A7V •» o Donnerstag den 30. September f <♦ ®&h YMM WM W W MM WM UI lESA (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Rheinlandstöchter Roman von Clarg Kiebig. Ferdinand von Ramer stand seit wenigen Wochen tn der Garnison Koblenz. Mit osfenen Armen hatte ihn sein alter Kamerad Xylander empfangen. Bald nach der Katastrophe hatte ihm dieser einen wahrhaft freundschaftlichen Brief geschrieben, Ramer hatte sich nicht entschließen können, zu antworten; diese Versäumnis tat der Herzlichkeit des Wiedersehens keinen Abbruch. „Willkommen, alter Junge!" hätte der Hauptmann ge- K. „Siehst du, hier ist meine Frau,, hier sind meine Kinder, m zu üns, so oft du magst! Und nun, lieber Freund, mußt du wieder heraus in die Welt; es geht nicht anders!" Paul Xylander konnte trefflich Zureden mit seiner angenehmen Stimme; es war noch gerade wie früher, der Jüngere mochte und konnte sich den ruhigen herzlichen Worten nicht verschließen. Keine sechs Wochen waren verstrichen und Leutnant von Ramer besuchte den Kasinoball. Schwer war es ihm angekommen, er tat's dem Freund zuliebe; aber ein Gefühl grenzenloser Vereinsamung überkam ihn inmitten des Trubels. Da war keins unter diesen lachenden kokettierenden Geschöpfen, das ihn hätte erheitern können; sie waren auch gar nicht begierig darnach. Leutnant von Rainer — Ramer — puh! Nur das Mädchen, mit den klaren Augen und der freimütigen Sprache nötigte ihm einiges Interesse ab. Diese Nelda Dallmer! Bei jedem Tanz holte er sie zu einer Extratour, er klammerte sich in 'seiner Vereinsamung an sie wie ein Ertrinkender an den Strohhalm; als es zu Tisch ging, war sie seine Dame. Frau Rätin Dallmer war nicht zufrieden mit dem erklärten Herrn ihrer Tochter, sie imnkte sie heimlich beiseite. „Nelda," flüsterte sie, „du! Laß den Menschen etwas abfallen! Ist ja gar keine Partie — ich bitte drch, und dann dieser Name! Alle sprechen sie schon darüber, finde es direkt unverschämt, sich mit dem Namen m die Gesellschaft zu drängen. Alle sagen —" _ , , . „Wer sagt?" unterbrach Neü>a laut und hart, eine glühende Blutwelle schoß ihr ins Gesicht. „Deine Frau Zünglein Und Konsorten!" „Pst, pst, Nelda, nicht so läut — um Gotteswillen!" Ohne weiteres Wort, mit einew Zucken der Schultern, wandte sich das Mädchen ab und schritt quer über den Saal auf Leutnant von Ramer zu, der mit untergeschlagenen Armen sinster dastand. Sie legte ihm die Hand auf den ^lernte!: „Bitte, wollen wir jetzt zu Disch gehen?" Dabei lächelte sie ihn freundlich an. . ,,, . Frau Dallmer war außer sich; sie gebärdete sich wre die . Henne, die Enteneier ausgebrütet hat Und der nun die Brut auf dem Wasser schwimmt, anstatt sich unter die schützenden Flügel zu ducken. Sie rannte unruhig hin und her, ihr armes kleines Gesicht trug einen verängsteten Ausdruck, der schlecht zu dem Seidenfähnchen, der Spitzenhaube, dem Lichtglanz und der Musik paßte. „Beste," raunte ihr die Oberkonsistorialrätln zu, „leiden Sie es doch nicht, daß Ihre Nelda sich so ausschließlich dem einen Herrn widmet. Das fällt auf!" „Mama!" Milchen kam gelaufen und schmiegte mit zarter Kindlichkeit ihr Finnengesicht an'ine stattliche Wange der Mutter. „Denke, wie entzückend! Herr Emil Boven- hagen hat mich zum Souper engagiert!" Sie kicherte verschämt in sich hinein. „Ah — ah!" , . , Die Stimme der Oberkonsistorialrälin erstarb ttt eitel Wonne; der armen Dallmer gab es einen Stich durchs Herz. Bovenhagen war der reichste Hüttenwerkbesitzer im Lahntal — diese Partie! Und den sollte Milchen mit dem Finnengesicht ergattern und ihre Nelda leer ausgehen?! Wie gern hätte die kleine Rätin geweint, aber das durfte sie doch nicht; sie rappelte sich auf und zwang sich zu einem Lächeln. ~, Es ging schon auf Mitternacht. Das Scharren und Stühlerücken hatte endlich aufgehört, man saß gemütlich beim Souper. Der Wein löste den Herren die Zungen, die jungen Damen hatten glänzende Augen; Neckereien und Komplimente flogen über den Tisch. Was bei nüchternem Tageslicht eine fade Bemerkung, hier wurde es zum Witz. Ballsaalbeleuchtung, Ballsaalatmosphäre! Die schöne Anselma von Koch hatte einen! ganzen Hofstaat um sich; sie verteilte jetzt die Blitze ihrer großen Augen gerechter, ihr Landrat hatte plötzlich eine Schwenkung nach rechts gemacht, wo die allerliebste kleine Röhling saß. Fräulein Anselma maß beide, den sicher Geglaubten tote die teure