mo Mittwoch den 2. Februar m M Droesigl. Roman von Georg Freiherrn von Ompteda. (Nachdruck verboten.) lForuetzuug.! Je mehr die Arbeiten fortschritten, desto verzweifelter stellte sich die finanzielle Aage heraus. In diesem Haushalt hatte jeder sein Schäfchen geschoren. Nur der alte Elß- manu stand tadellos da. Dem war freilich allein Hausordnung und Dienst unterstellt gewesen. Gabriel Baromeit, der vorzüglichste aller Kutscher, erhielt, wie Herr Droesigl herausfand, von Sattlern, Wagenbauern, Hufschmieden, kurz von allen Leuten, mit denen er zu tu« hatte, erhebliche Prozente. Fe teurer gearbeitet wurde, desto höher fielen die selbstverständlich aus. Ter Futtermeister bezog Hafer, Heu und Stroh zu den höchsten Preisen. Dafür verkaufte er als eigene Einnahme den Dünger an die Bauern. Ter Küchenchef führte eine großartige Pauschalwirtschaft. In der Küche gingen Unsummen drauf. Herr Droesigl kannte die Marktpreise des Gemüses, er wüßte, was Konserve?: kosteten und Fleisch. Bogenlang rechnete er Agathe vor, welche Ersparnisse hätten gemacht Werben Wunen. Er zeigte, wie sich das summierte, und von diese?: Summen berechnete er Z:ns und Zinseszins. Da käme?: denn Zahle?: heraus, daß die junge Gräfin die Hände erstarrt ü: den Schoß, sinken ließ. Sie hielt Ordnung im Haus, aber was nachts auf verschwiegenen Gängen geschah, davon ahnte sie nichts. Sie hatte ?nit dem Fleiß der Martha darauf gehalten, daß die Teppiche geklopft wurden, die Zimmer gelüftet, daß mau Staub wischte. Unter ihrer Leitung hatte?: die Kleine?? in: Haus, die Stube?:- und die Hausmäd- chen, ihre Pflicht getan. Aber was da gespart wurde, kam nicht in Betracht gege?: das, was in Küche, Keller, Hof und Stall zum Fenster hinausflog. Herr Droesigl setzte eine ernste Miene auf: — Ob eilt Mädchen achtzehn oder neunzehn Mark bekommt. das belastet den Etat nur ei??mal und zählt bei den vielen 'Zehntausendeir nicht n?it Aber die unberechenbaren Betrügereien, das Anschaffe?: vo?: unsinnigen Vorräten, bei denen kein Mensch iveiß, wohin sie kommen, ja, ob sie über» Haupt kommen, das läuft ins Geld. Nebenbei macht es aus ehrlichen Leuten solche, die ein Auge Andrücken. Und aus denen, die eil? Auge zudrücken, Diebe; denn wenn ein ehrlicher Mensch sieht, wie alles rundum ungeahndet einstecken kann, kommt er sich schließlich dumm vor, wenn er nicht mittnt. Agathe blickte zu Boden: — Da habe ich also nichts geholfen? Herr Droesigl sah, daß sie weinte, und sagte mit veränderter Stimme: Ich meine es doch Mt mit Ihnen ! — Sie sind der einzige, der es gut mit mir meint, . Ich möchte gern alles für Sie tun. — Für eine?: so unbrauchbaren Menschen? Er schob die Bücher beiseite: — Ich würde Sie an jeden Posten stellen, bei? eine Frau nur aus stillen könnte! Jzre Augen waren noch naß. Sie lächelte ein wenig: — .Wenn ich nicht einutal einen Haushalt in Ordnung halten kann? Er antwortete ganz nahe bei ihr: — Nun, ich würde ntir nichts Besseres wünschen, als Sie hielten meinen Haushalt in Ordnung. Sie sah ihn erschrocken an: — Mein Gott, steht es den?: so schlecht mit uns? — Wie meinen Sie das? Verlegen blätterte sie in ihren: Abrechnungsbuche. - — Nun ganz einfach. Ich weiß Ivohl, daß die Zukunft traurig sein wiro. Wer ich dachte uicht, daß es so schlimm wäre, daß ich... in Stellung gehen müßte. Er war so erstaunt über die Bescheidenheit dieser Mädchenseele, daß er int ersten Augenblick nicht wußte, ivas antworten. In ihm steckte jener Blick von unten itach oben, ein Blick, der seinen Vater empört hätte, den Geheimrat Droesigl, der trotz aller Basler Bürgermeisterschaft als Kohlenzieher iitt Bergwerk begonnen. Wenn sich auch Herrn Droesigls heller Kopf bagcgen sträubte, eine Gatts, die zufällig Gräfin war, anders als eine Gans auzusprechen, so unterlag sein gutes Gehirn- stand er wirklich einer Gräfin gegenüber, doch immer wieder den Dummheiten feiner Eitelkeit. Wem? Herr Louis Droesigl aristokratische Luft atmete, war es, als verlöre er Besinnung und Verstand. Und er wollte in diese Kreise. Die Ministertochter, deren Vater doch erst vor zwei Jahren geadelt worden, war der erste Versuch gewesen. Auch bei seinem englischen Jagdfreunde, loo Gentleman Gentleman war, hatte er sich von einem Mädchei: aus vornehmer Fautilie, das mit bescheidener Rente sich durchs Leben schlug, trotz seiner Millionen