i M Montag den 50. August W i ßj 1 Peter Nockler. Die Geschichte eines Schneiders von Wilhelm Holzamer. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Und die Elise genas. Nachwehen blieben ja, aber der Peter half ihr brav und mit Eifer, alles zu überwinden. Er sorgte für kräftige Kost und tat alles, was er sich nur ausdenken konnte, was gut wäre. Er trug sie auf Händen. Sie hatte genug gelitten. Sie sollte nicht mehr leiden. Ihren Fehler hatte sie längst gebüßt. Und sie war nicht schlecht, sie war gut, und eine treue Seele. Jetzt wollten sie das Kind zusammen aufziehen und sorgen für das Würmchen, und sie wollten sich zusammen freuen, wie es wuchs und groß und klug wurde. Und immer gut wollte er gegen die arme Elise sein, dachte der Peter, daß sie alles, alles vergessen könnte. Und so tat er. Und das Kind wuchs enger und enger mit seinem Herzen zusammen — und wie es die ersten Laute „köderte", wie es Papa rief — und Mama viel später, wie es die ersten Zähnchen bekam, die ersten Schrittchen übte, da tote der Peter ganz vernarrt in den kleinen Michel. Ganz wieder jung wurde es in ihm. Und alles Liebe und Schöne sann er für den Kleinen aus. Und so oft er von. Mainz heimkam, wenn er Arbeiten abgeliefert hatte, hatte er was für ihn in der Tasche, etwas Süßes oder ein Spielzeug. Und oft etwas sehr Unzweckmäßiges, daß ihn die Elise sogar zanken mußte. Auch die Elise vergaß er nie. Auch für sie hatte er immer etwas. Sie selbst ging ja nicht mehr aus dem Hause. Ins Dorf fast nur, weyn sie in die Kirche ging, vors Dorf, ins Feld nur mit dem Peter, am Sonntagnachmittag durch die Wiesen hin, vielleicht auch mal auf den Hügel, den „Neuberg" oder auf die „Platte". Denn auf die Höhen ging sie so gern. Sie dachte dann an die Berge ihres Odenwaldes, an ihren Wald zu Hause. Sie hätte sie gerne wieder mal gesehen. Aber nein — nie, nie, nie mehr! Sie sagte nichts, nichts von ihrem Entbehren, nichts von ihrer Sehnsucht, aber gar nichts von ihrem Vorsatz. Ihre Heimat war ihr verleidet. * Sie lebten gut miteinander, der Peter und die Elise. Sie taten einander, was sie sich an den Augen absehen konnten. Die Elise, wenn das möglich war, mehr noch als der Peter. Sie war stets ängstlich besorgt um ihn. Sie sürchtete jede Trübung, jeden kleinsten Schatten, der ihr Zusammenleben hätte stören können. Nur einen Tag, nur eine Stunde. Und so hütete sie geradezu alle Stunden ihres Lebens. Besonders ängstlich war sie jedesmal, wenn der Peter nach Mainz ging, die fertigen Arbeiten abzuliefern. Und jedesmal fragte sie ihn bis ins kleinste aus, wen er gesehen und gesprochen bade. Jedesmal atmete sie erleichtert auf, wenn er keinen bekannten Namen nannte. Denn sie hatte so eine Furcht vor den Menschen, vor ihren garstigen Bemerkungen, ihrer heimlichen Bosheit, daß sie mit einem bösen, schmerzenden Wort all das mühsam Errungene und in leidvoller Aengstlichkeit Bewahrte vernichten und Umstürzen konnten. Sie fürchtete den Stachel, der dem Peter hätte ins Herz gesetzt werden können, daß er ganz fest saß und eine Wunde riß, und nicht ruhte, bis die Wunde größer und größer war und am Herzen fraß. Die Furcht wär ihr größtes Leid jetzt geworden. Sie ließ nicht von ihr. Sie weckte sie aus dem Schlafe. Sie malte ihr schwere Szenen int 'Traume aus. Sie hielt sie ganz im Bann, und die Elise wurde scheu dabei und abgekehrt. Und sonst waren sie doch glücklich. Es ging ihnen güt. Das Kriegsjahr 1866 war vergangen, die guten Geschäftsjahre Ende der sechziger Jahre gekommen — das Geld rollte nur so, und Wein gäb's in Rheinhessen, ein feines Weinchen! — und die Rheinhessen tranken ihn wie Wasser. ■ War das doch ein Zechen daheim! War das ein Aufpochen und Sichfühlen! Denn der Rheinhesse hat so schon seinen haushohen Stolz — erst wenn er das Geld kann springen lassen, dann kocht das gallische Blut in seinen Adern, dann fordert er die Welt. So war's damals. Freilich sind ihm solche Zeiten nicht wieder beschert worden. Ein gutes Fahr war ja auch noch 1870. Dann aber war's wie abgeschnitten. Die siebziger Jahre waren alle schlecht. Die Bahn wurde da allerdings gebaut, das trug noch was ein durch die vielen fremden Arbeiter, aber sonst lag das Leben brach. Der Peter Nockler spürte das auch ganz gehörig. Seine Ortskundschaft wollte nicht mehr viel heißen, die Konkurrenz war auch