwort. Aber als sie auch noch Honig über die Butter gestrichen und ihm das Brötchen °still- schweigend auf beit Teller geschoben hatte, aß er es still- schweigeud auf. In dem behaglichen Zimmer tickte die Uhr, die Zeit ging unaufhaltsam weiter — schade um jede Minute, die da verstrich, unwiederbringlich dahin war, ohne genossen worden Zu sein! Ja — mit einem tiefen Atemzug sah Doleschal auf —, er ivar doch glücklich, wirklich glücklich, hier im Hause, bei seiner Frau, bei seinen Kindern! Daran mußte mau sich eben halten! Helene saß nicht mehr am Tisch, sie war ans Fenster getreten, wo zwischen den Doppelscheiben Hyazinthen, Ta- zetten und Primeln blühten, ein ganzer Flor. Die begoß ihre Blumen, ein süßer Duft umschwebte sie. Ach, sie war doch seine gute, seine geliebte Frau! Wie könnte er nur einen Augenblick wahnen, daß das Glück ihn fliehe, daß alles sich verschworen habe, ihn zu kränken, zu peinigen, zu reizen?! Reuig trat er zu ihr rind küßte ihre Hand: „Helene, es war nicht böse gemeint!" „Das weiß ich, das ist selbstverständlich, daß du's nicht böse meinst!" Ihr reines Gesicht ihm zuwendend, sah sie rhm tief in die Augen. „Wenn du nur glücklicher wärest Hanns!" „Bin ich denn nicht glücklich? Warum fragst du mich? Wie kommst du darauf?" Er sah sie argwöhnisch an „Du bist wohl nicht glücklich, daß du so von nur denkst?! Ich bin glücklich, sehr glücklich — wer sagt, haß ich nicht glücklich bin? Aber freilich, wenn du nicht glücklich bist, daun —" Er zuckte die Achseln. „Ich bin glücklich!" Sie sagte es ruhig, mit einer felsenfesten Zuversicht. „Nun denn also — was ivollen !rir daun noch mehr?!" Er schlug einen heiteren Ton au: „Weißt du, du mußt es nicht gleich tragisch nehmen, wenn ich mal irgend welchen Verdruß habe!" „Sage ihn mir," bat sie rasch. „Wozu? Männersacheu sind teilte Frauensachen. Ich will ja auch nicht alles ivisscu, was du an deine Eltern, an deine Dutzend Freunde schreibst!" „Hanns" — sie sah ihn innig an — „du weißt sehr gut, daß ich nur dich auf der Welt habe. Selbst meine Eltern sind mir ferner getreten. Nicht, daß ich sie weniger liebte, o nein, aber hier bei dir, nur hier wurzle ich jetzt ganz. Und ibn läßt Mich jetzt so oft allein! Ich meiste nicht," sagte sie rasch, als er sie unterbrechen wollte, „daß du nicht aufs Feld gehen sollst, aufs Vorwerk, dich nicht um deine ganze Wirtschaft kümmern sollst! O nein!" Tränen stiegen ihr in die Augen, aber sie unterdrückte sie tapfer.. „Deine Seele ist nicht bei mir! Du hast viel im Kopf, ja, aber ich würde mich gern darein finden, wenn ich nur sehen könnte, daß es dich froh macht. Du hast mir's zwar nicht gesagt, aber ich weiß es doch: du möchtest dich gern aufstellen lassen zur nächsten Wahl — tote soll es dann erst werden?!" Sie rang leicht die Hände ineinander und blickte starr geradeaus: „Ich fürchte, wir werden bald gar nichts tnehr von dir haben, die Kinder und ich!" „Setze dich," bat er und drückte sie in den nächsten Sessel. Aus der Lehne Platz nehmend, legt er vertraulich den Arm um ihre Schultern. „Sieh mal, wenn du meinst, ihr hättet dann weniger von nttf, dann irrst du. Im Gegenteil, ihr hättet mehr! Denn ich würde so viel freudiger feilt, so viel zuversichtlicher, so ganz andrer Stimmung. Das verstehst du eben nicht. Ihr Frauen seid zufrieden, wenn ihr für Mann und Kind und Haus gesorgt habt, aber wir Männer — ja, wir haben eben noch etwas andres! Und das quält m.icst daß 474 Ich nicht wirken kann, wie ich möchte, daß ich hier lebe wie ans einer wüsten Insel!" „Unser Deutschmr eine wüste Insel?!" .Sie machte einen schwachen Versuch zu scherzen. „Du weißt recht gut, wie ich's meine," sagte er, schort wieder leicht gereizt. „Daß ich Deutschau nicht lieb hätte, davon kann wohl keine Rede sein. Aber gerade weil ich's liebe, so sehr, .daß mir jede Hufe deutschen Bodens so teuer ist wie — wie —" er suchte nach einem Vergleich —, „ich finde nichts, was mir teurer wäre! Es ärgert mich, es kränkt mich, es .schmerzt