einen Korb geholt. Sogar in Stererrnark war er auf Freiers Füßen gegangen, aber sein Protestantis?nus schien ihm dort hinderlich, auch verkehrte?: bei biefein Jagdfreunde nur solche österreichische Magnaten, derei: Töchter sich nicht durch Droe- s-glu HU rette?? brauchten, wie der alte Graf sich ausgedrückt habe?? würde. Vielleicht war auch die Freundschaft ii? Steiermark nicht ganz so zärtlich, wie man annehmen mußte, wenn Herr Droesigl dabo?: sprach. Und am Ende waren die Bande, die ih?: mit dem Lord verknüpfte??, nicht gar so eng, hätte man seine Lordschaft selber gehört. Als mm der ungeheure Spielgewinn Herrn Droesigl in den Schoß gefallen, erwachte in ihm jäh der Gedanke: das war eine goldene Stufe, um in ein Ahnenschloß zu treten, nicht kleinen Schwert- oder Briefadels, sondern eines Geschlechts, das schon vor den Hohenzolleri: in der Mark etwas bedeutet hatte. 70 Kometen und Kometeilfurcht. Es ist ein Kvmetenjahr, das Jahr 1910; zu dein Harleysckstv Kometen, den man seit langer Zeit erivartet, hat sich ein neuer! gesellt, und mich die Kvmeteirfnrcht ist nickst auSgeblieben, dis von trüben Zeiten nnd Weltuntergang raunte. Obwohl die Wissenschaft festgestetlt hat, daß ein Kvmet überhaupt etwas Harmloses ist, nichts anderes als eine ungeheuere Ansammlung von kleinen! Meteor massen und Sternschnuppe nkörperch-en, bereit riesiger Schweis aus Gasmassen feinster Art besteht, so ist doch die jahrtaufeitbiei alte Angst tror der unheilbringenden Wirkung des geschlreisten! Gesellen imansrottbar. Bon dieser Kometen furcht nnd ihren! Wandlungen in der Geschichte erzählt Bruno H. Bürgel in seiner anschaulich und spannend geschriebenen Hiinmelskunde, die er im Berlag von Ullstein vor kurzem hat. erscheinen, lassen. Bereits! int Jahre 371 v- Ehr. brachte man die Ueberschwemtnung der beiden Städte Helice nnb1 Bura mit den« Erscheinen eines KvmeteN in Verbindung. Im Mittelalter Mb man dem düster unb mit heimlich leuchtenden Schwvifstern an allem Unglück und Elend! die Schuld. Seine giftigen Ttinstr sollten das Wasser in den Brunnen und das Gras aus den Feldern verderben, riesen die Pest und Seuchen hervor. Schrecklich anzuschauende Mißgeburten, bewirkte der Komet; man nannte sie Kvmetenkiuder, lutb der! Pfarrer verweigerte ihnen niM festen die heilige Tauss. KV? Er merkt« tooWl, Wjitt WvLfiir Patsch steuerte, die beit Baden wanken ftlylte. Sie würde itpt vielleicht vorwärts bringen, aber er ahnte, daß er seinen Ehrgeiz bezahlen Müßte mit dem Sklaventum vor ihren Lannen. Tiefes heute noch mädchenhafte Ding, utnflirtet voit den Herren, Hach Weib, hach guter Kamerad, in dem ihres Vaters begehrliche und scharfe Augen leuchteteir, ging womöglich, traf sie den falschen Mann, mit einem anderen durch, zum Mindesten hätte Louis Droesigl die Ehre, daß. sie seine Iran Gemahlin wurde, mit viel Geld bezahlen müssetl. Sie war gewiß nicht umsonst die Goldtochter ihres Vaters. Herr Louis Droesigl aber, dem angesichts seiner vornehmen Bekanntschaften Geld Dreck schien und Schweiß der Arbeit eine Gemeinheit, gab nicht eine Mark fünfzig, wo er mit einer Mark auskam. Sein Leben kostete zwar viel, doch dies Kapital sollte einmal Früchte tragen. Da dännnerte in seiner Erkenntnis die dunkle Ueberzengung, immer mehr zur Sicherheit sich verdichtend: die andere ist besser. Sie sieht nicht eben vornehm aus, aber sie ist! es. Sie leistet mir den gleichen Dienst, nur nicht mit Sorgen und Geldverlust. Sie ist billiger. Mit Agathe gewann er einWesen, das, nicht umworben, dankbarer, treuer fein würde und bequemer dazu. Herr Louis Droesigl hatte feine Sinnlichkeit ausgetobt, jche ihm der Weg, den er gehen wollte, sicher vor Augen gestanden. Er hatte auch nie etwas empfunden, das andere Menschen Liebe nannten. Wer alle Stimmet! in ihm sprachen: dieses Mädchen neben dir, die Gräfin Kölln aus Seiner der ersten Familien des Landes, die Gräfin Kölln mit einem Prinzen als Schwager, die Gräfin Kölln, verwandt Mit allem, was in Preußen etwas gilt, dieses Mädchen mit {einer rührenden Bescheidenheit, sie wäre dir die rechte Frau, lud er, der wußte, daß er mit süßen Worten und Sehusuchts- aeplärr nicht gewinnen konnte, sagte auf Grund solcher lieber» regungen ganz unvermittelt zu Agathe: — Wenn ich Sie nun bäte, meine Frau zu werden? Die junge Gräfin wußte im ersten Slugenblick