stärker geworden, seine Stadtkunden waren jetzt die Hauptsache. Er beschäftigte immer noch zwei Gesellen und hielt noch einen Lehrjungen. Na aber — wenn's auch ^nal langsam ging, er konnt's aushalten. Er hatte sein Schäfchen im Trocknen. Er hatte den Michel Sieben ausbezahlt, das Häuschen war sein Eigentum geworden — ein paar Morgen Aecker hatte er sich gekauft, und einige hundert Mark hatte er ausgeliehen. Dann kam noch ein günstiger Ackerverkauf, als Bauplatz — es war mal was Erstes geschaffen, das sich vermehren konnte, das einen vor den schlimmsten Sorgen schützte, Ivie's nun halt auch wurde. Ja, sie hatten ein ganz hübsches Vermögen erspart. In der Elise wuchs auch dadurch die Furcht. Es gehe ihnen zu gut, da werde einmal ein großes Unglück kommen. Es war ihr in den Haaren angst. Nach welcher Seite das Unglück tvirken würde, darüber war sie kaum inr Zweifel. Es würde ihre Ehe zerstören, es würde ihr Leben vernichten. Es würde all aus dem einen Fehltritt erwachsen. Und es würde kommen, es würde kommen. So wollte sie mit doppelter Sorge alles tun, es recht weit fern zu halten, soweit es in ihren Kräften stehe, es recht lange hinanszuschieben. — 538 Und so lebten sie vorläufig in der gewohnten, guten Weiss weiter. Mit den Alten oben in Eintracht, Großvater und Großmutter wären die und so gut zu ihnen, als ob sie ihre leiblichen Kinder waren. Sie teilten Freud und Leid mit den Jungen, und als der Michel Sieben gestorben war, blieb die alte Meisterin die helfende, ratende.Großmutter im Hause. Sie wollt nicht zu ihrem Sohne, dein Pfarrer, .und auch nicht zu ihrer Tochter, die keine Kinder hatte. Sie hatte ihre größte Freude an dem „Petter", dem kleinen Michel. Und im Häuschen wollt sie sowieso bleiben. Da hab sie so lange drin gelebt, da wolle sie auch ihr Ende drin erwarten. Und her Peter und die Elise und der kleine Michel hätten sie auch nicht ziehen lassen. * Die! Elise weinte heimlich. Sie wär ganz aufgerüttelt, ganz ohne Halt. Nun wär der kleine Michel schon sechs Jahre alt, und nun hatte sie das zweite Kind zu erwarten. Sie wußte nicht, wäs sie tun und lassen sollte. Anfangs hatte sie ja oft gedacht, wenn sie nur nach ein zweites Kind bekäme. Das müßte doch eine Befriedigung für den Peter sein. Ein Kind, dessen Vater er wäre, ganz wäre! Vielleicht am besten ein Mädchen, daß er nicht vergleichen könnte. Denn beständig lag sie aus der Lauer, beständig war sie gespannt und beobachtete das Verhältnis ihres Mannes zu ihrem Sohne. Für jedes Scheltwort war sie im höchsten Grade empfindlich, jeder böse Blick tat ihr Weh. Sie wußte ja ganz genau abzuwägen, ob's verdient oder unverdient war, und doch — und doch — Sie konnte sich nicht dagegen wehren. Es war ja nicht der geringste Grund dafür Vorhänden. Der Peter war dem Kinde jederzeit ein lieber Vater, und ganz als sein Vater fühlte er sich. Und in Lohn und Strafe blieb er sich gleich. Es war sein Kind. Mer sre konnte sich darin nicht beruhigen. Sie sah, wie der Peter in und mit dem Michel lebte. Wie er spielte mit ihm, besorgt war für ihn, wie seine Augen äufleuchteten, wenn er in seiner Kindlichkeit etwas tat, was sein Herz bewegte. Nein, es hatte noch nie einen Mißklang gegeben, wenn ihr auch bei der und jener Gelegenheit das Herz geblutet hatte. Wenn sie sich's hintennach überlegte, war ihre über- rriebene, krankhafte Empfindung daran schuld. Denn auch mal ein böses Wort und auch mal Schläge wären nötig r—, sie wendete sie ja selbst an. Und wie stolz wär der Peter immer, wenn er dem Wichel einpn neuen Anzug gemacht hätte, und wie freute er sich, wenn der Bube sprang und kletterte und recht wild war. Freudestrahlend hatte er ihr erzählt, wie er den Michel auf dem Apfelbaum im Garten getroffen hätte, hoch droben in den Aesten. Wie der Knirps nur da hinauf gekommen wäre? Er hatte die Hühnerleiter aufgestellt und war in den Mesten weitergekrabbelt. Und die Leiter war umgesallen und er saß oben und konnte nicht herunter. „Denk dir, so en Kerl!" sagte der Peter zu seiner Frau. Sie lächelte, „'s könnt ihm aber mal was passieren dabei!" sagte sie. „Ach geh — dem wildste Stück tut's am wenigste," In allem war ihre Angst und Sorge. Etwas Unheimliches stand immer vor ihr. Das würde anders sein, wenn noch ein Kind käme. Das würde sie befreien und den Peter befriedigen. Ja, das war's ja — er konnte ja nicht so ganz zufrieden sein, es wär ja ein fremdes Kind. Mer es kam keines. Und wie so die Jahre gegangen waren und ihre Hoffnung immer geringer und geringer geworden war, da änderte sich ihr Sinn. Nein, sie wollte doch kein Kind mehr haben! Es war besser so, sie hatte nur den Michel. Gern, gern hätt sie ja noch eins gehabt. Wegen sich selbst, und dem Peter wegen. Mer sie fürchtete ja auch sich selbst, Mirde sie dem Michel noch so Mütter sein können, wenn sie ein rechtes Kind vom Peter hätte? Und ei durfte doch dem Michel nicht Stiefmutter werden. Und r Peter — nein, sie wollt's nicht ausdenken. Es war doch besser, daß keines kam. Er würde merken, was er jetzt nicht merkte: den Unterschied zwischen seinem Wn-d und dem Michel — dem fremden — dem Sündenkind! Was sie eine Angst vor diesem Wort hatte. Wenn das dem Peter je einmal einfiel, wenn er das je einmal sagte! Im Zorn, wenn ihn der Michel gar zst sehr geärgert hatte. Oder wenn's ihm einer ins Ohr geblasen hatte, so ein „guter Freund"! Sie würde zusammensinken, sie würde sterben vor seinen Augen. Sie würde ihü nie mehr ansehen können, sie würde seine Nähe nicht mehr ertragen können. Es wäre ein Schmutz, der auf sie geworfen wäre, der ihr ganzes Leben verdrehen und verderben würde, alle Liebe und Güte. Und das letzte Nestchen Kraft — es war ja nur noch ein Nestchen'. Das letzte Ruheplätzchen wäre ihr dann genommen, wo sie sich doch immer wieder auffrischen könnte, sich sammeln konnte: der Peter. Dies Gefühl, daß er vergessen und verziehen habe, daß er ganz mit ihr versöhnt ser und nichts verlange im Leben mit ihr, daß dies Leben nicht falsch sei, nicht gemacht, nicht gelogen. Und nun hatte sie auch noch beobachtet, wie der Michel dem Adam immer ähnlicher wurde. Die Nase, der Mund, das Kinn — ganz vom Mam. Und in so vielen Bewegungen und Gebärden — ganz der Adam. Leibhaftig, wie aus dem Gesicht geschnitten. Sie hatte ja den Warn schon als Kind gekannt. Sein Gang, seine Haltung, seine rasche Art — es war alles auf den Michel übergegangen. Und ihr schien's, es würde mit jedem Tag deutlicher. Std zitterte. Einmal müßte es doch der Peter merken. Wenigstens, daß das Kind von ihm so ganz verschieden war. Denn er hatte ja den Mam nur einmal gesehen. (Fortsetzung folgt.) Bühnenkünstler im Altertum. Bon Dr. Kurt Heinzmann. Nachdruck verboten. Wer die soziale Entwickelung des Bühnenberufes, dessen Angehörige neuerdings so lebhaft gegen die durch ihre Engagementsverträge bedingte „Theatersklaverei" ankämpfen, von seinen frühesten Anfängen an verfolgen will, wird besonders die beiden Hauptkulturstätten des Altertums, Hellas und Rom, zu berücksichtigen haben. Schon früh stand die hellenische Kunst in glänzender Mute. Theatralische Darstellungen waren hei den Griechen Staatsakte religiösen Charakters. Die Tragödie 'entwickelte sich aus deck dithyrambischen Chören, die hei den Dionysosfesten vorgetragen wurden. Die Komödie aber bildete sich aus den Liedern aus, die von den schwärmenden Teilnehmern dieser Feste gesungen wurden. Thespis (auf den launigerweise der „Thespiskarren" unserer „Schmieren" zurückgeführt wird) tont zuerst auf den Gedanken, den die Chorgesänge verbindenden Text durch einen Schauspieler sprechen und darstellen zu lassen. Längere Zeit blieb der Dichter auch zugleich der einzige Schauspieler. Den Chor stellte der Chorführer auf eigene Kosten' aus deut Kreise der Bürger. Erst als die draruatische Dichtkunst schon in hoher Blüte stand, zu bett Zeiten des Aeschyios, kam um 500 v. CH. ein zweiter, bald darauf, etwa zur Zeit des Sophokles,- ein dritter Schauspieler auf. Mehr als drei Schauspieler, aber (obwohl autch die attischen Tragödien zuweilen zehn verschiedene Rollen haben) und als fünfzehn „Choreuten" (Chorsänger) hat die attische Bühne auch zur Zeit ihres dritten Klassikers, des Euripedes, nicht besessen. Der Dichter aber zog sich ällmählich von den Aufführungeck zurück und war nicht mehr als Protagonist, als Heldenspieler, tätig. Protagonist wurde später der Unternehmer, der sich dem Staate gegenüber verpflichtete, mit zwei Gehilfen die vorkommenden Nollen gegen Honorar zu spielen. Trotz des Entgeltes aber litt das Ansehen des Bühnenkünstlers nicht. Gelegentlich wurdest sie sogar in Kriegsfällen als Gesandte ausgeschickt. Die Ausrüstung der Schauspiele