Freundin, mit spöttischem Lächeln. „Metall zieht Metall an," lächelte sie boshaft und senkte die langen Wimpern ihrer strahlenden Augen sanft auf die Wange. „Göttlich! Famos!" Die Leutnants erstickten fast vor Lachen und i-iaßen doch den Zivilisten mit neidischen Blicken; erst die anerkannteste Schönheit toeggeschnappt, und nun auch den kleinen Goldfi ch gekapert! Die Herren vom zweierlei Tuch waren nicht dumm, sie wußten sich ganz gut die plötzliche Liebenswürdigkeit der schönen Koch zu erklären. Das war ein Courmachen, Gelachter, Glaserllmgen, Schwadronieren sondergleichen! Nelda Dallmer und ihr Herr hatten lange keinen Platz gefunden; überall hockten die Cliquen beisammen oder die Plätze waren für gute Freunde belegt. Ramer hatte gar keine Art, sich Geltung zu verschaffen, mit einer stummen Verbeugung trat er jedesmal zurück. Nelda blickte starb vor sich hin; vor ihren Augen schwamm em zormgev Rot, sie sah nichts, sie fühlte nur eine glühende Empörung in sich aufwallen. Trotzig kehrte sie sich ab, da - es zupft« sie jemand, eine freundliche Stimme faate beiter: „Nelda 610 — bu — wollt ihr nicht hier Platz nehmen? Hier sind gerade noch zwei Stühle!" Wie einen warmen Hauch fühlte Nelda die freundliche Stimme; sie sah sich um — richtig — da waren noch zwei Stühle! „Wie freue ich mich," sagte Agnes Röder herzlich, „erlaube, daß ich dir meinen Bräutigam vorstelle! Ah, richtig, ihr kennt euch ja wohl schon, das ist schön! Nicht wahr, Carlo, ich habe dir schon oft aus der Schule von Nelda Dallmer erzählt? Sie war immer so drollig!" Der Bräutigam in der tadellosen Gardeuniform verbeugte sich artig: „Ah, sehr erfreut, gnädiges Fräulein, außerordentlich erfreut! Heute so voll hier, daß man gar nicht alle Bekannten findet. Darf ich bitten, Platz zu nehmen — gestatten!" Herr von Osten hatte Manieren; da der andere gar keilte Anstalten traf, sich vorzustellen, mußte er doch — eigentlich lächerlich, er, Garde! — dem von der Linie! „Von Osten." „Bon Ramer," murmelte der andere. Man setzte sich; die beiden Mädchen nebeneinander, die Herren zu den Seiten. „Weißt du," plauderte die kleine Braut, „der xcine Zufall, daß hier noch Platz war! Wir hatten uns mit der Cousine von Carlo und deren Mann verabredet, nun weiß ich nicht, wo sie geblieben sind. Ich freue mich viel mehr, daß du hier sitzest," flüsterte jie. „Es ist dir doch recht, wenn wir uns noch „du" nennen?" „Ja!" Nelda blickte verm. auf das zarte Geschöpfchen an ihrer Seite. War das die Agnes Röder von früher? Merk- würdig, ivie die sich verändert hatte! Ob das die Liebe machte? _ Nelda hatte die einstmalige Schulgenossin lange nicht gesehen. Zwei Jahre war Agnes in einer hochfeinen Pension Brüssels gewesen, kaum zurückgekehrt und eben in der Gesellschaft aufgetaucht, verlobte sie sich. Das ging Schlag auf Schlag; man sprach sogar von anderen Bewerbern, die schon abgewiesen worden wären. RöderS waren dann verreist, erst mit dem Brautpaar in die Riviera, zuletzt mit der Töchter allein nach Paris, um den „Trousseau" anzu- schaffen; ganz Koblenz sprach von der Pracht. Agnes Röder war immer hübsch gewesen, aber hübsch wie die süßen Fräü- chen auf Broschen und Dosen in den Schaufenstern, so ein sanftes Madonnengesichtchen mit nichtssagendem Lächeln und ewiger Freundlichkeit, das Ideal aller Welt. „Agnes Mderii 'engelhaft — höchste Weiblichkeit" — wie oft waren diese Worte an Neldas Ohr vorübergeglitten. „Schaf" hatte sie kurz und bündig das Weiblichkeitsideal tituliert. Eine tiefe Röte stieg ihr in die Wangen, ihr ehrliches Herz schämte sich der spottenden Bemerkungen über das „kleine Schaf im goldenen Stall". Es war Wärme in ihrem Ton, als sie, der neben ihr Sitzenden das Gesicht voll zuwendend, sagte: „Nett von dir, Agnes, daß du dich meiner freundlich erinnerst! Ich habe es eigentlich nicht um dich verdient." „Ach was — laß doch die kleinen Neckereien! Ich weiß wohl, du hast dich immer ein bißchen über mich lustig gemacht, aber das tut nichts. Ich habe dich immer lieber leiden mögen, als all' die andern in der Schule; ich hätte gern nut dir verkehrt, aber ich dachte, du möchtest nicht. Aber nun besuchst du mich mal, nicht wahr?" Sie drückte Nelda die Hand. „Jetzt in deinem Glück wirst du keine Zeit haben, du heiratest ja bald." „O, nein, nein, ich habe Zeit; du mußt kommen! Nicht wahr, Carlo," wandte sie sich eifrig an ihren