mich tief" — seine Stimme wurde erregt —, „wenn ich sehe, wie —" Er brach plötzlich ab; die Krim furchend, versank er wieder in Grübeln. Leise strich sie ihm über die Wange. „Sprich dich aus, Hanns, sprich! Es wird dir gut tun. Du sagst, ich verstehe es nicht, Frauen könnten so etwas nicht verstehen, nun, ich werde es lernen, zu verstehen. Und wenn ich es nicht ganz lernen kann, so wird mir Gott doch ins Herz Neben, was ich zu tun habe. Immer!" „Mein Gott, Helene, quäle mich nicht! Das sind eben undefinierbare Dinge; mau sühlt sie — sie liegen in der Luft — aber erzählen kann man sie nicht. Ich habe nichts zu erzählen!" Er wurde rot — da ertappte er sich auf einer Lüge, hatte er denn wirklich nichts zu erzählen?! Aber warum ihr von dem Drohbrief sagen? Sie würde sich beunruhigen, ihre Augen würden ihn ängstlich begleiten, ihre Sorge ihm folgen, überallhin. War es nicht genug, daß er fich erregt hatte? Wer wohl den Brief geschrieben haben mochte? Da Ivar niemand, dem er eine solche Gemeinheit zutrauen konnte. Auch war er sich nicht bewußt, jemanden beleidigt M haben. Es klopste. Der Diener überreichte die Post, die der Milchwagen aus Miasteczko mitgebracht hatte: Zeitungen, allerlei landwirtschaftliche Offerten und zwei Briefe. Einer mit gerichtlichem Stempel, der andre in einem dünnen Kuvert von bläulich-weißem, geringem Papier, wie es die Landleute für wenige Pfennige beim Dorfkrämer kaufen. Ach, dieser zweite war jedenfalls ein Bettelbrief! Erst den andern! Doleschal riß das Siegel ab und warf dann das gerichtliche Schreiben hastig auf den Tisch: das fehlte noch, mußte das auch heute gerade noch kommen?! Eine gerichtliche Vorladung war's in Sachen der Anna Sierakowska, Witwe des Dorfmusikanten Waclaw Siera- kowski, wohnhaft zu Pociecha-Dorf. Sie klagte auf eine lebenslängliche Rente, da sie durch die ihr am 20. November vergangenen Jahres zugefügte Körperverletzung zu andauernder Betreibung ihres Gewerbes außerstande gesetzt sei, laut Gutachten des Doktor Zygmunt Wolinski zu Miasteczko. War's möglich?! Jetzt kam die Ciotka mit einer Klage?! Doleschal faßte sich au die Stirn. Da begegnete sein Blick dem Blick Helenens, und er lächelte. „Warum siehst du mich so besorgt an, mein Herz?" Sie antwortete nicht. Er griff nach dem zweiten Brief, aber er öffnete ihm jetzt nicht. „Der hat Zeit," sagte er nachlässig und steckte ihn eilt. Aber kaum hatte seine Frau für Augenblicke das Zimmer verlassen, so riß er ihn in nervöser Hast aus der Joppentasche — da — da — natürlich wieder etwas! Wieder las er, mit heißen Augen, die Zähne aufeinander gesetzt, was er heute morgen schon einmal gelesen hatte am Tor der Katarynka. Fast denselben Inhalt hatte dieser Brief wie das Plakat: Schimpfworte, wahnsinnige Beschuldigungen einer getretenen, geknechteten Kreatur. * Vierzehn Tage waren verstrichen seit dem Empfang des Drohbriefes, aber es war Doleschal, als hätte er ihn gestern erhalten. In der Kreisstadt zankten sich fein Anwalt und der Rechtsbeiistand der Witwe Sierakowska herum; ihm war es augenblicklich ganz gleichgültig, ob er verurteilt werden würde, arm würde es ihn ja noch nicht machen, der Ciotka eine Rente zu zahlen. Nur das fraß an ihm, daß er nicht wußte, woher er auch diesen Schlag erhalten hatte. Im Kopf des halbverrückteu Weibes war dieser Anschlag sicherlich nicht geboren, jemand hatte ihn ihr eiitgegeßen — aber wer, wer?! Seine Gedanken irrten umher, suchten und fanden nicht. Und das regte ihn seltsam auf. Wenn er jetzt einsam über seine Felder ging, allein', wie er es oftmals seit Jahren getan hatte, fühlte er sich doch nicht mehr allein und nicht frei auf feiner Flur — der Nachhall feines Trittes auf der Scholle erschreckte ihn. Ihn umlauerte etwas, was er nicht mit Augen fah, nicht mit Händen greifen konnte, und was doch da war. Wer mochte das Plakat und den Drohbrief verfaßt haben?! Stand die Klage der Ciotka mit ihnen in Zusammenhang? Die Ciotka war der einzige Mensch, dem er übles