aber, die Leitourgie, wurde von den höchstbesteuerten attischen Bürgern (neben der Ausrüstung der Flotte) als eine Art Ehrenvorzugssteuer abwechselnd übernommen. Auch von Staats wegen war in Athen ein ziemlich beträchtlicher Fonds „auf ewige Zeiten" dafür reserviert, daß auch dem Aermsten freier Eintritt gewährt werden könnte. Ein Staatsgesetz verbot sogar bet Todesstrafe, diesen Fonds jemals anzst- greifen. IM alten Athen also stand schon etwa im Jahre 400 v. Chr. Kunst und Literatur in höchster Blüte. Zwar war die Mimik absolut noch sticht ausgebildet, denn die Darsteller trugen Gesichtsmasken: auch muß die Bewegungsfreiheit auf der Bühne dadurch gelitten haben, daß die Darsteller zur Vergrößerung ihrer Statur auf hohen Stelzschuhen (Kothurn) einherstolzierten; endlich wurdest unnatürlicherweise auch die Frauenrollen noch von Männern gegeben. Immerhin aber war der Bühnenberuf durchaus angesehest und bürgerlich gleichberechtigt. Im übrigen aber läßt sich die soziale und rechtliche Entwicke- kungsgeschichte des , Bühnenkünstlerberufes am besten dort ver- folgen, too klares juristisches Denken am frühesten ausgebildet war, her den Röstkern also, deren Rechtsanswattungen im Corpus 539 Justin befreite solche Schauspielerinnen, ,,die ihren schimpfliche» Beruf aufgeben und anständig werden wollten", von der Infamie, Er ermöglichte ihnen sogar eine legitime Ehe mit Senatoren^ Zu dieser auffallenden Milde wurde jedoch der Kaiser, tote uns Prokop verrät, nur von seinem Sohne Justinian veranlag und zwar aus einem recht egoistischen Grunde. Justinian nämlich wünschte die Pantomimentänzerin Theodora zu ehelichen, eine der schamlosesten und berüchtigsten Dirnen — dieselbe Theodora, die der Kaiser in Novelle 8 als seine heiligste, von Gott ihm! gegebene Gattin preist. Die Erfahrungen aber, die der hohe Gesetzgeber mit seiner Gemahlin machte, scheinen ihm den Bühneri- beruf nicht gerade in ein besseres Licht gesetzt zu haben. Abe« gerade deshalb ermöglichte er jenen Frauen, welche die Bühnen-' laufbahn aufgeben wollten, die Lösung ihrer Verträge. Schon im Jahre 380 n. Ehr. hatte eine Konstitution bet* fügt, .daß Frauen unter Berufung auf ihre christliche Religio» ihren Bühnenvertrag lösen dürften. Mißbräuche dieser Ver- günstigrmg aber veranlaßten bereits im nächsten Jahre die Aufhebung dieses Privilegs. Eine ehemalige Schauspielerin, die sich später als Ehristin ihrer Religion unwürdig zeigte, sollte vielmehr, lebenslänglich und hoffnungslos der Bühne verfallen sein. Möglich. daß die damaligen Bühnenleiter diese kaiserliche Erlaubnis etwas zu reichlich ausnutzten. Denn Plinius berichtet, Lucreja sei noch mit 100 Jahren aufgetreten. Sulla aber ließ dis 98jährige Galeria Copiola ihr 90jähriges Bühnenjubiläum feier», (Und manche deutsche Hofbühnen scheinen dies für ein besonders nachahnrenswertes Beispiel zu halten!) Erst Justinian bestimmt« ganz allgemein, daß Bühnenkünstlerinnen, die ihres Berufes überdrüssig wären, ihren Kontrakt lösen dürsten; jede Bürgschaft! für die Einhaltung des Vertrages sollte ungültig und sogar strafbar sein. Gegen schlaue Direktoren aber, die sich nunmehr von ihren Damen die Kontrakte eidlich bekräftigen ließen, verfügt« der Kaiser, .daß auch diese Eide ungültig und an dem Promissa« strafbar seien. Aus alledem geht zur Genüge die tiefe Mißachtung hervor, Mit der die Gesetzgebung die Künstler behandelte. Aber gerade die Notwendigkeit solcher Vorschriften beweist, daß es die vornehmen Römer mit der von der hohen Obrigkeit dekretierten Abneigung gegen die Bühne nicht allzu genau nahmen, ganz besonders, seitdem' das schöne Geschlecht auf der Bühne immer mehr hervortrat und seine angeborene Befähigung zum Komödienspielen praktisch betätigte. Der geniale Sulla verkehrte zuerst freundschaftlich und öffentlich mit Bühnenkünstlern. Trotz alledem aber blieben die letztere» insam. Vergebens dekretierte der Senat im Jahre 15 n. Ehr., daß kein Senator das Haus eines Mimen betreten, und daß di« «Ritter nicht auf der Straße die Darsteller umschivärmen sollten, Verloreires Liebesmühen — denn Juvenal spottet über de» Einfluß des Schauspielers Paris auf die Verleihung von Staatsämtern und Kommandeurstellungen. Seneca aber räsonniert, die vornehmsten jungen Römer wären Sklaven der Schauspieler; Männer und Frauen zankten sich, wer