Bräutigam, „es wäre reizend, wenn Nelda uns besuchte?" „Natürlich! Außerordentlich erfreut, sehr angenehm, großer Vorzug!" „Siehst du, wie er sich freut!" Und sich näher zu Nelda beugend, flüsterte Agnes Röder: „Ist er nicht schön? Und .so gut und klug und liebenswürdig!" Ein zärtliches Lächeln verklarte rhr reizendes Gesicht. „Ich bin zu glücklich'" Sie schob ihren Arm in den der andern und drückte diesen leise. „Weil ich glücklich bin, möchte ich auch alle Welt glücklich machen, ich bin so voll von Liebe. Magst du mich denn ein bißchen leiden, ja?" ' < Ihre schönen braunen Augen suchten mit schüchterner Bitte Neldas Blick; in einer plötzlichen Aufwallung beugte diese den Köpf und drückte einen raschen Kuß auf die rosige Wange der kleinen Braut. Ramer hatte stumm gesessen, jetzt wandte sich Nelda ihm zu, und seine Züge belebten sich. Es sprach sich gut mit Fräulein Dallmer. Ihre Augen sahen ihn verständnisinnig an, sie zogen ihm förmlich die Worte von den Lippen. Er sagte mehr, als er sagen wollte. Was er noch nie getan, er berührte sein Unglück, wenn auch nur flüchtig, wie etwas als bekannt Vorausgesetztes; aber man hörte seinem Ton die Erregung, au. Es war ihm ordeutlich Bedürfnis, einmal aus sich heraus zu gehen und dabei das Kommen und Gehen der Farbe auf dem Mädchengesicht zu beobachten, dem teilnahmsvollen Klang ihrer Stimme zu lauschen. Ein seltsames Gespräch für einen Ballsaal! Ruud umher strahlende Gesichter — Blicke, die wie zugespitzte Pfeile fliegen — Lachen, Kokettieren ohu' Ende — dazwischen die zwei, scheinbar ganz abgeschieden von der Fröhlichkeit. Und doch war Nelda froh. Als das Brautpaar mit ihr anstieß, lachte sie: „Auf Ihr Glück — auf dein Glück, Agnes! Prosit!" „Auf dein Glück!" erwiderte die Braut. „Kommen Sie, Herr von Ramer, darauf stoßen wir auch einmal an!" Nelda rief es übermütig und hob rasch ihr Glas an das seine. Ihre Blicke begegneten sich — ein heftiger Ruck — kling klang — zerbrochen — der dünne Stiel durchgeknickt. Aus dem Tisch lagen Scherben und der Wein floß über das weiße Tuch. Wie pnangenehm! Gut, daß Frau Rätin im Nebensaal speiste. Die Tafel wurde aufgehoben, man schwärmte zum Ko- tillon aus. Nelda Dallmer und Leutnant von Ramer tanzten auch den zusammen.--— So ging das herrliche Fest zu Ende. In der Garderobe dasselbe Bild wie zu Anfang — rauschende Mütter, wispernde Töchter, segelnde Fregatten, geschwellt vont Gefühl des Triumphs. Aber das Gespräch der Mütter nicht mehr so flüssig. Bleischwer senkte sich die Abspannung. Die Haare der Töchter nicht mehr so lieblich geordnet; mit gelöstem Lockengekräusel, verschwitzten glühenden Gesichtern^ zerdrückten Kleidern glichen sie Mänaden. (Fortsetzung folgt.) kriminelle Hypnose. Von Zeit zu Zeit wird die Oeffentlichkeit durch BerbrechÄ oder abnorme Handlungen alarmiert, die von den betreffenden Individuen, als Ausfluß hypnotischer Zustände bezeichnet oder zu solchen in Beziehung gebracht werden. So wurde vor wenigen Monaten ein Fall berichtet, der sich in den Vereinigten Staaten zugetragen hatte. Ein durch seine Frömmigkeit und Milde bekannter Reverend schoß vor dem Altäre einen Mann' nieder unter der Anschuldigung, daß ihn dieser jahrelang in eurem hypnotischen Zwange hielte und ihn Dinge wider seinen Willen zu unternehmen veranlaßte. Ilm diesem fürchterlichen Druck zu entgehen, fei ihni kein anderer Ausweg übrig geblieben als sich seines Peinigers auf diese Weise zu entledigen. Hier lag kein hypnotischer Instand vor, sondern ein Beeinfluss s u n g s w a h n._ Der Reverend konnte sich seine Handlungen nicht ein «reit und schob das Motiv zu ihnen auf einen anderen! Menschen ab. Derartige wahnhafte Vorstellungen sind bei Geisteskranken recht häufig. Ebendorthin gehört auch die tragikomische Geschichte, welche kürzlich an den belgischen Gerichten zum Austrag gebracht wurde. Es handelte sich um ein junges Mädchen, jsst, einen Musiker verliebt war und ihn jahraus, jahrein atif Schritt und Tritt mit ihren Anträgen belästigte. Sowie der Musiker seinen Wohnort wechselte, und er tat dies notgedrungen, olgte ihm das Mädchen. Es behauptete gleichfalls, unter hypnotischem Zwange, der von dem Manne ausginge, zu handeln, -vcan versuchte eine eigenartige_ „Gegenhypnose", man verprü- gette den jünger der heiligen Cäcilie, aber auch dies war vergeblich. ^.e Beispiele des Liebeszaubers aus dem „nttelalter. Auch hier fühlten sich die Menschen von einer Person >es anderen Geschlechtes so unüberwindlich angezogen, daß sie! ich an ihre Sohlen hefteten. Anklagen wegen Zauberei waren ®n'3 ®nbe für den verfolgten Liebhaber wider Willem bekannt, das; in den siebziger Jahren des 19. Jahr- "?skchem schon un Beginn dieses Säkulums JohanN SP?,r .bjk Lehre des tierischen Magnetismus begründet hatte, rcL^ £te Mißkredit gekommene Lehre wieder auf- /?1C Pariser Schule unter C h a r c o t und die ®1 e 6 n n 11 wetteiferten miteinander, die Theorie cc"’ Hypnotismus und der Suggestion wissenschaftlich zu begründen 611 «nb sowohl für Heilzwecke als auch für experimentell-psychologische Untersuchungen nutzbar zu machen. Seitdem ist Frankreich der Mittelpunkt für die Erforschung dieser eigenartigen psychischen Vorgänge geblieben. Tie Wirkung einer Hypnose oder einer Suggestion (eines Einredcns) ist die, daß ein Mensch von einem anderen beeinflußt wird, Handlungen zu begehen oder Sinnes- eindrücke wahrznnehmen, ohne daß von der Außenwelt die Sinnesorgane gereizt sind. Es sind dies also Sinnestäuschungen (Halln- zinationen). Sie können im allgemeinen nur bei cingeschläferten Individuen ansgclöst werden (daher der Name Hypnose von Hypnos gleich der Schlaf). Suggestionen können aber auch in wachem Zustande gegeben werden. Nun wirkt jeder Befehl suggestiv, aber niau hat sich daran gewöhnt, unter Snggestivhand- lnngen im engeren Sinne solche zu bezeichnen, die ohne oder gegen den Willen des handelnden Individuums begangen werden, und zwar so, daß der freie Wille, die Handlung zu unterlassen, ausgeschaltet ist, daß aber weiter, die handelnde Person sich nicht bewußt ist, unter dem Befehle eines anderen zu stehen. Es ist nun möglich, Suggestivhandlungen im Wachen mit hypnotischen Zuständen in eigentümlicher Weise zu verbinden. Ein Mensch wird hypnotisiert und erhält in diesem Schlafzustand den Befehl, eine Tat auszuführen, aber nicht sofort, sondern erst nach dem Erwachen. Ties sind die sogenannten po st hypnotisch en Suggestionen. Diese brauchen aber durchaus nicht sofort nach dein Erwachen wirksam zu werden, sondern eine beliebig lange Zeit später. An das Bekanntwerdcn dieser Phänomene knüpfte sich alsbald die Befürchtung, daß die Kenntnis und Ausübung dieser Kräfte Veranlassung und Ansporn zu scheußlichen und gefährlichen Verbrechen geben würde. Der eigentliche Verbrecher blieb dann im Hintergrund, er richtete unschuldige Menschen zu Helfershelfern seiner Taten, ohne ihr Wissen ab, indem er sic einschläferte und ihnen posthypnotische Suggestionen für irgend ein Verbrechen gab, dessen Früchte er für sich in Sicherheit zu bringen verstand. Die Furcht vor diesen Ereignissen wuchs um so mehr als die hypnotischen Erscheinungen den Nymbus des Uebernatürlichcn verloren und es bekannt wurde, daß keine außerordentlichen seelischen oder körperlichen Kräfte zur Erlernung der Technik nötig seien. Man verlangte laut nach gesetzgeberischen Maßnahmen, die das Hypnotisieren unter Strafe gestellt oder doch nur den Äerzten Vorbehalten wissen wollte. Aber es zeigte sich, wie tvir sehen werden, daß nichts derartiges notwendig wurde, außer daß etwa die Regierungen die Schanstellungen hypnotisierter Personen und öffentliche Experimente untersagten. Was verbrecherische Handlungen a n hypnotisierten Menschen anbetrifft, so fallen sie unter den Paragraphen, der geisteskranke und bewußtlose Personen unter Schutz stellt und den Täter mit Zuchthaus bestraft. Außerdem lag für den Gesetzgeber kein Material vor. Da kam im Jahre 1895 der aufsehenerregende Prozeß gegen den Heilmagnetiseur Cz., j)er in München vor dem Schwurgericht zur Verhandlung gelangte. Eine adelige, sehr vermögende Dame in reiferen Jahren tvandte sich an den Angeklagten, der in Dresden sein Gewerbe ausübte, wegen rheumatischer Schmerzen behufs magnetischer Behandlung. Aber Cz., ein interessant aussehender Pole, tat mehr, als von ihm verlangt war. Die Baronin gewann ihn lieb, sie zögerte nicht, als er um ihre Hand anhielt, ihr Jawort zu geben. Sie lieh ihm größere (summen Geldes, und Cz. hatte alle Aussicht, über das gesamte Vermögen seiner künftigen Gattin Verfügung zu bekommen. In München sollte die Trauung stattfinden. Aber was dort vor sich ging, war nur eine Scheintrauung. Cz. war bereits verheiratet und scheute offenbar das Delikt der