getan, freilich wider Willen — aber geschrieben hatte sie's doch nicht, sie konnte ja gar nicht schreiben. Diktiert vielleicht — wem?! Wem denn nur?! Dieses immerwährende Denken darüber machte ihn ganz wirr. Alle Menschen, die er kannte, ließ er an sich vorbei passieren, vom untersten Knecht an bis zum vornehmsten Besitzer, vom Nachbar links — dem Polen auf Chwaliborezyee — bis zum Nachbar rechts, Herrn Kestner auf Przyborowo. Mit einem1 gewissen Argwohn klammerte sich sein Geist an Garezhnski: der war viel zu geschmeidig, unk immer aufrichtig zu sein! Aber, nein — mit Unwillen gegen sich selbst wies er diesen Gedanken weit von sich — — Garezhnski war ein Edelmann, und ob deutscher oder polnischer, Adel bleibt Adel. Und dann — er schlug sich vor die Stirn — tote konnte er das vergessen, das: ,;Durch' dich bin ich elender geworden wie ein kriechender Wurm?!" Das stimmte ja gar nie zu Garezhnski. Es war doch die Ciotka — nein, nein, sie war's doch nicht! Aber wer — wer?!. In tollem Wirbel drehten sich die Gesichter um ihn: Bürger und Bauersleute, Städter und Dörfler, Förster und! Inspektor — auch nicht einer war unter ihnen, bei dem er hätte rufen können: der ist's! Er hatte unruhige Träume. Und wie er sich auch! gegen die Niedergeschlagenheit sträubte, die ihn gleich beim' Erwachen überkam, sie befiel ihn doch. An den Weiden um den Luch im Niemezheer Acker zeigten sich die ersten Kätzchen, die mau weihen läßt ank Palmsonntag; auch die erste Lerche ließ sich hören am Feldrain, und grüner schien die Wintersaat zu grünen. Ein Ostern war" int Nahen, ein Auferftehen aSs Winter- dunkel, aber der Deutschauer Herr schritt mit gesenkter Stirn über feinen Acker, und seine Füße wurden kält und naß von den getauten Schueelacheu, in die er achtlos trat. Löb Scheftel fuhr auf Niemczhce zu. Vor der Karwoche war er immer auf der Tour, denn zu Ostern aßen auch die kleinen Leute Fleisch, die sonst das ganz« Jahr keines kauften. Wenn die gnädigen Herren nur nicht gar so teuer sein wollten mit dem „Lebend-Gewicht"! Der Handelsmann sah den Baron schreiten, so ganz! in Gedanken verloren, daß er feinen respektvollen Gruß mit tief abgezogener Mütze gar nicht bemerkte. „Gott soll hüten, was der gnädige Herr macht for’n Pottum!" sprach Löb Scheftel zu seinem Sohu. „Isidor, halt an, laß mer absteigen! Wer' ich mal hingehu zum Herrn Baron, wer' ich zu ihm sprechen: „Kein Kälbchen zu verhandeln, Herr Baron? Kein Lämmchen auf Passah?" und wer' ich ihm dabei ins Auge blicken, daß er fiehch er hat wenigstens eine treue Seele. En freisinniger Mann, en aufgeklärter Manu — ne, was tu ich mit der ganzen andern Meschboche?!" Mit leisem Schritt machte sich Löb Scheftel an des Niemezheers Seite. Hui, wie fuhr der auf! „Bitte um Verzeihung, daß ich habe erschrocken den gnädigen Herrn Baron! Nix zu handeln heute, Herr Barou? Der Herr Baron werden doch nich verkaufen dem Meir Götz aus der Kreisstadt? Lassen Se mir zukommen den kleinen Verdienst! Die Zeiten sind schleeht, die Zeiten sind teuer, aber ich zahle de höchsten Preise, das wissen doch der gnädige Herr Baron!" „Ich habe nichts zu verkaufen, Scheftel," sagte Doleschal müde. Aber bann dauerte ihn des Händlers enttäuschtes Gesicht. „Sie können ja mal auf den Hof fahren und den Schweizer fragen. Ich weiß nicht, hat er was oder hat er nichts." „Ach, der Herr Baron, en guter Herr, en einsichtiger Herr! Aber der Herr Baron wissen doch, der Schweizer," — Scheftel hob, die Schultern hochziehend, beide Hände — „eiweih! Wenn der gnädige Herr Baron doch lieber möchten selber —" „Fragen Sie den Inspektor, meinetwegen, aber mich ~w lassen Sie in Ruhe!" (Fortsetzung folgt.) — 475 der Alte (in. nur mit dem Finger Eine Minute vergeht, auf seinen Sohn und Blick, stählern blitzen Feinde steht er ihn« seinen Sohn. Max Wurm ist ein hübscher, hochaufgeschossener Junge, seine .Glieder sind gerade, seine Gelenke federn iricht, etwas blaß und mit einem merkwürdigen "" '' "" seine Augen den