nicht, wie tijr geschah. Dann ward sie dunkelrot, raffte ihre Bücher zusammen und lief davon. Herr Droesigl blieb mit offenem Munde stehen: „War -es zu früh?" * Die alte Gräfin Lindenbach ivar mit ihrem Enkel und Gras Mguier zu Besuch gekommen, denn die Prinzessin hatte erklärt, es vor Langerweile nicht mehr aushalten zu können. Der Justizrat bestand nun, !vo sich alles zum Ende neigte, Ms der Anwesenheit sämtlicher Erben. Ta klopfte Agathe, als man sich schon zunt Schlafengehen getrennt hatte, noch einmal an Gräfin Ltndenbachs Mmmer. Tie alte Dame meinte, es würde sich wieder um verfahrene Finanzverhältnisse handeln, doch Agathe erzählte Herrn Droesigls Werbung. Dann sagte sie ruhig: — Jetzt bitte ich um deinen Rat. Was soll ich tun? Die Gräfin meinte, während sie die Uhr kette ablegte Und sich zu entkleiden begann: — Mein liebes Kind, es ist in solchen Fällen immer seine undankbare Sache, zu raten, da gewöhnlich das Gegenteil von dem geschieht, was man sagt. Es sei denn, man riete zufällig, was der Fragende gerade hören will. Nun nehme ich an, du willst ein „Ja" hören, denn wärst du entschlossen, nein zu sagen, so hältst du's sofort getan. Du denkst, es ist eine Versorgung. — Tante! Versorgung? Nein. Ich würde mich nicht fürchten, in Dienst zu gehen. Die alte Gräfin hakte ihre Taille auf und sah dabei das junge Btädchen von der Seite an: — stta, na, na, das sagt sich so leicht. Wer erst mal ne Stelle finden, und dann anderer Leute Brot essen ... da ist Droesigl doch noch besser. Agathe stellte sich Gräfin Liudenbach, die hinter die spanische Wand vor dem Bett treten wollte, in den Weg: — Er ist auch besser. Er ist fleißig, eitergisch, ein Mann, ein wirklicher Wann, nicht einer, der bloß rumbummelt, Jagd reitet, zum Tiner kommt und sich betrinkt und spielt. Tie Gräsiu nahm Agathens erregt erhobene Hand in die ihren und zog die Wahl-Nichte auf ein altes, mit geblümter Kretonne überzogenes Sofa: — So steht's? Er ist der „herrlichste von allen"? Kind, daun sage ich nichts mehr. Ob ihre Durchlaucht, Prinzessin Hohengart, geborene Gräfin Kölln, freilich sehr erbaut sein lvird, wage ich nicht zu behaupten, Immerhin, Dickchen, ich muß dir was sagen. Waüben wirst du's' freilich nicht, das weiß ich von vornherein. Du meinst, Droesigl spielt nicht? Siehst du, da machst du schon ein böses Gesicht! Ach so, ja, du halst recht, das kannst du gar nicht! Trotzdem: jemand, dem man von einem, über den er Gutes hören will, nicht n u r Gutes sagt, macht immer ein böses Gesicht. Wer, Kino, dein seliger Vater hätte von Droesigl gesagt: „der jeut tote ne Ratte." Agathe wollte heftig einfallen, doch die alte Gräfin hielt ihr die schöne Hand, von der sie die Ringe abgelegt hatte, vor den Mund: — Nicht wahr? Alles Verleumdung! Aber nein, nun mal Ernst: er spielt. Ihr sagt in der Familie, ich röche alles. Nun, ein paar Worte deines seligen Vaters haben genügt. Ich weiß die Summe nicht, aber gewonnen hat er in der Unglücksnacht, und zwar eingn Lanzen Haufen! Agathe antwortete ruhig: — Dürfen wir Kinder Richter sein? i— Die Gräfin klopfte ihr freundlich die Schulter: Du hast ganz recht. Vielleicht wird der Mensch auch nicht mehr spielen, ivenn er es nicht nötig hat. Ich habe von klugen Männern immer gehört, aus reiner Passion spielen verhältnismäßig wenige. Feder hat einen Grund. Der eine will seine Finanzen verbessern, der andere ein verfluchter Kerl scheinen, der dritte sieht darin das Mittel, in gewisse Gesellschaftskreise zu fommen, denn alle Jeuratzen drücken ein1 Auge zu. Wer Partner ist — ist ihnen gleich, wenn man nur was von ihm gewinnen rann. Wenn Droesigl in der Gesellschaft, in die er nun mal will, festeren Fuß gefaßt hat, gibt er vielleicht das Jenen auf. Rentiert sich nicht mehr. ' Jetzt ift's eine ganz gute Kapitalsaulage. Später kann er fein Geld besser verwenden. Dann zieht er die Leute, die er braucht, auf andere Weise heran. Tie kleine, runde Agathe wurde wütend: ►— Tante, so laß ich nicht von ihm reden. Er ist ein vornehmer Mensch, der ebensogut Gras sein könnte, wie ich« Troesrgl heißen. Wenn ihr auch alle über den Namen lacht: ich würde mir nichts daraus machen, Frau Droesigl zu fein, falls ich ihm nur helfen kann. Gräfin Lindenbach sah die erregte Agathe groß au. >— Ah so! Na dann, Agatbe, hättest du mir doch einfach sagen