Bigamie, oder er fürchtete die Eifersucht seiner Frau. Er bestellte einen Freund, der sich als katholischer Priester markierte und in einem Hotel Münchens die Zeremonie vornahm. Doch die Verwandten der Braut hatten von der Absicht der Eheschließung Wind bekommen und wollten diese um jeden Preis hintanhalten. In München angekommen, gelang es ihnen, festzustellen, daß es sich um ein Schwindelmanöver gehandelt habe. Der Staatsanwalt schritt ein. In dem Prozeß wurde festgestellt, daß der Magnetiseur seine Klientin hypnotisiert habe. Durch fortgesetzte Hypnosen bekam er sie so in seine Gewalt, daß es ihm gelang, sie zu verführen, und daß sogar eine starke Neigung in ihr zu ihrem Arzte erwuchs. Die Zuneigung dauerte übrigens noch an, als sie über den wahren Sachverhalt schon aufgeklärt war und der Pseudoehemann im Gefängnis saß. Die Anklage lautete auf Betrug, Urkundenfälschung und Mißbrauch einer Bewußtlosen. Trotz des übereinstimmenden Gutachtens der Sachverständigen, die erklärten, daß die Verführte einem hypnotischen Zwange unterlegen sei, schlossen sich die Geschworenen dieser Ansicht nicht an, aber der Gerichtshof bedachte den Angeklagten wegen der anderen ihm zur Last! gelegten Delikte mit einer für die ganze Tat ausreichenden mehrjährigen Strafe. Das Interessante an dem Falle war das, was schon oben erwähnt wurde, daß die Baronin noch bis zur Gerichtsverhandlung trotz tadelloser moralischer Vergangenheit und ausgeprägtem ethischem Pflichtbewußtsein sich dem Banne des Mannes noch Nicht zu entziehen vermocht hatte. Sic kannte zwar das Vergehen des Angeklagten und mißbilligte cs, allein das Liebesgefühl bestand in seiner ganzen Intensität weiter. Es ist hier sicherlich mehr und anderes wirksam geworden als bypnotischer Zwang. Schwächere Individuen geraten in die Gewalt eines stärkeren auch ohne Hypnose in technischem Sinne. Der Vorgang ist gewiß suggestiver Art. Nicht umsonst reden wir von den „E i n f l ü s s c n d e r L i e b'e". Daß sie hier stärker, dort schwächer haftet, beruht auf der Verschiedenheit der individuellen Disposition. Hynotische Prozeduren sind nur imstande, schlafende Triebe zu erwecken, ihre Hemmungen, wenn sie nicht 8ii stark sind, zu beseitigen, gleichsam die in uns auf- gespeicherteu Energien in lebendige Kräfte nmznsetzcn. Schon aus diesem Grunde konnte die Verbrecherlvelt die neuentdeckten Phänomeiie nicht in dem gefürchteten großen Stile für sich ausnutzen. Nur ganz wenig Fälle sind bekannt geworden: der berühmteste ist der der G a b r i e l l e B o m p a r d in Paris, die, unter dem Einflüsse ihres Geliebten Eyrand stehend, einen Mann ermordete. Mit posthypnotischen Suggestionen zu arbeiten ist deshalb so unsicher, weil der Erzeuger derselben sofort in einer zweiten Hypnose, die den verlorenen Faden der ersten wieder aufnimmt, ohne Schwierigkeiten zu ermitteln ist. Im allgemeinen besteht im Wachzustand keine Erinnerung an die Vorgänge während der Hypnose (posthypnotische Amnesie), sofern dem Hypnotisierten befohlen worden ist, diese zu vergessen. Tie Gedanken und Vorstellungen im hypnotischen Trance sind für sich so abgeschlossen und bilden bisweilen eine ganze: „Persönlichkeit" für sich, sie sind vom Wachbewußtsein dissoziiert. Doch die Verbindungen sind nicht gestört, sondern gewissermaßen nur stromlos geworden. Durch irgend welche Bedingungen, durch gangbare Nebenleitungen können sie wieder in Funktion treten. Die Vorstellungsinhalte aus der Hypnose stehen ,dann wieder in assoziativer Verbindung mit dem Wachbewußtsein, d. h. der wache Mensch erinnert sich an die Vorgänge während der Hypnose. Daraus wird klar, daß niemand von vornherein wissen kamt. Wie lange bei einem Beeinflußten die posthypnotische Amnesie Bestand haben wird, plötzlich ober allmählich tauchen die Er- innerungen an das Geschehene wieder auf, und der passive Täter würde auf den wahren Urheber des Verbrechens Hinweisen. Freilich ist oft genug von Angeklagten in Kenntnis der hypnotischen' Tatsachen zu ihrer Verteidigung behauptet worden, daß sie im Zwange einer posthypnotischen Suggestion gehandelt hätten. Doch iminer hat sich nachweisen lassen, baff dies nur Ausreden waren. Nicht alle Menschen lassen sich hypnotisieren und von denj dazu brauchbaren nicht alle gleichmäßig. Die großen Jebenbenl Hypnotiseure wie Forel, Vogt, Wetter st rand behaupten zwar, daß cs bei 95 