einen großen Künstler be- S' iten durfte. Später veranlaßten einzelne Kaiser auch Ritter, selber auf der Bühne bewundern zir lassen. Nero trat selbst auf der Bühne auf, unnd Sueton macht sich recht lustig über! das LaMpenfieber des kaiserlichen Darstellers. Eine besonder« Anziehungskraft scheint also der Pomp und das Pathos bet Bühne von jeher auf geisteskranke Zäsaren zu üben. Die Gagen einzelner bedeutender Mststler erreichten scho» damals eine recht üppig« Höhe. Der Komöde Roscius, et» Freund des Sulla und des Cicero, bezog für wdes Auftrete» 1000 Denare. Spater trat er nur noch zu seinem Vergnügen, auf. Sein Kollege Clodms Aesopus hinterließ 20 Millionen Sesterzen (3 400 000 Mk.). Tout comme chez nous! Nicht alle Darsteller freilich befanden sich in so glücklicher Sage, besonders jene nicht, die nicht zugleich Bühnenleiter waren. Dem Direktor, wie deut Publikum gegenüber befanden sich nämlich die Künstler in ziemlich unwürdiger Sage. Daß der Herr Direktor sich stets die dankbarste» Bravour- rolletr zuteilte (was, wie man munkelt, auch heute »och Vorkommen soll), daß er auch die Gagen einseitig bestimmte, mag noch erträglich erscheinen. Jiivenal witzelt aber auch noch übet einige sehr bedenkliche Beschränkungen der Liebesfreiheit der Bühnenmitglieder. Im Interesse der Erhaltung der Stimmittel wurde nämlich die Tugend der Darsteller auf eine recht sinnvoll« Art tatsächlich hinter Schloß und Riegel gelegt. Die Magistrate aber arrogierten sich sogar das Recht, Darsteller, die schlecht spielten, durchprügeln zu lasten. Auch das geschätzte Publikum zeigte sich gegen unbeliebte Darsteller nicht sonderlich höflich und komplimentierte sie mit Zischen und Brüllen, Anderseits erzwang es auch die Freilassung von Sklaven, di« auf der Bühne exzellierten. Die hohe Obrigkeit erklärte redoch solche Freilassungen für ungültig. Allzuviel Kunstsinn darf man freilich dem „p. t." Public« Romano nicht zutrauen. Denn zuweilen gelüstete es m einet (wahrscheinlich klassischen) Vorstellung nach einem Gladiatorenkampf oder nach 'einer Bärenhatz. Bei Meinungsverschiedenheiten über die Qualität eines Bühnenstückes aber schob man wohl auch ein kleines Intermezzo sinfonico in Gestalt einer solennen Rauferei ein. Oder man prügelt« gar die Künstler zum Theater hinaus. Juris Civilis des Kaisers Justinian im 3. und 4. Jahrzehnt des 6. Jahrhunderts n. Ehr. eine einzig dastehende systematisch« Kodifizierung erlangten, nachdem freilich der Schwerpunkt des gewaltigen Reiches längst von der Stadt des Romulus nach Byzanz, dem heutigen Konstantinopel, verlegt worden war. In Rom allerdings (interessante Quellenstudien hat hier namentlich der frühere Wiener Hofburgtheaterdirektor Dr. Max Burckhard unternommen, der sie in einem fesselnden Münchner Vortrage „Das Recht des Schauspielers" vor einem Jahrzehnt niederlegte) war der Bühnenkünstler niemals sozial als vollberechtigt angesehen. Werden doch hier die Bühiienkünstler mit Gauklern, Kopisten, Ringkämpfern, nicht allzu galanter Weise sogar mit Mauleseln »nd Pferden zusamtnengestellt. Denn die (römischen Schauspieler waren in der Regel Sklaven. Der logisch nüchtern denkende Römer aber behandelt den Sklaven nicht als Person, sondern als Sache. Nur als Objekt kommt er deshalb rechtlich in Betracht, maßgebend ist int wesentlichen nur das Interesse seines Herrn. Die Digesten nennen deshalb die Schauspieler besonders in der Lehre vom Mißbrauche an Sklaven (ungefähr wie wir Strafbestimmungen gegen Tierquälerei haben) und von den schuldigen Dienstleistungen der Freigelassenen. Auch lllpiau gebraucht die Schauspieler gern zu Schulbeispielen. Unerlaubter Mißbrauch eines Nießbrauchrechtes sei es z. B., wenn man Musiker als Hausknechte, Ringkämpfer als Kanalräumer, Schauspieler als Badediener benütze. Julian ist der Ansicht, ein Padro» dürfe den freigelassenen Pantomimen bei Spielen, die er ober einer seiner Breunbe veranstalte, zur unentgeltlichen Mitwirkung heranziehen, aulus bestimmt, baß jentanb, ber ein Glied aus einer Schauspielertruppe, aus einer Musikkapelle oder — einem Viergespann erschlagen habe, nicht nur den Wert des erschlagenen Stückes, sondern auch diejenige Wertminderung ersetzen müsse, welche „das Ensemble" dadurch erlitte. In Rom war eben die Schauspielkunst von griechischen. Sklaven nach Italien