sollen, daß du dich verloben willst! Siehst du, Kind, ich bin gar nicht so dumm, wie ich aussehe. Ich habe es von Anfang au gewußt! Sie trat hinter die spanische Wand. Man sah ihr graues Haar sich am oberen Rande hinbewegen. Dann tauchte beim Ans- und Anziehen eine Hand und ein bloßer Arm auf, und man hörte hinter dem Schirm die Worte manchmal schärfer, manchmal undeutlicher, je nachdem die alte Dame sich auf- richtete oder sich niederbeugte: — Uebrigens, Dickchen, du kannst auf mich rechnen. Einige Käulpfe wird's geben. Gott, man weist auch nicht. Es kommt darauf an, wie die Finanzen stehen. Au und für sich bin ich nicht dafür, Mathe, aber du bist ein so vernünftiges Mädchen, daß ich denke, du wirst schon wisse«, was du tust. Na und dann, wenn schon, denn schon. „Friede, Freude, Einigkeit," fagte dein lieber, seliger Papa. Ich werde dir die Stange halten. (Fortsetzung folgt.) i J.LitSTELJ — 71 MHewWwMattn MüÄe'n WdrÄckt. iw VMM wir erüsten Worte,« ito? Vie drohe,!-« .»Zuchtrute Gottes" am Himmel hingewissen und ein geruhiges, Gott wohlgefälliges Leben anempfohlen wurde. Da'mrt der öerr das surchtbace Uebel nock;, abwende. Kometen-- MedaMen Mrrdeu geprägt, auf denen Inschriften zu lesen waren, Wie z. B.: „Der Stern droht böse Sachen! Vertraue Gott, er Wtrds wohl machen!" Oder: „Gott gib, das; dieser Siometfterit toS Besserung unseres Lebens lern." Alle Chroniken Dom frühen Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein sind Doll Don entsetzlichen Nnglücksfälleu imd greulichen Schäden, die der Kvmet -«wirkte, Komtte man sonst nichts schlimmes ausfindig machen, was gerade unter dem schrecklichen Himmelszeichen hätte passieren Wunen, so gab es doch wenigstens, wie ein Chronist von anno, 1668 berichtet, „ein groß. Sterben unter den Katzen in West- falenlaud", oder der Kvmet imrrde zum mindesten für eine Miß- «eburl verantwortlich gemacht, ftir ein Kalb mit zwei Köpfen! Vder sonst ent Monstrum, wie es aus Spanien berichtet wird, »«cn 30 schue lang und vier hoch!, dessen gestalt wie ein halber Mensch, Crvcodlt und Satyr mit Homer gewesen, mit einem Eoniet und vier Buchstäben". Nm .diesem offensichtlich am Stentenzelt ausgedrückten Zorn Gottes zu entgehen, tat man Merkt. Papst Clemens VII. erklärte z. B. einen 1532 erschienenen Kometen für einen Spuk deS Teufels und schleudert seinen Bannfluch gegen ihn. Allenthalben wurden Bußpredigten 'abgehalten und besondere Gottesdienste gegen ben Kvmeten an- Mvrduet. Ml dies jedoch waren nur vage abergläubische Vov- MRnngen, die aus der astrologischen Anschauung der Zeit genährt wurden, nach der Sternenlaus und Menschenschicksal in engster Beziehung standen. In neuerer Zeit wurden es aber dann sch-vere wissenschaftliche Befürchtungen, die große Aufregung hervorriesen. So glaubte man, daß, die Kometen, die in kvittkürlicheu Bahnen den Weltraum durchzögen, ganz leicht mit der Erde zusammeustvßen kömiten. Auch als man erkannt hatte, daß die Schw-eifsterne in festen Bahnen um die Sonne wandern, hörte doch die Sorge nicht auf. Es gibt nämlich Kometen, deren! Bahnen so gelegen sind, daß, sie die Grdbahn an einem Puntte! berühren. Zn diesen gehört der .Kantet Mela, wie er nach seinem Entdecker genannt wird. Ms seine Wiederkehr im Jahre 1831 kevorstaud, berechnete man, daß, er sich der Erdbahn bis auf rund zwei Erddurchmesser näherte, eine Strecke, die der Kvmet- fthweif weit Überstreift. Ti« Vernichtung der Erde schien be- Vorzustehen! Aber man hätte vergessen, daß, sich zwar die Bahnen stark nähern, daß die beiden Gestirne aber deshalb noch lange Kickst zu gleicher Zeit durch jenen nächsten Punkt zu wandern! brauchten. In der Tat ging denn auch her .Komet bereits am 29. Oktober 1832 durch jene Stelle, >vv man den Zusammenstoß befürchtete, und die Erde kam hier erst aut 30. November an. Mn deut Kvmeten Biela hat man mich die allmähliche Auflösung! Mrd Vernichtung eines solchen Schweissterns beobachtet. Als er 1845 wieder in das Gesichtsfeld der Astronomen trat, spaltete ex sich in zwei Teile, deren Zwischenraum 1852 schon Shg Mill. Km. betrug. In ben Jahren 1859 und 1866, wo er hätte ;n> scheinen müssen, suchte matt ihn mit Men Fernrohren der Welt vergebens. Int Jahre 1872 aber wurde seine Eistenz wieder bemerkbar und zwar in einem stttndenlangcn gewaltigen Stern- schmtppeufall, der am 27. November, gerade an dem Tage, an tem ine Erde ben der Kvmetenbahir nächsten Punkt ihrer eigenem Bahn erreichte, niederging. Tas Zusammentreffen mit den Trümmern dieses Kometen äußerte sich also in einem reichen Sternschnuppenfall, und dieses Schicksal begegnet der Erde im Jahre überhaupt ein paarmal, in jenen sternschnuppenreicheü Mächten vom 8.