Proz. aller Menschen ihnen möglich sei. Damit sind aber die ganz leichten hypotaktischen Zustände gemeint, in denen die Individuen in flachem, leicht zu erweckendem Schlafe liegen. In diesem Stadium sind die Schlafenden jnur leichten therapeutischen Maßnahmen zugängig. Man kann so Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Angstzustände beseitigen. Ten zweiten Zustand bezeichnet man als kataleptischcn. Er ist dem Publikum von den Schaustellungen der Wanderhypnotiseure bekannt. Die Glieder tonnen in eine abnorme Starre oersetzjt werden. Ter Körper braucht nur an seinen äußersten Enden! unterstützt zu werden, nm schwere Lasten zu tragen. Auch Halluzinationen zu erzeugen gelingt. Rohe Kartoffeln werden auf Befehl für Aepfel angesehen und mit großem Appetit verzehrt. Zu diesen Prozeduren aber eignen sich fttur ca. 40 Proz. An das' dritte tiefste Stadium des Trance, in dem man die erwähnten! posthypnotischen Befehle mit Amnesien gibt, gelangen nur 15 Proz. Unter diesen also müßten die Verbrecher ihre Opfer! wählen. Doch diese Zahl schmilzt für verbrecherische Vornahmen auf nichts zusammen. Man kann die int Traume befindlichen! zu allem möglichen veranlassen, aber nicht zu allem. Interessante Experimente haben das erwiesen. Delboeus in Lüttich hypnotisierte ein Dienstmädchen und suggerierte ihr die Anwesenheit eines Mannes; er suggerierte ihr, daß dieser Mann ihr Feind sei und sie angreifen wolle. Auch diese Suggestion nahm sie an. Als man ihr aber einen Revolver in die Hand gab und sie anf- forderte, auf bett Mann anzudrücken, weigerte sie sich beständig und war durch nichts zu der Tat zu bewegen. Ein Arzt hypnotisierte eine Patientin, die sich sonst von ihm willig und ohne eine Spur von Schamgefühl zu Heilzwecken untersuchen ließ. Als er die tief Hypnotisierte aufforderte, auch nur die Bluse zu össnen, lehnte sic ab. In .diesen lehrreichen Fällen handelt ps sich um Eingebungen unsympathischer und unmoralischer Natur, gegen die sich das Individuum kraft der ihm innewohnenden, durch Vererbung und Erziehung gesetzten Gegenvorstellungen mit Erfolg wehrte. Normale Menschen stehen zu stark unter dem Druck der Hemmungen, als daß diese sich 'auf einen einzigen! Stoß hin erschüttern ließen. Sic nehmen nur das an, was ihnen bewußt oder unbewußt genehm ist. So wirken Suggestionen zu Heilzwecken, die dem Patienten sympathisch sind und durch die eigens Tendenz, gesund zu werden, verstärkt werden. Nur dort, wo die urteilende Geistesfähigkeit oder der Wille zu schwach ist, gelingt cs, Abhängigkeitsverhältnisse zu schaffen, die den schwä- cheren an den stärkeren fesseln, und ihm fremde Wahrnehmungen und Wünsche als die seinen anszudrängcn. Um eine solche Gewalt 8ii erlangen, ist und wird niemals die Kenntnis und Anwendung hypnotischer Prozeduren nötig. Gewiß spielen hierbei suggestive Vorgänge eine Rolle. Aber unser ganzes Handeln und Fühlen, unsere Erziehung steht unter solchen Einflüssen. Ter geschickte Hypnotiseur, der mit Menschenkenntnis eine gewisse Zähigkeit int Verfolgen selbstsüchtiger Zwecke verbindet, wäre für die Gesellschaft eine außerordentlich; gefährliche Individualität, wenn — 612 sie nicht hypothetisch würde durch die Unsumme von Zufälligkeiten, ohne deren Zusammenwirken ein gewünschter Erfolg ausgeschlossen ift. W K vnch hier gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Dr. van Troy. Vermisehtes. * Was Polarexpeditionen k o st en. Für die Süd- polarcxpedition, die gegenwärtig in England organisiert wird, sind 800 000 Mark als mindestens erforderlich bezeichnet worden. Das ist eine verhältnismäßig geringe Summe, wenn'man bedenkt, daß sie aus etiva 50 Mitgliedern bestehen soll. Als.Sir John Roß vo>r der Regierung nicht die Mittel zu seiner zweiten arktischen Reise erhalten konnte, schenkte ihm der Whiskybrenner! Felix Booth 400 000 Mark, und zum Danke nannte Roß ein nenentdecktes Land Boothia Felix. Die deutschen Koldewey-Ex- peditionen kosteten zusammen rund 101000 Taler, der Bremer Rheder Rosenthal rüstete 1869—1871 drei Expeditionen aus, die ihm, die Hergabe der Dampfer abgerechnet, 31000 Taler Kosten verrirsachten. Payers Polarfahrten (1870/71) kosteten dagegen nur 8000 Taler, es handelte sich aber nur um kurze Expeditionen. Spätere Reisende machten es nicht so billig, für die v. Dollfche Expedition 1900 gab die russische Regierung 240 000 Rubel her. Die