Vater an. Wie einem gegenüber. „Was machst du hier?" herrschte ihn 'Der Junge antwortete nicht, er weist auf das kleine Modell. Alles ist stumm, bis der Alte begriffen hat, dann stürzt er ..... ... packt ihn an der Brust: „Du, du!" stöhnt er auf. . Aber schon sind viele Hände da und entziehen dem Alten sein eigenes Kind. Die Tür wird wieder geschlossen und der Werk- meister sieht sich mit dem Direktor und cineni freniden Herrn, allein. Gleich! aber erkennt er auch den: seines Sohnes Ordinariu-. „Hören Sie mich, Herr Wurm," redet er ihn an und druckt ihn wieder auf den Sessel nieder. „Wir haben alle ^hrcin Sohne unrecht getan. Warum er in der Schule und für die schule faul war, das sehen wir nun. Wir hätten ihn wieder Nicht versetzen können und auch nicht auf der Schule behalten, so em großen Junge unter Reinen, das geht nicht und dann das i.ugen und Betrügen. Es ist weit gekommen mit ihm link» es wird Zeit, daß er auf andere Wege kommt. Mich hat der ssrhhsikiehrer auf ihn aufmerksam gemacht. Ich habe ihn selbst ausgelacht, er mir sagte, auf meiner letzten Bank litze der begabteste ^unge.. Dann kam ich mal in die Stunde und hörte zu. Ta wußte ich gleich Bescheid. Ich nahm mir den Jungen vor und er brachte mir das Modell. Da hat er mir alles gebeichtet, und das; er Sm ost und -oft und himmelhoch gebeten habe, ihn vom Gymnasium zu nehmen und in die praktische Arbeit zu lassen. Natürlich konnten Sie das nicht. Man läßt nicht Kinder ime Arbeiter arbeite. Aber es gab doch einen anderen Weg. Wozu braucht er Katern und Griechisch, wenn er so was kann!" er wies auf das Maschinen^ modelt — der Vater wandte grimmig das Gesicht davon ab —j i „Tun Sie ihn auf eine Fachschule, ein Technikum, oort wird ey lernen, das kann ich Ihnen versprechen, weil ihn dort alles interessieren wird." lind weiter spricht der Hehrer,, auch der Direktor wirft einzelne Bemerkungen dazwischen, aber sie sprechen. Der Heine wurm. > Von E m m y von Egidy. Int Hofe der. Maschinenfabrik von „Blatt und Söhne" stecken I Jn der Morgenpause die Arbeiter die Köpfe zusammen. , I „Dem kleinen Wurm sein Modell steht beim Direktor im I Bureau," raunt einer dem andern zu. „Wer hat denn den ver- I raten?" kommt die Gegensrage. „Wemi mir der Alte Nichts I merkt." „Der schlägt den Jungen ja tot." „So n altes Ekel. I Ein jüngerer Arbeiter kommt über den Hof: „Du Karle, wird I er angerufen, und als er näher kommt, fragen sie ihn: „tias is i denn mit Euch los? Hast Du den kleenen Wurnl an.iegeben. I .Er antivortet nur mit Achselzucken und geht nut wichtiger Miene I weiter. , . „ Bald müssen die Leute zur Arbeit zurück und des alten Wurm, des Werkmeisters Aufsicht, ruht hart auf ihnen. Der schwere bärtige Mann sieht alles, und er ist ohne Erbarmen. Ermahmmg, I Tadel und Drohung ist alles, was er sagt — niemals ist er zufrieden, zu Dank hat ihni noch keiner gearbeitet. Manche Faust I hebt sich hinter seinem Rücken und manche Verwünschung wird 1 laut, wenn er mit Abzügen droht. Alle hassen ihn. De^alb haben I sie auch alle seinem Sohn geholfen gegen den Alten. Da ist auch I nicht einer, der ihn nicht versteckt gehalten, während der Alte > wutschnaubend nach ihm suchte,,, wenn die, schlechten Zeugnisse I kamen oder wenn er in der Klasse sitzen blieb. Sie gönnten es I dem Tyrannen. Der Alte konnte ihn aufs Gymnasium tun, aber I durchsetzen, daß er was lernte, das konnte er nicht! Und sie freuten I sich darüber. Alle standen ihm bei im Kampf gegen den Vater. I Wenn der ihn einsperrte zum Lernen — sie legten ihm eine Leiter I ans Fenster oder schlossen die Tür auf ■— ein Schlüssel sand sich I immer. Wenn der Vater ihn mit Hunger zwingen wollte, sie I gaben ihni zu essen von ihrem Wenigen. Alle wußten, daß en I seine ganze Zeit bei „Karle" steckte in dessen Bude nebenan und dort bastelte und feilte, rechnete, eiiiritz und von neuem anfmg. Drei Jahre nun schon. Und vorher hätte er immer bei ihnen gesteckt in den Sälen und hatte gelernt und geholfen. Wenn