—12. August und vom 10.—13. November. Durfte Man so über die Gefahr eines Zusammenstoßes mit einem Ktt- tneten beruhigt sein, so zog dafür sein Schweif, wie ja auch diesmal! wieder, eine Fülle von Aengsten und Sorgen nach sich. Tie Kometenschweife haben eine ganz gewaltige Ausdehnung; die des Riesenlomots von 1843 betrug 250 Millionen Km. Länge, eine Strecke, die man daran ermessen kann, daß die Entfernung der Erde von der Sonne, die ein Eikzug in etwa 230 Jahren zurück« fegen würde, nur 149 Millionen Km', lang ist. Ter Kometeni- Mveif wird von einer ganz unvorstellbaren feinen, ganz dünnen Materie gebildet, durch die auch, die allerkleinsteu Sternchen hindurchilenchten. Man schrieb dieser Gasmaske die schlimmste Wirkungen zu. Sv ließ ein Arzt um die Mitte des' 19. Jahr- MmdertS in England alle Brunnen zudecken, damit die giftigen Rvmetengase nicht das Wasser verderben könnten. Doch hat man festgestellt, daß die Erde schon öfters-Mit Kometenschweifen zn- sammengetroffen ist; z. B. im Jahre 1861 mit dem Schweif Kes Juni-Kometen. Aber nichts anderes wurde beobachtet, als tin feines, dunstarttges Leuchtm des Himmels und ein; Aufblitzei» von Sternschnuppen. Unsere Mutter Erde war übrigens seit dem Jahre 1882, wo sich der letzte große Komet zeigte, von einr'm wirklich glänzenden und dem Auge auffälligen Schweifstern ge- imiedeu worden. Goethe in Briefen Charlotte von Steins. Die Antworten der Frau non- Stein auf Goethes glühende Bekenntnisse sind uns in ihrer Gesamtheit für immer verloren; der schönste Liebesbriefwechsel, den unsere Sprache besitzt, ist ein gewaltiger Monolog, keine heimlich-innige Zwiesprache ztveier Herzen. Wie unendlich viel tiefer würden wir in die inneren. Zusammenhänge dieses' einzigartigen Verhältnisses blicken MnneN, wenn den Worten des Mannes ein Echo aus der Seele der Fraü zurückhallte! Aber in diesem auf uns gekommeneit Dokument der wichtigsten Epoche im Leben des größten Deutschen bleibt die Geliebte stumm. Wenn heute sich um den Charakter und die Bedeutung der Frau von Stein für Goethe wieder ein Streit erhoben hat, wenn überhaupt das Bild Charlottens in der viel-; farbigen Spiegelung freundlicher und feindlicher Beurteiler hiit-- und herschwanken konnte, so trägt die Hauptschuld daran der Umstand, daß entscheidende Aeußerungen von ihr über dies höchste Erlebnis, ihrer Seele nur spärlich erhalten sind. In neuester Zeit ist jedoch auch aus ihren Briefschaften alles Wichtige veröffentlicht worden, und wenn auch der intime Einblick in ihr inneres Leben während ihrer engsten Beziehung zu Goethe uns wohl verschlossen bleiben wird, |o haben wir doch aus ihren. Familienbriefen Charlotte als treusorgeude Mutter, als vornehme, fein empfindende Freundin kennen gelernt, vernehmen auch rein den durch die, Zeit geläuterten Nachklang der großen Liebcs-- melodie, hie so jäh abbrach. Rührend ist es, wie sich nach völligem Bruch die, die sich einst am nächsten standen, aus der End' fremdung wieder zur herzlichen Freundschaft zusammensiuden!, tote die abgeschnittenen Fäden wieder zusammengesponnen werden und vor der freundlichen Sonne des abgeklärten Alters die dunklen, Schatten weichen. Diese versöhnende Entwicklung, die dem leidenschaftlichen Drama den harmonischen Abschluß gibt, leuchtet anmutig aus einer Zusammenstellung von Briefen Charlottes hervor, die Fedor von Zabeltitz in einer reichhaltigen, bei Ullstein & Co. in Berlin erschienenen, Sammlung „Briefe deutscher Frauen" gegeben hat. Mit dem tragischen Gefühl, daß sich ein Ende ihrer Liebe vorbereite, beginnen die Mitteilungen: „Die Ahnung, daß der Kreis der Lieben zerrissen und das Häuflein zerstreut wird," schreibt sie am 15. August 1788 an Frau von Schardt, „schwebt auch mir im Herzen. Goethe hat auf seinem Gewissen, den ersten Schritt dazu gemacht zu haben." Im Mai des nächsten Jahres ist sie in Frankfurt bei Goethes Mutter und die Gestalt des teuren in Italien Weilenden steht ihr besonders lebendig vor Augen in den