deutsche Tiefsee-Expedition der Baldivia war vom Reichstage mit 300 000 Mark ermöglicht worden. Biel teuerer im Verhältnis als Polarexpeditionen sind Entdeckungsreisen in Afrika. * Wildenbruch-Reliquien. Wildenbruchs warmherzige Anteilnahme an allem Lebendigen und Gegenwärtigen Machte ihn auch früh zu einem begeisterten Verehrer der beiden großen Schweizer Dichter Keller nnt> Meyer. Aus des Dichters Nachlaß werden im neuesten Hefte der Deutschen Rundschau einige Briefe der beiden Meister an ihn veröffentlicht, die auf sein Verhältnis zu beiden helles Licht werfen. Wildeubruch hatte seine beiden frühesten Dichtungen, die Schlachtepen „Bionville" und „Sedan", mit einem schönen Gedicht an Gottfried Keller geschickt, in dem er die „Leute von Seldwyla" feierte und besonders den kriegerisch stolzen Ton der Novelle „Dietegen". Keller antwortete auf diese Huldigung des unbekannten Berliner Poeten mit einem freundlichen Schreiben, in dem es hieß : „Sie haben Mich mit Ihrer gütigen Sendung in doppelter Weise überrascht, erstens durch Ihre zwei volltönigen und wirklich stahlkliugendeN Waffenlicder, die ich, zu meiner Schande, noch nicht gekannt! habe, und zweitens durch die Strophen, mit welchen Sie mein schnurriges Buch so schön und so sehr haben ehren wollen. Wenn ich mich auch gegen solche Bezeugung bescheideutlich sträuben soll, so sagt hier die Eigenliebe, wer jene Gesänge machen kann, von! dem darf man ein Lob in Züchten annehmen. Jedenfalls hat Mich gefreut, daß der Dietegen sich Ihrem kriegerischen Geiste so günstig dargestellt hat." Es dauerte noch einige Jahre, bis Wildenbruch dem Dichter des „Grünen Heinrich" von Angesicht zu Angesicht gegenübertrat; er verlebte 1883 mehrere Tage mit Kelley und nahm an den trinkfröhlichen Sitzungen in der „Meise" teil, denen der Züricher Altstaatsschreiber präsidierte. An Wildenbruchs aufblühendem und immer mehr Erfolg findendem dramatischen Schaffen nahm Keller regen Anteil und dankte ihm am 26. September 1883 für die glückliche Ankunft von fünf statt- Mchen Bänden, „die gleich ebensoviel bewimpelten Schiffen siegreich bei mir einliefen". „Es gibt Gemeinplätze," fährt er dann! fort, „welche man so wenig entbehren kann, als die Bemerkungen über Sonnenschein und Regen. So haben Sie die geistreiche Vergleichung mit Ihrem Mitbürger Heinrich von Kleist gewiß schon ost hören müssen; Nnd trotzdem muß ich mich Noch kommen Und Ihnen sagen, daß ich nach der ersten Lektüre den Eindruck empfand, als ob jener Mann aus dem Grabe erstanden, diel- Meho nie gestorben wäre und mit gesundetem Herzen und geklärter Seele in seinen letzten Jahren unter uns lebte." Bon der neuen Sammlung seiner Gedichte, die damals erschien, schreibt Keller in seiner charakteristischen Art: „Meinerseits Habe ich einen dicken Band von Gedichten zusammengerafft, wie sie ein 64 jähriges Leben mit sich gebracht. Wenn Ihnen der Verleger demnächst ein Exemplar zustellt, so haben Sie die Güte, die Widersprüche des Buches, Wahrheit und Irrtum, Form und Unform mit derjenigen Nachsicht zu betrachten, welche Sie allen menschlichen Gebrechen angedeihen lassen. Wenn Sie mich fragen, warum ich denn ein solches Buch noch herausgebe, so ist die Antwort: um den bekannten Rachlaßmardern zuvorzukommen, die mit noch weniger Kritik den Handel besorgen würden!" Als man zum 70. Geburtstag Kellers in Berlin eine Ehrung vorbereitete, war Wildenbruch die treibende Kraft und von ihm ging der schöne Gedanke aus, zwei Gemälde nach Zürich zu senden, die den alten Bauhof, Kellers letzte Wohnung in Berlin, Und den von Ihm besungenen „nord'schen Geistersee", den Tegeler See, darstellten. Der kranke Mann, der bereits den Keim des Todes in sich trug, freute sich über diese Gaben und hörte es besonders gern, daß her Generalfeldmarschall Mo ltke selber gekommen war, um hie Bilder zu sehen und als erster seinen Namen unter die Widmungsadresse zu schreiben. Ein besonderer Gruß und Dank galt Wildenbruch. Dessen Erwiderung konnte nur noch in einem Kranz auf den Sarg des Dichters bestehen, der von den Versen begleitet war: „Eine Leuchte stand auf den Bergen, — Ihre Flamme strahlte fern — Die Leuchte ward umgestoßen, — Die Flamme flog auf — ein Stern." Nicht minder herzlich gestaltete sich Wildenbruchs Verhältnis zu Conrad Ferdinand Meyer. Auch ihn besuchte Wildenbruch während seines Schweizer Aufenthaltes 