gebracht, nicht wie in dem kunstsinnigen Hellas ein Mittel zur Erlangung von ehrenden Preisen bei nationalen Festen, sondern ein Schaustück bei glänzenden Privatfestlichkeiten oder aber ein Mittel zum Gelderwerb. War doch selbst der dramatische Dichter, wenn er für die Ueberlassimg seiner Stücke Bezahlung annahm, mißachtet, so daß nur Leute niederen Standes (der griechische Sklave Livius Androuikus soll der erste römische Dramatiker gewesen sein und etwa 240 v. Ehr. das erste Drama zür Ausführung gebracht haben) sich mjt der dramatischen Dicht-, kunst befaßte». Sv war außer Livius And-rvnikus, der zuerst den Sin» für dramatische Kunst bei den Römern erweckte, auch Terentins Äser ein freigelassener Sklave. Plautus schrieb als Müllerbursche seine ersten Komödien und Ennius war zuerst gemeiner Soldat, bann Privatlehrer. Die Geringschätzung des Bühnenberufes aber kam bei den Römern nicht nur im gesellschaftlichen Leben zum Ausdruck; sie verkörperte sich auch in einem Rechtssatze, der sie geradzu ehrlos machte. Das prätorische Edikt nämlich 'erklärte gewisse Klassen von Menschen für ehrlos, für mit dem Makel der Infamie behaftet, Und unter diesen nebeln Diserteuren, Kuppler, Dirne», (Sieben, Räubern auch alle jene, die als Schauspieler die Bühne betraten. Die Rechtsfolgen der Infamie gingen sehr weit. Denn der Jnfamierte war von allen Würden und Ehrenämtern, vom Kriegsdienste und von der Befugnis, vor Gericht für andere Anträge zu stelle» ausgeschlossen. Auch Mare» die Geschwister eines' Erblassers, der in feinem Testamente einet» Infamen zum Erbe» eingesetzt hatte, berechtigt, dieses Testament anzufechten. Die Lex Julia de maritcmdis ordinibus aber erklärt die Ehen von Schauspielern, Schauspielerinnein und deren Kindern mit Senatoren und deren Nachkommen (bis zum Urenkel hinab für ungültig. Modestin bemerkt dazu, auch bei Eheschließungen müsse man auf Anstand sehen; selbst nachträglich könite eine solche Ehe aufgelöst werden. War aber eine Senatorentochter selbst Schauspielerin geworden, so durfte sie auch einen Freigelassenen heiraten; denn denjenigen brauche die Ehre nicht gewahrt zu werden, die, wie Paulus aus- sührt, sich so schmählich erniedrigt hatte». Ein besonderes Vorrecht hätte überdies der in seiner häuslichen Ehre von einem Schauspieler betrogene Gatte. Denn er durfte den Missetäter, wenn er ihn in feinem1 eigenem Hanse betraf, auf der Stelle töten. Soldaten aber sollten mit dem Tode bestraft werden, wenn sie jemals lauf einer Bühne aufträten. Die ungünstige Rechtstellung der Mimen aber lag weniger in der Sittenlosigkeit des römischen Bühnenlebens, als in dem Momente der Entgeltlichkeit der körperliche» Schaustellung. Sonderbar ist immerhin die Tatsache — Misogynen ein willkommenes Argument —, daß die Moralität der Bühne dort wesentlich gesunken ist, wo weibliche Rollen durch weibliche Künstler dargestellt wurden, und daß sie dort gar nicht mehr tiefer sinken kann, wo, wie bei gewissen Bühnen niederster Art, das schön« Geschlecht fast ausschließlich dominiert. An der Infamie der Schauspieler aber hielt das Römische Recht ziemlich zähe fest. Eine Konstitution Kaiser Konstantins vom Jahre 336 n. Chr. erklärte z. B. Senatoren für infam, wenn sie Kinder, die ihnen eine Schauspielerin geboren hatte, auch nur W legitimiere» suchten. Echte Nietzsche'sche Herrenmoral! Erst (Lieber Gott, wie sittsam sind' dagegen doch unsere braven Abonnentinnen !) Schon damals herrschte zuweilen ein etwas allzu glühender Theater-Enthusiasmus. Wogegen die väterlich besorgte Obrigkeit Prügelstrafen, Verbannung, ja sogar Todesstrafe vorschrieb. Der Beifall des Publikums hatte also auch schon für den römischen Schauspieler ungemein viel Wert. Kein Wunder deshalb, daß es auch schon im sinkenden Rom .eilte organisiert^ Claque gab. Der Dichter Plautus schaltete zwar im Prolog zu seinem „Amphitrus" schöne Beispiele über die Nichtigkeit des Beifalls ein. Dr. Max Burckhard, der geniale Wiener Spötter, aber vermutet launig, daß der Dichter wohl trotzdem mit dem Ches der Claque vor der Premiere einige vertrauensvolle Händedrücke 'gewechselt hätte . . . Im alten Athen also stand schon um 400 v. Chr. die dramatische Produktion, in geringerem Grade auch die Reproduktion, auf ziemlich glänzender Höhe; die Bühnen (weite, zirkusartige, nach oben offene Riesenbauten) sind