Gesprächen, denn der Mutter ist „von ihrem Sohn zu hören ihr ganzes Leben". Sie erzählt davon ihrem Sohne Fritz, den Goethe erzogen und der auch nach dem Bruch mit ihm in Verbindung blieb, und herbe Resignation klingt aus ihren Schlußworten: „Ich bin Dir getreu mit meiner Liebe; ich möchte noch dazu setzen: „Liebs mich!" aber ich habe Piks gegen diese Art zu schließen bekommen." Die Verbindung Goethes mit Christiane, in der Charlotte eine Erniedrigung seiner edlen Natur sieht, knüpft sich an und bildet sich fort. „Tas Mitleid bemächtigt mich manchmal über ihn, daß ich weinen könnte", gesteht sie dem Sohn, indem sie von Goethe spricht. Als daun der frühere Freund sich Schiller zu nähern beginnt, freut sie sich herzlich über diese Verbindung, die Goethe mit einem auch ihr befreundeten Hause zusammen-- schließt. „Daß Goethe sich Schiller immer mehr nähert," schreibt sie an Schillers Gattin, an die „gute Lolo", „fühle ich auch, denn seitdem scheint er mich wieder ein klein wenig in der Welt zu bemerken. Es kommt mir vor, er sei einige Jahr« auf eine Südseeinsel verschlagen gewesen und fange mm an, auf den Weg wieder nach Hause zu denken." Der kleine Sohn Goethes und Christianens kommt dann als Spielkamerad des kleinen Schiller öfter in ihr Haus. „Es ist ein gutes Kind," schreibt sie, „ich schenkte ihm einige Spielereien, die ihn sehr freuten, und nach drei verschiedenen Pausen, wo er vermutlich einzeln die Gescvenke in seinem Köpfchen rekapitulierte, sagte er allemal ein recht ausgesprochenes: Ich bedanke mich. Ich kann manchmal in ihm die vornehmere Natur des Vaters und die gemeinere der Mutter unterscheiden. Einmal gab ich ihm ein neu Stück Geld, er drückte es an seinen Mund vor Freuden und küßte es, welches ich sonst am Vater auch gesehen habe. Ich gab ihm noch ein zweites dazu und da rufte er aus: All« Wetter!" Ms Goethe im Januar 1801 schwer erkrankte, bricht die alte Neigung in Charlotte wieder durch. Sie bereut nun, daß sie ihm, als er sie zu Neujahr besuckwn wollte, absagen ließ, weil sie Kopfweh hatte, sie fürchtet, ihn nun vielleicht nicht mehr wieder zu sehen und weint mit Charlotte Schiller ganze Tage zusammen: „Ich wußte nicht, daß unser ehemaliger Freund Goethe mir noch so teuer wäre, daß eine schwere Krankheit, an der er seit neun Tagen liegt, mich so innig angreifen würde", gesteht sie ihrem Sohne Fritz. Und nun beginnen sich auch wieder die. persönlichen Beziehungen anzuknüpfen, sie schreibt dem „lieben Geheimderat", sie besucht ihn und die alte Herzlichkeit bricht in den Worten durch: „Da alles, so nm mich heru!m stirbt, so wird mir's Angst für alles, was mir lieb ist, sagen Sie mir ein freundlich Wort, daß Sie leidlich sind." Als dann Goethe gesundet ist, treten sie wieder in einen näheren geistigen Verkehr; besonderes Interesse nimmt Clmrlotte an den Physikalischen Vor-- trägen, die der Dichter vor einem erlesenen Kreise hielt. Zu Weihirachten 1811 schickt sie ihm in Erinnerung an schönes Vergangeites eine kleine Aufmerksamkeit: „Mir deucht, eS wär« so ein altes Recht, daß Sie, bester Geheimerath, aus einem Wachsstock von mir zum Weihnachtsgeschenk haben; hier brennt mein Stückchen also ganz demüthig, da ich eigentlich nichts sinni- Sces zu geben weiß, das Ihrer würdig wäre, es ist doch noch mex ein Flämmchen, das auf deut Ihnen errichteten Altar 72 lodert/" So findet sich spät wieder, was früh sich sand: Charlotte verehrt wieder das liebe Bild des Seelenfreundes, das sie einst im Herzen trug, ja sie laßt sogar schliesslich der „lieben Hausfrau" für die übersandten Rübchen danken. „Tausend Gluck und Segen" wünscht sie dem „geliebten Freunde" zu Jentem letzten Geburtstag, den sie noch miterlebte, zum 28. August 1826. „wir ich die Kerben der Uora-Vöste untersuchte?' Unter diesem Titel veröffentlicht der Wirkt. Staatsrat Prof. Raehlmann in der Umschau chte genaue Schilderung seines mikroskopische!! Verfahrens, durch das er die Farben der vielgenannten Flora-Büste im Berliner Kaiser-Friedrich-Musenm nnt-'-sncht hat Es waren ihm von der Generalverwaltung der Königlichen Museeit verschiedene kleine Proben von allen Teilen der Büste zngesaudt mordens sie wurden in ähnlicher Weise aui ihre chemische Zusammensetzung hin untersucht, wie kleine Stückchen von der Oberfläche von Gemälden, aus denen sich eine genaue Farbenanalhse