1883 und der Dichter des „Jürg Jenatsch" stellte ihn seiner Gattin mit den Worten vor: „Der.wird wachsen." Besonders entzückt war der Meister der historischen Dichtung voU des jüngeren Poeten Balladen, in denen er herrliche Sachen fand. „Schon in den Metren ist ein merkwürdiger Sturm. Ich habe mir in dem Büchlein einen leichten Rausch geholt. . Jeder ZUg in jedem Gedicht ist rasch, 'keck, kurzweilig', toatttiM blutig. O Jugend!" Von Wildenbruchs Dramen schreibt er: „Ihre enorme dramatische Begabung beweisen: Leidenschaft, Vorstoß, eben so besonnener als kühner Aufbau — nun noch un- erg reifbare, streng komponierte Fabeln und haarscharf vertieft^ Charakteristik, dann ist alles beisammen!" * Einer davon. Von Sophie Schröder, die durch ihre zahlreichen Liebesverhältnisse beinahe so bekamtt geworden ist, wie durch ihre Schauspielkunst, existiert eine sehr hübsche Anek- dote, die in den toon, Tony Kellen gesankmelten Schauspieler-! Anekdoten enthalten ist. Als die Schröder eines Abends ins Theater fahren und eben in den Wagen steigen wollte, stürzte ein junger Mann auf sie zu, küßte und umarmte sie unter Tränen. Sie stutzte. „Mutter, erkennst du mich nicht? Ich bin ja dein Sohn?" Sie besah ihn näher und sagte daun: „Ach ja, du bist einer davon!" * Die Tragkraft des Haares. Die Elastizität und Widerstandsfähigkeit des menschlichen Haares war den Völkern der Antike gut bekannt und wurde von ihnen auch praktisch, verwertet. So wurden aus langen und dicken Geflechten weiblicher Haare die Stränge zn den Katapulten, jenen großen Schlcuder- uud Belagerungsmaschinen, fabriziert, die in der ganzen Kriegsgeschichte des Altertums eine große Rolle spielen; natürlich gaben nicht vornehme Damen ihren Haarschmuck zu diesem Zwecke her, sondern er^ wurde den weiblichen Sklaven abgeNpmMen. Nur WeNN die Not am größten war, hörte hier der Staudesunterschied auf; so schnitten sich bei der Belagerung Carthagvs die Patrizierinnen dieser Stadt ihre Haare ab. Um dadurch 'heu Staat zu retten. Wie weit die Trag- und .Widerstandskraft des menschlichen Haares überhaupt geht, haben ueuerdings UntersuchnNgeN französischer Gelehrter ergeben. Demnach vermag ein einzelnes Frauenhaar von mittlerer Stärke eine Last von nicht wenigen als 178 Gramm zu tragen, ohne zu reißen. Nimmt man mut an, daß der menschliche Kopf durchschnittlich 30 000 Haare besitzt (was übrigens eher zu niedrig gegriffen sein dürste als zu hoch), so ergibt sich äls Resultat, daß die weibliche Frisur eine Tragkraft von fünf Tonnen hat. Dieses Resultat wird aber dadurch noch um ein Drittel erhöht, daß das Haar gewöhnlich gedreht und gewunden ist. * Der Pfau der Urzeit. Tie große Fundgrube prä-. historischer Tierreste, die Asphaltablagerungen auf dem Rauche la Lrea bei Los Angeles', die von den Archäologen der kalifornischen Universität systematisch durchsucht wird, hat jetzt der Forschung eine neue Entdeckung beschert: man hat einen großen versteinerten Pfauhahn aufgefunden, oen ersten Pfau der Urzeit, den man auf dem amerikanischen Kontinent entdeckte. Der Fund erregt nicht geringeres Interesse, als jener versteinerte säbel- zähnige Tiger, den Professor I. C. Marriam in dem Asphaltbett entdeckte und der als der Vorläufer unserer Katzenarten gelten muß. Der, versteinerte Pfauhahn wurde von Loye H. Miller ent-5 deckt, der ihn Pava californicus taufte. Der Pfau von La Lrea unterscheidet sich auffällig von den fossilen Pfauen, die man in Indien und in Europa 'gefunden hat; er bildet eine Sonde rarr für sich, die bisher uiibekannt war. Besonders auffällig sind die großen, sehr stark entwickelten Sporen, die dem Urpfau als. Verteidigungsmittel dienten. Arithmogriph. 12 9 14 ein Halbedelstein. 2 3 6 6 3 Stadt in Hannover. 3 8 2 9 3 ein Waldbaum. 4 1 9 8 4 8 Insel im Stillen Ozean. 5 3 2 6 1 spanische Stadt. 6 3 1 biblischer Frauenname. 3 6 6 3 näheres Maß. 7 8 6 Strom in Afrika. 6 8 6 6 3 französische Stadt. 8 8 8 Land in Jnnerasieu. 2 9 8 7 8 7 wichtiges Arzneimittel. 9 3 6 3 7 3 weiblicher Vorname. 4 8 7 4 3 eine Flüssigkeit. Die Anfangsbuchstaben der gefunbenen Wörter bezeichnen eine wertvolle Erfindung neuerer Zeit. Auflösung in nächster Nummer.f Auflösung des Homonyms in voriger Nummer: Wenden. Redaktion: I. V>: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universttäts-Buch° und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.