staatlich; die Künstler nehmen eine durchaus geachtete Stellung ein. Im alten Rom dagegen — dessen ganze Kultur sich ja, mit alleiniger Ausnahme der Rechtskunde, sowie einzelner Lyriker, Satiriker und Historiker, sich lediglich als verschlechterte Imitativ^ des hellenischen Geisteslebens erweist — stehen die Bühnenkünstler, anfangs nur Sklaven, infolge ihres Lebenswandels (Prostitution), noch mehr aber wegen der Entgeltlichkeit ihrer körperlichen Schaustellung, in sozialer Hinsicht ziemlich tief, wie aus zahlreichen Stellen der „Juristenbibel", des Corpus Juris Civilis, zur Genüge hervorgeht. Die rapide Entwicklung der Weltstadt brachte den Künstlern zwar hohe Gagen und vereinzelt auch einflußreiche Stellungen, ohne jedoch die moralische Wertschätzung des Standes zu heben. Ein neues wettwmoer. D. San Francisco, im August. Wer kennt Los Angeles? — Vor etlichen zehn Jahren war es ein südkalifornisches Nest, heut ist es eine große, reiche Industrie- und Handelsstadt und Verkehrsknotenpunkt für die nach sieben Richtungen ausstrahlenden Bahnen des südlichen Kalifornien. ®a reichte die alte Wasserleitung, die auf einer einzigen Quelle basiert, nicht mehr aus. Man wollte nicht bloß für ein bis -zwei Jahrzehnte, sondern für die Zukunft Wasser haben und suchte deshalb gleich den größten und wasserreichsten Fluß als Quelle aus, den das Land dort überhaupt hat. Dieser, der Owens River, ist zwar 350 Kilometer von Los Angeles entfernt, und dazwischen liegen noch ein paar hohe Gebirgsketten, aber das tut nichts, er hat wenigstens Wasser die Fülle. Er wird von der schneebedeckten Höhe der Sierra Nevada, in der Nachbarschaft des Uosemitetals, gespeist, und gelangt trotz seines reißenden Laufes nie bis ins Meer. Er füllt nur bett Owens-See und verblutet sozusagen unter den Strahlen der kalifornischen Wüstensonne. Man beging also nicht einmal einen Raub, indem man ihn annektierte. Die Kosten sind allerdings enorm: der Kanal mit seinen Tunnels, Viadukten und Zubehör soll 90 Millionen Mark kosten. Die Bürger von Los Angeles warteten auf keine Hilfe von oben und auf keinen fremden Unternehmer, sie zeichneten die ganze Summe, und ein Kind ihrer Stadt, W. Mulholland, entwarf den grandiosen Plan, nach dem nun die Arbeiten ausgeführt werden. So aus- geführt, daß sich die hineingesteckten Millionen recht hübsch' verzinsen werden. Eins war sofort klar: der Wasserbedarf von Los Angeles konnte in alle Ewigkeit nicht ausreichen, den Hundertmillionenbau ztr verzinsen, und wenn sich-alle Bewohner voll und toll tränken und die Reinlichkeit bis zum Wahnsinn steigerten. Man mußte das Ding anders angreifen. Man nimmt an Wasser, was man überhaupt bekommen kann, und benutzt es zu allen gegebenen Zwecken, als Kraftquelle, Landbewässerung, städtische Wasserleitung. Die Entnahme findet nicht aus dem Owens-See statt, wo das Wasser durch Verdunstung rasch an Menge verliert und außerdem so tief liegt, daß es den größten Teil seiner Druckkraft schon eingebüßt hat, sondern 65 Kilometer oberhalb in den Bergen, wo ein Riesendamm das Tal schräg absperrt, den Fluß staut und eine Wassermenge von 12 Kubikmeter in der Sekunde (über 40 000 Kubikmeter stündlich!) in bett Anfang des großartigen Aquädukts drängt. Dann beginnt sofort der schwierigste Teil der Leitung, das Kreuzen des 100 Kilometer laugen Jawbone- Distrikts, einer unbewohnten Bergwüste, in der die Gewässer un- unterbrochen durch eine Folge von Eisenrohren, überdeckten Beton- tanälen # und Felsentunnels fließen. Ein 30 Kilometer langes Stück dieser Leitung hat 13 Kilometer Tunnels, 5 Kilometer Stahlrohre und 17 Kilometer Betonkanäle, alles von gigantischen Proportionen. Die Felsdurchbohrungen werden 11 Fuß weit au- Gclcgt, und bei. vollem Zufluß wird sich ein reißender Strom 2 Meter Tiefe hindurchwälzen. Der größte Tunnel in der :_;t)ettton hat 2400 Meter Länge, die Küstensierra aber wird von ineirL5u?ne^ von 8200 Meter Länge durchbohrt, wahrscheinlich ocm kühnsten Wasserleitungstunnel, der auf der Erde existiert. Und diese Arbeiten sind größtenteils in einer weg- und menfchen- losen Wüste auszuführen. Sand und Steine gibt es wohl längs der ganzen Route, aber die benötigten Eisenmassen, das Holz und der Zement (über eine Million Fässer) sind heranzufchaffen. Auch da hat man Rat gewußt. An mehreren Stellen läßt