des Kunstwerks gewinnen läßt. An solchen Teilchen erkennt man nämlich bei einer 200 fachen Vergrößerung jede vom Maler gesondert aufgetragene Lage, da die verschiedenen Schichten sich durch ihre Farbe, durch die Dichtigkeit ihrer Substanz oder durch verschiedene. Brechbarkeit voneinander unterscheiden lassen. Da nun in der Malerei jeder Farbstoff mit einem im allgemeinen ungefärbten Bindemittel, dem Medium, zufammengebracht wird, damit das Bindemittel die Farbenkörnchen untereinander und mit den: zu bemalenden Stoff verschmelze, so muß auch die Beschaffenheit dieses Mediums und die der eingehüllten Farben untersucht werden. Diese Bestandteile lassen sich aus ein und derselben Malschicht erkennen und geben wertvolle Anhaltspunkte für die Zeit, in der das Bild entstanden ist. .Da die Bilder der früheren Zeiten in jeder Epoche eine bestimmt charakteristische Technik aufwiesen, die in den Werkstätten, Gilden und Schulen als sorgsam gehütetes Geheimnis weitergegeben wurde, so läßt sich auch in bestimmten Perioden und Schulen eine durchgehende Gleichheit des Malmediums feststellen. Dieses Medium, das zur Zeit der Renaissance in der italienischen, niederländischen und deutschen Kunst in seinem Hauptbestandteil übereinstimmend angewandt tvurde und dem die alten Bilder die Haltbarkeit und Schönheit ihrer Farben verdanken, ging erst mit dem allmählichen Verfall der alten Kunsttradition verloren. An seine Stelle traten dann verschiedene Stoffe und schließlich die Substanzen der jetzigen Oelmalerei. Betrachtet man die frische Bruchfläche eines Fragments von einem alten Bilde der Renaissance im Querschnitt unter dem Mikroskop bei 50 facher Vergrößerung, so ergibt sich ein gänzlich anderer Eindruck, als bei dem unter gleichen Bedingungen untersuchten Querschnitt eines modernen oder aus dem letzten Jahrhundert stammenden Oel- bildes. Besonders an Stellen mit blauer und roter Farbe erscheint das alte Mal-Bindemittel glänzend grauweiß in dünnen Schichten durchscheinend, während darin, überall vom Medium umgeben, dir Farbstoffteile verteilt sitzen. Bei 200 facher Vergrößerung präsentiert cs sich feinkörnig granuliert. Nun ist der Unterschied der alten und der modernen Maltcchnik ganz augenfällig. Die Farbenteilchen von Bildern aus dem 18. oder 19. Jahrhundert sind ini Sleich dicken Schichten wie die alten Farben viel weniger durch- heinend, oft ganz undurchsichtig und die beigemischten. Farbstoffteile bringen nur ganz an der Oberfläche ihre Farbe voll zur Geltung, werden sonst von dem Medium getrübt und fast vollkommen zu- gedeckt. Dementsprechend wird die Malerei der modernen Zeit immer dünner, so daß die Malschichten auf der ebenfalls sehr dünn gehaltenen Grundierung immer feinere Lagen darstellen. In der alten Knnst aber hatten auch sehr starke Malschichten! vermöge des sehr transparenten Mediums noch genügende Durch- sichtigkeit, so daß die tiefen Farben durch sie hindurch wirksam werden konnten. Neben der Farbschicht kommt dann bei all den Bildern noch die sogenannte Grundierung in Betracht, d. h. das Material, durch das die den Farbstoff enthaltende Schicht mit dem eigentlichen Träger des Bildes, der Leinwand, der Holztafel oder mit einem anderen Material, verbunden war. Diese Grundierung wurde nun, dem Material entsprechend, besonders zusammengesetzt. Bei der Flora-Büste war sie also der Wachsunterlage angepaßt worden. Es handelt sich jedoch bei ihr nicht um eigentliche Wachsinalerei, d. h. um ein Aufträgen des Farbstoffes in das Wachs hinein, sondern es zeigte sich eine selbständige Malschicht, bei der die Farbe in ein besonderes Medinin eingebettet >var und auf dem Wachs auflag. Die Farbe ließ sich ohne Schwierigkeit von dem Wachs trennen und es ergab sich auch an den blauen Gewandtcilen der Flora-Büste das Vorhandensein eines Mediums, welches sich dem in der alten Kunst verwendeten durchscheinenden Bindemittel überaus ähnlich erwies. Auch die Technik, Ivie die Farben übereinandergelegt find, entspricht dem Malverfahren der Renaissancczeit. Bei'der Untersuchung des Brauns im Haar der Flora wurde schon bei Anwendung schwacher Vergrößerung ein organischer Farbstoff entdeckt, der der Gattung der Flechten (Roccella) angehört. Diesem braunen Farbstoff der Roccella-Flechte war ein toter, durchsichtiger Farbstoff, wahrscheinlich