er auf die Bücher schimpfte, das tat ihnen wohl, und wenn er sagte, er beneide sie, dann lachten sie ihn wohl aus, aber es freute sm j doch. Sic hätten seinen Grimnl gegen den Alten genährt; wenn er die Lügen erzählte, mit denen er sich durchhalf, dann lachten sie ihm Beifall zu. Sie halfen ihm, toenn er in die Fabrik kam, schwierige Stücke zu schleifen, und versteckten seine Arbeit hei ihren Werkzeugen — aber über seine Bastelei lachten sie heimlich. Wohl hatte einer ober der andere sich mal das Modell bei Karle angesehen, es war ganz hübsch gearbeitet, der Junge hatte schon was von ihnen gelernt, gewiß — aber sonst! sie zuckten bte Achseln. Und heute, wie des Alten strenges Auge über ihnen wachte, dachte mancher mit Schadenfreude an den Acrger, der ihn erwartete. Aber aufpassen hieß cs, daß, man den „kleenen Wurm" warnte und versteckte, sonst schlug ihn der Alte wahrhaftig tot in der Wut. Kurz vor der Mittagspause wird der Werkineistcr zum Direktor ins Bureau gerufen. Mit Spallnung sehen die Arbeiter ihm nach. Sie haben es heute gar nicht eilig fortzukommen, zögernd nuL ziehen sie in kleinen Truppen am Direktionsgebäude vorbei. Dem Werkmeister Wurm wird drinnen ein kleines Maschinenmodell gezeigt: eine Erfindung. Er soll cs begutachten. Es ist der Direktion angeboten, man ist bereit, es anzukaufeu, die Ingenieure haben sich dafür erklärt, man will nur seine Meinung tzinholen. Mißtrauisch wie immer gegen neue Erfindung, in Opposition gegen alles, was die Ingenieure sagen, prüft Wurm das Modell sehr genau. Manche Frage stellt er an sie. Keiner! ärgert sich heute über ihn, alle sind ganz' besonders höflich. Schließlich muß er bekennen, daß die Erfindung gut sei und aussichtsreich. Er fragt, was das Modell kosten solle. Der Direktor nennt eine Mäßige Summe. ■ „Das ist nicht viel," sagte Wurm erstaunt. „Wir haben! | teuerere Modelle augekanst." „Es ist aber eine große Bedingung dabei, gewissermaßen eine moralische und auch darüber wollte ich Ihre Meinung einholen,, Wurm — aber bitte nehmen Sie Platz." Der Werkmeister setzte sich verwundert auf einen Sessel, der unter ihm krachte. Und nun satzt ihm der Direktor einen Fall auseinander: „Der Erfinder sei noch ein ganz junger Mensch: er habe dies Modell heimlich angefertigt und unter Vernachlässigung seiner übrigen Schülerpflichten ; so konnte es kommen, daß er auf dem Gymnasium um 2 Jahre zurück sei unb auch jetzt wieder nicht versetzt werden könne. Er habe die Bedingung gestellt, daß man bei seinem Vater, der ein harter Mann sei, ihm Straflosigkeit erwirke und die Erlaubnis, das Gymnasium zu verlassen, um praktisch zu arbeiten." Der Werkmeister lacht dröhnend in. seinen mächtigen Bart: „Das is'n Witz, Herr Direktor! einer, der das macht, sitzt nicht mehr aus, der Schulbank, -das is ein ausstudierter und einer, der schon praktische Jahre hinter sich hat." „Nein, nein, er ist ein Schüler. — Mit 15 Jahren sitzt er «och in Untertertia!" sagt der Direktor. . , Wurm greift nach feiner Mütze: „Zu solchen Kindereien hm ich zu alt, Herr Direktor — ich bin wohl entlassen." „Wollen Sie sich bitte überzeugen!" auf einen Wink des Direktors wird die Tür geöffnet und der Werkmeister sicht auf Sobald^eine Panse entsteht, erhebt sich Wurm und geht ohnes ein weiteres Wort mit gesenktem Kops hinaus. Der Direktor schickt ihm einen der -Ingenieure nach. Der folgt ihm langsam an allen Gebäuden, vorbei bis hinter die letzte Mauer, wo ein schmaler Streifen Wiele bis zu dem kleinen Fluß läuft, der die Grenze des Fabrikgeländcs ist. Dort setzt sich Wurm gegen die Mauer unb weint. Der ^Ingenieur zieht sich zurück, er beobachtet von weitem. Heftige Stoße erschüttern dm hünenhafte Gestalt. Es hat etwas Entsetzliches, diesen Mann meinen zu sehen wie ein Kind. Der Ingenieur ruft ihn an. Der Alte bleibt ruhig sitzen und die dicken Krauen laufen netter: über sein Gesicht. Dem Ingenieur wird bange.. ,,^ch gratuliere Ihnen auch, Wurm, zu dem Jungen!" lagt er mit heller «timine Mir ist alles gleich, der Lümmel hat mich lächerlich gemacht für mein ganzes Leben." Der Ingenieur versteht nicht, »^vt mich sagen, das sei die Arbeit eines Ausstndierten unb nachher, i§ es mein eigenes Früchtchen von Sohn, noch m-ch trocken hinter den Ohren — nun bin ich blamiert für immer.' Na, hören Sie mal, Wurm! Sie sind ivohl verrückt! So ’ne Blamage, die möchte sich jeder wünschen. Das ist M gerade Ihr Triumph, den Sie in Ihrem eigenen Fleisch unb Blut feiern, daß Sie es selbst N'r die Arbeit eines Erwachsenen gehalten. Denken Sie bloß, Mensch, wenn es dann heißen wird, das ist die Maschine vom „kleinen Wurm Ihr Früchtchen von Sohn wird Ihnen noch nicht über den Kopf wachsen. „Das is nid; mein Fleisch und Blut" — sagte Wurm kopfschüttelnd, „der hat ja keinen Ehrgeiz im Leche. Seit mir der Junge in der Wiege liegt, hab' ich geschworen, wenn ich das Leben behalte und er auch, dann soll der mir mal „Herr^ ^.oktor angeredet werden, und nun geht der Lümmel hin und.macht hinter meinem Rücken 'ne Maschine, anftatt bte Nase m die! I Bücher zu stecken. Das toer’n Sm nur nicht sagen, Herr Doktor, daß der nicht den Grips zum Lernen hatte, den hat er, von mir hat er’n. Bon seiner Mutter nid). Das is mc alte Uhl, Er schüttelte die Faust in die teere Lust — „aber das Weib soll nur was besehen — die steckt natürlich mit im Komplott, alle gegen mich, die Lehrer, der Direktor, der Junge und das Weib Und nu sollen die recht behalten gegen nuch! Dm -schände überlebe ich nich. Ich will Herr in meinem Hanse fern, oder gar mch. „Herr in Ihrem Hause fein, ja, mit Stock und Prügel und Hunger. Nun sehen Sie, wohin das führt So einen netten I frischen Jungen — verdienen Sie ja gar nicht. Sm Grimmbold. Und Ihre Frau! Das ist schon ’ne Schande, wm sm dm anfahren, I eine Schande für die ganze Fabrik, -ua, das will ich ^hneu nun I wieder mal sagen, schämen sollten Sm sich, -so ein Wüter uh I wie Sie sind." „Das ist mir alles gleichgültig. Itn Sie verstehen das mch. Sie haben keinen Sohn, un Sie wissen „mch, rote nur alten I Kerl ui Mute is, wenn so die jungen Grünschnabel ankommen, I und bloß weil sic Herr Doktor sind, bilden sic sich ein, mehr zu I verstehen, als ’n alter Praktikus un toer’n über einen gesetzt un I stehn sich besser. Nee, das sollte eben mein Junge «ich erleben. | Um Mich hat sich keiner gekümmert. Ich mußte früh auf dm -ehre, UN zu meiner Zeit fragte keiner danach, ob die Lehrjungen noch Unterricht hätten, wir mußten viel schuften und lernten wenig. Und der Bengel, der es besser haben kann, der will itidj und bringt seinen Vater mit seinem Undank unter die Erde." „Ja, jetzt stürben Sie ganz gern, um rechten Schrecken zu verbreiten" — lachte der Ingenieur — „wenn Ihnen übrigens daran gerade so viel liegt, daß Ihr Sohn „Doktor" geschimpft wird, dazu kann Rat tverden! Tun Sie ihn aufs Technikum, rund er wird den Doktor auch da bekommen." Der Werkmeister hob den Kopf. Und der Ingenieur setzte ihm den Bildungsgang auseinander, der den kleinen Wurm auch da noch zu diesem Ziel bringen könnte. „Na, denn sagen Sie man dem Direktor, er soll die Maschine kaufen, billig ist sie un toir können was Neues brauchen — die von Blank u. Co. sind uns schon fast über, aber der Junge, der Bengel, der soll mir man lieber nich unter die Augen kommen," Damit erhebt sich der alte Wurm schwerfällig und trottet ab. „Haste schon gehört, der kleene Wurm soll 'n Scheni sein," traunt am Nachmittag ein Arbeiter dem anderen zu, und sie lachen, denn sie kennen diesen Ausdruck nur als Spottname, wie grauen Gel- verdienen. Die Zahl der Frauen, die dem Erwerbsleben zuströmen, wächst von Jahr zu Jahr, aber meist sind es junge Mädchen, die nach Absolvierung der Schule in ein Geschäft oder ein Kontor eintreten und sich durch eigene Arbeit einen wesentlichen Zuschuß zu ihrem Lebensunterhalte verdienen, bis die Ehe sie dieser Notwendigkeit enthebt. Für sie, die in jungen Jahren in irgend einem Berufe sich Fertigkeiten