sich das Gefälle der Leitung zu gewaltigen Sprüngen zusammeit- dräNgen. Hier werden Bassins, Druckrohre, Turbinen, große elektrische Werke angelegt, die schon während der Arbeiten mehr Kraft liefern, als für die Transporte, die Betonmühleu nsw. erforderlich. Da wird mit elektrischer Kraft gebaggert, Land getrocknet, werden Felsen gebohrt, Durchschnitte gesprengt, Bahnen betrieben nsw. Später soll von den beiden Hauptkraftwerken, von denen das eine 93 000 PS. leisten wird, Energie in der Spannung von 75 000 Bolt auf 200 Kilometer Entfernung übertragen werden. . So erreichen.die Gewässer das Tal von San Fernando, an Druckkraft erschöpft, an Masse weit mehr, als Los Angeles verbraucht. Der Rest wird in einer Reihe von großen Becken an« gesammelt und soll in der trockenen Jahreszeit beträchtliche Ge-. biete jetzt dürren Landes in Fruchtgärten verwandeln. — Amerika, du hast es besser!'sagte ein großer Dichter mit Recht. Vermischtes. * I tt 2 2 Minuten vom Weizenfeld z tt nt B i s - fuit. In dem amerikanischen Städtchen Waitsburg steht die älteste Mühle des Staates Washington. In dieser Mühle sind neulich Biskuits verzehrt worden, deren Entstehungsgeschichte ein Kuriosum ist. Als man diese Biskuits nämlich aus dem Backofen heräuszog, waren erst 22 Minuten verstrichen seit dem Augenblick, in dem man das zu ihnen verwandte Weizenmehl als wogendes Korn auf sonnigem Felde schnitt. In 22 Minuten vom schwankenden Halm zum tadellosen Biskuit! Es ist gut, daß der Vorgang von 50 einwandfreien Persönlichkeiten bezeugt worden ist, wir wären sonst sicher geneigt, an einen Scherz zu glauben. Die Beschreibung des Arbeitsprozesses überzeugt uns allerdings sofort von der Wohlausführbarkeit dieses Kunststückchens. Auf dem Weizenfelde eines Mr. Ätkinsons (das zwei Meilen voN der Mühle entfernt war) begann die Arbeit. Mr. Atkinson war sogleich mit dem Versuch (den man ganz unvorbereitet unternahm)- einverständen und ließ die Maschinen auf seinem Felde sofort anhalten. Als sie gereinigt waren', gab man das Zeichen zum Schneiden des Probekorns. 9 Uhr 3 Mist', stand dieses noch hoch und stolz auf dem Feld. 9 Uhr 4 Min. sah man die ersten! Halme fallen, 9 Uhr 8 Min. wanderte der Weizen in die Dreschmaschine. Drei Minuten später standen vier wohlgefüllte und zNgenähte Säcke Weizen auf dem Feld. 9tun galt es, diese Säcke, die zusammen 535 Pfund wogen, in die zwei Meilen entfernte! Mühle zu schaffen. Sie würden zu diesem Zwecke auf ein Automobil von 30 Pferdestärken geladen, das mit einer Geschwindigkeit von 40 Meilen pro Stunde Waitsburg entgegensauste. Drei Minuten, nachdem man den letzten Sack auf dem Felde zugenäht hatte, war das Korn schon in der Mühle gewogen worden und in dem mächtigen Mühlentrichter verschwünden. Fünf Minuten später, 9 Uhr 19, erschien das erste Mehl. Augenblicklich stürzte sich ein Bäcker darauf und begann cs mit Wasser und Backpulver zu verrühren. 9 Uhr 21 wurden die rohen Biskuits in eilten vorher erhitzten Gasolin-Ofen hineingeschoben. Als sie zwei Mi- NNten gebacken hatten, waren die vier Säcke Weizen inzwischen schon zu zwei Säcken tadelloseit Mehls gemahlen, die fertig zum Versand dastanden. Die Biskuits buken im ganzen fünf Minuten'. 9 Uhr 26 zog man sie aus dem Ofen heraus. Sie waren tadellos geraten und zeigten auf ihrer Wölbung die kunstgerechte bräunliche Tönung, die sie haben müssen. Man verteilte sie unter die Zuschauer, die ihre Uhren mut einstecken ko mitein Silbenrätsel. amt, an, bahn, co, den, ci, ew, i, il, ke, la, ler, nut, ne, nel, iti, ra, ro, feit, mj. Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart nntereiuander gesetzt werden, daß die Anfangs- buchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein Sprichwort ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes: T. Eine Behörde. 2. Nebenfluß der Donau. 3. Römischen Kaiser. 4. Russischen Staatsmann. 5. Gebirge in Amerika. 6. Freund Lessings. 7. Wohlriechende Blume. Auflösung in nächster Nummer.' Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Mußt dich selber überwinden, Duldend schweigen; — das nur kräftigt, Mitleid wähne nicht zu finden, Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Bauernfeld. Li de di tu dr C dc m tu fr iv kl U d< ir jc A U B u A u st K l 'Aktion - g. V.: E. Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.