Krapp, beigemischt. Sowohl das Braun der Ron -.la, die an den Küsten des Mittelmeers in Korsika und i auf den Kanarischen Inseln wuchs, als auch der in größeren! ] groben Brocken verwendete Krapp wurden in dieser Form nur > in der alten Malerei in Anwendung gebracht. Tas Roccella- Braun benutzte man später fast, nur zur Zeugfärberei, der Krapp i wird in der späteren Kunst sein gemahlen oder int Medium gelöst gebraucht. Die von den verschiedensten Stellen der Büstcn- öberfläche stamnieudcn Teilchen zeigten vielfach die Spuren einer gewaltsamen Entfernung der Farbe durch Abkratzen, Waschen usw.; au anderen Stellen waren nur noch Reste der alten Farbschichtcn vorhanden, oder das Wachs lag ganz frei; wieder andere Stellen zeigten die nnzwcifelhaften Zeichen einer späteren Ucbermalung. Die Bemalung der Flora-Büste weist also, besonders im Blau des Gewandes, eine Technik auf, die der altitalietnschen Temperalmalcrei im 15. und 16. Jahundert und der gleichzcittgen deutschcil und niederländischen Kunst eigen ist: in ihr sind Materialien und ein Medium verwendet, wie sie in den letzten V/a Jahrhunderten kaum noch benutzt luorben sind, ________ IK’rinätehfcs. * Die Riesenkraft eines Tobsüchtigen führte kürz- lich in dem Gefängnis Trenton-Gaol, New Jersey, zu einem aufregenden Auftritt. Der zum Tode verurteilte Mörder Giovanni Mayoni wurde plötzlich tobsüchtig und gab ein fast wunderbares Beispiel riesiger Kraft. Er zerschmetterte zunächst in seiner .belle alle Gegenstände, auch die eiserne Bettstelle, und riß dann die mächtigen schweren Eisenbarren der Türvergitterung aus den Angeln. Aus der Wand zerrte er ein langes, fast ent Zoll dickes Bleistück, das er mit den Händen so leicht uinbog, als handelt« es sich um eine Weidenrute, und mit dieser Waffe in der Hand bahnte er sich den Weg auf den Flur. Während dieses Ausbruches blinder Wut schrie Mayoni, der eilt sehr kräftiger Mann ist, wie eilt vom Teufel Besessener; die Wärter waren so überrascht! und verblüft, daß sie sich in respektvoller Entfernung von dem Wahnsinnigen hielten und ziemlich fassungslos berieten, was mail tun könne. Der Gesängnisgeistliche, der herbeieilte, tun den Wütenden zu beruhigen, wurde von Mayoni so heftig angefahren und bedroht, daß der Pater entsetzt und laut um Hilfe rufend davonlief. Inzwischen hatte der Tobsüchtige die Gitterbarren teile ausgerifsen, teils so weit verbogen, daß er seine Zelle verlassen tonnte. Er schien gesonnen, alle Mörder, die in beit Nachbarzellen eingesperrt waren, zu befreien. Aber inzwischen hatten die verblüfften Wärter endlich ihre Fassung wtedergs- wonnen. Sie alle taten sich zu einem Angriff auf den tobenbeit Riesen zusammen. Während von der oberen Galerie des Ganges aus einer der Beamten einen mächtigen Strahl eiskalten Wagers in das Gesicht Mayonis richtete, griffen ihn je la Wärter von vorne und im Rücken an, warfen den Widerstrebenden zu Boden und fesselten ihn trotz aller Gegenlvehr utid der fürchterlichsten^ Drohungen. Tie Gefängnisdirektion kennt teilten ähnlichen Fall von beispielloser Körperkraft; die dicken Eiseitbarren, die sonst gewöhnlich für schwere Verbrecher angewandt werden, sind Halo so dick, wie die Vergitterung der Zelle Mayonis. Man nimmt an, daß der Wahnsimisanfall eine anormale Steigerung der Muskelkraft bewirkt haben müsse. * Zeitgemäße Vorbereitung. Jugendlicher Taugenichts : „So, ehe ich an den Einbruch gehe, stecke ich mir noch einen Schundroman in die Tasche; werde ich ertappt, so ist der an allem schuld!" * Die poetische Rosina: „Wie der wette Ozcan sich in seinem Schlummer wälzt und stöhnt!" — Der prosaisch« Peter: „Ich glaube, Sic würden es nicht anders machen, wenn Ihr Bett voller Kiesel wäre." Rätsel. Maas .... Zu jede>>t der nebenftebenben Loire .... Flüsse ist anstelle der Pnnkle der Main .... Name einer Stadt zu setzen, die an dem betreffenden Flusse liegt. Eaale .... $te Ansangsbnchstaben der ge- Weichfel .... funbeiten Städicnameit sollen, der Oder .... Reihe nach gelesen, den Titel Donau .... einer Oper ergeben. Rhein .... Auflösung in ttächster Nummer, Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer: SSE a t d r c i Sardinien Stei n b o c k Edinburgh i o r e c g h k h Redaktion: K, Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universttäts-Buch- und Steindruckerci, R. Lange, Gießen.