erworben haben, ist es nicht schwer, im Notfälle wieder an den Erwerb zu denken und durch eigene Kraft sich zu erhalten. Die Frau in reiferen Jahren aber, die durch den Verlust ihres Mannes oder ihres Vermögens plötzlich vor die Notwendigkeit gestellt wird, sich selbst zu ernähren, ohne je in ihrer Jugend oder ihrer Erziehung auf diese Möglichkeit vorbereitet worden zu sein, steht dann vor Schwierigkeiten, die nur ein starker, unternehmender Geist überwinden kann. Im Geschäftsbetriebe werden überall die jüngeren Kräfte bevorzugt, dieser Weg ist ihr verschlossen, und wenn nicht Verbindungen ihr helfen, steht sie der bitteren Not Auge in Auge gegenüber., Wie solche Frauen in kluger Abschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten es verstanden haben, sich ihre eigene Existenz selbständig auf- ■ zubauen, davon erzählt ein englisches Blatt einige interessante und lehrreiche Beispiele. Durch schwere Verluste war eine junge Frau genötigt, an Verdienst zu denken. Sie besaß einen stark entwickelten feinen Geschmack für Blumenarrangements, und sofort beschloß sie, dies Talent auszumünzen. Mit den Sekretären einer Anzahl großer Klubs knüpfte sie Verbindungen an, sie wollte die Blumenarrangements bei Festtafeln übernehmen. Einige originelle Entwürfe hatte sie ersonnen, man trat ihr zwar skeptisch gegenüber, aber schließlich wagte man doch einen Versuch, die Entwürfe wurden genehmigt, und sie erhielt den Auftrag, bei der nächsten Gelegenheit den Tisch zu schmücken. Am Morgen um 5 Uhr sah man die tapfere Frau in dep Blumenhalle, in den reichen Schätzen des Londoner Blumenmarktes traf sie mit sicherem Instinkt ihre Auswahl, die Blumen wurden in den Klub geschickt, am Vormittag kam die Dame und arrangierte die Tafel, und die Dekoration- war so entzückend, daß die Gäste sich nach dem Schöpfer des Werkes erkundigten. Damit war der Bann gebrochen, heute zählt sie eine Reihe der größten Londoner Häuser zu ihren Kunden, und wenn immer ein besonderes Diner gegeben wird, versäumt man nicht, beizeiten die geschmackvolle Frau davon zu verständigen. Ihr Beruf bringt manche Unbequemlichkeiten mit sich, zweimal in der Woche niuß sie vor Morgengrauen ausstehen, um auf dem Blumenmarkt ihre Einkäufe zu machen und ihre Dispositionen treffen, aber nach zweijährigem Ringen verfügt sie heute über ein Einkommen, um das mancher Mann sie beneiden kann und das sie allein sich selbst und ihren Fähigkeiten verdankt. Eine originelle Idee, die aus einer ähnlichen Notlage heraus entstanden rst, hat einer anderen Londoner Dame ein zwar mühseliges, aber sorgenfreies Dasein verschafft. Die betreffende Frau hatte einen fementwickelten künstlerischen Geschmack, den sie in früheren Tagen des Reichtums beim Ankauf von Möbeln, Vorhängen, Tapeten, Tafellinnen und Wäsche glücklich betätigt hatte. In den Tagen den Not beschloß sie, Einkäuferin zu werden, und den weit abseits der Hauptstadt auf dem Lande lebenden Leuten ihre besonderes Gabe zugute kommen zu lassen. Als Entschädigung beanspruchte sie einen kleinen Prozentsatz vom Werte der gekauften Waren. Sie begann in allen größeren Provinzblättern zu annoncieren, nahm mit den Geschäften, mit denen sie früher zu tun gehabt hatte, Fühlung und erhielt das Versprechen, daß man allen größeren auswärtigen Kunden bei passender Gelegenheit ihre Dienste empfehlen^ werde. Der Anfang war nicht gerade vielversprechend, im ersten-Jahre mußte sie mit Not und Sorgen kämpfen, aber mit der Zeit setzte sich die Idee durch. Die wenigen Kunden, die ihr Aufträge erteilt hatten, waren über alle Maßen zufrieden, man empfahl die tüchtige Einkäuferin weiter, und heute verfügt sie über einen großen Kreis von Gutsbesitzern und Landedelleuten, die thr regelmäßig ihre Londoner Einkäufe anvertranen. Sie verdienk genug, um gut leben zu können, ist zufrieden, hat Freude an ihrem Beruf,, wenn die Tätigkeit bisweilen auch aufreibend und anstrengend ist. Eine andere junge Frau verdient sich in London heute als Hundewärterin ihren Lebensunterhalt. Von Kindheit an hatte sie eine besondere Vorliebe für Hunde. Als die Not herein- brach, ging sie in die Hundeausstellung, notierte sich die Namen der Aussteller und bot allen ihre Dienste an. An gewissen Tagen wollte sie die Hunde besuchen, sich davon überzeugen, daß sie richtig behandelt und sorgsam gepflegt werden, ihre Fütterung überwachen usw. Am Anfang erhielt sie überall Ablehnungen, man schüttelte erstaunt den Kopf und dankte. Aber die Ausdauer siegte: als sie einem besonders wertvollen Hunde durch ihre sachgemäße Pslege das Leben rettete, verbreitete sich ihr Ruf. Heute hat sie von vormittags 9 bis in die Nachmittagsstuuden zu tun, um alle die Hunde zu besuchen, die ihrer Aufsicht anvertranti sind, und mit Stolz erklärt sie, daß sie durch ihren eigenen Gedanken heute eilt Einkommen besitzt, das sie früher zu erhoffen nie gewagt haben würde. vermisstes. Z"r Geschichte der Druckerschwärze. Der zum Decken ersorderliche schwarze Farbstoff war schon längst vor der Erfindung Gutenbergs vorhanden. Blau brauchke ihn bereits zu den sogenannten Blockbüchern und Einzeischnitten. Durch Gutenberg wurde er aber wesentlich verbessert und den Zwecken der Presse angepaßt, und noch feilte bewundern wir daS später verloren gegangene prachtvolle Tieischwarz der ersten Drucke. Gute Druckfarbe zu erhalten, war eine Hauptsorge jeder gntgeleiteten Druckerei, und noch vor 70 Jahren wurde (nach der Zeitschrist Der „Zwiebelnsch") der Bedarf au Farbe von der Druckerei selbst hergestellt. Zum „hiarbekochen" mürbe etwa zweimalffim Jahre die Farbenblase vors Stadttor gebracht und mit dieser Arbeit ein Gesellensest verbunden. xSn der Farbenblase wurde das in Firnis zu verwandelnde Del gekocht, das von einem „Oe(-9)iü()ler" bezogen wurde. Den noch warmen Firnis stillte man in das sogenannte Farbefaß und vermischte ihn mit gutem, reinem KienrUß. Als an die Stelle der Handpresse die Schnellpresse trat, genügte das Einrühren des Rußes mit der Hand nicht mehr. Die aus diese Art zubereitete Farbe gab stets Anlaß zu Klagen. Sie war körnig, Rußllümpcheu gelangten aus die Walzen und machten sich als graue Flecken ans beit' gedruckten Bogen unliebsam bemerkbar. Geschäfte, die sich.ausschließlich mit der Herstellung von Buchdruckfarbeu beiaßten, entstanden zuerst in England am Ende des 18. Jahrhunderts, mit der Erfindung der Schnellpresse aber erschien ein besonderer Industriezweig für die Beschaffung der Farbe. Die alte Farbenblase verschwand gänzlich zu Anfang der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Das erste größere mit Fabrikiarbe gedruckte Werk war eine englische Aibel vom Jahre 1795. In Deutschland enlstanden die etilen Truck,arbeu-Fabrikeu um 1830. Heutzutage ist ein derartiges Unternehmen ein sehr umfangreicher und komplizierter Betrieb, bet eine eigne Gasbereitungsanstalt, eine Delrußbrenuerei mit Kalzinier- Hausern, Lampenrußbrennereien, Rühr-und Reibwerken und chemische Laboratorien erforbert * Ein Renom m i st. Fritzchen (zü seinem Freund!: „Weist du, wenn mein Papa auch keinen Krieg mitgemacht hat, deswegen hat er doch Mut, er ist sogar schon einmal wegen nächtlicher Ruhestörung eingesperrt worden!" Silbenrätsel. au, ab, chri, de, de, der, e, e, fle, gr, li, lö, in, nie, mi, neu, pH, rns, s, sto, sun, tau, ter, Nr, nie, will. Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach innen und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein geflügeltes Wort ergeben. Es bedeulen aber die einzelnen Wörter der Reihe nach solgendes: 1. Griechische Göttin. 2. Einen Mädchennamen. 3. Gebirge in Asien. 4. Titel einer Operette. 5. Ein Raubtier. 6. Ruhestätte für irdische Ueberrefie. 7. Eine Halbinsel. 8. Männlichen Vornamen. Auflösung in nächster Nummer- Auflösung des Leiterräisels in voriger Nummer: H 0 EISEN I 8 NACH T R E I L G A P C H HEKLA V N Redaktion: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitüts-Buch- und Sleindruckerei. R. Lange, Gießens